Dienstag, 26. Januar 2021

Mutante im Anmarsch: Deutscher Mutationsnationalismus

Als der "irre" Donald Trump vom "chinesischen Virus" sprach, war das eine Attacke auf das asiatische Land, in dem das neuartige Coronavirus mutmaßlich seinen Ursprung nahm. Wer "China-Virus" sagte, war ein Rassist und Nationalist, er handelte „absolut widerlich“, wie Trumps  Nachfolger Joe Biden mit Blick auf Verschwörungstheorien feststellte, die auch von verantwortungslos handelnden deutschen Medien verbreitet worden waren. Nur weil das Corona-Virus zuerst in China aufgetaucht war, ist es kein chinesisches Virus, sondern eines der gesamten Menschheit, darüber waren sich alle Kommentäter einig. Das weltweite Massensterben durch Covid-19 kenne keine nationale Herkunft, egal, woher die Opfer kommen.  

Die Rache der Erde für Hambi

Das war zumindest der Arbeitsstand der Argumentationsmodelle von der ersten Phase der Pandemie bis zur zweiten Welle im Herbst. Schuld an Corona waren der Klimawandel, die menschliche Gier, der Kapitalismus, die Rache der Erde für Hambi und nicht zuletzt Trump selbst, dessen episches "Versagen" (Spiegel) bei der Bekämpfung des Virus es Deutschland erst nach zehn Monaten gestattete, die Vereinigten Staaten bei der Zahl der Covid-Todesopfer je eine Million Einwohner zu überholen und hinter sich zu lassen. 

Noch hält die politische und mediale Verteidigungslinie, dass Deutschland "trotzdem" (Malu Dreyer) sehr gut durch die Pandemie gekommen sei. Doch gerade mit Blick auf den langsam anlaufenden Bundestagswahlkampf müssen perspektivisch Verantwortliche herbeigeschafft werden, denen sich zuschreiben lässt, dass Deutschland mit zehn Corona-Opfern pro einer Million Einwohner in der globalen Hitparade der Corona-Todesraten auf dem zweiten Platz hinter Großbritannien (18) liegt. Weit vor den hierzulande lange als Weltuntergangsgebiete gehandelten USA (9,23) und Italien (7,93).

Tolle Bilanz, nur tödlich

Die Wahl fiel dann auf die "Mutante", ein Begriff, der im deutschen Wortschatz bis vor kurzem nicht existierte, dann aber auf Initiative des SPD-Epidemokraten Karl Lauterbach bei der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin in Auftrag gegeben wurde. Das Wort, das den bislang gebräuchlichen  deutschsprachigen Begriff "Mutation" binnen weniger Tage ablöste, zeichnet sich durch eine innen anhaftende Bedrohlichkeit aus, muss aber nach den Verwendungsanweisungen aus der BWHF zwingend mit einer kräftigen Portion "Corona-Rassismus" (Der Spiegel) abgewürzt werden. 

Dazu verwendet werden momentan vor allem die Zuschreibungen "südafrikanische Mutante", "brasilianische Mutante" und "britische Mutante", die allesamt auf die fremdstämmige Herkunft der Plage und die ausländische Verantwortung für die weiterhin notwendigen Härten im Kampf gegen "den Virus" (Armin Laschet) hinweisen. Nicht im Inland wurde versagt, beim Schutz der Älteren, bei der Kontrolle der Einreisen oder bei der Bestellung ausreichender Impfstoffevorräte. Sondern in fremden Ländern, die eine völlig falsche Corona-Strategie verfolgten, so dass das Virus mehr als 1.300 Mutanten produzieren konnte, die nun im Staat mit den meisten Eindämmungsverordnungen weltweit mühsam gestoppt werden müssen.

Die bösen Brasilianer

Dass sich das - günstigerweise von einem ausgewiesenen Faschisten geführte - Brasilien deshalb kritische Nachfragen gefallen lassen muss, ohne sie zu beantworten, öffnet das Tor zu einer Vielzahl scharfer Attacken auf namentlich ungenannte Schuldige weit entfernt von Deutschland. Schuld am neuerlichen  Schlamassel, auch wenn es bislang nur "droht" (Angela Merkel), ist der sorglose Umgang des Brasilianers Bolsonaro mit der Seuche, die so erst Gelegenheit bekam, zu mutieren. Diese fremdstämmigen Mutanten sind es nun, auf die gezeigt werden muss. Mutanten, von denen man nicht weiß, wie viel genau ansteckender sie sind, aber sie sind es, auch tödlicher vielleicht, in jedem Fall aber fremdverantwortet und nichts mit Impfstoffmangelbestellung.

Im Gemeinsinnfunk getreulich flankiert von erschütternden Berichten, die weinende und sterbende Brasilianer zeigen, gewinnt der deutsche Mutationsnationalimus die Hoheit über die virtuellem Stammtische bei "Anne Will", "Maischberger" und "Spiegel". Die ersten Ergebnisse der Muntanten-Kampagne machen Mut: Je mehr die Menschen glauben, dass das deutsche Pandemiedesaster fremden Mächten im fernen Ausland anzulasten ist und nicht dem fortgesetzten "Versagen" (Welt) der eigenen Regierung, desto eher nahmen das Ausland als Bedrohung war und waren bereit, im Schulterschluss mit der Großen Koalition weitere Härten zu ertragen.

 

Montag, 25. Januar 2021

Deutsches Impfwunder: Im Visier der Geheimdienste

Ein Impfzentrum in Süddeutschland macht mögliche Handlanger ausländischer Mächte schon am Eingang darauf aufmerksam, dass derzeit kein kostbares Vakzin zu rauben ist.

Der schmale Mann im langen grauen Mantel tat ganz unauffällig. Über Stunden drückte er sich vor dem Glaspalast des bereits seit mehreren Tagen geöffneten Impfzentrums (IZ) in Barbaradenheide herum, er schielte immer wieder auf dir große, halbautomatische Panaorametür, die 24 Stunden täglich von nur leicht bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wird. Zuweilen schien der Fremde die heranströmenden Impflinge zu zählen, hin und wieder sahen ihn Security-Mitarbeiter auch Fotos machen. Es habe sich natürlich niemand etwas dabei gedacht, sagt Oberimpfarzt Sören Heide-Bermann, "es ist ja auch nicht verboten, hier auf der Straße zu stehen."

Was Heide-Bermann nicht ahnen konnte: Der so harmlos auftretende Mantelmann war nicht irgendein neugieriger Anwohner, ein Spaziergänger oder ein Ordnungsamtsmitarbeiter, der die Einhaltung von Masken-, Anstands- und Handwachpflicht kontrollierte. Sondern, wie eine von der schließlich doch misstrauisch gewordenen Impfzentrumsleitung herbeigerufene Sondereinsatzgruppe der Pandemie-Polizei feststellte, ein sogenannter Spritzen-Spion. 

Dabei handelt es sich um Helfer und Helfershelfer ausländischer Geheimdienste, die in diesen entscheidenden Tagen des deutschen Endkampfes gegen Corona und seine Mutanten verstärkt ins Land geschleust werden, um hier "Spionage- und Sabotageversuche" (DPA) zu unternehmen.

Natürlich. Der Kampf gegen die Pandemie ist längst auch ein Kampf um die beste  Strategie gegen die Seuche geworden. Geht es autoritär und undemokratisch zu, mit umfassenden Schließungen, Berufsausübungsverboten und staatliche verordneten Beschränkungen der Bewegungsfreiheit? Oder funktioniert das chinesische Modell doch besser, das auf Einreisebeschränkungen , scharfe Kontrollen und regelmäßige Tests für alle setzt?

Dem großen deutschen Impfwunder, weltweit bestaunt und beneidet, drohen in dieser Situation neue Gefahren. Fremde Dienstes versuchen mit aller Macht, das Erfolgsgeheimnis der deutschen Impfzentren herauszubekommen, um die smarte Mischung aus multispektraler Terminvergabe, behutsamem Impftempo und Versprechen auf eine stimmungsaufhellende Spritze für alle noch vor der Bundestagswahl daheim zu kopieren. Keinem anderen Land mit der Bevölkerungszahl Deutschlands, darauf verweist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn immer wieder, ist es bisher gelungen, in vier Impfwochen etwa 1,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger zu spritzen. Naheliegend, dass das weltweit Neid und Eifersucht weckt.

Das ist aber nicht mehr länger die einzige Bedrohung, die der kurz vor Weihnachten mit der 101-jährigen Edith Kwoizalla im ostdeutschen Halberstadt gestarteten größten Impfkampagne der Geschichte droht. Nicht nur ausländische Spione und Diversanten haben die Impfzentren im Visier, sondern nach Erkenntnissen des BKA auch „Impfgegner, Corona-Skeptiker und Verschwörungstheoretiker“ (DPA), die im Corona-Untergrund eine Covid-RAF gebildet haben könnten. 

