Google+ PPQ: Hörproben zum Ansehen: Nimm mich im Arm

Samstag, 20. März 2010

Hörproben zum Ansehen: Nimm mich im Arm

Wie haben die das damals nur gemacht? Gebacken ohne Hauswirtschaftsstudium, gebügelt ohne Videoanleitung, Abwaschen ohne Abitur? Ohne Hilfe aus dem Internet wurde genäht, ohne Gegencheck bei chefkoch.de gekocht. Kein problemfreies Leben führten die Menschen, aber eines, in dem Probleme vorrangig dazu da waren, gelöst zu werden, und Aufgabe dazu, sie zu erledigen: Menschen suchten sich einen Job ohne Berufsberater, Studenten gingen an die Uni ohne Studienführer, es wurden Kinder geboren ohne Schwangerenberatung, Geld zur Bank gebracht, ohne Finanzexperten zu befragen, und sogar Schnupfen ohne Spezialistenhilfe geheilt .

Der Fortschritt allerdings marschiert unaufhaltsam, der Mensch entwickelt sich und plötzlich können Mädchen nicht mehr kochen, ohne drei Jahre Hauswirtschaft studiert zu haben, Jungen geht die Fähigkeit ab, ein Brett an die Wand zu dübeln, und junge Paare müssen vor Antritt der Ehe zur Therapie, nicht danach.

"Mutti, abwischen!", schallte es in dunkelsten DDR-Zeiten durch die hellhörigen Flure der Neubaublocks, wenn der Nachwuchs auf dem Klo saß und nach analer Reinigung verlangte. "Mutti, abwischen!" hallt es heute jeden Tag durch das ganze Land, das einmal Großmacht werden wollte und nun zufrieden damit ist, mit Sven Banis, dem Gott der Grenzdebilen, dessen Hit "Nimm mich im Arm" zu jodeln.

Eine ganze Industrie beschäftigt sich inzwischen damit, Bürger in und auf den Arm zu nehmen. Erwachsene werden von Wohlfahrtsverbänden bemuttert, Heranwachsende von Amtspflegern auf dem Weg ins Leben begleitet, Alltags-Assistenten stemmen sich dem Schicksal Benachteiligter entgegen und Fernsehpfleger helfen störrischen Selbstzerstörern zurück in die Mitte der Gemeinschaft. Eine Gesellschaft aus fürsorglicher Bevormundung, die verblüffend der Idiokratie gleicht, die der Regisseur Mike Judge vor einigen Jahren im gleichnamigen Film noch als absurde Variante einer möglichen Zukunft zeigte, die längst Gegenwart geworden ist,wie Karl Eduards Kanal beschreibt.

"Mutti! Abwischen!" übersetzt sich dabei heute in "Staat! Leb mich, ich allein kann es nicht!", "Die deformierte Gesellschaft" (Buchtitel), die der notorisch alleindenkende Thüringer Sozialprophet Meinhard Miegel noch vor Judges Irren-Apokalypse entdeckte, ist nicht Zukunftsvision, sondern ein Sozialstaatsalltag, aus dem kein schnellbesohlter Assistent mehr einen Ausweg finden kann. "Körperliche Unterschiede können noch so groß sein", schreibt Miegel in seinem neuen Buch "Exit", "geistige Unterschiede sind inakzeptabel: Da muss so getan werden, als seien alle gleich". Während es völlig in Ordnung sei zu sagen: Diese Last kannst Du nicht tragen, sei es völlig unmöglich zu behaupten "Das übersteigt Deine Verstandeskräfte".

Die Rolle der Dummheit bei der Verhinderung der Herstellung völliger Gleichheit als Grundlage totaler Gerechtigkeit bleibt fahrlässig unterschätzt .

"Hörproben zum Ansehen finden Sie hier" lockt Sven Banis, der Herzbube aus Beesenstedt. Mutti! Abwischen!

Kommentare:

Christian hat gesagt…

Wir werden es wohl nie schaffen, alle Dummen klug zu machen. Darum sollten wir unseren Staat so einrichten, dass die Idioten halt halbwegs ordentlich durchs Leben kommen ohne sich oder andere zu verletzen oder ein politisches Mandat zu bekommen.
Wenn wir allein letzteres verhindern könnten, wäre dies eine bessere Welt.

ppq hat gesagt…

ein nahziel, das sehr fern liegt

VolkerStramm hat gesagt…

Selbstlosigkeit war schon immer ein einträgliches Geschäft . Auch zu DDR-Zeiten war Befreiung der Welt von Ausbeutung und Unterdrückung eine lukrative Einnahmequelle.

Doch auch ohne Maserati oder Goldbarren im Datschenkeller gilt:
Wohltun bringt Zinsen.
Marktführer Caritas ist mit knapp 500.000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Aber AWO, ASB, Kinder- und Jugendring, Frauenhäuser, Rotes Kreuz, Kolpingwerk, Treberhilfe, Diakonie, Frauenförderwerk müssen sich nicht verstecken, was die Einnahmen betrifft. 55 Milliarden - selbstloser geht´s gar nicht!

Die Anmerkung hat gesagt…

Und nicht vergessen: verschärfend kommt hinzu, daß immer mehr dicke, internetsüchtige, depressive, weniger vedienende und anglizierende Menschen dieses Land bevölkern.

Da machen all diese Berufsfelder durchaus einen Sinn. Die eine Hälfte der Bevölkerung ist bekloppt und die andere Hälfte paßt auf, daß nichts Schlimmeres passiert.

Friederich hat gesagt…

Bist Du ganz sicher, daß der Mann aus Beesenstedt nicht eine Inkarnation des verschwundenen Meistersingers von Barth ist?

Stuff hat gesagt…

@ Die Anmerkung

OMG (Anglizismus), welche Hälfte?
Wir leben in einer/mehreren Dystokratien, - achja, fällt mir sogleich der passende Buchtitel hiezu ein: Die Molussische Katakombe. Die Sentenz mit der Arm-Amputation.

Stuff

BTW: Der Herr Zimmerman, Robert, wäre ja beinahe Hamburger... Was da wohl passierte?

ppq hat gesagt…

der beesenstedter herzbube war früher, er ist auch älter und bereits mit seiner herzdame verheiratet, soweit ich erinnere. sie wurde nach ihrem namen ausgesucht, sagt man in fankreisen. "nadine" (gesprochen nadin-eee) ist aber auch zu hübsch.

dylan deutsch? wir würden ihn nicht kennen oder aber kennen als teil der deutschrockdynastie westernhagen-lindenberg-maffay-grönemeyer

Anonym hat gesagt…

Ich glaube, die heissen Staatssekretäre. Die die Behinderten an den Arm nehmen.

ppq hat gesagt…

ich las da oben "alltags-assistenten". und frug mich seitdem, wann "lebenswegbegleitfacharbeiter" als lehrberuf angeboten wird

Anonym hat gesagt…

Dummheit ist eine nachwachsende Ressource, gegen die selbst Götter vergeblich kämpfen.

Wenn Du etwas nicht bezingen kannst, verbünde Dich mit ihm.

Ich finde, wir haben das bisher sehr gut hinbekommen.

ppq hat gesagt…

das ist es wahrscheinlich