Google+ PPQ: Im Würgegriff der Warteschleife

Montag, 2. August 2010

Im Würgegriff der Warteschleife

Reichtum, Glück und ein langes Leben hatte der unbekannte Anrufer versprochen, daraus geworden aber ist eine deutlich überhöhte Telefonrechnung. "Dabei hatte ich mich voll darauf verlassen, dass der Mann mich nicht anschwindelt", stellt Telefonbetrugsopfer Gabriele Eppenschrank zornig fest. Schließlich habe das teelfon ganz normal geklingel, als sie abgehoben habe, habe der Anrufer sich höflich vorgestellt und ihr dann erzählt, dass heute ein guter Tag sei, richtig viel Geld zu gewinnen. das habe sie sofort überzeugt, erinnert sich die 37-jährige Eppenschrank, die als Einlassdame in einem großen Modemarkt arbeitet. Mehrere Minuten habe sie mit dem Mann, der sich "Herr Heinze" vorgestellt hatte, angeregt geplaudert, dabei habe sie unwissentlich von ihrer gescheiterten Ehe, ihren Geldproblemen an jedem Monatsende und wohl auch davon erzählt, dass sie gern einmal zum Nacktbadeurlaub nach Rhodos fliegen würde. Genau wisse sie das aber nicht mehr.

Auf jeden Fall habe Heinze versprochen, ihr mit viel Geld zu helfen. Sie habe sich auf seine Bitten hin bereiterklärt, eine Nummer anzurufen, die er ihr genannt habe. Das sei die Voraussetzung dafür, hatte der gerissene Telefonabzockprofi der arglosen Frau weisgemacht, dass der völlig überladene Geldlaster seiner Firma bereits in den nächsten tagen oder Wochen vor ihrer Tür halte.

Daraus aber ist bis heute nichts geworden. Gabriele Eppenschrank blieb auf der Telefonrechnung in Höhe von 77,11 sitzen, Herr Heinze hat sich nie mehr gemeldet. Ein schlimemr Fall von Betrug am Telefon, wie er derzeit laut Bundesnetzagentur deutschlandweit pro Stunde etwa 22 mal passiert: Meschen, die nichts Böses ahnen und auch sonst nichts wissen, werden von Wildfremden auf ihren eigenen Telefonen angerufen, ohne eine Möglichkeit zu haben, den Hörer wieder aufzulegen. Wie genau die gerissenen Betrüger das organisieren, ist noch unklar, auf jeden Fall aber meldet die Aufsichtsbehörde einen drastischen Anstieg von Anzeigen empörter Bürger, die über unlautere Geschäftspraktiken am Telefon klagen. Polizei und Justiz, so hieß es, greifen bisher nicht ausreichend hart gegen die "Klingelgängster" (Eppenschrank) durch, Beratungsstellen sind überfordert, die Betroffenen fühlen sich oft völlig alleingelassen.

Das Phänomen greift explosionsartig um sich, wie die Netzaufseher berichten. So gingen von Januar bis April 2010 mehr als 66.000 Beschwerden wegen Telefon-Betrügereien ein - es müsse somit knallhart davon ausgegangen werden, dass ein Bruchteil der mehr als 169 Milliarden Gesprächsminuten, die die Deutschen im ersten Halbjahr am Hörer von Festnetztelefon oder Handy verbrachten, kriminellen Zwecken diene. Das sei ein neuer Rekord.

Häufig würde Herr Heinze dabei nicht einmal mehr selbst anrufen. Kriminell agierende Firmen hätten sich darauf verlegt, mit Hilfe von Sprachcomputern massenweise Verbraucher anrufen und ihnen per unwiderstehlicher Bandansage mitzuteilen, dass sie ein wertvolles Auto gewonnen haben. Weil die Betroffenen oft schon gute Erfahrungen mit hilfreichen Tipps aus Spammails und Besuchen von meistenteils völlig unbekannten Enkeln gemacht haben, die um ein paar tausend Euro bitten, um für ihre halbverhungerten Babys vor der Tür Brot und Fleischsalat kaufen zu können, wittern sie häufig die Chance, gemachte Verluste über den Autogewinn wieder hereinzuholen. Doch um den Gewinn einlösen zu können, müssten ausgerechnet diese Ärmsten der Armen eine 0900-Servicenummer wählen, über die sie in teure Warteschleifen gelockt und mit hohen Telefongebühren belastet werden.

Hier müsse die Regierung handeln, etwa durch einen Ausbau des Beratungsnetzes, über das Betroffene erfahren könnten, wie sie doch noch an das erhoffte Auto kommen, ohne es beim Händler zu kaufen, heißt es in Berlin. Die hinter dem Betrug steckenden Firmen agierten allerdings im großen Stil und "mit erheblicher krimineller Energie", deshalb komme bei einem Versagen der Beratungsstrategie auch ein härteres Vorgehen gegen die Betreiber von Telefonnetzen infrage.

So könnte es Besitzern von Telefonen im würdigen Rahmen der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" etwa perspektivisch verboten werden, Fremde anzurufen. Das Bundesblogampelamt prüfe derzeit gemeinsam mit der Deutschen Post ein Verfahren, das vor jedem Anruf eine eindeutige Anruferkennung durchführe und erst dann durchstelle, wenn gesichert sei, dass der Angerufene Anrufe dieses Teilnehmers auch erhalten wolle. Ähnlich wie der der erfolgreichen Einführung der De-Mail, die künftig noch von Dienstag bis Samstag, später aber gar nicht mehr zugestellt werden wird, könnten so Netze entlastet und Verbraucher vor Verbrechern geschützt werden. "Herr Heinze", frohlockt Gabriele Eppenschrank heute schon, rundum zufrieden über das entschlossene Handeln der Politik, "wird sich einen neuen Beruf suchen müssen!"

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Irre ins Irrenhaus, die Schlauen ins Parla.. äh... Callcenter !?

Anonym hat gesagt…

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