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Samstag, 31. Dezember 2016

2016: Ein Jahr unter Gruselclowns

Mit Angst Angst vor der Angst machen - am Ende eines turbulenten Jahres sind Hetze, Hass und Zweifel hoffähig geworden.
Es führt eine gerade Linie von Köln nach Berlin. Und zurück. Am Anfang eines Jahres, das still wie alle beginnt, dann aber auf eine unappetitliche Weise laut wird, dass es von "Spiegel" bis DPA gar nicht gefallen will, steht das politische Tagesgeschäft. Politiker fordern, versprechen, beleidigen, beharren auf dem was immer war.

Schuld ist der andere

Schuld ist immer der andere, der falsch glaubt, falsch denkt. Falsches, das wird sich im Verlauf der folgenden Monate herausstellen, in Umlauf bringt und damit unseren richtigen Kurs in Gefahr bringt. Es wird das Jahr der Feinde der Demokratie, das Jahr der Unmenschen, der Hasser, Hetzer, Zweifler, Gruselclowns. Das Jahr, nachdem sich viele fragen, ob es nicht langsam gefährlich wird, in der SPD zu bleiben. Das Jahr, in dem sich Sigmar Gabriel den Magen verkleinern lassen wird, weil er sich zwar in der Lage sieht, Europa zu regieren. Aber den Heißhunger, den hat er nicht im Griff.

Auch nicht den auf die pure, blanke, unverschnittene Macht, die ihm allerdings über diese zwölf Monate hinweg gesehen immer weiter wegrutschen wird. Wie ein Flummie springt der Führer der deutschen Sozialdemokratie zwischen den Extremen umher. Er ist mal Populist und schimpft auf die Macht. Mal beleidigt er die Bürger, um dem Establishment zu zeigen, dass auf ihn Verlass sein wird.

Kein Weg, kein Ziel, keine Ahnung. Nur immer weiter so, ruft die Kanzlerin, die es zu "schaffen" glaubt, weil sie in Ermangelung von Wissen nur noch glauben kann. An ihre Mission, an ihre Fehler, daran, dass beim nächsten Mal alles besser werden wird.

Ringsum ist nur die Kanzlerin noch dieselbe wie damals, als sie Helmut Kohl stürzte und zur Lebensretterin der CDU wurde. Deutschland dagegen ist im elften Jahr der Kanzlerschaft der Hamburgerin kaum wiederzuerkennen. Während sich Ministerien Gespensterkämpfen gegen eingebildete Feinde widmen, marschieren Polizisten mit Maschinenpistolen über Weihnachtsmärkte, Betonbarrikaden schützen die Innenstädte, Überwachungskameras sollen Sicherheit suggerieren, die inmitten einer Entgrenzung deutscher Menschenliebe verloren gegangen ist. Begleitet wird die Sicherheitsoffensive von Böllerverboten, Absperrgittern, einem Ausbau der Polizei und Durchhalteparolen in den durchweg regierungstreuen Leitmedien.

Beschwichtigen, vertrösten und die Front begradigen, wo die eigene Position völlig unhaltbar geworden ist - mit einem beherzten Griff in den Werkzeugkasten der Populisten versucht eine ratlose Elite die selbstverschuldeten Umstände einzufangen.

Alle wissen: Es ist das Sicherheitsgefühl der Bürger, das die nächste Wahl entscheiden wird. Alle streben nun zur selben schmalen Tür. "Durchgreifen!", rufen sie, "Abschieben!"  Was eben noch entmenschte Forderungen einer rassistischen, nazistischen und rechtsetxremistischen Pegida-AfD waren, wird zum Markenkern der Politik einer Koalition aus Not und Elend. Deutschland, einmal mehr von sich selbst berufen, der Restwelt beizubringen, wie Moral funktioniert, ist in der finalen Phase des Verfalls angekommen: Nicht mehr nur die staatlichen Institutionen sind schwach, sondern das vielfach gebrochene Recht verhindert auch, dass sie sich den Respekt zurückerobern, der allein ihre Funktionsfähigkeit gewährleistet.

Und alles andere zählt ohnehin nicht mehr. Keine Euro-Krise, kein Zerfall der europäischen Institutionen. Keine Ukraine, kein Russland, keine Massenüberwachung im Internet, keine Geheimdienstverstrickung in die NSU-Affäre.

Deutschland hat die Fenster aufgerissen und das Dach vom Wohlfühlcabrio abgenommen und steht nun im kalten Regen der Realität, die sich auch durch kampagnenartig auftauchende Gruselclowns, Greuelgeschichten über Steueroasen und "Fake News" nicht mehr dauerhaft wegleugnen lässt.



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