Google+ PPQ: Corona Deutschland: Wo sie in die Armbeuge husten

Donnerstag, 12. März 2020

Corona Deutschland: Wo sie in die Armbeuge husten


Besonders gefährlich ist der neue Krisen-Gruß, den die Politik als Ersatz für das Händeschütteln propagiert. Die Ellenbogen sollen aneinandergerieben werden, so hat es unter anderem Reiner Haseloff, der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, vorgemacht. Ein fahrlässiges Verhalten, empfehlen die Seuchenexperten des Robert-Koch-Instituts doch zur Abwehr der Epidemie, in die Armbeuge zu husten. Dort hält sich das Virus Stunden, vielleicht sogar Tage.

Am Rande des Nervenzusammenbruchs


Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs. Aber das darf niemand mitbekommen! Über Wochen, ja, Monate haben Regierung, Verwaltungen und Medien versucht, die Lage gesundzubeten. Bloß keine Panik machen. Bloß keine unangenehmen Wahrheiten verkünden. Es schien, als sei man sich in der lenkenden und leitenden Klasse einig darüber, dass der Schaden, der eintreten würde, teilte man mit, was im schlimmsten Falle passieren könnte, größer wäre als der, der eintritt, wenn der schlimmste Fall eintritt.

Die Kanzlerin war abgetaucht, der Gesundheitsminister empfahl regelmäßiges Händewaschen, der Wirtschaftsminister bangte vor allem um Lieferketten und der Innenminister äußerte sich ausschließlich zu Flüchtlingskindern im sicheren Drittstaat Türkei.


Die EU, auf deren Totalversagen im Ernstfall immer Verlass ist, ergänzte dieses epochale Krisenregiment, indem das Parlament sich selbst in den Urlaub schickte. Die neue Komissionspräsidentin versprach ein Hilfepaket. 62,50 Euro für jeden Europäer sollen die gröbsten Corona-Folgen lindern.

Einzelstaaten scheren gemeinsam aus


Es klingt wie ein Witz, dass es einzelne Staaten waren, die unabgesprochen mit den vielbeschworenen "europäischen Partnern" begannen, ihre Grenzen zu schließen, ihre Schulen, Universitäten und Stadien. Kein EU-Gipfel beriet die Lage, es gab keinen Versuch, sich abzusprechen, um eine der berühmten  "europäischen Lösungen" am St. NImmerleinstag zu finden, die verlässlich dafür sorgen, dass jeder Beteiligte Staatenlenker sagen kann, an ihm habe es nicht gelegen. Stattdessen zeigte sich, was in Tagen voller Sonnenschein aus Berlin, Hamburg und München traditionell als "nationale Egoismen" gebrandmarkt wird. EU-Partner redeten nicht, sondern sie handelten. Jeder für sich.

Aufgeregt, aber um Ruhe bemüht, ließ sich das politische Berlin nicht mitreißen von der aufkommenden Panik. Wir empfehlen, wir regieren nicht, war das Motto, das dazu führte, dass hierzulande noch Ansteckungsparties mit zehntausenden Teilnehmern gefeiert wurden, als ringsum schon der Ausnahmezustand verkündet war.

Statt auf eine Lage zu reagieren, die selbst eine Regierung im Zustand fortgesetzter Machttrunkenheit als ernst und akut empfinden musste, entschloss man sich, eine entschiedene Debatte um Vorzüge und Nachteile des Förderalimus zu führen. Entscheidungen dann im Herbst, wenn das Thema durchgesprochen ist.

Angriff auf deutsche Zögerlichkeit


Dass auch die USA nach einigem Zögern nun reagiert haben und Europäer vorerst gar nicht mehr einreisen lassen, weil der Brennpunkt der Corona-Krise sich aus China inzwischen eindeutig dorthin verlagert hat, wo Sorglosigkeit, Unfähigkeit und der Glaube, auch diesmal werde sich vieles wieder durch entschiedenes Abwarten von selbst klären, gilt als Angriff vor allem auf die deutsche Zögerlichkeit. Trump ist schuld, so steht es nun überall, ohne dass die Meinungsführer andere Argumente zu bieten hätten als urige Beschimpfungen.

