Es war der Tag, an dem das Klima starb. Greta Thunberg hatte es nicht beabsichtigt, sie wird es im Nachhinein vielleicht sogar bedauert haben, falls es dort, wo sie war, um weiterzukämpfen, entsprechende Nachrichten gab. Ihre deutschen Fans, Anhänger und Jünger*innen jedenfalls zeigten sich erst schweigsam, dann dünnlippig entsetzt. Hier, im einzigen Land weltweit, in den die globale Fridays for Future-Bewegung zumindest insoweit überlebt hat, dass den zwei, drei führenden Köpfen mit den bekannten Gesichtern jederzeit vor jedem Medienhaus ein roter Teppich ausgerollt wird, war sofort klar, dass es nun vorüber ist.
Dienstag, 24. Oktober 2023
Thunberg und der Terror: Der Tag, als das Klima starb
Es war der Tag, an dem das Klima starb. Greta Thunberg hatte es nicht beabsichtigt, sie wird es im Nachhinein vielleicht sogar bedauert haben, falls es dort, wo sie war, um weiterzukämpfen, entsprechende Nachrichten gab. Ihre deutschen Fans, Anhänger und Jünger*innen jedenfalls zeigten sich erst schweigsam, dann dünnlippig entsetzt. Hier, im einzigen Land weltweit, in den die globale Fridays for Future-Bewegung zumindest insoweit überlebt hat, dass den zwei, drei führenden Köpfen mit den bekannten Gesichtern jederzeit vor jedem Medienhaus ein roter Teppich ausgerollt wird, war sofort klar, dass es nun vorüber ist.
Ende der Linkspartei: Wenn Sahra das Totenglöckchen klingelt
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| Von der Lichtgestalt der Linken zum Schreckgespenst der Parteienlandschaft: Die gelernte Stalinistin Sahra Wagenknecht, mit Lippenstift auf Spiegelglas gezeichnet vom jungen Künstler Kümram. |
Böse, böse Wagenknecht. Ein ganzes Jahr hat die Altlinke ihre Partei zappeln lassen, ehe sie die Leine einzog. Nun ist es soweit, die Reste der Linken in Deutschland spalten sich ein weiteres Mal: Zu Linkspartei, SPD, Grünen und den zahllosen Kleinstgruppen von KPD bis MLPD stößt mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht eine weitere Formation mit dem Ziel, mehr soziale Gerechtigkeit durch noch mehr Umverteilung von noch weniger weit oben nach unten durchzusetzen.
Noch mehr Linksparteien
Für ein Land im politischen Ausnahmezustand, das gerade den Verlust der Menschlichkeit im Regierungslager und den Abschied von allen hochfliegenden globalen Klimaplänen im Maschinenraum des Energieausstieges zu beklagen hatte, ist das ein herber Hoffnungsschlag. Ginge es tatsächlich eines Tages nach der Zahl der Politiker, die eine bessere Zukunft für alle durch die Mehrung ihrer eigenen Zahl versprechen, warten glückliche Zeiten auf ein Volk, das eigentlich schon lange keins mehr sein will, durch die weiterhin widerstrebenden Nationalismen in den Nachbarstaaten aber faktisch gezwungen ist, sich nicht in reines Wohlgefallen auflösen zu können.
Mit Wagenknechts Initiative, einer späten Folge des vor Jahren verlorenen Machtkampfes der klassischen groben Arbeiterlinken gegen die aufgeweckte neue Generation des verbeamteten Bionadeproletariats, droht sich nun aber zumindest die bürokratisierte Linken-Verwaltung aufzulösen. Verlassen die neun Abtrünnigen die Linksfraktion im Bundestag, geht es der noch verbliebenen parlamentarischen Vertretung der umgetauften SED ans Geld: Aus der Fraktion werden zwei Gruppen. Zusammengenommen steht beiden weniger Geld zu als ihrer Einheitsorganisation heute.
Abschied der Menschewiken
Eine Aussicht, mit der die an Kummer gewohnte Parteimehrheit seit Monaten rechnen konnte. Doch als es soweit war und die Menschewiken ihren Abschied offiziell eingereicht hatten, zeigte sich die Bolschewiki baff überrascht. Martin Schirdewan, an die Spitze gerutscht, weil viele alte Genossen noch ein paar Schuldgefühle seinem Vater gegenüber spürten, machte den Menschewiken jedenfalls bittere Vorwürfe. Sie allein hätten die Verantwortung, "dass wir überhaupt in dieser Situation sind", denn anständigkeitshalber müssten die Aussteiger ihre Mandate zurückgeben.
Das tun die nicht, weil in Deutschland Abgeordnete gewählt werden und nicht Parteimitglieder - eine Praxis, die der Linken in der Vergangenheit auch schon Freude gemacht hat. Als Chef einer Partei, die vom abtrünnigen Ex-Chef der SPD mitgegründet wurde, hält Schirdewan das diesmal dennoch "für eine echte Sauerei", weil "auf dem Rücken der Beschäftigten der Bundestagsfraktion egoistische Spiele" betrieben würden. Ohne Fraktion fehlt es an Geld, mehr als 100 Fraktionsmitarbeiter weiterzubeschäftigen. Den Gepflogenheiten im Bundestag folgend, der arbeitsrechtlich als Wildwest-Gebiet gilt, in dem Arbeitgeber heuern und feuern können wie im Mittelalter, wären die Betroffenen umgehend ihren Job los.
Und wie immer fehlt das Geld
Die Gefahr war lange zu sehen. Aber niemand in der Linkspartei, in der der feste Glaube an die Planwirtschaft zur DNA gehört, hat es für nötig gehalten, für den Ernstfall Geld beiseitezulegen. Wagenknechts Menschewiken wollen die Verantwortung für das anstehende Sozialdebakel freilich auch nicht tragen. 100 Familien, die das kommende Weihnachtsfest als Jobsuchende ohne Chance auf weitere hauptamtliche Beschäftigung im Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit verbringen müssen, ohne 50- oder 60-Stunden-Woche im Dienst eines Abgeordneten, dem zu gefallen wichtigste Qualifikation ist, diese Last mag das neue Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit nicht gleich als erstes vom Startblock wegtragen.
Wagenknechts haben Schirdewans folglich angeboten, auch nach ihrem Verrat an der Seite der Ex-Genossen zu verbleiben, um gemeinsam weiterhin an den Bundestagskassen melken zu können, was immer aus den Zitzen kommen will. Und bei aller Empörung über den Dolchstoß der rechtsgläubigen Linken ist Martin Schirdewan auch nicht abgeneigt, das ekelhafte Geschenk an zunehmen: Es sei nicht auszuschließen, dass die Ausgetretenen noch bis Jahresende in der Fraktion bleiben, sollten sie ihre Mandate nicht zurückgeben. Was sie sicherlich nicht tun werden.
Auf den letzten Metern
So eint die Staatskasse die zerstrittenen Genossen auf den letzten Metern vor der Scheidung. Natürlich könnte die Linke, die sich seit Monaten schwertut, Wagenknecht die Mitgliedschaft zu entziehen, die nun ausgetretene frühere Fraktionsvorsitzende zusammen mit ihren Spießgesell*innen aus der Fraktion ausschließen. Dann aber lüde die Führung der Rest-Linken sich die Verantwortung für 100 zusätzliche Arbeitslose in schwerer Zeit auf die Schulter - kein idealer Start in die Wahlschlachten des kommenden Jahres, die für die deutsche Partei mit den meisten abgelegten Namen ohnehin zum ÜberlebensTodeskampf zu werden versprechen.
