Samstag, 25. Dezember 2021

So viel Weihnachtszeit: Für alle, die das alles noch ertragen

Doku Deutschland: Mein Mann, der Leugnerer

Carole P. und ihr Mann Eberhardt sind über Folgen und Auswirkungen von Corona im Dissenz.

Es wird Sie erstaunen, aber mein Mann glaubt auch nach 20 Monaten immer noch an alles, was man ihm sagt. Er ist zum Beispiel der festen Überzeugung, dass seine Immunisierung davon abhänge, dass alle anderen auch immunisiert sind. Sonst können es ja nicht funktionieren, sagt er, denn auch bei einer Feier werde es nur lustig, wenn alle ordentlich getrunken hätten.  

Die Funktionsweise, an die er glaubt,  beschreibt er gern mit einem Beispiel von der Autobahn. Wenn er dort nur 130 fahre, aber alle anderen  180,  dann komme  ja logischerweise später am Ziel an als andere, die erst nach ihm losgefahren seien. Das sei zutiefst ungerecht, findet er. Deshalb ist Erhard ganz wild auf ein Tempolimit. Wenn alle nur noch 130 fahren dürfen, sagt er dann immer, dann gebe es für alle Chancengleichheit. Die früh starten, kommen auch früher an, früher jedenfalls als die, die später losgefahren sind.

Mein Mann, das Kollektivwesen

So geht das die ganze Zeit, seit Monaten. Mein Mann vertritt die Ansicht, alle oder keiner. Er nennt das Gerechtigkeit und was die Pandemie betrifft, ist er von keiner noch so jähen Wendung zu irritieren. Als es hieß, Masken nützten gar nichts, weigerte er sich beharrlich, eine zu tragen. Das habe ja keinen Sinn. Als dann verkündet wurde, man wisse es jetzt besser und ganz genau und es nun unumgänglich, dass jeder immer eine Maske trage, nahm er seine kaum mehr ab. Das sei der einzig wirksame Schutz, beharrte er. Nicht einmal daran erinnern durfte ich ihn, dass es eben noch ganz anders gewesen war.

Mein Mann ist ein Kollektivwesen, immer schon. Er schaut sich um und macht, was alle machen. das war Pool so, als wir noch reisen durften. Und es ist heute so, wenn wir einkaufen gehen. Ich denke inzwischen wirklich, mein Mann ist ein schwerer Fall. Stellen Sie sich vor, er hat sogar geglaubt, dass das Lesen eines Buches auf einer Bank im Park durch herumfliegende Aerosole tödlich enden könnte. Warum verbrennen sie nicht einfach alle Bücher, um die Versuchung aus der Welt zu schaffen, hat er mich damals ernsthaft gefragt. Als ich gesagt habe, dass ich denke, dass er langsam durchdreht, hat er mich nur angeguckt. Das stände so überall, hat er gesagt. Dass das Leseverbot das Gesundheitswesen schütze, die Gesellschaft und unser aller Leben. 

Grundrechte oder Tote

Von Grundrechten wollte er schnell nichts mehr hören. Was solle er mit Grundrechten, wenn erst tot sei, sagte er. Im Familienchat bombardierte er uns mit dubiosen Angaben aus angeblich amtlichen Quellen und Fakten, die sich schon wenig später als falsch herausstellten. Ich habe es neben ihm im Zimmer oft nur unter Kopfhörern ausgehalten. 

Immer häufiger trieben uns unsere unterschiedlichen Ansichten rund um die Corona-Pandemie dazu, gar nicht mehr miteinander zu reden.Wenn doch, warf er mir "maximale Durchlässigkeit an der Blödsinnsflanke" vor, die niemandem helfe. Was es jetzt brauche, sei nicht mehr Offenheit, mehr Gespräch oder eine ergebnisoffene Debatte, sondern ein scharfer Keil. Einer, der die Gesellschaft spalte - die Vernünftigen wie er auf der einen Seite, die Grundrechtsmeckerer, sonannte er mich am liebsten, auf der anderen. 

