Dienstag, 18. November 2014

Verbot der Woche: Porno-Gesetz baut Diskriminierung aus

Jetzt ist es amtlich: Ein Jahr nach den Knabenbild-Bekenntnissen des SPD-Politikers Sebastian Edathy wird das Sexualstrafrecht verschärft. Justizminister Heiko Maas will damit höhere Hürden für die Herstellung und Verbreitung von Fotos und Filmen mit der Darstellung nackter Menschen setzen. Vor allem, so das Gesetz, sollen Nacktbilder von dicken oder hässlichen Menschen aus der Öffentlichkeit entfernt werden. Der Bundestag ist den Vorschlägen des Justizminister gefolgt und hat ein Diskriminierungsgebot beschlossen.

Betroffen sind vor allem hässliche Frauen und fette alte Männer, denen es künftig untersagt ist, Fotos von sich anfertigen zu lassen oder vorhandene Fotos zu verbreiten. Die entsprechende Vorschrift findet sich versteckt in einem Paragraphen, der ein Verbot aller Fotos erlässt, "die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden."

Darunter fallen etwa ästhetisch abstoßende Bilder von der dicken Wuchtbrumme Kim Kardeshian, Nacktfotos von übermäßig behaarten Politikern und Aufnahmen von unbekleideten jungen Frauen, die nicht den knallharten Schönheitsvorschriften der weltweiten Femen-Bewegung entsprechen.

Ursprünglich sollte jeder mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden, der unbefugt eine Bildaufnahme von einer unbekleideten hässlichen Person herstellt. Diese strikte Regelung war in den Ausschuss-Beratungen bei Experten allerdings auf heftige Gegenwehr gestoßen. Denn das hätte zum Beispiel bedeutet: Abstoßend hässliche Männer oder Frauen, die sich selbst im Spiegel oder mit Selbstauslöser fotografieren, hätten sich bereits strafbar gemacht.

Nach einer Klarstellung von Heiko Maas steht fest, dass sogenannte Selfies nicht unter das Nacktfotoverbot für Hässliche fällt, so lange die entsprechenden Bilder sofort wieder gelöscht und nicht dauerhaft auf einem Speichermedium vorgehalten werden.

Die Anmerkung: Nacktbilderverbot für Claudia Roth

Montag, 17. November 2014

Herr Obama macht einen Witz

Er hat die letzten Wahlen verloren, nicht aber seinen Sinn für Humor. Das hat US-Präsident Barack Obama beim G20-Gipfel in Australien mit der ihm eigenen Lässigkeit unter Beweis gestellt.

"Man marschiert nicht in andere Länder ein", sagte der Friedensnobelpreisträger, der damit augenzwinkernd auf den aktuellen Militäreinsatz der USA in Syrien anspielte. Im Gegensatz zu ihren Einmärschen im Kosovo, in Afghanistan und im Irak hatten die USA sich dort darauf beschränkt, das Land ohne völkerrechtliche Grundlage und Uno-Mandat aus der Luft zu bombardieren.

Mit Blick auf Russland setzte Obama noch einen drauf: Er sagte, Moskau stelle eine Gefahr für die Welt dar.

Steuersparmodelle: Landesbanken in Luxemburg

Die LBBW hat ihre Luxemburger Tochter jüngst heim ins Haus geholt, die Bayern LB und die Helaba haben ihre gemeinsamen Geschäfte in Junckers Steuersparparadies entflochten, die Bayern verkauften ihre Niederlassung sogar. Die Nord LB macht nur noch in Pfandbriefen im Herzogtum, auch die Saar LB und die HSH Nordbank trommeln nicht mehr laut für ihre Tochterfirmen am Bankenplatz, der zuletzt für so viel Aufregung gesorgt hatte.

Bei deutschen Politikern zumal, die zuvor zwar reihenweise und jahrelang in den Aufsichtsräten der staatlichen Landesbanken saßen. Aber natürlich nie mitbekommen hatten, wie die von den großherzigen Steuerregelungen der früheren Administration des heutigen EU-Präsidenten profitierten. Deutsche Staatsbanken in Steueroasen?

Immer schon, und besonders gern! Während die Heuchler sich noch gegenseitig versichern, dass alles legal war, ursprünglich anders gemeint und dass man nie dachte, dass jemand großzügige Regelungen ausnutzt, durften die Anbieter wettbewerbsfähiger Steuerlösungen schon immer darauf setzen, dass Privatfirmen ihre Angebote genausogern annehmen wie Unternehmen im Staatsbesitz.

LBBW und BayernLB beschäftigten in ihren besten Jahren in Auslandsniederlassungen in New York und London über 500 Mitarbeiter. Die Sachsen LB drehte in Irland am großen Rad, die Bayern LB betrieb die heute als Pleitebank berühmte österreichische Hypo Alpe Adria (67 Prozent) und expandierte mit der Budapester MKB Bank nach Ungarn. Die LBBW gründete LBBW Securities LLC mit Sitz in Delaware, USA, und einem Eigenkapital in Höhe von 100 Millionen US-Dollar. Dort hatte auch die Berliner Landesbank drei Töchter mit Namen wie RR II R 11305, in Luxemburg betrieben die Hauptstädter die LBB Re Luxembourg. Die HSH Nordbank hatte elf Töchter auf den Cayman Islands, die Staatsbank KfW, offiziell ein Mittelstandsfinanzierer, saß In der 1105 North Market Street, Suite 1300, in Wilmington, Delaware.

Politiker wie Peer Steinbrück, Wolfgang Schäuble oder der zuletzt in eine Parkposition für das erste Kabinett Gabriel gerückte Jörg Asmussen wussten nichts. Nichts von steuersparender Auslandsexpansion, nichts von umfassenden Anlagegeschäften in Billigsteuerländern. Der Staat spekulierte über seine Banken über Jahre hinweg gegen sich selbst, beaufsichtigt vom selben Personal, das jetzt nach Sonderermittlern und schärferen Gesetzen ruft.

Jean-Claude Juncker hat als Luxemburgischer Regierungschef getan, was seinem Land am meisten diente: Wenig Steuern von denen zu nehmen, die sonst viel Steuern woanders gezahlt hätten, war für Luxemburg ein gutes Geschäft. Für den ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück war es dagegen ein gutes Geschäft, die landeseigene West LB mit mehr als 30 Gesellschaften in Delaware, auf den Britischen Kanalinseln, in Luxemburg und auf den Niederländischen Antillen agieren zu lassen. Das Bundesland Sachsen-Anhalt ging mangels einer eigenen Landesbank noch weiter: Über eine aus Steuerspargründen in den Niederlanden eingerichtete Stiftung namens Stichting sammelte SPD-Finanzminister Jens Bullerjan mit Unterstützung eines Scharia-Gerichtes 100 Millionen Euro ein.

Sonntag, 16. November 2014

Hooligans enttäuschen Hoffnungen

Trauer, Wut, vor allem aber große Enttäuschung herrscht am Tag nach den geplanten großen Hooligan-Krawallen von Hannover. Es habe "kaum Zwischenfälle" bei der Demo der rechtslastigen Schägertrupps gegeben, klagt die "Frankfurter Rundschau", die Hogesa-Fanatiker hätten den "Rückzug früher an als geplant" angetreten, kritisiert der "Spiegel", die HAZ zählt betreten "nur vereinzelte Scharmützel in der City" und auch die Süddeutsche Zeitung sieht sich um eine Gelegenheit betrogen, noch einmal Einschränkungen der Grundrechte fordern und mehr über rechte Glatzen als über islamistische Bombenleger berichten zu können.

