Google+ PPQ: Unlesbares endlich unleserlich

Freitag, 27. Januar 2012

Unlesbares endlich unleserlich

Vor zwanzig Jahren, als noch niemand Deutschland sagte, weil es BRD heißen musste, war alles ganz einfach. Weil die Sache ja klar zu sein schien: „Wer sich mit Hitler und dem Nationalsozialismus auseinandersetzen will und sich nicht allein mit Sekundärliteratur begnügen möchte, kommt nicht umhin, wesentliche Passagen von Hitlers „Mein Kampf“ im Originaltext nachzulesen.“ Angetan mit ordentlicher Ideologie-Schutzkleidung, einer Anti-Nazi-Brille, dicken Deutschhandschuhen und unter Aufsicht von staatlichen Organen oder der politisch unverbildeten Ehefrau folgten ein paar Dutzend Deutsche der Empfehlung von Bundespräsident Theodor Heuss, Hitlers „Mein Kampf“ selbst zu lesen, das der Historiker Christian Zentner in einer stark gekürzten und um Kommentare erweiterten Ausgabe im List-Verlag herausgebracht hatte.

Damals ging das noch. Ekkehard Schall hatte es später schon etwas schwerer. Seine aufrüttelnde Lesung aus dem Tagebuch des Unmenschen fiel dem deutschlandweiten Wiederaufarbeitungsverbot zum Opfer: Schalls CD „Mein Kampf“ erschien zwar. Wurde aber sofort wieder in die Tube zurückgedrückt. Zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass das schlecht geschriebene, mit vielen unausgewiesenen Zitaten gespickte und "von Menschenhass getränkte" (dpa) Werk die Fangemeinde des Schauspielers wie ein Virus befallen und den Bestand der Demokratie in Deutschland augenblicklich nachhaltig gefährden könnte.

Diese Gefahr umging der große türkische Kabarettist Serdar Somuncu noch später nur, indem er seine Lesung aus Hitlers Hetzwerk als Lesung aus dem „großen Werk antimarxistischer Weltliteratur“ ankündigte - doch das war der letzte aktenkundige Versuch, den heute bei n-tv, ZDF, ARD und zahlreichen anderen Programmen als Moderator und Kleindarsteller tätigen Zweifingerbart-Führer in eigenen Worten populär zu machen. Dem Verleger Peter McGee, der Auszüge aus dem Buchunter dem schönen neuen Titel "Das unlesbare Buch" hatte in den Handel bringen wollen, hat das bayerische Finanzministerium dagegen jetzt einen Riegel vorgeschoben: Um Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, darf der Brite Auszüge aus der Kampfschrift nur unleserlich gemacht abdrucken. Damit soll verhindert werden, dass sich aus den entleerten Steppen von Brandenburg und Vorpommern erneut ein aufgeputschtes Heer von willigen Helfern aufmacht, um Raum im Osten zu erobern.

McGee, dessen Heimat schon gegen Hitler kämpfte, als Bayern noch von einem aus Siegen stammenden Gauleiter regiert wurde, klagt gegen das Aufklärungsverbot mit Originaldokumenten. Bayern aber bleibt hart: Bis 2015 hält die Staatsregierung noch die Verwertungsrechte an Hitlers Ausarbeitungen zu Volk, Raum und Rasse, so dass die rechtliche Möglichkeit besteht, eine Veröffentlichung zu unterbinden. Auch danach werde man aber einer Veröffentlichung auch von Auszügen aus "Mein Kampf" weiter widersprechen, weil der „die Straftatbestände des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und der Volksverhetzung“ entgegenstünden, heißt es in München.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Müßte dann nicht Hitler-(n-)TV auch verboten werden?

ppq hat gesagt…

keineswegs! das ganze geschäftsmodell ruht doch auf den schultern dieses prominentesten und fleissigsten moderators! da wäre ein verbot - auch für das zdf und die ard - gleichbedeutend mit dem verbot der firma. da wiederum wäre unangemessen hart

Anonym hat gesagt…

Knopfs Geschäftsmodell:

http://www.youtube.com/watch?v=QOhfQ9HrCbU

Anonym hat gesagt…

Ist das der Guido, der die Tiger- Panzer gegen die Polen im Jahr 1939 auffahren läßt?

BRD-Flüsterer hat gesagt…

So ist das mit der Weltliteratur:
Weder "das Buch" noch unser Bummi
lassen sich dauerhaft verbieten :) .

interessante Flugkörper hat gesagt…

Und auch "soziale" Gesten finden irgendwann ihren Anfang.
Damit Ihr für die nächste Präsidentenwahl wisst, wo der Arm hingehört, dieses Vorbild:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bild-811908-309352.html

Teja hat gesagt…

Tigerpanzer gabs 1939 gar nicht.

Kurt hat gesagt…

Ob es `39 Tigerpanzer gab ist doch egal. Hauptsache böse siehts aus.

Genauso ist es mit den Geräuschen. Die sind logischerweise nachvertont. Und so klingt der Schuß eines großen Schiffsgeschützes genauso wie der Schuß einer PAK oder eines Tigers. Wenn es Katjuschas zu sehen gibt, gibt es immer dasselbe Geheule, egal aus welcher Perspektive und Entfernung die Raketenwerfer auf die Arriflex des Frontberichterstatters gebannt wurden. Ähnlich ist es mit den Maschinenpistolen und Maschinengewehren. Klingt alles gleich bei Knopp und Co. Von den Marschgeräuschen will ich gar nicht erst anfangen. Das klingt immer wie tausende Stiefel auf Pflaster, selbst wenn die Soldaten auf unbefestigten Wegen in der Steppe marschieren.
Und ich geh jede Wette, daß die Ketten- und Motorgeräusche des Tigers genau so klingen wie des T34 und des Sherman und und und...

Da lob ich mir den Russenfilm, da wurde auf sowas noch geachtet!

Anonym hat gesagt…

stimmt -beim Russenfilm gibt`s noch echte Kettengeräusche .

hol Dir jetzt das Kettengeräusch auf Dein händi

VRIL