Google+ PPQ: Alle gegen alle: Wie der Russe die Welt bedroht

Dienstag, 24. April 2018

Alle gegen alle: Wie der Russe die Welt bedroht

Wie aggressiv Russland aufrüstet, zeigt diese Grafik, die die 230 Milliarden europäischen Rüstungsausgaben von Nato-Ländern noch gar nicht enthält.

Er bricht das Völkerrecht auf der Krim wie der Nato-Partner Türkei es auf Zypern schon seit Jahrzehnten tut. Erhat seine Rüstungsausgaben inzwischen auf ein Drittel der Ausgaben der EU und auf mehr als Zehntel der Aufwendungen der USA hochgefahren. Er steht wie Deutschland in mehreren Ländern out of area im Kriegseinsatz. Und hat nun endlich die Quittung bekommen: Noch ohne Einmarsch von Bodentruppen haben eine Strafexpidition einer Koalition der Willigen aus USA, Frankreich und Großbritannien die feindliche Allianz aus Russen und Assad-Syrern mit einem nächtlichen Raketenhagel daran erinnert, dass hier nicht jeder machen kann, was er will.


Trump und seine Verbündeten wollten damit künftige Chemieangriffe wie zuletzt im englischen Salisbury und im syrischen Douma verhindern, analysiert das Magazin Der Spiegel, das sei der Bundeswehr-Enthüllungsstory "Bedingt gefechtsbereit" als Fachblatt für Globalstrategie gilt. Als hätten die Syrer in sieben Jahren Bürgerkrieg, terrorisiert von einem zynischen Machthaber, bedrängt von rebellischen Islamisten und angegriffen vom vielkritisierten Autokraten Erdogan nicht genug gelitten, hagelten nun auch noch demokratische Bomben auf ein militärisches Forschungszentrum in der Nähe von Damaskus, ein Lager für Chemiewaffen, die es nach offiziellen Erklärungen der USA seit Jahren nicht mehr gibt, und der zuvor schon zu einem Drittel zerstörten Stadt Homs.

Unternehmen Unterwanderung


Eine symbolische Geste ratloser Weltmächte, denen der Überblick über zulässige Koalitionen zusehends verloren geht. Putin, so heißt es in den amerikanischen und deutschen Leitmedien, habe Trump ins Amt getrollt. Kaum dort, fährt der "Irre" nun auf Konfrontationskurs zu Moskau - das Unternehmen Unterwanderung, das in deutschen Redaktionsstuben wie ein Popanz herumgetragen wird, müsste als kompletter Fehlschlag gelten, hätte es denn je existiert.

Gleichzeitig fahren deutsche Panzer, besetzt mit türkischen Nato-Soldaten, Angriffe gegen Einheiten irakischer Kurden, deren politische Organisationen in Europa als terroristisch verboten sind, die aber trotzdem mit Waffenhilfe der USA und der EU gegen islamistische Milizen kämpfen, die wiederum in einem Zweifrontenkrieg zugleich gegen Assad fechten, der wiederum von den Russen und den Iranern unterstützt wird.

Die Wahrscheinlichkeit, den Überblick zu verlieren, ist größer als die, den Krieg zu gewinnen, von dem schon gar keiner mehr weiß, wer ihn warum gegen wen angefangen hat. Der IS, ursprünglich ein wichtiger Mitspieler, ist nahezu verschwunden. An seine Stelle ist das alte Kräftemessen zwischen auf der "asiatischen Wippe" getreten, wie es der US-Weltstratege Zbigniew Brzezinski nannte.
Angela Merkel, die nicht befragt und nicht beteiligt wurde, hat den für Syrer und Russen kaum noch überraschenden Schlag auf längst geräumte Ziele inzwischen als "notwendig" begrüßt. 


Stillhalten und Zuschauen


Deutschland ist bis hin in seine Großredaktionen stolz, dass es hat stillhalten und zuschauen dürfen. Ein Gefühl, notwendig vor allem für die innere Aufrüstung der westlichen Gesellschaften. Nicht mitmachen heißt nicht, nicht dabeisein wollen. Mit 300 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr geben die europäischen Nato-Länder mehr als viermal so viel Geld für Rüstung und Verteidigung aus wie das neuerdings verfeindete Rußland, das nach einem perfiden Plan des skrupellosen Wladimir Putin bereits im zweiten Jahr hintereinander weniger Geld für Rüstung ausgibt als im Jahr zuvor. Die Nato insgesamt gibt damit nun etwa achtmal mehr Geld für Waffen, Soldaten und Interventionen aus als der Feind im Osten.

Ein Zahlenverhältnis, das sich selbst kommentiert. Und wer es nicht versteht, dem erklärt es Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: "Russland wird immer unberechenbarer und immer aggressiver"




1 Kommentar:

Gernot hat gesagt…

So deutlich die geringe Steigerungsrate wird, so unzutreffend ist m.E. der "mehr als 10 Prozent"-Vergleich.
China und Russland zahlen ihre Rüstungsausgaben m.W. nicht in US-Dollar, sondern in ihren eigenen Währungen, die in US-Dollar und Euro nichts - oder nur wenig - wert sind.

Interessanter wäre der Vergleich der Anteile der Rüstungsausgaben an den Staatshaushalten.