Samstag, 18. Oktober 2014

Gesänge fremder Völkerschaften: Musik gegen Mordor

Im idyllischen Auenland, das von possierlichen Zwergmenschen bewohnt wird, beginnt die Geschichte, die J. R. R. Tolkien zwischen I. und II. Weltkrieg ausdachte und aufschrieb. Ein Monsterwerk, das den kampf Gut gegen Böse schildert wie die "Tagesschau" die Schlachten um die Ostukraine: Entmenschte Tiergestalten da, hübsche demokraten mit nicht-tötlichen Waffen dort, angetreten, das Böse aus der Welt zu treiben.

In "Der Hobbit" ist es der Drache Smaug, der wie Putin heute auf einem Berg aus Macht sitzt und die guten Menschen darben lässt. Er weiß es nicht besser, denn er ist eben so: Ein gräuliches Ungetier, entmenscht und barbarisch. Ed Sheeran, ein nicht eben subtiler Songwriter, hat mit "I See Fire" ein Lied über den Drachen geschrieben, das wie ein trauriger Kommentar zum Jahr klingt. "If this is to end in fire then we should all burn together / watch the flames climb high into the night", singt er da, "calling out father oh stand by and we will watch the flames burn auburn on the mountain side high".

The Trip Band, ein Duo aus zwei jungen Polen, die direkt unter der Bedrohung aus Mordor leben müssen, spielt Sheerans anämischem Schmerzensgesang zackiger, drängender. Sänger Michał Czarnecki trägt das Holzfällerhemd der Außenbezirke von Auenland, Gitarrist Hubert Radoszko gibt mit wackelnden Knien den David Steele (Fine Young Cannibals).

Es ist so traurig, so erschütternd, diesem Klagegesang zu lauschen. Gibt es eine Zukunft? Wird die Trip Band weiterreisen können, noch einmal 7000 Kilometer durch zehn Länder und 24 Hauptstädte. oder kommt der Russe, der Vernichter, der Demiurg, der das Lied heraufbeschwört: "Desolation comes upon the sky / Now I see fire / Inside the mountain / I see fire / Burning the trees / And I see fire / Hollowing souls / I see fire / Blood in the breeze"?

Mehr Gesänge fremder Völkerschaften in der völkerkundlichen PPQ-Reihe

Unter Feuer: Kinderradio Knirpsenstadt

Seit vergangener Woche liegt eine schriftliche Begründung des BGH-Urteils in Sachen Radio Fönwelle („Morgenshow-Urteil“) vor. Auch wenn die rechtliche Tragweite dieser Entscheidung nicht überschätzt werden sollte, bietet sie aus Sicht des Bundesverbands der Privatradiowirtschaft doch genügend Anlass für einige kritische Anmerkungen.

Die Entscheidung erging als Versäumnisurteil und ist noch nicht rechtskräftig. Gegenstand des Unterlassungstenors ist die folgende Aussage, die im Rahmen des Morgenshowspiels „Greif die Hits“ verwendet wurde: "Schnapp dir die günstige Gelegenheit und verpasse deinem Frühstück das gewisse Etwas!"

Der BGH sieht hierin eine unmittelbar an Kinder gerichtete werbende Aufforderung und damit einen Verstoß gegen Nr. 28 des Anhangs zu § Abs. 3 UWG.

Zur Begründung dieses Ergebnisses erklärt der BGH, dass durch das Spiel und die besagte Aussage gerade Minderjährige, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (Kinder im rechtlichen Sinn), gezielt angesprochen würden. Hierfür verweist er auf eine angeblich kindertypische Sprache, die er maßgeblich darin erkennen will, dass die zweite Person Singular („Dir“) verwendet wird und sich im Umfeld der Aussage vereinzelte Anglizismen (gemeint sind wohl die Wörter „pimpen“ und „Erdnuckel“) finden. Welche Merkmale darüber hinaus auch das Spiel als solches kindertypisch erscheinen lassen sollen, wird in den Urteilsgründen nicht weiter erläutert.

Diese Argumentation des BGH ist nicht allein wegen ihrer konkreten rechtlichen Folgen bemerkenswert, sondern vor allem auch deshalb, weil sie deutlich macht, wie wenig Bezug Richter, die über diese Materie in letzter Instanz zu entscheiden haben, mitunter zu Sendungen von Radiosendernn haben. Jedem, der Radiosendungen nicht nur vom Hörensagen kennt, ist klar, dass der beschriebene Sprachstil für dieses Medium generell kennzeichnend ist. Man muss schon recht unbedarft an das Thema herangehen, um anzunehmen, dass Radiosender privater oder öffentlich-rechtlicher Natur ihre Kernzielgruppe deshalb allgemein bei Kindern unter 14 Jahren fänden. Studien belegen nämlich etwas vollkommen anderes: Rund 85 Prozent aller Spieler von Radiohörern sind keine Kinder, und das Durchschnittsalter liegt bei circa 32 Jahren. Dennoch sprechen Moderatoren ihr Publikum seit Jahren an, als handele es sich durchweg um geistig minderbemittelte Minderjährige.

Das ist rechtlich deshalb von besonderer Bedeutung, weil das Gesetz gerade nicht die „an jedermann“ gerichtete werbende Ansprache verbietet, von der sich Kinder lediglich auch angesprochen fühlen könnten. Untersagt ist nur die gezielte Ansprache von Kindern. Die Ansprache einer Zielgruppe, die zu 85 Prozent nicht aus Kindern besteht, ist aber geradezu der Lehrbuchfall einer an jedermann gerichteten Ansprache. Nur wer spricht zu Kindern, meine doch nicht immer Kinder, argumentiert der Radioverband.

Zweifel wirft die Urteilsbegründung auch unter einem anderen Aspekt auf: Das Gesetz nennt mit der „beworbenen Ware" einen klaren Bezugspunkt, der für eine verbotene Ansprache kennzeichnend sein muss. Mit anderen Worten: Das beworbene Produkt muss in der Werbung konkret benannt sein. Es genügt gerade nicht, wenn nur ein allgemeiner Kaufappell ausgesprochen wird.

