Freitag, 2. Juli 2021

Plastikausstieg: EUnfach mal die Welt retten

Lecker Speise: EU-Trinkhalme sind nun nicht mehr nur zum Trinken, sondern auch zum Essen da.

Es war doch so leicht! Ein schneller, radikaler Beschluss der EU. Ein gemeinsamer Wille aller Völker des Kontinents. Eine neue Plastikverordnung, die ein Signal für die ganze Welt gibt. 500.000 Tonnen Plastik aus der EU landen im Meer.  Das sind fünf Prozent allen Plastikmülls, der die Meere verseucht. Bei etwa zwei Prozent des europäischen Plastikabfalls, also etwa 10.000 Tonnen,  handelt es sich um Trinkhalme, Fahnenstäbchen und Einwegbecher - wenn das so weitergeht, hatte der damals noch zuständige EU-Kommissar Frans Timmermanns vor Jahren schon gewarnt,  "wird es 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben".

Teller, Gabel und Luftballon

Drei Jahre später ist die neue EU-Strategie zum Kampf gegen Plastikmüll aufgegangen. Ab morgen ist die Verwendung von "Tellern, Gabeln, aber auch Wattestäbchen oder Strohhalmen" (Der Spiegel) in der Gemeinschaft verboten. Auch Plastikkugelschreiber, wie sie die EU zu Werbezwecken massenhaft hat herstellen lassen, dürfen nicht mehr verbreitet werden, selbst nicht für den guten Zweck. Zu groß ist die Gefahr, dass anderenfalls bereits in 29 Jahren "mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen schwimmt",  wie Bundespräsident Walter Steinmeier während einer sogenannten Klimareise auf die Galapagos-Inseln gewarnt hatte. 

Ab morgen können die 1,4 Milliarden Tonnen Fisch in Meeren und Seen aufatmen. Durch die wegweisende europäische Initiative, die Wegwerfprodukte wie Einmalbesteck und -teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Plastik vom weltführendsten Umweltkontinent verbannt, wird "die Gesamtmenge der in die Ozeane entsorgten Kunststoff-Frachten" von derzeit fünf bis 13 Millionen Tonnen jährlich (UN-Umweltorganisation UNE) entscheidend sinken. Schließt sich erst die übrige Welt der EU-Initiative an, könnten Faktenchecker recht behalten, die Steinmeier bereits vor Jahren vorgehalten hatten, seine apokalyptische Vision vom Meer mit mehr Plastik als Fisch sei reine fake news.

Kaum noch Chancen bis 2050

Steinmeier selbst hat sich dazu nie geäußert, auch Jan Timmermanns, ehemals EU-Kommissar für Bessere Rechtssetzung, interinstitutionelle Beziehungen, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtecharta und inzwischen EU-Kommissar für Klimaschutz verweigerte eine Antwort auf die Frage, wie die derzeit jährlich ins Meer gelangenden zwischen 400.000 und vier Millionen Tonnen Plastik bis 2050 eine Menge bilden können, die größer ist als die derzeit 1,4 Milliarden Tonnen Fisch in den Ozeanen. Nach dem deutschen Tütenbann von 2019, der ein " Verbot von überflüssigen Plastikverpackungen" beinhaltete, sank die weltweite Plastikproduktion von derzeit 320 Millionen Tonnen zumindest theoretisch um den deutschen Anteil an den bisher für die Herstellung von Plastiktüten verwendeten 61.500 Tonnen. 

Beispielhaft, denn schon ein hundertprozentiger Tütenbann, so er denn global gemeinsam umgesetzt wird, könnte über die nächsten 5.000 Jahre eine komplette Jahresproduktion der Weltplastikindustrie einsparen. Werden weltweit Trinkhalme, Plastikgabeln, Wattestäbchen und Plastikkugelschreiber verboten, könnte das ziel sogar schon weit früher erreicht werden.

 


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

"Klimareise auf die Galapagos-Inseln"

mit Tui?