Die Bilanz der Stunden von Hannover ist ernüchternd. Kaum Schlägereien, kaum Tränengas, keine Wasserwerfer im Einsatz. Selbst ein Angriff auf einen Polizei-Bulli, zuletzt in Köln noch Anlass, die Machtübernahme durch die Hogesa crossmedial durchzuspielen, ist diesmal nur dem "Focus" einen Erwähnung wert. Ursache dafür wahrscheinlich: Als klar wurde, dass die Hooligans sich weigern, die Polizei anzugreifen, mussten das die Protestler gegen den Protest gegen die Salafisten übernehmen.

An denen blieb überhaupt viel hängen in den Stunden von Hannover. Im Beisein von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth griffen Gegendemonstranten nicht nur die Hooligan-Demo, sondern auch die Polizei an. Mit durch die Fenster geworfenen Stühlen wurde eine Bierstube antifaschistisch entglast, es wurden Böller und Flaschen geworfen und Feuerwerksraketen abgebrannt. Gegen die Gegendemonstranten musste die mit 5000 Beamten vertretene Polizei Tränengas einsetzen.

Keine Spur von Gewalt also in Hannover, alles friedlich bis auf ein paar "Rangeleien" (dpa).

Kleinanlegerschutzgesetz: Regierung muss Telekom-Rest behalten

Der Fall Deutsche Telekom hat gezeigt: Zu oft kaufen Anleger Finanzpapiere, deren Risiken sie nicht kennen. Die Regierung will jetzt ein Gesetz verabschieden, um Verbraucher besser zu schützen.

Gerade Kleinanleger, angelockt von regierungsamtlichen Versprechen, stecken ihr Geld immer wieder in Finanzpapiere, die sie für eine sichere Anlage halten – und sind geschockt, wenn ihr Erspartes plötzlich weg ist. Sie lassen sich täuschen von netten Werbefilmen mit Manfred Krug und erkennen viel zu spät, auf was für eine riskante Wette sie sich da eigentlich eingelassen haben.

Das soll in Zukunft anders werden. Die Bundesregierung, die vor 14 Jahren selbst dafür sorgte, dass Kleinanleger Anteile an der Staatsfirma Telekom für bis zu 100 Euro pro Stück kauften, will Anleger besser schützen – und stellt deshalb mit dem Kleinanlegerschutzgesetz neue Regeln auf, an die sich Anbieter solcher Finanzprodukte künftig halten müssen.

Im Fokus der Regulierung steht allerdings nicht die Bundesregierung selbst, die lieber nicht mehr davon redet, wie sie Millionen Bürgern Anteile an ihrem Telekommunikationskonzern für ein Vielfaches von dessen innerem Wert andrehte. Stattdessen verlegt sich das Kabinett auf Anbieter von Finanzprodukten, die eher in einer kleinen Nische des Anlagemarktes eine Rolle spielen: Genussscheine, paritätische Darlehen oder Nachrangdarlehen sollen in Zukunft nur noch unter Beigabe von Beipackzetteln abgegeben werden dürfen.

Mit dem neuen Gesetz kommt die Regierung einem Versprechen nach, das sie im Mai 2014 – 14 Jahre nach dem Verkauf der bislang letzten Tranche an Telekomanteilen - gegeben hatte. Damals hatten Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unter dem Druck der Pleite des Ökostromerzeugers Prokon, der wegen der staatlichen Pläne zum Zurückfahren der Subventionen für die Windenergie in die Insolvenz gerutscht war, zur Ablenkung von der eigenen Verantwortung einen Aktionsplan zum Verbraucherschutz auf dem Finanzmarkt angekündigt – mit dem Ziel, so zu tun, als habe die Pleite ihre Ursachen in Lücken in der Gesetzgebung

Nach Angaben aus Regierungskreisen sollen Firmen künftig für alle Finanzprodukte ein Prospekt herausgeben müssen wie es Prokon hatte für seine Genussscheine getan hatte. Zusätzlich tritt aber nun eine Lesepflicht in Kraft: Anleger müssen die Papiere komplett durchgelesen und ihren Inhalt vollständig verstehen.

Die Finanzaufsicht Bafin greift künftig ein, wenn das nicht der Fall ist. Dann wird Anlegern, die im Begriff sind, auf ein dubioses Angebot wie die sogenannte 3. Tranche der Telekomaktien hereinzufallen, untersagt, das Finanzpapier zu erwerben. Ausnahmen gibt es für Käufe am Dienstag, Bargeschäfte oder Geschenke. In ihrem Gesetzentwurf hat die Regierung außerdem Vorsorge getroffen, dass die EZB nicht für neu herausgegebene Geldscheine mit geringerer Kaufkraft haften muss.

Samstag, 15. November 2014

EU: Auf richtigstem Kurs

Die Generallinie der Partei ist immer noch richtig.
Die Skeptiker und Leugner, sie sind überall. Machen Europa madig, sprechen der Friedensnobelpreisgemeinschaft ihre Erfolge ab, zweifeln daran, dass 60 Prozent jugendliche Arbeitslose in Spanien und vierhundert Jahre Staatsverschuldung vor dem Bug in Griechenland tolle Beweise für einen Weg sind, der richtiger nicht sein könnte. Gehässige Stimmen sind das, die nicht sehen wollen, dass es etwas in den Jahren zwischen 1939 und 1945 viel schlimmer stand um Europa, so dass, mit der richtigen Ausgangsbasis betrachtet, selbst ein kleiner Krieg zwischen Polen und Tschechien, der Ausschluss Ungarns, der Austritt Großbritanniens, der Abfall Kataloniens und zwei, drei Staatspleiten am Mittelmeer immer noch als echter Wohlstandsbauch gewogen werden könnten.

Wenigstens die Süddeutsche Zeitung, seit Jahren eines der getreuesten Unterstützungsorgane des multinationalen Gemeinwesens, stellt sich dem Wahnsinn der Leugner und Abstreiter entschlossen in den Weg. „Europas Weg ist richtig“ schreibt das Blatt aus München gegen die kleinlichen Beckmesser an, die über Sparerenteignung und Bevormundung, über Gleichmacherei und Entpolitisierung, über Vertrauensverlust und wachsende Staatsverdrossenheit barmen.

Niedrige Inflation und das geringe Wachstum, wie sie Europa seit nunmehr sieben Jahren zu beklagen hat, seien einfach „Begleiterscheinungen eines notwendigen Gesundungsprozesses“. Etwa so ähnlich wie bei Hartz-4-Reformen, die die Süddeutsche viele, viele Jahre begeistert bejammert hat: Heute ist klar: Hätte die rot-grüne Koalition die Reform des Arbeitsmarkts unterlassen, stünde Deutschland heute nicht an der Spitze, sondern am Ende der europäischen Wirtschaftsliga.

Geduld braucht der wahre Europäer, Geduld immer noch, obwohl doch die große Krise nun schon ein Jahr länger dauert als der gesamte Zweite Weltkrieg. Kommen erst die „Strukturreformen“ (SZ), wird auch „Grusel-Griechenland“ (SZ) zum blühenden Industriestaat, der mit einem beherzten Hopser auf das Wohlstandslevel zurückhüpft, das er im Zuge der per Kredit erkauften Euro-Einführungseuphorie schon einmal genießen durfte.