Die vorliegend verbotene Aussage lud den Zuhörer nur dazu ein, sich "das gewisse Etwas" für sein Frühstück zu "schnappen". Worin dieses "Etwas" besteht, geht aus der Aussage nicht hervor. Ein konkretes Produkt wird also gerade nicht beworben. Vielmehr handelt es sich um eine allgemeine Einladung, ein „virtuelles Ladenlokal“ – aufzusuchen und dort erst nach dem passenden "Etwas" zu stöbern. Auch in der realen Welt sind solche allgemeinen Einladungen zum Besuch eines Geschäftes nicht vom Verbot der hier bemühten Vorschrift umfasst und daher dann auch nicht wettbewerbswidrig. Warum im Radiobereich etwas anderes gelten soll, ist der Urteilsbegründung nicht zu entnehmen, heißt es in der Stellungnahme.

Fazit: Die Entscheidung des BGH ist aus mehreren Gründen kritikwürdig. Da gegen das Versäumnisurteil Einspruch eingelegt wurde und somit eine endgültige Entscheidung noch aussteht, bleibt aber noch die Hoffnung, dass der Richterspruch nicht in dieser Form Bestand haben wird.

Freitag, 17. Oktober 2014

Zitate zur Zeit: Nach all den ganzen Jahren

Ich bin überrascht, dass große Apparate genauso dumm sind wie ich.

Elmar Brok,
Bericht aus Brüssel, 31.8.2014

Literatur in Wald und Flur

Rockerbandenkriege, Literaturmessen, Urheberrechtsstreit, da geht die Kunst auf die Straße, um im Gossenschmutz literarisch saubere Kommentare abzuliefern. Angesichts der hohen Kosten, die Books-On-Demand-Anbieter noch immer verlangen, gehen junge Kulturschaffende mehr und mehr dazu über, den öffentlichen Raum mit nicht Selbstgeschriebenem zu plakatieren.

Inspiriert vom einzigartigen Kachelmann bekleben kleine Genies Verteilerkästen, Fahrplantafeln und Laternenmaste mit preisverdächtigen Kurzkrimis im knurrigen Raymond-Chandler-Stil: "Und meine Unterwäsche kann sich sehen lassen. Jason bandagiert eine Hand mit meinem Haar. Er ist in bestürzender Eile", heißt es etwa in einem unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit mitten in der halleschen Innenstadt veröffentlichten Werk. Darüber ein bierbäuchiger Prachtprimat mit Munitionsgepäck und Flinte. Jason? Wessen Haar? Was trägt er drunter?

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Sternstunden des Spontanrock

Er gibt eines dieser akustischen Pflichtkonzerte, macht sich aber den Spaß, ein 25 Jahre altes Album komplett und in der richtigen Reihenfolge zu spielen. Damals hatten die Manic Street Preachers noch verkündet, sich nach ihrem Debütalbum auflösen zu wollen. Heute sind sie immer noch da, zum Trio geschrumpft und aller Illusionen beraubt. Manchmal aber kommen auch noch welche hinzu, wie bei diesem Akustik-Auftritt mit den Songs von "Generation Terrorists": Bevor Bradfield beginnt, den finalen Stampfer "Condemmed to Rock'n'Roll" zu spielen, fragt er höflich, ob das anwesende Publikum vielleicht in der Lage sei, ein wenig mitzusingen.

Eigentlich ein Unding, denn das Stück ist für gewöhnliche Kehlen kaum singbar. Die Stimme geht hoch, sie geht runter, die Gitarre schrammelt hin und her und eine Springflut an Text ergießt sich über den Zuhörer, der sich über die ersten paar Versuche meist gar nicht darüber klar wird, was das hier ist: Heavy Metal? Hairmetal? Punk? Jazz?

Hier aber eine Sternstunde, unangekündigt. Eine junge Frau aus dem Publikum singt erst noch recht zurückhaltend mit, übernimmt aber schließlich so das Kommando, dass Bradfield nur noch leise mitspricht, um an der Gitarre im Rhythmus zu bleiben. Dann singen beide zusammen, ungeprobt, nicht perfekt, aber so ergreifend spontan, wie Musik nur in seltenen Momenten ist. Das Video des Aufeinandertreffens des Manics-Sängers und der jungen Frau mit der Schweißerbrille ist dunkel und unscharf, aber die unbekannte Sängerin wird es freuen.

EU sorgt für sauberes Netz

In Deutschland zugelassene Online-Medien sollen Kommentare unter Artikeln wie diesem hier künftig so behandeln wie Leserbriefe. Entsprechende Regeln plant das Bundesblogampelamt (BBAA): Die Behörde mit Sitz im mecklenburgischen Warin will Regeln für Leserbeiträge in Internet-Foren von Medien einführen. Behördenchef Herrnfried Hegenzecht fordert, dass Kommentare im Netz grundsätzlich wie Leserbriefe behandelt werden müssen. "Beleidigungen und Schmähungen sollten entweder vorab oder zumindest zeitnah nachträglich gelöscht werden." Eine Arbeitsgruppe des BBAA entwickelt derzeit entsprechende Änderungen des Regelwerks.

Viele Onlinemedien, darunter auch PPQ, moderieren ihre Foren ohnehin bereits streng. Beiträge, die bestimmten Kriterien widersprechen, etwa weil sie Beleidigungen von Gruppen, Teilgruppen oder privaten Trägern öffentlicher Belange enthalten oder nicht den gängigen Vorstellungen von einheitlichen, sauberen Ansichten entsprechen, werden gelöscht. Zeitungen und Zeitschriften hingegen arbeiten bisher mit einer Selbstkontrolle. Das EU-finanzierte Clean IT-Projekt gibt Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen eine Richtschnur, wie zur »Bekämpfung illegaler Inhalte im Netz« vorgegangen erden sollte. Clean IT hat jetzt auch intern einen Katalog mit »freiwilligen« Verhaltensregeln für Internet-Provider vorgelegt, nach denen sich Kommentatoren im Internet richten müssen.