Zerrbilder im Kopf

Wenn davon die Rede ist, entsteht schnell ein Zerrbild im Kopf, als würde das Land in zwei gleich große Teile zerfallen. Doch so ist es nach meiner Beobachtung gar nicht. Es gibt keinen gefährlichen Teil der Gesellschaft, den man vom gefährdeten Teil abkratzen kann wie eine Warze. Jeder ist alles, viele haben Bedenken und Sorgen, keiner fühlt sich mit alldem wohl oder sicher.

Außer mein Mann. Er machte ernst mit seinem Keil in Freundschaften und Beziehungen. Wir haben Freunde verloren, aber er sagte, um die sei es nicht schade. Die sollten doch nach Sachsen gehen, höhnte, dort könnten sie in Ruhe sterben. In der Familie wurde nicht mehr offen geredet, weil er jeden Hauch Kritik an irgendeiner Maßnahme als unzulässigen Irrglauben bezeichnete, der wohl aus absurden Telegram-Kanälen komme. Für meinen Mann steht ja fest, dass außer ihm niemand selbst denken kann. Also kann nach seiner Logik auch niemand selbst darauf kommen, dass es ziemlich verrückt ist, von einer Immunisierung zu reden, die dann gar keine ist. Kann man ein bisschen immun sein, habe ich ihn gefragt? Die Mutter Gottes sei überhaupt nicht schwanger geworden und habe trotzdem ein Kind bekommen, hat er erwidert.

Ehen zerbrechen still

Wie das eine Paarbeziehung mitnimmt, davon lesen Sie nirgendwo. Dass eine Ehe daran zu zerbrechen droht, dass der eine jede Zahl und jede Tagesparole für bare Münze nimmt, die ihm irgendeine Fernsehfrau vorliest. Ohne auch nur einmal in all den Monaten nachzuschauen, was da wirklich steht, beim RKI, bei der Stiko, der Ema oder beim Divi.

Das gehe uns nichts an, hat er gesagt. Das sei Sache der Fachleute. Jeder müsse seine Aufgabe erfüllen, gerade in so einer Pandemie. Als ich sagte, komm, dann lass uns zu der neuen Beratungsstelle gehen, die genau in solchen scheinbar aussichtslosen Situationen hilft, wo man als Menschen nicht mehr miteinander ins Gespräch kommt, hat er abgelehnt. Dabei hatte ich mir viel versprochen von einem Besuch dort, denn die sind offenbar spezialisiert auf Hilfe für Angehörige von Verschwörungstheoretikern, also Leuten, die unter Freunde, Verwandten und Bekannten ihre Wahrheiten verbreiten und nicht mal ans Nachdenken kommen, wenn sie zum zehnten Mal feststellen müssen, dass schon wieder alles gar nicht mehr stimmt.

Schweigen oder Explosion

Inzwischen sind wir beide ein echt extremer Fall. Wir sitzen da und schweigen uns an, weil wir ahnen, dass der andere explodiert, wenn wir nicht verhindern, dass wir irgendwie wieder bei dem Thema landen, das bei uns nur "nichtdasschonwieder" heißt. Aber ich fürchte, es gibt mehr Paare, denen es so geht. Wo einer sich mit dem anderen im Krieg befindet, weil der eine von Anfang an gesagt hat, dass wir wohl immer impfen gehen werden müssen und der andere versicherte, das sei mit zwei Piksen für immer erledigt. Ja, auch das war so ein Punkt, wo ich meinen Mann kopfschüttelnd angeschaut habe. Wenn du einen Impfstoff herstellen würdest, habe ich gesagt, wäre der dann so, dass ihn nach zwei Spritzen niemals mehr jemand braucht?

Er hat mich beschuldigt, zu hetzen. Meine Skepsis sei eine Argumentation auf Gefühlsebene, die er ablehne. Ich habe geantwortet, dass mir seine Verschwörungserzählungen wirklich ein Gefühl der Angst machen. Dass ich einfach nicht kapiere, wie ein studierter Mensch, den ich fast ein ganzes Leben lang kenne, egozentrischen Selbstdarstellern wie dem Lauterbach, dem Spahn oder dem Söder an den Lippen hängen kann und denen jedes Wort abkauft, selbst wenn die das Gegenteil von dem sagen, was sie 24 Stunden vorher gesagt haben. 

