Donnerstag, 3. Dezember 2020

CO2: Der Preis ist heiß, die Wohnung kalt

Deutschlands Anteil am weltweiten "CO2-Verbrauch" (Malu Dreyer) wird in Kürze drastisch sinken.

Selbst Corona konnte nur kurz und nicht ausreichend für Entlastung sorgen: Einer Studie unter Beteiligung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zufolge wurden in der Zeit der Lockdowns weltweit mehr als eine Milliarde Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre geblasen als ein Jahr zuvor. Allerdings war der Effekt nur von kurzer Dauer, so dass das Klima kaum davon profitieren konnte. Mehr muss geschehen - und in vier Wochen passiert es endlich. Mit Hilfe von Autofahrers, Mietern, Konsumenten und Energieverbrauchern steht ab 1. Januar die vielleicht entscheidendste Phase des Kampfes gegen die Klimakatastrophe an: Dank der neuen CO2-Steuer steigen die Preise für Sprit, Heizöl und Gas, dazu werden auf alle Waren die jeweiligen Klimakosten umgelegt.

Es war ein wegweisender Schritt, den der Bundestag im Sommer 2019 ging, als er mit den Stimmen der Großen Koalition und der Grünen eine weitere Abgabe auf den Treibhausgas-Ausstoß von Brennstoffen aller Art beschloss. 25 Euro pro Tonne CO2 werden zum Einstieg fällig, in verträglichen Jahressstufen soll die neue Steuer, die aus steuerlichen Gründen nicht so heißt, bis 2025 zunächst auf 55 Euro klettern. Von dort aus geht es dann weiter auf 65 Euro und höher.

Für erste aber werden Benzin und Heizöl nun erstmal nur um sieben Cent pro Liter teurer, Erdgas verteuert sich um fünf Cent, Strom, steigt um einen Cent, so dass Deutschland seinen Titel als Strompreisweltmeister sicher verteidigen dürfte, obwohl die Bundesregierung den eigentlich erwarteten Anstieg der EEG-Umlage aus dem Steuertöpfchen abbremsen will. 

Mit 100 Euro plus fürs Klima ist ein durchschnittlicher Haushalt bei den Heizkosten dabei, wer 20.000 Kilometer im Jahr fährt, hat 150 bis 20 Euro mehr zu zahlen und für Strom kommen 18 Euro Mehrkosten zusammen. Dazu  klettert die wegen Corona zwischenzeitlich befristet gesenkte Umsatzsteuer zum 1. Januar wieder auf den normalen Satz von 19 Prozent, so dass weitere drei Prozent Preissteigerung zu erwarten sind.

Alles in allem erwartet die Bundesregierung allein aus der CO2-Abgabe 7,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Bis 2025 steigt der Betrag linear auf mindestens 16 Milliarden Euro, wenn die Bürgerinnen und Bürger keine Vernunft annehmen und sich umweltfreundlicher verhalten. Dazu gehört es, weniger zu heizen, weniger oft warm zu baden oder zu duschen, lieber mal einen Pullover und ein paar dicke Socken überzuziehen, statt leicht bekleidet durch die Wohnung zu laufen. Und natürlich, die bis kurz vor Corona überbordende Mobilität einzuschränken. 


V
or allem in den Großstädten mit kleinen, teuren Wohnungen, in denen viele Menschen schon heute mehr als ein Drittel ihres verfügbaren Einkommens für die Miete ausgeben, sollte das leichtfallen. Der höhere Preis befeuert den Sparwillen gerade bei den Ärmsten der Armen, die heute oft noch mangelnden Willen zeigen, an der Klimarettung mitzuwirken.  Deshalb hatte der Bundestag den ursprünglichen Plan von Union und SPD verworfen, den CO2-Preis zum Einstieg bei lediglich zehn Euro pro Tonne zu belassen. Auf Wunsch der Grünen einigte man sich auf 25 Euro, die dann gerade bei Geringverdienern auch im Portemonnaie zu spüren sind: Ist der Preis heiß, bleibt die Wohnung kalt. Das hilft dem Klima.

Klappt alles wie geplant, wird Deutschlands Anteil am weltweiten "CO2-Verbrauch" (Malu Dreyer) wird in Kürze drastisch sinken und das Weltklima wird aufatmen können. Nach der DDR, die Deutschlands Klimaziele zumindest zeitweise beinahe rettete, wäre es Deutschland, das  einmal mehr die Welt rettet.


Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Letztes Wochenende ist bei mir ein Begriff hängen geblieben: Abrissbirne. Dieser fiel im Zusammenhang mit der mutwilligen, unnötigen Zerstörung des Wirtschaftsstandortes und des Lebensraums Deutschland.

Der lachende Mann hat gesagt…

Unnötig? Wirklich?