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Donnerstag, 28. Februar 2013

Neger bekommt Nachwuchs

Es wurde höchste Zeit, nach den Kinderbüchern des vor Gram gestorbenen Otfried Preußler auch den Rest der deutschen Sprache auf Kongruenz zu den derzeitigen Staatszielen zu überprüfen. Die Armutsaktivisten der selbsternannten „Nationalen Armutskonferenz“ (NAK) der Arbeiterwohlfahrt, die einst zur Linderung der Not der durch den Ersten Weltkrieg Geschädigten gegründet wurde, heute aber in mehr als 2000 Heimen zehntausende Leiharbeiter über die Tochtergesellschaft Arbeiterwohlfahrt-Servicegesellschaft beschäftigt, haben sich des Themas angenommen. Über Wochen hinweg sammelten Freiwillige für eine Liste mit „irreführenden und abwertenden Begriffen“, die nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzender der bayerischen SPD und Vorsitzender der NAK Thomas Beyer künftig nicht mehr verwendet werden dürfen. Damit werde „die Verbreitung von Klischees über arme Menschen" vermieden. Durch "schön Sprechen" die Welt retten, das ist nach Ansicht von Experten ein große, schönes und soziales Ziel.

Neben dem Begriff „sozial Schwache“, mit dem „Menschen in ihrer Lebenssituation falsch beschrieben“ werden, seien auch Worte wie „alleinerziehend“, „arbeitslos“ und „Missbrauch“ eindeutig „soziale Unwörter“ und damit nicht geeignet, weiter benutzt zu werden. „Sprache ist nicht neutral, Sprache bewertet. Vor diesem Hintergrund sollten wir alle Sprache so nutzen, dass sie keine Klischees (re)produziert“, versichert Thomas Beyer. Die Klammern wurden nach Diktat eingefügt. Dies gelte insbesondere im Umgang mit Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind.

Die vollständige Liste der sozialen Unwörter, die von Mitgliedern von Betroffeneninitiativen aufgespürt und dingfest gemacht werden konnten, obwohl zahlreiche Formulierungen in der freien Wildbahn bislang nie gesichtet werden konnten, dokumentiert PPQ mit freundlicher Unterstützung der Awo-Töchter Individuelle Schwerbehinderten-Assistenz (ISA), Mobiler Soziale Dienst (MSD) und die Frühförderstelle für Eltern von behinderten Kindern weiter unten.

In Klammern hinter den ab Mai im neuen Wörterbuch des Unmenschen nachzulesenen Vokabeln jeweils die von der Uno anerkannte Begründung, warum sie "irreführend, diskriminierend oder semantischer Unsinn" (Zitat Awo) sind.

Alleinerziehend (=Sagt nichts über mangelnde soziale Einbettung oder gar Erziehungsqualität aus. Beides wird jedoch häufig mit „alleinerziehend“ assoziiert)

Arbeitslos/Langzeitarbeitslos (=Es sollte erwerbslos heißen, weil es viele Arbeitsformen gibt, die kein Einkommen sichern

Arbeitslose sind eine engagementferne Gruppe (=Damit wird nahegelegt, dass Erwerbslose sich nicht ehrenamtlich engagieren. Dagegen spricht schon die Vielzahl an Selbsthilfegruppen etc., in denen Erwerbslose aktiv sind)

Behindertentransport (=Objekte werden transportiert, Menschen aber werden befördert)

Bildungsferne Schichten (= Gemeint ist – und das sollte man auch sagen – „Fern vom Bildungswesen“ oder „vom Bildungswesen nicht Erreichte“)

BuT’ler („butler“) (=Gemeint sind Nutzer des Bildungs- und Teilhabepakets der Bundesregierung. Der Ausdruck ist ähnlich reduzierend und deshalb diskriminierend wie „Der/Die ist Hartz IV“. Abschätzig ist er auch, wenn er englisch ausgesprochen wird: Butler=Diener)

„Der/Die ist Hartz IV“ (=Wer Grundsicherung – im Volksmund Hartz IV – erhält, wird darauf reduziert. Außerdem wird häufig mit dem Begriff assoziiert, Empfänger von Sozialleistungen seien arbeitsscheu und generell unfähig)