Das Problem ist akut. Mittlerweile beziehen sich Ernst zufolge 60 Prozent der Eingaben auf online erschienene Texte, die erfreulicherweise immer öfter identisch sind. Dadurch lässt sich der Zensuraufwand minimieren. Im vergangenen Jahr habe es vor allem Beanstandungen wegen der journalistischen Sorgfaltspflicht gegeben, häufig seien Sprachregelungen, die von der Regierung erlassen worden waren, missachtet worden. Auch der Schutz der Ehre und religiöse Gefühle standen im Mittelpunkt der Kritik. Leser können sich beim Blogampelamt per Post oder Mail über einzelne Artikel oder Kommentareinträge beschweren. Auf Grundlage des Pressekodex entscheidet das Gremium dann, welche Strafen zu verhängen sind. Treffen die Vorwürfe zu, kann der Rat Rügen und Missbilligungen gegen einzelne Medien aussprechen oder bestimmte Seiten völlig sperren.

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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Schwarze Sterne

Afrika ist anders als Bob Geldof sich das vorstellt. Afrika ist auch anders, als es in europäischen Medien vorkommt. Europa weiß auch deshalb wenig vom ewig "schwarzen" Kontinent, der den Makel mit sich trägt, rote Zahlen zu produzieren und ständig hungers zu leiden.

Dass Afrika boomende Volkswirtschaften wie Südafrika und Botswana hat, ist weniger bekannt als die Dauerkrisengebiete wie den Sudan, Somalia oder Simbabwe. Das Afrika-Tetris wird daran nicht viel ändern, hilft aber bei der nächsten Urlaubsplanung.

Krude Gen-Thesen: Indianerhass wird hoffähig

Einfach unverbesserlich, dieser „Spiegel“. Drei Jahre nach den Sarrazin-Kriegen, die das Hamburger Magazin mit der leichtfertigen Veröffentlichung der kruden Thesen des früheren Berliner Finanzsenators losgetreten hatte, legt das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie noch einmal nach. Statt um angebliche Judengene, mit denen das Magazin sonst viel Geld verdient, geht es diesmal um das vermeintliche Erbgut von Amerikas indigenen Völkern. Unter Berufung auf ein internationales Forscherteam, das das Genom eines Menschen der eiszeitlichen Clovis-Kultur analysiert habe, behauptet der „Spiegel“, es gebe „im Genom von Vertretern indigener Amerikaner, von Europäern und Asiaten bestimmte Marker, die spezifisch für Amerikas indigene Völker sind“.

Biologismus also aus der untersten Schublade, wie ihn der "Spiegel" seinerzeit selbst so lange widerlegte, bis endlich „42 Prozent der Deutschen Sarrazins Thesen ablehnten“.

Seitdem gibt es keine volkskörpergebundenen Gene mehr, der Isländer ist aus demselben Stoff gemacht wie der Marokkaner, der Sachse hat dieselbe verwandtschaftliche Nähe zum Griechen wie zum Japaner oder zum Nigerianer, das war ein für alle mal klar.

Nun aber, aus purer Lust an der Provokation, sind die kruden Thesen zurück: „Alle indigenen Amerikaner sind verwandter miteinander als mit jeder anderen untersuchten Population außerhalb Amerikas“, behauptet der „Spiegel“ dreist. Zudem sei das „Clovis-Genom mit allen indigenen Amerikanern verwandter als mit den Vergleichspopulationen außerhalb Amerikas“ und mit „Populationen aus dem sibirischen Raum deutlich verwandter als aus dem westlichen Europa“.

Ein plumper Versuch, die Völker voneinander zu entfremden und bestimmte Populationen zurückzusetzen. Alle indigenen Völker Amerikas gehen nach "Spiegel"-Angaben auf eine Einwanderungswelle zurück. Die Einwanderer hätten Amerika von Sibirien aus erreicht, "also wohl über die zugefrorene Beringstraße", mutmaßt das Magazin. Danach sei es zu einer "Diversifikation der NA- und SA-Linien" gekommen - die Erstbesiedler-Population aus autochthonen Russen spaltete sich auf und wurde zu Indianern, was die Redaktion in Hamburg mit Hilfe ihrer kruden, rückwärtsgewandten Genthesen heute noch nachweisen zu können glaubt.

"Spiegel": Werbung für das Judengen

Dienstag, 14. Oktober 2014

Schockumfrage: Mehrheit glaubt an Geister

Sieben von zehn Deutschen haben einer neuen Studie zufolge Zweifel an der wissenschaftlichen Evolutionstheorie. Betroffen sind den Angaben zufolge vor allem Christen, die in Deutschland etwa 62 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Davon sind in den beiden großen Kirchen etwa 58,8 Prozent organisiert, die meisten von ihnen leben in den alten Bundesländern und glauben, dass ein Wesen, das in der sogenannten Bibel „Gott“ genannt wird, einen Einfluss auf die Entstehung des Universums und des menschlichen Lebens hatte.

Auch die Orthodoxe Kirche, deren als unwissenschaftlich geltenden Lehren hierzulande rund 1,3 Millionen Menschen verfallen sind, glauben, dass ein Gott oder eine andere höhere Macht ganz oder zumindest teilweise für die Entstehung des Alls, der Erde und des Menschen verantwortlich seien. Wie die in Deutschland lebenden Muslime, die bis zu 4,3 Millionen zählen, lehnen sie die Erkenntnisse der Evolutionslehre von Charles Darwin entschieden ab. Auch alle anderen Religionsgemeinschaften, die zusammen noch einmal etwa ein Prozent der Bevölkerung ausmachen – darunter sind 270.000 Buddhisten, 200.000 Juden, 100.000 Hindus, 10.000 Sikhs und 6.000 Baha'is – glauben an zum Teil krude Theorien über Geister, Schöpfer und Inkarnationen, wie auf dem Jahrestreffen des Wissenschaftsverbands American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Chicago bekannt wurde.

Besonders verbreitet sei der Irrglaube an höhere Mächte bei Politikern. In der Regierungskoalition haben sich laut neuer Untersuchungen drei Viertel aller Abgeordneten zur Ansicht bekannt, dass es ein Leben auf der Erde ohne höheres Eingreifen eines nicht näher bekannten „Schöpfers“ nicht geben würde. Die Evolution müssen diese Menschen aus Glaubensgründen ablehnen, weil ein Schöpfungakt in sieben Tagen und mit Adam, Eva und einer Schlange nur denkbar ist, wenn es keinen Schöpfungsakt in Jahrmilliarden gab, bei dem aus Einzellern langsam Mehrzeller und aus unbewusstem langsam bewusstes Leben gewachsen ist.

