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Freitag, 2. September 2016

Mecklenburg: Wo die Kanzlerin ums Überleben kämpft

Hübsch, aber leer: Die Hütte, in der sich Angela Merkel in früheren Wahlkämpfen an der Seite kerniger Fischer inszenieren ließ, bleibt inzwischen links liegen, wenn die Kanzlerin Wahlkampf macht.
Aller zwei Jahre kehrt die Kanzlerin hierher zurück. In Middelhagen, einem von der Welt vergessenen Örtchen auf Rügen und setzte sich dort in eine halbzerfallene, noch fast volkseigene Fischerhütte. Interessant beleuchtet scharte sie anfangs mehrere kernige Fischersleut´ um sich und demonstrierte intensivst Volksverbundenheit. Später fuhr sie nur noch mit dem Wahlkampfbus vorüber, denn die Fischerhütte stand nun längst leer, ein Lager für Langnese-Kühlschränke nur noch.

Lohnt sich nicht, hier halt zu machen. Wie sich vermutlich der gesamte Landtagswahlkampf der Kanzlerin dieses Mal am Ende nicht gelohnt haben wird. Nicht nur die Linke kämpft im Nordosten ums blanke Überleben, auch die sieggewohnte mächtigste Frau der Welt, Klimakanzlerin, Schutzengel der Flüchtenden, Retterin Europas und Abschalterin der Atomkraft, tut es. Merkel droht in Mecklenburg, ihre Heimatbasis zu verlieren.

Wo vor einem Jahr noch unbeschränkte Macht war, die Macht sogar, Grenzen ohne ein Stück Papier für alle Welt zu öffnen, ist in den Tagen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nur noch Kanzlerinnendämmerung. Die Volkspartei CDU steht vor einer Schrumpfkur von historischen Ausmaßen, drittstärkste Partei wird sie womöglich werden, geschlagen nicht nur von einer komatös zwischen den politischen polen herumflippernden SPD. Sondern auch von einer namenlosen, teuflischen Kraft mit so gigantischem Bedrohungspotential, dass sie im Wahlkampf nie erwähnt werden darf.

Merkels Wunschwahlkreis

Hier ist Merkels Wunschwahlkreis, hier hat sie immer triumphiert. Hier wird sie nun eine "desaströse Niederlage" (n-tv) einfahren, mit nur noch um die 20 Prozent. Immerhin, das wird am Wahlabend rettendes Thema werden, hat die Union damit weniger verloren als die SPD, die als immer noch stärkste Partei ein Fünftel ihrer Wähler in dei Arme der Konkurrenz getrieben hat.

Ist das der Dank? Der Dank für elf wunderbare Jahre, in denen oft genug Kinderaugen leuchteten, wo Merkel auftauchte und fast schon monarchischen Glatz verbreitete. Als Führerin der Völker vermochte sie es, die Menschen zu begeistern und zu inspirieren. Erst die Grenzöffnung im vergangenen Jahr zeigte die tiefe Entzweiung, die zwischen der gern bodenständig auftretenden Dauerkanzlerin und ihrem weder in der Euro-Krise noch beim Energieausstieg noch bei sonst irgendeinem Thema je befragten Wahlvolk entstanden war.

Merkel, nach einem Jahrzehnt im Kanzleramt im Gefühl, nichts falsch machen zu können, agierte nach dem Instinkt, der sie an die Spitze von Partei und Regierung gebracht hatte. Teile der Bevölkerung aber argwöhnten, dass denen da oben der Kontakt zu den Problemen derer hier unter verlorengegangen sein könnte.

Ausschließlich der Machterhalt


Diesen Argwohn auszuräumen, ist Angela Merkel nicht mehr gelungen. Vor allem im Osten gilt die Hamburgerin, die sich gern als Ostdeutsche inszeniert, als typischer Politruk, dessen Handeln sich ausschließlich am Machterhalt orientiert. Die steifen Parolen, mit denen die Zentralen der Großen Koalitionsparteien den unendlichen Aufschwung feiern, werden gemessen am eigenen Erleben.

Die leere Fischerhütte wird zum Symbol für eine Welt, die vergangen ist, sich für die Leute hier aber anfühlt, als sei sie einem weggenommen worden.