Ehrenamtspauschale (=Richtig müsste es Ehrenamtseinkommensteuerpauschale heißen, denn besagte Pauschale kann nur entgegennehmen, wer eine Steuererklärung abgibt. Gerade arme Menschen können dies aber nicht, weshalb sie auch diese Entschädigung nicht erhalten)

Eingliederungsverfahren (=Menschen außerhalb von pathologischen oder resozialisierenden Prozessen müssen sich nicht erst eingliedern)

Flüchtlingsfrauen (=Überflüssig, weil das Wort Flüchtlinge beide Geschlechter umfasst. Ansonsten: ähnlich diskriminierend wie Arztgattin)

Herdprämie (=diskriminierend, weil der Begriff unabhängig von der Positionierung gegenüber dem gemeinten Betreuungsgeld Frauen verunglimpft)
Illegale (=Diesem Begriff ist tatsächlich nur die Losung entgegenzuhalten: „Kein Mensch ist illegal“)

Massenverwaltbarkeit (=Wurde vom BMAS genutzt, wenn Individualisierungswünsche bei der Anwendung von SGB II abgewehrt werden sollten)

Missbrauch (=Ist im Zusammenhang mit Sozialrecht und Sozialstaat - beispielsweise Missbrauch von Hartz IV – eine ungute Vokabel, weil damit ein schwerwiegender sexueller Straftatbestand assoziiert wird)

Notleidender Kredit (=Wenn der Darlehensnehmer die Raten nicht mehr zahlen kann und das Darlehen infolgedessen gekündigt wird, gilt der Kredit als notleidend. Letzteres dürfte allerdings eher auf den Menschen in Zahlungsschwierigkeiten zutreffen)

Person mit Migrationshintergrund (=Häufig wird damit „einkommensschwach“, „schlecht ausgebildet“ und „kriminell“ in Zusammenhang gebracht. Während mit diesem Begriff Klischees reproduziert werden, wird er der sehr unterschiedlichen Herkunft der so Bezeichneten nicht gerecht)

Person mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung

Sozial Schwache (=Wer kein/wenig Geld hat, ist ökonomisch schwach, aber nicht sozial schwach)

Sozialschmarotzer

Trittbrettfahrer (=Wird auch für Menschen benutzt, die ein schwerwiegendes Delikt wiederholen oder davon profitieren)

Vollkasko-Mentalität

Wirtschaftsasylanten

Wirtschaftsflüchtlinge

Armutskonferenz (=„Armut“ impliziert Passivität, Unfähigkeit, Scheitern, das Ausgeliefertsein an dahergelaufene Samariter, das Es-Einfach-Nicht-Schaffen.)

Tiefenanalyse bei Le Penseur

Kommentare:

FDominicus hat gesagt…

Sozialschmarotzer

Hey wie soll ich demnächst die Regierenden und deren Leute nennen?

Heilsbringer?

Obwohl wenn ich es mir so überlege ;-)

Anonym hat gesagt…

Wie jetzt, ein Wort haben die doch vergessen in ihrer Anklageschrift, und zwar das menschenverachtende Armutskonferenz. „Armut“ impliziert Passivität, Unfähigkeit, Scheitern, das Ausgeliefertsein an dahergelaufene Samariter, das Es-Einfach-Nicht-Schaffen. Wenn das nicht vor Stigmatisierung und Ab- und Ausgrenzung wabert, dann wabert nichts.
Nennen wir Arme lieber „ungerecht Behandelte“, das ist schön, gut und wahr. Das impliziert, dass die anderen Schuld sind, Klassenziel erreicht.
Benennt euch also um in Ungerechtbehandeltenkonferenz.

ppq. so hat gesagt…

gekauft

Anonym hat gesagt…

Die Regierenden müssten dann in etwa:
AlternativloshosenanzüglichklimafraueneuroretterInnen heissen.

Le Penseur hat gesagt…

@PPQ:

Danke für die »Tiefenanalyse«, die Sie mir zubilligen! Nicht tiefer freilich als der »nak«ige Ausgangspunkt unserer Überlegungen ... der ist allerdings tief genug (»tief«, recte »tiaf« ausgesprochen — bspw. in der Redewendung »dees woa jetz' oba tiaf!« —... aber versteht das ein Piefke überhaupt? Naja ...)

ppq. so hat gesagt…

hier wars ja eher flapsig, da wollte ich noch auf eine seriöse analyse hinweisen