Im Moment handele es sich bei deren möglichen Angriffplänen auf Pharmafirmensitze, Impfzentren, Vakzin-Transporte sowie -Lagerstätten noch um eine „abstrakte Gefährdung“, weil derzeit zu wenige Impfstoff-Transporte in Deutschland ankämen und auch weder in Lagern noch in den weitgehend leerstehenden Impfzentren etwas zu holen oder zu zerstören sei. Doch Demonstrationen von Corona-Leugnern, Gegnern von Corona-Maßnahmen und Verschwörungsideologen zeigen nach einem BKA-Lagebild, dass es auch ohne „konkrete gefährdungsrelevante Erkenntnisse“ eine Gefahr von „physischen Übergriffen“ auf Personal und Impfempfänger gebe.

Oberimpfarzt Sören Heide-Bermann ist durch die Warnungen aus Berlin vor gezielten Angriffen und Anschlägen auf die Infrastruktur des deutschen Impfwunders zumindest sensibilisiert. "Wir wissen jetzt, worauf wir achten müssen", sagt der Mediziner. Tauchten erneut unbekannte Männer in langen grauen Mänteln vor der Tür des IZ auf, womöglich noch mit Hut und Kamera, werde man nicht wieder so lange das Äußerste riskieren und dem Treiben tatenlos zuschauen. "Wir haben eine Notfallnummer von den Kolleg*innen der Pandemie-Polizei bekommen", versichert Heide-Bermann, "da klingeln wir beim nächsten Mal sofort durch."

Schraps und die Spritze: Haltet den Piks!

Nur weil es mit dem Impfen nicht klappt, glauben manche Zeitungen jetzt, ungehindert kritisieren zu dürfen.

Die Medien waren es freilich sicher nicht, weder Bild noch SZ noch Spiegel oder gar die Taz, die FR oder die FAZ, der WDR, das ZDF oder die Deutsche Welle. Doch an der Bundesregierung kann es auch nicht gelegen haben, denn ausweislich der 6,37 Millionen kritischer Zeitungs-, Magazin- und Fernsehbeiträge, die der Greifswalder Medienentropologe Hans Achtelbuscher seit Beginn der "pandemischen Lage von nationaler Tragweite" (WHO) gezählt hat, lief dort alles wie mit teurem Argan-Öl aus veganem Anbau geschmiert.  

 Passgenaue Entscheidungen

Es war schon fast beängstigend, wie im informellen Corona-Kabinett stets auf die Minute Sekunde genau Entscheidungen über das Schicksal der Nation getroffen wurden, die von Völkern in fern wie in weit nur beneidet werden konnten. Ein letztes Mal dachte Angela Merkel vom Ende her. Ein letztes Mal zeigte sie, wie sie Probleme durch die gewitzte Änderung der eigenen Position zu lösen vermag: Die Maske wandelte sich ebenso wie die Grenzschließung mehrfach grundsätzlich in ihrer Bedeutung. Nur eines blieb: Dort vor Ort, wo gegen Corona "gekämpft" (DPA) wurde, tauchte die Kanzlerin in elf Monaten nicht auf.

Daran aber lag es sicherlich nicht, dass  mit der Dauer der "zeitlich befristeten" (Merkel) Eindämmungsmaßnahmen auch die Solidarität der Frauen und Männer an den Schreibmaschinengewehren schwand. Alle Wendungen und Bedeutungswechsel hatten sie widerspruchslos mitgemacht, die Verwandlung des meistenteils ungefährlichen Virus in eine Todesseuche ebenso getreulich erklärt wie den Wandel der überflüssigen Maske zum lebensrettenden Gesichtslappen. Und selbst die jüngste Volte gefeiert, die den "Mund-Nasen-Schutz" (Bundesworthülsenfabrik) zum unnützen Symbol erklärte, das nun, wegen der "Mutante" (Karl Lauterbach), doch durch medizinische Masken ersetzt werden müsse.

Ein Hauch Unwillen

Erst beim unübersehbaren Impfstoffversagen, das nach vier Wochen aus keiner Statistik mehr herauszuleugnen ist, regt sich nun ein Hauch Unwillen. Wie soll man auch eine Regierungspolitik noch besser erklären, wenn schon der oberflächliche Blick auf die Verlaufskurven einen selbst nur noch mit dem Kopf schütteln lässt? Auf einmal gibt es Fragen, Fragen an den Gesundheitsminister, Fragen sogar an die Bundeskanzlerin selbst. Schraps hat den Hut verloren, aber wer ist schuld daran?

Die Kanzlerin hat die Frage sofort abschließend beantwortet. Man habe "das Menschenmögliche" getan. Mehr war nicht drin, nun sind sie halt nicht da, die Impfstoffe. So smart die EU verhandelt hat, Hut ab!, so viel smarter waren andere. Pech. Der Gesundheitsminister ist ihr beigesprungen. Nicht so glücklich, das Ganze. Aber eben auch nicht zu ändern, weil die Entscheidung gut und richtig war, nicht selbst impfnationalistisch zu bestellen, sondern die EU-Kommission machen zu lassen, was sie immer macht: Irgendwas, aber zu spät. Und dann ganz langsam.

Europa war es auch nicht

Bei der Großverwaltung in Brüssel jedenfalls, daran hat Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen keinen Zweifel gelassen, liegt die Verantwortung jedenfalls auch nicht. Man hat genug bestellt und dass die vertraglich verpflichteten Lieferanten nicht liefern können, weil sie mit der Impfstoffentwicklung noch nicht fertig sind - wie hätte die Kommission das verhindern sollen? Immerhin hat man Geld gespart und dort, wo schon Impfstoffe fertig sind, günstigere Einkaufspreise erzielt als andere.

Und am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch schließlich alles in einer Gemeinschaft, die in den Finanzen ihre große Gemeinsamkeit gefunden hat. Hier gilt schon immer das Motto je größer, desto gemeinsamer und so ist das Corona-Rettungspaket, das in der ersten Welle angekündigt wurde, denn auch das allergrößte, das es jemals gab. "Geschnürt" (DPA) seit Monaten, beschlossen seit letzten Jahr, als es gelang, die Ungarn und die Polen durch freigiebige Sonderzahlungen mit ins Boot zu holen. Gestritten um die Verwendung der 750 Milliarden wird auch schon, heftig sogar. Nur das Geld selbst ist nirgendwo zu sehen. Es staut sich, statt zu fließen, und es stürzt Regierungen, statt sie zu stabilisieren.

Die Magie der Gemeinschaftshaftung allein bewirkt, dass auch die Schuld daran niemand tragen muss. Der Wille war da und wer jetzt kritisiert, hätte es halt selbst besser machen sollen. Gut, andere Staaten impfen zehnmal so schnell und retten viel flüssiger, manche sehen sogar schon Licht am Horizont der Pandemie. Doch, wie es hierzulande  gelaufen ist, das sagen alle Umfragen, finden es die Bürgerinnen und Bürger genau richtig. Glücklich ist, wer bis zur Wahl vergiss, was nicht mehr zu ändern ist.

Und wer zweifelt, den überzeugt der Gesundheitsminister jetzt mit einem medikamentösnationalistischen Sololauf: Demonstrativ hat Jens Spahn jetzt 200.000 Dosen des amerikanischen  Medikaments Regeneron bestellt, nicht zugelassen, aber medientechnisch allemal wirksam. Interessanterweise mit einer Arznei, deren Verabreichung nach Trumps Covid-Erkrankung aus Deutschland im Chor verdammt worden war.

Sonntag, 24. Januar 2021

Aus Wuhan in den Wahnsinn: Die verrückte Reise der deutschen Medien ins Katastrophengebiet

Ohne Maske, ohne Abstand: Im ersten Lockdown zeigte die Kanzlerin noch, dass eine Rolle Toilettenpapier ausreicht. Das Medienecho war gigantisch.

Erst war Wuhan, dann war Webasto, dann begann der Wahnsinn. Zum einjährigen Jubiläum der Corona-Pandemie lässt PPQ.li die verrückte Reise der deutschen Medien ins Katastrophengebiet Revue passieren: So begann es. Und so ging es weiter. Heute schon unglaublich.

Richtig richtig lag von Anfang an, wer niemandem kein Wort glaube. Jens Spahn war damals, im Februar 2020, schwer beschäftigt, allerdings weniger mit seinem Amt als Gesundheitsminister, sondern mit dem Kampf um das Merkel-Erbe und die Rückeroberung von Thüringen. Als der CDU-Hoffnungsträger zum ersten Mal nach jener "neuartigen Lungenkrankheit" aus China gefragt wurde,  wusste anfangs überhaupt nicht wovon er redete die Regierung wusste  er wenig dazu zu sagen. Man beobachte das. Irgendwie. Kein Grund zur Panik. Thüringen war weitaus wichtiger.

