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Dienstag, 25. Juli 2017

"Spiegel"-Enthüllung: Das Nachrichtenkartell

Könnte Leser irritieren: Der aktuelle Titel des "Spiegel" enthüllt, woher all die gleichlautenden Nachrichten kommen.

Harter Tobak, den das renommierte Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" da in dieser Woche auf seinem Titel präsentiert: "Das Kartell" heißt es da, Unterzeile "Enthüllt: Die geheimen Absprachen der Medienkonzerne".


Das Hamburger Blatt, geplagt von Auflagenrückgang und Glaubwürdigkeitsverlust, rührt damit an eines der letzten Tabus der deutschen Medienlandschaft. Bisher galt es als ausgemacht, dass das Schweigen der überregionalen Blätter zu den Gewaltexzessen bei der WM 2006 ebenso auf einem reinen Zufall beruhte wie die 2011 von allen deutschen Zeitungen und Nachrichtenportalen verbreitete Meldung, dass "viele EHEC-Tote nicht mehr ganz gesund" werden würden.

Überall dieselben Fake News 


Auch das anfänglich kollektive Schweigen der Medien nach den Silvesterereignissen von Köln, die Erfindung einer angebliche mazedonischen Fake-News-Fabrik, die Trump zum US-Präsidenten gemacht habe, die Anfang des Jahres urplötzlich in allen Redaktionsstuben ausgebrochene Schulz-Euphorie oder die überall gleichzeitig vorgenommene Ernennung von Angela Merkel zur "Weltkanzlerin" (oben) galten als Resultat angestrengter investigativer Recherchen. Sie seien, glaubten Medienwissenschaftler, aus Gründen der Aktualität in allen führenden Verlagshäusern gleichzeitig in Angriff genommen und beendet worden.

Der "Spiegel" legt nun nahe, dass die Wahrheit ganz anders aussieht. Angeblich stehen Zeit, FAZ, Welt, taz, FAZ, Focus, Spiegel, ARD, ZDF und hunderte weitere Nachrichtenhersteller im Verdacht, tagtäglich tausende Meldungen der sogenannten Nachrichtenagentur DPA ungeprüft und ohne Gegenrecherche zu übernehmen. Weit in der Vergangenheit habe es dazu - öffentlich bis heute kaum bekannte - Absprachen  zwischen den Pressehäusern gegeben, nach denen gegenseitig akzeptiert wird, dass DPA-Meldungen ungeprüft  und wie selbstrecherchiertes Material verwendet werden.

Obwohl die Deutsche Presse-Agentur GmbH, zu deren 185 Gesellschaftern ausschließlich die abnehmenden privaten und öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen gehören, erst im Februar eine antisemitische Verschwörungstheorie verbreitet hatte, nach der US-Präsident "Trump von einflussreichen jüdischen Parteispendern auf den Thron gehoben" worden sei, funktioniere das geheimgehaltene Kartell großer und kleiner Zeitungen, Webseiten, Fernseh- und Rundfunksender bis heute ungestört weiter.

Nachrichtenaustausch seit fast 70 Jahren


Nach "Spiegel"-Erkenntnissen soll es um Nachrichtenaustausch in allen Bereichen gehen, um Politik, Sport, Wissenschaft und mehr: Die deutschen Nachrichtenhersteller haben danach bei einer erstaunlich langen Reihe von Themen jeweils gleichlautend berichtet. Der Ablauf ist immer derselbe. Nachrichtenagentur DPA fungiert als Teilchenbeschleuniger zwischen den Stichwortgebern: Das exklusive Opfer-Interview bei „Kerner“ geht vorab als Pressemitteilung raus, die „Bild“ macht mit einem Kommentar der weinenden Mutter ein Drama draus, das geht über DPA an alle angeschlossenen Funkhäuser und spätestens am nächsten Tag im selben Wortlaut in alle angeschlossenen Wohnzimmer.

Das Magazin nennt Beispiele - etwa das der DPA-Bundeswehrreportage, die frei erfunden war, aber bundesweit sehr gut lief. Oder das der "Ehec-Toten", die Schlagzeilen machten, als DPA allen angeschlossenen Abspielstationen kabelte, viele von ihnen würden wohl "nie wieder gesund".

