Freitag, 28. August 2026

Wahl-O-Rat: Auf der Suche nach der Stimmungsschwelle

Wahleinschätzung

Bitte wählen Sie bei jeder Partei eine Einschätzung. Die Stimmen aller Teilnehmer werden zusammengezählt.

Er oder der andere? Es noch mal mit der "Flachzange" (Alice Weidel) versuchen oder diesmal doch dem "Faschisten" (Der Rechte Rand) eine Chance geben? Was wird aus diesem geschundenen Land, wenn es so weitermacht? Und was droht ihm, wenn es dreieinhalb Jahrzehnte nach dem letzten großen Machtbeben den nächsten Neustart wagt? 

Kommt dann überhaupt noch was im Fernsehen? Fließen die Fördermittel weiter, an denen inzwischen das gesamte öffentliche und private Leben aller hängt? Werden wirklich alle Dönerbuden geschlossen und alle syrischen Ärzte in Lager gesperrt? Und wenn doch noch einmal kommt wie immer: Welchen Pakt wird der alte neue Ministerpräsident mit der äußersten Linken schließen? Und wie lange wird er halten?

Es geht um gar nichts 

Das Schöne an der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist, dass es um nichts weiter geht. Ob CDU und SPD mit Unterstützung einer oder mehrerer Hilfstruppen aus dem Heer der Vielfalt weitermachen dürfen oder der gefährlichste Mann Deutschland sofort übernimmt, spielt nur temporär eine Rolle. Von der Magdeburger Staatskanzlei bis in die Berliner Denkfabriken zweifelt niemand daran, dass der Sieg der demokratischen Parteien, deren einziges Programmangebot es ist, die von der Verfassungsschutzabteilung des CDU-geführten Innenministeriums als "gesichert rechtsextremistisch" eingestufte AfD nicht an die Futtertröge zu lassen, das letzte Hosiannah wäre.

Vielleicht hält das breite Bündniss aller Farben außer Blau vier Jahre. Vielleicht auch nur vier Monate. Dass es in der kurzen Zeit besser werden wird, ist ausgeschlossen. Dass es in der langen Zeit gelingt, alles zu tun, was in den letzten zehn Jahren liegengeblieben ist, erscheint kaum wahrscheinlicher. Dennoch ruht im Glauben, mit ein bisschen hier und ein bisschen da, ein paar neuen Sprüchen und mehr Klimaschutz lasse sich der Kahn wieder flottmachen, die ganze Hoffnung der selbsternannten Mitte. 

Zuversichtlich ins Unausweichliche 

Die Strategie stammt vom berühmten arabischen Humoristen Nasreddin Hodscha. In seiner Geschichte vom Pferd, das Sprechen lernen sollte, beschrieb der Philosoph schon im 13. Jahrhundert, wie sich mit Unausweichlichkeiten zuvesichtlicht umgehen lässt. 

Damals verurteilte ein König einen Mann zum Tode. Der Verurteilte wollte sein Leben retten und versprach dem König: "Wenn du mich ein Jahr leben lässt, bringe ich deinem Lieblingspferd das Sprechen bei!" Der König ging auf die Wette ein, denn das wollte er gern sehen. Sollte das Pferd aber nach dem Jahr immer noch stumm sein, werde der Sprachlehrer grausam gefoltert werden, betonte er.

Alle hielten die Wette für eine schlechte Idee. Ein Pferd könne nicht sprechen lernen. "In einem Jahr bist du tot!", prophezeiten sie. Der Mann aber, man darf ihn sich heute durchaus mit den gesichtzügen und der propperen Körperlichkeit des CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze vorstellen, antwortete gelassen: "In einem Jahr kann viel passieren: Entweder stirbt der König, oder das Pferd stirbt, oder ich sterbe eines natürlichen Todes, oder das Pferd lernt bis dahin wirklich sprechen!"

Durchhalten, bis es von selbst besser wird 

Es geht darum, durchzuhalten. Es geht darum, Zeit zu gewinnen. Es geht darum, im Regierungsamt auszuharren, bis das passiert, auf das in Bund und Ländern alle warten, seit Olaf Scholz "Wumms" und "Doppelwumms" ausgerufen hat. Irgendetwas soll wieder vorangehen. Irgendetwas soll wachsen. 