Virenabwehr an den Außengrenzen

Und die offenen Grenzen. Als Donald Trump, der Hassprediger im Weißen Haus, wie ihn Bundespräsident Steinmeier nannte, die USA abschottete, galt das eherne Merkelwort von der Unmöglichkeit der Schließung der 3.000 Kilometer langen deutschen Grenze weiter. Nach den Schengen-Regeln hatten die EU-Staaten die Verpflichtung, an den Außengrenzen der EU eine wirksame Virenabwehr aufzubauen, ohne den freien Waren- und Personenverkehr zu behindern. Beruhigend sprachen Politiker auf Medien ein. Beruhigend wirkten Medien auf ihre Leser.

Erst am 6. Februar ging der erste Newsticker live. Noch wurde um Thüringen gekämpft, noch waren die Fronten in Erfurt nicht klar. Noch wusste außerhalb der Redaktionsstuben niemand, wer Freund und Feind ist und das Deutschland auf eine Pandemie vorbereitet war wie ein Einbeiniger auf den olympischen Hürdenlaufwettbewerb. Die Todesseuche, bis dahin von Korrespondenten aus fernen Ländern als Geschichte grauenhafter chinesischer Willkürmaßnahmen gegen brave Bürger erzählt, verbreitet, war dennoch im Hauptkampfgebiet angekommen.

Der Kampf um die Köpfe

Ein wahrhaft historischer Moment, denn von nun an tobte der Kampf um die Köpfe und Herzen der deutschen Öffentlichkeit, dazu aber auch der um die Gunst der Regierenden. Zwar war die Kanzlerin zu Beginn noch damit beschäftigt, in Thüringen aufzuräumen, wo der Faschismus unverhofft an die Macht gelangt war. Aber trotz der Klicks, die Corona zu generieren versprach, war Ruhe von Anfang an erste Medienpflicht.  Dass man gut vorbereitet war und alles nicht so schlimm, dass man sich noch guter vorbereiten würde und das "Schutzgut Mensch" überhaupt vertrauen können dürfe - kein Tag verging, an dem Gemeinsinnsender und Großredaktionen nicht energisch dem Endstadium ihrer Verwandlung von kritischen Begleitern der Regierungspolitik zu willigen Sprachrohren des Kanzleramtes zustrebten.

Stets verließen sie sich auf das, was ihnen gesagt wurde. Ein ganzes Heer von Pandemiepanik-Bekämpfern marschierte auf, das auf allen Kanälen verkündete, wie alles im Griff war alles und wie gut vorbereitet selbst die Notstandslager waren. So leer, so aufnahmebereit! Anfangs warnte man getreulich der Regierungslinie vor Masken und denen, die nach ihnen verlangten. Mit derselben Leidenschaft wurden später Maskenverweigerer gebrandmarkt, die durch ihr Tun andere gefährdeten. Als Donald Trump einen Impfstoff noch vor Ende des Jahres versprach, brach gallige Heiterkeit aus. Der Irre war wieder in der Stadt! Und als der Impfstoff da war, aber keiner bestellt wurde, erklang das Lob auf dei gemeinsame EU-Impfstoffstrategie.

Der Dackel an der Verlautbarungsleine

Immer hinterher, immer der Dackel an der Leine der Verlautbarungen aus Kanzleramt und Staatskanzleien. Jeden Tag galt eine Wahrheit, die allenfalls eine Woche Bestand hatte, ehe sie - ohne Fehlerdiskussion - getauscht wurde gegen eine neue Mutation. Nach und nach verschwand das Händewaschen aus dem Katalog der grotesken Seuchenmaßnahmen, eingetauscht gegen die Hoffnung, dass Grenzschließungen womöglich doch eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen könnten, das Ausbruchsgeschehen überschaubar zu halten. 

Zwölf lange Monate dauerte die Fahrt aus Wuhan in den Wahnsinn, eine verrückte Reise der deutschen Medien ins Katastrophengebiet, die absolviert wurde, ohne dass zwischendurch die Notwendigkeit aufschimmerte, kritische Fragen zu stellen. Eine ganze Branche verteidigte die Heimat, indem sie mal den schwedischen Weg brandmarkte und mal die Italiener als unfähig zu einer ordentlichen Eindämmung bezeichnete, mal den Österreicher Kurz als Laienspieler entlarvte, mal Trump als Weltcorona-König schalt und mal empört war, dass Russland und China schon impften, obwohl die europäische Arzneimittelbehörde noch nicht einmal mit dem Zulassungsverfahren begonnen hatte.

Wir Virologenstars

Es waren immer die anderen, denen alles schiefging. Und immer die unseren, die mit traumwandlerischer Sicherheit  die richtigen Maßnahmen im richtigen Moment in richtig demokratisch beschlossene Eindämmungsverordnungen verpackten. Deutschland hatte die Virologenstars, die Kanzlerin, die das Unheil sehen und es vorbeugend verhindern konnte. Und es hatte die Medien, die zur rechten Zeit die passenden Bilder präsentierte, um die Abwehrkräfte des Volkes zu stählen. Wer erinnert sich nicht gern an Ursula von der Leyen beim Händewaschen ganz am Anfang, an Angela Merkel, die im Kampf gegen die Hamsterer mit einem eigenhändigen Einkaufsgang bewies, dass auch eine Rolle Toilettenpapier reichen kann, und an Karl Lauterbach, dessen Diskant auf allen allen Kanälen erscholl und von den Beratungen des Besitzers mit "anderen Wissenschaftlern" berichtete.

Zwölf Monate wie ein wilder Alptraum, ein irrer Ritt auf der Rasierklinge unbedingter Gefolgschaftstreue, die es weitgehend verbot, Zweifel am fehlenden Gesamtkonzept zu üben oder auch nur zu fragen, weshalb das größte demokratisch gewählte Parlament sieben Jahre braucht, bis es immer noch keines hat. Stattdessen wurde jede Windung und jede Wendung mitgemacht, jede kreischend absolvierte Kurve gefeiert und jedes neue, jeweils als "unbürokratisch" angekündigte Hilfspaket solange besprochen und analysiert, bis es sich in der Praxis als lebensuntaugliche Missgeburt erwiesen hatte.

Die Macht, die das machte, war nahezu absolut, weil die öffentliche Kontrolle absolut versagte. Medien, die berufen gewesen wären, das Versagen im Detail zu beschreiben, verstanden sich als Weltbilderklärer der Pandemiepolitik, verlängerte Werkbänke der wirren Maßnahmerotation, die mal mehr testen wollte und dann wieder weniger, die eine weitgehend wirkungslose App erschuf und überhaupt alles zu digitalisieren versprach, sich dann aber doch darauf beschränkte, regelmäßiges Lüften zu empfehlen.

Samstag, 23. Januar 2021

HFC: Glückseligkeit in der Nachspielzeit

Ein glücklicher Mann vor einer leeren Fantribüne: Terrence Boyd schoss den HFC zum verdienten Sieg.

Auf einmal steht er da in der Luft, der Mann mit der 13, ringsum Zwerge in Schwarz, die ihm ratlos bei der Arbeit zuzuschauen scheinen. Terrence Boy, im 78. Derby seines HFC bis dahin ohne Abschlussglück wie alle seine Mitspieler, ist in dieser 90. Minute noch einmal bedient worden, diesmal vom kurz zuvor eingewechselten Niklas Landgraf. Der Linksverteidiger nimmt einen von Magdeburgs Torhüter Morten Behrens weit vor dem Strafraum weggeschlagenen Ball auf, geht zwei, drei Schritte und scheint dann aufs leere Tor zielen zu wollen. Der Schuss aber wird zur Flanke, die millimetergenau zu Boyd findet. Und "T", die Überlebensgarantie des HFC, tut, was er immer tut, wenn man ihn lässt. Er trifft ins Tor. 1:0! Boyd grinst und läuft zur leeren Tribüne. Mit ausgebreiteten Armen bejubelt der Sturmführer der Schnorrenbergelf einen Sieg, an den schon niemand mehr geglaubt hatte. 

Halle bestimmt das Spiel

Obwohl die Gastgeber nur selten so überzeugend durch eine Begegnung mit dem ewigen Rivalen aus dem Norden gerutscht waren. Nach dem schlimmen Spiel, das der Hallesche FC drei Tage zuvor gegen Mannheim gezeigt hatte, stand gegen den Erzfeind noch aus Oberliga-Zeiten eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz. Auf vier Positionen verändert - mit Lindenhahn, Menig, Guttau und Eberwein - überlassen die Rotweißen den Gästen aus dem Landeshauptstadt nur für die ersten paar Minuten das Spiel. Danach sind die Fronten geklärt: Halle, noch sieglos im Jahr 2021, will gewinnen. Magdeburg, zuletzt mit zwei Siegen, aber immer noch tief im Abstiegsstrudel, wäre mit einem Remis zufrieden.

