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Donnerstag, 16. April 2020

Alltagsmasken: Welche es nicht gibt und wie sie nicht schützen

Auch mit einer solchen Halbmaske Marke Eigenbau ist das neue Maskengebot der Form nach  erfüllt.

Trotz aller Warnungen der führenden Experten des Landes und der Fachpolitiker tragen viele Menschen in der Öffentlichkeit demonstrativ Schutzmasken, als wollten sie beweisen, dass sie der Politik nicht mehr vertrauen. Die diskutiert seit Wochen über eine Pflicht zum Maskentragen, kann sich aber noch immer nicht entscheiden, weil objektive Umstände nach wie vor gegen verpflichtende Auflagen zum Tragen von Behelfsverhüllungen sprechen.

Zwar hatte die Bundesworthülsenfabrik in Berlin zuletzt mit der Erfindung des Begriffes "Alltagsmaske"®© den Weg frei gemacht zum Tragen von irgendwas Symbolischem, Hauptsache es bedeckt Mund und nicht zwingend Nase. Doch ob die gesetzliche Maskenpflicht für ganz Deutschland kommt, ist noch immer unklar, denn um sie durchzusetzen, müsste der Bundestag zuvor das gesetzliche Vermummungsverbot aufheben. Aus Sicht der Wissenschaftsakademie Leopoldina ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis es soweit kommt,denn Angela Merkel hat jetzt eine neue klare Linie vorgegeben:
„Wir sprechen uns dafür aus, dass es empfehlenswert ist, dass es geboten ist sozusagen, diese Alltagsmasken auch zu verwenden in öffentlichem Personen-Nahverkehr und beim Einkaufen.“

Heute schon beschreibt PPQ deshalb, welche Masken es derzeit in Deutschland nicht gibt es, wie sie sich unterscheiden, was sie kosten würden, gäbe es sie tatsächlich zu kaufen, und wie sie nicht oder doch kaum oder nur den Träger schützen. Eine Übersicht.

Vorab ist wichtig zu wissen: Maske ist nicht gleich Maske, obwohl Millionen das glauben. Manche Maske schützt nur den Mund, andere eher die obere Kopfpartie (Foto oben)  weil sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten  nicht auf eine einheitliche Maskenpflicht einigen konnten, ist das Tragen von Schutzmasken nun nicht Vorschrift, sondern nur für bestimmte Bereiche "dringend" empfohlen. Definitorisch freiwillig vorgeschrieben sind dabei eben jene "Alltagsmasken", die bisher eher bekannt waren aus Kleinkunst und Karneval.

Auf Anforderung des Kanzleramtes hatten Mitarbeiter der Bundesworthülsenfabrik erst am vergangenen Wochenende begonnen, den bis dato weitgehend unbekannten Begriff für den Corona-Kampf nutzbar zu machen. Inzwischen ist er bereits medial bereits klaglos in die eigene Mitarbeit  zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung integriert worden. Eine Aufnahme zur Veramtlichmachung des Begriffes in den Duden ist bereits beantragt.

Da es neben diesen keiner Bauvorschrift folgenden Volksmasken auch weiterhin kaum FFP2 und FFP3-Masken, dafür aber sogenannten Mund-Nasen-Schutz, "Community-Masken" oder DIY-Masken gibt, klärt PPQ auf: Was zählt unter die nach einer Empfehlung der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) ab sofort "Alltagsmasken" genannten Gesichtsabdeckungen? Warum soll der neue Name den ernsthaften Charakter der bis vor sieben Tagen noch nutzlosen Notbehelfe unterstreichen? Wie vermeide ich es, selbst Masken oder maskenähnliche Behelfsmasken nähen zu müssen? Und welche wichtigen Schutzeigenschaften fehlen eigentlich allen Masken, die im Handel nicht erhältlich sind?



