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Dienstag, 9. Juni 2015

Zbigniew Brzezinski: Weltmacht zu Liebhaberpreisen

Plötzlich funktioniert er nicht, der Kapitalismus. Ein Buch, nach dem - auch aufgrund der jüngsten Beschlüsse des G7-Gipfels, die sich auf die darin formulierten Thesen beziehen - eine gewisse Nachfrage besteht, ist nicht mehr erhältlich, oder doch, aber zu Preisen, die seinem Gewicht in Gold entsprechen. „Die einzige Weltmacht“ hat der US-Außenpolitiker Zbigniew K. Brzezinski vor 17 Jahren geschrieben, das englische Original "The Grand Chessboard“ ist bis heute günstig und als Taschenbuch zu haben.

Auf Deutsch aber gibt es das Bändchen, in dem Zbigniew K. Brzezinski unter dem schönen Untertitel "Amerikas Strategie der Vorherrschaft" Aufgaben, Strategien und Taktiken der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einzig verbliebenen Supermacht USA ohne falsche Scham beschreibt, nur zu Liebhaberpreisen. Der Fischer-Verlag, der einst die deutsche Ausgabe herausbracht, hat vor zehn Jahren aufgehört, neue Auflagen zu veröffentlichen. Bei Amazon sind die Einblicke in die „Geostrategic Imperatives” der US-Regierung so zwar noch zu erhalten. Aber wer das gebundene Buch kaufen will, muss schon rund 190 Euro anlegen, für das Paperback werden 129 Euro fällig.

Dabei ist die Nachfrage nach dem Bericht aus der Herzkammer der Weltmacht seit Ausbruch des Krieges um die Ukraine im Herbst 2013 größer denn je, gilt Brzezinski doch als einer der Vordenker der amerikanischen Strategie, die heraufschimmernde Konkurrenz aus China durch konsequente Machtpolitik auf dem Schlüsselkontinent Europa einzuhegen. Die einzige Weltmacht der Gegenwart könne auch die einzige Weltmacht der Zukunft bleiben, glaubt der Mann, der mehreren Präsidenten als Berater diente. Dazu allerdings müsse die amerikanische Weltpolitik darauf abzielen, die Brückenmacht Russland daran zu hindern, sich auf die chinesische Seite zu schlagen.

Ende der 90er Jahre schon ergab Brzezinskis Analyse, dass es zwei Wege zu diesem Ziel gibt: Russland könne geschwächt und als chinesischer Verbündeter entwertet werden. Oder man könne es auf die europäische Seite ziehen und zu einem weiteren Verbündeten der USA in Eurasien machen. Brzezinskis Vision lässt keinen Zweifel daran, dass eine USA, die weiterhin dominant bleiben will, Russland zu einer Entscheidung zwingen muss. Die Ukraine, schrieb Brzezinski 1998, sei das Schlüsselland, übersetzt das Schlachtfeld der Wahl, auf dem der Kampf ausgetragen werden müsse. Die Erkenntnis blieb zehn Jahre ohne Nachauflage. Dann wurde sie Wirklichkeit.

Download bei Attac Leipzig: Die einzige Weltmacht

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Sehr schön, wenn solche Rezensionen helfen.

Justamente gebunden ab EUR 144,98 und getaschelt ab EUR 115,53. Die Preise sind im Sinkflug.

Daß Attac nun unter die Drittanbieter gegangen ist, war mir bisher auch nicht bekannt. Dieses Geschäftsmodell wird den Kapitalismus ruinieren, befürchte ich, und würde dem Ruinierten ob dieser Tatsache keine Träne der Rührung nachweinen.

Gerry hat gesagt…

Es ist schon erheiternd, wenn man auf der einen Seite die Intention des Autors verstanden hat (Vorherrschaft der VSA auf diesen Planeten um jeden Preis und zwar anhand der Strategie Unruhe schaffen und als Retter einreiten) und dann die beiden Produktbeschreibungen von Amazon sich zu Gemüte führt.
" In einer brillanten strategischen Analyse legt Brzezinski dar, warum die Vorherrschaft der USA die Voraussetzung für Frieden, Wohlstand und Demokratie in der Welt ist..."
"...warum Rußland nur eine Chance hat, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, nämlich sich nach Europa hin zu orientieren..."
"...das Demokratieverständnis die Geopolitik der USA. So kritisch man den Vereinigten Staaten gegenüberstehen mag, stellt dies einen Vorteil US-dominierter Politik gegenüber einer Führungsrolle autoritär ausgerichteter Systeme dar."

