Google+ PPQ: Holocaust im Willy-Brandt-Haus

Donnerstag, 27. April 2017

Holocaust im Willy-Brandt-Haus

Am 30. März '33 trat die SPD aus der sozialistischen Arbeiter­internationale (SAI) aus. Eine notwendige Entscheidung, so die Parteiführung, denn die SAI hatte Deutschland und die Hitlerregierung in einer Resolution als "faschistische Gewaltherrschaft" denunziert. Eine Zerreisprobe für die Partei schloss sich an, denn die SPD-Jugendorganisation Sozialistische Arbeiterjugend entschied daraufhin, in die Illegalität zu gehen. Die SPD-Führung reagierte auch hier unerbittlich: SAJ-Mitglieder wurden aus der SPD ausgeschlossen, der Jugendorganisation wurde die finanzielle Unterstützung entzogen.

Als sich die Lage verschärfte und der Partei das Verbot drohte, gründete sie vorsorglich eine Auslandszentrale. Doch als die am 18. Juni'33 einen Aufruf gegen die Regierung Hitlers mit der Überschrift "Zerbrecht die Ketten!" veröffentlichte, rebellierte die zurückgebliebene Berliner Führung. Man entzog dem Prager Vorstand die Legitimation und wählte einen neuen Parteivorstand. Dem gehörten keine jüdischen Mitglieder mehr an.

Es ist diese Partei, deren gerade geschiedener Chef die Vergangenheit verklärt, um sein diplomatisches Versagen als Außenminister zu bemänteln. Wie die Juden seien die Sozialdemokraten "die ersten Opfer des Holocausts" gewesen, schreibt Sigmar Gabriel in einem zumindest angeblich selbstgemachten Beitrag für die seiner Partei traditionell in Solidarität verbundene "Frankfurter Rundschau".

Der Außenminister reklamiert damit eine Opferrolle für seine Partei, die im III. Reich zwar verfolgt und verboten wurde, deren Mitglieder eingesperrt und ermordet wurden. Aber das zu keiner Zeit in gleicher Weise, wie Juden erfasst, markiert, enteignet, interniert und zu Millionen ermordet wurden.

Nun war Gabriel früher Grundschullehrer, da kommt es auf Feinheiten nicht an. Such hat er nicht Geschichte studiert, sondern Germanistik, Politik und Soziologie, Fächer also, in denen ebenfalls eher die Unschärfe gefeiert wird. Und doch hätte auch der deutsche Außenminister eigentlich über die Jahre mitkommen können, dass da was war, dessen Einmaligkeit jede Gleichsetzung verbietet. Sigmar Gabriel hat sie dennoch gesucht und gefunden.

Und wie bei seiner Vätergeneration, die immer behauptete, nicht gewusst zu haben, steht auch die Frage bei dem Mann, der Deutschland im Ausland vertritt. Weiß es Sigmar Gabriel nicht besser? Oder schreibt er wider besseren Wissens vom SPD-Holocaust? Nimmt er eine Verhamlosung der Schrecken des Holocausts und eine Relativierung der Leiden von Millionen Juden für den populistischen Zweck in Kauf? Oder hat er gar neue Erkenntnisse über Gaskammern für SPD-Mitglieder? Waren Sozialdemokraten tatsächlich die besseren Juden? Und sind es Deutsche heute, geläutert durch die eigene Schuld, die jedoch nicht alle trifft, weil die, die es wollen, auch Opfer gewesen sein können?

Das Auswärtige Amt bleibt nebulös. Auf den Hinweis, dass es nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen der Geschichtsforschung seien Sozialdemokraten kein Opfer eines "Holocaust" gewesen, erfolgte im Artikel in der FR eine nachträgliche Korrektur. Es heißt nun dort zutreffend, wenn auch unter Vernachlässigung der gleichermaßen verfolgten Kommunisten, "Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer der Nationalsozialisten". Doch ein Hinweis darauf, wie der ehemalige Parteivorsitzende darauf kommen konnte, hier den Holocaust zu bemühen, um die Israelis zum Kampf "Gemeinsam gegen Nationalismus" (Gabriel) aufzurufen, unterbleibt. So stehen nun die Kommentare zu Gabriels historischer Einlassung sinnfrei im Raum.

Das, was sie kritisieren, findet sich im Beitrag nicht mehr.

Reue oder Scham? Demagogie oder Dummheit? Anmaßung, Hybris oder Deppenalarm? Die Frage bleibt unbeantwortet. Wie ja ausbleibende Antworten ohnehin eine Spezialität der amtierenden Führungsgeneration in der SPD sind.

Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Es wirkt langweilig, wenn Leute oder Gruppen für sich eine Opferrolle reklamieren. Um daraus irgendeinen Vorteil oder Anspruch zu gewinnen oder eine Begründung für ein Handeln zu liefern. Das zeugt niemals von Größe. Von einer Politik bismarckscher Art sind die Deutschen Lichtjahre entfernt und nichts deutet darauf hin, dass sie in nächster Zukunft wieder in die Richtung gehen könnten.

