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Dienstag, 12. Mai 2020

Hades-Plan: Verrat am Honigtopf

Die Bar im ehemaligen Kanzlerbungalow in Bonn, in der 1991 der Hades-Plan verabschiedet wurde.

Das hätte niemals passieren dürfen, nun ist es aber doch geschehen. Ausgerechnet der maltesische Botschafter in Finnland - wozu bitte brauch Malta einen Botschafter in Finnland? - hat im Internet eines der am strengsten gehüteten Geheimnisse des vereinigten Europa verraten: Merkel habe Hitlers Traum erfüllt, Europa zu kontrollieren, schrieb er auf Facebook offenbar unter direkter Bezugnahme auf den sogenannten Hades-Plan. Der war im September 1991 in Bonn entstanden, als sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl mit einigen wenigen Getreuen im Kanzlerbungalow versammelt hatte, um über ein Konzept zu entscheiden, das der Staatsrechtler und Finanzstaatssekretär Joachim Grünewald ohne direkten dienstlichen Auftrag ausgearbeitet hatte.

Was heute unmittelbar zu einer Freistellung führt, begeisterte seinerzeit sowohl den Kanzler der Einheit als auch seine engsten Vertrauten. Wegen möglicher völkerrechtlicher Implikationen erst sehr viel später mit dem Namen Hades-Plan versehen, sah die beschlossene Strategie zur künftigen Führung Europas vor, eine Gemeinschaftswährung als "Honigtopf" (Grünewald) einzurichten, die schwachen Randgebieten die Möglichkeit eröffnen sollte, sich zu niedrigen Kosten zu verschulden.

Die Marktteilnehmer würden, so die Spekulation des führenden deutschen Monetärtheoretikers, von Anfang an davon ausgehen, dass die Gemeinschaft der "Euro-Länder" letztlich für die Schulden aller Währungsländer bürgen werde, was Kredite für hochverschuldete und wirtschaftlich wenig leistungsfähige Peripheriestaaten billig mache.

Am Ende werde Deutschland tatsächlich einspringen müssen,  glaubte die klandestine Runde, die mit 400 bis 600 Milliarden Mark bis zum finalen Szenario rechnete, also dem Punkt, "an dem Deutschland nicht nur die Musik bezahlt, sondern auch sagt, welches Lied gespielt wird".

Es ist teurer geworden, ein wenig zumindest, und bis ans Ziel einer deutlichen deutschen Dominanz hat es viel länger gedauert als geplant. Doch dass der Malteser Michael Zammit Tabona jetzt das Tabu gebrochen hat, den Hades-Plan als "Hitlers Traum" zu bezeichnen, den "Angela Merkel erfüllt" habe, Europa zu kontrollieren“, bringt die Vollendung der letzten Schritte hin zum großen Ziel in Gefahr. Ursprünglich sah das von Kohl präferierte Szenario vor, dass die Währungsgemeinschaft mit zunehmender Dauer immer weiter in eine Schuldenspirale rutscht und "die deutsche Regierung  dann als Retter hereingeritten" kommt, wie Kohl geschwärmt hatte, dem vorschwebte, dass wir "als gute Deutsche gute Europäer sein und den Europäern die Chance geben sollten, gute Deutsche zu werden".


Maltas Außenminister Evarist Bartolo bestätigte der Zeitung „Times of Malta“ inzwischen, dass der Botschafter Einsicht gezeigt habe und zurückgetreten sei. Zugleich habe er eine Entschuldigung für seinen Verrat eines so wichtigen Geheimnisses nach Berlin geschickt und seinen Posten mit sofortiger Wirkung geräumt. Die Enthüllung des Hades-Planes selbst, der auf Infoportalen im Netz immer wieder Thema ist, seit ein verspätet rekonstruiertes Stasi-Protokoll der Sitzung vom 27. September 1991 (eine Orwo-Kassette hatte sich im Tonkopf des "Sonett"-Kassettenrekorders verklemmt) an die Öffentlichkeit gelangte, sei nie seine Absicht gewesen und spiegele auch nicht die Position Maltas wider, die von Freundschaft und gegenseitigem Respekt zwischen beiden Ländern getragen sei.

