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Mittwoch, 30. August 2017

Fake News: Das gleiche leere Gewäsch

Die Daten stimmen, die Stimmung auch. "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben", plakatiert die CDU landauf, landab. Und dann taucht plötzlich ein altes Schwarzweiß-Foto auf, das ein Plakat zeigt, mit dem die SED in der DDR im Jahr 1986 für ihren XI. Parteitages im Berliner Palast der Republik warb: "Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben".

Hat Angela Merkel ihren Werbespruch also direkt aus ihrer alten Heimat in der DDR mitgebracht? Ließ sich die CDU, wie einst die SED größte Partei im demokratischen Block, von der kommunistischen Vorgängerin inspirieren? Zeigt sich die in vielen Lebensbereichen spürbare Rückkehr von DDR-Denken, DDR-Verboten und DDR-Überwachung nun auch im - eigentlich typisch westlichen - Ritual des Wahlkampfes?

Nein. Natürlich handelt es sich bei dem vermeintlichen Foto aus der DDR (links unten) um eine Persiflage. Ausgehend von einem Originalbild, das 1986 im thüringischen Nordhausen aufgenommen wurde, hat ein unbekannter Fotokünstler die eigentliche SED-Parole "Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes" entfernt und den aktuellen CDU-Wahlwerbespruch per Bildbearbeitungsprogramm aufgetragen. Sehr geschickt sogar, erst ganz unten in der Tiefe einer hohen Auflösung lassen sich im Bild Rudimente der Übermalung der ursprünglich roten Fahne und Hinweise auf später hinzugefügte Buchstaben finden. Kundig hat der Künstler zudem das "Deutschland" der CDU, das stilistisch nicht zur SED des Jahres 1986 gepasst hätte, durch ein schlichtes "Land" ersetzt.

Im Internet machte die Fotokombination umgehend die Runde. Empörte Bürger fühlten sich mit der Nase darauf gestoßen, dass Merkel Deutschland regiere wie einst Honecker die DDR. Die Sprüche dieselben, der Gestus der Macht ähnlich "abgehoben", wie es Martin Schulz formuliert, der als ehemaliger EU-Parlamentspräsident auch nach einem Vierteljahrhundert in Brüssel für pressenge Bürgernähe steht.

Der nächste Akt sieht nun die selbsternannten "Faktenchecker" von "Spiegel" bis "Tagesschau" auftreten, die dem Witz die Maske vom gesicht reißen. Sie enthüllen, dass das Foto "gefälscht" (Huffington Post) ist, übersehen aber, dass keine Fälschung sich so schnell verbreitet, wenn sie nicht wie jeder gute Witz, wie jede treffende Karikatur oder jeder punktgenaue satirische Text einen wichtigen Kommentar zur Zeitgeschehen liefert. Überspitzung, Übertreibung und selbst das völlige Überziehen geschmackloser Vergleiche sind dabei erlaubt und so wenig "Hetzen gegen die Kanzlerin" (HuffPost) wie eine "Spiegel"-Karikatur, die Merkel als europäische Puppenspielerin zeigt.

Die DDR-Persiflage auf das aktuelle CDU-Plakat tut genau, was gute politische Analyse tun muss: Sie zeigt das Gemeinsame im Agieren von CDU und SED, den Kern identischen Denkens in der Propaganda, die Langeweile der völligen Bewegungslosigkeit, das Agieren ohne politische Konkurrenz, den verwechselbaren Gestus des leeren Gewäschs, mit dem getan wird, als versuche man, etwas zu sagen, das Wähler überzeugt.

Wie die SED seinerzeit mit dem "Wohl des Volkes" warb, für das sie "alles" zu tun ankündigte, und ein "besseres Leben" versprach, steht das völlig inhaltslose "gut und gerne leben" der CDU symbolisch für eine Leere, die nur sich noch mit bellendem Lachen und hilflosem Zynismus füllen lässt. "Für Sicherheit und Ordnung", wirbt die CCDU da, wirklich, und "für eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit". Es klingt wie damals, als die SED ihr Programm als "Kompass für ein glückliches Leben" anpries und versprach: "Wir werden besser leben"..

Das Problem des Merkel-Plakates ist das Problem der Merkel-Regierung: Menschen trauen der Kanzlerin und ihrem machterhaltenden Apparat bedenkenlos zu, dass sie mit SED-Parolen um Wähler wirbt. Erfolg als Persiflage hat nur, was den Menschen möglich erscheint, was sie für denkbar, ja, für ziemlich naheliegend halten.


Kommentare:

Gernot hat gesagt…

Es geht, wie bei fast jeder Werbung der immer selben Werbeagenturen, um Schaffung einer positiven Stimmung. Wer alles gut findet, wählt lächelnd richtig und bleibt dynamisch. Die UNGÜLTIG, Union nicht genügenden Lächelns trotz innerer Genialität, wurde noch nie gewählt.

Carl Gustaf hat gesagt…

Die eigentliche Pointe ist aber immer noch die, dass es ein solches Plakat zu DDR-Zeiten niemals an die Plakatwand geschafft hätte. Selbst der größte Bonze und Propagandist im ZK der SED hatte gewusst, dass der gemeine DDR-Bürger mit einer solchen Parole niemals die DDR assoziiert hätte.

Paschasius hat gesagt…

Wer war der Fälscher? Oder wenn etwas so treffend ist wird es zur Satire verklärt denn es ist zu nah an der Wirklichkeit! Wie die finanzierung der Antifa ebenfalls zur Satire umgemünzt wurde. Aber woher haben diese denn das Geld? Aus welchen Töpfen soll damit verschleiert werden!
Zum Wahlplakat von Merkel, die falsche Grundlage ist trotzdem äußerst Treffend.