Freitag, 13. März 2020

Deutsche Bahn: Angriff der Ölkrieger

Statistik Brent Crude Oil Chart
Öl ist wieder so billig wie vor 40 Jahren - die Preissenkung bei der Bahn droht nun zu verpuffen.

Generös und clever zugleich hatte die Bundesregierung die mangelnde Popularität der Verkehrswende zuletzt mit einem Milliardengeschenk an die Bürgerinnen und Bürger bekämpft. Zehn Prozent Fahrpreisrabatt auf alles bei der bundeseigenen Deutschen Bahn sollten Millionen in die überfüllten Züge locken und die Mobilität endlich von der Straße holen. Kaum angekündigt, folgten schon die Erfolgsmeldungen: Für kleines Geld, die Fahrpreise waren nun wieder dort,wo sie 2016 gewesen waren, planten nun auch Leute Bahnreisen, die vorher einfach daheim geblieben wären.

Gut für den Finanzminister, denn mehr Fahrgäste bedeuten immer auch höhere Auslastung und perspektivisch höhere Gewinne. Zwar ist die Bahn nach Überzeugung von öffentlich-rechtlichen Rechercheuren bereits vor langer Zeit privatisiert worden. Aber vielleicht kommt es ja eines neoliberalen Tages doch noch dazu.

Allerdings blasen nun die alten Ölmächte zum Kampf gegen die deutsche Mobilitätswende, die ganz auf Elektrokraft und Kollektivverkehr setzt. Mit einem öffentlichkeitswirksam inszenierten Streit um Ölfördermengen haben Saudi-Arabien und Russland den Ölpreis binnen eines Tages um 30 Prozent einbrechen lassen. Während eine Bahnfahrt 2020 wieder so billig ist wie 2015, kostet ein Liter Öl wieder so viel wie 1980.

Ein Schock, der nur durch die weitsichtige Steuerpolitik der Bundesregierung gemildert wird, die dafür sorgt, dass etwa beim Benzinpreis rund 70 Prozent des Preises vom Steueranteil auf das eigentliche Produkt ausgemacht werden. Dadurch schlägt der 30-prozentige Knick beim Ölpreis nur mit etwa zehn Prozent an der Tanksäule zu Buche. Dadurch die Rabattspende der Bundesregierung an Bahnkunden allerdings verglichen mit dem Fahrpreis den Autofahrten zahlen, auch komplett ausradiert.

Ein schwerer Rückschlag für Deutschlands Klimabemühungen, denn billiges Benzin wirkt als Brandbeschleuniger für den Klimasommer und die Heißzeit. Vor allem in Zeiten, in denen ein Virus unkontrolliert wütet, das Bundesminister zwingt, Menschenansammlungen allgemein kritisch anzusprechen, ist der vereinzelnde Einfluss günstiger Spritpreise auch mit Blick auf geplante Zwangseinführung der Elektromobilität kaum hoch genug einzuschätzen. Die Furcht vor angeseuchten Mitreisenden in vollen Zügen in Kombination mit verlockenden Niedrigpreisen an der Tankstelle könnte alle positiven Effekte, die die Pandemie bisher gezeigt hat, wegwischen und Deutschland und wie Welt zurückführen in ein dunkles Zeitalter fossiler Energien.

Gefragt ist hier ein weiteres Mal energisches Handeln der Bundesregierung, die schnell und gemeinsam mit den europäischen Partnern Empfehlungen herausgeben muss, wo der Benzinpreis von den Konzernen festzutackern ist. Mit der atmenden Spritsteuer, mit der die Bundesworthülsenfabrik dem Kabinett vor vier Jahren ein Gaspedal für die Benzinpreisbremse konstruiert hatte, ist das Werkzeug im Haus. Es muss nun nur schleunigst, furchtlos und in Abstimmung mit der EU-Kommission angewendet werden, damit Europa nicht zum Spielball der Ölprinzen wird, die vom Klima bekanntlich genausowenig halten wie von der Aufnahme Geflüchteter aus kriegsverhehrten Nachbarstaaten.



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das dürfte Merkel bald wieder einfallen: In ihrer DDR 1.0 kam Sprit (blank) 1,50 in Alumünzen, völlig unabhängig von den Markt-Machenschaften der Kapitalisten und Spekulanten.

Gerry hat gesagt…

Energisches Handeln der Regierung, haha. Die Chinesen brillierten gerade als ein Volk, welches Exponentialfunktionen verinnerlicht hat und imstande ist, diese konsequent im Leben anzuwenden. Ende Dezember noch wurde der Arzt verhaftet, welcher den Virus entdeckte, von wegen Panikmache. Aber die Chinesen sind überhaupt nicht nachtragend, sondern absolute Pragmatiker. Knapp einen Monat später wurde eine ~50Mill Einwohner-Region abgesperrt, wegen offizieller 500 Corona-Fälle. 50Mill, wegen 500! Eine Zahl, worüber man vor kurzem in D noch müde lächelte. Nicht die Chinesen, die verhängen die totale Quarantäne und stampfen innerhalb Wochenfrist 2 Krankenhäuser mit jeweils 1000 Betten aus dem Boden. Das ist eine Präzision und eine Power, da mutet hierzulande alles nahezu prähistorisch an.

Anonym hat gesagt…

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