Samstag, 31. Juli 2021

Falscher Olympiasieger: Als Deutschland noch Titel gewann

Die Feier wird bescheiden sein, vermutlich gar nicht stattfinden. 45 Jahre nach dem Olympiasieg der Fußball-Nationalmannschaft der DDR in Montreal, hat die halbe Nation den 3:1-Endspiel-Sieg gegen Polen vergessen. Und die andere Hälfte hat sogar nie von ihm gehört.  

Der 31. Juli 1976 aber hat sich denen, die dabeigewesen sind, eingebrannt, kam er doch einigermaßen überraschend. Trotz ihres vielbeachteten Auftritts bei der Fußball-WM zwei Jahre zuvor galt die DDR-Mannschaft um Dixie Dörner nicht als Favorit. Zudem war es dem Weltfußball-Verband damals noch nicht gelungen, das Olympiaturnier zu dem Aufeinandertreffen von Nachwuchsmannschaften zu degradieren, das es heute ist.

Beim DFB jedenfalls läuft der Sieg unter "DDR bei Olympia: Gold, Silber, Bronze und bitteres Ende", fast klingt es bedauernd, dass da überhaupt etwas war. Der Rest der Sportwelt verweist darauf, dass die großen Fußballnationen in Montreal ja nur mit Amateuren am Start waren, die Ostblock-Staaten jedoch ihre Staatsamateure schicken konnten. 1972 in München, als die DDR die Bundesrepublik in einem Spiel schlug, das die Ostseite als Länderspiel führte, die Westseite aber lieber nicht, waren unter den DFB-Amateuren Nickel, Hitzfeld, Hoeneß und Derwall. Croy, Weise, Zapf und Kreische aber schickten den frischgebackenen Europameister trotzdem mit 3:2 geschlagen nach Hause.

Noch so ein Spiel, das in den Annalen kaum jemals erwähnt wird.  Der Osten hat keine Medien, die die Erinnerung feiern könnten. Der Westen aber macht im Spiel "Wir gegen uns" einen klaren Unterschied zwischen den beiden deutschen Nationalteams: Das eine ist das richtige, das 1908 in seinem ersten Länderspiel als Nationalauswahl des Deutschen Reiches 3:5 gegen die Schweiz verlor, bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam gegen denselben Gegner deutlich gewann und 1936 bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin mit einem 9:0 gegen Luxemburg ins Turnier startete. Das andere ist das, was nie war, jedenfalls nicht richtig. Das auch mal gewann, dann aber nur als Muntermacher für den echten Meister.

1976 holte die DDR den Titel nach einem Remis gegen Brasilien, einem 1:0 gegen Spanien und einem 4:0 Frankreich mit Michel Platini, der Endspielgegner Polen war amtierender WM-Dritter, im Sturm spielte WM-Torschützenkönig Grzegorz Lato. Hartmut Schade (7.), Martin Hoffmann (14.) und  Reinhard Häfner (84.) schossen die deutschen Tore. "Mit spritzigem Angriff und sicherer Abwehr zum ersten Olympiasieg", feierte das SED-Zentralorgan Neues Deutschland. Der "Spiegel" aus Hamburg meldete den Olympiasieg der "Brüder und Schwestern" nicht.


10 Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Dazu paßt, was tagesaktuell über irgendeine deutsche Staffel geschrieben wird.

Ins Finale protestiert

Man protestiert sich ins Finale, wenn's sportlich nicht reicht.

Anonym hat gesagt…

Ich kann mich noch gut an die Flut von Merchandise-Artikeln in unserem Dorfkonsum erinnern.

Die Anmerkung hat gesagt…

OT

War das die SPD oder CDU dazumal, wo sich ob trauriger Botschaft im Vordergrund, im Hintergrund heftig auf die Schenkel geklopft wurde?

Laschet und Leidenschristen feixen sich eins ob des Hochwassers.

https://twitter.com/susannnesorgen/status/1416394444778131456

Die Anmerkung hat gesagt…

OT

Während Martin Schulz den feigen Terror-Anschlag in Spanien verurteilt, winkt seine Parteikollegin Eva Högl fröhlich ins Publikum

Jodel hat gesagt…

"Der Osten hat keine Medien, die die Erinnerung feiern könnten."

Was läuft denn dann tagein tagaus auf MDR. Es tut mir ja sehr leid das die gesamte gefühlte Sendezeit von "Polizeiruf 110", "Ein Kessel Buntes", sowie den Best of von Helga Hahnemann und Eberhart Cohrs belegt wird.
Bei einer höflichen Eingabe im DDR-Stil könnte man dort in Zukunft evtl. auch der sportlichen Erfolge von Dunkeldeutschland gedenken.

Aber mit den restlichen Medien in kein schöner Land, haben Sie natürlich recht. Im Westen ist man der Meinung es wurden nicht zwei Staaten vereinigt, sondern der eine wurde einfach mit samt seiner Geschichte abgeschaltet und es existiert nur noch der andere. DDR-Erfolge werden immer behandelt als seien diese in einem anderen Land erzielt worden, das es nicht mehr gibt.

ppq hat gesagt…

medien sind nicht nur fernsehsender. aber im übrigen haben sie recht

Anonym hat gesagt…

tut mir ja sehr leid das die gesamte ...

Nichts für ungut, und auch nicht zum ersten Mal: Kaufe ein Komma und ein "s" dazu, ja, ich will Dir durchaus wohl. (This is not done = es schicket sich nicht.)

Jodel hat gesagt…

Da inzwischen die Regeln des Zusammenlebens täglich neu ausgehandelt werden, nehme ich dieses Recht auch für unsere Rechtschreibregeln in anspruch. Nur Ewiggestrige halten sich noch stur an die Regeln des Duden. Heutzutage ist es schick einen gewissen Individualismus, auch bei Kommaregeln, zu zeigen. Das lockert auf und hilft dabei, die abgehängten Schichten besser
zum mitmachen zu animieren.

Vielleicht baue ich diese Fehler ja auch nur ein, weil ich Sie lieb habe und wieder von Ihnen
hören möchte. Denken Sie mal darüber nach.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht baue ich diese Fehler ja auch nur ein, weil ich Sie lieb habe ...

Nein doch. Auch ich bin nicht ohne Fehler, so die böse Lust an erheiternden Getränken.
Aber die Schreibweise durchschnittlicher Viertklässler oder grenzdebiler Achtklässler sollten wir den Zecken und der Spackosphäre überlassen. Tja, sagt der Schuhu, so bin ich. May the Force be with you.

Anonym hat gesagt…

Marc 5. August 2021 at 19:50

Dieser Staat ist am Ende . Und schuld hat der Wähler.
Es darf nicht sein das Parteien zu lange regieren .
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@ Marc: Mach es Dir selber! Das ist kein Deutsch!