Der verräterische Facebook-Beitrag wurde inzwischen gelöscht, hatte aber zuvor schon weite Verbreitung gefunden. Außenminister Bartolo sagte, er habe den Botschafter angewiesen, den enthüllenden Beitrag zu entfernen, „sobald ich darauf aufmerksam gemacht wurde“. Der Whistleblower Werner Hasters, der die deutsche Strategie zur Schaffung eines deutschen Europas im Jahr 2011 als erster öffentlich gemacht hatte, wollte die aktuelle Entwicklung nicht weiter kommentieren.

Die Tatsachen sprächen eine deutliche Sprache. Eine von Kohls Helfershelfern habe damals von einem "Rettungsschirm" gesprochen, den Deutschland in der Stunde der Not spannen werde, unter den aber nur werde schlüpfen dürfen, wer deutschen Vorgaben Genüge tut. "Genau so ist es doch gekommen", glaubt der frühere Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, der nach dem Zusammenbruch des Arbeiter- und Bauernstaates das Glück hatte, bis zur Rente als Archivmitarbeiter in der Stasi-Unterlagenbehörde weiterarbeiten zu dürfen.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Die Lageeinschätzung durch Seehofers Katastrophenreferat jetzt zum download.

www.tichyseinblick.de/wp-content/uploads/2020/05/Corona-Ma%C3%9Fnahmenbewertung.pdf

Die Anmerkung hat gesagt…

ups, parallel dazu habe auch die Achsoguten das Werk zum download freigegeben.

https://www.achgut.com/artikel/dossier_das_corona_papier_komplett_zum_download

https://www.achgut.com/images/uploads/afqktxhppam7qh5d/200508_Versendung_Bericht_an_Krisenstab_01.pdf

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/studie-aus-dem-bmi-teil-5-hier-das-ganze-dokument/

ppq hat gesagt…

ich bin entsetzt. jetzt soll ich das wohl auch noch selbst lesen? obwohl ich doch durch die PM aus dem MDI weiß, was dazu zu denken ist?

Volker hat gesagt…

"obwohl ich doch durch die PM aus dem MDI weiß, was dazu zu denken ist?"

PM aus dem MDI? Da bis Du ja bevorzugt bedient worden.
Um zu wissen wie ich das werten soll, musste ich erst den Spargel und das Fischblatt lesen.

Anonym hat gesagt…

Herrrschaft über Europa? Es eher davon auszugehen, dass Westdeutschland von franko-algerischen Truppen und Ostdeutschland von Polen besetzt wird.

ppq hat gesagt…

das ist das gute an wirklich guten plänen, alles liegt auf dem tisch und niemand kann es sehen

Der lachende Mann hat gesagt…

@Anonym Freudenstadt wäre ein guter Anfang.

Die Anmerkung hat gesagt…

Man kann sich beim Lesen sehr viel Zeit lassen. Das Dokumente habe über 200 Seiten, hieß es ursprünglich. Die PDF hat 92. da fehle also noch gut hundert Seiten spannender Lektüre.

Tichy und den achsoguten besorgten Mitneidern ist das hemd dann doch viel näher, als sie auf Seite 1 ihrer Internetportale und in ihren Bettelbriefen kundtun.

Beispiel gefällig? Auszug:

Mit 59,50 Euro jährlich sorgen sie dafür, dass wir weiterhin beschimpft werden.
Und außerdem, dass

- wir unangepassten Journalismus betreiben können
- die Achse die Medienlandschaft mit neuen Ideen aufmischt.

Angepaßter als achgut geht kaum und neue Ideen haben sie bis heute Mittag nicht eine einzige gehabt.

Man stelle sich vor, im Fußball wird nur eine Halbzeit gespielt und diese gewertet.

Volker hat gesagt…

"und Ostdeutschland von Polen besetzt wird."

Um ehrlich zu sein, das wäre nicht schlecht.
Übel wird es sowieso. Von allen Übeln wäre die polnische Besatzung das Kleinste.

Anonym hat gesagt…

wozu bitte braucht Malta einen Botschafter in Finnland? ----

Büschen OT, aber ich las in den Neunzigern dieses, daß das Land Brandenburg als solches eine Vertretung in Berlin hätte, mit so zweieinhalb bis drei Dutzend Mitarbeitern ...

Noch einen - Ostdeutschland i s t doch von Polen durchaus besetzt?

Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

>Noch einen - Ostdeutschland i s t doch von Polen durchaus besetzt?

Wir sind heute nicht kleinlich und halten uns an das antirevanchistische Wörterbuch. So wie wir es aus den Nachrichten gelernt haben.