Es bringt nichts, das weiß ich. Mein Mann lebt in seiner eigenen Welt als Mutanten, tödlichen Bedrohungen an Einkaufswagengriffen, völkischer Disziplin und eisernem Durchhalten bis zum Endsieg über das Virus. Aber das bewusst wahrzunehmen und anzusprechen, ist mir total wichtig. Er lässt mich ja nicht mehr so oft allein raus, die Ansteckungsgefahr sei einfach zu groß auch für dreimal Geimpfte, sagt er. Und dann riskiere er ja auch selbst sein Leben. Dagegen mit Wahrscheinlichkeiten zu argumentieren, ist vergebene Liebesmüh und es gießt unter Umständen nur noch mehr Öl ins Feuer.

Unsere unterschiedlichen Ansichten zur Corona-Pandemie, sein Festhalten an den ganz eigenen wechselhaften Wahrheiten aus Politik und Medien, mein skeptisches Herangehen und Nachfragen, sie haben viele Brücken, die es früher zwischen uns gab, abbrennen lassen. ich musste erkennen, dass einem Menschen, der tief im Inneren der Ansicht ist, dass alles, was es an Organisationsversagen, Systemversagen, Führungsversagen und Staatsversagen gibt, ausschließlich auf Kosten von Verschwörungsgläubigen, Querdenkern und Ungeimpften geht, durch keine Tatsache mehr ins Zweifeln gebracht werden kann. 

So ein Mensch hat wie mein Mann nach einem monatelangen Radikalisierungsprozess ein fest geschlossenes Weltbild, dessen Fronten nach außen verhärtet sind. Mein Mann sucht nicht mehr nach Informationen, die ihm ein Verstehen von alldem Verrückten erlauben, das uns umgibt. Er sucht nur noch nach Bestätigung seines Glaubens daran, dass die da oben ganz genau wissen, was zu tun ist und warum es heute das Gegenteil von dem ist, was gestern zu tun war.

Freitag, 24. Dezember 2021

Frohe Botschaft: Impfgangster wegspritzen

Es schlumpert an der Maßnahmefront, es wird immer noch nicht hart durchgegriffen, zugepackt und Schluss gemacht mit lauen Laschheit angesichts sinkender Infektionszahlen, hinter denen sich die Omikron-Welle explosionsartig ankündigt. Die Leitmedien sind im Chormodus, die Bionade-Blase bei Twitter ruft nach Eingriffen und einem FDP-Verbot. Gilt doch die kleinste Regierungspartei als notorische Impfpflichtbremse und amtliches Hindernis zwischen Bundestag und Lockdown.

Leugner-Demos weggespritzt

Rot-Rot-Grün hätte bereits Fahrradschlösser vor die Wohnungstüren geschnallt, die mit Wasserwerferkanonen die Leugner-Demos weggespritzt und Hausarrest für alle verhängt, die vor April zweitgeiimpft und seitdem nie geboostert wurden. Die Scholz-Regierung schaut geflissentlich weg, obwohl derzeit täglich Tausende aus dem Status des Geimpftseins herausfallen. Der Gemeinsinnfunk macht mit und verkündet weiterhin steigende Geimpfenzahlen, obwohl die offiziellen Statistiken verraten, wie dünn die Beweislage in den kommenden Wochen werden wird. 

Fiese Fälschung von Feinden unserer Ordnung.
Es brauche mehr Motivation für mehr Pikse, nicht Überredungskunst oder Prämien oder gutgemachte Impfwerbung, sondern eine verbale Radikalisierung und  motivierenden Druck, im Zweifelsfall mit Pfefferspray und Schlagstock, damit Kanzler Scholz nicht auch sein drittes Millionen-Versprechen wieder still einziehen muss, im Vertrauen darauf, dass die solidarische Presse es ihm nicht prompt unter die Nase reiben wird. Der das sagt, weiß wovon er spricht: Herbert Haase vom Klimawatch-Institut (CLW)  im ostdeutschen Grimma ist eigentlich Spezialist für den Klimawandel und Lehrer für Fortschrittsinflation an der Universität Bautzen, sieht jedoch deutliche Parallelen beim Erzwingen von Handlungsänderungen in beiden Problemfeldern. 