Insgesamt gesehen sind Einzelheiten aber verzichtbar. Die Lehre von Marx war allmächtig, weil sie wahr war, die Generallinie der SED war und ist richtig, weil sie richtig war und Europas Weg ist richtig, weil er alternativlos ist.

Der Steuersünder ist der wahre Terrorist

Richtig getroffen fühlt sich Vater Staat nicht bei angedrohten Terrorakten, Sprengstoffanschlägen oder Plänen für vielfachen Mord. Nein, wenns ums Geld geht, dann wird er fuchtig, dann zeigt die Justiz Zähne und die Täter marschieren ab. Thomas Middelhof und Uli Hoeneß können ein Lied davon singen, denn ihre Taten bestrafte Vater Staat drakonisch: Drei und dreieinhalb Jahre Haft für Steuerhinterziehung.

Vergleichsweise glimpflich dagegen kommt weg, wer ernsthaft daran arbeitet, ein Blutbad im Reichstag anzurichten, möglichst viele seiner Mitbürger in die Luft zu sprengen oder eine „willkürliche Ermordung von Zivilisten“ vorzubereiten. Neun Jahre Gefängnis gab es jetzt für den Anführer einer islamistischen Terrorbande, sieben Jahre und fünfeinhalb Jahre für zwei Mittäter, viereinhalb Jahre schließlich für den vierten Mann, der nach Annahme des Gerichts kein richtiges Mitglied der terroristischen Vereinigung war, sondern nach Auffassung des Gerichtes ein "Unterstützer".

Der wollte nur Mörder spielen, wie sie eigentlich alle. Nur der Chef der Truppe wurde nicht nur wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, sondern auch wegen „Vorbereitung einer staatsgefährdeten Straftat“ verurteilt. Keiner der gescheiterten Gotteskrieger wurde wegen versuchten Mordes belangt.

Ging irgendwie nicht, meint das Gericht, weil die trottlige Dschihadisten-Truppe zu blöd war, ihre Mordabsicht in ordentliche Vorbereitungen umzusetzen. Zwei der Männer kommen deshalb auch gleich nach dem Urteil auf freien Fuß, weil sie zwei Drittel ihrer Strafe in Untersuchungshaft abgesessen haben.

Terror lohnt sich also, hafttechnisch, zumindest mehr als Steuerhinterziehung. Der wahre Terrorist und Staatsfeind, so die Botschaft, ist der Steuerhinterzieher, der Manager, der Betrüger, nicht der Dschihadist, der sich danach sehnt, den ganzen verfluchten gottlosen Westen wegzusprengen. Zwar sprechen deutsche Leitmedien einhellig von „hohen Strafen“ gegen die Möchtegern-Mörder. Allerdings wird vermutlich auch der dritte Attentäter noch vor dem Steuersünder Middelhoff wieder auf freiem Fuß sein.

Zettel zu moderner Justiz

Freitag, 14. November 2014

Hilflose Weltmacht: Mit Atombomben zum G20-Gipfel


Welchen Zweck hat es, dass die USA vor dem G20-Gipfel Pläne öffentlich macht, ihre Atomwaffen zu erneuern? Nach Ansicht von Experten wie Christoph Herwartz, der das Geschehen beim Danachrichtensender n-tv beobachtet, steht dahinter das gleiche Prinzip wie hinter dem Ukraine-Krieg.

Eigentlich soll es nur am Rande des G20-Gipfels um die Krise in der Ukraine und damit um die Außenpolitik der USA gehen. Auf dem Plan stehen Ebola, der Islamische Staat, Finanzmärkte, Steueroasen, Wirtschaftswachstum und das Klima. Doch kurz vor dem Eintreffen des US-Präsidenten Barack Obama in Brisbane prescht US-Verteidigungsminister Chuck Hagel mit Plänen vor, in den kommenden fünf Jahren mit einem milliardenschweren Programm eine Modernisierung des Atomwaffenarsenals voranzutreiben.

Die Aktion ist eine von vielen militärischen Machtdemonstrationen, mit denen sich die USA angesichts weltweiter Krisen im Gespräch halten möchte: Vor wenigen Wochen erst hatten die Vereinigten Staaten sich entschlossen, auf eine Genehmigung der Uno für Luftschläge gegen Syrien zu verzichten. Russland und China sind bereits seit längerem besorgt über die Häufung von US-Flügen über die Grenzen des Nato-Gebietes hinaus. Zuletzt überflogen zwei Bomber den Atlantik westlich von Portugal und Großbritannien – entfernten sich also tausende Kilometer von USA-Gebiet. Zudem hatte ein chinesischer Abfangjäger einen US-Seeaufklärer vom Typ Poseidon P8 11565 Kilometer westlich der nächstgelegenen amerikanischen Stadt San Francisco abdrängen müssen.

Welchen Zweck haben die Manöver? "Die Ukraine-Krise reicht mittlerweile bis Australien", sagt Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Soll heißen: Wo auch immer die USA ihre militärische Schlagkraft demonstrieren oder einen ihrer rund 750 Auslandsstützpunkte unterhalten, es steht im Zusammenhang mit der Außenpolitik, die das Land verfolgt.

Die USA haben seit dem Ende des Kalten Kriegs dramatisch an Einfluss in der Welt verloren. Die asymmetrischen Kriege überall auf der Welt überfordern die einstige Weltmacht, seit dem Einmarsch in Afghanistan haben es die USA nicht mehr geschafft, irgendeine Region auf Erden mit militärischen Mitteln zu befrieden. "Zu den klassischen US-Machtinstrumenten gehörten neben Öl und Gas das Militär und die Nuklearwaffen", sagt Paul. Doch die Preise für Öl und Gas sind zuletzt gesunken, und der Besitz von Atomwaffen reicht nicht mehr aus, um den Status einer Weltmacht zu erhalten. "Es bleibt der militärische Faktor, um zu demonstrieren, dass man relevant ist", so Paul.

MfS-Enthüllungswolke: Das sind die Namen der Täter

Frank, Andreas, Wolfgang und Peter - 25 Jahre nach dem faktischen Ende der DDR ist es in einem aufwändigen Experiment gelungen, die Hauptschuldigen an den Untaten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR namhaft zu machen. Zuvor hatte die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley über Jahre hinweg geklagt, dass das MfS immer ihren und die Namen anderer Oppositioneller gewusst habe - nunmehr weiß die Öffentlichkeit erstmals auch von Frank, Andreas, Wolfgang und Peter und den anderen, die im Dienst des Mielke-Ministeriums standen.

Um die Hauptschuldigen auszumachen, wurden die 91.000 Namen der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS, die 1990 von Bürgerrechtlern auf mehreren Disketten der Stasi-Lohnbuchhaltung gefunden worden waren, aufwendig neu digitalisiert. Die ehemals von Whistleblowern des Portals Nierenspende veröffentlichte Datei war bereits vor Jahren auf Wunsch Betroffener verboten worden.

Die vollständige Liste der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade des Ministeriums für Staatssicherheit konnte sodann mit Unterstützung des US-amerikanischen Computer-Entrepeneurs Jonathan Feinberg eine von dessen Word-Clouds übertragen werden.

