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Mittwoch, 26. April 2017

Deutschland obenauf: Elefanten im Auslandseinsatz

Schähkritik auf unterstem Hassniveau: Wer keine deutsche Nachhilfe will, bekommt deutsche Dresche.
Nun also auch Israel. Der immer noch neue deutsche Außenminister hat bei seinem Besuch im Nahen Osten die Strategie der Bundesregierung fortgesetzt, ehemals befreundete Staaten durch rumpelfüßiges Einmarschieren in deren Territorium zu brüskieren.

Nachdem Bundespräsident Walter Steinmeier den neuen US-Präsidenten Donald Trump einen "Hassprediger" genannt hatte, Bundeskanzlerin Angela Merkel dem türkischen Präsidenten Erdogan nach dessen Sieg bei der Abstimmung über die Verfassungsreform die Gratulation verweigerte und Wolfgang Schäuble sich mit einem Wahlaufruf für Emmanuel Macron in den französischen Wahlkampf eingemischt hatte, legte Sigmar Gabriel nach: Der ehemalige SPD-Chef traf sich in Israel demonstrativ mit Regierungsgegnern. Und mahnte damit in der einzigen Demokratie im Nahen Osten an, was er kürzlich bei Besuchen in Ägypten und im Irak noch glatt vergessen hatte.

Ein Elefant im Auslandseinsatz, dessen Auftritt mit Diplomatie so viel zu tun hat wie der des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Madagaskar, der es für geraten hielt, den Einheimischen zu raten: "Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden."

Die Folge ist ein Eklat, und die Folge ist eine weitere Kerbe im Kolben der Kampfgemeinschaft gegen Unmenschlichkeit, als die sich die Bundesregierung zunehmend sieht. Nicht nur, dass Deutschland heute aus erzieherischen Gründen mehr Länder mit Sanktionen belegt hat als jemals zuvor. Nein, das einzige weltweit existierende wirklich moralische Regime ist inzwischen auch dazu übergegangen, seine rigorosen Glaubenssätze mit diplomatischen Mitteln in alle Welt zu exportieren.

Wer nicht hüpft, wo die europäische Supermacht das Seil kreisen lässt, fällt einer moralisierenden Feme anheim. Nach Russland traf der Bann Ungarn und Polen, danach die USA, Großbritannien und schließlich auch die Türkei. Nun war Israel dran, denn es ist Wahlkampf und angesichts sinkender Umfragewerte für den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Martin Schulz bietet es sich an, klare Kante dort zu zeigen, wo heimatlose Antisemiten nach einem Plätzchen suchen, an dem sie ihr Kreuz machen können.

Die Stimmung ist im Keller, aber Deutschland wiedermal obenauf. Der Erfolg der Welterzieher aus Berlin ist unübersehbar: Das Verhältnis zu den USA ist gespannt bis zerrüttet, das Verhältnis zu Ungarn ist gereizt, das Verhältnis zu Polen ist problematisch, das Verhältnis zum Vereinigten Königreich ist … nicht das beste, das Verhältnis zu Russland ist nicht vorhanden, mit der Türkei herrscht Streit", fasst Sciencefiles zusammen. Und nun endlich herrscht auch mit Israel herrscht Streit.

Die deutsche Diplomatie arbeitet sichtlich nach der Methode "denen zeigen wir es". Willst du mir nicht zu willen sein, dann kannst du nicht mein Kumpel sein, würde der Arbeiterdichter Ralf Stegner vielleicht reimen. Die deutschen Leitmedien allerdings bejubeln den Abschied von "Fingerspitzengefühl und Intelligenz" (Sciencefiles) mit ihrer eigenen Art von Pauschalbeifall.

Die Süddeutsche Zeitung, innenpolitisch regierungskritischer Positionen seit Jahren nicht mehr verdächtig, zeigt angesichts der vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu praktizierten Verweigerung deutscher Demokratienachhhilfe, dass sie durchaus noch in der Lage ist, knallhart auf den Punkt zu kommen. "Wladimir Tayyip Netanjahu" nennt sie den frei gewählten Regierungschef einer gerade noch befreundeten Nation.

Adolf Netanjahu haben sie sich diesmal noch nicht getraut.



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