Google+ PPQ: Groko: Wer sind die Minister, die uns bald verlassen?

Donnerstag, 22. Februar 2018

Groko: Wer sind die Minister, die uns bald verlassen?

Die Große Koalition (alt) macht so wenig Eindruck, dass viele Deutsche nicht einmal wissen, wer sie da nun schon seit bald fünf Jahren regiert. PPQ hat Angela Merkel und ihre Minister per Umfrage bewerten lassen - und benotet ihre Arbeit und ihr Auftreten.

Stell Dir vor, es war schon fast fünf Jahre lang Große Koalition - und keiner guckt hin. Oder wissen Sie auf Anhieb und ohne Googeln, wer Verkehrsminister ist? Wie die Bildungsministerin heißt? Na? Naa? Na bitte! Kein Scherz, nein, bittere Wahrheit. Alle regen sich über die Regierung auf, über das große Gewürge von Union und SPD, das lähmende Zeitspiel bei der Bildung einer neuen Regierung und das Gezocke um Ministerposten. Aber selbst nach mehr als vier Jahren wissen die wenigsten Längerhierlebenden, wer die so begehrten Posten bisher ausfüllte.

Wer genau macht eigentlich was im Kabinett von Angela Merkel? Wer ist zuständig für Verbraucher? Wer kümmert sich um Justiz? Und machen die das gut? Das sind für weite Teile des Volkes überaus schwierige Fragen - in etwa so knifflig wie die jetzt in CDU und SPD erforderliche Besetzung von Partei- und Regierungsposten mit verdienten Kadern bei gleichzeitiger Simulation eines "Aufbruchs" in neue Zeiten.

Dass es in Merkels Truppe viel mehr als zwei Unbekannte gibt, macht eine Umfrage des An-Institutes für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung deutlich, die der Medienwissenschaftler Hans Achtelbuscher für PPQ erläutert.



Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bekannt, beliebt, immer noch, aber zuletzt von einem Hauch Verzweiflung umgeben. Viele Wähler erkennen die Kanzlerin auf Bildern, können aber nicht mehr sagen, seit wann sie im Amt ist. Häufigste Antwort war hier "immer", 23 Prozent der Befragten rechnen ihr hoch an, dass sie seinerzeit die Deutsche Einheit durch harte Verhandlungen mit Stalin herbeiführen konnte. Wichtigste Forderung an die Kanzlerin: Sie müsse nun auch noch schnell die Fluchtursachen beseitigen.

Außenminister Sigmar Gabriel

Als Nachfolger von Walter Steinmeier auf einer Beliebtheitsralley, aber immer noch mit Skepsis betrachtet. Gabriel gilt den 33 Prozent der 47 Prozent Wähler, die ihn mit Namen nennen können, als recht glaubwürdiges Gesicht der CDU, viele hätten sich von ihm mehr erwartet, sind aber nicht enttäuscht, dass er nach den Ressorts Pop, Umwelt und Wirtschaft auch das Ausland so gut macht.

Innenminister Thomas de Maizière

97 Prozent der 45 Prozent, die seinen Vornamen wissen, glauben, dass es sich um einen Sachsen handelt. Thomas de Maiziere selbst glaubt das auch, im Westen aber gereicht das dem sympathischen Hugenottensproß aus Preußen nicht zum Nachteil. de Maiziere hat schon Verteidigung gemacht und könnte auch Gesundheit, Verkehr oder Umwelt. selbst 21,4 Prozent der SPD-Anhänger sind traurig, dass er den Säuberung Erneuerung der Partei zum Opfer fallen muss.

Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maas

Bekannt geworden vor allem durch seinen exquisiten Krawatten- und Möbelgeschmack ist der "Kleine", wie ihn seine Fans nennen, beliebt bei Jung und Alt. Heiko Maas gilt als Vater der Meinungsfreiheit und tatkräftiger Verteidiger der Bürgerrechte, allerdings haben bisher nur etwa 17 Prozent von ihm gehört, weitere 25 Prozent kennen ihn nur als Mann an der Seite der beliebten Schauspielerin Natalia Wörner. Maas muss an seiner Bekanntheit arbeiten. Ja, Verbraucherschutz macht er auch.

Finanzen Wolfgang Schäuble

Als Fleißbiene bekannt, hat auch schon alle anderen Ressorts geleitet und fehlt dem amtierenden Kabinett so sehr, dass der wackere Peter Altmaier seine Aufgeben nebenbei mitwuppt. 99 Prozent aller Deutschen kennen Wolfgang Schäuble oder haben bereits von seinem schlimmen Schicksal gehört: Erst Kronprinz, dann Geldkoffer, dann nur noch Kellner am Tisch der Kanzlerin. 51,2 Prozent meinen, der Schwabe habe Besseres verdient. Im Zuge der Erneuerung auf den Posten des Bundestagspräsidenten geschoben. Hält sich dort immer noch für eine Rückkehr als Kronprinz für den Krisenfall warm.


Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel

Schon wieder Gabriel. Viele finden es gut, dass er so viel macht, mancher bleibt aber auch skeptisch.
Immerhin ist der gescheiterte SPD-Chef 47 Prozent der Deutschen ein Begriff, er habe als Gesundheitsminister sehr gute Arbeit geleistet, bescheinigen ihm weitere 22 Prozent, die ihn allerdings nicht auf Fotos erkennen würden. Damals, als er noch das sagen gehabt habe, meinen 49 Prozent der SPD-Anhänger, wäre mehr drin gewesen. Nachfolgerin Brigitte Zypries sagt nur 4 Prozent der Menschen etwas. Hier müsse die Bundesregierung transparenter arbeiten, fordern 66,7 Prozent.


Arbeit und Soziales Andrea Nahles

Hier reimt es sich und was sich, sagen 33 Prozent der Älteren, reimt ist gut. Dass Nahles sich als Ungelernte  ohne Fachabschluss so in ihre Fach hineingefuchst habe, beeindruckt bundesweit. 77 Prozent der Befragten sind der Meinung, die alleinerziehende Mutter könne auch SPD-Chef, Fraktionschefin und nebenher eventuell anfallende weitere Aufgaben zur Zufriedenheit aller übernehmen.  Stolz sind 81 Prozent der befragten Frauen darauf, dass Angela Nahles auch eine ist.

Ernährung und Landwirtschaft Hans-Peter Friedrich

Überzeugende Vorstellung bis zum frühen Aus wegen eines Skandals, an den sich 99 Prozent der Wähler nicht mehr erinnern. Langfristig hat die Knabenbildaffäre dem CSU-Mann nicht geschadet, sein Nachfolger heißt Christian Schmidt, er ist im Schatten seines Vorgängers weitgehend unsichtbar geblieben. Schmidt gilt deshalb als heißer Anwärter auf eine erneute Ernennung.


Verteidigung Ursula von der Leyen 
 
Lenkte die Bundeswehr mit sicherer Hand, machte Deutschland immer sicherer und hielt den Russen weit vor den Seelower Höhen draußen. Von der Leyen ist beliebt, 77 Prozent der Wähler haben bereits von ihr gehört, 44 Prozent trauen ihr zu, die Reform der Bundeswehr erfolgreich abzuschließen. Könnte trotzdem aus dem neuen Kabinett rotieren, um in Brüssel die Nato zu führen.

Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig

Die hübscheste Ministerin, deshalb bei 64,3 Prozent der Männer bekannt, wenn auch nicht namentlich. Die "Blonde", wie sie von 12 Prozent der befragten Ostdeutschen genannt wurde, gilt als durchsetzungsstark und ansehbar. Nachfolgerin Katarina Barley, nach eigenem Bekunden eine Allzweckwaffe der deutschen Sozialdemokratie, muss noch zulegen, sie erkennen nur etwa 6 Prozent der regelmäßigen Tagesschau-Zuschauer überhaupt als Politikerin, 21 Prozent verwechselten  sie dagegen mit der früheren Landrätin Gabriele Pauli. 