Hier nun, in dieser modernistischen Wolke aus puren Daten, zeigt sich das ganze, erschütternde Bild: Jürgen, Torsten, Werner, Manfred und Horst, aber auch Michael, Dieter und Bernd agierten faktisch im rechtsfreien Raum, sie waren es, die zu DDR-Zeiten den größten Anteil daran hatten, dass Menschen unterdrückt, ihrer Freiheit beraubt und bespitzelt wurden. Frauennamen finden sich, obgleich die DDR die Gleichberechtigung erfunden zu haben behauptete, kaum in der Enthüllungeswolke. Eine Marion ist da, ein Karin, eine Sabine, so klein, dass an ihrer Nebenrolle bei der Unterjochung von 17 Millionen Ostdeutschen kein Zweifel bestehen kann.

Wolfgang, Andreas, Frank und Peter dagegen, Namen aus der Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg Geborenen, dominieren das Bild mit ihrer Größe, die ihrem Anteil an den Gesamtverbrechen des MfS entspricht. Bis heute, das verwundert kaum, hat sich keiner der Namenträger bei den Opfern der Diktatur entschuldigt.

Donnerstag, 13. November 2014

Wowereit: Neues Leben für Altbürgermeister

Lange hatte er seine Freunde im Unklaren darüber gelassen, was er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt tun wird. Selbst als die Öffentlichkeit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit schon anmerkte, dass er nicht mehr bei der Sache war - so nannte Wowereit den DDR-Sängerdissidenten Wolf Biermann bei einer Präsentation zum Mauerfall-Jubiläum "Wolfgang Biermann" - schwieg sich der Amtsnachfolger so vieler großer Sozialdemokraten über seine Zukunftspläne aus.

Jetzt erst hat der 61-Jährige allem Rätselraten ein Ende gesetzt, wenn auch unfreiwillig. Nachdem Berliner Schüler bei einer Exkursion ins Brandenburgische Schilder mit Hinweisen auf eine neue Restauration mit dem unzweideutigen Namen "Wo-Wees Café" entdeckt hatten, reagierte das Rathaus. Ja, es stimme, hieß es nun, Wowereit plane ein neues Leben als Gastronom und Café-Betreiber. Mit dem kleinen, aber feinen Wo-Wees-Café ziele der derzeit noch Regierende auf die wachsende Zielgruppe der jungen und alten Genießer, die einen guten Kaffee zu schätzen wissen, aber auch hausgemachte Torte und Kuchenkreationen nach Omas Rezepten nicht verachten.

KLaus Wowereit habe den Neustart bereits seit einigen Jahren geplant, weil er es habe vermeiden wollen, wie andere Ex-Politiker einen Posten als Lobbyist oder Russlandversteher annehmen zu müssen. Das Wo-Wee-Café offeriere neben leichter Nachmittagskost mit Schmandkuchen und Kirschtorte auch Burritos - für die bisher als ausschließlich bratwursthörig geltende No-Go-Area Brandenburg ein gastronomischer Schritt nach vorn, der aus Wowereits Umgebung als "Mondlandung" beschrieben wird.

Russen-Kolonnen überrollen Ukraine

Diesmal sind die Panzer des Teufels Putin nicht einmal mehr unsichtbar. Die Nato hat bestätigt, dass ein russischer Militärkonvoi in die Ukraine gelangt sei. Nato-General Philip Breedlove versicherte, dass die Nato in der Ostukraine dasselbe sehe wie die OSZE. Die hatte von einer „Kolonne von 32 Panzern, 30 Lastwagen voller Kämpfer, 16 Haubitzen sowie weiterem Militärgerät“ berichtet, die aus Russland in die Ostukraine eingedrungen sei. Zudem sei eine Kolonne aus Militärlastwagen ohne Kennzeichnung gesehen worden, „die mit fünf schweren Artilleriegeschützen und fünf Raketenwerfern in Richtung der Rebellenhochburg Donezk fuhr“.

Breedlove wurde nun noch konkreter: Er habe „Kolonnen russischer Ausrüstung gesehen, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen, die in die Ukraine gebracht werden." Das wisse er genau, nur die genaue Anzahl der Einheiten sei unklar. Einigkeit mit der OSZE bestünde jedoch darüber, dass es "zahlreiche Kolonnen" seien.

Für die Kiewer Regierung ein klares Zeichen, dass „eine großangelegte Militärinvasion Russlands“ bevorsteht, wie der Uno-Botschafter Jurij Sergejew warnte. "Ich glaube, dass die Uno so schnell wie möglich darüber informiert werden muss, dass Russland eine umfassende Invasion in der Ukraine plant", schrieb er bei Twitter. 32 Panzer, etwa 900 Männer, 21 Geschütze und fünf Raketenwerfer seien "Fakten", die "keinen Zweifel" ließen. Hinzuzählen müsse man zudem noch die zahlreichen unsichtbaren Panzer und Geschütze, die Moskau zweifellos bereits in Marsch gesetzt habe, um bei erstbester Gelegenheit zuschlagen zu können.

Dabei schrecken die skrupellosen Separatisten offenbar nicht davor zurück, ihre eigene Hochburg Donezk trotz des Waffenstillstands unter Beschuss zu nehmen. Ein Reuters-Korrespondent im Stadtzentrum hörte am Mittwoch laute Explosionen nach einem schweren Artilleriebeschuss. Der „Focus“ konnte gerade noch feststellen, dass „zunächst unklar blieb, wer geschossen hat“. Da die Kiewer Regierung aber kompromisslos zum Minsker Waffenstillstandsabkommen steht, können es nur Separatisten gewesen sein, die mehrere Wohnhäuser im Stadtgebiet unter Beschuss nahmen, um spätere Angriffe gegen die reguläre ukrainische Armee begründen zu können.

Der Westen wird mit angemessener Härte reagieren und die Sanktionen gegen Russland noch einmal verschärfen. Bereits die bisherige Bilanz der Strafmaßnahmen gegen Putin zeige, dass der Weg der EU ein richtiger sei, sagte Federica Mogherini, die Außenministerin der Gemeinschaft. Der Erfolg zeige sich vor allem darin, dass "die Strafmassnahmen nötig sind, weil sie unsere einzigen Druckmittel sind, wenn wir eine militärische Lösung ausschliessen", erklärte sie.

Mittwoch, 12. November 2014

Skin-Tone-Modifier: Smileys werden multikulturell

Einseitig, von einem Gelb, das an Leberkranke gemahnt, unzureichend diversifiziert, um die gesamte Vielfalt der menschlichen Rasse* darzustellen - über Jahrzehnte hinweg wollte die Kritik am Emoji-Zeichensatz, den der Computerhersteller Apple seinen Kunden anbietet, nicht verstummen. Lange zeigte sich der Konzern harthörig, doch den Initiatoren einer Petition ist es jetzt gelungen, das wertvollste Unternehmen der Welt zu zwingen, seine einseitig auf gelbhäutige Menschen mit runden Augen und Glatze ausgerichtete Smiley-Politik den wirklichen Gegebenheiten auf der Erde anzupassen.

