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| Die mächtigsten Politikpersonen Europas: Drei Reiter ohne Leiter. |
Seit einem Jahr klagen seine Kritiker über die Methode, mit der Friedrich Merz regiert. Andere Kanzler hätten Probleme einfach ausgesessen, bis sie von anderen überwölbt worden seien, heißt es dann. Er aber schaffe es immer wieder, sie zu verschärfen und freisches wasser auf die Mühlöen der Extremisten zu leiten. Wenige nur sind zufrieden mit dem ersten Jahr seit dem "Sommer der Stimmungswende" im vergangenen Jahr.
Doch Merz, nebenher auch noch Vorsitzender und Vordenker der letzten Volkspartei, lässt an seinem Kompass nicht rütteln. Die architektonische Struktur seiner Politik stützt sich auf eine Trias von Säulen, die seit Merz' Abkehr vom Versuch, sich als harter Hund zu geben, bewegungslos in der Landschaft stehen.
Zuversicht mit gutem Grund
Alle drei sind unerlässlich für die Gesamtstabilität: Die kontinuierliche Wiederholung planwirtschaftlicher Ziele wird gebraucht, um zu suggerieren, die Regierung wisse genau, wo es hingeht. Die Aufrufe zu "mehr Zuversicht" (Merz), zu der "wir guten Grund haben", sollen erkennen lassen, dass es flott vorangeht. Und in eins gebunden wird das alles von einer Schnur aus Versprechen und Vertröstungen.
Kritiker nennen die Krankheit "Versprecheritis", Freunde des modernen Sports aber erkennen die Disziplin, die so unterscheidliche Charaktere wie Merz, seine rechte Hand Lars Klingbeil, seine sprichwörtliche "Linke" Bärbel Bas und der Rest der Regierungsmannschaft mit so großer Leidenschaft ausüben. es handelt sich um das sogenannte "Hobby-Governing", ein Regieren, das aus Simulieren besteht.
Die Zukunft des Regierens
Die Ausübenden bilden dabei wie im richtigen Leben Koalitionen, sie verabschieden Programme, streiten mit- und leiden aneinander. Der noch recht junge Sport wird von in beauftragten Medien breit gefeatured, beliebt sind etwa Bilder von anfahrenden Limousinen, auf die oft kurze Aufsager folgen, aus denen die klassische Politik-Botschaft herauszuhören ist: Lage im Griff, Hilfe im Anflug. Etwas Geduld. Wir schaffen das.
Hobby-Governing sei wie Home-Office bei der Müllabfuhr oder Reiten ohne Leiter, sagen Kenner der ursprünglich in den USA der Clinton-Jahre wiederentdeckten Disziplin. Beim Hobby-Governing (HG) sind die Akteure aufgerufen, mit großer Ernsthaftigkeit alle Kraft auf die Lösung von Problemen zu konzentrieren, die in ferner Zukunft liegen. Ziel der Übungen ist es, von naheliegenderen und viel drängenderen Fragen abzulenken.
Nur die großen Linien
Hobby-Governer sehen nicht das kleine Karo der Tagespolitik, sondern die großen Linien und die langfristigen Entwicklungen. Schon in früheren Zeitaltern wussten Instinktsportler wie Lenin, Stalin, Honecker und Castro, was die Wissenschaft unwiderlegbar bewiesen hatte: Die Entwicklungsweg der Menschheit führte seinerzeit unweigerlich von der proletarischen Revolution über den Sozialismus in den Kommunismus.
Heute ist es die westlich geprägte Demokratievorstellung, die ihre Grundwerte weltweit durchsetzt. Hobby-Governer treten jeweils an, bis dahin für Unterhaltung zu sorgen. Sie sind die Gesichter der Geschichte, Getriebene vom Gedanken, die Strohhalme, die sie in den Händen halten, seien Hebel, mit denen sich die Historie ändern lässt.
Großarena des Hobby-Governing
Im politischen Berlin, dieser Großarena des Hobby-Governing, lässt sich das Geschehen an jedem Wochentag beobachten. Die Szenerie wirkt auf den ersten Blick vertraut: Rund um den Reichstag sind Sicherheitsmaßnahmen in Kraft, die an Freibad im Ruhrgebiet erinnern. Menschen kommen und Menschen gehen, einige sind selbst Hobby-Governer, andere gehören zu bekannten HG-Teams oder arbeiten in den Promotionsabteilungen der Liga.
Es herrscht eine Atmosphäre aus Vorfreude auf den spielerischen Wettbewerb, es riecht schon am frühen Morgen nach verbalen Höchstleistungen. Die Aktiven nicken sich freundlich zu. Jetzt, kurz vor dem Ende der Saison und vor der Saisonpause sind alle tiefenentspannt. Erbitterte Gegner sehen sich in kurzen Momenten der Unkonzentriertheit freundlich an. Der Fokus auf die Brandmauer, die die einen verteidigen und die anderen zu überspringen suchen, ist verschoben.
