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Sonntag, 28. April 2019

Affiliate Marketing: ZDF im Werbemodus


Was ist wahr, was ist falsch, wer streut gegebenenfalls absichtlich Falschinformationen und zu welchem Zweck? Dazu ist auch vor der EU-Wahl wieder ein PPQ-Team im Einsatz, das möglichen Strategien der Desinformation mit intensivierter journalistischer Qualitätssicherung entgegenwirkt. Der PPQEU19 überprüft Aussagen von Medien und Politikern auf ihre Richtigkeit,, ordnet ein und stellt klar. In der ersten Folge: Wie unbeholfen und durchsichtig das Zweite Deutsche Fernsehen manipuliert.

Es droht wiedermal eine Wahl, die wie die Strafe eines zornigen Gottes auf Regierende und ihre Berichterstatter niederfahren könnte. Europa 2019, ein Zittern ist in der Macht, ein Zittern vor dem Bürger, der Bürgerin, dem Genossen, der innerparteilichen Konkurrenz und vor Journalisten, die sich aus Verzweiflung über ein Publikum, das sie nicht mehr ernst nimmt und sich abwendet, im allerletzten Moment doch wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe besinnen könnten. Und ohne Ansehen der Person und ohne Rückversicherung beim Pressesprecher berichten, als wäre das ganz normal.


Auch beim ZDF schrillen längst die Alarmglocken angesichts der Gefahr, dass ein erneutes demokratiefeindliches Wahlergebnis sich auch mit dem besten Framing-Konzept nicht mehr als typisch sächsisches Naziprodukt wegdeuten lassen könnte. Der Staatssender, der seit Jahren den Regierungssprecher stellt, hat einen Monat vor der stets als "Europa-Wahl" angepriesenen EU-Wahl in den Werbemodus umgeschaltet: Mit "Was uns die EU schon gebracht hat" startet der "ZDFcheck19" von Svenja Bergerhoff stilecht wie noch stets vor EU-Wahlen als nicht gekennzeichnetes Affiliate Marketing mit einer Aufzählung von beim Zweiten Deutschen Fernsehen offenbar als Welterrungenschaften geltenden "sieben Beispielen dafür, was die EU ihren Bürgern gebracht hat".

Stromsparen

Da wäre als erstes das Stromsparen durch das Glühbirnenverbot, das in Mainz allem Anschein nach als wichtigste EU-Errungenschaft gilt: Seit im Jahr 2009 die Glühlampen aus den Regalen zumindest in Deutschland verschwanden, seien "die klassischen Glühbirnen und Halogenlampen durch die verbrauchsärmeren und langlebigeren LEDs" ersetzt worden. Die Entwicklungen des Stromverbrauchs in Deutschland lasse nun "vermuten" (ZDF), dass der Verbrauch für Beleuchtung "um mehr als 20 Prozent zurückgegangen" sei. Der Gesamtstromverbrauch stieg zwar, aber das muss man als seriöses Medienhaus in diesem Zusammenhang sicher nicht unbedingt erwähnen.


Shopping


Auch beim Onlineshoppen habe die EU Entscheidendes erreicht, versichert das ZDF, denn sie habe festgelegt, dass 14 Tage Rückgaberecht auf alle Güter und Waren gelte, egal, in welchem Mitgliedsland man eingekauft habe. Das hat nun wirklich vielen Millionen Menschen geholfen, denn welcher deutsche kauft nicht regelmäßig bei den großen französischen, belgischen, spanischen und griechischen Internetkaufhäusern? Und wer nutzt nicht gern die von der EU vorgeschrieben zwei Jahre Gewährleistung auf alle Waren - unabhängig davon, ob man einen italienisches Handy in einem portugisiesischen Internetshop oder einen polnischen LED-Fernseher bei einem estnischen Onlinehändler gekauft hat?


Reisen

1985 beschlossen, 1995 umgesetzt: Der Schengen-Raum vereinfacht seit inzwischen fast 25 Jahren das Reisen in Europa und hat, schon die Zeitabfolge lässt es vermuten, überhaupt nichts mit der EU zu tun. Deshalb mit der ZDFcheck19 ein bisschen flunkern, um die zwischen 26 EU- und Nicht EU-Staaten im Schengen-Vertrag vereinbarte Möglichkeit des Reisens ohne Passkontrollen der EU zuschreiben zu können. Lässt man alle Einzelheiten ebenso konsequent weg wie den Umstand, dass es die nach dem Schengener Abkommen verbotenen Grenzkontrollen seit Jahren wieder gibt, ist das wirklich ein große "Erleichterung", wie das ZDF urteilt.


Schutz

EU-Regelungen seien es auch, die zum "Schutz von Urlaubern" beitrügen, so das ZDF. So müssten "Beschwerden im Rahmen von Pauschalreisen vom Anbieter bearbeitet werden", zudem bestehe ein Schutz, falls der Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft in Konkurs gingen und "umfassende EU-weite Flug- und Fahrgastrechte regeln den Anspruch auf Ausgleichszahlungen - auch bei Verspätungen". Also in etwa das, was die Frankfurter Tabelle und das Montrealer Übereinkommen vorher bereits bestimmt hatten.

Telefonieren


Auch für das ZDF gilt es als eine der wichtigsten Errungenschaften der mit dem Weltfriedenspreis geehrten Völkergemeinschaft: Nachdem EU-Bürger zwischen 1995 und 2016 hunderte Millionen Euro zusätzlich zahlen mussten, um mit dem Handy von einem Binnenmarktland ins andere zu telefonieren, gilt seit zwei Jahren überall in der EU der Inlandstarif. Zu verdanken ist das dem "Roaming-Like-At-Home"-Prinzip, mit dem die EU es deutschen Kunden allerdings verbietet, billiger und bessere Smartphoneverträge in Nachbarländern wie Österreich, Polen oder Schweden abzuschließen.


