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Mittwoch, 13. Juli 2016

Song Meanings: Totensonntag im Süden

Ein Stück, das um sich selbst zu kreisen scheint. "Decoration Day" von Jason Isbell ist eine Südstaatenmoritat mit einem überraschenden Dreh - und sie ist nicht einmal erfunden, sondern erzählt eine Geschichte, so Isbell, die ihm sein Großvater als Kind erzählt hat.

Es geht um zwei Familien, die im Krieg miteinander liegen. Hier sind die Lawson, dort die Hills, in innnigem Hass verbunden wie - nur zur Verdeutlichung - deutsche Medienarbeiter Wladimir Putin hassen. Isbell, der den Song einst noch als Mitglied der Southern Rock-Combo Drive-by Truckers schrieb, spielt hier die Rolle eines Lawson-Sohnes, der von seinem Vater zum Hass auf die Hills angehalten wird. "Die tun uns doch nichts mehr", sagt er an einer Stelle, nachdem schon Blut geflossen ist. Aber die Devise der Familie lautet nun mal "wir kämpfen, bis der letzte Lawson tot ist". Also geht es weiter, auch das wieder, übertragen auf ein größeres Spielfeld, wie seit Jahrhunderten zwischen Deutschland und Russland.

Der eigentliche Clou des Liedes aber ist die mangelnde Loyalität zur Familie, die hier unbedingte Loyalität verlangt. Der Lawson-Sohn, den Isbell spielt, folgt seinem Vater treu durch alle Kämpfe, wendet seinen Hass aber am Ende ab von den Hills und hin zu dem Alten, dessen letzter Gefolgsmann er ist. Tote Brüder in Lauderdale, tote Brüder in Tennessee. Was bleibt da noch als Treue?

Im wahren Leben wendet die sich dann andererseits ab von den Siegern, den Hills, wie der Examiner in einer fantastischen Reportage aus dem stickigen Süden der Rednecks berichtet. Die Familien, die den echten Krieg führten, lebten in Florence Alabama im Lauderdale County, wo Jason Isbell auch herkommt. Die Lawsons wurden angeführt von Dude Lawson, wie ein zeitgenössischer Artikel der "Times Daily" berichtet.

Dude Lawson ist ein Redneck mit Hang zur Gewalt, der auch Polizisten nicht verschont. Aber am 17. Mai 1982 wird er zum Opfer, als David Hollan Hill und zwei seiner Söhne auf seiner Farm erscheinen und mit dem Anruf "Zeit, zu bezahlen" auf ihn feuern. Lawson wird mehrfach getroffen und stirbt im Krankenhaus.

Klare Sache für den Richter, denn Lawsons Sohn Calvin und seine Freundin Mary Ann haben die Täter erkannt. Im Süden der 80er aber gehen die Uhren immer noch anders. Hill ist ein mächtiger Mann im County, die Lawsons sind nur weißer Abschaum. Statt den Mörder zu verurteilen, wird die Glaubwürdigkeit der Zeugen demontiert. Alle drei Hills werden schließlich nach nur eintägiger Verhandlung freigesprochen. Hollan Hill stirb 36 Jahre später als freier Mann, sein Sohn John Barton Hill lebt immer noch.

Und Jason Isbell, Hollan Hills Großneffe, singt das Lied aus der Sicht von Calvin Lawson. Der am Ende sagt: "I'd fight till the last Lawson's last living day."

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