Dem Nachrichtenmagazin zufolge verlassen sich deutsche Medienhäuser schon seit 1949 in weiten Teilen auf Hörensagen. Um das intern Wahrheitskartell genannte System zu decken, habe man eigens ein sogenanntes "Agenturprivileg" erfunden, das die jeweilige Zeitung, den Sender oder die Internetseite von jeder Verantwortung für verbreitete Falschmeldungen freispricht. Nachrichten, Filme und Fotos, die von DPA kommen, können danach ungeprüft an Endverbraucher übermittelt werden, sie müssen vor der Weiterverbreitung nicht auf Richtigkeit noch auf Schlüssigkeit geprüft werden, weil das Kartell sich darauf geeinigt hat, dass alles, was von DPA kommt, alternativlos wahr sein muss, schon allein, weil es alle gleichlautend so melden.

Was über den sogenannten Ticker kommt, ist damit unabhängig von Relevanz, Wahrscheinlichkeit oder unklarer Quellenlage amtliche, in Bild und Text geronnene Wahrheit, die niemand auf Tragfähigkeit prüfen muss.

Laut "Spiegel" gängige Praxis, keine absurde Gleichschaltung, wie sie verschwörungstheoretische Blogs bisher vermuteten. 




Kommentare:

Reflektor hat gesagt…

Warum sollten unsere in nur wenigen Geldadel-Händen befindlichen Medien sich anders verhalten als unsere ein Abgasskandal-Kartell bildenden ebenfalls wenigen globalen Reichen gehörenden Automobilkonzerne? Wobei jene betrügerischen Manager, die sich für ihre hohe Verantwortung fürstlich bezahlen lassen, dann nie verantwortlich zu machen und regresspflichtig sind, wenn etwas unter ihrer Führerschaft schief läuft. Das kann dann schnell mal einige Milliarden kosten, die aber einfach auf den Steuerzahler abgewälzt werden. So scheint eine kleine Selbstanzeige selbst bei Massenbetrug totale Straffreiheit zu bedeuten, und wer zuerst kommt, der ist fein raus aus dem Fokus der Staatsanwaltschaften.

Ja, der Gesetzgeber im 'Rächzzstaat' hat sich über Jahrzehnte unterstützt vom angeblich 'mündigen' Bürger wirklich die allergrößte Mühe gegeben, dass die 'Richtigen' nie für ihr Versagen oder ihre Verbrechen büßen müssen. Das darf exklusiv nur der sogenannte Kleine Mann, dem man für jeden lapidaren Parkverstoß teure Konsequenzen verpasst. Aber was soll's, solange der seine 'ehrenwerte Abzockergesellschaft' treudoof immer wieder in die Regierung wählt, will dieser unbelehrbare Jochochsen-Jeck es wohl genau so!

Hauptsache, Fußballaballa inne Glotze und Bier im Kühlschrank!

Anonym hat gesagt…

Nicht zu vergessen dass vom Medien-Kartell wie SPON, ZEIT usw. gleichzeitig verkündete "NPD-Verbot" durch das Bundesverfassungsgericht, weil bei diesen Medien offenbar noch kein Journalist sich der Tatsache bewusst ist, dass ein Urteil erst dann gesprochen wird, wenn die Richter aufstehen und sagen "Im Namen des Volkes....".

Anonym hat gesagt…

(((spiegel))) bedeutet übelste Hetze , Lüge und Betrug .

Anweisung 451

ppq hat gesagt…

stimmt, die nummer mit dem npd-verbot war auch göttlich. alle schreiben von allen ab, wie bewusstlos. immerhin: alles ist dadurch von einheitlicher qualität

Anonym hat gesagt…

Was soll an dieser Spiegelaufmachung noch neu und invesigativ sein!?
Das ist doch Schnee von vorgestern! Wichtiger scheint mir doch die Frage,
wovon will der Spiegel ablenken? Mit den paar geschmacklosen Brotkrummen
lässt sich die Auflage auch nicht mehr retten. Der Sumpf ist viel tiefer, als
man Michel glauben machen will...

Immo Sennewald hat gesagt…

"alles ist dadurch von einheitlicher qualität". Das ist im Sinne des Verbraucherschutzes. Wenn demnächst in Qualitätsmedien des DPA-Verbunds nur noch veröffentlicht wird, was die Regierung verlautbart, abweichende Berichte vom Rest der Welt dagegen im Wirrwarr des Internets versinken, so dass dem Nachrichtenkonsumenten am Sortieren jede Lust vergeht, dann ist ein wirklich fürsorglicher Staat erreicht. Näheres nachzulesen bei Herrn Orwell. Übrigens gab's in Zeiten der DäDäÄrr schon eine statistische Untersuchung, die nachwies, dass "Neues Deutschland" (und gleichgeschaltete "Organe der Bezirksleitung der SED") insgesamt weniger Lügen enthielten als westliche Presse. Es stand halt dort nur, was Funktionäre gesagt hatten. Und gesagt hatten sie's ja wirklich.