Man wird das Scheidungsjahr also gemeinsam absolvieren. "Reiner Tisch mit dem Bedränger" wird später gemacht, die Müßiggänger beiseite zu schieben undwieder die stärkste der Partein' zu sein, das kommt später, außerparlamentarisch, ein K-Grüppchen mehr oder zwei sogar. Eine Hoffnung bleibt für immer, die auf eine Welt "die unser ist". Und "wenn wir sie vertrieben haben, dann scheint die Sonn‘ ohn‘ Unterlass!"
Montag, 23. Oktober 2023
Informationsamputation: Ausschnittdienst Tagesschau
Acht Milliarden Euro pro Jahr fließen in Deutschland in die mediale Grundversorgung durch ARD und ZDF, dafür aber umfasst die in der Regel nicht nur einfach die simple Wahrheit, sondern eine sorgfältig gekämmte, beschnittene und aufgefönte Version davon. Die "Tagesschau" der ARD konkurriert dabei hart mit den Informationsangeboten des ZDF, das seit Jahren eine eigene Meisterwerkstatt für sogenannte stille Manipulation (MsM) betreibt.
Zahlen ohne Bezug
Dort sind mehrere hundert Mitarbeiter damit beschäftigt, Zahlen ohne jeden Bezug zu präsentieren, Werte einfach mit dem Zusatz "weniger als" oder "mehr als" zu versehen und in Grafiken zeichnerisch Wertungen zu setzen, die mit den jeweils abgebildeten Werten nichts zu tun haben. In den besten Augenblicken gelingt es so zuverlässig, Zuschauer mit Hilfe echter Daten in die Irre zu führen, ohne dass ihnen eine Chance bleibt, den zentralen Gehalt einer Nachricht zu entdecken, weil er weggelassen wurde.
Bei der "Tagesschau" wurden zum selben Zweck bisher "Faktenfinder" eingesetzt, die die Aufgabe haben, nach umfangreichen forensischen Untersuchungen jeweils zum Schluss zu kommen, dass selbstausgestrahlte vermeintliche Falschmeldungen gar nicht so schlimm waren wie sie es hätten sein können, wären sie von Leugnern und mazedonischen Spammern in kleinen Internetforen verbreitet worden. Ein umständliches Verfahren, das in Zeiten knapper Kassen nicht mehr zeitgemäß scheint.
Informationsamputation
Versuchsweise hat die "Tagesschau"-Redaktion nun erstmals eine neue Methode ausprobiert: Statt selbst Fake News zu produzieren oder sie zu publizieren, griff der neugegründete Ausschnittsdienst Wahrheit (ADW) zurück auf echte Angaben des Statistischen Bundesamtes, die von einer Auswahlkommission in Hamburg demokratiestärkend übersetzt wurden. Die Statistik zu den sogenannten Erzeugerpreise wurde dazu mit Hilfe modernster Nanoskalpelltechnik um ihren eigentlich innewohnenden Informationsgehalt bereinigt. Zu groß sei die Gefahr, hieß es in Hamburg, dass Teile der Bevölkerung womöglich von Zahlen hätten beunruhigt werden können, die einen Anstieg um nahezu 50 Prozent in den zurückliegenden drei Jahren ausweisen.
Übrig blieb eine zufriedenstellende Restkurve, die Zweifler an der Nachhaltigkeit des deutschen Wirtschaftsmodells ebenso konsequent zum Schweigen zu bringen verspricht wie einfache Bürgerinnen und Bürger, die im Moment vielleicht noch ein offenes Ohr haben für die Angsteinflüsterungen von Populisten, Liberalen und Leugnern des durchschlagenden Erfolges der Russland-Sanktionen, deren "maximale Wirkung" (Ursula von der Leyen), die schon in Kürze vielleicht nicht zu einem Staatsbankrott, aber zweifelsfrei zu anderen Folgen führen werden.
Beste deutsche Propagandaarbeit
Die mutige grafische Deutung eines wirtschaftlichen Desasters als Quelle von Trost und Zuversicht, die sich einfügt in eine seit Jahre stabil hoffnungsfrohe Deutung nahezu sämtlicher Destatis-Meldungen, die regelmäßig auf die heilende Kraft gesunder Halbgrafiken setzt. Mit zarten Schnitten verwandelt der Gemeinsinnsender das beunruhigende Geschehen an der Preisfront am Grafiktablet in beste
deutsche Propagandaarbeit. Sehet her, es sinkt!, prostet die so
fantasiereich manipulierte Erzeugerpreiskurve den Deutschen beim Morgenkaffee zu.
Alles wird gut und die Regierung ist es schon!
Berlin, Hauptbahnhof: An der gefährlichsten Grenze der Welt
An der Grenze zwischen Berliner Europaplatz und Humboldthafen könnte sich entscheiden, ob der Krieg gegen die Hamas zum Flächenbrand eskaliert. Verhindern soll das die deutsche Polizei. Ihre Mission: Jegliches Missverständnis vermeiden, durchgreifen, Härte zeigen. Doch die Truppe ist wie alles andere in Deutschland unterfinanziert, ausgezehrt und überfordert. Niemand steht hinter ihr, weil die Beamten unter Verdacht stehen, Verdächtige vor allem nach Augenschein auszusuchen. In den eigenen Reihen herrscht Misstrauen, denn jeder könnte ein Fahnder der Inneren Sicherheitsabteilung sein, der nach falschen Zungenschlägen, Gewaltgeneigtheit und rechtem Gedankengut sucht.
Können die jungen Frauen und Männer, die oft nur zur Polizei gegangen sind, weil der jungen Generation der 2000er Jahre der Beamtenjob beim Staat als einzige Chance gilt, sich den Nachstellungen des Kapitalismus zu entgehen, verhindern, dass Nochnichtlängerhierlebende ihr Vorhaben umsetzen und "Neukölln zu Gaza machen"? Kann der Rechtsstaat dieses Mal Wehrhaftigkeit glaubhaft simulieren? Und werden die harten Bandagen, erprobt in den Schlachten mit der womöglich terroristischen Letzten Generation, dann ausreichen?
Szenen aus dem Weltbürgerkrieg
Berlin erlebt Szenen wie aus einem Bürgerkrieg. Schläge, Tritte, bedrängte Bewaffnete. Handykameras filmen wacklige Bilder von brutalen Übergriffen. Im Hintergrund ist der Schriftzug "Hauptbahnhof" zu sehen, vor Jahren noch das Aushängeschild einer deutschen Hauptstadt, die sich mit großem Aufwand neu erfand: Lange, sehr lange wurde am größten und modernsten Kreuzungsbahnhof Europas gezimmert, für rund einer Milliarde Euro für den Bahnhof und den Tunnelbereich bis zur Spree kamen noch die Aufwendungen für die beiden Büro-Bügelbauten, die das Glasdach überspannen, von dem anfangs regelmäßig Scheiben abgingen.
