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Samstag, 11. August 2012

Neue Aktion: Kein Mitleid mit Drygalla

Nadja Drygalla verließ wegen ihres Freundes, einem ehemaligen NPD-Mitglied, die Olympischen Spiele. Viele empfinden Mitleid mit der 23-jährigen – und vergessen wer die effektivsten Helfer der Neonazis sind: die Untätigen. Immer mehr anständige Demokraten erkennen das und fordern entschieden „kein Mitleid mit Drygalla!“ Beziehungen sollten Privatsache sein, das versteht sich in einem zivilisierten gemeinwesen von selbst. Doch wer Neonazis in seinem Umfeld, Freundeskreis oder seiner Familie akzeptiert und sich nicht entschieden lossagt und alle Kontakte sofort abbricht, unterstützt die rechte Szene. Er ist wird durch sein Wegsehen selbst zum Nazi, ein Menschenfeind, der gewaltätig wirkt durch Unterklassen, der mordet durch Zuschauen und Rassismus predigt, indem er sich – wie Nadja Drygalla – von einem Faschisten ficken lässt.

Doch unsere Menschen sind wachsam, sie spüren, dass hier eine offene Stellungnahme nötig ist wie seit 1976 nicht mehr, als es galt, dem Quertreiber Wolf Biermann zu zeigen, wofür das herz der wahren Kommunisten schlägt. Unzählige haben sich bei uns gemeldet, um ihren Abscheu gegenüber der jungen und von weitem recht lecker wirkenden Sportlerin öffentlich zu machen. Wir zitieren Auszüge aus den sehr persönlichen und zugleich so politischen Stellungsnahmen:


Willi Dose, Baggerfahrer, Deuben:

Mir ist die Verhaltensweise der Drygalla durch Rundfunk, Fernsehen und Presse unserer Republik bekannt. Meine Meinung ist, Drygalla hat sich nicht wie ein Bürger unserer Republik benommen. Sie hat die Menschen unserer Republik an Faschisten verraten. Ich distanziere mich von solchen Leuten und halte die Ausweisung aus London für richtig. Ueberall in unseren Tagebauen Profen-Süd und -Nord sowie in den Veredlungsanlagen haben Brigaden und Schichtkollektive ihre Zustimmung zur Ausweisung Drygallas gegeben. Sie bezeichnen Drygalla als Arbeiterverräter.

Heike Ahrend, Aldi-Verkäuferin, Nürnberg:

Die arbeitenden Menschen haben es in ihrer Geschichte immer wieder auch mit Leuten zu tun gehabt, die sich für anständige Demokraten ausgaben, ihnen jedoch in ihrem schweren und gerechten Kampf in den Rücken fielen und sich früher oder später in den Armen der Arbeiterfeinde wiederfanden. Eine davon ist Nadja Drygalla. Sie hat sich selber mit ihrem Verhalten aus dem Staat ausgeschlossen, der Bundesrepublik Deutschland heißt und zum ersten Mal auf deutschem Boden die Demokratie errichtet hat. Der Beschluss der Regierung, Nadja Drygalla aus London zurückzubeordern, ist nur der logische Schlussstrich unter ihren Verrat.

Werner Scherz, Ingenieur, Heidenheim:

Wenn einige meiner Kollegen meinen, sie müssten für den Skandal nicht Drygalla, sondern die demokratische olympische Bewegung und die gewählte Regierung verantwortlich machen, so kann ich sie nur bedauern und sie bitten, sich, wenn schon nicht der Lehren der Geschichte, so doch der Wahrheit zu widmen. Diese Frau liebt einen nazi und sie hetzt damit gegen unsere Grundwerte. Was sollen die Kinder denken, für die Frauen im Ruderachter schon immer Idole waren? Denn noch immer gilt für einen Demokarten in unserem Land die Einheit von Wort und Tat. Man kann nicht wie Nadja Drygalla Hosianna auf irgendeine abstrakte Demokratie rufen und sich zugleich auf die real in der Bundesrepublik existierende freie Meinungäußerung berufen.

Anneliese de Camago, Eisverkäuferin, Dresden:

Mit Parteinahme und Leidenschaft unterstützen wir Werktätigenin Elbflorenz die Entscheidung unserer Olympiaführung, Nadja Drygalla wegen ihrer faschistischen Verbindungen zu bitten freiwillig aus London abzureisen. Ihr Handeln ist Verrat an den Idealen der olympischen Bewegung.

Nikolaus Schneider, Präses, Evangelische Kirche in Deutschland:

Wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit umkehrt, so soll's ihm nicht schaden, dass er gottlos gewesen ist, heißt es bei Hesekiel. Daraus lernt man, dass es Umkehr geben kann und dass man die auch Frau Drygalla zugestehen muss. Die Umkehr, wie sie bei der Ruderin möglich und auch zu verlangen ist, muss tatsächlich errungen und ernst gemeint sein. In Sippenhaft für ihren Freund darf Frau Drygalla schon gar nicht genommen werden. Und ich sage ihr, bei Gott sind wir unabhängig von unserer Leistung wertgeschätzt und angenommen.