Altersdiskriminierung


Die Jugend ist die Zukunft, die Alten dagegen sind oft schon verbohrt, vergnatzt, verloren. Um für sich zu werben, hat die EU deshalb über eine von allen Steuerzahler der Gemeinschaft finanzierte Initiative DiscoverEU ausschließlich jungen Erwachsenen kostenlose Travel-Pässe zur Verfügung gestellt, mit denen sie "Europa erkunden" sollen. Im Jahr 2018 wurden unetr Vernachlässigung der EU-Regeln zur Altersdikriminierung in zwei Bewerbungsrunden 30.000 Travel-Pässe unter den rund 100 Millionen Jugendlichen und Jungerwachsenen in der Union vergeben, anhand von eu-feindlichen nationalen Quoten, die sich nach der Bevölkerungsanzahl des Mitgliedsstaates richten. Etwa jeder 3.000. der infragekommenden Altergruppe wurde in der Hoffnung bedacht, ihn zu einem Botschafter der EU-Vorteile in seiner Altersgruppe zu machen.


Freihandel

Zollkontrollen wurden in der in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bereits 1968 abgeschafft, die verbliebenen etwa für Alkohol, Treibstoffe und Zigaretten gibt es bis heute. Ein Kunststück, bei dieser Faktenlage ein Verdienst oder auch nur irgendeine Beteiligung der EU herauszuloben - aber der ZDFcheck19 schafft es selbstverständlich. In diesem Fall ganz einfach dadurch, dass zum Thema Freihandel zusammenhangslos irgendetwas von "2,77 Millionen Arbeitsplätze geschaffen" und "233 Milliarden Euro zusätzlichen Einnahmen" am Ende des Absatzes steht.

Statt zu erwähnen, dass deutsche Steuerzahler für die sieben "Errungenschaften" der EU, von denen fünf nicht einmal im Entferntesten mit der EU zu tun haben, allein in den letzten zehn Jahren mehr als hundert Milliarden Euro gezahlt haben.

Anschließend folgt noch ein Verweis auf das einschlägige Werbeportal der EU namens "Das tut die EU für mich", das allen Vorschriften der europäischen Datenschutzverordnung Hohn spricht, indem es auf ein Impressum konsequent verzichtet. Das ist dann im Grunde genommen nur konsequent.

Kommentare:

Werbemodus und Balztanz hat gesagt…

Jaja, unsere fürsorglich liebe EU und deren Armleuchter-Entscheidung für Schwachstrombirnen in der energieeffizient nur noch spärlich glimmenden Tranfunzel-Bewölkerung.

Vielleicht basiert meine romantische Vorliebe für die alte Glühbirne darauf, dass sie neben gemütlich gelbem Licht sonnengleich auch viel Wärme abstrahlt, die man sinnlich spüren kann. Nachdem wir diese positive Eigenschaft aus Energiegeizgründen nun jedoch abgeschafft haben, muss eben die Heizung das ausgleichen, denn künstliches Licht nutzt man zumindest privat ja nur im Winterhalbjahr. In schildbürgertypischen fast fensterlosen Industriehallen oder Büros mag das anders sein, doch mir kommt trotz Farbdesign- und Lichtkonzeptbemühungen unserer Wohlfühlexperten keine moderne Lichtquelle ins Haus. Da bin ich altmodisch solange der beizeiten gebunkerte Vorrat reicht.

Und wenn man alle Ressourcen mit berechnet, die für Planung, Konstruktion und Einbau neuer Technologien verbraucht werden, handelt es sich bei all den Subventionen eher um ein sehr profitables Witschaftförderungsprogramm mit Erdzerstörungspotential als um deren Schutz und Bewahrung. Eine weitere illusorische SChönmalerei und Gesundbetung wie beim himmlisch rein verklärten E-Car.


Ich jedoch liebe nun mal höhlenartig kuscheliges Wohnambiente samt - Feinstaub hin oder her - echtem Feuer im Beistellofen. Ultramoderne Heiz- und Beleuchtungsanlagen, die an sterile OP-Säle erinnern, gefallen mir nicht. Zu grell, zu analytisch, zu abstrakt. Bin halt irgendwie immer noch Homo Erectus und werde es meine restlichen Tage auch wohl bleiben.

Sollen die Schulschwänzer-Grünschnäbel von "Friday for Future" sich doch in Energie-Sparsamkeit üben, denn pubertär altkluges Protestgeschrei allein bringt noch keinen vernünftigen menschlichen Fortschritt. Besonders wenn man selber schon in jungen Jahren extrem konsumorientiert ist. Die ständig neuesten Handys für das infantile Dauergequassel z.B. wachsen nämlich nicht klimaneutral auf Bäumen.

Das kapiert diese wohlstandsverwöhnte Brut samt Man-gönnt-sich-ja-sonst-nix-außer-um-den-halben-Globus-in-den Urlaub-zu-fliegen-Eltern jedoch nicht.

Darum muss eine verantwortliche EU-Verwaltung dafür sorgen, dass nur bestimmt gekrümmte Gurken neben quecksilbergiftigen Energiesparlampen ins Supermarktregal dürfen.

Alles andere könnte den umweltbewussten Klimaretter-Konsumenten verunsichern.

ppq hat gesagt…

mein vorrat reicht auch noch bis 2080