Doku Deutschland: Also ich als moderater Islamist

Ich als moderater Islamist widerspreche da klar. Ich bin gegen Gewalt, auch gegen Gewalt gegen Ungläubige. Das ist meiner Religion unwürdig, sie hat es auch nicht nötig. Wir müssen es nicht wie die Kuffar machen, sage ich meinen Söhnen immer, ich meine damit, dass die Kuffar ihr Christentum ja mit dem Schwert verbreitet haben. Deutschland wurde erobert und unterworfen und es dauert soweit ich weiß fast 2000 Jahre, bis die Deutschen dann auch mal einen Papst stellen durften. Das ist unangemessen, das ist das Denken von Eroberern, nicht von Leuten, die andere von ihrem guten Glauben überzeugen wollen.

Auf diese Art bleibt der Glaube fremd, auch wenn man ihn annimmt, indem man sagt Allah ist der einzige Gott und Mohammed ist sein Prophet. Meiner Überzeugung nach leben wir heute nicht mehr im Jahr 639, als Muslime noch Mohameddaner genannt wurden. Wir haben eine ganz andere Zeit und wir haben historische Beispiele dafür, dass eine friedliche Überzeugung anderer möglich ist. Nehmen Sie mal Ägypten. Das hat Amr ibn al-As ja nicht mit 4000 arabischen Soldaten erobert, sondern mit dem Glauben. Das hat die Menschen dort überzeugt und heute ist jeder außer den Ägyptern selbst überzeugt, sie seien Araber.

Nein, sie sind gute Muslime! Deshalb halte ich als moderater Islamist die Strategie des Islamischen Staates auch für falsch. Feuer und Schwert können Land erobern, aber Herzen? Herzen müssen wir uns mit Großzügigkeit und Geduld sichern. Es braucht keine Waffen, um gegen die westlichen Götter des Konsums und der Verschwendung zu bestehen, davon bin ich überzeugt. Jede deutsche Frau bekommt ein Kind, jede muslimische Frau vier, fünf oder sieben. Wir Araber haben die Zahlen erfunden, damit wir rechnen können.

Ich bin deshalb für den Frieden, einen Frieden des kämpferischen Islam. Das hat nichts mit dem IS zu tun, nichts mit Terrorismus und Straßenschlachten zwischen Brüdern und Ungläubigen. Ich kann dulden, dass sie sich halb ausgezogen auf den Straßen präsentieren, ich kann ihren Hang zum Alkohol dulden, ich kann die Verschwendung ertragen, die Mühle der Moden und das ohne Rücksicht auf die natürlichen Ressourcen propagierte Recht auf Gleichheit für alle und jeden.

Denn ich sehe, wie endlich das ist. Die Frau, das ist doch deutlich, ist kein Mann. Sie ist kleiner, feiner, sie ist körperlich anders ausgestattet, weil sie andere Aufgaben hat. Sie darf des Schutzes des Mannes, der größer ist und gröber, weil er diesen Schutz geben soll und kann. Das ist die natürliche Ordnung, so steht es im Buch und so kann ich es wahrnehmen.

Warum aber soll ich nicht aufstehen gegen die, die sagen, das Buch ist falsch und was ich sehen kann ebenso? Weil unsere Aufgabe die Geduld ist, wie Mohammed sagt: "So sei denn geduldig mit dem Befehl deines Herrn" (at-Tur:48), die Zeit ist reif, wenn sie um ist.

Wir brauchen keine Revolution, wie die zornigen jungen und die dummen alten Männer sie predigen. Wir stecken mitten in einer Evolution! Der Westen ist müde und schlapp, sein Glauben ist eingeschlafen, ein Schatten der großen Tage, als er unter dem Kreuz auszog, die Welt zu bekehren. Geblieben ist davon nur eine Sehnsucht, es bequem zu haben auf seine alten Tage, langsam wegzudämmern ins Dunkel der Geschichte, die er nicht mehr regieren kann.

Wir aber leben, uns gehört die ganze Zukunft! Bei einer Geburtenrate von 1,39 Kindern pro Frau werden derzeit in Deutschland acht Kinder pro 1000 Einwohner im Jahr geboren. Anno 2200 werden dadurch noch rund 5,5 Millionen Deutsche das neue Jahr begrüßen, anno 2300 dann nur noch knapp eine Million. Unsere Geburtenrate vom Jemen über Nigeria bis nach Jordanien und Afghanistan dagegen liegt bei 20 bis 35 Kindern pro 1000 Einwohner - in einer Generation verdreifacht sich unsere Zahl, während sie sich auf der anderen Seite halbiert.

Es gibt keinen Grund, Krieg zu führen, Terror zu schüren oder unsere jungen Männer für einen völlig falsch verstandenen Dschihad zu opfern. Die Zeit ist auf unserer Seite. Allah ist groß!

Mehr aus der zeitkritischen Reihe Doku Deutschland: Kein Sperma für Veganer

Montag, 13. Oktober 2014

Zitate zur Zeit: Radikale linke Haltung

Es brodelt in mir, zur radikalen linken Haltung meiner Kindertage zurückzukehren.

Martin Schulz, ehem. SPD-Europa-Spitzenkandidat und EU-Parlamentspräsident

Terrorgruppe lädt in die Boko-Bar

Im Streit um den wahren Islam und das wahre Kalifat geht die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram neue Wege. Nachdem die über Monate mit äußerster Brutalität vor allem medial sehr erfolgreiche Islamisten-Gruppe zuletzt kaum noch beachtet worden war, weil alle Aufmerksamkeit des Westens der konkurrierenden Gruppe "Islamischer Staat" gilt, leidet Boko Haram - zu deutsche „Bücher sind Sünde“ - zunehmend unter einem Mangel an kampfbereiten Nachwuchs. Junge Deutsche und Franzosen, aber auch Briten und Mexikaner gehen lieber zur erforlgreicheren Isis, um sich in die Luft zu sprengen. Dem will die Moslem-Sekte mit einer neuen Öffentlichkeitsoffensive begegnen.