Im leeren Erdgas-Sportpark entbrennt ein Abnutzungskampf mit Vorteilen für Rotweiß. In der 16. Minute gelingt Michael Eberwein beinahe das 1:0, doch sein Kopfball geht am Pfosten vorbei. In der 23. wird ein Schuss von Boyd abgefälscht. Wieder vorbei. Wenn der FCM kommt, dann nur über Dominik  Ernst auf der linken HFC-Seite, doch nur in der 26. Minute wird es mal gefährlich, als Jacobsen an Kai Eiseles Tor vorbeiköpft.

Hinten ist meist alles dicht

Ansonsten hält Stipe Vucur, bis hierher die herausragende Verpflichung der Saison, gemeinsam mit Sören Reddemann, Janek Sternberg und Fabian Menig hinten alles dicht. Und Vucur ist es auch, der die meisten Angriffe einleitet: Immer wieder läuft er zentral durch bis über die Mittellinie und sucht dann einen seiner Offensiven. Aber immer wieder ist irgendein Bein eines Schwarzen dazwischen.
 
Eberwein trifft mal wieder fast.
D
ie Gäste, bei denen am Ende drei ehemalige Hallenser auf dem Platz stehen werden, setzen auf auf das Glück, dass sie in der Vergangenheit immer wieder hatten. Irgendwie durchommen. Und irgendwie vielleicht einen Treffer markieren. Halle dagegen versucht zu spielen, obwohl gerade das zuletzt nicht so besonders gut lief. Heute aber geht es, abgesehen von den kurzen Zuspielen, die Lindenhahn und Sternberg immer wieder in die vielbeinige Abwehr der Gäste spielen. In der 33. Minute flankt Lindenhahn, Guttau läuft in Position, ein Schwarzer lenkt vor ihm ins Toraus. Die Ecke danach sieht T zum ersten Mal steigen. Behrens aber fängt den Kopfball. Danach schickt Sternberg Boyd, aber der Ball ist zu lang.
 

Gegen Mannheim stände es längst 4:0

 
Mit der Leistung bisher wäre der Sieg im Mannheim-Spiel schon sicher gewesen. Heute aber steht es zur Halbzeit 0:0 und wer das Magdeburger Spielglück kennt, der weiß, dass hier noch gar nicht gewonnen ist. Immerhin wird der HFC, bis dahin die bessere Mannschaft, mit Beginn der zweiten Hälfte noch besser, nachdem Kapitän Jonas Nietfeld in der 52. den Ball in der Vorwärtsbewegung verliert, Eisele den Konter aber mit einer Faustabwehr zur Ecke entschärfen kann. Nun spielt nur noch der HFC, Magdeburg versucht zu stören und zu zerstören.

Eberwein trifft wieder fast.
K
eine hochklassige, aber eine sehenswerte Partie mit vielen, wenn auch nie ganz hundertprozentigen Torchancen. In der 53. Minute schlenkert Julian Guttau im Strafraum einmal zu viel, ehe er abschließt. Behrens hält. Die Ecke danach köpft Eberwein knapp rechts am Tor vorbei. In der 58. bekommt der Lange mit der 10 einen Pass am langen Pfosten, doch statt selbst abzuschließen, sucht er Boyd, dessen Schuss im Getümmel verendet. Auch der Nachschuss von Jonas Nietfeld bleibt hängen. Dafür geht eine scharfe Flanke von Guttaus in der 68. an Freund und Feind vorbei ins Aus, weil ausgerechnet in dem Moment kein Rotweißer in der Mitte steht.
 

Brotlose Kunst


Das ist alles sehr einseitig inzwischen, aber auch brotlos aus hallescher Sicht. Wie vernagelt ist Behrens` Kasten. In der 71. Minuten versuchen es Eberwein, Boyd und Menig nacheinander aus kürzester Distanz. In der 75. probiert es Eberwein mit einem Fernschuss. Gäbe es im Fußball einen Sieg ohne Punkte, das hier wäre längst einer, denn nach den Haltungsnoten liegt Halle um Längen vorn.

Zumindest bis Antonios Papadopoulos in der 77. Minute einen Rückpass auf Kai Eisele spielt, der im tiefen, nassen Rasen zu versinken scheint. Nicht der HFC-Torwart kommt an den Ball, sondern ein Magdeburger zieht ab. Stipe Vucur rettet in allerhöchster Not.
 

Die goldene Hand des Trainers

 
Glück ist diesmal ein Hallenser
W
ie als Reaktion auf diesen einen bedrohlichen Augenblick dreht der HFC nun noch einen Gang höher. In der 82. geht Guttau allein aufs Tor, Boyd steht, Guttau will ihn anspielen, aber aber Ernst klärt zur Ecke. In der 85. erobert Boyd selbst den Ball, er legt zurück auf Sternberg, aber dessen Flanke geht als Bogenlampe ins Toraus. In der 86. Minute dieses Spieles auf ein Tor knallen Boyd und der für Toni Lindenhahn eingewechselte Titsch-Rivero den Ball aus Nahdistanz in liegende, fallende und verzweifelt abwehrende Magdeburger. Und in der 88. zielt Terrence Boyd noch einmal um Zentimeter am Tor vorbei.
 
HFC-Trainer Florian Schnorrenberg hat da schon reagiert und  mit dem defensiven Niklas Landgraf für Julian Guttau einen Neuen gebracht, der sicher kein Signal für eine verschärfte Schlussoffensive sein soll. Landgraf, seit 2017 in Halle, hat in seinen 102 Drittligapartien für den HFC noch nie ein Tor geschossen und seine insgesamt fünf Torvorlagen in all den Jahren weisen ihn auch nicht als jemanden aus, vor dessen Angriffsaktionen gegnerischen Abwehrreihen die Knie schlottern. Und doch ist es Landgraf, der nach Behrens' verunglückter Abwehraktion in der 90. Minute die Entscheidung einleitet und die Machtfrage im Fußballland Sachsen-Anhalt beantwortet: Der 24-Jährige flankt.Boyd springt. Der Ball fliegt. Und das Prestigederby Halle gegen Magdeburg hat zum zweiten Mal in dieser Saison einen verdienten Sieger, der aus Halle kommt.
Ein Dankeschön für den Flankengeber: Boyd und Landgraf.


Zitate zur Zeit: Feinde in Funktionsjacken

Seit das Virus grassiert, haben sich ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen radikalisiert. Menschen in Funktionsjacken, Menschen in Yogahosen, Menschen von nebenan. 

Die Süddeutsche Zeitung definiert den aktuellen Stand der Radikalisierung

Handball-WM in Afrika: Brot und Spiele

Ägypten ist mit nur 150.000 Infektionen und knapp 9.000 Toten kaum von Corona betroffen.

Räder mussten rollen für den Sieg, aber das ist lange her. Heute sind es Bälle, die rollen müssen, selbst in der "größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" (Angela Merkel). Die ist nur durch einen totalen Krieg gegen zwischenmenschliche Kontakte einzuhegen. Doch wenn niemand mehr mit niemandem Kontakt haben darf, insoweit ist die Wissenschaft sich ausnahmsweise vollkommen einig, dreht der Bürger*in durch. Nicht jeder da draußen, drinnen eingesperrt durch Eindämmungsverordnung Nummer 99, kann lesen. Nicht jeder hat ein Buch oder ein Instrument daheim. Und viele haben Netflix und Amazon Prime, die wahren Gemeinsinnsender der Seuchenzeit, im elften Monat der Pandemie bereits einmal komplett durchgeschaut.  

Gesellschaftliche Verantwortung am Ball

Es war deshalb von Anbeginn an nicht nur im politischen Berlin klar, dass den professionellen Gladiatorenspielen der großen Fernsehsportarten eine Sonderrolle im Kampf gegen "den Virus" (Armin Laschet) zukommen muss. Natürlich wäre es der Bundesregierung, die mit einer winzigen Handbewegung Millionen von Gaststätten, Restaurants, kleinen Läden und großen Handelsketten, Hotels und und Veranstaltungsbetriebe zu retten vermag, ein Leichtes gewesen, das bisschen Fußball-Bundesliga, den Basketball, das Eishockey und den wegen seiner rassistisch konotierten Grundausrichtung ohnehin in der Kritik stehenden Wintersport mit November-, Dezember- und 2021-Hilfen am Leben zu halten.

Aber dazu kam es nicht. Stattdessen folgte auf eine kurze Zwangspause im Frühjahr die Erfindung der Systemrelevanz des Profisportes. Gekleidet in die Illusion einer angeblichen "Blase", in das Virus keinesfalls eindringen könne, zieht der Seuchenzirkus des Spitzensports seitdem unverdrossen durch  Land, Kontinent und Welt, ein letzter Rest Normalität, der gebraucht wird, die Fernsehabende des Volkes zu füllen und Nachrichten zu produzieren, um die Corona-Trump-Tagesschau versöhnlich abzurunden. Es wird Skigesprungen wie in der alten Normalität, es wird beim Biathlon geschossen und beinahe jeden Abend natürlich Fußball gespielt.