Ein neues Smiley-Paket, entworfen vom Unicode-Konsortium, das die Bildzeichen standardisiert, enthält in einem ersten Schritt 151 Emojis, die Menschen abbilden, dabei können alle Zeichen mit einem innovativen Skin Tone Modifier entsprechend der Notwendigkeit einer rassisch einwandfreien Zeichenpolitik in sechs verschiedenen Hauttönen gefärbt werden. Der Nutzer muss dazu auf seinem Touchscreen-Geräte nur etwas länger drücken, daraufhin öffnet sich der Modus "Hautfarbe wählen".

Aktuell handelt es sich allerdings erst um Phase 1 der Neuordnung der Standardisierung zur Durchsetzung rassisch akkurater Smileys. Nach Protesten von FeministInnen, Angehörigen von religiösen Minderheiten und sexuellen Gendergruppen steht eine Erweiterung des Zeichensatzes auf derzeit noch nicht berücksichtige Menschen an. Eigene Smileys werden dann auch Dicke, Dünne, Langhaarige, Transsexuelle, Mehrfachsexuelle, Burka- und HutträgerInnen, Bartbesitzer und Träger von Piercings erhalten. Ziel ist es laut Unicode-Konsortium, die per Emoji dargestellten Menschen "so neutral wie möglich" zu präsentieren, was "Rasse, Volkszugehörigkeit, Religion und Geschlecht" anbetrifft.

(*Zitat Grundgesetz)

Medien: Fortgesetzter Kindesmissbrauch

Diesmal großer Auftritt in der FAZ. Das kleine Mädchen, das so traurig auf eine Landschaft aus Hartz-4-Beton schaut, sitzt wie immer von der Kamera abgewandt auf ihrem kalten, verrosteten Eisengeländer. Die rote Jacke müsste freundlich aussehen, sie verstärkt aber nur den Eindruck der grässlichen Tristesse. Das Basecap auf dem Kopf desgleichen. Hier ist nichts zu retten, wie immer.

Seit Jahren schon muss das kleine Mädchen immer ran, wenn es um Armut, Kinder, Kinderarmut oder Hartz-4 oder Bildungsdefizite geht. Mit Phillip Rößler hat sie Änderungen am Armutsbericht verteidigt. Im Nordbayrischen Kurier war sie fast jeder Sechste, der arm ist. Im "Stern" hat sie als "geschundene Seele der Arbeitslosen" gesessen und auf die verheerenden Zahlen im jüngsten Armutsbericht aufmerksam gemacht - 2012. Im selben Jahr auch ein Einsatz bei Bild: "Unicef sieht relativ hohe Kinderarmut in Deutschland" - Bild.de griff zum dpa-Foto der kleinen Dunkelblonden, die damals noch eine achtlos beiseitegelegte Puppe zu Füßen liegen hatte.

Die Puppe verschwand später, sie war schon nicht mehr da, als die Taz das Mädchen verpflichtete, um eine neue Wasserbiszumkinnstandsmeldung zur Kinderarmut zu illustrieren. Im Handelsblatt ("Datenreport 2013: Arm trotz Arbeit") ist die Puppenschädeldecke noch zu erahnen, aber auch bei RTL fehlt sie, ebenso bei Neworldnews und auch in der "Kronenzeitung", in der das Mädchen seinen ersten Auslandseinsatz absolvierte, um die österreichische Armut anzuprangern.

Irgendwann um diese Zeit rutschte auch die Herkunft des Bildes ins Ungewisse: Eben noch war es von Patrick Pleul gemacht und von der halbstaatlichen deutschen Agentur dpa verbreitet worden. Und schon änderte sich alles: Die französische Agentur AFP hielt nun die Rechte am erfolgreichsten Armutsmodel Deutschlands. Das Foto selbst war auch wieder taufrisch, es stammte nun aus dem Jahr 2014. Dafür war allerdings nach der Puppe nun auch die Mütze der Schere zum Opfer gefallen.

Umso trauriger schaut das Mädchen nun aus der FAZ - jedenfalls bis die Redaktion am Abend zur Schere griff, und das Mädchen gegen ein Bild von einer von hinten fotografierten Roma-Mutter mit ihren beiden Töchtern austauschte. Das zuletzt ein "Spiegel"-Stück zur Fremdenfeindlichkeit der Deutschen illustrieren durfte.

Enthüllt: Das arme, arme Mädchen von vorn hier und hier (mit Mülltonne)

Billiger Nachmachversuch hier

Dienstag, 11. November 2014

Hitler: Dino-Ritt unter eisernem Himmel

Es war Hitler erster Hit seit dem Einmarsch in Polen einige Jahre zuvor, ein Kino-Knaller mit Ansage, der jetzt seine Fortsetzung findet. In einem ersten Trailer gestatten die Macher der Mond-Nazi-Saga "Iron Sky" einen Einblick in den geplanten nächsten Film um die wilde Fantasie samt Reichsflugscheibe, Neuschwabenlandexil und Ausflügen in die Hohle Erde.

Harte Hass-Kost, die satte Profite verspricht. Der erste Teil, zu einem großen Teil von freiwilligen Spendern finanziert, spielte mehr ein, als er kostete, auch den zweiten will Regisseur Jarmo Puskala nun wieder teilweise über Kleineinlagen finanzieren. Eine halbe Million soll bei Indiegogo gesammelt werden, für 50 Dollar gibt es nach Fertigstellung eine DVD mit dem "Dictators Cut" des Meisterwerks, für 100 ein T-Shirt mit dem T-Rex, der in "The Coming Race" Hitlers Reittier sein wird.

Zwar gilt Hitler seit den Karikaturbeschlüssen der Staatsanwaltschaft in Halle deutschlandweit als verbotenes Nazi-Symbol, als Re-Import aus Finnland aber ist der
erfolgreichste deutsche Film- und Fernsehschaffende nach den Regeln des europäischen Freihandelsabkommens zoll- und straffrei. Die nach vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" verbreiteten kruden Gen-Thesen gedrehte Space-Opera "The Coming Race" soll allerdings erst im Jahr 2016 in die Kinos kommen. Bis dahin hätte der Gesetzgeber noch Zeit, die erneute herabwürdigende Darstellung des früheren Reichskanzlers als Reptilienmensch per Gesetz zu unterbinden.

Thüringen: Wer hört auf die irren Wahlsieger?

International ist die Pseudo-Abstimmung über eine neue Landesregierung in Thüringen nicht anerkannt, doch die drei künftigen Regierungsparteien in dem abgelegenen Bundesland auf dem Gebiet der ehemaligen DDR halten davon unbeirrt am Ergebnis fest, das mit einer Mehrheit von 40 Stimmen zustandekam.

Wie geht es jetzt weiter? Was bedeutet die Abstimmung, erst recht nach der Abrechnung des Liedermachers Biermann im Bundestag? Die "Bild"-Zeitung hat die fünf wichtigsten Fragen dazu beantwortet:


Wer hört auf die irren Wahlsieger?

Keiner außerhalb Thüringen. Der Bundespräsident etwa kritisiert die Wahl. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, selbst Ostdeutsche, ist nicht glücklich über das Votum der thüringischen SPD-Mitglieder für eine rot-rot-grüne Koalition.

Grund: Nach einhelliger Auffassung von CDU und CSU ist die Wahl ein Verstoß gegen die bundesweite Abmachung, die ehemalige SED nicht hoffähig zu machen. Diese Vereinbarung hatte bislang bei allen Wahlen in Deutschland Bestand.

Lässt sich die legitime Bundesregierung in Berlin die Wahl gefallen?