BH-Sprecher Abubakar Shekau stellte jetzt das erste "Boko"-Restaurant vor, das im Stil der erfolgreichen "Talibars" Szenegänger und Abenteuerlustige anlocken soll. Gelegen mitten in der Innenstadt von Bautzen, bietet die urige Kneipe Leibesvisitationen am Eingang, Burkas für das Personal, Bilder vom Propheten und seinen verführerischen und zumeist sehr minderjährigen Frauen an der Wand und auf dem Boden flauschige Teppiche, damit jeder, der mag, jederzeit zum Gebet niederknien kann.

Auf der Karte stehen neben zahlreichen gesüßten Tees auch handgemachte Limonaden, die in aufgebohrten Handgranatenhülsen serviert werden. Als Aschenbecher dienen großkalibrige Granathülsen, alle Kellner tragen völlig echt wirkende AK47 und Vollbart. Wie in den Talibars, die vor drei Jahren wie eine Bombe einschlugen, lädt auch die Bautzener Boko-Bar jeweils mittwochs zum Militanz.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit brutaler Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Ihren Führungsanspruch in der zuweilen noch auf entgrenzte Gewalt und abgeschlagene Körperteile fixierten muslimischen Welt hatten die Extremisten trotz bislang ermordeter 10.000 Menschen zuletzt an den konkurrierenden "islamischen Staat" verloren, der mit noch brutalerer Gewalt aus Syrien, dem Irak, dem Libanon, Israel, Palästina und Jordanien ein Kalifat machen will. Boko Haram bestreitet den Führungsanspruch des Islamischen Staates, der Islamische Staat wiederum erkennt die von Boko Haram islamisierten Gebiete bisher nicht als Kalifat an.

Zwar hatten Uno und EU zumindest Boko Haram zuletzt auf die Liste der Terrororganisation gesetzt, doch wie der Islamische Staat ist auch Boko Haram in Deutschland noch nicht offiziell als terroristische Vereinigungen eingestuft. Die Gruppe darf deshalb in der Öffentlichkeit Werbeaktionen durchführen und auch Gaststätten wie die Bautzener "Boko"-Bar betreiben.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Gesänge fremder Völkerschaften: Winter chill began to haunt

Des Sängers Schicksal ist es, in Liedern laut zu leiden, und das Grauenhafteste, was ihnen wiederfahren kann, ist also Glück, weil sie das vom Leiden abhalten und die Herstellung von weiteren Leidensliedern behindern könnte. Die schönsten Songs der Weltgeschichte sind geschrieben worden, nachdem gerade eine Tür zugeschlagen war. Keine Frau mehr im Raum, dafür Wein und Kummer, draußen schlechtes Wetter und nichts im Fernsehen – schon ist alles beisammen, was zu einem Welthit führen kann.

Nicht muss, denn die wirklich ergreifenden Schmerzensgesänge schaffen es kaum einmal ins kollektive Gedächtnis. Denen, die sie hören, bleiben sie dafür umso mehr als ihre eigenen in Erinnerung. Und weil danach gefragt wurde, ob es hier gar keine Kultur mehr gibt in diesen kriegerischen Zeiten, kommt hier die Abschiedshymne „Bricks“, gespielt von Dave Hause und Mitchell Townshend.

Now I'm missing you
I miss that town I miss your name
I don't speak it anymore
Since you took my picture from its frame

I'm up later each night trying to write my way out of this tomb
Seems these sedatives don't work as well in these gloomy rented rooms
Where the air conditioner's set on choke and the TV loops bad news
I'm moving on
Refrain:

So maybe Mexico
San Francisco would be fine
Somewhere to dry out
Clean up and pass a little time
I'll put some money down
Maybe a place right on the bay
I'll build a brand new foundation from the bricks you threw my way

That January moon
Indian summer's warm wind came
Spring fever brought along
Some hope to quell the sin and shame

But it wasn't long before
That winter chill began to haunt
We tried to warm our bones
In that freezing house I used to want

And those highs and lows when they come and go just slide to the extreme
And I couldn't sleep there long enough to have a decent dream
Where the heater's set on stifle and the nightmares made me scream
I'm moving on

Kalif Ibrahims willige Helfer

Mit dem Teufel gegen den Belzebub oder ohne ihn? Die Frage, wie der Kampf gegen die Gotteskrieger des Islamischen Staates geführt werden soll, haben die Führer der westlichen Welt beantwortet. Und das ganz anders als ihre Vorgänger Churchill und Roosevelt: Im Krieg gegen die Truppen des Kalifen wird es keine Allianz mit dem syrischen Diktator Bashir al Assad geben, dessen Land zentrales Angriffsfeld der Islamisten ist.

Assad, so argumentieren Washington, London, Berlin und Istanbul, habe Verbrechen an seinem eigenen Volk begangen, er habe Andersdenkende unterdrückt und verfolgt und Völkermord begangen.

Nichts, was Zeitzeugen dem sowjetischen Alleinherrscher Josef Stalin Anfang der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht auch hätten vorwerfen können. Dennoch entschieden sich die Westmächte seinerzeit, im Krieg gegen den ähnlich wie der islamische Staat von einer eingebildeten „Bestimmung“ zu Massenmord und Angriffen auf fremde Staaten motivierten Nazi-Staat ein Zweckbündnis mit der kommunistischen Sowjetunion zu schließen. Stalins Säuberungskampagnen, die von ihm zu verantwortenden millionenfachen Hungermorde und die Expansionskriege der jungen Sowjetunion blieben für den Moment unbeachtet wie die erklärte Sendung der Sowjetunion, weltweit ein Reich des Kommunismus zu errichten.

Not kennt kein Gebot, ein gemeinsamer Feind vermag aus Feinden Verbündete zu machen. Damals zumindest, als Politiker in großen Krisen zu Staatenlenkern wachsen mussten, denen klar war, dass Prinzipien etwas für Sonntagsreden sind, bei Kamingesprächen aber Nützlichkeiten verhandelt werden.

