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Montag, 12. Dezember 2016

Bescheidene EU: Mehr Gehalt für geplagte Chefeuropäer

Juncker (l.) und Schulz (r,) verbindet eine Männerfreundschaft, die jede Gehaltserhöhung übersteht.
Das haben sie sich wirklich verdient. Nimmermüd und erfolgreich wie nie kämpft die Spitze der EU-Institutionen seit Jahr und Tag in Vollzeit gegen Populisten, für den Frieden, den Euro und für den inneren Zusammenhalt der Union. Weder EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker noch die vor allem in Deutschland als frische, sympathische Gesichter der Gemeinschaft geltenden Martin Schulz und Elmar Brok haben sich dabei jemals geschont oder auch nur einen Talkshow-Auftritt ausgelassen.

Die Bürger Europas sind dankbar für so viel Einsatzbereitschft - und sie vergelten es den Männern an "Europas Kopf" (Martin Schulz) jetzt pünktlich zum Weihnachtsfest mit einer kleinen, aber feinen Gehaltserhöhung. 10.362 Euro mehr Gehalt bekommt etwa Kommissionschef Juncker, der sich vor zwei Jahren selbst von Vorwürfen freigesprochen hatte, großen Konzernen zu Steuerschlupflöchern verholfen zu haben. Juncker erhält nun ein Gesamtsalär von 324‎.377 Euro – und damit nur doppelt so viel wie die britische Premierministerin und gar nur ein Drittel mehr als Bundeskanzlerin Angela Merkel, obwohl er für alle Europäer zuständig ist.

Leidenschaft eingekauft

Eine Aufgabe, die der Luxemburger ebenso leidenschaftlich erledigt wie der Beamtenapparat in Brüssel. Mit einer Vielzahl von Klagen und einfallsreichen Verordnungen bringt die Kommission immer wieder Bewegung ins froststarre Politmanagement der Mitgliedsstaaten. Auch wenn später nie mehr von den eingeleiteten Verfahren zu hören ist.

Jean-Claude Juncker, der als Regierungschef in Luxemburg noch mit 210.000 Euro im Jahr auskommen musste, hat nun zusätzlich zu einem 324‎.377-Euro-Gehalt Anspruch auf 48.657 Wohngeld und eine 17.017 Euro betragende "Ausgabenzulage".

Um den Bürgern Europas etwas zurückzugeben, zahlt Juncker natürlich kräftig Steuern und Abgaben auf sein Gehalt - wenn auch nicht auf die Zulagen. 11,6 Prozent Rentenbeitrag muss er berappen, das sind fast zwei Drittel dessen, was ein deutscher Arbeitnehmer für seine sichere Rente bezahlt. Und zwei Prozent Krankenkassenbeitrag kommen auch noch obendrauf!

Vergolten wird dem selbstlosen Luxemburger das mit der Aussicht auf eine Pension in Höhe von 69.336 Euro ab dem 65. Lebensjahr, die er erhält, wenn das ihm zustehende Übergangsgeld in Höhe von 416.284 Euro ausgelaufen ist.

Demokratische Erhöhungsformel

Ist die EU ein Selbstbedienungsladen? Natürlich nicht. Alle Gehaltserhöhungen sind demokratisch legitimiert, sie folgen einer automatischen Erhöhungsformel, die nicht nur für Jean-Claude Juncker gilt, sondern auch für etwa 5.000 EU-Beamte. Wie der Chef bekommen auch die kurz vorm Weihnachtsfest schon Gaben unter den Baum gelegt: Ihre Gehälter steigen um 3,3 Prozent, und das rückwirkend für das letzte halbe Jahr, so dass das Weihnachtsgeld, das ihnen die europäischen Bürger spendieren, damit sie ihren Familien daheim eine Kleinigkeit mitbringen können, ebenfalls um 3,3 Prozent höher ausfällt.

Warum 3,3 Prozent mehr, wo doch die Inflation nahe Null liegt und der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer zuletzt mit Lohnerhöhungen von 2,4 Prozent zufrieden sein musste? Nun, die Gehaltsformel für die EU orientiert sich an der durchschnittlichen Steigerung der Gehälter belgischer Beamter (zuletzt 1,9 Prozent) und dem Anstieg der Inflationsrate in Belgien (zuletzt 1,4 Prozent).

Beide Werte werden dann aus unbekanntem Grund allerdings nicht multipliziert, ins Quadrat zum Datum gesetzt oder mal zehn genommen, sondern nur addiert. Eine bescheidene Lösung ganz im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.

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