Roger Müller, Verkäufer, Rostock:

Ich bin empört, dass Frau Drygalla uns Demokraten als Lügner und Heuchler hinstellt. Sie kam 1990 in unsere Republik und hat sie ganz schön ausgenutzt. Was ist das für ein Mensch, der vorgibt, ein Demokrat zu sein, aber in gleichem Atemzug unser Land durch eine Beziehung zu einem Nazi beschmutzt? Damit hat sie sich selbst als Faschist entlarvt und darf sich jetzt nicht wundern, dass sie London verlassen musste. Ich solidarisiere mich voll mit dem Beschluss unserer Olympiaführung.

Kommentare:

Cordt hat gesagt…

Hui, der verlinkte FR-Beitrag hat es in sich. Vielen Dank! Lese ich ja sonst nicht. Von Duktus und Logik des vermuteten Pseudonyms bin ich hin und weg.

"Nun ist von Gesinnungsschnüffelei die Rede. Aber: Nationalsozialismus ist keine Meinung, keine Gesinnung. Er ist ein Verbrechen. Nach ihm wird nicht geschnüffelt, sondern gefahndet. Er greift den Kern unserer demokratischen Werte an. ...
Alle bemühten Vergleiche zur Linkspartei sind deshalb denkbar unangebracht. Erstens ist die NPD in Deutschland keine legitime Partei. Ihr Verbotsverfahren wurde lediglich ausgesetzt. Das bedeutet, dass es zu ihrer Existenzberechtigung nie eine Entscheidung gab ..."

Jakobiner.

eulenfurz hat gesagt…

Der FR-Text ist echt klasse.

Darin muß man nur "Nazis" durch "Juden" ersetzen und hat endlich ein ersehntes Exemplar des "Stürmer", welcher doch so schwer auf dem Schwarzmarkt zu ergattern ist.

Anonym hat gesagt…

Für die westlichen Altlinken, die unsere Systempresse nunmehr fest in ihrem Würgegriff haben, war der Untergang der Dä-Dä-Ärr eigentlich das Beste, was ihnen passieren konnte. – Denn die dortigen spiessigen Betonköpfe hatten mir ihrer zu plumpen und grobschlächtigen Propaganda den heiligen Sozialismus jahrzehntelang desavouiert, und unmöglich gemacht Jetzt, da diese Dilettantenbande wech ist, oder anderweitig untergekrochen, kann sich hier der wahre Ökosoziofemimultikulturalismus zu seiner wahren Pracht entfalten. Jetzo können sie ihren wahren Intentionen frönen, ihre Diktion aus dem innersten Herzen schöpfen, ohne das verdächtige Ähnlichkeiten zu Organen des Aaabäida-und Bauan-Staades auffielen.

Ein weitere Aspekt ist: Die antifantische Paranoia nimmt exponentiell an Fahrt auf, in „diessem, unsserem Landööö“. Denn trotz immer geölterem Denunziantentum, immer lauterem Abschwörkrakeele, immer irrwitzuigeren Distanzier-Marathons, ist unsere „ewige Erbschuld“ noch keinen Deut abgetragen worden. – Daher versucht es die deutsche Kartoffel mit noch mehr Quantität, in der einfaltspinseligen Hoffnung, dass irgendeiner unser edlen Nachbarn uns in einer Anwandlung gnädiger Herablassung , wenigsten ein bisschen Schuld erlässt,

Obo

Volker hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Volker hat gesagt…

Seltsam. Einmal gelernt, steck es in uns drin - die richtige Reihenfolge:
- Baggerfahrer
- Verkäuferin
- Ingenieur.

+

Nur eine kleine Kritik möchte ich anbringen. Ist sie wirklich Verkäuferin bei ALDI und nicht im Konsum?

Anonym hat gesagt…

Da haben wir's. Frau Zimmermann hat festgelegt, dass die NPD, wenn schon keine illegale, so doch eine illegitime Partei ist und daher... hier reißt die Folgerungskette bzw. Zimmernanns Intellekt leider ab.
Ich möchte deshalb ergänzen: Weil die NPD keine legitime Partei ist, darf man keine sozialen Kontakte zu Mitgliedern und Sympathisanten haben, es sei denn, um ihnen im Rahmen einer amtlich genehmigten Aktion gegen Rechts den Hitler auszutreiben.
Noch zu erlassende Richtlinien zum Umgang mit nichtlegitimen Parteien können in Kürze bei ihrem Abschnittsbevollmächtigten erfragt werden.

derherold hat gesagt…

"Für die westlichen Altlinken, die unsere Systempresse nunmehr fest in ihrem Würgegriff haben, war der Untergang der Dä-Dä-Ärr eigentlich das Beste, was ihnen passieren konnte."

Jein.
Eines ist richtig: Nirgendwo ist Sozialismus so schön wie im Kapitalismus.

Die "Betonköpfe der DDR" hatten im Westen keinerlei (negative) Wirkung und zunächst wurde man durch den Mauerfall "zurückgeworfen" ... was die blanke Wut der Westlinken auf die Ostdeutschen erklärt.

