Donnerstag, 4. März 2021

Katastrophe mit Ansage: Locker Bremsen, lauter Applaus

Aus der Binnensicht der Regierungsparteien läuft es immer gut in Deutschland, auch, wenn es mal schlecht läuft.

Knapp zwei Wochen vor einer wichtigen Wahl ist diese Nervosität normal. Der vielstimmige Chor der Politik wird in solchen Momenten stets noch diskanter, es ruft nach Öffnungen und Schließungen, nach Strafe und Belohnung, nach Augenmaß und harter Kante, Prediger des Weiterso verwandeln sich in ihre eigenen Kritiker und die Legion der Bundeswarnbeauftragten hat ihre Zelte in den Zentralen der Gemeinsinnsender aufgeschlagen. Alles oder nichts, gut, aber gerne, besser gleich oder lieber morgen - es herrscht schlagartig allgemeine Einigkeit darüber, dass Deutschland sehr, sehr oder sogar sehr, sehr, sehr gut durch die Pandemie gekommen ist. Dass es aber nun nicht mehr so weitergehen kann.  

Fehlende Distanz zur Regierung

Die "deutschen Medien" (Wolfgang Büscher) müssen zum Beispiel kritischer berichten. Und ihre  "fehlende Distanz zur Regierung" (Welt am Sonntag) in einen professionellen Abstand verwandeln. Das gemeinsame Ziel, die Pandemie zu besiegen, dürfe nicht länger dazu führen, dass Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender ihr journalistisches Handwerk vergessen und nur noch berichten, was der Regierung genehm und nützlich erscheint, wie Michael Haller im "Tagesspiegel" mahnt. Trotz der gemeinsamen Angst in einem Boot in Seenot zu sitzen, soll Gemeinsinnsender offenbar am besten offensiv gegen die Institutionen berichten, die den ganzen Laden wenigstens noch notdürftig und mit geborgtem Geld zusammenhalten.

Dabei hatte sich die Branche in dieser Funktion gerade so gut eingerichtet. Dass EU-Bestellungen für alle am besten sind, auch wenn die Lieferungen dann nicht einmal für die hot spots reichen, war das Morgengebet jedes Medienarbeiters. Dass Grenzen immer offen bleiben müssen, weil das nun mal so ist, auch wenn das immer neue Ansteckungswellen auslöst, ließ sich vom Kommentatorarbeitsplatz nur mit Nachdruck begrüßen. In den Großredaktionen wurde nur zu gern geglaubt, dass von Anfang an genug bestellt wurde. Und gejubelt, als es hieß, man habe nun noch einmal nachbestellt. In Zeitlupe impfen gilt im Gemeinsinnfunk zwar als nicht optimal, aber besser als gar nicht. Und einen lockdown bei denselben Zahlen auslaufen zu lassen, bei denen man ihn verhängt ist, als logische Maßnahme. Wenn doch die Menschen draußen im Lande keine Geduld mehr haben. 

Geduld ist der Maßstab für Maßnahmen

Jeder, der solidarisch über den Titanenkampf der Merkel, Spahn, Söder, Laschet und von der Leyen gegen die Seuche berichtete, hielt es für einleuchtend, dass auftretende Lieferprobleme "nicht vorhersehbar" waren und die Verteilung dann irgendwo hakte. Aber das war natürlich nirgendwo, wo jemand dafür verantwortlich war. Der Föderalismus hatte damit auch nichts zu tun, er war und ist vielmehr eine besondere Stärke der Musternation der Pandemiebekämpfung, auf die die Völker der Welt mit verständlichem Neid schauen. 

Der Kurs war richtig, weil er wahr ist. Jede Kritik an der Strategie der Bundesregierung und der Länder war völlig überzogen, denn einen Impfnationalismus will auch keiner. Wer erinnert sich nicht noch mit Gruseln an die Demonstrationen der Corona-Leugner, die erst dafür sorgten, dass sich das Virus überall ausbreiten konnte. Bei der Bekämpfung waren andere Industrienationen anfangs auch nicht weiter! Die große Kampagne zur Immunisierung, sie würde eines Tages auf jeden Fall in Fahrt kommen, auch ohne Pflichtimpfung. "Wir halten an der Wahlfreiheit fest", zumindest bis es vielleicht ganz kurzfristig ganz anders kommt

Impfpass für die Ungeimpften

Und wir testen nun auch bald. Und wir bekommen einen Impfpass, ja, auch die Ungeimpften. Das muss nur alles noch ordentlich zertifiziert werden. Das dauert zurecht, denn in Europa ist das keine Notzulassung wie anderswo, sondern, darauf sind wir zurecht sehr stolz, eine Sonderzulassung, bei der allein schon der Begriff drei Buchstaben mehr hat! Das muss alles erst erarbeitet werden, bei der EMA und der deutschen Arzneimittelbehörde, deren  Dienstzeiten auch keine 40 Stunden am Tag haben. Da kann es schon mal einen Monat oder umgerechnet 12.000 Tote länger dauern als anderswo. Aber dafür ist das dann alles rechtlich wasserdicht und selbst die EU-Kommission kann keinen ihrer so gefürchteten blauen Briefe wegen eines Verstoßes gegen die europäischen Vergaberichtlinien schicken.

Natürlich wird es irgendwann einmal auch Fehler gegeben haben, aber wenn man sie selbst als allererster zugibt, zählen sie ja nicht mehr. Der Gesundheitsminister, dessen wendungsreiches Amtieren ihm zeitweise höchste Benotungen in der Stimmungshitparade eingebracht hatte, hat rechtzeitig angekündigt, dass allen Bürgerinnen und Bürgern zu verzeihen, diese ihm aber auch verzeihen müssten.

