Google+ PPQ: Meinungsfreiheitsschutz: Brutalo-Blogger im Visier

Mittwoch, 20. November 2019

Meinungsfreiheitsschutz: Brutalo-Blogger im Visier

Die Lage ist offenbar verzweifelt, der Feind steht schon im Wohnzimmer, bedrohlich, blutig und mordlüstern. Alarm in Mediendeutschland! Ein Mann, der Rainer Meyer heißt, sich aber "Don Alphonso" nennt, bedroht die Grundvereinbarungen des zivilisierten Miteinanders, indem er Texte schreibt, die nicht jedem gefallen. Darin geht es um Ferraris und Fahrräder, um Doppelmoral und Reichtum, immer wieder aber auch um Menschen und Medien und die Furcht beider, beim Schwindeln ertappt zu werden.

Don Alphonso hat eine Feder, ein Blatt Papier und trotz der angespannten Lage an der Meinungsfront noch immer diverse Möglichkeiten, sich öffentlich zu äußern. Melanie Amann, ihres Zeichens nicht nur Autorin des furchteinflösenden Bestsellers „Angst für Deutschland", sondern als Chefin des "Spiegel"-Hauptstadtbüros auch hauptberuflich eine Art Bundesangstbeauftragte mit Warnermächtigung, hat sich jetzt aus gegebenem Anlass der Widerstandsbewegung gegen Alphonso angeschlossen. Die war notwendig geworden, weil der Vater der "Stützen der Gesellschaft" zuvor offenbar gedroht hatte, mehrere tausend ehrliche und aufrechte deutsche Leitmedienmitarbeiter durch seine Handlanger einschüchtern, bedrohen und ermorden zu lassen.

Zwar schrieb Amann noch nicht selbst Meterstücke, um die Ungeheuerlichkeit ungenehmigter Ansichtenverbreitung anzuprangern. Doch ihre Verlinkung eines „lesenswerten Beitrages über die Methode des Brutalo-Bloggers #DonAlphonso, inklusive einem Rückblick, wie deftig er sich früher über seinen heutigen Brotgeber @welt äußerte“ hat auch so genügend Qualität. Grammatikalisch an der Grenze zur Genetiv-Poesie, ohne aber den so oft geschmähten Dativ zu verweigern, nennt Amann zwar nicht die Methode, um die es geht. Doch dass der „heutige Brotgeber“ (Amann) sich gar nicht glücklich schätzen kann, einen „Brutalo-Blogger“ zu bezahlen, das ist unverkennbar.


Sind da nicht Konsequenzen angesagt? Muss nicht jemand, der sich „deftig“ über seinen späteren Arbeitgeber geäußert hat, als der noch gar nicht sein Arbeitgeber gewesen ist, sofort aus dessen Mitarbeiterbestand entfernt werden? Unverzüglich?  Immerhin sind beleidigende Äußerungen wie „Drecksblatt“ erst vor zwölf Jahren gefallen und das "rechtsreaktionäre Müllblatt aus dem Springersumpf", über das Meyer damals wetterte, „ist dieselbe Welt“, für die er heute arbeitet“, wie Stephan Anpalagan von der rechtspopulismuskritischen Plattform „Volksverhetzer“ schreibt.

Anpalagan hat sich viel Mühe gemacht, dem "Don", wie ihn seine menschenfressenden und linketrollenden Anhänger nennen, die schreckliche Maske vom Gesicht zu reißen. Für die "Welt" arbeite Meyer mittlerweile nur, hat der Diplom-Theologe, Kolumnist, Unternehmensberater und Mitglied der Band microClocks herausgefunden, weil die FAZ „ihn und seine Kolumnen rausgeschmissen hat und er beinahe in dieselbe Arbeitslosigkeit geriet, die er zuvor anderen Journalistinnen hämisch vorgehalten hatte“.

Melanie Amann dagegen ging nach frühen Stationen beim Bonner General-Anzeiger und der Süddeutschen Zeitung zur Financial Times Deutschland, ehe sie zuerst zur FAZ und dann zum „Spiegel“ wechselte, um nun mit dem Begriff „Brutalo-Blogger“ sprachbildend tätig zu werden.

Augenzwinkernd angelehnt an den "Brutal-Blogger", den ihr "Spiegel"-Kollege Marc Pitzke vor zwölf Jahren für einen tagebuchführenden US-Soldaten im Auslandseinsatz in Bagdad erfunden hatte, leistet die 41-Jährige einen unschätzbaren Beitrag zur Meinungsfreiheitsschutzdebatte, die von interessierten Scharfmacher-Kreisen weiter angeheizt wird, selbst nachdem Bundespräsident Walter Steinmeier sie bindend für beendet erklärt hat.  Amann, die nach einer Auflistung des „Medium Magazin“ noch 2015 zu den „zehn führenden politischen Journalisten Deutschlands“ gehört hatte, hat damit gute Chancen, einen Schlussstrich unter eine Diskussion zu ziehen, die "auf eine bewusste Strategie interessierter verantwortungsloser Kräfte" (Steinmeier) zurückgeht.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Meinungslüstern entern sie die Wohnstuben der Demokraken und fordern dies zum Rededuell heraus. Das geht gar nicht, daß Brutaloblogger entscheiden, wie die Debatte abzulaufen hat.

Sagt ein Brutaloschmierfinkin.

Anonym hat gesagt…

Wenn Don Alphonso jetzt also auch schon ein rechtsextremer Hetzer, ein "Nazi" gar geworden ist, was bin ich dann, der ich Don Alphonso für eine kleine, miese, linke Zecke halte, der sich immer noch an der in jeder Hinsicht vorbildlichen CSU-Politik der 80er abarbeitet?
Ich will es lieber gar nicht wissen und gehe lieber noch ein paar Bananenchips kaufen. Die werden voraussichtlich bald wieder wertvoller sein als jede Silberkanne...

Anonym hat gesagt…

Geht mir genauso. Ich habe den vor Jahren bei der FAZ mal ab und zu gelesen aber als jemanden einsortiert, in den sich ein Proggie vertieft, wenn ihm der Rechtsdrall im Feuilleton der SZ langsam unerträglich wird.




Anonym hat gesagt…

Gern würde ich Chaim Maas einmal scharf verhören, peinlich inquirieren, darob, ob er den Sabbel, den er von sich gibt, wirklich selber glaubt. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, daß ja - Pech gehabt.

derherold hat gesagt…

Das wirkliche Sakrileg, das @Donalphonso begangen hat, auf einmal nicht mehr mitzumachen.

Ich verfolge (und dieśkutiere auf) sein Blog rebellmarkt beim gleichen Blog-Betreiber bei dem ich auch bin.

Er hat seine Meinung gewandelt: von einem linksliberalen zu einem liberalkonservativen Blogger. Damit und damit, daß er immerhin einer der meistgeleesnen Blogger (wenn auch mittlerweile mehr als Zeitungs"Bloger") Deutschlands ist, kommen viele nicht klar.

ppq hat gesagt…

das ist der punkt. angst vor bedeutungsverlust, erschrecken vor der macht eines jemandes, der nur in diesem internet richtig berühmt ist... unverständnis, hass und neid

und daraus resultierend illiberalität