Ein Problem, das das Land der Techniker und Ingenieure schließlich in den Griff bekam. Nun aber bildet der Hauptbahnhof, dieses Juwel deutscher Baukunst mit 70.000 Quadratmetern Fläche, die Kulisse für Straßenschlachten zwischen Staatsmacht und Völkerrechtlern. Berlins Mitte ist schwer umkämpft, ein Epizentrum des nahen Ostens des Kanzlergartens am Magnus-Hirschfeld-Ufer, benannt nach dem berühmten Sexualforscher, dessen postum veröffentlichtes Werk "Racism" als Geburtsurkunde des Begriffes Rassismus gilt.
Sicherheitsgefühl für Selbstachtung
Hirschfeld urteilte damals noch, dass Rassismus wie ein Sicherheitsventil gegen ein nationales Katastrophengefühl funktioniere. Das Konzept verschiedener Rassen sorge für die Wiederherstellung der Selbstachtung unterschiedlicher Gruppen, indem jede gegen einen leicht erreichbaren und wenig gefährlichen Gegner im eigenen Land ausgerichtet werde, statt gegen mächtige Feinde jenseits der Grenze.
Die jüngsten Berliner Bahnhofszenen aber legen den Verdacht nahe, dass die Flammen von Wut, Hass und Trauer in Nahost schneller erstickt werden könnten als in der Boomstadt an der Spree. All die Vernachlässigten, Verachteten und Unterdrückten kommen hier zusammen, um die Bundesregierung an ihre Verpflichtung zu mahnen, die israelische Regierung daran zu erinnern, dass Grenzen und Abschottung keine Lösung sein können. Die Besatzung von Gaza, einem Landstrich, in dem sich im seit mehr als einem Jahrzehnt kein Jude mehr befindet, müsse enden. Deutschland als moralische Supermacht habe Sorge dafür zu tragen.
Alleingelassen zum Geburtstag
Die Aufnahmen internationaler Kamerateams, gedreht inmitten des Geschehens, lassen keinen Zweifel daran, dass das palästinensische Volk, das im kommenden Jahr das 60. Jubiläum seiner Erfindung feiern wird, nur insofern allein ist, dass keines der arabischen Bruderländer des Volks ohne Raum bereit ist, auch nur einen einzigen bedrängten Unschuldigen aus dem Gaza-Streifen aufzunehmen. Bei pro-palästinensischen Protesten mitzurandalieren und Spaß daran zu haben, den deutschen Reststaat in heillose Verwirrung darüber zu stürzen, ob dieser Judenhass nun wie der Rechtsextremer verboten ist. Oder als Teil des antikolonialen Befreiungskampfes der von Deutschland jahrhundertelang unterdrückten Völker vorbehaltlos unterstützenswert.
Berlin unter Feuer, eine Bewährungsprobe für die junge deutsche Demokratie, die zeigen muss, ob sie der Herausforderung gewachsen ist. Kommt der "Bürgerkrieg" (Elon Musk)? Oder kann Olaf Scholz schnell in ausreichend großem Stil abschieben, um die Lage zu beruhigen und den Bürgern das Gefühl zu geben, sie könnten wie früher einfach so jederzeit auf die Straße gehen?
Können sie. Direkt dort, wo früher Weltbilder mit den Rändern aneinanderstießen, fallen heute Männer zum Beten auf die Knie. Gott ist groß, nur die Großzügigkeit der Deutschen ist noch größer. Sie erlauben nicht nur, dass man sie verhöhnt, sie klopfen den Höhnern auch noch freundlich auf die Schulter und bedanken sich, dass diesmal keine Gebäude mit Farbe besprüht, keine Polizisten vermöbelt und die Protestler nicht einmal den Verkehr blockiert haben.
Sonntag, 22. Oktober 2023
Zitate zur Zeit: Milliarden für Mohammed
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| Wir sagen aber jetzt nicht mehr "rechts", sondern "antiisraelisch" zu den Reichsflaggenschwenkern und Holocaustverharmlosern. |
In einer Zeit, in der rechte Demonstranten Reichsflaggen vor dem Bundestag schwenken & bei Kundgebungen der Holocaust verharmlost wird, stärken wir mit konkreten Maßnahmen den Kampf gegen rechts.
Mit 1,1 Milliarden Euro bis 2024 unterstützen wir die, die tagtäglich für Demokratie eintreten. Unsere Demokratie ist stark, stabil und wehrhaft!
Olaf Scholz antwortet am 25. November 2020 vorab auf Herausforderungen, die viele andere erst viel später sehen und begreifen werden.
So pro: Wie die Bundesworthülsenfabrik den Judenhass ausradiert
Es ist der blanke Hass, es ist Wut, es sind Tage des Zorns, nicht nur einer. Getrieben vom Wunsch, den Judenstaat Israel auszulöschen, gehen nicht nur in den arabischen Staaten Menschen auf die Straße, um ihrer Empörung darüber Luft zu machen, dass dieses klitzekleine Stückchen Naher Osten nicht arm, rückständig, undemokratisch und absolutistisch von Scheichs, Emiren oder blutigen Diktatoren beherrscht ist. Auch in Deutschland sind die Gegner der einzigen Demokratie zwischen Marokko und Indien selbstbewusst genug, ihren Judenhass Spazieren zu führen. Ungestört von der Polizei und allenfalls lauthals beklagt von Politikern, die vor lauter Reichsbürgergespenstern jahrelang übersehen haben, wie viel Hass woanders wohnt, marschieren die Anhänger der Hamas durch die Städte.
Welchen Namen für das hässliche Kind?
Niemand kann etwas dagegen tun. Niemand kann erklären, wo das alles herkommt, ohne zu gestehen, dass das alles schon immer da war seit Deutschland auf Geheiß einer alleinregierenden Kanzlerin sein menschliches Gesicht zeigte und die Türen öffnete, auf dass alle kommen können. Die große Frage, die das politische Berlin zu beantworten hatte, war also die, die immer steht: Wie soll es genannt werden? Welchen Namen bekommt das Kind, auf dass es nicht mit der Familie in Verbindung gebracht wird?
Bei ihm habe sehr früh am Morgen des 8. Oktober das Telefon geklingelt, beschreibt Rainald Schawidow, als Chef der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin höchster Sprachaufseher Deutschlands. Das Hauptamt des Bundeskanzlers sei am Apparat gewesen, einmal mehr mit einem dringenden Anliegen: "Uns wurde die Aufgabe übertragen, im Sinne der Verantwortung Deutschlands für das Schicksal Israels eine Sprachregelung zu finden, die es erlaubt, über antisemitische Meinungsbekundungen in unserer Gemeinschaft zu berichten, ohne dass fortwährend auf dem absehbar explodierenden Judenhass herumgeritten wird."
Treffen der Propagandapoeten
Schawidow, der am Abend zuvor den 74. Jahrestag der ehemaligen Ex-DDR bei einer sogenannten Ossi-Party gefeiert hatte, wischt sich den Schlaf aus den Augen, nahm eine "Spalt"-Tablette und alarmierte seine Task-Force für Sonderlagen. "27 Frauen und Männer, die zum Besten gehören, was Deutschland an Propagandapoeten zu bieten hat." Schon morgens halb acht habe man zusammengesessen und die Situation analysiert. Importierte Antisemiten im Anmarsch. Ein Staatswesen völlig ohne Abwehrkräfte. Demoralisierte Polizisten, unfähig sogar, sich gegen Klebekinder durchzusetzen. "Uns wurde schnell klar, dass wir sprachlich raus müssen aus der Konfrontation, weil wir die sowieso nicht gewinnen können."