Gesundheit Hermann Gröhe

Gröhe? 90 Prozent der Wähler hielten lange Sigmar Gabriel für den Gesundheitsminister Gröhe, im letzten Jahr sagten dann aber 11 Prozent, würden ihn erkennen - wenn sie ihn kennen würde. Nur 29 Prozent wissen, dass treue Hermann schon lange Minister ist. Bisschen dünne für einen, der ganz gern öffentlich redet und dabei viel zu sagen hat.

Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt

Überzeugende Vorstellung eines Mannes mit Ambitionen. Dobrindt ist das Küken des Kabinetts, ein junger, frischer Mann, der noch viel vorhat. Geht es nach den immerhin 37 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die ihn erkennen würden, läge ihnen eine Autogrammkarte von ihm vor, muss der Bayer weitermachen, um noch bekannter zu werden.


Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Barbara Hendricks

Macht Umwelt, wissen sieben Prozent der Bürger, sie mache das auch gut, finden 23 Prozent. Hendricks schroffe Art imponiert vor allem in Norddeutschland, hier sagen 19 Prozent, die Christdemokratin solle weitermachen. Weiter 16 Prozent konstatieren, dass Hendricks für eine Sozialdemokratin gute Grünen-Politik mache.

Bildung und Forschung Johanna Wanka

Stieß spät zur Merkel-Truppe und konnte wegen ihres Ministeriums, das eigentlich keines ist, nie zu den bekannteren Kolleginnen und Kollegen aufschließen. Wanka gilt als  kanzleramtsintern als Streichkandidatin für die neue Legislaturperiode, allerdings sagen 82,1 Prozent der Wähler, die sie auf Bildern von Opernpremieren erkennen, dass ohne sie etwas fehlen würde. Karte im Schiebeskat, könnte noch mal ein Trumpf werden, wenn sie irgendwo ins Rateteam geht.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller

Nein, nicht der Fußballer. Müller erreicht zwar Bekanntheitsgrade von rund 97 Prozent und ist damit nach Angela Merkel (107 %) Spitzenreiter im Kabinett. der "kleine Gerd" wie er behördenintern genannt wird, verdankt seinen Ruhm aber der Verwechslung mit dem Rekordtorschützen der Mannschaft und 74er Weltmeister. Müller II ist Entwicklungshilfeminister und verantwortlich für die Beseitigung der Fluchtursachen.  Gut, das ist er erst seit 4,5 Jahren, aber es soll Leute geben, die bedeutend weniger Zeit gebraucht haben, um mal auf sich aufmerksam zu machen.

Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes und Finanzminister Peter Altmaier

Ein bekanntes Gesicht reicht eben nicht. Nur elf Prozent der Deutschen können auf Anhieb sagen, woher sie den früheren Arbeitsminister kennen. Elf ist sehr wenig, denn Altmaier bringt viel mit: Derzeit erledigt er drei Posten, zuvor schrieb er das CDU-Wahlprogramm und löste die Flüchtlingskrise, zudem gilt er als eine Art Beichtvater der Kanzlerin. Verzichtet seit Jahren auf ein Privatleben, erregt damit bei immerhin 17,2 Prozent der Bürger ein gewisses Misstrauen.




1 Kommentar:

Petra Moldenhauer hat gesagt…

Das ist ein hervorragender Artikel! Bin begeistert und wenn Sie eine Autogrammkarte verschicken würden, denke ich, dass ich Sie auf Anhieb wiedererkennen würde ;-).

Vielleicht noch ein bisschen an der Rechtschreibung arbeiten, dann wäre es perfekt!