Gesellschaftsschädliches Verhalten

Es geht darum, die Schmerzgrenze für gesellschaftsschädliches Verhalten zu senken", sagt der Forschende, der im Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer einen Geistesverwandten erkennt. Palmer, derzeit mit einem Verfahren vor dem grünen Wohlfahrtsausschuss konfrontiert, hatte im Kampf um die Genehmigung eines Parteiverbleibs eine sofortige Impfplicht für alle gefordert. Wer bis 15. Januar keinen Nachweis über drei absolvierte Pikse vorlege, dem würden Renten- und Pensionszahlung gesperrt und er dürfe auch nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurück, so Palmer. 

Erzieherisch gehe das noch über das sogenannte griechische Modell hinaus, nach dem Impfverbrecher jeden Monat Strafe zahlen müssen, bis sie einlenken. Aber, hat Michael Stempfle in der ARD die Besorgnis beruhigt, das könne manchem dann doch zu weit gehen. "Die Mehrheit der Bevölkerung hat längst begriffen, dass es sich bei den radikalisierten Impfgegnern um Verfassungsfeinde handelt, die den demokratischen Staat ablehnen und für rationale Argumente nicht mehr empfänglich sind." 

Wie bei anderen Extremisten auch wolle sich die Mehrheit der Bürger auf den Rechtsstaat verlassen können, sobald Verfassungsfeinde Straftaten planten oder begingen - und die Nicht-Impfung stehe in deutlichem Widerspruch zu Art. 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlich verordneten Pflichtimpfungen".

Rollende Impfkommandos

Hans Haase, der seit einer Kindheit in der impffreudigen DDR immer "mit allem durchgeimpft war", wie er selbst stolz sagt, sieht allerdings in empfindlichen Geldstrafen, Entzug aller staatlichen Leistungen, rollenden Impfkommandos und körperlicher Gewalt zur Piks-Erzwingung nur ein allerletztes Mittel der Durchsetzung von Gemeinsinn und freiwilliger Solidarität."Wir haben im Vorraum solcher Schritte eine ganze Menge Möglichkeiten, die bisher nicht nur überhaupt genutzt, sondern denen sogar sträflich entgegengearbeitet wird", hat eine Forschendengruppe an seinem Institut herausgefunden.

So sei es "absolut kontraproduktiv", dass die alte Bundesregierung sogenannte 3G-Regeln erlassen habe, bei denen ungetestete Ungeimpfte in bestimmtem Maße weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. "Sie dürfen arbeiten, dürfen reisen", klagt Haase an. Und ermöglicht werde das durch ein falsches Signal der Behörden: Teststationen seien nicht etwa verboten, obwohl sie Impfgangstern Tür und Tor öffneten. "Sie tragen zum Eindruck bei, dass es schon okay sei, sich nicht an der nationalen Impfkraftanstrengung zu beteiligen." Aus seiner Sicht liege hier die fatale Wurzel für die zunehmende Radikalisierung, die sich auf den deutschen Straßen zeige, wo ganze verführte und irregeleitete Familien mit Nazis und Kerzen für einen völlig verlotterten Freiheitsbegriff  (Die Zeit) und gegen den Konsens der Klugen marschiere.

Fröhliche Weihnacht

 

 

Fröhliche Weihnachten allen Leserinnen. 

Und Lesern.

Und so weiter.

Es wird auch wieder besser.

Irgendwann und irgendwo.

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Zeit der Wunder: Wenn das Wünschen weiter impft

Ein ungelöstes Rätsel der Corona-Jahre bleibt nicht nur das der gescheiterten Impfstoffanpassung, sondern auch das der Krisen-Abkürzung: "AHA+L" kommt offiziell von A wie "Abstand", H wie "Hygiene" und L wie "Lüften". Die Herkunft des zweiten A hingegen ist Forschenden bis heute unklar, womöglich stammt es aus "Maske" oder aber aus "tragen".