Die Wirtschaft soll nicht mehr "schwächeln" wie seit fast zehn Jahren. Die Industrie wieder boomen und der Wohlstand sprudeln. Dann, so haben es die Spindoktoren den Führungsspitzen von CDU, CSU, SPD, Grünen und so weiter prophezeit, wird der "Missmut" (Friedrich Merz) weichen. Und sich eine "neue Zuversicht" (Merz) breitmachen.

Niemand in Berlin und schon gar kein Mensch im umkämpften Magdeburg könnte sagen, worin der Boom gründen soll. Wie ganz Europa ist Deutschland bei sämtlichen Zukunftsindustrien ein Dritte-Welt-Land, Ladentheke für Künstliche Intelligenz, Kostgänger der Amerikaner in der Raumfahrt und innovativ allenfalls noch bei der Erfindung neuer Steuern. 

Den Gedanken aber, die Lage könne noch weit schlimmer sein als alle denken, mag niemand zulassen. Wer die Möglichkeit infrage stellte, nach ein paar Drehungen an Stellschräubchen für Energiepreise, Rentenalter und Pflegeversicherung werde Deutschland zum Wachstumstiger in der EU werden, rüttelt an den Grundfesten der Gemeinschaft.

 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein

"Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" hat der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor elf Jahren eine immer noch gültige Auskunft zu allem gegeben. Demokratie besteht darin, dass die einen den anderen Prokura erteilen, in ihrem Namen zu handeln. Vorher weiß niemand, was die Gewählten genau darunter verstehen. 

Der aktuelle Bundeskanzler Friedrich Merz etwa hat Matthäus 5,37 wörtlich genommen "Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen". Merz aber ist nicht "Eure" und er kann deshalb problemlos das Gegenteil dessen tun, was zu tun er den Wählern angekündigt hat. 

Seinem bedauernswerten Statthalter in Sachsen-Anhalt nutzt das wenig. Sven Schulze ficht auf verlorenem Posten, zumindest was die Bevölkerung betrifft. Zu seinem Gegenspieler Ulrich Siegmund strömen die Massen. Zu ihm nur die Medien. Das Ende vom Lied ist absehbar, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest: Siegt Schulze, siegt er sich zu Tode.

 Bei der nächsten Landtagswahl könnte es dann sehr, sehr langweilig werden. Verliert aber die Mitte sofort die Macht, bleibt ihr nur die Hoffnung, dass die Siegmunds, Tillschneiders, Kirchners und Reichardts es auch nicht besser hinbekommen.

Nur ein Ende ist möglich und es wird bitter 

Spannend, wenn auch zu bedauern ist, dass nur ein Ausgang der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt möglich ist, so das die andere, durchaus ebenso wahrscheinliche Wirklichkeitsvariante für immer Theorie bleiben muss. Schafft es Schulze, aus den wenigen verbliebenen Truppen der ehemaligen Volksparteien und der Verbündeten, die es immer hatten werden wollen, noch einmal eine Regierung   zu bilden, wird niemals jemand erfahren, wie hart die Sanktionen geworden wären, die Bund, Länder und EU gegen das rechtsextreme Regime in Magdeburg verhängt hätten. 

Kommt es aber genau andersherum, werden die Blätter im Buch der Geschichte für immer fehlen, die davon erzählen, ob das ärmste Bundesland wirklich zurückfiel in dunkle Zeiten oder ob es auf die Rampe geschoben wurde, um in eine strahlend helle Zukunft zu starten. 

Nur ein Ende ist möglich und welches es auch immer ist, es wird bitter. Mit dem Wahl-O-Rat ®© ist es bereits häufiger gelungen, weit vor der Schließung der Wahllokale Erkenntnisse über den Ausgang von Wahlen zu gewinnen. Das vom An-Institut für Angewandte Entropie in Frankfurt an der Oder entwickelte Modul setzt auf individuelle Verantwortung und kollektive Klugheit: Abgefragt werden nicht persönliche Wunschvorstellungen zum Wahlausgang, sondern die dem jeweiligen Nutzer am wahrscheinlichsten erscheinende Prozent-Prognose. 