Der aktuellen Politikergeneration bleibt dieser zweckmäßige Weg verschlossen. Zu lange hat der Westen seine Moral als Waffe eingesetzt, zu offensiv hat er seine Maßstäbe als alleingültig gesetzt – sei es in der Kampagne vor der Olympiade in Peking gegen China, sei es im Streit mit Russland um die Vorverlegung der Nato-Außengrenze nach Osten, sei es in den Rebellionen im Nahem Osten, bei denen es gute Praxis war, jeden Aufbegehrenden zum Lager der Demokraten zuzählen. Und sei er auch ein Erzislamist.

Nun stehen Obama, Merkel und Hollande in einer Zimmerecke, aus der es kein Entkommen gibt. Schon die Volte, der in Europa wie den USA als terroristische Organisation geltenden PKK, Waffen im Kampf gegen die Islamisten zu liefern, gelang nur unter rücksichtsvoller Zurückhaltung der Medien, die allenfalls im Kleingedruckten fragten, ob diese Waffen nicht als nächstes im Kampf für den 1945 versprochenen, aber bis heute ungegründet gebliebenen kurdischen Staat verwendet werden. Ein Kampf, der dann mit den Truppen des Nato-Verbündeten Türkei ausgefochten werden müsste.

Mit Assad gegen den Kalifen Ibrahim zu marschieren, würde die Wähler im Westen verwirren und die vor nicht allzulanger Zeit noch siegesgewissen Assad-Gegner in Syrien womöglich vollends auf die Seite des IS treiben. Eine perfekte Zwickmühle: Welchen Schritt der Friedensnobelpreisträger Barack Obama auch geht, es wird ein Fehltritt sein, wohin auch immer ihm seine Verbündeten folgen, die Geschichte wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit verurteilen.

Zuschauen wie 1937 ist keine Lösung, Wegschauen wie 1938 auch nicht, Eingreifen wie 1939 ist ohne ein Bündnis mit Assad sinnlos, im Bündnis mit dem Syrer aber unmöglich, wegen der Moral, wegen der Türkei und wegen der Angst, alles nur noch schlimmer zu machen.

Die Führer des Westens haben alles anders gemacht als ihre Vorvorgänger. Und sie sind damit zu willigen Helfern des Kalifen geworden.

Samstag, 11. Oktober 2014

Vermögenskiller Haustier

Die Deutschen haben ein Nettovermögen von rund 6,3 Billionen Euro – doch verteilt ist dieser Reichtum höchst ungleich. Frauen haben im Schnitt Zehntausende Euro weniger als Männer, noch weniger haben nur Menschen, die ein oder mehrere Haustier halten - wie eine neue Studie nachweist, je mehr Tiere und je größer, umso stärker.

In keinem anderen Euro-Staat sind die Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. PPQ.so nennt die erschreckenden Zahlen zur Vermögensverteilung:

- im Schnitt haben Erwachsene ein Nettovermögen von 83.000 Euro

- das reichste Prozent hat durchschnittlich 800.000 Euro

- gut 20 Prozent besitzen gar kein Vermögen

- bei rund sieben Prozent sind die Schulden größer als der Besitz

„Insgesamt hat sich an der Vermögensverteilung im Land wenig geändert, die Ungleichheit verharrt auf hohem Niveau“, sagte DIW-Experte Markus Grabka, der mit seinen Kollegen die Daten von 2012 mit denen von 2007 und 2002 verglichen hat. Insgesamt beläuft sich das Nettovermögen der Deutschen inzwischen auf rund 6,3 Billionen Euro. Doch ausgerechnet Arbeitslose, die ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind, haben der Studie zufolge zuletzt „deutliche Vermögensverluste“ hinnehmen müssen.

- 2002 verfügten sie noch über 30.000 Euro

- 2012 waren es nur noch 18.000 Euro


Bisher eher wenig bekannt: Mit jedem Haustier schrumpft das Vermögen. Ein Hund durchschnittlicher Größe kostet nach Angaben der Studie rund 16.800 Euro über seine gesamte Standzeit von etwa zwölf Jahren. Vom vorhandenen Vermögen, das bei Männern 97.000 Euro und bei Frauen 70.000 Euro ausmacht, bleibt damit schon nach fünf bzw. vier Hunden nichts mehr übrig. Noch härter trifft der Vermögenskiller Haustier Alleinerziehende, die durchschnittlich nur über 35.000 Euro verfügen. Kommt zur Hundehaltung noch eine Katze, ein oder mehrere Haushamster oder Meerschweinchen, Kaninchen oder Kanarienvögel hinzu, sinkt das verfügbare Pro-Kopf-Vermögen umso schneller.

Naheliegend das Fazit der Studie: Männer im Alter von 60 Jahren, die nie ein Haustier gehalten haben, verfügen mit 150.000 Euro über die durchschnittlich höchsten Vermögen.

Roboter sollen offenbar Deutsche ersetzen

Nach neuen Nachrichten über einen latent vorhandenen Antisemitismus bei 20 Prozent der Deutschen, ausgeprägten Ausländerhass bei weiteren 15 Prozent und wachsender Armut bei nahezu jedem Dritten (30 Prozent), hat sich die Bundesregierung zu scharfen Maßnahmen zur Bekämpfung der Probleme entschlossen. Wie die Zeitung Die Welt berichtet, soll perspektivisch "Technik jeden Zweiten in Deutschland ersetzen". Eine Hälfte der derzeitigen Wohnbevölkerung würde dabei durch täuschend echt in Menschenform nachgebaute Roboter ersetzt.

Mit dem Projekt reagiert das Kabinett auch auf die von dem SPD-Politiker Thilo Sarrazin angeprangerte Gefahr, dass Deutschland sich abschaff, weil die einheimische Bevölkerung zunehmend gebärunwillig wird. Deutschland schaffe sich ab, hatte Sarrazin damals gedroht und einen Sturm der Entrüstung geerntet. Jetzt zeigt die Regierung, warum sie trotz beständig sinkender Geburtenraten stets optimistisch geblieben ist, das Herzland Europas auch über die nach aktuellen Berechnungen noch zu erwartende natürliche Standzeit von 15 Generationen erhalten zu können.