Es waren magische 24 Stunden, die die Firma Biontech vom unbekannten Medizinzwerg in einen weltweit beachteten und beneideten Pharmariesen verwandelten. Am 24. Januar 2020 gab es weltweit noch weniger als 1.000 bestätigte Corona-Fälle, aber in Mainz beschlossen die beiden Wissenschaftler und Firmeninhaber Uğur Şahin und Özlem Türeci, sich der neuen Krankheit mit aller Kraft entgegenzustellen. Am 25. Januar fassten Şahin und Türeci den Entschluss, einen Impfstoff zu entwickeln, der die Menschen immun machen würde gegen das Virus - ein ehrgeiziges Unterfangen, denn bis dahin war es auch in jahre- und jahrzehntelangen Versuchen nicht gelungen, mit Hilfe der neuen mRNA-Verfahren ein Medikament zur allgemeinen Anwendung herzustellen.

Zeit der Wunder

Doch die Corona-Zeit ist auch eine Zeit der Wunder. So würde es später das indische und das brasilianische Heilungswunder geben, das südafrikanische Omikron-Wunder und das britische AstraZeneca-Wunder. Sahin wusste das noch nicht, sein klitzekleines Unternehmen war aber nicht nur deshalb der unwahrscheinlichste Kandidat für die Entwicklung eines marktfähigen Corona-Impfstoffs.

Und doch: Bereits 26. Januar, einem Sonntag, so berichten Zeitzeugen, hatte Şahin das Design der ersten acht Impfstoffkandidaten ersonnen und die technischen Konstruktionspläne für sie skizziert. Der Rest war engagierte Computer- und Laborarbeit von hunderten Mitarbeitern und mit einem Millionenbudget.

Das Unmögliche gelang: Biontech erschuf mit einer bis dato stets erfolglos angewandten Technologie einen Impfstoff, der anfangs noch nach zwei Impfungen mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent immun machte, bis heute aber weiterhin eine "Grundimmunität" gegen schwere Erkrankungen bietet, wenn er drei- oder besser noch viermal verimpft wird. 

Langsame Lichtgeschwindigkeit

Das "Projekt Lightspeed" steht seitdem für die unglaubliche Erfolgsgeschichte eines deutschen Forscherpaares mit Wurzeln, das beinahe den Nobelpreis erhalten hätte. Die weltweit erste zugelassene mRNA-Impfung gegen Covid-19 wurde im Dezember 2020 in Großbritannien zum ersten Mal offiziel und außerhalb von Tests verabreicht, als die 90-jährige Maggie Keenan sich eine Spritze verabreichen ließ. Die leere Ampulle des lebensrettenden "Piks" (DPA) liegt heute samt der für die historische Injektion verwendete Spritze ins Londoner Science Museum - daran gemahnend, was geschehen ist, seit die sogenannte Alpha-Variante das Feld für Delta räumte, ehe Omikron "wie eine Wand" (RKI) über der Zivilisation des Abendlandes zusammenschlug.

Die Varianten und "Mutanten" (Karl Lauterbach), sie kamen und gingen. Der Impfstoff  BNT162b2 aber, den Şahin und Türeci, das Wissenschaftlerteam aus Ehefrau und Ehemann, der Menschheit dagegen in die Hände gegeben hatten, er blieb. Auch in der EU seit dem 20. Dezember 2020 zugelassen und mittlerweile unter dem Namen "Comirnaty" vertrieben, schützte die Impfung mit Comirnaty zu "etwa 91 Prozent" (Stiko) vor einer Ansteckung, ehe sie zu etwa 70 Prozent vor einer Erkrankung schützte, nachdem die verschiedenen Virusvarianten immer besser lernten, die menschliche und auch die biontechnische Abwehr zu umgehen.

Aufmerksame Beobachtung

Bei Biontech beobachteten sie schon die Verbreitung der "besonders aggressiven" (Lauterbach) Delta-Variante mit großer Aufmerksamkeit. Auch wenn man "glaube, dass eine dritte Dosis BNT162b2 es möglich macht, das höchste Level an schützender Wirksamkeit gegenüber allen bisher getesteten Varianten, einschließlich der Delta-Variante", erhalte, entwickele man bereits "eine angepasste Version des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoff", teilte das Unternehmen Anfang Juli mit. 