Ein neuartiges Werkzeug der Politikprognose 

Bei diesem neuartigen Werkzeug der Politikprognose handelt es sich um ein demoskopisches Instrument, das auf die kollektive Ahnungskraft hunderter Leserinnen und Leser setzt, aus dem mit Hilfe des sogenannten PPQuotienten eine Annäherung an das eigentliche Wahlergebnis errechnet werden kann. Im Fall der Bundestagswahl 2017 wurden mit dieser Methode alle vermeintlich professionell arbeitenden Umfrageinstitute deutlich geschlagen.

Der Trick beim Wahl-O-Rat®©: Beim Abstimmen geht es nicht darum, was der Abstimmende selbst wählt oder wen er gern gewinnen sehen würde, sondern ausschließlich darum, aufgrund eigenen Wissens und eigener Einschätzung möglichst exakt zu prognostizieren, ob die jeweilige Partei einen nach wissenschaftlich ermittelten Trendzahlen bestimmten Schwellenwert über- oder unterschreiten wird. 

Auf der Suche nach der Stimmungsschwelle 

Der von den Erfindern um Hans Achtelbuscher "experimentaldemoskopisch" genannte Wahl-O-Rat®© zeigt bei ausreichend häufiger Nutzung an, mit welcher Wahrscheinlichkeit die aufgeführten Parteien den Schwellenwert über- oder unterschreiten. Aus den vorgegebenen prozentualen Abweichungen können die Forscherinnen und Forscher in Frankfurt/Oder dann die Wahrscheinlichkeit errechnen, mit der die tatsächlichen Wahlergebnisse der aufgeführten Parteien vom Schwellenwert entfernt liegen werden. 

Beispielhaft sollte eine Partei, bei der unter den Wahl-O-Rat-Nutzern Stimmengleichheit darüber herrscht, ob sie den Schwellenwert unter- oder überschreitet, ein tatsächliches Stimmenergebnis recht nahe am genannten Wert erreichen. Eine Partei, bei der hundert Prozent der Abstimmenden glauben, dass sie den Wert unterschreitet, sollte hingegen sehr weit unter dem genannten Prozentanteil landen.

Die Entfernung vom Mittelwert, der als Null bei 50/50-Verhältnissen angenommen wird, ergibt sich so aus der Summe der Vermutung der Umfrageteilnehmer, radikalisiert durch den PPQuotienten und geglättet durch das vom französischen Begriff panacher ("mischen") Panaschieren und Kumulieren der Rohdaten. 

Fair, transparent und gerecht 

Das experimentelle Werkzeug zur Prognoseerstellung hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass es treffsicherere Ergebnisse auswirft als die Umfragen der renommierten Institute, denen aus gutem Grund immer wieder vorgeworfen wird, sie erzeugten mit ihrer als Demoskopie getarnten Stimmungsmache nur Verunsicherung und negative Verstärkungsschleifen. 

Der basisdemokratisch gestaltete Wahl-O-Rat®© hingegen gibt den verunsicherten und von den oszillierenden Prognoseversuchen der demoskopischen Institute beunruhigten Bürgerinnen und Bürgern eine faire, transparente und sozial gerechte Alternative, mit deren Hilfe sie niedrigschwellig selbst zivilgesellschaftlich mitwirken können. Deshalb wird das hybride Tool auch diesmal wieder scharfgeschalten. 

Veröffentlichung noch vor dem Wahltag 

Natürlich ist es laut Bundeswahlgesetz eigentlich verboten, Wahlergebnisse bekanntzugeben, ehe die Wahllokale geschlossen sind. Nirgendwo steht allerdings, dass man sie nicht veröffentlichen darf, so lange die Wahllokale noch nicht geöffnet haben. Bereits in den vergangenen Schicksalswahljahren nutzte das bürgerschaftlich engagierte Mitmachboard PPQ diese Gesetzeslücke, um gemeinsam mit den Prognostikern des An-Institutes für Angewandte Entropie um den Regressionsforscher Hans Achtelbuscher amtliche Endergebnisse öffentlich zu machen, bevor der Wahltag beginnt.