Katastrophe mit Ansage - und Fortsetzung

In den Parteizentralen ist nun alles vorbereitet, in den Sendezentralen ist alles bereit. Eine Katastrophe mit Ansage, die vor einem Jahr mit einer ganzen Kette von Fehleinschätzungen, Lügen und gezielt gestreuten fake news begann, hat nach einem Jahr eine zerstörerische Wucht entwickelt, die sich eigentlich nicht mehr gesundpredigen oder auch nur beschönigen lässt. Und doch erlaubt es eine kollektive Erinnerungslosigkeit, die an den klinischen Zustand der infantilen Demenz (lat. dementia infantilis) erinnert, allen, jeden Tag neu anzufangen, in jeder Talkshow, in jedem Fernsehinterview, mit jeder Sitzung des Corona-Kabinettes und jeder Änderung der angeblichen Corona-Strategie, die immer nur der Taktik gehorcht.

Wir wollen doch aber nicht zurückblicken, sondern nach vorn", verlangte der SPD-Hinterbänkler Karl Lauterbach eben nach Absolution für frühere krude Thesen. Sie wird erteilt, nicht nur ihm, denn der aktuelle Stand ist immer ein anderer und wer daran auch wieder herummäkelt, muss  sich natürlich fragen lassen, ob er es wohl besser können könnte. Dann geh' doch rüber! 


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die diskutieren tatsächlich, ob die Medien als Schranzen der Regierung agieren oder nicht. So als wäre das eine offene Frage.

Gerry hat gesagt…

aus dem achgut Kommentariat, ein gewisser Peter Holschke in Hochform:

"Nix da. IHR wolltet doch die Seuche. Nach Shakespeare: die Seuche unserer Zeit, Verrückte führen Blinde. Jetzt wird die Suppe hübsch ausgelöffelt. IHR habt zugelassen, dass IHR manipuliert wurdet. IHR habt gelaubt, weil IHR glauben wolltet. Was EUCH untergeschoben wurde, habt IHR kritiklos gefressen und jetzt steht iIHR dumm da. IHR habe nicht die Fakten geprüft oder euren Verstand benutzt, denn schon vor einem Jahr war klar, dass es sich um einen HOAX handelt. IHR habt geglaubt, obwohl alle Zeiger von Anfang an zur Skepsis gemahnt hatten. IHR wurdet am Nasenring durch die Manege gezogen und EUCH wird immer wieder die Möhrrübe vor die Nase gehalten, IHR wurdet verarscht und vertröstet. Und warum? Weil IHR voller Dünkel und Hochmut gewesen seid, weil IHR glaubt hattet, dass niemand EUCH so behandeln wird."

"Solange man Leute sieht, welche z. B. allein im Auto eine Maske tragen, solange trägt sich der Frame, mit unterschiedlichen Abstufungen. Es ist ein Glauben, welcher ohne die Bereitschaft auskommt, die Glaubensgrundlagen zu überprüfen. Dabei ist es ganz einfach. Am Anfang waren lügende Kommunisten, eine windige Vireninfektionstheorie, ein veraltetes Impfdogma, ein dubioser Test, und Politiker die sich ständig selbst widersprechen und weder integer noch glaubwürdig erscheinen. Dazu Medien, welche immer wieder neue Säue durchs Dorf treiben und empirisch gesehen, an der Realität vorbei schreiben. Es geht nicht um die Seuche, es geht ums Geld. Es geht immer ums Geld. Der Corona-Hype würde inszeniert um, die Bevölkerungen zu schädigen, sie unmündig zu machen, als Machtbeweis und als Vorbereitung des Unabwendbaren, nämlich der Neuordnung der Währungssysteme im Sinne der Herrschenden. Und der Seuchenbürger glaubt, er glaubt er wäre mit im Club. Statt Maske, könnte man den Leuten auch das Maul zunähen, sie würden die Botschaft kaum begreifen, dass sie nicht mitreden sollen. Die Leute glauben an Corona, weil dieser Frame ein Ordnungssystem repräsentiert, an dem die Leute verständlicherweise hängen. Was sie nicht verstehen ist, dass die Akteure einen Informationsvorsprung haben und daher dieses bereits kippende Ordungssystem transformieren wollen. Ist das gut oder ist das schlecht? Es ist einfach. Es scheint alternativlos, unter Umständen auch bis zu einem Untergang. Abgerechnet wird eben immer erst zum Schluss."

"Es geht um Freiheit. Um Freiheit in den Entscheidungen und um Freiheit in der Verantwortung. Seuchen-Schissser hätten sich zu Haus einbunkern oder meinetwegen zwei Masken übereinander tragen können. Dann wäre es egal, was andere mit ihrer Freiheit anstellen. Stattdessen finden es viele Leute schick, dass der “Staat” andere drangsaliert, nur damit sie sich wohlfühlen, ergo sich als beachtenswert empfinden. Einen Scheiß. Damit laufen sie wie ein Bärenkind in die Honigfalle. Denn dem “Staat” ist Oma Erna am Ende schiet egal, weil der “Staat” nicht der Papa ist, sondern nur ein abstraktes Konzept, eine leere Worthülse, was per se keine instrinischen Eigenschaften hat. Es wird dem Märchen gelaubt und das mit die Märchenerzähler verwechselt."

Bäm. So und nicht anders muss aktuell das Wort geführt werden.