Sechs Monate später ist die Wirksamkeit des Original-Impfstoffes auf amtlich bestätigte 30 oder gar 25 Prozent gefallen. Doch die versprochene neue Version ist noch nicht fertig. Dafür aber arbeitet Biontech nun eigenen Erklärungen zufolge schon an einer "Impfstoff-Anpassung gegen Omikron" (ZDF). Sollte der nämlich nötig werden, wolle man "vorbereitet sein". Derweil wird so lange mit Wünschen weitergeimpft, gern auch mit wilden Mischungen aus diesem und jenem im Liveversuch.

Die Vorkehrungen dafür, "schnell" (Biontech) auf eine sogenannten Escape-Variante des Virus reagieren zu können, hatte die Firma bereits vor Monaten geschaffen. Nun sei man in der Lage, den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern, hat die deutsche Aufsteigerfirma des vergangenen Jahren wissen lassen. Hier zeigt sich die besondere Stärke der Impfstoffentwicklung auf der Basis des Erbgutmoleküls mRNA, die nichts weniger als eine medizinische Revolution ist: Die Konstruktion eines Vakzins gegen ein neues Virus dauert nur 24 Stunden, die Überführung aus dem Labor in die Massenproduktion samt Tests und Zulassung lässt sich in nur elf Monaten bewerkstelligen. Mittlerweile hat Biontechs Originalimpfstoff vom 26. Januar 2020 zwei Namen und drei Zulassungen allein in der EU. es gibt ihn aber immer noch nur in der Originalmischung.

Die US-Army im Überholvorgang

Denn so schnell es geht, ein revolutionäres neues Vakzin zu entwickeln, vergleichsweise kleine Veränderungen an der Wirkstruktur, die auf Ausweichbewegungen des Virus mittels seiner Spike-Proteine reagieren, die dauern offenbar. Und dauern. Nicht Stunden, nicht Tage, nicht Wochen und nicht einmal Monate. Sondern so lange, dass Forscher des Walter Reed Army Institute of Research der US-Armee jetzt am deutschen Entwicklungsvorsprung vorbeizuziehen drohen:  Ein "völlig neue und sehr umfassender Impfstoff", der in den zurückliegenden 24 Monaten entwickelt wurde, schütze "gegen alle Varianten des Corona-Virus sowie gegen Sars-Viren im Allgemeinen", darunter auch potenzielle Varianten, die Mutter Natur noch gar nicht hat mutieren lassen.

Ein weiteres Wunder, das sich im menschlichen Körper häufig vorkommende Ferritin-Nanopartikel zunutze macht, "ein fußballförmiges Protein" (Focus) mit 24 Andockpunkten, das es den Wissenschaftlern des US-Militärs ermöglichte, "die Spitzen mehrerer Coronavirus-Stämme auf verschiedenen Seiten des Proteins anzubringen".

Impfwirkungsleugner zu Gast? Versöhnliche Tipps für ein sicheres Fest

Sind die Impfausweise ordnungsgemäß kontrolliert - am besten mit der Check-App - kann auf ein entspanntes Familienfest angestoßen werden.

Ein weitverbreiteter Irrtum der Impfstatuskontrolle ist der, zu glauben, dass es reicht, einen Blick auf die Impfnachweis-App von Freunden und Familienmitgliedern zu werfen und die Daten eventuell mit gültigen Ausweispapieren zu vergleichen. Natürlich, so kontrolliert ganz Pandemie-Deutschland sich auf die Gegenwart von Corona-Leugnern, Impfzauderern und Solidarverweigerern.  

Doch diese Larifari-Praxis macht es eiskalten Fälschern einfach, die Prüfungen zu bestehen: Mit nur einem Klick erstellen sie ein Bildschirmfoto eines gültigen CovPass-Zertifikates. Drei, vier Bearbeitungsschritte später ist der Name oberhalb des amtlichen QR-Codes gegen den eigenen ausgetauscht. Und nun besteht auch der Maßnahmenhetzer leichthin jede Ausweiskontrolle - er öffnet einfach ein Bildschirmfoto der Startseite der CovPass-App und scrollt von dort aus auf sein nachgeahmtes Zertifikat. 