Die künftige Roboter-Einwohnerschaft würde Deutschland mit künstlicher Intelligenz gravierend verändern: Der Bedarf an öffentlichen Toiletten sinkt ebenso wie der an Ferienwohnungen und Schlafzimmern, da die neuen Deutschen in Phasen der Inaktivität einfach im Flur oder in einer Zimmerecke abgestellt werden können. Im Unterschied zu migrantischen Neudeutschen, die nach Angaben der "Welt" häufig eigenständig neue Probleme mit nach Deutschland bringen, rechnet die Bundesregierung bei den kybernetischen Neubürgern offenbar nicht mit großen Integrationsschwierigkeiten. Roboter gelten als sehr anpassungsfähig und anspruchslos, sie haben keinerlei eigenen Willen über ihre Grundprogrammierung hinaus und können damit je nach Bedarf mit einer Toleranzschwelle ausgestattet werden, die bis zur devoten Hinnahme selbst randständigster Bräuche reicht.

Die Gesellschaft wäre, besteht sie erst einmal zur Hälfte aus elektronischen Eingliedungshilfen mit hoher emotionaler und seelischer Intelligenz, nicht mehr dieselbe. "Es ist wie mit der industriellen Revolution vor 200 Jahren, die die Landwirtschaft komplett veränderte", beschreibt ein Experte in der "Welt".

Freitag, 10. Oktober 2014

Zitate zur Zeit: Sag niemals nie

Die internationale Gemeinschaft wird das Ergebnis des Referendums niemals anerkennen.

Barack Obama legt sich fest

Islamismus: Der rationale Wahnsinn

„Barbaren“, „Mörderbanden“ und „Terroristen“ - wenn von den Bemühungen der Islamisten im Nahen Osten zur Errichtung eines eigenen Staates mit Mitteln militärischer Gewalt die Rede ist, ist nur die große verbale Münze zugelassen. Dabei schwingt stets die Vorstellung mit, beim Vorgehen der Islamisten in dem von ihnen beanspruchten „Kalifat“ handele es sich um eine Art irrationale Strategie, die absichtslos auf Völkermord, brutale Gewalt gegen Zivilisten und Andersglaubende setzt. Der in deutschen Medien beschriebene Islamist ist erstens ein keiner Logik zugänglicher Gewalttäter, zweitens ein menschlicher Gefühle nicht mehr fähiger Verblendeter und drittens ein zugereister Gotteskrieger, der Mord und Totschlag sozusagen im Handgepäck in eine friedliche Region schleppt.

Im dritten Punkt finden sich Motive des Erklärmusters wieder, das auch im ukrainischen Bürgerkrieg Verwendung fand. Kräfte von außer müssen es sein, die die Verheerung bringen, weil innere Konfliktlinien unweigerlich die Frage nach der Legitimität der Interessen der beteiligten Gruppen aufwerfen würden. Interner Krieg aus internen Gründen bleibt innere Angelegenheit – erst Einmischung von außen öffnet völkerrechtlich die Tür zu einem Eingreifen.

Dabei ist das Agieren der Führer des selbsternannten Kalifats das einer ganz gewöhnlichen Befreiungsbewegung – vergleichbar dem Vorgehen der Rebellen Fidel Castros auf Kuba oder Maos langem Marsch zur Macht in China. Ausufernde Gewalt, Standrecht, Morde an Zivilisten, die andere Vorstellungen vom Leben haben als die für ein eigenes Ideal von Befreiung streitenden „Aufständischen“ waren in Lenins Russland von derselben gewalttätigen Verfolgung betroffen wie Abolitionisten in den Südstaaten der USA, Che Guevara, eine Ikone aller Gutgläubigen der Welt, richtete in Havanna mit ebenso leichter Hand Systemfeinde hin wie das die IS-Krieger heute tun.

Nach dem Jahrhundert der ideologischen Kriege ist ein neues Jahrhundert der Glaubenskriege angebrochen, das allerdings nicht so genannt werden soll. Statt die Möglichkeit einer grundsätzlichen anderen Weltsicht anzuerkennen, wie sie die IS-Truppen behaupten, schwirrt die Vorstellung herum, die bewaffneten Kämpfer seien eine Art aus dem Nichts aufgetauchter Virus, der sich mit ein paar Bombereinsätzen wegdesinfizieren ließe.

Dabei sind im Irak und in Syrien zwar viele Menschen geflohen – viele aber sind auch geblieben. Und so wie im Gaza-Streifen nach dem Anschlägen vom 11. September gefeiert wurde, so freuen sich auch heute mit Sicherheit Teile der muslimischen Weltgemeinde über die Erfolge des Islamischen Staates. Der ist mit seiner Mischung aus vom Westen adaptierter Waffentechnologie und steinzeitlicher Islam-Interpretation der erste Versuch nach dem Desaster der Taliban in Afghanistan, ein Staatsgebilde völlig anderer Art zu errichten: Ohne Demokratie, ohne Menschenrechte, ohne Gleichheit, mit einer Freiheit nur vor Gott und Verpflichtungen nicht der Natur oder den Mitmenschen gegenüber, sondern ausschließlich geistlichen Instanzen gegenüber.

Es ist her, den aus ihrer Sicht gottgewollten Kampf um genügend Landmasse für das eigene Kalifat mit äußerster Gewalt und unter völliger Vernachlässigung der absoluten Aussichtslosigkeit des Bemühens zu führen. Der gesamte Aufstand, ein halbes Jahr nach Beginn immerhin mit einer gewissen Infrastruktur von der Lebensmittelversorgung bis zur Panzerreparatur ausgestattet, ist ein Selbstmordanschlag auf die nach westlichen Vorstellungen zivilisierte Welt.

Gott will es und der Westen will es nicht, doch der Westen ist nicht die Welt und rein theoretisch besteht eben die Möglichkeit, dass außerhalb der Vorstellungswelt des normalen, abendländisch sozialisierten Menschen eine andere existieren könnte. Die eben keine Paradiesvorstellung mit Supermarkt, Tagesschau, Festgeldkonto und Beamtenjob hat, sondern das Hier und Heute für einen Wartesaal für das Leben in einem anderen Existenzzustand hält.