Es war ein klarer Wunsch des Bundeskanzlers, den es umzusetzen galt. Weil Behörden in Deutschland keine Demonstrationen zulassen dürfen , bei denen antisemitische Parolen gebrüllt und Gewalt verherrlicht wird, so hatte der wenig später dekreditiert, gelte es,"hier eine klare Kante" zu zeigen und alles dafür tun, dass für offenen Antisemitismus, für den Hass auf Juden und den Wunsch, sie aus ihrer Heimat zu vertreiben, anderen Begriffe gefunden werden.
Das Übel in etwas Positives verwandeln
"Wir hatten da schon längst geliefert", freut sich Rainald Schawidow immer noch diebisch über den neuesten Streich seiner BWHF zur Debattenglättung. Mit Recht, denn selten nur ist es seiner Behörde, hervorgegangen aus dem volkseigenen DDR-Betrieb VEB Geschwätz, gelungen, eine Diskussion, die außer Rand und Band zu geraten drohte, so schnell und sicher zu kanalisieren. "Wir wollten dem Übel des benannten Antisemitismus etwas Positives entgegensetzen", beschreibt Schawidow.
Gelungen ist das mit Hilfe des Begriffes "pro-palästinensisch", der erklärte Antisemiten freundlich zu Kämpfern nicht gegen, sondern für etwas verklärt. Erstmals in der Weltgeschichte ist ein Protest nicht gegen, sondern für etwas gerichtet. Schawidow schwärmt von dieser kühnen Umdeutung: "Protest hieß ja ursprünglich nur, etwas öffentlich bezeugen", sagt er, "erst später wurde aus dem Pro-test der Widerspruch, zu dem dann linke Vordenker den Gegen-Protest erdachten, der sich wiederum gegen den Widerspruch wandte."
Erste Proteste dafür
Als Proteste wurden immer verbaler oder nonverbaler Bekundungen von Zurückweisung gegenüber bestimmten Geschehnissen, Situationen oder
gegenüber einer bestimmten Art der Politik gewertet."Unsere neuen pro-palästinensischen Proteste sind insofern völlig einzigartig, als dass sie zwar gegen Israel und das Existenzrecht von Juden und Judenstaat gerichtet sind, mit der Neuzeichnung ,pro-palästinensisch' aber einen Hauch von nahöstlicher Zukunftsfreude erhalten."
Medien überall im Land waren und sind begeistert. Die "Tagesschau" vermeldet "pro-palästinensiche Demos in mehreren Ländern", die amtliche Nachrichtenagentur DPA zählt Tausende Antisemiten als Menschen, die sich zu "pro-palästinensischen Demonstrationen versammelt" hätten. Die Berliner Polizei nimmt nun nicht mehr Israel-Hasser fest, sondern "propalästinensische Demonstranten", der "Spiegel", die Taz, die FAZ und die SZ sowieso, sie alle schwelgen in "Pro-Palästina-Demos" und "Pro-Palästina-Demos mit Böllern und Steinen".
Einen Kranz aufs Grab
"Das war es, was wir bezweckt haben", äußert sich Rainald Schawidow rundum zufrieden mit dem Erreichten. Dass die Verwendung eines derart verharmlosenden Begriffes wie "Pro-Palästina-Demo" sich eigentlich verbietet, wo der Wunsch geäußert wird, Israel auszuradieren und die deutsche Schuld am Holocaust gleich mit, sei sicherlich eine Seite der Medaille, die nicht außer Betracht bleiben dürfe. "Aber darum können wir uns sicherlich später kümmern, vielleicht hält der Bundespräsident dazu eine Rede oder die Innenministerin legt einen Kranz nieder."
Pro-Palästina ist so gut, das kann nichts Schlechtes sein. Zwar sei hier und da "widerliche Stimmung" und ein paar Polizisten werden auch verletzt, wie die großen Gazetten pikiert berichten. Aber eine Pro-Palästina-Demo unterscheide sich schon wegen ihrer lateinischen Vorsilbe grundlegend von den antisemitischen Aufmärschen der Corona-Gegner und Impfleugner, stellt Schawidow fest. "Pro bedeutet so viel wie vorwärts, vor-, hervor, anstatt und für", erläutert er den sprachfachlichen Hintergrund der neuen Worthülse, "das macht es jedem Kritiker schwer, sich dagegen zu äußern."
Samstag, 21. Oktober 2023
Volltreffer auf Krankenhaus: Viel zu schön, um nicht wahr zu sein
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| Keine Handbreit der Wahrheit: ARD und ZDF könnten den Israelis nicht verzeihen, dass sie die Rakete nicht auf das Krankenhaus abgeschossen haben. |
Wäre es nach den Einflussagenten der Hamas gegangen, wären all die Menschen immer noch tot. 500 Opfer hatten ARD, ZDF und Deutschlandfunk im Krankenhaus von Gaza gezählt, da qualmten die Trümmer noch, die sich später als Autos auf dem Parkplatz nebenan herausstellten. Die unverbrüchliche Solidarität der deutschen Gemeinsinnsender mit der Terrororganisation aber wankte auch nicht, als Israel Beweise dafür vorlegte, dass ein Hamas-Irrläufer nicht ins Gebäude eingeschlagen, sondern auf dem Parkplatz niedergegangen war. Und nicht 500 Toten, sondern vielleicht 30, 40 oder 50 Menschen ermordet hatte.
Zu schön, um nicht wahr zu sein
Der "israelische Volltreffer auf ein Krankenhaus" aber war viel zu schön, um nicht wahr zu sein. Umgehend witterten die Redaktionen überall im Land eine Zeitenwende im kaum begonnenen Verteidigungskampf Israels gegen die Hamas-Terroristen. Von der Süddeutschen Zeitung in München bis zur "Tagesschau" in Hamburg kam nach den exklusiv von der Hamas verbreiteten Information über den Raketenangriff der Israelis auf ein unschuldiges Krankenhaus Hoffnung auf, dass "die Situation nun grundlegend verändert" (ARD) sei: Israel könne im Grunde nicht mehr gegen die Hamas vorgehen, wolle es sich nicht schuldig am Tod von Zivilisten machen.
Widersprechende Informationen aus Tel Aviv wurden konsequent behandelt wie verständliche Leugnungsversuche eines längst überführten Täters. Weder ZDF noch ARD waren bereit, den Juden zu verzeihen, dass sie es vielleicht nicht gewesen sind. Mit der Frage "Angriff oder Versehen" brachte das ZDF Spannungsfeld auf einen Punkt. "Angriff" wäre die israelische Lösung - ein gezielter Mordanschlag auf hunderte Menschen. Als "Versehen" gilt deren Tod, wenn die Hamas oder deren Bündnispartner Islamischer Dschihad hinter dem tödlichen geschehen stecken. Bedauerlich. Aber nicht beabsichtigt und deshalb allemal verzeihlich.