Alltagsmasken®© :

Selbstgenäht oder aus einem Taschentuch oder einer Küchenrolle gefaltet, sind diese Masken laut Bundesworthülsenfabrik ausschließlich für den privaten Gebrauch vorgesehen, um den Eindruck zu erwecken, dass der Träger verstanden hat, was die Stunde schlägt. Da Alltagsmasken zwar für die symbolische Abdeckung des Bedarfes gedacht, aber nicht als Medizinprodukt zugelassen sind, ersetzen sie eher den normalen Schal als eine professionelle FFP3-Maske. Auch cool "Community-Masken" genannt, haben die improvisierten Notabdeckungen keine Nachweisverfahren durchlaufen und erst in den letzten Stunden den Segen der führenden Gesundheitspolitiker erhalten. "Sie dürfen nicht als Medizinprodukte oder Gegenstände persönlicher Schutzausrüstung in Verkehr gebracht und nicht mit entsprechenden Leistungen oder Schutzwirkungen ausgelobt werden", heißt es vom Institut für die Arzneimittelaufsicht. Verschenken geht, als Taschentuch verkaufen auch.

"DIY-Masken"

Auch Träger von selbst genähten Masken können sich nicht darauf verlassen, dass diese einen selbst oder andere Menschen vor einer Übertragung des Coronavirus schützen. Das schafft nur regelmäßiges Händewaschen, für das im Gegensatz zu den oft mit grobem Stich genähten Masken aus fragwürdigen Heimproduktionsstätten eine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde. Dennoch: "Trotz dieser Einschränkungen beschleunigen geeignete Masken als Kleidungsstücke die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs zum Beispiel beim Husten nach heutigem Wissensstand nicht weiter", ist sich die Wissenschaft nach sechswöchiger Beobachtung der Corona-Verbreitungsströme sicher.

Maskentragen hat die Viruskrise also doch nicht verursacht, obwohl der Zusammenhang zwischen dem vor allem in Asien weit verbreiteten Brauch, eine Maske zu tragen, und den dort zuerst ausgebrochenen Erkrankungen darauf hindeutet.  Zu beachten bleibt aber, dass das Bewusstsein für 'social distancing' sowie gesundheitsbezogen achtsamen Umgang mit sich und anderen Maskenträgern beibehalten werden muss, auch wenn durch das Tragen einer "unnötigen" (Jens Spahn) Maske das gegenseitige Mienenspiel nicht mehr klar erkennbar sei. So könne ein Beitrag zur reduzierten Ausbreitung von Sars-CoV-2 geleistet werden.

"Chirurgenmaske"

Abstand halten und Händewaschen sind nach wie vor der beste Schutz – auch mit Mund-Nase-Bedeckung. Aber sogenannte Chirurgenmasken, wie sie misstrauische Zeitgenossen noch im Januar und Februar massenhaft hamsterten, wurden, als es sie noch zu kaufen gab, hauptsächlich im OP getragen, deshalb auch der Nebenname OP-Maske. Solche Masken sind laut Bundesamt für Arzneimeittel getestet und zertifiziert, allerdings nirgendwo zu haben. Die Hersteller sitzen zumeist in China, die Lieferzeit beträgt derzeit rund sechs Wochen.

Diese Art Mundschutz diene damit vor allem dazu, auf ihn zu warten, statt andere vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen, wie es etwa bei der Behandlung von offenen Wunden durch schwererkrankte Ärzte geschieht. Problematisch ist das nicht, denn den Träger selbst schützen OP-Masken nicht vor einer Infektion durch Tröpfchen oder Aerosole, auch wenn sie Mund- und Nasenpartie des Trägers vor einem direktem Auftreffen größerer Tröpfchen des Gegenüber schützen wie es bei den Fachleuten  dialektisch heißt. Der Schutz vor einer Erregerübertragung durch direkten Kontakt mit den eigenen Händen könne allerdings gewährleistet sein, er sei jedoch keineswegs perfekt.