Ihr bleibt derzeit nichts anderes übrig als lautstarker Protest.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, dies sei eine schlechte Nachricht für Thüringen. Die SPD gerate durch die Unterstützung der Linkspartei in eine staatspolitisch bedrückende Lage.

Was bedeutet die Wahl für Thüringen?

Das Problem ist: Berlin hat derzeit keine Kontrolle über die Gebiete im Süden der ehemaligen DDR, konnte also auch die SPD-interne Schummel-Wahl, bei der keine Mindestbeteiligung vorgesehen war, nicht verhindern.

Der SPD-Vorsitzende Gabriel äußerte sich zurückhaltend. Es habe eine demokratische Entscheidung gegeben, aber er freue sich nicht gerade darüber. Derzeit ist die Bundesregierung nicht in der Lage, den Kräften um die Sympathisanten von Rot-Rot-Grün, zu denen auch Putinversteher und Moskaufreunde gehören, die faktische Macht zu entwinden oder das Handwerk zu legen.

Wie reagiert der Westen auf die Wahl?

Die Europäische Union, die Vereinten Nationen und die USA schweigen bisher, halten die SPD-interne Abstimmung aber womöglich für illegal. In den alten Bundesländern wächst das Misstrauen, ob es wirklich richtig war, den jahrelang von Kommunisten unterjochten Osten zurückzunehmen.

"Der erste Fehler ist gemacht. Die SPD hat sich zu wenig um eine Koalition mit CDU und Grünen bemüht", sagte Stephan Hilsberg, Mitgründer und erster Sprecher der Ost-SPD. "Ich weiß nicht, wie die SPD aus dieser Malaise wieder herauskommen will. Die Linke kann so über Jahrzehnte hinweg stärkste Partei im linken Lager bleiben – während wir nur noch zweite oder dritte Kraft sein werden."

Wird der neue Ministerpräsident Bodo Ramelow jetzt nach anderen Bundesländern im ehemaligen Ostdeutschland greifen und die DDR wiedererrichten?

Diese Ängste flackern immer wieder auf. Schon im vergangenen Jahr hatte SPD-Chef Gabriel eine Koalition mit der Linken als einzige Möglichkeit gesehen, selbst Kanzler zu werden.

Experten rechnen derzeit allerdings nicht damit, dass die SPD tatsächlich versucht, das Thüringer Modell bereits jetzt auf Berlin zu übertragen. Eine Mehrheit der Deutschen scheint dazu noch nicht bereit.

Was bedeutet die Wahl für die Zukunft Thüringens?

Das Land ist von einer Beilegung der Krise und dem Ende der internen Zerrissenheit weiter denn je entfernt. Die Gesellschaft ist nahezu halb und halb gespalten. Ramelows Aufgabe muss die Versöhnung sein - von links und rechts, Vergangenheit und Gegenwart.

Das könnte also noch ein weiter Weg sein?

Ja, CDU-Politiker sind überzeugt, dass es auch künftig „weitere Nadelstiche“ gegen die bisher gebräuchlichen und von allen Mitgliedern der Gesellschaft akzeptierten Koalitionsmodelle geben wird. Für die Opfer der SED-Diktatur in Thüringen und anderswo dürfte die Wahl eines Linken-Politikers, der aus dem Westen stammt, unzumutbar sein, doch zumindest für Bayern ist sie kein Problem. Die EU müsse die Thüringer Bevölkerung nun dabei unterstützen, heißt es dort, „einen europäischen, demokratischen, rechtsstaatlichen Weg zu gehen“.

Montag, 10. November 2014

Harsche Kritik an krimineller Farce

Die Einwohner der von Spanien beherrschten Region Katalonien würden ihr Heimatland gern vom Mutterland Spanien abspalten - das ist das Ergebnis einer "Volksbefragung", die von Befürworter der Sezession am Sonntag inszeniert worden war. Angeblich hatten sich 80,1 Prozent der Teilnehmer für die Abspaltung ausgesprochen. Diese Zahl gab zumindest die als parteiisch geltende katalanische Regionalregierung in Barcelona bekannt. Weitere 10,1 Prozent befürworteten die Bildung eines katalanischen Staates, der aber weiterhin zu Spanien gehören sollte. Lediglich 4,6 Prozent sprachen sich für einen Verbleib in Spanien aus, obwohl die EU bereits im Fall der schottischen Abstimmung klargemacht hatte, dass abtrünnige Provinzen mit dem Austritt aus EU-Staaten auch die Mitgliedschaft in der europäischen Friedens- und Wohlstandsgemeinschaft verlieren.

Im Vorfeld hatte die spanische Regierung vergeblich versucht, das Referendum zu verbieten. Dennoch gaben 2,25 Millionen der insgesamt 5,4 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Während Regionalpräsident Artur Mas von einem "vollen Erfolg" sprach und am Ziel festhielt, ein rechtskräftigen Referendum durchzuführen, das die Grundlagen für eine Abspaltung schaffe, hat die EU-Außenbeauftragte das Referendum als „kriminelle Farce“ kritisiert. Auch die USA und andere westliche Länder sehen in der Abstimmung eine Verletzung internationalen Rechts und wollen deren Ergebnisse nicht anerkennen.

Der proeuropäische Präsident Mariano Rajoy hatte die „illegale” Abstimmung bereits vorab für ungültig erklärt. „Diese Pseudowahlen in einigen Kreisen gefährden den Friedensprozess”, teilte Rajoy in Madrid mit. Die Abstimmung sei "wertlos". Solange er Regierungschef sei, seien die Eroberungen des Bourbonenkönigs Philipp von Anjou unantastbar. Einen weiteren Abfall wie den Portugals im Jahr 1580 werde es nicht geben, bekräftigte er. "Niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen."

Mauerfall: Mehr Erinnerung war nie

Der Tag danach ist das genaue Gegenteil des Tages danach, wie er damals war. Fing die Geschichte des Mauerfalls vor 25 Jahren für die meisten Deutschen erst mit den Frühstücksnachrichten des 10. November an, bringt derselbe Tag ein Vierteljahrhundert danach den Katzenjammer einer Überdosis Erinnerung. Auf allen Kanälen spreizten sich die, in allen Genres, ausgebreitet von Prominenten und Unbekannten. Deutschland ist ganz nah bei sich, wenn es zurückschauen kann, die Kanzlerin, der Präsident, der wütende Liedermacher - in Höchstform, wenn es um Vergangenes geht, über das Einigkeit zumindest darüber besteht, dass es es gut ist, dass es vergangen ist.

Die Zeitungen voller Hymnen darauf, wie prima sich das Land entwickelt, wie weltoffen seine Menschen, wie friedlich sein Wesen ist. Nicht viel anders hätte sich der 65. Republikgeburtstag angefühlt, wäre es zu dem noch gekommen. Blumen, feierlich niedergelegt im Gedenken an die Opfer. Reden, mit bedeutungsschwangerer Stimme geschwungen. Das Volk, flächendeckend beschickt mit kostenlosen Erklärblättern und Gebührenfilmen.

Dank ihrer ist das Erinnern selbst denen möglich, die die Ereignisse nicht selbst erlebt haben. Ein zellulares Gedächtnis breitet seinen Einheitsinhalt über ein ganzes Land: Der Mauerfall wird zum einem weiteren Bestandteil einer Gedenkkultur, in der das Wissen um historische Fakten, angelesen oder in Filmen abgestaubt, gleichbedeutend ist mit der Erinnerung daran, wie es wirklich war.

