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Dienstag, 25. April 2017

Unser Mann in Jerusalem: Der Welterzieher


Im Kreml zitterten die Fensterscheiben, als Sigmar Gabriel in Italien ans Mikrophon trat. "Man kann nicht an der Seite eines Regimes stehen, dass ja nicht zum ersten Mal Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat", sagte Gabriel, der Anfang des Jahres beschlossen hatte, aus dem Wirtschafts- ins Außenministerium zu wechseln, um mehr Zeit für seine schöne Frau, die noch recht kleinen Kinder und einen Aufstieg in der Liste der beliebtesten deutschen Politiker zu haben. Gleichzeitig legte der immer noch amtierende Pop-Beauftragte der deutschen Sozialdemokratie sein Amt als Parteiführer nieder. Gabriel übertrug alle Ämter an seinen Nachfolger Martin Schulz, eine strahlende Gestalt, die nach dem Ende ihrer Amtszeit im Europaparlament nach einer neuen Tätigkeit suchte.

Schulz` Triumph bei der parteiinternen Akklamation seiner Person war Gabriels Werk. Der jahrelang unterschätzte, in Streß und Dauerkritik dick und unanansehnlich gewordene frühere Volksschullehrer zeigte, wie sehr ihn die Öffentlichkeit, aber auch seine Partei über all die langen Jahre unterschätzt hatte, in denen die SPD in manchem Bundesland von der Volkspartei auf die halbe Stärke der AfD schrumpfte. Gabriel, mittlerweile über die Mitte der 50 hinaus, hat sich im letzten Herbst neu erfunden: Als seine Frau, eine Ostdeutsche mit solider Zahnarztausbildung, ihm die zweite Tochter gebar, entschloss sich der traditionell einem guten Leben nicht abgeneigte Arbeiterführer, sich neu zu erfinden. Kürzer treten, weniger essen, Haare nicht mehr färben - in diesem Dreiklang wollte sich Sigmar Gabriel in die Zielkurve seiner nicht immer glücklich verlaufenden Karriere werfen.

Gegen den Hunger ließ er sich ein Magenband einsetzen, gegen die sinkenden Umfragewerte installierte er Schulz, einen Vollblutfunktionär von legendärer Trockenheit, den aber vor allem die deutschen Medien dankbar feierten, als sei ein Messias geboren worden. Sich selbst baute er vom verquollenen Parteienmenschen zum Deutschen schlechthin um: Sigmar Gabriel wurde vom Volksschullehrer zum  Welterzieher.

An der Spitze des Auswärtigen Amtes, das der zum Bundespräsidenten umfunktionierte Steinmeier noch ganz unauffällig führte, steht nun ein Mann, der den Franzosen sagt, wie sie wie sie am besten im deutschen Interesse wählen. Der den Russen unerschrocken Fake News vorhält, sie wollten die deutschen Wahlen manipulieren. Der den Türken die Stange hält, weil auch eine Diktatur strategischen Wert hat. Der den Amerikanern zeigt, dass ihr Weg falsch ist. 

Und der nun endlich auch den den Juden beibiegt, wie Menschenrechte funktionieren.

Sowas kommt an im Heimatland des Holocaust, das sieben Jahrzehnte nach Auschwitz als einzig wirklich moralisches Regime weltweit gilt. Aus dieser hart errungenen Position heraus konnte Sigmar Gabriel Ägyptens Staatschef Sisi einen "beeindruckenden Präsidenten" nennen, ohne sich gleichzeitig mit Menschenrechtlern zu treffen und Sissis mörderisches Regime anzuprangern. Aich im Irak war es nicht nötig, Menschenrechtler zu treffen. Alles in Butter dort. In Israel aber sieht das anders aus. Hier ist es Ehrensache, denn nach deutscher Lesart ist der Judenstaat immer schuld, der seit 2009 ohne Mandat weiter im Amt verharrende Mahmud Abbas hingegen an gar nichts.

"Es ist ganz normal, dass wir bei Auslandsbesuchen auch mit Vertrtetern der Zivilgesellschaft sprechen", sagt Gabriel, der weder in der Türkei noch in Ägypten oder den USA Regierungskritiker traf. Im Falle des Palästinenserstattes würde er ja. Nur gibt es eben keine palästinensischen Regierungskritiker oder Menschenrechtler.

In Israel aber, 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg, ist Gelegenheit für Gabriel sich "ein Urteil zu bilden". Kein Wunder, dass die britische Band Bears Den den alten und den neuen Gabriel inzwischen in einem folkloristischen Bocksgesang verherrlicht. "Gabriel, I wish I could deny, the face that I can barely recognize. He lives inside of me every day of my life and I can hear him screaming in the night".


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vertreter der Zivilgesellschaft. Seit wann sind Politiker der Opposition Vertreter der Zivilgesellschaft? Denn nur um die geht es ja. Es geht weder um den Entenzüchterverein noch um Hebammen oder Zeitungsverkäufer, es geht immer nur um Opposition.

Gerry hat gesagt…

"Nur gibt es eben keine palästinensischen Regierungskritiker oder Menschenrechtler."

Mehr muss nicht gesagt werden bezüglich Unterschied Israel und Pseudopalästina.

Anonym hat gesagt…

Wozu ist der eigentlich nach Israel geflogen? Was hat er erreicht? Er hätte diese NGO-Vögel auch von zuhause anrufen können.