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Mittwoch, 26. Dezember 2012

Fremde Federn: Stirbt das Geld, stirbt die Idee

Nicht einmal über die Feiertage geben sie Ruhe, die Hetzer, Schätzer und Euro-Kritiker, denen die endgültige Rettung der Gemeinschaftswährung durch die endgültige Entgrenmzung der europäischen Gelddruckkapazitäten so gar nicht in den spekulativen Kram passt. Nach der bislang eher rettungsbegeisterten Süddeutschen Zeitung, der bereits euroinsolventen Frankfurter Rundschau, dem kommenden Bundeskanzler Peer Steinbrück und dem traditionell mit Euro-Ängsten handelnden Webmagazin PQQ hat jetzt auch der Dichter Hans Magnus Enzensberger in die kürzlich in Oslo beerdigte Debatte eingegriffen.

In einem "Euro-Quiz" stellt der 83-Jährige seinen Lesern 40 Fragen rund um die Idee, die zu Geld wurde, und nun nur noch durch das Geld verkörpert wird. Stirbt das Geld, stirbt die Idee, stirbt die Idee, kommt es zu Erdbeben, Sturzfluten, Hochwasser und Sonnenstürmen. Europa bricht auseinander, ein ganzer Kontinent geht unter.


Worum handelt es sich, wenn eine intelligente Frau in hoher Position behauptet: „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa“?

1. Um eine Drohung?

2. Um eine Schutzbehauptung?

3. Oder nur um eine Dummheit?

4. Haben Sie den Eindruck, dass unser Kontinent nach wie vor existiert, obwohl im Lauf der letzten zweitausend Jahre das Talent, der Denar, der Gulden, die Lira, das Lepton und die Reichsmark untergegangen sind?

5. Wissen Sie, wer das Stummelwort Euro erfunden hat, das vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts niemand in den Mund genommen hat?

6. Sind Sie in der Lage, Akronyme wie EZB, EFSF, ESM, EBA und IMF zu entziffern?

7. Vermuten Sie, dass die meisten europäischen Länder seit geraumer Zeit nicht mehr von demokratisch legitimierten Instanzen, sondern von diesen Abkürzungen regiert werden?

8. Haben Sie diese Einrichtungen gewählt?

9. Werden sie im Grundgesetz oder in einer anderen europäischen Verfassung erwähnt?

10. Ist Ihnen in den letzten Jahren mitgeteilt worden, dass die Entscheidungen dieser Institutionen „alternativlos“ sind?

Wer darf Finanzbedarf „anmelden“?
11. Sind Obdachlose, Fixer, Lohnempfänger oder Rentner nicht berechtigt, Finanzbedarf „anzumelden“, wohl aber Mitglieder der Eurogruppe, Bankvorstände und Fernsehintendanten?

12. Wird diesem Verlangen regelmäßig entsprochen?

13. Ist Ihnen in der letzten Zeit der Fachausdruck „finanzielle Repression“ begegnet?

Falls ja, sind damit gemeint:

14. Rentenkürzungen?

15. Steuererhöhungen?

16. Schuldenschnitte?

17. Zwangsabgaben?

18. Inflation?

19. Währungsreformen?

Was ist die Adresse der „Märkte“?
20. Kennen Sie die Namen und die genaue Adresse der „Märkte“, die den Euro-Rettern vorschreiben, was sie zu tun haben?

21. Muss die Küstenwacht prüfen, ob Passagiere in Seenot „systemrelevant“ sind, bevor sie gerettet werden dürfen?

22. „Macht ist das Privileg, nicht lernen zu müssen.“ (Karl Deutsch, 1912-1993.)

23. „Ein Leben ohne Verfassungsgericht ist möglich, aber sinnlos.“ (Loriots Mops)

24. „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe, 1999.)

25. „Politiker sind wie schlechte Reiter, die so stark damit beschäftigt sind, sich im Sattel zu halten, dass sie sich nicht mehr darum kümmern können, in welche Richtung sie reiten.“ (Joseph A. Schumpeter, 1944.)

26. Wusste die Europäische Kommission, was das Fremdwort Subsidiarität bedeutet? Und wenn ja, hat sie es vergessen?

Was bedeutet der Ausdruck Quantitative Lockerung?

27. Eine Yoga-Übung?

28. Die Beschleunigung der Notenpresse?

29. Hat der Verfassungsrechtler Gusy aus Bielefeld recht, wenn er sagt: „Wo ein Trog ist, sammeln sich Schweine“?

30. Können Sie sich mit der blühenden Metaphorik der Euro-Retter anfreunden, oder kommt sie Ihnen martialisch, konfus oder gar lächerlich vor? Sind Sie in der Lage, zwischen Schirmen, Hebeln, Bazookas, Dicken Berthas, Brandmauern und Hilfspaketen punktgenau zu unterscheiden?

31. Wiegen Sie sich in der Zuversicht, die Karl Valentin in die Worte fasste: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist“?

32. Wenn sich herausstellt, dass die Einführung einer neuen Papierwährung statt zur Integration Europas zu seiner Spaltung, und wenn sie statt zur Verständigung zu Hass und gegenseitigem Ressentiment geführt hat, wäre es da angezeigt, diese Position zu räumen, statt nach dem Motto „Augen zu und durch“ zu verfahren?

33. Oder ist das undenkbar, weil es eine narzisstische Kränkung der verantwortlichen Politiker bedeuten würde?

Gibt es ein Europa diesseits der EU-Institutionen?
34. Gibt es ein Europa diesseits der Institutionen der EU und ihrer 40.000 Beamten, oder sind sie die einzigen Vertreter unsers Erdteils, deren Stimme zählt?

35. Sind es diese Personen, die darüber zu entscheiden haben, wer als „Anti-Europäer“ zu gelten hat?

36. Verstehen Sie, warum die Europa-Politiker mit den Römischen Verträgen und dem Traktat von Maastricht so umgehen, als hätten sie diese Papiere nie unterschrieben?

37. Glauben Sie, dass ihnen Referenden und Abstimmungen lästig sind, weil jede Meinungsäußerung der Bevölkerung ihre Bemühungen stören könnte, die „Märkte“ zu beruhigen?

38. War die Demokratie wirklich eine so schlechte Idee, dass auf sie notfalls verzichtet werden kann?

39. Zeigt nicht das Beispiel Chinas, dass man es auch ohne sie im Zeichen der Globalisierung zu einer erfolgreichen Weltmacht bringen kann?

40. Ist demnach die politische Entmündigung der Bürger unvermeidlich, und ist ihre ökonomische Enteignung die notwendige Folge?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

„Wo ein Trog ist, sammeln sich Schweine“. Der ist zu schön. Das Schwein, das am Trog ordentlich reinhaut, könnte das Wappentier der EU werden. Der Sternchenkringel auf blauem Grund machte nie wirklich was her.

Anonym hat gesagt…

Zu der Sache mit Schweinetrog meinte ein hier ansässiger Schweinemäster: "Die Schweine, die am gierigsten fressen, kommen zuerst zum Schlachthof".