Google+ PPQ: Rätsel der Mathematik: Herr Schäuble, wie haben Sie das gemacht?

Donnerstag, 23. Februar 2012

Rätsel der Mathematik: Herr Schäuble, wie haben Sie das gemacht?

Rätsel der Mathematik, Wunder der Wissenschaft. Als Europa vor zwei Jahren langsam begriff, dass Griechenland vor dem Staatsbankrott stand, hatte das Land unglaublich hohe Verbindlichkeiten. Die Gesamtschulden beliefen sich auf 300 Milliarden Euro – das waren damals, anno 2010, als Benzin noch 1,30 kostete, sagenhafte 112,6 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts.

Europa reagierte. Es wurden Rettungspakete geschnürt, schneller als eine Domina ihr Korsett bindet. Europa erliess Griechenland schon 2010 die Hälfte seiner Schulden – nach übereinstimmenden zeitgenössischen Berichten von Qualitätsmedien waren das allerdings nicht 150, sondern 100 Milliarden Euro. Doch Jahr 2011 bekam die Regierung in Athen noch einmal 100 Milliarden Euro.

In einem normalen deutschen Taschenrechner ergäbe sich mit Stand Januar 2012 eine einfache Substraktionsrechnung: 300 Milliarden minus 100 Milliarden minus weitere 100 Milliarden müsste eine griechische Restschuld von 100 Milliarden ergeben.

Müsste. Wäre hier nicht höhere Mathematik im Spiel. Denn Griechenlands Schulden betragen nach derzeitigen Angaben nicht 100, sondern 350 Milliarden Euro. Runde 50 Milliarden mehr als vor dem ersten Rettungspaket.

»Ich glaube, dass wir das insgesamt gut zustande gebracht haben«, kommentierte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das erstaunliche Ergebnis. Herr Schäuble, wie haben Sie das gemacht? Und wie geht es weiter? Mit dem nächsten Rettungspaket bekommt Griechenland noch einmal 100 Milliarden Schuldenhilfe, zudem soll der Verzicht privater Gläubiger wie der staatlichen Hypo Real Estate Bank auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen die griechischen Schulden um weitere 107 Milliarden reduzieren.

An der Kreidetafel einer Grundschulklasse hätte sich die Ursprungsschuld nunmehr in ein griechisches Staatsguthaben von sagenhaften 137 Milliarden Euro verwandelt. Im Europa der realen irrealen Zahlen deutet alles auf einen ganz anderen Gang der Dinge: Die Reduzierung von 300 Milliarden Schulden mit 200 Milliarden Hilfsgeld führte zu einer Erhöhung der Restschuld auf 350 Milliarden. Linear dazu wird die Reduzierung dieser Restschuld um 237 Milliarden zu einer Erhöhung der nunmehrigen Restschuld auf 395 Milliarden Euro führen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Stimmt.
Minus mal minus ergibt Plus.

Anonym hat gesagt…

Das ist ja interssant. Ich denke hier kann nur noch Herr Zwegert helfen

eulenfurz hat gesagt…

Fehler in der Berechnung: Zwischen beiden Bilanzen ist ein Jahr vergangen.

So einfach ist die logische Schlußfolgerung: Griechenland hat in dem einen Jahr 250 Milliarden Euro neue Schulden gemacht.

Anonym hat gesagt…

aber denen leiht doch keiner mehr was?

Anonym hat gesagt…

Wenn man leihen nicht leihen, sondern „leihen“ schreibt, dann schon.

Calimero hat gesagt…

In ein paar Jahren, wenn erstmal alle Griechenpapiere unter europäischer Finanzhoheit befindlich sein werden, zahlen wir uns Zins und Tilgung selber aus.
Damit machen wir dann schöne Gewinne.

Weil wir uns aber nicht gut bei uns selbst verschulden können, brauchen wir dafür halt die Griechen, die das für uns erledigen. Und das machen sie sogar mit mehr als dem Inflationsausgleich - ist doch toll, oder?

Calimero hat gesagt…

Zugegeben, das habe ich mir nur ausgedacht ... aber wo soll da sonst der Sinn drin zu finden sein?

interessante Flugkörper hat gesagt…

"Herr Schäuble, wie haben sie das gemacht?"
Frag ihn doch. Lt. Geldwäschegesetz ist er zur Auskunft verpflichtet. Grieche möchte ich, nach Deinem Bericht, nie und nimmer sein. Was hat sich das Finanzkartell dabei bloß gedacht? Ach ich weiß, auf die Griechen kann alle Welt ungestraft herumhacken, da war noch nie ein Völkermord geschehen. Es ist an der Zeit......

interessante Flugkörper hat gesagt…

Ähm, - wir Deutschen sind auf dem besten Weg zur Hölle. Ich frage mich seit Monaten, was wäre wenn, sich die Juden noch einmal fürchterlich rächen?