Israel befindet sich in einer Position der Stärke wie seit dem 6Tagekrieg nicht mehr. Die sind nicht auf Deutschland und der Meinung des dt. Außenministers angewiesen. Im Gegenteil: von dem israelischen Umgang mit ideologischen Kriminellen kann Europa nur lernen. Israel hats im Griff, die Europäer müssen noch durchs Tal der Tränen.

Anonym hat gesagt…

Steinmeier war als Minister auch eine Niete, aber offensichtlich war er sich im Unterschied zu Sigi im Klaren darüber und hat deswegen nie etwas gesagt oder getan, auf das man ihn hätte festnageln können.

Die Anmerkung hat gesagt…

Das Hitlertagebuch-Magazin weiß, wie das Problem zu lösen ist.

http://www.stern.de/politik/hans-ulrich-joerges/an-joerges-wesen-soll-der-jud-genesen-7430058.html

Hans-Ulrich Jörges' Klartext

Israel braucht Widerstand

Die weiße Rose wirds richten.

Anonym hat gesagt…

Natürlich Deppenalarm, aber ofenkundig nicht n u r bei Gabriel ...

Anonym hat gesagt…

Jetzt sieht wenigstens jeder wer der Chef ist und wer der Pausenclown.

Sauer hat gesagt…

Wichtigtuer in Jerusalem

Der Politikbetrieb besteht zu 99% aus Leerlauf. Typisch für den Leerlauf war auch das überflüssige Hereinschneien dieses Gabriels in Jerusalem. Was wollte er mit Netanyahu besprechen? M. W. gibt es augenblicklich kein Problem oder Vorhaben, das auf Ministerebene mit den Israelis diskutiert werden muß. Also wollte sich der Kerl einfach mal ein paar schöne Tage in Jerusalem machen und als Vorwand für seinen Tourismus höchstwichtige Gespräche mit ranghohen Partnern vorweisen? Netanyahu hat weiß Gott wichtigeres zu tun, als sich mit einem Gernegroß über das Wetter zu unterhalten. Natürlich wäre Gabriel auch wieder mit der 2-Staatenlösung den Leuten auf die Nerven gegangen; zur Lösung dieses Problem hat er selbstverständlich nichts beizutragen, außerdem geht diese Angelegenheit deutsche Politikhansel nichts an, das sollten sie mal den Betroffenen und den Staaten überlassen, die aufgrund ihrer Bedeutung Einfluß auf die Konfliktparteien nehmen können. Und was hatte der Kerl den Regierungsgegnern mitzuteilen? Wollte er sie ermuntern, härter gegen die Interessen Israels vorzugehen, wollte er den bei der SPD beliebten Verrat am eigenen Land nach Israel tragen? Vermutlich hat er ihnen für antiisraelische Aktionen noch die moralische Unterstützung des Merkel-Regimes versprochen. Warum sollte Netanyahu seine Zeit mit diesem hinterhältigen Gesellen verbringen?

Der Steinmeier war als Außenminister eine Pfeife, er hat nicht ein Problem angepackt und gelöst. Aber er war helle genug zu erkennen, daß ihn niemand ernst nimmt und hat deshalb jeden Wirbel um seine Reiseaktivitäten vermieden. Er verhielt sich als unauffälliger Besucher, dessen Besuch am nächsten Tag schon vergessen war. Vorbildlich für einen, der nichts darstellt und nichts kann. Auf diese Ebene sollte sich der Gabriel noch hocharbeiten.

Irgendwo war zu lesen, Gabriel hätte einen Antrittsbesuch abstatten wollen. Ja, was bilden sich denn die deutschen Politikmarionetten ein, glauben sie wirklich, die Welt warte begierig darauf, sie kennenzulernen? Die Leute haben ihre eigenen Aufgaben zu bearbeiten und können keine Zeit mit nutzlosen Besuchern verplaudern. Wer nutzlos Zeit totschlagen kann, sind die Gabriels etc., die nur das Ziel haben, sich überall mal umzuschauen, um zu Hause mit ihrer angeblichen Weltläufigkeit protzen zu können. Nein, merkelt Euch ihr Luftsäcke, kein Mensch will Euch außer der Zeit sehen, ihr seid eine Belästigung für jedes Land, das ihr heimsucht. Ihr seid Heuschrecken, die anderen die Ruhe und den Frieden fressen.

Sauer hat gesagt…

Neueste Meldung vom Nachrichtendienst Klonovsky:

Israels geschäftsführender Außenminister Benjamin Netanjahu wird sich bei seinem spontanen Gegenbesuch in Deutschland nicht nur mit Bundeskanzlerin Merkel treffen, sondern auch mit Vertretern der Reichsbürger und der NPD.