Google+ PPQ: Nichts als die Unwahrheit

Samstag, 12. April 2008

Nichts als die Unwahrheit

Manchmal dauert es nur ein kleines Weilchen, manchmal dauert es auch fünf Monate. Aber letztlich ist doch Verlaß darauf, dass es den Leitmedien irgendwann langweilig wird mit ihren eigenen ehernen Wahrheiten. Dann findet sich, nicht mehr auf Seite 1 und noch nicht auf Seite 5, sondern irgendwo ganz weit hinten versteckt, doch noch eine Geschichte, die eine Geschichte, die bis dahin ganz anders erzählt wurde, plötzlich ganz anders erzählt.

Die "Zeit" überrascht dieser Tage mit einem langen, langen Blick nach Mittweida, wo vor einem knappen halben Jahr einem Mädchen von vier Skinheads ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt worden war. So zumindest hatte es das Opfer erzählt, so zumindest hatten es die großen und die kleinen Medien wochenlang im Chor gesungen. Dass die Tat nie außerhalb der Fantasie des Mädchens stattgefunden hat, war zwar am ersten Tag klar, weshalb PPQ auf klaffenden Löcher in der Räuberpistole des Opfers schon am Tag nach Bekanntwerden der Tat hinwies. Dessenungeachtet gab es einen Preis für Zivilcourage und Beifall aus dem ganzen Land. Logisch, denn wie schreibt die "Zeit" jetzt treffend: "Eine Lüge ist umso effizienter, je besser sie die Erwartungen der Belogenen bedient".

Späte Einsicht, die in einen vierseitigen Artikel mündet, an dem nur eines auffällt - das eigene Versagen hat es nie gegeben. Der Beitrag ist aber ist dennoch erhellend,

"Im Rathaus sind Blumen abgegeben worden, spontan haben sich Demonstrationen gebildet. Bestürzte Bürger aus der Region haben Kerzen am Tatort aufgestellt, Fanpost und Geld geschickt an die tapfere junge Frau von Mittweida. Rebecca K. ist am Abend des 3. November 2007 einem kleinen Kind zu Hilfe geeilt, das von Rechtsradikalen drangsaliert wurde, und hat ihren Mut bitter büßen müssen: Die vier martialischen Gestalten haben sie gepackt und ihr mit einer skalpellartigen Waffe ein Hakenkreuz in die Hüfte geschnitten – obwohl sie sich nach Kräften gewehrt hat.

Diese Geschichte jedenfalls erzählte Rebecca K., und als Matthias Damm, Bürgermeister des sächsischen Städtchens, der 17-Jährigen in die Augen schaute, schenkte er ihr Glauben. Damm dachte bei sich: »Sollte sie gelogen haben, wird sie mir jetzt nicht ins Gesicht sehen können.« Doch Rebecca hielt seinem Blick stand. Heute weiß der Bürgermeister allerdings nicht mehr, was er von Rebecca halten soll. Fast alles, was die Polizei ermittelt hat, spricht dafür, dass das Mädchen sich diese brutale Szene bloß ausgedacht hat.

Im November jedenfalls schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Reporter und Kamerateams strömten nach Mittweida. Hatte man nicht geradezu auf das nächste Nazidelikt im Osten gewartet? Und jetzt hatte es sogar ein hilfloses Kind und ein unerschrockenes junges Mädchen getroffen! Die Polizei gab vorschnell bekannt, die Zeugin sei glaubwürdig.

Dabei gab es von Anfang an Ungereimtheiten in Rebeccas Geschichte: So ist sie nach ihrem traumatischen Erlebnis nicht einmal zur Polizei gegangen. Auch ihre Eltern erfuhren erst durch einen Verwandten von dem Überfall auf ihre Tochter, sie waren es, die Rebecca schließlich dazu drängten, den Vorfall anzuzeigen – neun Tage nach der Tat.

Auch von den zahlreichen Augenzeugen, die nach Rebeccas Angaben deren Martyrium tatenlos auf Balkonen stehend mitangesehen haben sollen, meldete sich keiner, nicht einmal, als 5000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt wurden. Die Polizei ermittelte zwar eine Sechsjährige, die das schikanierte kleine Kind hätte sein können, doch auch diese Spur löste sich im Nichts auf.

Blieb das in die Hüfte eingeritzte Hakenkreuz als einziger Beweis. Eine Rechtsmedizinerin hielt es für möglich, dass Rebecca sich die Wunde selbst zugefügt haben könnte, legte sich aber nicht fest. Erst als die Staatsanwaltschaft Chemnitz den Chef der Gerichtsmedizin Hamburg, Klaus Püschel, um ein Gutachten bat, kam Licht in die Sache. Püschel ist ein Fachmann für selbst beigebrachte Hautläsionen in Hakenkreuzform, er hat darüber zahlreiche Aufsätze veröffentlicht und verfügt über eine ansehnliche Fotosammlung von blutunterlaufenen Hakenkreuzen auf Stirnen, Bäuchen, Armen und Beinen – die alle von der Hand der vermeintlichen Opfer stammen. Als Püschel die Fotos von Rebeccas Wunden analysiert, hat er keinen Zweifel, dass es sich um Selbstbeschädigungen handelt...

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