Hobby-Governer unter der Glaskuppel
Die Arena, gekrönt von der bekannten Glaskuppel, ist voll wie immer. Die Stars in der Manege absolvieren ihre letzten Auftritte vor dem Urlaub umbraust vom Applaus. Der gilt nicht historischen Weichenstellungen von resoluten Basta-Poltikern, sondern einer neuen Generation aus fingerfertige Illusionisten.
Stolz sind hier immer noch alle, dass es jüngst gelungen ist, Medien und Gesellschaft mit viel Rabulistik und einer drastischen Erhöhung der Beiträge zu überzeugen, dass die Rente bis zum Jahr 2090 sicher sein wird. Die Zuschauer haben das bejubelt, als hätten sie eine echte politische Entscheidung erlebt. Die Sportler wussten - keine echte Weiche musste gestellt, keine Konsequenz gezogen werden.
Spannend wie Hobby-Horsing
Kennerinnen und Kenner sehen die Parallele zum sogenannten "Hobby-Horsing". Was einst im Kleinen als eine sportliche Kuriosität begann, die von meist armen oder armutsbedrohten jungen Mädchen ausgeübt wurde, die sich kein eigenes Pferd leisten, hat die politische Arena erobert. Parteien betreiben das "Hobby-Governing" - zu Deutsch sinngemäß "Alsob-Regieren" - mit professionelelr Ernsthaftigkeit.
Riesige Apparate sind mit der Aufrechterhaltung der Illusion beschäftigt, Figuren wie Friedrich Merz, die EU-Vorsitzende Ursula von der Leyen oder der glücklose französische Präsident Emmanuel Macron säßen an echten Schalthebeln, die es ihnen erlauben, das Weltklima zu ändern oder einem ganzen Kontinent planwirtschaftlich zu neuem Wohlstand zu verhelfen.
Fern von echten Problemen
Im Hobby-Governing geht es allerdings ausschließlich um Anmutung. Erfolgreiche HG-Sportler wie Angela Merkel, Joschka Fischer, Friedrich Merz oder Robert Habeck haben den Instinkt, genau zu wissen, dass sie sich von jedem akuten Problem fernhalten müssen. Schneit aus der realen Welt doch einmal ein Hindernis herein, galoppieren sie behende drumherum.
Ein herausragendes Beispiel für diese Gelenkigkeit ist der Umgang mit jähen Wendungen, die kein Planer im Block hatte. Als US-präsident Donald Trump begann, bei dern Europäern höhere Rüstungsausgaben anzumahnen, lehnten die HG-Akteure das Ansinnen aus Amerika rigoros ab.
Trump sei dumm, dreist und bald wieder weg, hieß es. Im Rückspiel gelang dann ein mustergültiges Wendemanöver: Die höheren Rüstungsausgaben waren jezzt nicht mehr Erpressung, blödsinnung und friedengefährdend. Sondern eine ureigener Wunsch Europas, den sich alle Spitzenmannschaften in der HG-Liga schon lange hatten erfüllen wollen.
Klimaerwärmug als Paradeplatz
Das Spielfeld wird auf diese Weise immer wieder neu gestaltet. Viele Jahre diente die Klimaerwärmung als Paradeplatz, auf dem die HG-Sportler ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten, Probleme perfekt zu lösen, die weit in der Zukunft auftauchen könnten. Anstatt sich den technologisch komplexen und mühsamen Anforderungen einer echten Anpassung sowohl gesellschaftlicher als auch industrieller Prozesse zu widmen, zeigten die Aktiven, wie sich ein Steckenpferd reiten lässt. Ausstieg hier, Einstieg da. Vom Hü zum Hott und zurück.
Ein anschauliches Beispiel war die Strategie eines mit aller Macht forcierten E-Mobilitätsausbaus. Hobby-Governer wie Peter Altmaier und Robert Habeck riefen ehrgeizige Ziele aus und sie zahlten besonders reiche Milliarden, um jener idealisierten Spielewelt nahezukommen, in der sie ihr Glück gefunden hatten. Die reale Verfügbarkeit von Rohstoffen, die notwendige Kapazität der Stromnetze und die begrenzte finanzielle Leistungsfähigkeit der Bürger wurde hingegen nicht berücksichtigt. Das Ergebnis des Hobby-Government-Experiment: Immer noch werden vier von fünf in Europa verkauften Fahrzeugen von einem Verbrennungsmotor angetrieben.
Zielvorgabe statt Wirklichkeit
Kein Beinbruch. Im Hobby-Governing werden Probleme weder durch technologische Innovationen gelöst noch durch Verbote, Strafen oder Prämien. Sondern allein dadurch, dass der geüblte Hobby-Governer die komplexe Realität durch eine rein auf dem Papier existierende Zielvorgabe ersetzt, auf die er mit großem Brimborium zureitet. Auf diese gewiefte Art verlässt die Politik das Feld der wirksamen Einflussnahme auf die Realität. Sie findet ihren Platz in möglich bürokratisch konzipierten Umverteilungsprogrammen.
