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Freitag, 17. April 2020

Pandemie-Poesie: Im Zimmer ohne Aussicht

In Zimmern ohne Aussicht auf Besserung sitzt Deutschland und wartet gebannt auf das befreiende Go aus dem Corona-Kabinett. 

Nach der Vorlage des Zeitplanes zur Revitalisierung Deutschlands im Kampf gegen die Corona-Wirtschaftskrise klaffte hier eine Fehlstelle: Musik, Tanz, Poesie und Malerei waren unberücksichtigt geblieben im Konzept des Corona-Kabinetts. Das hatte sich ebenso offen gegen Europa gewandt: Die eigentlich geplante und versprochene Abstimmung der anstehenden Öffnungsbemühungen blieb aus. Deutschland ist entschlossen, einen Sonderweg zu beschreiten und nationalstaatlichen Interessen ein weiteres Mal den Vorzug zu geben vor europäischen Lösungen.

Gerade in Anbetracht der jammervollen Rolle, die die EU-Kommission in den vergangenen Seuchenwochen spielte, ohne dass die Öffentlichkeit überhaupt noch Notiz davon nahm, droht das, was nach den amtlichen Vorgaben der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin
mittlerweile als "Corona-Krise" bezeichnet werden soll, obwohl nie wirklich Gefahr für Deutschland bestand, weil das Land gut vorbereitet und eine Ausbreitung sehr, sehr unwahrscheinlich war, die europäische Wertegemeinschaft zu zerstören. Dann gäbe es keinen Italienurlaub mehr, keinen französischen Käse und Wein, keine spanische Wurst und kein schwedisches Smörebröd. Der Schaden dadurch könnte am Ende größer sein als der durch die Infektion.

Als Teil einer paneuropäischen Volksbewegung im Geist des leider früh verstorbenen "Pulse-of-Europe"-Aufstandes bot das Kleinkunstportal PPQ angesichts der vielen Ausfälle von Lesungen, Buchmessen und Poetenseminaren vom Start des Zusammenbruches weg einen virtuellen Spielplatz für junge Dichter, Musiker, Jongleure und politische Kommentatoren. Pandemie-Poesie (PP) überschrieben, wurde die im großen Geist des genialen Brecht gepflegte PPQ-Poetenserie zu einem Ort des Aufrüttelns, der Mahnung und Nachdenklichkeit.

Wie ein Unort im Nirgendwo als Zuflucht vor dem Unvorstellbaren weckt PP das bereits vom Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin beschworene "Beste im Menschen". Lyrik, auch in freien Reimen, wird zum Schlüssel zum Herzen zur Befreiung von der Angst, der Reim weist Infizierten und Nicht-Infizierten den Rückweg in eine Welt, in der Grundrechte vital pulsierten, die CDU in einer tiefen Bedeutungskrise steckte und den meisten Menschen im Land jede Vorstellung davon fehlte, wie viele Virologen es eigentlich gibt.

Im Gedicht "Zimmer ohne Aussicht" befasst sich heute ein Poesiefreiwilliger, der sich den sprechenden Namen "Direktor Umweg"* gegeben hat, heute mit den entspannenden Aspekten einer Spannungslage, in der die Sonne scheint, die Geschäfte aber keineswegs blühen. Ehe die "Öffnung" (Merkel) kommt, eines Tages vielleicht, und das Gemeinwesens sich dankbar verbeugt, diese Gnade doch noch entgegennehmen zu dürfen,  bieten die schmalen, im ersten Augenblick kahl wirkenden Zeilen einen tiefen Einblick in eine Volksseele, die verloren ist der Ungewissheit einer Situation, in der amerikanische Präsident unabgesprochen mit den Gremien der Nato-Partnerstaaten, der EU und der WHO unausgegorene Pläne für den Ausstieg aus dem Ausstieg vorstellt, während Deutschland bang nach Berlin schaut und auf das erlösende "Go" zum Zurück zu den Zuständen von Davor wartet.

"Die Stille kommt, die Stille bleibt", eröffnet das Poem von Direktor Umweg, zwei Zeilen, in denen kein Hauch Hoffnung mehr versteckt wie zuletzt noch im bürgerschaftlich engagierten Reimwerk "Also sprach die Raute", das hier kürzlich vorgestellt werden durfte. Lesen Sie sich die 24 atemberaubenden Zeilen ruhig einmal laut vor, gern auch am Fenster. Derzeit ist das sogar in Deutschland noch erlaubt.


Zimmer ohne Aussicht

Die Stille kommt.
die Stille bleibt.
wir sind gewappnet.
wir sind bereit.

Der Maskenball
macht sich schon breit.
doch nicht mit uns,
wir haben Zeit.


Doch plötzlich wird es laut im Turm,
das Hamsterrad dreht sich zu schnell.
maskiert ist nun bald jeder Wurm.
und abends ist es länger hell.


Das Mädchen mit der roten Jacke ritzt
Zeichen in den Wandbeton.
der Vater schläft noch. Es ist Mittag.
Hartz 4 reicht nicht für den Balkon.


Im Viereck spricht das blaue Wunder,
stimmt solidarisch Ruhe ein.
gefangen in den engen Wänden,
wird es leicht, ein Held zu sein.


Ravioli sind des Mutters Stern,
auch vorher kochte sie sie gern.
in der Gerüchteküche wird gerührt,
was schließlich doch zum Tode führt.



(*womöglich ein Pseudonym)

 Seit dem Start der Reihe, an der sich jedermann und jede Frau beteiligen können, erreichen uns aufrüttelnde Kampfgesänge, subtile Haikus und  strahlende Aphorismen, in denen die laufende Menschheitskatastrophe auf ihre Gegenwarts- und Zukunftswirkungen abgeklopft wird.
Unter politplatschquatsch@gmail.com können weiterhin Poeme, Kurzgeschichten und Menuette eingeschickt werden. Allerdings ist die Warteliste für den Abdruck im Netz bereits gut gefüllt und der zur Verfügung stehende Platz dem Medium gemäß begrenzt. Wir bitten also von Nachfragen nach geplanten Veröffentlichungsterminen nach Möglichkeit abzusehen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

https://www.meinungsfreiheit-jetzt.de/2020/04/17/meinungsfreiheit-fuer-die-buerger-startet-neue-aktion-gegen-die-gez/