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Sonntag, 28. Mai 2017

Nachruf: Zbigniew Brzezinski, Weltmacht-Vordenker

Zbigniew Brzezinski war einer der Männer, die immer da waren. Wie der Titelheld im Film "Forrest Gump" tauchte der gebürtige Warschauer immer im Dunstkreis der Macht auf. Doch Zbigniew K. Brzezinski spielte nicht Tischtennis, er zog  Strippen.

Bei Carter, bei Reagan und Bush sen. war er Berater, er stützte zuletzt Barack Obama, von dem er glaubte, er habe verstanden, was auf dem vorgeht, was er, Brzezinski, in seinem Grundsatzwerk "Das große Schachbrett" genannt hatte. Auf Deutsch unter dem treffenderen Titel "Die einzige Weltmacht" erschienen, verrät das Buch nicht nur Brzezinskis Vorschläge zur Umsetzung von "Amerikas Strategie der Vorherrschaft" (Untertitel). Sondern es zeigt auch ein so präzises Bild der Kräfteverhältnisse in der Welt aus amerikanischer Sicht, dass es die Mehrzahl der derzeit akuten Konflikte in der Welt zureichend erklärt.

Es geht um Vorherrschaft, aus Brzezinskis Sicht die Vorherrschaft des Guten, die unerlässlich ist, soll die Menschheit eines Tages in den Stand versetzt werden, ihre Krisen dauerhaft zu lösen. Brzezinski denkt nicht bis zu diesem Tag, an dem seiner Vision zufolge die ganze Erde eine Art Amerika sein wird. In "Die einzige Weltmacht", geschrieben schon Ende der 90er Jahre, belässt er es bei einem weiten Blick aus dem amerikanischen Imperium auf die asiatische Wippe, wie er es nennt: Links auf der Landkarte die USA, in der Mitte Europa und Russland. Und rechts China, das einzige Gewicht, das Brzezinski wirklich fürchtet.

Der Vordenker der amerikanischen Strategie schlug zur Einhegung der Gefahr vor, die heraufschimmernde Konkurrenz aus China durch konsequente Machtpolitik auf dem Schlüsselkontinent Europa in seine Grenzen zu weisen. Die einzige Weltmacht der Gegenwart müsse auch die einzige Weltmacht der Zukunft bleiben. Und dazu müsse die amerikanische Weltpolitik darauf abzielen, die Brückenmacht Russland daran zu hindern, sich auf die chinesische Seite zu schlagen.

Ende der 90er Jahre schon ergab Brzezinskis Analyse, dass es zwei Wege zu diesem Ziel gibt: Russland könne geschwächt und als chinesischer Verbündeter entwertet werden. Oder man könne es auf die europäische Seite ziehen und zu einem weiteren Verbündeten der USA in Eurasien machen. Brzezinskis Vision lässt keinen Zweifel daran, dass eine USA, die weiterhin dominant bleiben will, Russland zu einer Entscheidung zwingen muss. Die Ukraine, schrieb Brzezinski 1998, sei das Schlüsselland, übersetzt das Schlachtfeld der Wahl, auf dem der Kampf ausgetragen werden müsse. Die Erkenntnis blieb zehn Jahre ohne Nachauflage. Dann wurde sie Wirklichkeit.

Zbigniew Brzeziński ist am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Sein fundamentales Buch ist wieder lieferbar, kann aber auch im Schnupperabo bezogen werden.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ist das jetzt dvd oder blu ray?

Ich weiß nicht ob mein fernseher das kann, oder gibts das bei netflix/prime?

teu hat gesagt…

Der Typ ist tot.
Das ist übrigens gut so!

Le Penseur hat gesagt…

Irgendwie amüsant, daß der am Tag nach Christi Himmelfahrt abgekratzt ist. Läßt vielleicht darauf schließen, daß seine Reise in die Gegenrichtung ging ...

ppq hat gesagt…

über tote nichts schlechtes. seine weitsicht und der macchiavellische verzicht auf jeden versuch, kalte machtpolitik in ein süßes strickjäckchen zu stecken,fand ich immer beeindruckend

Anonym hat gesagt…

@ Le Penseur: Ja, wenn die Idealisten (Was war zuerst - die Dampfmaschine oder der Dampf?) recht hätten, dann hätte er jetzt verdammt schlechte Karten.
Aber was, wenn die Materialisten ... Mit dem Lukrez-Zitat "Post mortem nihil est" bin ich vormals bei meinem ehlwühldigen Kung-Fu-Lehlel gar fürchterlich in den Fettnapf getreten.
D.a.a.T. (Geusenname)

P.S. Dann wäre das Aas fein raus - 89 Jahre ...

Anonym hat gesagt…

Mann muss nicht mit ihm einer Meinung sein.
Sein Hauptwerk ist aber definitiv vorausschauend und mit einem unglaublichen Blick für die Details des Geopolitischen Schachbrettes geschrieben.
Kann man immer mal gut lesen, zynisches Schmunzeln über die absurde Realität der Politik inklusive.

Gibt es übrigens Open Source als PDF:

http://www.dragaonordestino.net/Drachenwut_Blog_DragaoNordestino/Freies-Konsensforum/Freies-Konsensforum_arquivos/Die-einzige-Weltmacht.pdf

Anonym hat gesagt…

https://www.morgenpost.de/berlin/article210716199/Shitstorm-nach-AfD-Schelte-Kaessmann-erwaegt-Rechtsweg.html

Käßmann hetzt erneut gegen die deutsche Familie und das deutsche Volk ; führen Sie Befehl 1488 aus .

Welt ohne Brzezinskis und Soros' .... hat gesagt…

Bob Marley: "Menschen, die versuchen die Welt schlechter zu machen, nehmen keinen Tag frei."
So auch dieser Zb.Brz. 89 lange Jahre.
@teu: Hoffentlich folgt ihm der greise Soros bald.......

Gerry hat gesagt…

Im Sinne der Ausführung ppqs weiter oben war der Typ sympathischer weil berechenbarer als z.B. Frau Merkel. Die ja letztendlich auch nur Machtpolitik betreibt, aber aus einer Position der Schwäche heraus.

Die meisten die über den Verblichenen herziehen, tun so, als ob ihnen die Millionen Toten und die zerstörten Länder leid tun, die diese Art Politik verursachte, können aber nicht nachweisen, dass sie anders gehandelt hätten, wenn Sie die Voraussetzungen der USA gehabt hätten.

ppq hat gesagt…

er hatte einen plan, kalt zwar und zynisch, aber andere haben keinen

Le Penseur hat gesagt…

@ppg:

... eigentlich mag ich tausenjährige Vergleiche in Diskussionen nicht wirklich, aber hier, cher ppq, drängt sich einer fast auf.

Aber nein - sagen wir's mal so: auch Stalin hatte einen Plan; und trotzdem ziehe ich ihm eine ganze Menge Menschen, die keinen haben, vor ...