"Baumarktmasken"

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind Baumarktmasken vor allem für medizinisches und pflegendes Personal sowie für Mneschen geeignet, die die unverhofften "Corona-Ferien" (BWHF) nutzen wollen, um etwas am Haus oder im Garten zu machen. Vorausgesetzt sei hier, dass der Träger eine Möglichkeit gefunden habe, sich eine solche Maske zu verschaffen. Für den Selbstschutz würden die Hygienemaßnahmen und ein Abstand von 1,50 Meter zu anderen Menschen reichen, wenn diese sich regelmäßig und unter Absingen des bekannten Liedes "Happy Birthday (2x) die Hände wüschen. Außerdem seien diese Masken Einwegprodukte, die nach dem Tragen weggeworfen werden müssten. Dabei gehört die die Baumarktmaske nicht in den Haus-, sondern in den Sondermüll, da sie mit Viren belastet sein könnte.

Filtrierende Halbmaske

Die letzte Kategorie der Schutzmasken sind die "filtrierenden Halbmasken", auch unter den Namen FFP2 und FFP3 bekannt und bereits seit Monaten nicht mehr zu erhalten. Der Chinese hat sich hier unbemerkt eine Weltmarktmonopol erschaffen, um später mit dem Ausbruch der Corona-Viren als einziger getestete und zertifizierte Masken in großer Zahl liefern zu können. Verschwörungstheoretiker glauben an einen Zusammenhang, der regional naheliegt. Doch FFP-Masken dienen ursprünglich tatsächlich vor allem dazu, den Träger vor einer Ansteckung zu schützen. Die Masken können  nach Berichten von Experten, die vor dem Ausbruch der Corona-Krise noch entsprechende Modelle gesehen haben wollen, unterschiedlich designt sein, besitzen aber meist ein Ausatemventil. "Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz. Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für den Fremdschutz ausgelegt", heißt es beim Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, das aus China herausgeschmuggelte Originalfotos von FFP-Masken forensisch hat untersuchen lassen.

Nach Angaben der Tester sind Masken ohne Ventil theoretisch vor allem für medizinisches und pflegendes Personal und für Rettungs­- und Einsatzkräfte geeignet, die sich die Masken gern in ausreichender Zahl zur Verfügung hätten, um sich vor einer Übertragung von Viren oder Bakterien zu schützen. Mit  Ausatemventil versehen seien die FFP-Modelle im Falle des praktischen Vorhandenseins auch für alle nicht medizinischen Einsätze zum Schutz vor Stäuben und Aerosolen mit Viren und Bakterien geeignet. Bei korrekter Verwendung und regelmäßigem Händewaschen können diese Sondermodelle "wenigstens 78 Prozent der luftgetragenen Partikel und/oder Viren und Bakterien aus der Atemluft der tragenden Person" (BfArM) herausfiltern.

Der Nachteil: Sie können zwar nach Lust und Laune mehrere Stunden getragen und sogar wiederverwendet werden, lassen sich das aber vergleichsweise teuer bezahlen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt deshalb, dass diese nicht vorhandenen Masken Mitarbeitern im Pflege- und Gesundheitswesen vorbehalten sein sollten, da der Schutz des Fachpersonals von "gesamtgesellschaftlich großem Interesse" sei. Auch wenn Mund-Nase-Schutz und besonders FFP-Masken einen stärkeren Schutz bieten als selbst genähte Masken, so betonen die RKI-Virologen, seien Alltagsmasken, die man sich selbst aus einem Scheuerlappen und einem Bindfaden, einem Herrenslip oder Teilen eines alten T-Shirt gefaltet habe, besser als eine  FFP-Maske, die nicht vorhanden sei.

Nach Auffassung des RKI können Mund-Nasen-Bedeckungen in Form von Alltagsmasken im öffentlichen Leben vor dazu beitragen, das Gefühl der Wehrlosigkeit gegen Covid-19 zu bekämpfen.  Deshalb habe das Institut seine Empfehlung zur Vermeidung des Tragens solcher Masken revidiert und empfehle nun "in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum" ausdrücklich nicht nur das Händewaschen, sondern auch eine Alltagsmaske im Gesicht.

Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO sieht man das anders, doch auch die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) betont, dass einfacher Mund-Nase-Schutz zwar wenig Shcutz biete, wenig aber mehr als nichts sei. Wer angehustet werde und einen Mundschutz trage, "schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben", sagte Peter Walger, Vorstandssprecher der DGKH, Anfang April der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Selbst ein Schal schütze vor Tröpfchen. Nur ein kleiner Teil würde durch die Poren hindurchfinden, und das auch nur bei großer Nähe zum Hustenden.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

>> OP-Masken
>> Masken sind laut Bundesamt für Arzneimeittel getestet und zertifiziert, allerdings nirgendwo zu haben.

Wieviel brauchste denn? Ich könnte da eine Quelle aufreißen. Für Westgeld mach ich alles.

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

Mit so einer ollen NVA Schutzmaske im Supermarkt sind 2 Meter Abstand gar kein Problem. Ich hätte die damals mal mitnehmen sollen.

ppq hat gesagt…

also was die redaktion betrifft, wurde im februar ausreichend schutzmittel geordert. es ist doch nicht so, dass man manches nicht hätte wissen können. man hätte nur wollen müssen.

Anonym hat gesagt…

Merkel:
„Wir [sic!] sprechen uns dafür aus, dass es empfehlenswert ist, dass es geboten ist sozusagen, diese Alltagsmasken auch zu verwenden in öffentlichem Personen-Nahverkehr und beim Einkaufen.“

Alle anderen:
Wir [sic!] sprechen uns dafür aus, dass es empfehlenswert ist, dass es geboten ist sozusagen, dieses Ausgeburt eines Zitats dereinst auf Merkels Grabstein zu meißeln.

Halleluja!

Die Anmerkung hat gesagt…

Das Hamburger Häschen-Magazin ist nicht mal in der Lage, die weisen Worte der Führung so zu erfassen, so weise sie daherkamen. Dafür wollen sie einen auf Jürgen Udos machen.
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Corona-Lockerungen

Aber bitte mit Maske

Seit Beginn der Coronakrise sind Schutzmasken Mangelware. Nun sollen alle eine tragen, empfiehlt die Regierung. Doch wo gibt es welche? Und wie bereitet sich der Handel darauf vor? Der Überblick.

Von Alexander Preker und Carolin Wahnbaeck
16.04.2020, 17:41 Uhr
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Wenigstens haben sie eines recherchiert.

Auf keinen Fall solle man für die Masken Marke Eigenbau auf Staubsaugerbeutel zurückgreifen, wie im Internet empfohlen werde, warnt die Drogeriekette dm: "Denn viele Staubsaugerbeutel beinhalten aus Hygienegründen ein feines antibakteriell wirkendes Pulver aus Polymer, das durch das Aufschneiden der Beutel freigesetzt werden kann." Direkt eingeatment, sei dies sowohl für Lunge als auch Verdauungsorgane gesundheitsschädigend.
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Ich hatte es eigentlich so verstanden, daß es um die Hepa-Filter ging, die man sich zurechtfummeln soll.

https://www.amazon.de/Mikrofilter-Motorfilter-Abluftfilter-zuschneidbar-Bodenstaubsauger/dp/B079JQNJCY/

Thomas Leske hat gesagt…

Ich warte noch auf die dermatologischen Tests, die Stiftung-Warentest und den Blauen Engel, wegen Mikroplastik im Meer und Weichmachern. Fair-Trade, aber ohne Kinderarbeit und natürlich lokal und ohne Gentechnik, Chemie. Gibt es da schon Langzeitstudien?

ppq hat gesagt…

nicht so empfindlich. das bisschen maske bringt einen nicht um, schon gar nicht, wenn die lunge an feinstaub von vw gewöhnt ist

Anonym hat gesagt…

Ich habe es, wie es aussieht, hinter mir. Vor so 3-4 Wochen dermaßen säuisch im Hals, ohne Fieber oder Husten, das Gaumenzäpfchen wie eine Zwetschge, einen Geschmack im Maul wie eine bejahrte Buhlerin in der Achselhöhle.
Doch ist kein Grund, zu triumphieren: Der Schoß ist fruchtbar noch ...