Freitag, 12. Februar 2021

Trotz Impfstoffkrise: So groß ist die Liebe zur EU

Ursula von der Leyen hatte unbemerkt so viel Vertrauen angehäuft, dass 68 Prozent der Bürger welchen hatten, das sie verlieren konnten.

D
as sind in finsteren Zeiten doch endlich einmal hervorragende Nachrichten! Nach den aktuellen Daten einer Umfrage des "Spiegel" genießt die Europäische Union mit der Europäischen Kommission mit der Europäischen Kommissionspräsidentin an der Spitze auch nach ihrem Komplettversagen bei der Impfstoffbeschaffung weiterhin großes Vertrauen bei einer Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern. 

Nur rund zwei Dritteln der Befragten gaben an, wegen der verlorenen Schlacht im Kampf gegen das Virus und der dadurch verursachten täglich mehr als 10.000 zusätzlichen Todesopfer habe das Bild der Europäischen Union in ihren Augen gelitten. Sechs Prozent der Befragten ließen sich vom Vakzin-Debakel und dem Eingeständnis von EU-Chefin Ursula von der Leyen sogar positiv beeindrucken. Sie sagten, ihr Bild von der EU habe sich angesichts der fehlenden Impfstoffe und der weitgehend ins Wasser gefallenen gemeinsamen europäischen Impfkampagne eher oder eindeutig verbessert.  

Herausragende Werte

Auf den ersten Blick Werte, die katastrophal anmuten. Bei genauerer Betrachtung aber zeigt sich, dass das Zutrauen in die mangelnden Fähigkeiten der Gemeinschaftsführung mittlerweile so tief in den Bürgerinnen und Bürgern der EU wurzelt, dass selbst nach dem kapitalsten Versagen auf offener Bühne noch deutlich identifizierbare Reste davon übrigbleiben. Einerseits hat die oft kritisierte EU offenbar auch bei ihren schlimmsten Gegnern so viel Vertrauenskapital angesammelt, dass 94 Prozent aller Befragten gegenüber den "Spiegel"-Befragern von Ansehensverlusten berichten konnten. Andererseits zeigen die Daten der Gemeinschaftsratvorsitzenden, dass die langsame Bestellung von viel zu wenig Vakzin bei fast einem Drittel der Betroffenen positiv oder doch wenigstens nicht negativ aufgenommen wird.

In Treue fest stehen 32 Prozent zu ihrer Präsidentin, die vielleicht am "Impfdesaster" (Spiegel) schuld sein mag, aber eben nicht allein verantwortlich. "Der Befund, dass die EU ihre aktuell wichtigste Aufgabe vergeigt hat" (Spiegel), was aufgrund des inzwischen entstandenen Rückstands gegenüber schneller impfenden Nationen eine Viertelmillion Menschen in der EU das Leben kosten wird, ist gemessen an der Grundeinstellung der Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen Union vernachlässigbar. 

Immer noch hoch angesehen

Der "massive Ansehensverlust" der in der Vergangenheit bereits mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Staatenfamilie, den das Magazin herbeischreibt, existiert jedenfalls nur in der Fantasie der Magazinmacher: Wenn selbst unter Anhängern von Union, SPD, Grünen und Linken mehr als die Hälfte heute noch angeben können, ihr Bild von der Europäischen Union habe sich zuletzt verschlechtert, dann war da etwas, was sich verschlechtern konnte. Und auch danach bleibt noch eine stabile andere Hälfte, die der gemeinsamen Sache der 440 Millionen EUropäer weiterhin solidarisch verbunden bleibt.

Natürlich, bei Unterstützern anderer Parteien ist der Anteil der sich betont enttäuscht gebenden Meckerer größer. Doch die betreffenden Parteien und ihre Anhänger sind nicht erst seit der Vorbereitung und Durchführung der größten Impfkampagne der Geschichte bekannt für beständige EU-Kritik und Gejammer über gemeinsame europäische Maßnahmen, Richtlinien und Verordnungen. Um diese Leute ist es nicht schade und Ursula von der Leyen weiß, dass sie bei dieser Art Bürgerin und Bürger ohnehin nichts zu gewinnen hat. Großmütig hatte die frühere Verteidigungsministerin dennoch vor dem mit 50 Abgeordnetseienen notbesetzen Europaparlament zugegeben, dass die Verantwortung für Tote, Schwerererkrankte und Milliardenschäden in der Wirtschaft bei den Impfstoffherstellern liege.

EU-Vorzeigemacht

Angesichts einer Situation, in der die europäische Vorzeigemacht Deutschland binnen sieben Wochen ähnlich viele Menschen geimpft hat wie Malta, allerdings deutlich weniger als die Seychellen, kann das in Brüssel Mut machen für künftige Aufgaben. Eine Herdenimmunität, die frühere bürgerliche Privilegien bis hin zum zügellosen Herumdemonstrieren zurückzubringen droht, wird erst im nächsten oder übernächsten Winter erreicht sein, wenn womöglich schon neue Mutanten nach neuen Regeln für den Menschenpark verlangen. Vorteil von der Leyen: Bis dahin wird vieles vergessen und damit vergeben sein - Basis für eine fortgesetzte Liebesbeziehung zwischen Macht und Ohnmacht, die im Moment nur eine ganz kleine Krise hat.


Kommentare:

ppq hat gesagt…

bestimmt lasse ich hier keine kohlmann-links stehen

Der lachende Mann hat gesagt…

Was sind kohlmann-links?

ppq hat gesagt…

die weg sind. k. ist ein typ aus chemnitz. sein linkstreuer weiß, was ich meine. und er weiß nun auch, dass ich das zeug rauskante

Der lachende Mann hat gesagt…

Aha, danke.

Aber bitte nicht nur kohlmannlinks rauskanten, sondern auch Fotos wie das heutige. Und künftig aus Gründen des guten Geschmacks vermeiden.

ppq hat gesagt…

welches?

Der lachende Mann hat gesagt…

Das mit der Spinne. Bitte.

ppq hat gesagt…

wat mutt, dat mutt

Anonym hat gesagt…

der "deutschlandfunk" versucht doch tatsächlich Peter Sloterdijk zu verstehen ; brabbelt ein paar Sätze nach , versucht P.S. zu entwerten ( hat bei Fuji-jama oder wo auch immer abgekupfert " - ach es ist alles so mühsam .

da huldigt man den liberralen Globalisten , hetzt von hype zu hype , die geforderte Vertikalverspannung ( "mach doch was mit Medien Anna Lena " ) durchdringt den Mittelschichtpöbel - dieser spurt - dann aber : oh vey viel weini wegen toten Syrern am Strand . jeden Sonntag fordert der rote Pfaffe die Selbstverzwergung - er fürchtet den harten deutschen Techbernd - und er ahnt : der harte Techbernd könnte unter Trump 2.0 das neue Raubtier werden - schlechte Zeiten für politische Lutschkinder vom wdr & CO. schlechte und harte Zeiten für den weinerlichen rotgrün Protestantismus