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Mittwoch, 1. Februar 2017

E-Auto-Quote: Elektrische Entschleunigung

Um nur noch kurz die Welt zu retten, müssen die Deutschen womöglich zur Einsicht gezwungen werden, dass nur das Elektroauto eine überplanmäßige Klimaerwärmung noch verhindern kann. Dazu erwägt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Einführung einer E-Auto-Quote, die Elektroverweigerer zwingen soll, auf den grünen Antrieb umzusteigen. Es gehe darum, "den Übergang ohne Brüche zu organisieren“, sagte die Ministerin der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“, zwei Mänteln, die aus demselben Großraumbüro gefüllt werden. Sie sage das ausdrücklich nicht als Umweltministerin, "sondern als Sozialdemokratin, die die guten Arbeitsplätze in Deutschland erhalten möchte".

Reisen wie zu Zeiten der Postkutsche


Mit der Zwangsquote für elektrisch angetriebene Autos will Hendricks die Hersteller zwingen, "endlich Modelle anzubieten, die für Normalverdiener erschwinglich sind.“ Modelle wie den Smart fortwo electric drive, der für knapp über 21.000 Euro ein Reisen wie zu Zeiten der Postkutsche verspricht. Der im Heck platzierte Drehstrom-Synchronmotor von Renault bringt den Wagen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometern in der Stunde, im realistischen Fahrbetrieb fährt der hochmoderne E-Wagen damit bis zu 140 Kilometer weit, ehe er wieder aufgeladen werden muss.

Erst dann muss der 17,6 kWh große Lithium-Ionen-Akku an die Steckdose, dort reichen sechs Stunden, um den Stromspeicher wieder zu 80 Prozent zu füllen. Noch schneller geht es mit einem gegen Aufpreis erhältlichen Schnelllader, der den Akku in nur 45 Minuten füllt, wenn auch nicht vollständig.

42 Stunden von München an die Ostsee


Ein Reisender, der zu Beispiel von München aus unterwegs an die Ostsee ist, lernt so, wie elektrische Entschleunigung geht. Statt die Strecke von rund 800 Kilometern mit Tempo 180 und zwei Pausen in sechs Stunden abzureißen, wird im Smart fortwo electric drive schon die Anreise zum Ostseeurlaub zur entspannten Weltreise auf den Spuren mittelalterlicher Ochsenkarren-Karawanen. Zur reinen Fahrzeit von sieben Stunden addieren sich auf dem Weg nach Norden mindestens sechs Tankstopps mit einer Gesamtzeitdauer von sieben bis 36 Stunden - je nachdem, wie viele "Schnellader" unterwegs aufzutreiben sind. Insgesamt wären Urlauber aus Bayern damit knappe zwei Tage unterwegs, um an ihren Ostsee-Urlaubsort zu gelangen, weitere zwei Tage dauert die geruhsame Rückreise.

Barbara Hendricks Verwunderung darüber, dass sich das Konzept Elektroauto trotz staatlicher Förderung bei vielen Fans herkömmlicher klimafeindlicher Antriebe nicht durchsetzen will, scheint vor diesem Hintergrund noch unverständlicher. Die SPD hat das Problem erkannt. Sie wird im Wahlkampf Druck machen, um den hartleibigen Widerstand gegen die Verkehrsvernunft endlich auszumerzen.



Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Man kann doch den Schnelllader in einem Anhänger mitführen.

Das wäre doch eine interessante Rechenaufgabe für junge Nachwuchsmathematiker, wie sich das auf die Reisezeit auswirkt. Verringert zwar die Reichweite pro Ladung, verkürzt aber die Zwangsladepausen. Dann muß man noch die gesetzlich vorgeschriebenen Lenkpausen hinzurechnen, schon sieht das düstere Bild der eMobil-Quote wieder besser aus.

Warum die grünen Rechner nicht darauf gekommen sind, dem eSmart gleich einen Lastanhänger zu spendieren, weiß ich auch nicht.

Gernot hat gesagt…

"Statt die Strecke von rund 800 Kilometern mit Tempo 180 und zwei Pausen in sechs Stunden abzureißen"

Ja, 1960 hätte das theoretisch geklappt. Heute sind Sie ohne Stau und Pause über 10 Stunden unterwegs.

Anonym hat gesagt…

Was macht man eigentlich, wenn an der Ladestation gerade alle Plätze belegt sind? Wenn es nicht 5 Minuten dauert, bis der Vordermann den Benzintank gefüllt und bezahlt hat, sondern die Aufladung des Akkus mindestens 45 Minuten dauert? Und wenn dann nicht nur ein Auto vor mir dran ist, sondern drei?

Ich wundere mich schon seit jeher, wieso diese Frage bei der Berechnung von Fahrt- und Ladedauer bei Elektroautos immer ignoriert wird.

Sauer hat gesagt…

Wurde nicht erst neulich gemeldet, daß Stromleitungen über Autobahnen gezogen werden sollen, um LKWs über Stromabnehmer mit Strom zum Antrieb durch Elektromotoren zu versorgen? Warum wird dann konsequenterweise nicht vorgeschlagen, auch die PKWs über diese Leitungen zu versorgen? Zugegeben, Smarts mit 5 m hohen Drahtgerüsten zum Stromsuckeln sähen zunächst gewohnheitsbedürftig aus, aber nach einer Zeit und eindrücklicher Überzeugungsarbeit durch Medien und Politik würden sie den anpassungsgierigen Deutschen wegen ihres Reizes des Ungewöhnlichen als ästhetisch gelungen vorkommen. Und ästhetisch weniger gelungen als Frau Hendricks wären sie sowieso nicht.

Anonym hat gesagt…

Ein Volk, das Windräder in der Landschaft nicht für scheußlich hält, hält auch PKWs mit Drahtaufbau nicht für häßlich.

Anonym hat gesagt…

Ist der Morgenthau-Plan von hinten durch die kalte Küche.
Der Morgenthau, der Henry, erreicht kein hohes Alter... ach ne, das war wohl jemand anderer.