Konsequenter Kurs
Die öffentlich-rechtlichen Sender schreiben hier fort, was ihre Berichterstattung vom ersten Moment an geprägt hatte. Neutral balancieren sie zwischen den Pressemitteilungen einer Verbrecherorganisation, deren Taten am 7. Oktober noch einmal bewiesen haben, dass ihr in der vielbeschworenen "Spirale der Gewalt" (DPA) auf jeden Fall immer noch eine neue Eskalationsstufe einfällt. Die Armee des angegriffenen Rechtsstaates hat für "Tagesschau" und "ZDF heute" nicht von Natur aus eine höhere Glaubwürdigkeit als eine verbotene Terrororganisation, deren Chef als Drahtzieher unzähliger Morde gesucht wird. Dessen selbstgedrehtes Video mit einem neuen Gewaltaufruf aber ungeschnitten über den Sender geht.
Beim "Krankenhaus-Beschluss" bleibt es, aus dem "Raketeneinschlag in Krankenhaus" wird mit allem gebotenen Zartgefühl ein "i" amputiert und ein "a" hineinverpflanzt. Der "Angriff auf" das Krankenhaus, bei dem ein "Raketeneinschlag in Klinik" eine "Krankenhaus-Explosion" (alle Zitate ZDF) auslöste und "hunderte Tote" forderte, wird ein Abspann aus "gegenseitigen Schulzuweisungen" (ARD), in dem "militante Palästinenser" und Israel einander für
den "Luftangriff" (Tagesschau) und den "Raketeneinschlag in ein Krankenhaus in Gaza-Stadt" (Tagesschau) verantwortlich machen.
SPD statt NPD: Die Radikalisierung des Olaf Scholz
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| Nach dem "Deutschlandpakt", den Olaf Scholz von NPD und DVU übernahm, will der Kanzler nun auch mit der alten NPD-Forderung nach Abschiebungen punkten. |
Chefsache Abschiebung
Auf den Spuren der NPD
Konsequent in großem Stil
Freitag, 20. Oktober 2023
Die deutsche Schande: Taten ohne Täter
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| Niemand bei der Taz weiß im Moment, wer diese Leute sind, woher sie kommen oder was sie antreibt. Es steht der Verdacht im Raum, dass es sich um Reichsbürger aus Sachsen handelt. |
Antisemitische Vorfälle nehmen zu. Seit dem Terrorangriff der Hamas breitet sich auch in Deutschland der Hass auf Israel aus. Eine "deutsche Schande", nennt es das frühere Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", das entsetzt bemerkt, dass außerhalb der Redaktionssäle, in denen immer Klartext gesprochen wurde, viele seit Jahren Erscheinungen des Nazitums verharmlost haben, die sich außerhalb der Reichsbürger-, AfD-, Sachsen- und Rechtsrockszene zeigten. Was es bedeutet, dass Deutschland eine historische Verantwortung für Israel hat, müsse nun "fester Bestandteil eines jeden Lehrplans in allen Schulen sein", mahnt ein Philipp Wittrock. Und der Bundespräsident kündigt an, dass es in Bälde eine Pflicht geben werde, die ganze Sache mit Auschwitz zu wissen. Das wird abgefragt. Wer versagt, muss gehen.
Der Wahrheit die Ehre
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| Räselhafter Hass: Wer könnte dahitlerstecken? |
Dennoch gelingt ihm eine schonungslose Abrechnung mit nichts. Wie ein reifen, der um eine Nabe kreist, die er gleichwohl niemals wird berühren können, dreht und wendet der wackere Autor sein Thema in alle Richtungen, um es gezielt zu verfehlen. Oh, ja, diese antisemitischen Straftaten, von den der Kanzler auch gerade gesagt hat, das es wiedermal "klare Kante" geben werde. "Antisemitismus ist fehl am Platze" (Scholz) in Deutschland, der soll mal dort ausgelebt werden, wo er zu Hause ist!
Kein Beifall für Brandsätze
Brandsätze auf eine Synagoge in Berlin, heruntergerissene Israelfahnen, all das findet auch nicht Litschkos Beifall. Da "häufen sich in Deutschland antisemitische Straftaten", da "zählen die Bundesländer laut einer taz-Umfrage seit dem Angriffsbeginn vor elf Tagen bereits rund 500 antiisraelische Straftaten". Da gibt es "spontane Proteste" und das Holocaustmahnmal muss von Polizeikräften geschützt werden, während in Neukölln Barrikaden brennen.
Und man weiß, wenigstens bei der Taz, nichts über die Hintergründe. Sind es wieder diese Reichsbürger mit ihren gefürchteten Vorderladern? Thüringer Heil-Höcke-Kolonnen? Sachsen, die die Brandmauer schleifen wollen? Konrad Litschko tappt im Dunklen angesichts dieser "antijüdischen Gewalt auf den Straßen Berlins", die eine "neue Dimension erreicht" hat, ohne dass in all den Sätzen ein paar Buchstaben sich spontan zusammenfinden, um Worte wie "arabisch", "islamisch" oder "muslimisch" zu bilden.
Abscheuliche Taten ohne Täter
Die gesamte Textwüste zitiert verschämt einen einzigen Juden, der einen "massiven Anstieg islamistischer Gewalt hierzulande" beklagen darf. Danach marschieren der Kanzler und die Innenministerin und natürlich auch der Bundespräsident vorbei, die "menschenverachtend, abscheulich und nicht zu dulden", "abscheuliche Tat" und wie wichtig und bedeutsam "hohe Wachsamkeit und umfassender Schutz" seien. Walter Steinmeier schafft es dabei, sein erst vor vier Wochen angestimmtes Lob für die hierzulande geschlagenen Wurzeln des Islam wie eine strenge Mahnung klingen zu lassen: Die Verbände der Wurzelleute müssten sich nun "deutlich" distanzieren. Auch Straftaten müssten nun langsam wohl mal geahndet werden.
Offene Türen, durch die die Taz wie ein Rollkommando stürmt. Enzyklopädisch werden "antiisraelische Straftaten" gezählt. 110 Sachbeschädigungen hier, 31 Volksverhetzungsdelikte oder vier Propagandadelikte dort. Etwas aus Nordrhein-Westfalen, etwas aus Sachsen, Volksverhetzungen, das Verwenden von Symbolen terroristischer Gruppen, aber auch eine gefährliche Körperverletzungen aus Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Sämtlichst Taten ohne Täter, Taten ohne Tatverdächtige sogar - gebe es nicht einen sachdienlichen Hinweis der Antonio-Amadeu-Stiftung, die "vergiftete Früchte des deutschen Antisemitismus nur wenige Kilometer weiter" geerntet hat, die neue "Info-Sammelstelle" des BKA, die bliebe gänzlich leer.
Wo die Liebe hinfällt: Bombige Behörden
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| Bis zuletzt hielt die ARD an der Lesart der Terrororganisation Hamas fest und stellte so Augenhöhe zwischen dem zusammengeputschten Fantasieemirat und demokratischem Staat her. |
Wie eine normale Regierung
Geld aus Europa
Respekt für die Mörder
Täter-Opfer-Umkehr
Donnerstag, 19. Oktober 2023
Žižeks Autobahn-Moment: Der Palästinenserversteher
Niemand hat mehr für die Palästinenser getan als er. Sagt er. Aber auch für die Juden hat der slowenische Philosoph Slavoj Žižek selbstverständlich ein Herz. Aber. Aber. Aber. Man kann nicht für beide Seiten kämpfen, sagt Žižek. Aber. Aber. Aber.