So religiös motivierte Gewalt entzieht sich Erklärungsversuchen mit den Mitteln der abendländischen Hausapotheke. Sie entzieht sich auch dem Gespräch, der Verhandlung, der Annäherung durch Duldung, die in der Systemauseinandersetzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus von beiden Seiten in der Erwartung praktiziert wurde, die Annahmen des Anderen würden sich als falsch herausstellen.

Der Krieg gegen die "sehr dunkle Seite der Religiosität", wie es der Jenaer Religionswissenschaftler Michael Blume im Gespräch mit n-tv nennt, ist ein totaler Krieg. Religionen beruhen auf Glauben, Ein Gläubiger aber lässt sich durch besseres Wissen so wenig überzeugen wie ein Verschwörungstheoretiker von der Tagesschau. Der totale Krieg aber, unter Inkaufnahme einer größtmöglichen Zahl an Opfern, ist für die eine Seite bedrohlich, weil er ihren Wohlstand, ihre Werte und ihre Zukunftsgewissheit angreift. Für die andere aber ist ein Springquell an Energie, eine beständige Glaubensvergewisserung und ein Versprechen darauf, am Ende zu obsiegen.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Wo man singt, da hass Dich ruhig wieder


The future teaches you to be alone
The present to be afraid and cold
So if I can shoot rabbits
Then I can shoot fascists

Bullets for your brain today
But we'll forget it all again
Monuments put from pen to paper
Turns me into a gutless wonder

And if you tolerate this
Then your children will be next
And if you tolerate this
Then your children will be next
Will be next

Gravity keeps my head down
Or is it maybe shame
At being so young and being so vain

Holes in your head today
But I'm a pacifist
I've walked La Ramblas
But not with real intent

And if you tolerate this
Then your children will be next
And if you tolerate this
Then your children will be next
Will be next

And on the street tonight an old man plays
With newspaper cuttings of his glory days

And if you tolerate this
Then your children will be next
And if you tolerate this
Then your children will be next
Will be next
Will be next
Will be next

Nachtkriminalität - ein Mythos

Was ist dran an jener kriminalitätsfördernden „Dunkelheit“, die immer wieder gern durch die Politik geistert, Schlagzeilen macht und Wissenschaftler beschäftigt? Nicht viel, wenn man sich die Zahlen ansieht. Der Münsteraner Lichtforscher Christian Saalburg, der seine Doktorarbeit über die Zusammenhänge von Dunkelheit und Kriminalität geschrieben hat, kommt in einem soeben veröffentlichten Gutachten für den Mediendienst Erleuchtung zu dem Schluss, dass Dunkelheit „insgesamt eher nicht vermehrt zu Straftaten“ führe.

Nachts würden in den letzten Jahren immer seltener Straftaten aktenkundig, wobei es einen „besonders deutlichen Rückgang“ bei den nächtlichen Gewalttaten gebe. Einzige Ausnahme seien die Intensivtäter, die Tag und Nacht tätig werden. Während normale Überfälle nur zu 3,3 Prozent bei Tage stattfinden, stammten bei einer Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2009 81,4 Prozent der Taten aus nächtlichen Aktivitäten. Aber auch die Raten der Taten bei Dämmerung lagen höher.

Insgesamt allerdings hat sich die Zahl der bei Dunkelheit begangenen Gewalttaten zwischen 2005 und 2013 glatt halbiert, von 10.406 auf 5.837. Auch wenn die klimatologische Entwicklung herausgerechnet wird – durch die Klimakatastrophe gibt es mehr Tageslicht in Deutschland – ist der Rückgang noch deutlich: Demnach ist in jenen acht Jahren die Nacht insgesamt sicherer geworden, obwohl die Tage im Sommer kürzer sind.

Warum die Wirklichkeit dennoch anders wahrgenommen wird als die Zahlen hergeben, erklärt Saalburg sowohl mit Medienmechanismen als auch mit Logiken, die die Kriminalitätsstatistiken verfälschen. Die Medien, „für die meisten Menschen die Hauptinformationsquelle zum Thema Kriminalität“, interessierten sich vor allem für spektakuläre Fälle, vor allem, wenn sie nachts geschehen. Die machten zwar nur einen „sehr kleinen Teil der Gesamtkriminalität“ aus, bestimmten aber so die Wahrnehmung – mit der Folge, dass sie „massiv überschätzt“ werde. Die Kriminalitätsstatistiken geraten, so Saalburg, gleich durch mehrere Faktoren in Schieflage: Erstens unterschieden die meisten dieser Statistiken nur zwischen Tag- und Nachttaten, sagten also nichts über die wirklichen Helligkeitswerte aus. So könnten mondklare Nächte durchaus mal heller sein als regentrübe Wintertage, das aber fließe nicht in die Statistik ein.

Und vieles aus der offiziell registrierten „Nachtkriminalität“ habe auch gar nichts mit der Dunkelheit an sich zu tun, da es in erleuchteten innerstädtischen Gebieten passiere: Zwanzig Prozent der 2012 erfassten Taten geschahen in beleuchteten Fußgängerzonen, in beleuchteten Supermärkten und vor Bankautomaten, die sehr gut ausgeleuchtet waren. Außerdem verzeichnen die Statistiken auch Verstöße, die bei Tag gar nicht erst begangen werden können, wie etwas das Fahren ohne Licht.

Als wesentlichen Faktor nennt Walburg auch, wie Zeugen und Opfer von Kriminalität sich verhalten: „Auf Opferbefragungen beruhende Analysen zeigen mittlerweile recht einhellig, dass die Entscheidung über eine Strafanzeige in beträchtlichem Maße auch durch die Tageszeit bestimmt wird.“ Ist es dunkel, ist die Angst groß, so Saalburg, also gingen die Opfer eher zur Polizei. Die offiziell registrierte Kriminalität gebe auch deswegen wenig Aufschluss darüber, „ob delinquentes Verhalten bei Nacht tatsächlich weiter verbreitet ist als bei Tag, oder ob es lediglich häufiger entdeckt, angezeigt und von den Strafverfolgungsbehörden erfasst, das heißt kriminalisiert wird“.