Eine rosenkranzhafte Ritualisierung, die über 25 Jahre zu einem Teil des Kerns deutschen Wesens geworden ist. Der Einheitsbrei wird wieder und wieder kredenzt, wieder und wieder verschlungen. Die Geschichte, ursprünglich ein kompliziertes Gewürg aus wiederstreitenden Interessen, wird allmaählich zu einem dünnen Band der Fanatsie, leicht fassbar, übersichtlich und mit einer einfachen Botschaft.

Alles muss dazu Regeln folgen, eingehegt als Stolperstein oder wiederaufgebauter Grenzwachturm. Was war, muss immer bleiben, erzählt in einem Katechismus, der keine Zweifel kennt, was die wahre Wahrheit gewesen sein muss.

Als solcher gesamtgesellschaftlicher Erinnerungshöhepunkt steht auch der Mauerfall längst unter ganz besonderem rechtlichem Schutz: Vergehen gegen Mauerluftballons sind Staatsschutzangelegenheit, Übergriffe auf eine virtuelle "Lichtmauer", die zur Silberhochzeit des Mauerfalls errichtet wurde, um Touristen anzulocken, werden strenger bestraft als seinerzeit die Beschädigung des Originalbauwerks.

Was für ein Fortschritt. Marx wusste noch, dass sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereignen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Doch er irrte: Ein drittes Mal geschieht alles als großer ZDF-Zweiteiler, ein viertes Mal als feierlicher Staatsakt und als fünftes Mal als lange Nacht im RBB.

Sonntag, 9. November 2014

Mauerfall: Wahnsinn in der Wiederholungsschleife

Das also ist er, der 9. November: Der Feiertag, an dem die deutsche Mentalität alljährlich zum Endsieg ausholt. Es werden Komödien gedreht und Dokumentationen erzählen Bekanntes rituell noch einmal. Der Bundestag tagt, ein Sänger singt, eine Diskussion wird simuliert, eine Partei entschuldigt sich. Zeitzeugen fällt ein, dass es doch alles etwas anders war. Eine Geschichte ist nur eine Geschichte, bis die Menschen sie glauben. dann ist sie Geschichte.

"Ich greife in diesen Haufen und suche diesen Zettel, den ich ja vorlesen sollte", erinnert sich Günter Schabowski, sobald das Jubiläum wieder näherrückt. Zweieinhalb Jahrzehnte nach der Maueröffnung ist der antifaschistische Schutzwall als Kette von Luftballons wieder da. Bekannte Mimen spielen tumbe Stasi-Toren, Egon Krenz und Schabowski streiten, wer wen falsch verstanden hat. Der "Schicksalstag der Deutschen", von Gnaden der Großmächte geduldet, ist jahrelang nicht gefeiert worden, weil recht unterschiedliche Ereignisse sich mit dem Datum verbinden. Novemberrevolution. Hitler-Putsch. Pogromnacht.

Aber ein Vierteljahrhundert dämpft die Scham. 1918, 1923 und 1938 sind vergessen, der Mauerfall allein hat das Recht, den 9. November in Beschlag zu nehmen.

Deutschland
ist wieder da, ein schöner Blick vom Brandenburger Tor zur Bornholmer Straße, die lange Nacht der Einigkeit, ein Wahnsinn in der Wiederholungsschleife. Je länger das Ereignis selbst her ist, desto einfacher ist seine Deutung. Inzwischen war niemand mehr dagegen, alle haben auf der richtigen Seite gestanden, bis auf Erich Mielke und Margot Honecker natürlich.

Fernsehansager füllen den Mantel der Geschichte mit Geschwätz, Familien erinnern sich, Teenager, die 1989 noch nicht geboren waren, erzählen, was ihnen darüber erzählt worden ist. Ein nationales Gebet, ein Glücksgefühl aus der Instant-Terrine. Die Welt ist nicht mehr dieselbe wie zuvor. Aber von jetzt an bleibt sie so.

Samstag, 8. November 2014

HFC: Der Anfang vom Ende einer Ära

HFC Sonnenhof 0-1 Königshofer
Zu spät: In der 87. Minute kann auch Königshofer nichts mehr retten.
Fast hatte der Glaube das Wissen besiegt nach dem letzten Heimspiel des Halleschen FC gegen Wehen Wiesbaden. Erstmals seit April gelang ein Sieg, erstmals schien es wieder so, als könnte die Mannschaft, die HFC-Trainer Sven Köhler und Manager Ralph Kühne vor der Saison zusammengestellt hatten, wirklich nicht nur die teuerste sein, die jemals für den Club aus der Saalestadt auflief, sondern auch die beste. Ein Remis danach im Auswärtsspiel bei Regensburg war weniger als erhofft, aber doch mehr als befürchtet - der Hallesche FC stand also im Spiel gegen den Aufsteiger Sonnenhof Großaspach wiedereinmal am Scheideweg: Endgültig raus aus der Abstiegszone. Oder endgültig wieder dorthin, wo der Verein seit dem Aufstieg in die 3. Liga noch jedes Jahr im späten Herbst gestanden hatte.

Die Spieler des HFC entschieden nun, es besser noch schlimmer werden zu lassen als jetzt schon gut zu sein. Erneut umformiert, weil Andy Gogia, der einzige Matchwinner, den der HFC derzeit hat, sich auch noch verletzt abgemeldet hat, taumelt die Truppe in Rot und Weiß durch eine erste Halbzeit, die an Arbeitsverweigerung grenzt. Nichts geht nach vorn, von einem Eckball in der ersten Minute und ein paar peinlichen Schussversuchen gegen Ende zu abgesehen. Großaspach ist schneller, wendiger, heller, dem HFC fehlt jede Leidenschaft, es scheint minutenlang, als seien die Gäste mit einem oder zwei Mann mehr auf dem Platz.

Die 6000 Zuschauer, die nach Monaten permanenter Heimpleiten immer noch ins frühere Kurt-Wabbel-Stadion kommen, sehen einer Mannschaft beim Auseinanderfallen zu. Ivica Banovic, nach seiner Genesung der aktuelle Hoffnungsträger des HFC, müht sich zwar im Mittelfeld. Und der nach einer zwischenzeitlichen Verbannung in die Reserve rehabilitierte Timo Furuholm deutet drei-, viermal an, was er machen könnte, bekäme er pro Halbzeit nicht drei, sondern vielleicht 13 Zuspiele. Aber im Zusammenspiel funktioniert überhaupt nichts. Selbst Schick und Schmidt, zwei Männer, die seit zwei Jahren in einer Mannschaft stehen, rennen sich eher über den Haufen als die Laufwege des anderen zu antizipieren.

In der Halbzeit reagiert Sven Köhler. Er nimmt Schick, der die letzten Minuten vor der Halbzeit als Abwehrspieler für den vorgerückten Ziebig verbracht hat, vom Platz und bringt mit Kruse den etatmäßigen Kapitän. Für das Ausmaß an Zerrüttung, das im Mannschaftsverbund herrscht, mag der Umstand ein Indiz sein, dass Banovic die Kapitänsbinde nicht an seinen Kollegen weitergibt. Noch auffälliger jedoch: Sven Köhler, an der Seitenlinie wie immer agil wie ein Grabstein, lässt es kommentarlos zu.