Die, im HG auch als "Spielplan" bezeichnet, existieren keineswegs nur als wohlklingende Konzepte in den Regierungspapieren. Eine ganze Industrie aus HG-Berichterstattern nimmt die oft als "Maßnahmepaket", "Zehn-Punkte-Plan" oder "Koalitionsvertrag" bezeichneten Public-Relation-Konzepte nicht weniger ernst als die Diskussion um die Auftsellung der deutschen Startelf bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.
Ignorieren statt Regieren
Dass Hobby-Governing mit Propagandafeldzügen im Namen von "Green Plan", "Lissabon-Strategie" oder "KI-Regulierung" keinen Einfluss auf die Lebenswirklichkeit der vereintlich Betroffenen zu nehmen vermag, wird ignoriert, obwohl es sich dabei um eine reale Erleichterung für alle Beteiligten handelt.
Hobby-Governing lebt von der Behauptung der eigenen Ernsthaftigkeit und der medial häufig und weit verbreiteten Versicherung, Hobby-Governer seien es, die mit ihren symbolischen "Plänen" und "Maßnahmen" Lösungen für alles herbeiführen würden. Ungeachtet der Tatsache, dass die ökonomische Produktivität sinkt, die Armutsgefährung steigt und das Versagen bei der Schaffung von Möglichkeiten für technologische Entwicklungen die Stars der Szene mittlerweile seit zwei Jahrzehnten blamiert, erfreut sich der Alsob-Sport zumindest bei den Leitmedien weiterhin großer Beliebtheit.
Verliebt in Vater Staat
Wie die Zentralorgane der Yellow Press auf todkranke Prinzessinen fliegen sie auf eloquente HG-Stars wie Merz, Miersch, Banaszak und Reichninnek. Deren Behauptung, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt könne von den Trainerstäben der HG-Liga geplant und der Erfolg per Dekret verordnet werden, fasziniert eine ganze Generation von Berichterstattern.
Sie alle sind großgeworden mit der Erzählung vom Primat des Staates. Nur der könne Gerechtigkeit befehlen, Gleichheit schaffen technologisches Neuland erobern und das Klima retten, glauben die Jünger einer Sportart, in der die staatliche Anordnung vergleichbar ist mit dem Galoppsprung mit Handwechsel beim Hobby Horsing.
Die Architektur des eingebildeten Problems
Hobby-Governing beschreibt den Zustand, in dem Regierungspolitik zu einer performativen Kunstform geworden ist, die sich von der physischen Realität entkoppelt hat. Wie beim Hobby-Horsing, das das romantische Ideal des Reitens – Eleganz, Disziplin, Freiheit – vom lebendigen Wesen befreit, hat das Hobby-Governing den Prozess der Problemlösung von der praktischen Umsetzung abgelöst.
Anstatt auf komplexe, materielle Herausforderungen mit harten Fakten zu reagieren, werden abstrakte Ziele definiert, die nur in einer konzeptuellen Welt existieren. Das Steckenpferd der Politik ist nicht aus Holz und Plüsch, sondern aus Paragrafen und ideologischen Leitbildern, deren Tauglichkeit sich nie erweisen muss, weil im Moment der Abrechnung schon die nächste Runde Illusion gesattelt worden ist.
Eine Arena außerhalb der Realität
Die politische Arena befindet sich außerhalb der Realität. In Brüssel, im Bundestag, in den Landtagen und Ministerien stört es niemanden, dass das Steckenpferd nicht wiehert. Hobby-Governing schafft sich seine eigene Realität, die unzerstörbar ist wie jede Parallelwelt. Weil alle echten Probleme ignoriert werden und nur eingebildete angegangen, haben Maßnahmen keine realen Auswirkungen, ganz egal, ob sie anschlagen doer versagen.
Es handelt sich bei der Spielewelt der Hobby-Governer um ein geschlossenes System. Die Akteur bestätigen sich gegenseitig in ihrer Zielsetzung und sie versichern sich, dass ihre Methoden richtig sind. Die angeschlossenen Abspielanstalten liefern den Applaus, oft wie in Vorabendserien vom Band eingespielt. Wie beim Hobby-Horsing, in dem das lebende Tier als allzu gefühlsechte Gefahrenquelle eliminiert wurde, haben die Aktiven die widerspenstige Realität der Bürger im Hobby-Governing als Komplikationsfaktor erkannt und abgeschafft.
Heute zeigt Hobby-Horsing so, was möglich ist, wenn Regierungspolitik dazu degradiert wird, die Vorschläge von Expertenkommissionen und multinationalen Gremien ummzusetzen. Probleme können geritten werden, auch wenn sie nicht existieren. Ziele werden verfehlt, aber es gibt immer schon neue, denn der nächste Spieltag ist immer der wichtigste.


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