Zu Gast in der Halbdiktatur

Und nun eben auch Handball. In Ägypten, einer Halbdiktatur, die Homosexualität verbietet und Regierungsfeinde foltert und einsperrt, seit ein Militärputsch eine rechtmäßig gewählte Islamisten-Regierung gestürzt hat, findet mitten in der "größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" (Angela Merkel) die größte Handball-WM aller Zeiten statt. 32 Mannschaften, zwei davon wegen zahlreicher Corona-Fälle nur kurz vor Anpfiff noch gegen willige Nachrücker ausgetauscht, werfen um die Wette um einen Titel, geborgen in der Sportlerblase inmitten eines Landes, dem es auf geheimnisvolle Weise gelungen ist, sogar noch deutlich besser durch die Corona-Pandemie zu kommen als das von der ganzen Welt bewunderte Deutschland.

Das Turnier ist eine Farce, nicht nur wegen der Nachrücker, der Absagen einzelner Spieler aus Angst vor dem Virus und den fehlenden Zuschauern, sondern auch wegen der absurden Aufblähung des Teilnehmerfeldes, professionell trainierende Sportler auf Volkssportvertretungen voller übergewichtiger Freizeitwerfer treffen lässt. Die ersten Ergebnisse des "Weltturnieres" sehen aus wie ein Witz. 43:14, 51:29 und 38:19 stehen da, von Fachleuten kommentiert als wären sie richtig ernstgemeint. Wirklich ernst aber ist nur das Beispiel, das das gespenstische Sporttheater der Coronaleugner dem Fernsehvolk daheim vermittelt. Während die am esten gar nicht mehr aus dem Haus gehen sollen, bejubeln die Kommentatoren im Gemeinsinnfunk die tolldreisten Kempa-Tricks im Kampf gegen die Seuche.

Freitag, 22. Januar 2021

Impfleugnende Omas: Tabu Impfpflicht

Deutschlands Impfkurve ist beruhigend grün.

Sie sind die bedrohte Hauptrisikogruppe, eine empfindliche Minderheit, die alt ist und oft an Vorerkrankungen leidet. Von Corona werden Heimbewohner besonders bedroht und seit Monaten gelingt es nicht, die Gefahr durch umfassende Schutzmaßnahmen zu minimieren. Mit dem Eintreffen der ersten kostbaren Dosen des Biontech-Impfstoffes zeichnete sich Rettung ab - doch es sind nicht nur Pflegekräfte, die eine Impfung verweigern, sondern immer wieder auch Hochrisikosenioren.

Aus Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung, genannt werden oft befürchtete Sterilität, im Europäischen Parlament aber kam kürzlich auch die Gefahr zur Sprache, dass das Gesicht gelähmt sein könnte und man dann nicht wisse, an wen man sich wenden solle, verweigert ein Teil der Heimbewohner den lebensrettenden "Piks" (Bundespresseamt).
 

Impfleugnende Opas

 
Wie damit umgehen? Bei impfleugnenden Pflegekräfte sind verschiedentlich schon arbeitsrechtliche Disziplinierungsmaßnahmen zur Anwendung gekommen - dabei wäre eine Impfung von Heimarbeitern gar nicht notwendig, wenn die zu betreuenden Pfleglinge komplett geimpft wären.

Noch aber schreckt selbst Karl Lauterbach vor den notwendigen Konsequenzen zurück. Vielstimmig wird eine Impfpflicht für Mitarbeiter von Pflege- und Altenheimen gefordert, niemand aber fordert bisher einen Pflicht-Piks für Heimbewohner, die statistisch betrachtet den größten Teil der mittlerweile mehr als 50.000 deutschen Todesopfer von Covid-19 stellen.

Ein Tabu ohne Erklärung, schließlich könnte sich in den Heimen niemand aus der Hochrisikogruppe mehr anstecken, wären alle Bewohner immunisiert. Die Schließung für Besucher, die Testpflicht für Mitarbeiter und die zum Ärger des Bundes- und Landesregierungern beständig wiederholte Frage, warum es auch nach fast einem Jahr mit Corona nicht gelinge, wenigstens die ältesten und gefährdesten Bürger zu schützen, sie wären hinfällig, würden Oma und Opa im Heim nicht selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen. 

Kaum statistische Daten


Dennoch ist es ausschließlich die vermeintlich mangelnde Impfbereitschaft im medizinischen und pflegerischen Bereich, die dafür herhalten muss, öffentlichkeitswirksam vom allgemeinen Mangel an Impfstoff abzulenken. Während im Fernsehen immer wieder glückliche alte Menschen gezeigt werden, die ihre erste oder sogar "schon" (DPA) die zweite Impfung erhalten, finden sich auch vier Wochen nach Beginn der "größten Impfkampagne aller Zeiten" (Bundesregierung) kaum statistische Daten zur Impfbereitschaft von Seniorinnen und Senioren. Ein zentrales Kampffeld in der "Corona-Zeit" (MDR) bleibt unkartiert und unaufgeklärt wie die Seuchenlage in der EU von Anfang an war.

Die, die es gibt, legen nahe, dass 85 Prozent ein sehr hoher Wert sind. Doch dieser Wert reicht zwar für eine theoretische Herdenimmunität innerhalb eines Alten- oder Pflegeheims, nicht aber für eine, die Bewohner und Pflegekräfte umfasst. 

Reichstagssturm: So unglaublich hart sind die ersten Urteile

Der Sturm auf den Reichstag wurde einem  jetzt gefundenen Youtube-Video zufolge bereits 2017 zum ersten Mal geprobt - generalstabsmäßig.

Der Nachmittag des 30. August 2019 markierte eine Zeitenwende für Deutschland, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Im Schutz der Grundrechte, bewaffnet mit Fahnen, Flaggen und Smartphones, zogen rechtsradikale Aktivisten, Corona-Leugner und Querdenken angeführt von einer bewusst harmlos und verwirrt wirkenden süddeutschen Heilpraktikerin zum Reichstagsgebäude, dessen Außentreppen sie ohne behördliche Genehmigung betraten. Nur dem Heldenmut einer Handvoll wackerer Polizeibeamten war es zu verdanken, dass der Reichstag nicht wie am 30. April 1945 gestürmt wurde.  

Eine Schicksalsstunde für die junge deutsche Demokratie, die sich erstmals wehrhaft zeigen musste gegen den Ansturm totalitär infiltrierter Verweigerer der Teilnahme an den Coronamaßnahmen und Aufwiegler gegen die vielfältigen Eindämmungsverordnungen. Zurück blieb ein Bild der Verwüstung, das tagelang durch alle Medien ging: Schreiende, zeternde selbsternannte Demonstranten. Eine Staatsmacht, zusammengeschrumpft auf drei verblüffte Wachtmeistergestalten. Verheerender Sachschaden in Form von Schmutz und Unrat auf den Reichstagstreppen und den asozialen Netzen. Und ein Schock, der die Deutschen zurückversetzte in den unseligen Tage des Reichstagsbrandes, als sich eine Diktatur selbst ermächtigte, ihre Feinde "auszumerzen", wie es Franz Müntefering, ein später Zeitgenosse der Tragödie, sein ganzes Leben lang immer wieder im Mund führte.

Es war der größte Neonazi-Angriff seit den Neunzigern, fast ein halbes Jahr ist das nun her. Eigentlich eine lange Zeit für die Strafverfolgung, wenn die Tatverdächtigen schon wenige Stunden nach der Attacke auf die Herzkammer der Demokratie und identifiziert wurden. Immerhin hatten die Behörden fast 500 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten registriert, 59 Polizisten waren nach einem Bericht des "Tagesspiegel" verletzt, obgleich eigentlich nur drei die gesamte Verteidigung hatten schultern müssen.

Schändliches Geschehen

In den Tagen nach dem schändlichen Geschehen traten denn auch auf nahezu allen allen Kanälen die zuständigen Fernsehgerichte zusammen. Es herrschte ausnahmsweise Einigkeit darüber, dass der „aufwieglerische Landfriedensbruchs“, angeführt von der Heilpraktikerin Tamaka K., nicht ohne rechtliche Konsequenzen bleiben dürfe. Nach schnellen, harten Urteile, die Nachahmer abschrecken, verlangte das Land, so sehr, dass nach Angaben des viertelstaatlichen Portals T-Online nicht nur wie üblich Staatsanwaltschaften ermittelten, sondern erstmals in der deutschen Geschichte Gerichte.

Trotz all dieser titanischen Anstrengungen des Rechtsstaates aber fehlt es bislang an Ergebnissen. Nicht nur sind ausweislich der bundesweiten und regionalen Schlagzeilen noch immer nicht alle Täter verurteilt, nein, auch die Prozesse laufen nicht schleppend. Sondern überhaupt nicht. Nicht ein einziger Staatsfeind vom Reichstagssturm konnte bisher angeklagt werden, niemand kam auch nur mit einer Bewährungsstrafe davon, wie das in Fällen von besonders schweren Landfriedensbruchs zuweilen vorkommt. 