Vor dem Hintergrund des angloamerikanischen Komplexes aus Finanz, Militär und Information wirken solche Sätze im besten Fall naiv.

Volker hat gesagt…

" Die einzige Weltmacht der Gegenwart könne auch die einzige Weltmacht der Zukunft bleiben, glaubt der Mann, der mehreren Präsidenten als Berater diente. Dazu allerdings müsse die amerikanische Weltpolitik darauf abzielen, die Brückenmacht Russland daran zu hindern, sich auf die chinesische Seite zu schlagen."

Im Moment verfolgen die USA die Strategie, durch die Zerstörung Westeuropas Rußland ... ja, was eigentlich?

Selbst wenn ich meine Wenigkeit und mein Überlebensbedürfnis rausnehmen, wenn ich mich als neutraler Beobachter an die Seitenlinie stelle, ich verstehe es nicht. Was haben die USA davon, wenn Westeuropa und Schutt und Asche liegt?
Rußland wird dadurch nicht geschwächt. Im Gegenteil, Putin (oder sein Nachfolger) muss nicht mehr taktieren, er kann ohne Rücksichtnahme auf Merkel & Co. direkt mit China verhandeln.

Und diese Verhandlungen werden erfolgreich sein. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass China sich mit den USA gegen Rußland verbündet

Gerry hat gesagt…

Das Buch dient in erster Linie dafür um zu verstehen, warum die amerikanische Regierung so und so handelt. Jedenfalls könnte man einen roten Faden erkennen. Beispiel Gegner Putin-Russland im Ggs zu Freund Jelzin-Russland, und die Aktion in der Ukraine. Und gleichzeitig erkennt man die Irrtümer des Strategen. Die Unruhen in der Ukraine schwächen Russland nicht, und der Wirtschaftskrieg gegen Russland schweisst China und Russland umso stärker zusammen. Die G7-Länder sind auf dem absteigenden Ast, die BRIC's-Länder sind im dynamischen Aufschwung.

Imperialismus ist in sich destruktiv. Es gibt irgendwann einen Zenit (USA nach dem Zusammenfall der Sowjetunion, Rom nach der Zerstörung Karthagos) und von da an geht es abwärts. Imperiale Politik kann sich nicht ändern, sondern nur zusammenbrechen.

derherold hat gesagt…

Naja, wenn man sich einmal die Migrationströme anschaut, dann gibt es zwischen den USA und Gb eien Arbeitsteilung.

London ist der Amüsierpuff der Superreichen und die USA siedeln Vertreter der Mittelschichten an: Indien, China. Meine steile These ist, daß mit der Korrumpierung der polticshen Klasse in Indien, China und Rußland diese Länder zu Quasi-vasallenstaaten gemacht werden.

"Liebe Inder, Indien ist ein Scheixxhaufen. Unser Vorschlag. Eure Reichen ziehen nach England und Eure Söhner und Töchter können als MINT-Neger bei unseren Banken oder Hochschulen arbeiten. Das Angebot gilt aber nur solange, solange Ihr schön die Füße still haltet !"

"Liebe chinessische KP-Führung, warum macht Ihr Krawall ? Euren Söhnen und Töchtern geben wir Plätze in Yale oder Princeton. Die Weltmacht könnt Ihr doch sowieso nicht gefährden. Gebt Euch deshalb damit zufrieden, Vize-Könige zu sein. Wenn es sein muß, geben wir Euch wie den deutscheh Industriellen Rückzugmöglichkeiten mit Villen in (bspw.) Maine."

Kurt hat gesagt…

Das ist alles nichts neues. Aber man kann durchaus mal wieder darauf hinweisen.
Der Link jedenfalls funktioniert nicht. Aber Attacis sind ja auch nur ein Teil des "SOMA für das Volk".