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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Das große PPQ-Jahresendrätselspiel: Wieviel Soldaten für ein Gewehr?

Stille Zeit, Endzeit, Zeit, der Soldaten zu gedenken, die weit entfernt am Hindukusch Deutschland Freiheit verteidigen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist kurz vor dem Weihnachtsfest hinuntergeeilt nach Masar-i-Scharif, dem Außenposten der deutschen Demokratie, weit hinter der Türkei, wo die Völker "aufeinanderschlagen", wie der Dichterfürst Goethe ein wenig zu pauschal urteilte.

Dort stehen junge Männer, ausgerüstet mit dem legendären Friedensgewehr von Heckler&Koch. Und im Zuge des von der Leyen-Besuches kam nun endlich auch heraus, über welche mächtige Militärmaschinerie Deutschland an einem der herausragenden Krisenherde der Welt gebietet. "Von den rund 800 Soldaten, die jetzt noch in Masar-i-Scharif sind, sind 37 für die Kernaufgaben Beratung und Ausbildung der afghanischen Streitkräfte abgestellt", heißt es in der Illustrierten "Stern, "die anderen kümmern sich um die Verwaltung des Einsatzes."

Schön für "die anderen", denn im Kriegsgebiet ist Verwaltung gerade in militärischen Einheiten immer sicherer als irgendwo draußen in der Fremde herumzulaufen und im Ernstfall festzustellen, dass die eigene Waffe um die Ecke schießt.

Aber das Verhältnis macht selbst den schwangeren Bundeswehrlandser auf Mutterschaftskur stutzig: 21 Verwaltungssoldaten auf einen Mann in vorderster Front? Der zudem ausschließlich Ausbildungsaufgaben erfüllt? Zum Vergleich: im Zweiten Weltkrieg lag die sogenannte Grabenstärke bei den amerikanischen Truppen bei 1:10, bei den deutschen bei 1:7 und bei den sowjetischen Einheiten bei 1:1 - auf einen Frontsoldaten kamen danach zehn, sieben und beziehungsweise ein Logistik-, Versorgungs- und Stabssoldat. Und die Bundeswehr kommt nun auf mehr als das Doppelte des Höchstwertes?

Wofür würden Sie das halten? Für einen Druckfehler? Einen Rechenfehler? Einen Übermittlungsfehler? Fake News? Russische Desinformation? Das Geschreibsel rechtspopulistischer Troll-Truppen?

Oder die Wahrheit? Braucht die Bundeswehr wirklich 763 Stabsoffiziere, Techniker, Köche, Schreibstubenhengte, Kommunikationsoffiziere, Waffenwarte, Uffz. vom Dienst, Musikanten, Schuster und  Ordonanzen, um 37 Soldaten und Offiziere in einem Kampfeinsatz zu halten, der nicht dem Kampf, sondern der Ausbildung befreundeter Truppen gilt?

Immerhin haben sechs Dutzend deutscher Qualitätsblätter die von der staatlichen deutschen Nachrichtenagentur DPA recherchierte und angefertigte Begleitnachricht zum Afghanistan-Besuch der Verteidigungsministerin verbreitet. Dann muss es doch eigentlich stimmen?

Rechts oben finden Sie ein Abstimmungsmodul, mit dem Sie ihrer Ansicht Ausdruck verleihen können.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Die Frontpropagandisten an den heimischen Schreibtischen sollte auch ncoh eine lobende Erwähnung finden. Der deutsche Sieg im zweiten Weltkrieg ist wesentlich dem unermüdlichen Wirken von Knopp und Genossen im Hitler-TV zu verdanken.

Gerry hat gesagt…

Ich würde es ja fast als Spass- und Beschäftigungsprogramm für die BW bezeichnen, wenn nicht hin und wieder Männer sterben täten. (Keine Frauenquote beim Soldatentod) Dass es um nichts geht, erkannt man unter anderem daran, dass noch Musikanten beteiligt sind. Die Musikkompanie war mit das Erste, welches aufgelöst wurde als es an die Substanz ging.

Krass, wie die Sowjets das handhabten. Fehlende Organisationstiefe wurde durch massivsten Einsatz wett gemacht.

Anonym hat gesagt…

>Fehlende Organisationstiefe wurde durch massivsten Einsatz wett gemacht.

Wenn man Soldaten ins MG-Feuer schickt, bis die Toten eine natürliche Deckung für die nachrückenden Mannschaften bilden, ergibt sich die hohe Grabenstärke (neues Wort im Wortschatz) unvermeidlich.

derherold hat gesagt…

"Die Musikkompanie war mit das Erste, welches aufgelöst wurde als es an die Substanz ging."

Die Musikkompanien der Infanterieregimenter, um genau zu sein. ;-)

Volker hat gesagt…

"Die Musikkompanien der Infanterieregimenter, um genau zu sein"

Nein. Die der U-Boote.

Volker hat gesagt…

Vielleicht sollte man noch sagen, 1:7 oder 1:10 hieß damals eben nicht, dass auf einen Kämpfer sieben Gleichstellungsbeauftrage, Musikanten, Mineralwassersommeliers, Beauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweise, Politoffiziere und Wandzeitungsredakteure kamen.

Die auf den ersten Blick merkwürdig niedrige Grabenstärke von Wehrmacht und US-Army hatte in erster Linie was damit zu tun, dass die Truppe in ständiger Bewegung war. Es ging darum, die eigenen Leute möglichst überraschend auf einem bestimmten, evtl. auch entlegenen, Punkt zu konzentrieren und dort ordentlich mit Muni und Futter zu versorgen. Zeitgleich möglichst viel eigenes Personal aus dem Wirkungsbereich der feindlichen Waffen rauszuhalten. Das war der Hauptgrund, weshalb so „wenig“ gekämpft wurde.

Da Truppenbewegung, Täuschungsmanöver u.ä. beim Einsatz der Bundeswehr keine Rolle spielen, sollte dort eigentlich eine Gefechtsstärke von ca. 1:1 bis 1:2 zu erwarten sein.

Wikipedia