Abgeordnete ohne Aufklärung

Und nicht nur das. Auch die betroffenen Bundestagsabgeordneten warten noch immer auf Aufklärung aller Hintergründe. Bis heute haben die Behörden in Berlin, aber auch die Ermittler in den Herkunftsbundesländern der identifizierten mutmaßlichen Rädelsführer und Mittäter in keinem einzigen Fall Erkenntnisse über die Organisationsstruktur des Angriffs vorgelegt. Gab es wie üblich in der Leugner-, Hetzer- und Hasserszene Vernetzungen? Absprachen? Verbindungen ach Thüringen oder Sachsen? Zum NSU oder gar, manche gezeigte Fahne legte es nahe, ins feindliche Ausland?

Die Ergebnislosigkeit der anfangs noch großangekündigten Ermittlungen ist frappierend. Schaut der Rechtsstaat hier vielleicht wieder weg? Ist er auf dem rechten Auge blind, trotz aller Warnungen? Dabei gab es zumindest in den ersten Tagen nach dem - einem jetzt aufgetauchten Youtube-Video zufolge (oben) bereits 2017 geprobten - Sturm Hinweise genug: Mobilisierungen in Chatgruppen und Videoaufnahmen bei Youtube, Bekennerinterviews und eine Lageeinschätzung der Berliner Behörden, die schon Tage vor der demonstrativ großangelegten Querleugner-Demonstration darauf hingewiesen hatten, dass bundesweit Rechtsextreme, Corona-Maßnahmengegner, Querfrontler und Esoteriker anrücken würden.

Staatsfeindin Nummer 1 offenbar auf freiem Fuß

Was ist da los? Was läuft da falsch? Weshalb fassen die sonst so kritischen Großmedien nicht nach? wo ist Schäuble, was sagt die Reichstagspolizei? Weder für Tatjana K., im Spätsommer für einige Tage die Staatsfeindin Nummer 1, noch für die nach Veranstalterangaben Millionen weiteren Neonazis, die Großberlin am 29. August verwüsteten, haben die bisher ausgebliebenen Anklagen, Prozesse und Urteile bisher schwerwiegende Konsequenzen gehabt. 

Die Wunde in der Hauptstadt dagegen bleibt offen, sie klafft nicht nur als Baugrube rings um das von der Abgeordnetenzahl her größte Parlament der demokratischen Welt. Nein, nach den Aussagen zahlreicher Augenzeugen, denen sich die schrecklichen Szenen aus "Tagesschau", "Tagesthemen" und "Morgenmagazin" unauslöschlich ins Hirn gebrannt haben, reicht sie tief ins demokratische Selbstverständnisses eines Staates, der sich selbst immer als wehrhaft beschreibt. In der Stunde der Bewährung aber vor seinen Feinden zurückzuweichen scheint.

Donnerstag, 21. Januar 2021

Plunderhafte Inszenierung: Fähnchen statt Fans für den Erlöser

Viel prächtiger als noch zuletzt bei Trump setzte Bidens Inaugurationsfeier ein Hoffnungszeichen für die ganze Welt.
 
Es geht bergab mit Amerika, das ist unverkennbar. Die einstige Weltmacht, unter dem eben aus dem Amt geschiedenen Präsidenten Donald Trump auf eine Art ruiniert, dass es dem früheren Weltpolizisten erstmals nicht gelang, wenigstens einen neuen Krieg oder bewaffneten Konflikt innerhalb einer Amtszeit loszubrechen, bringt inzwischen nicht einmal mehr die Kraft für die früher üblichen pathetischen Inszenierungen ihres neuen Führers auf.  
 
Was bei Barack Obama, in Deutschland damals noch stolz mit der Umbenennung eines Affen im Dresdner Zoo in "Obama" geehrt, als gewaltiges Spektakel aus Zukunftsgewissheit, positivem Patriotismus und viel Licht und Musik abgehandelt worden war, wurde schon mit dem Start der Ära Trump zu einer "plunderhaften Inszenierung". In einem "monströsen Bühnenbild" traten der  "Volkstribun und die kaltblaue Eiskönigin" auf, um aus der "größten Polit-Oper der Welt ein billiges Schmierentheater" (Zitate Die Welt) zu machen. 
 

Menschenschlag Kinderfresser

 
Wenigstens ein paar tausend seiner Fans, Typen vom Menschenschlag Kinderfresser, konnte Trump damals auf dem Paradeplatz in Washington begrüßen. Sein Nachfolger Joe Biden muss nun auch darauf verzichten, konnte dafür aber die Hitparade der amerikanischen Pop-Stars aufbieten. Zwar wurden zur Absicherung der Inauguration des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten  ganze Heerscharen an Nationalgardisten in DC stationiert. Volk aber ist nicht zugelassen diesmal, Corona sei dank. Niemand hätte wollen dürfen, dass bei Biden, dem Triumphator aus dem Pandemiekeller, der kaum Wahlkampf machte und doch nachweislich ebenso knapp wie souverän zum Sieg marschierte, ohne das  Betrug eine ausschlaggebende Rolle dabei spielte, noch weniger Jubler erscheinen als vor vier Jahren bei Trump.

Der entlarvte sich selbst damals gleich mit dem ersten öffentlichen Auftritt als Präsident durch "fadenscheinige Floskeln als Diktatorendarsteller und ganz schlechter Schmierenspieler" (Die Welt). Sein Einzug ins Weiße Haus war eine "Inbesitznahme", die Feierleichkeiten eine "Kostümparade". Ernüchternd auch: Schon in den ersten 24 Stunden seiner Amtszeit konnte Trump keines seiner vollmundigen und populistischen Wahlversprechen einlösen.
 
Amerika wurde nicht größer und schon gar nicht großartiger, Guantanamo war immer noch eine Schade, die Kriege in Afghanistan und im Irak tobten weiter, der Nahe Osten stand ohne Friedenslösung da und der islamistische Terror zeigte sich unbeeindruckt von Trumps Ankündigung, ihn vom Antlitz der Erde verbannen zu wollen.
 

Ein neuer Liebling


Vier Jahre später kämen außerirdische Besucher womöglich zum Schluss, dass einige Punkte von der Liste durchaus abgearbeitet worden seien. Trump musste sich vom ersten Tag an jeweils bis zum frühen Vormittag eines jeden Tages so vielen kritischen Fragen stellen wie Angela Merkel in ihren 20 Jahren an der Macht insgesamt gesammelt hat. Was er tat, war falsch, was er sagte, war gelogen, Kriege, die er beendete, waren sowieso keine gewesen. Und über die, die er nicht begann, musste ohnehin nicht geredet werden.
 
Ein solches Schicksal wird Joe Biden erspart bleiben. Der mit fast 50 Jahren politischer Führungserfahrung ins Amt gekommene Mann aus dem auch bei deutschen Landesbanken lange Zeit äußerst gefragten Steuerparadies Delaware kann mit Blick auf das Medienecho von heute feststellen, dass er den ersten Kampf gewonnen hat: Die Federn der Welt, die Schreibmaschinengewehrstellungen in den Großraumbüros, die Danachrichtenagenturen und Heere von Kommentatoren sind ihm nicht nur gewogen, sie haben einen neuen Lieblingsstar für sich gefunden. Biden ist der erwartete Erlöser, er wird richten, was zu richten ist, heilen, versöhnen und retten.
 

Begeisterung begleitet ihn

 
Von den linken Blättern bis zu den linksliberalen Blättern, von den Gemeinsinnmedien bis zu ihren engagierten privaten Unterstützern ist das Urteil einhellig: Joe Biden wird eine gute, die verletzten seelen der Amerikaner heilende Politik machen. Schon seine versöhnende Rede zum Amtsantritt machte Lust auf mehr, mehr Klima, Gemeinsamkeit, Freihandel und Weltfrieden.

PPQ.li dokumentiert exklusiv die erste mitreißende Schlagzeilenwelle, die auf die "Feier der Demokratie" (Angela Merkel) in Washington folgte. So schwer es für Donald Trump war, sich in den Augen der deutschen Medien als US-Präsident zu qualifizieren, so sicher hat sein Nachfolger das Vertrauen der deutschen Journalisten vom Start weg in der Tasche.