Richtig ist, daß die westlichen ML´er ihre Posten behalten und ausgebaut haben. Falsch ist, daß ihr Zugriff auf die Systempresse ein "unforced error" ist.

waulmurf hat gesagt…

Tja, was tun, wenn der Nachbar Nazi ist?

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rechtsextremismus-wenn-der-nazi-ein-nachbar-ist-11850138.html

Anonym hat gesagt…

Nationalsozialismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen
schreibt Zimmermann ungerührt, obwohl bisher niemand wegen eines Falles von Nationalsozialismus vor Gericht stand.

Davon abgesehen, dass vor allem im Nationalsozialismus Meinungen als Verbrechen galten, ist der Nationalsozialismus auch eher ein Gesellschaftssystem.
Dass ein überregionales Blatt Zimmermanns bolschewistische Schei..hausparolen verbreitet ist hingegen nichts besonderes mehr.

Karl_Murx hat gesagt…

"Davon abgesehen, dass vor allem im Nationalsozialismus Meinungen als Verbrechen galten, ist der Nationalsozialismus auch eher ein Gesellschaftssystem."

Die Demokratiesimulation, die wir inzwischen in Deutschland haben, wird diesem System aber immer ähnlicher.

"Dass ein überregionales Blatt Zimmermanns bolschewistische Schei..hausparolen verbreitet ist hingegen nichts besonderes mehr."

Vielleicht ist es auch kein Zufall, daß solche Feind-hört-mit-Kampagnen gerade jetzt losgetreten werden. Ist nicht diesen Monat der nächste Haftprüfungstermin für die letzte Überlebende des "Nationalsozialistischen Untergrundes" Beate Zschäpe? Will man vielleicht eventuell auftauchende Fragen von vornherein mit der Nazikeule abbügeln, sollte Zschäpe mangels irgendwelcher substantieller Beweise auf freien Fuß gesetzt werden?

derherold hat gesagt…

"...vielleicht eventuell auftauchende Fragen..."

Wer sollte diese Fragen stellen ? Die ganze Nummer sah doch bereits nach zwei Wochen nach Sebnitz_2 aus und bisher hat keiner "Fragen gestellt". ;)

"...wird diesem System aber immer ähnlicher."
Bedingt. Der große Unterschied liegt ja darin, daß NS/KommSoz offen ihre Herrschaftsgrundlagen präsentiert haben, während heute exakt das Gegenteil passiert.

Volker hat gesagt…

"Wer sollte diese Fragen stellen?"

Ich weiß schon wer. Es sind die, wegen denen die Zensoren der Zeitungs-Online-Ausgaben Überstunden schrubben müssen.

Abgesehen davon bin ich immer noch nicht davon überzeugt, dass Zschäpe die durchschnittliche Lebenserwartung realisieren wird.

Anonym hat gesagt…

Dauert nicht mehr lange und wir dürfen uns jeden Tag von irgend etwas distanzieren. Und das bedeutet, eine Gegenmeinung zur heutigen Politik ist gleich das alte Lied von den Nazis.. Aber wenn ich solche geistreiche Interviews lese, dann denke ich, dass die gefakt sind.Nicht zu unrecht bezeichnet man den Mainstream Journalsimus als "Hure" der Lüge...

Anonym hat gesagt…

@Anonym direkt davor

Na freilich doch !-
Jetzt beginnt die “richtige Olympiade” , und zwar in der Bää-ÄRR-Dää. Mit nur einer Disziplin dem “Distanzier-Marathon”. Jede Null muss die andere möglichst laut krakeelend überhohlen. Und wer schwächelt oder zurückfällt, wird allsogleich in den “stinkenden, braunen Pool gestossen”, von dem der Distanzier-Marathon seinen Ausgang nahm. Jeder beschissene Niemand kann sich toll profilieren, indem er seine bornierten, moralinsauren Dummfug-Phrasen den “braunen Satanen” hinterher johlt. Kaskaden von beifälligen Ergebenheitsadressen an die “Mutigen Mahner” in exponentiellem Wachstum. All die Heuchler und Pharisäer in selbstgefälliger Selbstbweihräucherung ob des grossen Mutes und der unerhörten Tapferkeit dem Guten Schönen und Wahren so selbstlos gehudligt zu haben.

Obo

derherold hat gesagt…

"...dass Zschäpe die durchschnittliche Lebenserwartung realisieren wird."
Ist es sicher, daß die überhaupt noch lebt ?

@Anonym, die BRD legt noch keinen Wert auf "Alltags-Kritik-und-Selbstkritik", weil ihr die ökonom. Leistungs- und Besteuerungsfähigkeit zu wichtig ist.

Was wir aber (seit zehn Jahren) erleben, ist die Gleichschaltung der Medien. Man muß "Gegenmeinung" gar nicht unterdrücken, weil es sie (relevant) gar nicht gibt. Die permanenten Bekundungen zum "Sozialismus" und zur "Führungsrolle der Partei" sind auf kleiner Flamme sicherlich allgegenwärtig. ;)