Der angesagte Modedenker
Der angesagte Modedenker des Linkspopulismus markentendert seit Jahren als einer Art globaler Richard David Precht mit Weisheiten wie "keine ethnische Säuberung ohne Poesie" oder den guten Rat, nicht Menschen zu verändern, weil das nicht möglich ist. Sondern stattdessen das System, "sodass Menschen nicht dazu gedrängt werden, bestimmte Dinge zu tun."
Für Žižek, der dem Kommunismus offiziell 1988 durch seinen Austritt aus der Kommunistischen Partei adieu sagte, ist jede Untätigkeit, jeder Mangel an aktivem Eingreifen, eine Art, die vorherrschenden Umstände zu akzeptieren. Der 74-Jährige aber glaubt nach wie vor, dass allein seine Ablehnung dessen, was er Konsumismus nennt, der "Ungerechtigkeit der Wirtschaft" ein Ende machen kann.
Fan des linken Dogmatismus
So ein Philosoph, vor Unzeiten ein großer Fan der linksdogmatischen griechischen Syriza-Partei, lehnt Autoritäten ab, sieht sich aber selbst als eine, auf die zu hören ist: Wenn das Volk nicht will, muss es gelenkt und geleitet werden.
Wie der deutsche Staatsdenker Precht, der mit windigen Sprüchen über soziale Romantik, die Boshaftigkeit der Marktwirtschaft und einen freien, aber kollektiv zu lesenden Willen zum Liebling der Feuilletons, der Parteizentralen und Europa-Avantgardisten wurde, avancierte auch Žižek mit seinen Klagen über den Irrsinn einer Welt, "in der Rechtspopulisten den Sozialstaat verteidigen und die radikale Linke Sparmaßnahmen ausführt" zu einem Maskottchen von Gemeinsinnfunk und bionadepredigenden Schreibtischtätern.
Gut belohnt im verhassten System
Ja, man kann mit einer gutdotierten Professur und gutbelohnten Lesereisen Teil des Systems sein, das man ablehnt. Man muss keine konkrete Vorstellung davon aufmachen, wie es besser gehen würde. Man muss nur klagen, dass es so nicht weitergehen kann. Dieses Gebet hat der Slowene immer wieder wiederholt, mal in diesem Kontext und mal in jenem.
Ein Leben von den Skrupeln der anderen im gleichen Milieu, die ihn liebten, weil er wie sie war: Mit mehr als einer Moral ausgestattet. Ein progressiver Kämpfer für das Gute, der trotzdem keine Veranlassung sah, wie Che in den Dschungel zu gehen, um für seine gerechte Sache zu sterben.
Gefecht auf der Buchmesse
Stattdessen ging es jetzt zur Buchmesse, wider den Stachel löcken, originelle Sätze sprechen, die Welt in zehn Minuten von den Füßen auf den Kopf stellen, das Übliche. Dass Slavoj Žižek seine Art Klartext sprechen würde, war sicher, dass kaum jemand in der Lage sein wird, ihm zu folgen, ebenso. Doch dass er den Beweis dann am Beispiel des Nahost-Konfliktes antrat, hatte Folgen: Demonstrativ empört, entsetzt und auf ihren guten Ruf bedacht verließen Mitglieder der hessischen Landesregierung und des Magistrats in Frankfurt den Saal und es gab "Tumulte" (Taz) wie sonst nur in der Berliner Sonnenallee.
Ein "Eklat" (FAZ), an dem die ordentliche Öffentlichkeit zu kauen hat. Dass Žižek im Stil der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland mehrfach deutlich gemacht hatte, dass das Handeln der Terrororganisation Hamas für ihn auf einer Stufe stehe mit dem Handeln des Staates Israel, überschreite eine Grenze. Und wer wie Žižek behaupte, es gebe ein "Analyseverbot" zu den Ursachen des Nahost-Konfliktes und verweigere die Erkenntnis, "warum die europäische Rechte Israel unterstützt".
Abgewürzt mit Heydrich
Zur Würze ein Heydrich-Zitat. Und schon hat sich die große Frage, warum es islamischen Gesellschaften im arabischen Raum, die Allah vergessen hat, mit einem Überreichtum an klimaschädlichen Fossilen auszustatten, partout nicht gelingen will, nach demokratischen Prinzipien funktionierende Gemeinwesen aufzubauen, in die Frage verwandelt, wie schuld Israel ist, wie kolonialistisch, fremdenfeindlich und faschistisch. Eigentlich eine echte Žižek-Volte, an deren Ende in der Regel die Erkenntnis steht, dass es im Kapitalismus immer so kommt, so dass sich auch das nächste Buch recht konsumistisch auf dem Markt behaupten kann.
Diesmal aber lag der Denker einen halben Ton daneben. Wie schon Precht einige Tage vor ihm war auch Slavoj Žižek beim Schwatzen, Schwurbeln und Anklagen der Mehrheitsgesellschaft unversehens auf vermintes Terrain (Jüdische Allgemeine) geraten. Ein klassischer Autobahn-Moment, 15 Jahre nach Eva Hermans legendärem Fernsehauftritt bei Kerner, der die Moderatorin aus der Mitte der Gesellschaft schleuderte und sie 2018 veranlasste, sich einer Erklärung anzuschließen, in der eine Wiederherstellung der "rechtsstaatlichen Ordnung an den Grenzen unseres Landes" gefordert wurde.
Traurige Schicksale
Das ist, wofür nun alle sind, von der Innenministerin über den Kanzler bis zur Spitze der Grünen. Auch Žižeks trauriges Schicksal könnte es sein, eines fernen Tages Recht behalten zu haben, nicht nur mit seiner Forderung nach einer Linken, die aufhören müsse, dem Kapitalismus alten Schlages in seinen wiederkehrenden schweren Wirtschaftskrise bei der Selbsterneuerung des System zu helfen, sondern auch mit seiner Vorhersage, dass nur der noch eine Seele habe, der "für beide Seite gleichzeitig kämpft". Der Islamismus, das ist bei Žižek zu lernen, ist zwar eine totalitäre Ideologie ist. Aber keine schlimmere als Zionismus oder Kapitalismus.
Ein Herz für Merz: Siegeszug der Zahnfee
Laut und deutlich hatten sie ihn gewarnt. Auch wenn Friedrich Merz die CDU weiter radikalisiere, würden die Leute am Ende lieber das Original wählen. Niemand brauche neben der AfD, der CSU, den Freien Wählern und der FDP noch eine weitere gemäßigte Nazi-Partei, hatten Wissenschaftler und Meinungsforscher ermittelt. In der Mitte der Gesellschaft, die vom Putz an der Brandmauer nach rechts bis ins Lager des palästinensischen Widerstandes in den weitgereisten Bionadevierteln der lastenfahrradgeneigten Elektroautohaushalten reicht, gebe es gar kein Publikum für eine Christliche Union, die stumpfe Parolen von Grenzschutz, Abschottung und einer Rückkehr zur Leistungsgesellschaft dresche.
Abwarten oder Opposition spielen?
Im Konrad-Adenauer-Haus aber war die Verzweiflung groß. Beinahe schon zwei Jahre im Amt des Parteivorsitzenden hatte Friedrich Merz absolviert, ohne dass er auch nur seine eigene Partei von seinen Qualitäten hatte überzeugen können. So schnell die Euphorie über die Fortschrittskoalition aus SPD, Grünen und FDP im Land schwand, so wenig flogen dem technokratischen Verwaltungsbeamten an der Spitze der zuletzt verstorbenen Volkspartei die Herzen zu.