Abschied des Ex-Präsidenten: Trumps Abgang ist ein Symbol – aber anders als von ihm geplant

Bilder einer Zeitenwende: Biden brilliert, die Obamas flachsen, Lady Gaga gefühlvoll – und Trump cruist davon

Biden wirbt für Einheit: „Hört mir zu, vermesst mein Herz“ Bidens Vereidigung: Eine Stadt geht auf Nummer sicher

Amerika-Liveblog: Biden am Weißen Haus angekommen

Verzweifelt optimistisch: Nach seiner Rede wirkt Biden geschafft

"Hier beginnt der Krieg": Trump ist weg, sein Mob bleibt 

46. US-Präsident Joe Biden: Der richtige Mann Biden ist ins Weiße Haus eingezogen

Bidens erste Rede als Präsident

Joe Bidens Antrittsrede - Ein neuer Ton

Inauguration - Joe Biden auf dem Weg ins Weiße Haus 

Amtseinführung - Joe Bidens erster Tag als US-Präsident 

Joe Biden als US-Präsident vereidigt: Beschwören der Einigkeit

Neuer US-Präsident: Joe Bidens erste Rede: alles anders als bei Donald Trump

 

Und so klangen die Schlagzeilen vor vier Jahren:
 
Trumps Amerika: Day One
Reaktionen auf Trumps Vereidigung: "Wir müssen uns warm anziehen"
Weltwirtschaftsforum in Davos: Alles auf Trump
Trumps Inauguration: Welch eine plunderhafte Inszenierung!
Neuer US-Präsident: Treffen mit Trump? „Lassen Sie uns das Beste hoffen“
Antrittsrede als US-Präsident: Das sagt Trump – und das sind die Fakten
Amerikas neuer Staatschef: His Way
Real Game of Thrones: Habemus Donald
Weltweiter Protest der Frauen: "Marsch der Millionen" gegen Trump startet
Trump macht keine Kompromisse: "Von heute an gilt: Amerika zuerst"
Trump: Dein Land, mein Land, kein Land
 Die zügellose Macht des Donald J. Trump
Wie Trump in seiner Rede das Volk definiert
Proteste in Washington: Ein Steinwurf von der Revolution entfernt
Große Trump-Show: War Melanias Outfit bei der Amtseinführung Kalkül
Die 10 wichtigsten Trump-Sätze und was sie bedeuten
Strategie gesucht: Der Twitter-Präsident und die Sach-Kanzlerin
Donald Trump: Jetzt wird neu gedealt
Obamacare: Trump weicht US-Gesundheitsreform auf
Amtseinführung Trump: Die Dämonen sind los
Ökonomen frustriert von Trump: Wenig Klarheit, viele Floskeln
Amtsübergabe im Netz: Twitter-Account @POTUS gehört jetzt Trump
Demonstration gegen US-Präsident Trump: Protest unter rosa Mützen
Trumps erster Tag als US-Präsident: Obamacare im Visier
US-Präsident: Weltweit demonstrieren Frauen gegen Trump
 „America first“ als Leitlinie
Reaktionen auf Trump-Rede: Gabriel: "Das waren hoch nationalistische Töne"
Ortsbesuch im Mittleren Westen der USA: Keine Angst vor Trump
Vorwurf der sexuellen Übergriffe: Die erste Frau klagt gegen Trump
Auf Knopfdruck Atomkrieg: Das darf Trump als Präsident wirklich entscheiden
Deutsche Reaktionen auf Trump: „Seine Vorstellungen sind eng bei den unseren“
Fehlerseite auf "Whitehouse.gov": Kaum ist Trump US-Präsident, ist plötzlich eine wichtige Webseite verschwunden
Präsident Donald Trump: Lesben, Schwule? Klimawandel - das gibt es auf der Webseite der US-Regierung nicht mehr
Pressestimmen zu Trump: "Die hässliche Grimasse der Demokratie"
Trump regiert schon los
Demonstranten gegen Trump: Das fürchten sie, das hoffen sie
Trump: Angeben, attackieren, ablenken
"Trumps Wahl war für viele junge Frauen traumatisierend"
Warum seine Antrittsrede eine Abrechnung war
Trump ist Präsident: Wider die Versöhnung
Vereidigung in Washington: Trumps großer Tag
Reaktionen auf Trump: "Wir müssen uns warm anziehen"
Trumps erste Amtshandlung: Obamacare lockern
Trumps Befugnisse und Trumps Grenzen
Der mutmaßliche Milliardär als Mann des Volkes
USA: Rabiate Streichungswelle staatlicher Förderungen

Die Anmerkung wirft einen Blick zurück auf den deutschen Medienjubel nach Obamas Inauguration

 

Lieber spät als wie die - ein Lob der EU-Impfstrategie

Greta Thunberg kennt den Schuldigen, die früher prominente Klimaikone traf Ursula von der Leyen erst im vergangenen Jahr.

I
n der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft und als in der Europäischen Union endlich die Gemeinschaft die Geschäfte in die Hand nahm, war es vorbei mit dem agilen Herumagieren der Nationalstaaten, die die erste Phase der Pandemie mit wild durcheinander geschlossenen Grenzen, einem Maskenstreit und gegenseitigen Schuldzuweisungen in Festival der Spalterei verwandelt hatten. Ab Juni hatte die europäische Bürokratie das Heft wieder fest in der Hand. Alles dauerte und dauerte und dauerte nun und als endlich die Grenzen wieder geöffnet wurden, wie es Ursula von der Leyen mehrfach nachdrücklich verlangt hatte, konnte sich die zweite Welle, viel beschworen, aber bis dahin nirgendwo zu sehen, endlich aufzuräumen zu einem wolkenhohen Gebirge aus Vernichtung.

Langsam ist Europas höchster Gang


Nichts wurde kontrolliert und schon gar nicht jemand zwangsquarantänisiert auf dem Kontinent, der schon 2015 zum ersten Mal die Kontrolle über sich selbst verloren hatte. Wieder konnte einreisen und herumfahren, wer wollte und wohin auch immer. Es war ein Kommen und Gehen wie auf dem Hühnerhof, von außen prächtig anzusehen, ein wirres Wirbeln, das als Zusammenrücken inmitten der Ansteckungkrise Gemeinsamkeit signalisierte. Diese Wärme zwischen den Völkern, mitten im Abstandsgebot, dieses Vertrauen auf den Anderen.  

Aus dem Inneren betrachtet tödlich für viele Tausende, aber ein wenig Schwund ist immer, gerade im Altenheim. Während sie sich in Berlin und Brüssel und in den Redaktionsgroßraumschiffen in München und Hamburg noch demonstrativ die Bäuche hielten über die irrsinnigen Aussagen des US-Präsidentenn dass es bis zum Jahresende einen Impfstoff geben werde, kaufte der Maga-Egozentriker Trump, dieses Scheusal, dieser Demiurg und Hassprediger, alle Impfstoffe weg. Als die EU kam, mittlerweile stand Deutschland schon vor dem legendären Wellenbrecher-Lockdown, der Weihnachten retten sollte, war es zu spät. Wieder einmal.

Eine ausgeklügelte Strategie von perfider Eleganz

Doch unverdrossen kaufte man, was noch übrig war und man kaufte es zusammen, so dass absehbar keiner genug bekommen würde. Eine ausgeklügelte Strategie von perfider Eleganz, die auf Bilder statt auf Spritzen setzte. Auf allen Kanälen liefen die packenden Reportagen vom Bau der gewaltigen Impfzentren, wie ein Breitbandantibiotikum zeigten sie überall die ersten Impfungen, immer wieder und wieder die Oma mit dem Piks, der wackere Impfarzt, die Hoffnungsbotschaft, bis sich auch der Letzte im heimischen Lockdownliegestuhl schon fast wie immunisiert fühlte. 

Echt geimpft wurde eher weniger. Doch Europa, wie sich die EU-Staaten selbst am liebten nennen, lässt sich nicht verrückt machen oder unter Druck setzen. Alles läuft nach Plan, kurzzeitige Planänderungen amerikanischer Großkonzerne ändern nichts an der grundsätzlichen Genialität des Konzepts, die EU-Mitgliedsstaaten nicht nach deren selbstgefühlten Bedarf, sondern nach den Grundsätzen der Gleichbehandlung beliefern zu lassen. Griechenland und Finnland, mit Inzidenzwerten um 40, bekommen nun genauso wenig Impfstoff wie Irland, Tschechien und Portugal mit Inzidenzen von 500 aufwärts.

Gerechtigkeit auf europäisch

So geht Gerechtigkeit auf europäisch, die nicht nach dem größten Primärnutzen schaut, sondern stets die zweite Ebene mitdenkt und den sekundären Gewinn kühl einkalkuliert. Gerade nach dem Ausscheiden der Briten, die derzeit versuchen, die EU durch fieberhaftes Impfen selbst in den Nächten zu beschämen, ist es wichtig, ein "Zeichen" (Ursula von der Leyen) zu setzen: Alle oder keiner, no patria o muerte! Lieber spät als so wie die!

Im Europäischen Parlament, in Seuchenzeiten mehr noch als sonst ein Ort, der halb wirkt wie der Planetenbundestag in "Star Wars", halb wie ein von allen guten Geistern verlassenes Haus, das von Anfang an viel zu groß konzipiert worden war, verbreiten Abgeordnete fake news über gelähmte Gesichter nach der Impfung, über ausreichende Mengen von Vakzinen, die bestellt wurden, und über eine insgesamt prima angelaufene Impfkampagne in der Union. Ein Prozent der Bürger sei sogar schon geimpft, jubiliert ein Abgeordneter aus Deutschland, und das nach nur knapp einem Monat! 