Volker hat gesagt…

Ich staune nur, dass überhaupt noch jemand mitrechnet.
Als das mit der Retterei losging, da habe ich auch noch mitgezählt.
Seit einem Jahr habe ich es sein gelassen. Was Merkel, Schäuble & Gen. rauslassen, ist so oder so gelogen.

Anonym hat gesagt…

Gedenkkultur : pq soll in "Ali-Internet-Portal" umbenannt werden - noch ist der Bürgermeister aber noch nicht überzeugt .

Wassersport : Immer mehr Weltmitneger klagen in Europa .

Cangrande hat gesagt…

"Es wurden Rettungspakete geschnürt, schneller als eine Domina ihr Korsett bindet."

Köstlich!

Anonym hat gesagt…

gesehen beim Honigmann sagt-Blog am 23.02.2012
Hier ein Artikel von Mikis Theodorakis – für die Finanzkrise soll doch schon wieder den Deutschen, quasi als immer-noch-Nazis ,die Schuld in die Schuhe geschoben werden:
Ein Aufruf von Mikis Theodorakis.
Es gibt eine internationale Verschwörung mit dem Ziel der Vollendung der Zerstörung meines Landes. Sie begannen 1975 mit Ziel (auf) die neugriechische Kultur, sie fuhren mit der Perversion unserer neueren Geschichte und unserer nationalen Identität fort und versuchen jetzt, uns mit
Arbeitslosigkeit, Hunger und Verelendung auch biologisch auszulöschen. Wenn sich das griechische Volk nicht vereint erhebt um sie zu aufzuhalten, ist die Gefahr der Auslöschung Griechenlands existent. Ich siedele sie in den nächsten zehn Jahren an. Von uns wird nur das Andenken an unsere Zivilisation und unsere Kämpfe für die Freiheit verbleiben. weiterlesen auf:
http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/02/23/finnen-sehen-deutschland-info-brief-unverandert/

ppq hat gesagt…

cangrande, danke für das kompliment. die formulierung lag aber so sehr auf der hand... ich lehne es ab, dafür blumen zu nehmen

Florian hat gesagt…

Wie hat Schäuble das gemacht?
bzw. wie passen die diversen Zahlen zusammen?

Hier meine Interpretation:

Erstens:
Man muss bei den diversen Rettungspaketen das Kleingedruckte anschauen. Soweit ich verstanden habe, handelt es sich i.d.R. NICHT um "Geschenke" an den griechischen Staat.
Sondern es handelt sich teilweise um Bürgschaften und teilweise um Kredite.
Diese verändern allerdings den Schuldenstand Griechenlands nicht. Griechenland hat seine Schulden dann nur nicht mehr am Kapitalmarkt, sondern gegenüber z.B. Deutschland.

Hinzu kommt, dass die Kredite zwar beschlossen wurden, teilweise aber noch nicht gewährt wurden.
Soweit ich das überblicke, ist z.B. das 1. Rettungspaket vom April 2010 auf verschiedene Tranchen ausgelegt, die auf 3 Jahre verteilt gewährt werden sollen.
Von den 110 Mrd. Euro der ersten Tranche, wurden bislang (lt. Wikipedia) "nur" 64 Mrd. gewährt.

Beim 2. Paket wurde womöglich noch gar nichts gewährt (ich habe dazu nichts gefunden). Denn eigentlich müsste man das ja auch erst angreifen, wenn das 1. Paket aufgebraucht ist.

Daneben gibt es noch ein von Ihnen gar nicht erwähntes Aufkaufprogramm für griechische Staatsanleihen durch die EZB (je nach Quelle bislang 25 bis 60 Mrd. Euro).

Aber auch hier bleiben die Schulden des griechischen Staates ja grundsätzlich erhalten.
Griechenland hat diese Schulden nun nur nicht mehr gegenüber dem Kapitalmarkt, sondern gegenüber Deutschland, der EU, dem IWF oder der EZB.

Die einzige bislang beschlossene Maßnhame, die die griechischen Schulden wirklich reduziert hat, war der Schuldenschnitt vom Okt.2011 (mit einem Forderungsverzicht von rund 100 Mrd. Euro).

ppq hat gesagt…

florian, natürlich hast du recht. allerdings wird es medial ja immer so gespielt, dass das volk zum glauben verführt wird, da werde irgendwas besser. dass es eigentlich eine umschuldung von privat zu staat ist, die da läuft, sieht man im grunde nur, wenn man sich die milliardenspielereien maal genauer anschaut und dann diese frage stellt: herr schäuble, wie haben sie das gemacht? leider fragt in den leitmedien ja keiner mehr