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Sonntag, 19. November 2017

Hirnhornhaut und Ermüdung: AfD taumelt in die Bedeutungslosigkeit

Wie mit dem Messer abgeschnitten: Seit die AfD Bundestagsrealität ist,wird über die "Nazis im Parlament" (Gabriel) nicht mehr berichtet.
Vier Jahre Witz ohne Lachen. Bedauerndes Abwinken. Zwölf Monate Schreckgespenst, über das aber am besten nicht geredet werden sollte. Dann das drohende Desaster und schließlich dessen Ankunft am Abend der Bundestagswahl. Guten Abend, Alptraum. Es folgte eine Nachbereitung, die eigene Gesetze gegen die AfD brachte, eigene Fernsehdiskussionsrunden über die AfD und lange Zeitungsartikel, ob man die Neuen im Parlament nun Nazis nennen dürfe und ob man trotzdem oder gerade deshalb mit ihnen reden können müsse.

Der Name ein Affront


Die Alternative für Deutschland, schon im Namen im Grunde ein unzulässiger Affront gegen die Kanzlerin, die den alternativlosen Charakter ihrer Politik stets betont hatte, schaffte binnen vierer Jahre, wozu die Grünen ein Jahrzehnt brauchten. Von einem Teil der Bevölkerung als Drohkeule und Hebel erkannt, mit dem sich erstmals nach Jahrzehnten wieder direkt auf die Ausrichtung der Politik im Lande Einfluss nehmen lässt, avancierte die blutjunge Kleinpartei zum mächtigsten Mittel, die etablierten Parteien zu erziehen.

Wie Rehe im Scheinwerferlicht standen sie am Wahlabend da, nicht so sehr erschrocken darüber, dass ihnen so viele Wähler von der Fahne gegangen waren. Sondern empört, weil die meisten davon genau die gewählt hatten, vor denen sie doch ausdrücklich und mit der ganzen Kraft ihrer schwindenden Autorität gewarnt hatten. Ursache und Folge, bekannt seit Adam und Eva im Paradies. Der Satz "Iss den Apfel nicht" macht ihn nur umso schmackhafter.

Der Kater danach ist allerdings gewichen. Das Abendland, das früheren Vorhersagen zufolge seit Trumps Inthronisation ohnehin hätte drei- oder viermal untergehen müssen, ist trotz AfD noch da. Nur die Partei ist es nicht. Die AfD verschwand aus den Schlagzeilen ebenso schnell wie sie vor der Wahl hineingestürmt war. War eben noch jeder Husten Gaulands, jede missverständlich zusammenkürzbare Weidel-Aussage, jeder Parteiaustritt und jeder Facebook-Chat einer Kleingruppe aus der Provinz ein guter Anlass, Masken vom Gesicht zu reißen, zu warnen und klarzumachen, welch böses Ende es nehmen wird, wenn "echte Nazis" (Sigmar Gabriel) erst wieder im Reichstag sitzen, ist jetzt nichts mehr von der Machtergreifung der braunen Horden zu hören.

Wo sind all die Nazis hin


Existiert die AfD überhaupt noch? Was macht Höcke? Wo rechnet Petry heute ab? Gehört Meuthen zu den Reformern oder den Hardlinern? Und wo sind all die Gegendemonstranten hin, die Wirte, die keine AFDler bedienen, die Hoteliers, die sie nicht einlassen, die anständigen Parteien, die nicht neben ihnen sitzen wollen?

Wie mit der Schere abgeschnitten endet die Ära der Abwehrkämpfe gegen die im Sptember noch als Gottseibeiuns gepredigte Kleinpartei in Hirnhornhaut und Ermüdung. Nach der Überdosis der kalte Entzug. Schlechtes Omen für die Partei: Die AfD, die ihre Kraft nie aus hochfliegenden Plänen oder politischen Strategien bezog, sondern allein daraus, dass sie keine der anderen Parteien war, steht vor einem schweren Bedeutungsverlust.


Kommentare:

Gernot hat gesagt…

"Wo sind all die Nazis hin?"
Man hat ihnen doch immer vorgeworfen, sie "versteckten sich in der Anonymität", weil es ja auch so sinnvoll ist, sich berufliche Schwierigkeiten oder Rausschmiss einzuhandeln.
Nun ist es vielleicht Teil ihrer Strategie, sich nicht mehr von den Medien erwähnen zu lassen, um die Menschen in Sicherheit zu wiegen.
Oder haben sie darauf vielleicht gar keinen Einfluss?
Vermutlich werden sie, wenn sie fehlende (genommene) Öffentlichkeit nicht auf der Straße und im Netz ausgleichen, den Weg aller bisherigen Rechtsparteien gehen.

Anonym hat gesagt…

die AfD hat schwarz-grün verhindert , Seedoofer und seine Kotfotzencsu kann einpacken , die haben fertig

Anonym hat gesagt…

Ich habe sie zwar "gewählt", die Mutter aller kontrollierten Opposition, aber das ist "kontrollierte Narrheit" nach Carlos Castañeda.
Jetzt haben wir einen Huf in der Türspalte, jetzt werden/müssen wir sie "jagen" - so sehen die gerade aus. Ein paar Wochen oder Monate Zeit gewonnen, solange sich das Gesocks (scheinbar?) rauft - aber selbst das kann täuschen.
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Echtes Aufmucken dürfte zum Dritten Punischen Krieg führen - aber warum eigentlich nicht? Die letzten zwei Jahre betrachtet? Mit einem Knall statt mit einem Winseln?
Was bin ich heute wieder nihilistisch. Lewwer duad üs Slaaw.