Sonntag, 28. März 2021

CDU-Wahlkampagne: Für ein Deutschland, in dem wir gerne regieren

Bisher ist bei der Corona-Bekämpfung nicht viel schiefgelaufen - warum also nicht mit dem Deutschland-dreamteam weitermachen.
Sie kennen das! Sie kennen auch sie, diese Partei, die das alles so gut gemanaged hat bis hierher und zuletzt sogar die Kraft hatte, einen "Fehler" (Merkel) so zuzugeben, dass ihr die Herzen mehr noch als zuvor zuflogen. Noch hat die Union nicht entschieden, wer sie als nächster Kanzler in den Herbstwahlkampf führen muss, doch vorab hat die Partei jetzt immerhin schon mal die ersten Motive der geplanten Wahlplakate vorgestellt. Zusätzliche Schwerpunkte soll später der - erneut ist es bei der Union ein Mann - Kandidat einbringen, die Basis aber stehe, hieß es in der Parteizentrale im Helmut-Kohl-Haus in Berlin.

Feuerwerk der Heilsversprechen

Dort war man in Panik geraten, als sich zuletzt zu den unschönen Nachrichten über bestochene und eigennützige Abgeordnete auch noch die flash news gesellte, dass die SPD ihre Wahlkampagne bereits komplett fertig hat. Rund um Kanzlerkandidat Olaf Scholz - erneut ist es auch bei der SPD ein Mann - plant die deutsche Sozialdemokratie ein Feuerwerk der Heilsversprechen rund um die zentrale Botschaft "Lorem Ipsum", ein Platzhalter, in den Wählerinnen und Wähler, aber auch alle anderen Wählenden ihre eigenen Wünsche, Träume und Vorstellungen eintragen können.

Dem innovativen Konzept der SPD begegnet die CDU nun mit dem roll out einer eigenen Kampagne, die alles andere sein will als originell. Wie die scheidende Bundeskanzlerin 2017 mit dem simplen Satz siegt "Sie kennen mich", soll auch die Wahlwerbung 2021 die Menschen dort abholen, wo sie inzwischen seit fast sechs Monaten im Wellenbrecher-Lockdown sitzen. "Für ein Deutschland, in dem wir gerne regieren" ist der zentrale Werbespruch der Union für den Herbst. 

Wiedererkennung für Wählende

Die Parteizentrale verspricht sich dadurch einen Wiedererkennungseffekt, der dazu führen soll, dass Wählende aus Dankbarkeit für die gezeigten Leistungen, aber auch aus Mitleid mit den zuletzt schwer kritisierten Führungspersonen der Union ihr Kreuzchen bei der "Merkelliste" machen. Diesen Begriff - auch als "Liste Merkel" - will die Partei im Wahlkampf nutzen, um, wie es heißt, "in Erinnerung zu rufen, wer uns so gut durch die Krise gebracht hat". Geplant sind auch Plakate mit Sinnsprüchen der Rekordkanzlerin, etwa "Deutschland - Im Großen und und Ganzen nichts schiefgelaufen" und "Deutschland - Dann ist das nicht mehr mein Land".

Merkel als Zugpferd, wer aber auf dem Kutschbock? Der neue Parteivorsitzende Armin Laschet, nicht nur Merkel-Nachfolger mit dem ersten Zugriffsrecht auf die Kanzlerschaft, sondern zugleich der kluge Kopf hinter der strikt personalisierten Kampagne, will noch im April entscheiden, ob er antritt, oder zuerst versucht, die Krise in Nordrhein-Westfalen in den Griff zu bekommen. Das Bundesland steht mit fast 600.000 Infektionen und fast 14.000 Todesfällen an der Spitze der deutschen Betroffenheitshitparade. NRW liegt in allen Kennzahlen nicht nur vor Bayern, sondern ist insgesamt auch härter getroffen als die corona-verheerten Gebiete in Ostdeutschland.

Auswahl an Merkel-Motiven

Laschets Trumpf ist seine unbestrittene Landesväterlichkeit, die leicht schlurfig daherkommt und an den unvergessenen Wolfgang Böhmer erinnert, die Strickjakce unter den Ministerpräsidenten in einer Zeit, als der Verlust des deutschen Ostens noch als drohende Gefahr und nicht als Akt der Marscherleichterung galt. Als Merkel 2.0 vereint Laschet die Anscheinstugenden eines Bibliothekars und das Charisma eines Basset in einer Person. Er ist damit der Gegenentwurf zum fränkischen Polterer Markus Söder, dem womöglich Geduld, Gelassenheit und Selbstbewusstsein fehlen, wie zuletzt der Grüne Winfried Kretschmann mit einer Auswahl an Merkel-Plakatmotiven in die Schlacht zu ziehen.

Eine Vorentscheidung in der Kanzlerfrage, aber beileibe noch nicht das letzte Wort. Für Laschet spricht seine Beliebtheit im Ausland, für Söder, dass er mit Alphatieren wie  Évariste Ndayishimiye, dem Staatschef von Burundi, oder Boungnang Vorachith, dem Präsidenten von Laos, über Augenhöhe agieren könnte. Schon nach Ostern, aber noch vor dem "Ende des Sommers" (Merkel) will die CDU abschließend entscheiden, mit welchem der beiden Anwärter sie in den Wahlkampf zieht.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

https://archive.org/details/aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

Anonym hat gesagt…

Die Wahlplakate finde ich gut. Das erinnert mich an die gute alte Zeit, wenn in der Zeitung die zulässigen Losungen für die Mai Demonstrationen standen. Alles Bewährte
kommt immer wieder.

Anonym hat gesagt…

"KleinKunstPortal" PPQ
also: KKP-PPQ.

Carl Gustaf hat gesagt…

Derweil fordert die Bunze bei Anne Will: Schluss mit den Improvisationen, her mit dem totalen Lockdown (https://m.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/marshallplan/40082/rezeption-durch-ddr-publikum?type=galerie&show=image&i=40081)