Kunstfertig schaffen es deutsche Leitmedien, die die Grenzschließung Österreichs zu Italien im Kleingedruckten vermeldet haben, ihren Erzfeind Donald Trump für seine Grenzschließung noch mal zum Fremdenhasser und Ausländerfeind zu machen. Corona sei ein „ausländisches Virus“, habe der Präsident gesagt, heißt es in dem Land, das den Erreger selbst längst als eigene Entwicklung angenommen hat. Zudem habe Trump viel zu spät reagiert, gar nicht wie die Kanzlerin und ihr Kabinett. Das bis heute im Grunde keinerlei Maßnahme gegen die expotenzielle Verbreitung der Seuche getroffen hat.

Es gehört ein imponierendes Maß an Dreistigkeit dazu, Trump einen "Virusleugner" zu nennen, wobei die Wortwahl natürlich gezielt an Vorbilder wie den "Holocaustleugner" und den "Klimaleugner" anknüpft. Und der Kanzlerin des Landes, das offiziell doppelt so viele Corona-Fälle wie die USA zählt, hoch anzurechnen, dass sie sich vier Wochen nach Ausbruch der Seuche im eigenen Land auch mal persönlich zu Wort meldete, um die ermutigende Botschaft zu verkünden: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Man muss mal gucken. Auf sein Herz hören. Und dann mal sehen.

Von der Wirklichkeit exponentiell überholt


Das Harscheste an Kritik am Totalversagen der Regierung in der größten Krise der Neuzeit ist tatsächlich der Satz es "laufe nicht alles rund". Doch schneller als sie sprechen und schreiben, werden sie von einer Wirklichkeit überholt, die sich mit exponentieller Dynamik in den Krisenmodus begibt. Natürlich, wenn alle anderen Staaten ihre Grenzen geschlossen haben, muss Deutschland keine Aus- und Einreisen mehr verhindern. Nichtstun sieht so vielleicht doch wie Handeln aus, hoffen sie in Berlin.

Der Rest ist, so war Angela Merkel bei ihrem Premierenauftritt als Virusverkünderin mit dem Satz "es ist da" nicht misszuverstehen, alternativlos. 60 bis 70 Prozent werden sich infizieren, das ist nun mal so. Ein bis vier Prozent werden durch das Virus ums Leben kommen. Nun ja, schon krass irgendwie, denn das sind 1,5 Millionen Menschen und damit etwa anderthalb Mal so viele wie normalerweise pro Jahr in Deutschland sterben. 

Es wird eng werden auf den deutschen Friedhöfen. Aber die Trauergemeinde schafft das.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe euch nicht. Wenn man Deutschland ( Dunkeldeutschland ) abschaffen will, dann ist das doch die richtige Strategie.

Anonym hat gesagt…

Jämmerlich, erbärmlich.
Leyen, mit semantischen Aussetzern (wegen unterdrückter Corona-Panik, die weniger Spaß macht als CO2-Panik):
"Das Coronavirus ist eine globale Krise, nicht auf einen Kontinent beschränkt, und es bedarf Kooperation statt einseitiger Maßnahmen", heißt es. Die EU missbillige die Entscheidung der USA, einen einseitigen Reisestopp zu verhängen, ohne die EU im Vorhinein zu informieren. "

1) Trump darf die Grenzen nicht dicht machen, weil es eine globale Krise ist.
2) Trump darf die Grenzen nicht dicht machen, ohne vorher anzurufen.
Weiberlogik.

Jodel hat gesagt…

Diese Kaltschnäutzigkeit mit der Frau Merkel gestern in einem Nebensatz 1,5 Mio. Tote angekündigt hat, macht einen doch ein wenig Fassungslos. Und unsere Reporter ohne Grenzen notieren sich das ohne mit der Wimper zu zucken in ihr Steno-Blöcken. Rückfragen keine, ist ja jetzt alles geklärt.
Zum Glück bleiben aber alle Grenzen auf. Ich hatte schon ein bisschen Angst, das die jetzt alles dicht machen wie diese tumben Österreicher. Da fühlt man sich dann doch gleich wieder gut aufgehoben und alle Zweifel sind zerstreut.

Carl Gustaf hat gesagt…

Die aktuelle Entwicklung der Corona-Erkrankungen in Italien deutet auf eine Ko-Inzidenz zwischen Corona und Pasta hin. Sind ja beide voller Proteine.
Vielleicht war das gar nicht so gut, in der letzten Woche für einen Monat Nudeln gehamstert zu haben. Ich gehe morgen noch einmal in den Supermarkt und werde jetzt für sechs Wochen Kartoffeln bunkern.