Nur noch 99 Monate

Weitere 99 Monate dieser Art "Geschlossenheit" (EU-Kommission), und dem Virus ist der Garaus gemacht, noch ehe das Jahr 2030 anbricht. Dem Parlamentarier, einem Grünen, ist angesichts dieser Perspektiven besonders wichtig, dass Europa rechtzeitig zu teilen beginnt. Auch anderswo und sowieso auch überall sonst müsse geimpft werden. "Corona besiegen wir nur global", ruft er aus dem Kellerstudio.

Die Pandemie erscheint plötzlich als Gelegenheit, alles zu tun, das sich in gewöhnlichen Zeiten nicht durchsetzen ließe. Die Probe des Belagerungszustandes, das Hochfahren einer Propagandamaschine sowjetsozialistischer Dimension, die Herstellung medialer Einstimmigkeit und eine Schuldenorgie, die auf den Kreditbetrag aus 2.000 Jahren Menschheitsgeschichte noch einmal ein Drittel der Schuldsumme binnen eines Jahres draufpackt - das sind historische Errungenschaften. Aber vielleicht geht da noch mehr, vielleicht ist das die Chance, überhaupt alles abzuschaffen, was noch am Durchregieren hindert: Gesundheit, einer der letzten Bereiche, die in der EU in nationaler Hoheit verblieben sind, könnte zur Gemeinschaftsaufgabe werden, dauert Corona nur noch lange genug. 

Corona als Gelegenheit

Zugleich verwandeln sich die von den europäischen Verträgen verbotenen gemeinsamen Schulden vom Ausnahmetatbestand in eine "neue Normalität" (Olaf Scholz) und der bei aller Geschmeidigkeit der Aktiven doch immer auch ein wenig lästige Parlamentarismus tritt ganz hinter die Entscheidungskompetenz kleiner Hinterzimmerrunden zurück, die sich Europäischer Rat oder Corona-Kabinett nennen. Nur so ist es möglich, binnen von nur drei Wochen nach dem durchschlagenden Erfolg der gemeinsamen EU-Impfstrategie den "Kraftakt" (Tagesschau)  zu leisten, mit dem die "EU-Kommission den stockenden Impfprozess in Europa in Gang" bringen will. 

Geplant ist dazu übrigens eine "neue Impfstrategie der EU", die vorsieht, "dass klare und transparente Lieferfahrpläne mit den Herstellern vereinbart werden". So einfach ist das manchmal, wenn alle an einem Strang ziehen und nur immer mal wieder über die Richtung sprechen müssen, in die gezogen werden soll.

Impfweltmeister, wie stolz das klingt: In acht Jahren könnten alle EU-Bürgerinnen geimpft sein.


Mittwoch, 20. Januar 2021

HFC: Leerlauf im Lockdown

Kai Eisele beim Comeback und nach seiner finalen Rettungstat.

Dieser Held war gar nicht bestellt. Aber so wie das Spiel des Halleschen FC gegen den SV Waldhof Mannheim läuft,  ist dieses Ende nur logisch. 90.Minute, einmal mehr läuft ein halbherzig vorgetragener Angriffsversuch der ermatteten Gastgeber bis etwa auf Höhe der Mittellinie, ehe ein Gästespieler dazwischengeht. Der Gegenzug versandet an der Grundlinie des HFC, der Ball springt zur Ecke ins Aus und ehe die in Rot und Weiß aufgelaufenen Männer von HFC-Trainer Florian Schnorrenberg sich sortiert haben, ist die Ecke schon ausgeführt. Sie kommt zentral vor das Tor von Kai Eisele, der für den verletzten Sven Müller den letzten Mann gibt. Abwehrchef  Stipe Vucur köpft, aber einmal mehr zentral in die Mitte. Fernschuss, Pfosten, Nachschuss, Eisele, Kerze. Vucur ist da und köpft ins Toraus. Abpfiff. 

Aufatmen nach dem Abpfiff

Die Männer in Rotweiß feiern Eisele, der dem Halleschen FC gerade einen Punkt gerettet hat, den an diesem Tag weder Gast noch Gastgeber verdient gehabt hätte. Denn das mittlere Spiel der englischen Woche ist eine der fürchterlichen Begegnungen, in denen allen alles schiefzugehen scheint.Pässe kommen nicht an, Spieler rutschen weg, während sie versuchen, aufs Tor zu schießen. Alles ist Gegurke, Gekrampfe, Gezerre und Geschiebe, ohne dass eine Mannschaft sich einen sichtbaren Vorteil erarbeiten kann,. Der HFC versucht es zwar, doch Mannheim beschränkt sich darauf, alles zu zerstören, was über drei Stationen geht.

Nur ganz zu Anfang sieht es ein bisschen so aus, als wolle der HFC sich nach der blamablen Hinrichtung durch den Nachwuchs des FC Bayern am Wochenende gleich wieder in den Sattel schwingen und das 0:4 vergessen machen. Ohne sich Chancen zu erarbeiten, dominieren die Hallenser das Spiel. Und in der 22. Minute ist es Rückkehrer Braydon Manu, der für den ersten Strich auf der Statistiktafel sorgt: Zum ersten Mal geht der Mann mit der 28 auf seiner rechten Seite durch. Doch sein Schuss streicht am Tor vorbei.

Fußballarbeit der unansehnlichen Art

Der Rest ist Fußballarbeit der unansehnlichen Art. Julian Derstroff, wegen der Gelbsperre von Terrence Boyd Träger aller Hoffnungen auf das zweite HFC-Tor seit kurz vor Weihnachten, steht komplett neben sich. Antonios Papadopoulos ist fleißig, aber immer wieder zu langsam. Die linke Angriffsseite liegt brach, auf der rechten stolpert sich Manu den Ball selbst vom Fuß. Es dauert bis zur 62. Minute, bis es endlich mal wieder nach Torchance riecht: Michael Eberwein, als direkter Boyd-Vertreter in die Sturmspitze beordert, zieht zum ersten Mal gefährlich  ab. Trifft aber nicht ins Netz, sondern Mannheim-Keeper Timo Königsmann mittig.

Die Schwarzblauen aus Baden-Württemberg haben bis dahin nach vorn noch gar nichts unternommen - und im Grunde werden sie das auch nicht mehr. Ihnen geht es wie ihrem Gegner: Es kommt kein Spielfluss zustande. Und nicht einmal das klappt. So sehr die 22 Spieler auch zu wollen scheinen, es ist nur Leerlauf im Lockdown, eine Lähmung aller Fußballmuskeln, die jeweils einzusetzen scheint, wenn ein Akteur die Mittellinie überschreitet. Hinter der regiert König Zufall, die Bälle fliegen hoch und weit, aber selbst aus vielversprechenden Freistoßpositionen  und getreten von eigentlich ausgewiesenen Experten wie Janek Sternberg nur tief und umstandslos auf den Fuß eines Abwehrspielers.

Eine Übung in Demut

Noch tiefer ist nur das Niveau an diesem Abend, so niedrig sogar, dass es nur als Übung in Demut zu ertragen ist. Niemand bei den Blauschwarzen hat die Absicht, ein Tor zu schießen. Niemand bei der Rotweißen sieht aus, als habe er eine Vorstellung, wie es gehen könnte. Schnorrenberg, der das Zuschauen immerhin bezahlt bekommt, hat den emsigen, aber glücklosen Manu zur Halbzeit schon vom Platz genommen. In der zweiten Halbzeit folgen der noch unglücklicher agierende Marcel Titsch-Rivero und der nach einem Foul verletzte Julian Derstroff. Doch auch der junge Laurenz Dehl und HFC-Rekordspieler Toni Lindenhahn vernögen es nicht, der verkorksten Partie Struktur und dem HFC-Spiel eine Richtung zu geben. 

Zum einzigen Helden an diesem Abend wird so Kai Eisele, der vielkritisierte frühere Stammkeeper, der den Ball in 90 Minuten nur dreimal zu fangen hatte und das - abgesehen von einer Situation - souverän tat. Seine Parade in der Nachspielzeit rettet dem HFC einen Punkt, den er nicht verdient hat, gegen einen Gast, dem er noch weniger zustehen würde, wäre die Fußballwelt gerecht. Das Beste an Eiseles Tat in höchster Not ist vielleicht die psychologische Wirkung: Ein Spiel, das man hatte gewinnen wollen, um vielleicht doch noch Richtung obere Tabellenhälfte schauen zu können, wurde wenigstens nicht in letzten Sekunde verloren. Beim derzeitigen Zustand des HFC, der in den fünf Spielen zuvor nur vier Punkte geholt hatte, fühlt sich das wiederum fast wie ein Sieg an.