Großaspach steht in der zweiten Hälfte tiefer und scheint zufrieden damit, den einen Punkt zu sichern. Der HFC hat Ansätze von Chancen durch Furuholm, der erstmals von einem eigenen Fanclub unterstützt wird, und Tony Schmidt. Doch schon ein Blick auf die Statistik lässt ahnen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen HFC-Torerfolg äußerst niedrig ist. Die elf Spieler, die jetzt auf dem Platz stehen, haben in den letzten 16 Partien zusammen achtmal getroffen - aller 180 Minuten einmal. Und hier sind nun nur noch 30 Minuten zu spielen.

Der einzige im Stadion, der noch Hoffnung zu haben scheint, ist Sven Köhler. Er macht keine Anstalten zu wechseln. Selbst als Großaspach erkennen lässt, dass ein torloses Unentschieden eigentlich alles ist, was sie mit nach Würtemberg nehmen wollen, zieht er weder den spielstarken Marco Engelhardt nach vorn noch versucht er, mit dem kopfballstarken Ex-Abwehrchef Marcel Franke die bis dahin nicht vorhandene Gefahr bei Ecken und Freistößen zu erhöhen.

Aber Freistöße hat der HFC ohnehin nicht. Die Strategie heißt Brechstange, der offensivste Mann ist Linksverteidiger Daniel Ziebig. Alles spielt fortwährend aneinander vorbei, es gibt keine Leidenschaft, nicht einmal Emotion. Die Schultern hängen, die Köpfe sind gesenkt. Wie verunsichert selbst die erfahrenen Spieler sind, zeigt Sascha Pfeffer, als er in aussichtsreicher Position vor dem Tor nochmal das Standbein wechselt. Und die Schusschance damit vorüberziehen lässt.

Ein Debakel, bis in die Schlussphase hinein allerdings noch bemäntelt vom erträglichen Ergebnis. Remis gegen den Vorletzten, das ist in etwa das, was der HFC zustande bringt. Aber Köhler wechselt nun doch, bringt jedoch weder Osawe noch einen Abwehrspieler, um Engelhardt weiter vorn platzieren zu können. Stattdessen kommt Stanley Ratifo, ein Nachwuchsmann, den der HFC im Sommer rein zufällig verpflichten konnte, weil der ehemalige Hallenser nach ein paar Jahren an der Ostsee darum bat, in der 2. Mannschaft mitspielen zu dürfen. Wie viel Vertrauen muss ein Trainer, der so wechselt, in die Spieler haben, die er lange beobachtet, ausgewählt und schließlich nach aufreibenden Verhandlungen unter Vertrag nehmen konnte?

Und wie sieht es andersherum aus? Im Verlauf der Saison, die zwischen Desaster und gelegentlichem Aufatmen schwankte, hat Sven Köhler von Torwart über Abwehrchef über den Mittelfeldchef bis zur Sturmspitze sämtliche Leistungsträger mindestens einmal rasiert. Er hat neue Leute geholt, ausprobiert und sie anschließend aussortiert. Bis auf Andy Gogia, Tony Schmidt, Maximilian Jansen, Sascha Pfeffer, den erst spät gekommenen Marco Engelhardt und den erst seit drei Spieltagen genesenen Banovic war jeder der 22 Spieler schon einmal auserkoren, der entscheidende Schwachpunkt in einer Mannschaft zu sein, die viel schlechter spielt als von der Papierform her möglich.

Wieviel Vertrauen können diese Spieler noch zu ihrem Trainer haben? Wenig. Wie viele neue Spieler kann ein Verein noch holen, um diesen Mangel an Vertrauen auszugleichen?

Es müssten Stand heute genug sein, um eine ganze Elf zu füllen. Denn gegen Großaspach kommt zum spielerischen Offenbarungseid am Ende auch noch die Unfähigkeit hinzu, einen Tag zu erkennen, an dem nicht mehr möglich ist als keine Niederlage zu kassieren. In den letzten Minuten rennt der HFC blind an, auch Marco Engelhardt ist ohne Absicherung ganz vorn unterwegs. Großaspach kontern einmal, Torwart Königshofer rettet mit den Fingerspitzen. Großaspach kontert zweimal, ein HFC-Spieler klärt zu Ecke. Die kommt, mittig, zentral vors Tor. Und ein kleingewachsener Brasilianer im Sonnenhof-Dress springt am höchsten und netzt ein.

Selbst jetzt aber ist von Schadensbegrenzung keine Rede. Noch mal Brechstange, wieder ist der Ball weg. Nun laufen drei Großaspacher auf Königshofer, den besten Mann im Halle-Dress, zu. Ding. Dong. Peng. Das 0:2 in der Nachspielzeit. Pfiffe von der Tribüne, "Köhler raus"-Rufe. Der HFC steht am 17. Spieltag mit noch einmal vier Punkten weniger und einer um zwei Tore schlechteren Tordifferenz da als zum selben Zeitpunkt der fürchterlichen Vorsaison.

Vielleicht nun doch das Ende einer Ära, die 2007 begann, als es hier kurz nach Amtsantritt von Sven Köhler in einer ersten Bilanz zu dessen Tätigkeit hieß: "Hoffnung trügt. Liebe wird enttäuscht. Und die Tabellenspitze ist spätestens zu Weihnachten so weit weg wie der Himalaya".

Verbot der Woche: Nazi-Werbung abgehängt

Inzwischen naht der Tag, an dem sich jemand für etwas entschuldigt, das er noch gar nicht getan hat. Nach dem ZDF, das sich für braune Hemden in den Staub warf, die eigentlich grün waren, und der ARD, die vor einem enthemmten Mob aus Fußballfans zurückwich, die nicht etwa Islamisten köpfen wollten, sondern sich darüber empörten, dass ein Fußballkommentator nach der Nennung des Vereinsnamens RB Leipzig nicht dreimal hörbar ausgespuckt hatte, zeigt ein besonders ernster und akuter Fall aus Berlin jetzt, dass da noch mehr drin ist.

Die dortige Sparkasse hatte als Werbemaßnahme eine rote Fahne an eine Fassade gehängt, versehen mit einem mittig angebrachten Kreis und einem Sparkassen-S. Das erinnerte Leute in einem Alter, die sich an diese Zeit selbst gar nicht erinnern können, an Hitlers NSDAP und deren rote Fahnen, die seinerzeit über der Gleichschaltung der Sparkassen wehten. Okay, die waren Rot mit Weiß und Schwarz, sie trugen ein Hakenkreuz und sahen auch sonst ganz anders aus als die Sparkassenfahne.

Aber ist das nicht egal? Heißt es nicht, den Anfängen zu wehren? Und den Kampf aufzunehmen gegen jede Fahne, die mit etwas Fantasie aussehen könnte wie eine Fahne bei den Dreharbeiten zum letzten Hitlerfilm? Denn ist nicht eine heute akzeptierte Fahne, die von fern, sehr fern an eine andere, längst abgehängte Fahne erinnert, der erste Schritt zurück in die Diktatur?

Nein, dazu ist die Demokratie denn doch zu wehrhaft. Nach einem #Aufschrei in den Sozialen Netzwerken reagierte die Sparkasse sofort, entschuldigte sich und ließ die Fahne eilig abhängen.

Allzeit empörungsbereit