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Donnerstag, 20. August 2015

Verbot der Woche: Bücher müssen brennen

In einem ökologisch nachhaltigen Schwarzwald-Köhlerofen in Oberharmersbach werden die inkriminierten Werke falschen Denkens derzeit CO2-neutral verbrannt.
Vielleicht ist es das künftige Maß für Korrektheit, die Schwelle, an der aus einer alten, schmutzigen, aufgrund ihrer potentiell beleidigenden Welt ein Platz wird, an dem sich jedermann und jede Frau und alle dazwischen, daneben und dahinter wohlfühlen können. 40 Prozent aller Bücher mussten im Zuge einer großangelegten Reinigungsaktion im Schwarzwald-Ort Bad Dürrheimer aus dem Bestand der örtlichen Bibliothek aussortiert werden, nachdem sich bei einer Tiefenkontrolle gezeigt hatte, wie nachhaltig und tiefgründig der Büchereibestand mit falschen Begriffen, irreführenden Buchstabenkombinationen und verunsichernden Satzbauten versucht waren.

Pünktlich zum Jahrestag der ersten Bücherverbrennung der Neuzeit, die im August 1914 wurde in der Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Löwens stattfand, kehrte die Fachstelle für Verbotspolitik im Freiburger Regierungspräsidium in einer Sommeraktion mit eisernem Besen: Mehr als 3.000 Sachbücher seien aussortiert, fortgeschafft und zur Sicherheit der Bevölkerung vernichtet worden. Neben Sigmund Freud, einem Ehrengast schon bei den Säuberungsunternehmen der Nationalsozialistischen Fachstellen, musste auch Erich Kästner weichen, der seinerzeit Zeuge der Verbrennung seiner eigenen Bücher auf dem Berliner Opernplatz war.

Kästner, diesmal verhindert, hatte die erste Verbrennung seiner Werke damals als "theatralische Frechheit" kritisiert - ein Vorwurf, den er diesmal nicht hätte machen können. Statt gegen den Werke von "undeutschem Geist" richtete sich die Säuberung diesmal gegen Bücher mit „falscher“ Schreibweise: Alte Rechtschreibung, Romane, die Worte wie das bereits seit Jahren verbotene "Neger" enthalten oder irritierend genderfeindliche Begrifflichkeiten. "Konformität mit dem Zeitgeist ist das Maß der Dinge", lobt Roland Tichy den Mut, Literatur davor zu bewahren, "zum eigenständigen Denken" zu veranlassen.

Eine einsame Stimme. Abgesehen von regionalen Medien blieb der Beifall aus. Vielleicht auch, weil einerseits die von Kästner seinerzeit so geschätzten "Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners" während der Verbrennung fehlten, andererseits aber die zur Erlangung öffentlicher Aufmerksamkeit notwendige Vernichtung der richtigen Bücher unterblieb. Eher sachlich teilten die Behörden mit, dass das “Wording”, das verschiedene Autoren in ihren Büchern gewählt hätten, heute nicht mehr zeitgemäß sei, weshalb das betreffende Schrifttum "ausgemerzt" (Franz Müntefering) werden müsse.

Mehr aus der bürgerschaftlich-engagierten Chronik Verbot der Woche

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen

VS

Anonym hat gesagt…

Es ist eine Schande. Man hätte die Bücher, auch wenn sie den Volkskörper vergiften, doch wegschließen können, so dass sie nur GenossX mit einem ausreichend entwickelten Bewusstsein resp. dem korrekten Parteiausweis zugänglich sind.

Anonym hat gesagt…

frank.zimmermann@badische-zeitung.de

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/muenstereck-solidarisieren-und-anpacken--109932905.html

zimmermann hetzt und hetzt .

Anonym hat gesagt…

Wer es fassen kann, der fasse es. Matze 19.12.

Kurt hat gesagt…

Ich seh das nich so verbissen. Es wurden schon mal ganze Müllhalden gefüllt mit Büchern, nur weil sie von Verlagen der DDR verlegt wurden. Direkt aus der Buchhandlung auf die Kippe. Und damit keine Müllplünderer den Verwertungskreislauf störten, wurde noch Teer oder Ölfarbe über die Bücher gekippt. Damals, 1990.

derherold hat gesagt…

Kurt = Peter Sodann