Google+ PPQ: Ukraine: Hinterher ist man immer dümmer "

Montag, 7. April 2014

Ukraine: Hinterher ist man immer dümmer

Im Nachhinein kann man alles immer vorher gewusst haben. Regierungen beschäftigen Geheimdienste zu diesem Zweck, Think Tanks und Heere von politischen Analysten verdienen ihr Geld mit Kremlastrologie in aller Herren Länder, Diplomaten hören sich um, Bildungswerke und Kulturexportstiftungen messen fortwährend die Wassertemperatur. Dazu gesellen sich in Deutschland kompetente Freiwillige wie Gernot Erler, die von der eigenen Weitsicht stets bereits nach kurzer Zeit nichts mehr wissen wollen. Und professionelle Mahner wie Walter Steinmeier, die lieber einmal mehr "vor einer Renaissance überkommener Feindschaft" warnen als einmal etwas dagegen zu tun.

Sobald es zu spät ist, sind sich dann alle immer einig, dass es so nicht hätte laufen dürfen. Keine sechs Wochen nach Beginn der Krim-Krise beginnt sogar die ansonsten in einem Ton zum Waffengang trommelnde deutsche Presse, ein differenziertes Bild der Lage zu zeichnen. Hat der Westen etwa etwas falsch gemacht? Den Russen zu frontal angefasst? Putin unterschätzt? Die segensreiche Wirkung der Ausdehung des Machtgebietes von Martin Schulz und Jean-Claude Juncker überschätzt? Und die Beharrungskräfte der alten Nationalstaaten unter?

Wie im Fall der NPD, des NSU und der NSA haben die deutschen Geheimdienste getan, was sie immer tun: Nichts wissen, nichts ahnen, nichts vorhersagen können. Dabei zeigt selbst eine nur auf öffentlichen Quellen beruhende Analyse des Internetdienstes Recorded Future, dass die Krim-Krise keineswegs aus dem Nichts kam. Wer genau hingeschaute, wann und wo das russische Militär Manöver abhielt, konnte schon seit Juni 2012 eine zunehmende Beunruhigung in Russland wahrnehmen: Putin ließ seine Truppen öfter trainieren (Grafiken oben), er nahm häufiger selbst an Manövern teil und diese fanden mit Vorliebe im Süden Russlands statt (Grafik unten).

Der Westen aber pflegte seine Illusion vom Endsieg über den russischen Bären, errungen ohne einen Schuss. 70 Jahre nach der Niederlage im II. Weltkrieg waren die Deutschen wieder im Spiel auf dem Kaukasus, sie fühlten sich jetzt mächtig genug, mitten in der ukrainischen Hauptstadt zum Sturz der Regierung aufzurufen und und die Gewährung von wirtschaftlichen Vorteilen an ultimative Forderungen zu binden. Ging es um Russland oder die Ukraine, schärften Provinzpolitiker ihr globales Profil, mit weltpolitischer Weitsicht nie auffällig gewordene Ex-Bürgerrechtler riefen zum Boykott und erklärte Kinderliebhaber riefen zu den sportlichen Waffen.

Russland war, von Deutschland aus gesehen, schon seit zwei, drei Jahren auf dem Weg, das ultimativ Böse zu verkörpern, wie eine kursorische Auswertung des "Spiegel"-Archives beweist. Der "Spiegel" verwendete den Namen Putin und den Begriff "Regime" in den Jahren 2001 bis 2011 zwischen zehn und 25 Mal pro Jahr im selben Artikel. 2012 stieg die gemeinsame Verwendung schlagartig auf mehr als 50 Fälle, 2013 schließlich kletterte sie auf 60.

Die versteckten Botschaften Putins - mehr Manöver, gleichzeitig aber demonstrative Gnadenakte wie im Fall Chordorkowski und in der Causa Pussy Riot - nahm der siegesbesoffene Westen nicht wahr. Auf Durchmarsch programmiert, entging Diplomaten, Geheimdienstlern und Militärstrategen gleichermaßen, dass sich das globale Spiel um Einflußsphären aus Sicht des Kreml einem entscheidenden Punkt näherte. Während der BND mit einem historischen Umzug und der eigenen Verteidigung in Sachen NSU und NSA beschäftigt war, die Bundesregierung innenpolitisch um Mindestlohn und Frührente pokerte und die Medien glücksbesoffen in Pussy-Riot-Geschichten schwelgten, beendete Putin die Machtschach-Partie mit einem Streich, den niemand hatte kommen sehen.

Dabei lagen die Karten alle offen auf dem Tisch.

Kommentare:

qed hat gesagt…

Am deutschen Wesen sollte die Welt schon immer genesen- ob braun, ob rot, ob schwul, ob trans- es reicht ein Blick auf die Landkarte, das Armaggedon des blöddeutschen Irrsinns immer vor Augen zu haben: Stalingrad ist nur 300 km entfernt.

Anonym hat gesagt…

Jetzt da es einen Gegenspieler gibt, der genau weiss wie man spielen muss, ist es der EU/USA und sonsitgen Kohorten auch wieder nicht recht, wenn sie die falsche Strategie anwenden. Aber klar Geheimdienste sind ja nicht für das Militär und die Landesverteidigung da, wissen wir doch mindestens genau seit Snowden. Die sind da um das Volk weltweit ruhig zu halten, und die Direktiven der NWO-Eliten Mogule zu steuern. False Flag so zu sagen.
Jetzt das grosse Heulen der Medien ist nur, weil der Wind dank Internet-Meinungen ihnen ganz ins Gesicht bläst, und sie das letzte Quantum Glaubwürigkeit doch irgendwie bewahren möchten. Aber zum Glück für sie zu spät. Selbst Sanktionen wird die Wirtschaft Europas derart hart treffen. Und wenn Putin wirklich sein Oel nur noch in Rubel verkauft dann kann Obimbo mit seinem Dollar seinen Laden dichtmachen. Deshalb wird es Krieg geben ,,,,,

Teja hat gesagt…

Naja, Russland wird kaum von sich aus irgendwann das Ziel gesetzt haben, mittelfristig die Krim zu annektieren. Was aber gut vorstellbar ist, dass hinter den Kulissen schon gewusst wurde, was der Westen in der Ukraine abzieht/ abziehen will und dass man da Gegenmassnahmen ergreifen muss. Ausserdem kannte man die prorussische Bevölkerung auf der Krim. So wäre das der perfekte Konter zum Maidan gewesen. Ein Bauernverlust (Janukowitsch Austausch gegen Nazi), dafür Turm geschlagen (Krimreferentum)

Der Westen ist nicht nur dekadent, sondern stellt sich mit seinen Wahnideen selbst ein Bein.

Volker hat gesagt…

"Putin die Machtschach-Partie mit einem Streich"

So sieht´s aus.
Americans play Monopoly, Russians chess.
Deshalb: Putin for President!