Merz hätte gern gewollt, aber ihm fehlte die Traute, denn er wusste nicht was. Abwarten oder Opposition spielen? Hin und wieder preschte er vor, sobald aber die unüberschaubar große Gemeinde der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der CDU empört zischte, verstummte der Mann, der sein Ziel, eines Tages ins Kanzleramt einzuziehen, auch in den dunklen Stunden im außerparlamentarischen Betrieb nie aus den Augen verloren hatte.
Warten auf den richtigen Moment
Friedrich Merz wartete auf den richtigen Moment, er versteckte sich im den Rockschößen seiner Partei und lauerte auf den Augenblick, in dem nicht nur den regierenden Parteien, sondern auch dem letzten vertrauensseligen Bionadebürger in seiner Wohlstandshochburg in Hamburg, Köln und Potsdam klar werden würde, dass es nicht nur so aussah, als hätten SPD, Grüne und FDP keinen Plan. Merz, in der Zeitenwende des Zusammenbruchs des Sozialismus schon ein junger EU-Abgeordneter mit einem ganzen Strauß von Marshallplänenstäben im Tornister, weiß von damals noch, dass das Leben den bestraft, der zu früh kommt.
Obwohl die Schwefelpartei also alle Sympathien der Enttäuschten, Erzürnten und Verängstigten anzuziehen schien, blieb er ruhig, kalt bis ins Herz wie damals bei Blackrock. Zu zögern mag das Vaterland einiges kosten, Arbeitsplätze, Unternehmen, Geld und Steuerzahler. Doch sich zu rasch aus der Deckung zu begeben, würde heißen, die Festung noch mühevoll und mit einigem Risiko erobern zu müssen, die einem ohnehin in den Schoss fallen wird, behält man nur die Nerven.
Rechter Rand bis in die Mitte
Dass Friedrich Merz damit nicht nur seine Partei ruinierte, sondern auch Tür und Tor öffnete für ein Viertes Reich, das deutschlandweit ständig kurz vor der Errichtung steht, hat ihm viel Kritik eingebracht. Sein Kurs, die SPD zu stützen, um ihr zu schaden, indem er allen demonstrierte, dass er auf dem Kanzlerstuhl keinesfalls besser aussehen würde als Olaf Scholz, führte dazu, dass der rechte Rand bis mitten in die Mitte wuchs. Jeder, der nicht mit beiden Beinen fest hinter der Regierung stand, gehörte dazu.
Jeder Dritte im Osten und jeder Fünfte im Westen wandte sich ab von den Parteien, die dieses Land doch aufgebaut haben. Und diesmal weigerten sich die Abtrünnigen sogar, stattdessen die frühere DDR-Staatspartei zu wählen, um dem demokratischen Block zu signalisieren, dass womöglich noch in allen Studios des Staatsfernsehens helle Begeisterung über das Amtieren der Ampel herrscht. Außerhalb der Elfenbeintürme von Gebührenfunk und privatkapitalistischen Medienheuschrecken aber vielen ein Ende mit Schrecken inzwischen schon vielmals lieber ist als dieser Schrecken ohne Ende.
Eine angedeutete Rechte
Friedrich Merz hat dann kurz einen gucken lassen. Eine angedeutete Rechte, die nicht besonders platziert geschlagen wurde und niemanden auf die Bretter legte. Doch nach seiner zarten Anklage über abgelehnte Asylbewerber, die beim Arzt säßen "und lassen sich die Zähne neu
machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine" gab es natürlich den Chor, der "erbärmlichen Populismus" beklagte und die Faktenfinder, die das Ganze als zwar nicht falsch, aber "faktisch so nicht zu halten" enttarnten - eine Formulierung, die standfest ist wie ein einbeiniger Stuhl. Alles andere aber war anders.
Merz, sonst immer gut für einen Hunderterschlag, ruderte nicht zurück. Und zugleich begannen die Umfragewerte der Merz-Partei plötzlich in nie gekannte Höhen zu klettern: Zwei Prozent mehr, dann noch zwei Prozent. Selbst das gefürchtete "Original", das bis dahin durchmarschiert war von unter 15 auf über 22 Prozent, konnte nicht mehr mithalten mit dem Höhenflug einer Union, die offenbar nicht vom rechten Rand abkassierte, sondern bei SPD, FDP und den unter "Sonstige" subsummierten Anlaufstellen für alle, die Wählengehen, aber niemanden wählen wollen, der von irgendeiner Relevanz für irgendetwas sein könnte.
Staunen über das Zahnarzt-Spike
Die Verblüffung in den Medien ist so groß, dass es keinerlei öffentliche Überlegungen zu Ursachen, Rolle und Bedeutung des sogenannten "Zahnarzt-Spikes" gibt. Die konkurrierenden Demokraten, so bestürzt sie auch alle über die Ereignisse in Israel sind, fühlen zweifellos auch Dankbarkeit dafür, dass jetzt nicht die Stunde für solche Analysen ist. Bei der CDU herrscht Staunen, eine stille Verblüffung. Nach zwei Jahrzehnten, in denen die einst durchaus streitbare Partei eingebacken war in den Mürbeteig, den Angela Merkel angerührt hatte, mag beinahe niemand glauben, dass es so einfach sein könnte zurückzukehren an die Fleischtöpfe der Macht. Sollte es tatsächlich denkbar sein, dass die Menschen da draußen zu Millionen nur auf jemanden warten, der ein bisschen so tut als wolle er tun was sie sich wünschen, weil sie es für vernünftig halten?
Mittwoch, 18. Oktober 2023
Lebenswerk Predigtpreis: Luisa Neubauer am Ziel und am Ende
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| Im klassischen Alter von 27 verabschiedeten sich Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse von Publikum. |
Viele schaffen nicht das eine, andere nicht das andere und die meisten keines von beiden. Zu träge, zu wenig meinungsstark, zu lässig im Umgang mit anderen, die anders denken und anders leben, so sehen sie meist aus, die Gründe, die die berühmten 99 Prozent der Menschheit daran hindern, wirklich Großes zu vollbringen. Einige sind anders, einige sind das eine Prozent, das sogar in Milch schwimmen würde: Die Hände immer sauber. Die Haar frisch frisiert. Kameraerfahren schon im Kinderwagen. Schonungslos nicht gegen sich selbst, aber gegen die Schwäche der übrigen.
Alles ist erreicht
So lässt sich alles erreichen. In der einen Woche noch gewährt man dem Papst eine persönliche Audienz. In der nächsten schon empfängt man den Ökumenischen Predigtpreis der theologischen Einrichtungen der Universität Bonn für sein Lebenswerk. Luisa Neubauer, Klima-Influencerin und Weltreisende in Sachen Nachhaltigkeit, ist 27 Jahre alt, also in einem Lebensalter, in dem viele Popstars ihr Lebenswerk langsam abschließen. Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain spielten als so junge Leute ihre letzten Studioaufnahmen ein, sie gingen das letzte Mal auf eine Bühne und sie nahmen die letzten Preise ihrer einzigartigen Laufbahnen entgegen.
Selbst diese vier Giganten aber brachten es nicht zu Neubauers Hattrick. Gerade noch bis auf die Knochen blamiert bei "Maischberger", schon halb auf Knien bei einem alten, weißen heterosexuellen Mann, der gegen Abtreibung wettert und all den Kriegen, dem Töten und der Klimaerhitzung mit "Fasten und Beten" begegnen will, statt die gehorteten Milliarden seiner jahrtausendealten Kirche den Armen zu geben, damit die ihre elenden Hütten dämmen können. Anschließend ansatzlos nach Bonn, in die alte, traurige Hauptstadt der nach ihr benannten frühen deutschen Republik. Und dort den "Predigtpreis" der beiden großen Kirchen abgeholt.
Zwist um Brot und Wein
Die sind sich zwar nicht einig, ob Brot den Leib und der Wein das Blut Jesu nur symbolisieren, oder sich während des Schluckens in einer Kirche wirklich in Leib und Blut Jesu verwandeln. Dafür aber darüber, dass die gebürtige Hamburgerin "das Bewusstsein von der
gesellschaftlichen Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung maßgeblich
mitgeprägt" habe. Schulter an Schulter mit anderen engagierten jungen Menschen, gegen die nun eine "Pogrom-Stimmung" (Elisa Bas) geschürt wird.
Luisa Neubauer, eine "prophetische Stimme", deren Reden und Denken "mehrere zu religiösen Kontexten wie existentiellen Fragestellungen strukturanaloge Leitmotive" enthält, hat nun alles erreicht. Das war es dann. Die aktuelle Welttournee, bei der die Klimaaktivistin noch einmal in ganz kleinen Halle vor dem engsten Kreis ihrer Fans über die Vernichtung des Klima klagt und ihren Bestseller "Gegen die Ohnmacht" (Amazon-Rang 37.124) verkauft, dürfte schon die letzte sein. Gibt es erst Auszeichnungen für das Lebenswerk, ist alles erreicht und nichts zugleich, es ist alles verloren und nichts mehr zu gewinnen da außer dem Friedensnobelpreis, den aber natürlich zuerst Greta Thunberg bekommen muss.
Mehr ist nicht drin. Vielleicht wäre die Rock'n'Roll "Hall of Fame" noch möglich, dazu gehört aber wenigstens ein Erfolgsalbum. Bleibt nur noch ein Denkmal mitten im politischen Berlin, dessen Planung - die "Einheitswippe" mahnt - allerdings in Kürze begonnen werden müsste, damit Luisa Neubauer als Klimarentnerin noch bei Übergabe an die CO2-neutrale Jugend des Jahres 2065 dabeisein könnte.
Europa im Nahosteinsatz: Ein FrEUnd, ein guter FrEUnd
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| Israel ist selbst schuld: Nun muss die EU den Palästinensern helfen. |
Wenigstens einen Freund hat das Volk der Palästinenser noch, dafür aber einen sehr, sehr guten. Während sich selbst der selbsternannte Palästinenserpräsident zumindest kurzzeitig abwandte von den Hamas-Brüdern im Gazastreifen, stand die EU nach einem ersten Schockmoment wie ein Mann hinter den von Israel bedrängten Unabhängigkeitskämpfern. Mögen auch die Ägypter ihre Grenzen schließen. Mögen auch die Jordanier und die Libanesen mehr Wert auf den richtigen Pass als auf das gemeinsame Blut legen. Wenn 29 arabische Staaten sich weigern, Flüchtende aufzunehmen oder auch nur Wasser, Decken und Medikamente zu schicken, dann heißt das nicht, dass die 27 EU-Staaten nicht in die Bresche springen.
Gegenschlag der deutschen Medien
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| Die Hamas hat es gesagt. Es stimmt also. |
Im schönen Gaza-Streifen, aufgebaut über sieben Jahrzehnte mit Milliarden deutscher, französischer und spanischer Steuereuro, zerstörte die "Rache" (Tagesschau) der Israelis alles. Regelrechten "Vergeltungsdrang" hat Stefan Winter vom SPD-Pressebüro RND entdecken können, ohne Deutschland oder auch nur Hannover dafür verlassen zu müssen. Es gilt nun, schnell und deutlich um alles herumzulavieren, was mehr Fragen aufwerfen könnte als irgendjemand, der Verantwortung trägt, Antworten zu geben bereit ist. Hat Deutschland Platz für 2,3 Millionen Gaza-Flüchtlinge? Reichen die Transportkapazitäten? Und welches EU-Partnerland nimmt welche ab, möglichst nicht erst nach dem Verteilungsschlüssel der Asyl-Notverordnung?
Der Rat berät
Vor Ort in Tel Aviv hat Olaf Scholz klargemacht, dass sich Israel und die Hamas sich auf Deutschland verlassen können. Das als "Luftbrücke der EU" bezeichnete einsame Flugzeug, das die üblichen Decken, Zelten und Handtücher nach Ägypten bringen wird, war da schon in der Luft, vollbeladen mit guten Wünschen. Ein zweiter soll noch diese Woche folgen und "Ausrüstung für Unterkünfte, Medikamente und Hygieneartikel" bringen, die es in Ägypten nicht gibt. Der Europäische Rat wird zudem nicht nur über die Bereitstellung von weiterer humanitärer Hilfe beraten, sondern auch über eine strikte "Verhinderung einer regionalen Eskalation des Konflikts und jeglicher Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht".
Dazu wird in Kürze der "Dialog mit regionalen Akteuren im Hinblick auf einen dauerhaften und
nachhaltigen Frieden auf der Grundlage einer Zweistaatenlösung" geführt, denn auch im am schwersten vom Terror betroffenen Brüssel sieht man durchaus das "Risiko von
weiteren Migrationswellen nach Europa" und deren selten auftretenden, aber nicht unmöglichen "Sicherheitsauswirkungen auf unsere Gesellschaften". Die EU will diesmal ausnahmsweise Einigkeit zeigen. Deshalb dauert das.
Schleichendes Gift
Das schleichende Gift des Rechtsextremismus, es hat nun auch die EU erreicht, die selbst in ihren öffentlichen Äußerungen kaum mehr ein Hehl daraus macht, wie wenig gewollt Fachkräfte aus dem Gaza-Streifen in Europa wären. Obwohl gerade die Waffenmeister der Hamas sehr gut helfen könnten, die EU Richtung Osten wehrhaft zu machen. Als sei der Zuzug aus dem Nahen Osten, der in vielen Fällen ein Familiennachzug wäre, ein böses Schreckgespenst, gerieren sich altgediente Europäer als Einpeitscher für Fremdenhass. Als legten sie es darauf an, sich den Titel als Ehrenthüringer oder Auslandssachse zu verdienen, fordern sie von anderen, was sie selbst nicht zu geben bereit sind.
In der Region haben die Opfer Israels und seiner vor 18 Jahren begonnenen perfiden Rückzugspolitik aus Gaza kaum mehr Freunde. Brudervölker wenden sich ab, die einstigen arabischen Verbündeten schlagen ihre Türen zu. Weder Jordanien noch der Libanon, nicht Ägypten, der Irak, der Iran, Saudi-Arabien oder die Scheichtümer am Golf haben bisher auch nur ein Taschentuch oder ein Heftpflaster geschickt. Dafür hat die EU allerdings auch noch keinen Cent nach Israel überwiesen. Das gleicht sich also gerecht aus.