Prüfen mit der falschen Anwendung

Bei einer richtigen Prüfung würde das auffliegen. Doch richtige Prüfungen finden kaum statt - erst recht nicht im familiären Umfeld, wie es gerade zum Weihnachtsfest immer wieder vorkommt. Dass  digitale Impfausweise ursprünglich mit der CovPass-Check-App geprüft werden sollten, ist den meisten Deutschen bis heute nicht bekannt. Dieser Teil der Corona-Maßnahmen ging im Verwaltungswirrwarr weitgehend verloren, heute ist er vollkommen vergessen. Selbst wohlmeinende Prüfer, die meinen, elektronische Ausweise müssten wohl auch elektronisch zu prüfen seien, greifen nach Medienberichten häufig zur falschen Anwendung, im besten Wollen, doch mit verstörenden Ergebnissen. 

Nicht nur im privaten Bereich wird so freudig kopiert, was eigentlich streng gecheckt werden sollte. Um aber ein virenfreies, sauberes und sicheres Fest feiern zu können, reicht es für den Gastgeber eines Bescherung, eines großen Gänsebratenessens oder einer gemütlichen Kaffeetafel nicht, die Impfpässe aller Anwesenden auf sein Handy zu kopieren. Wichtig ist vielmehr eine Prüftiefe, die tagesaktuell über den Infektionsstatus Auskunft gibt - rückgeprüft mit dem Impfmelderegister.

Tipps für ein sicheres Weihnachtserlebnis

PPQ.li gibt kurz vor der Stillen Zeit sieben versöhnliche Tipps für ein sicheres Weihnachtserlebnis auch im Kreis der Liebsten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Statt verbalen Zusicherungen zu glauben, die Blutsverwandte und angeheiratete Familienmitglieder gern vorbringen, gilt ein App-Check im Freien vor der Haustür oder aber im Hausflur als Grundlage eines unbeschwerten Weihnachtserlebnisses im zweiten Corona-Winter. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein und fallen Sie nicht auf wilde Impfgeschichten herein, mit denen Impfwirkungsleugner oft versuchen, sich eine virtuelle Impfgeschichte zuzulegen. Erster, zweiter und Booster-Piks müssen durch Dokumente nachgewiesen werden, die wiederum sind mit gültigen Personalpapieren abzugleichen. Alles andere erhöht das Risiko für alle. 

Nicht weichkochen lassen, weil die Geschenke locken: Lass uns doch erstmal reinkommen, so versuchen Impfgegner meist, die Einlasskontrolle zu umgehen. Sie spekulieren dabei auf den In-ist-wer-drin-ist-Effekt, der in diversen Telegram-Gruppen beschrieben wird. Dabei handelt es sich um psychologisches Phänomen: Es ist für einen Gastgeber immer schwerer, Gäste hinauszuwerfen, als sie überhaupt erst einzulassen. Nicht nachgeben, hart bleiben, auf die geltenden Maßnahmen verweisen, das ist hier der einzige Weg.

Statt Gesprächsabbruch mit Maske durch die Tür diskutieren: Wer mit Corona-Leugnern diskutieren muss, steht stets unter dem Druck, sie deren Aerosolausstoß aufgesetzt zu sehen. Tragen Sie also Maske, spüren Sie immer noch Angst, sprechen Sie durch die Tür oder - wenn vorhanden - durch ein Fenster mit den unsicheren Kantonisten. Fenster ab dem ersten Stock können dabei relativ gefahrlos geöffnet werden.

Bestimmen Sie Ziele: Was wollen Sie mit dem Gespräch erreichen? Definieren Sie für sich, dass es ohne Nachweis keinen Einlass geben wird. Sprechen Sie das mit bereits in  der Wohnung befindlichen nachgewiesenermaßen geimpften Unterstützern. Machen Sie sich im Vorfeld Notizen, wie Sie argumentieren wollen. Gehen Sie nicht davon, setzten Sie einen Zeitrahmen. Gehen Sie nur so weit, wie Sie es sich zutrauen.

Der Gesprächsabbruch ist Teil jeder Diskussion mit Verstockten: Eine Debatte erfordert Meinungsausstauch, doch wenn Sie ihnen zu weit geht, ist es Zeit für einen demonstrativen Kontaktabbruch. Spüren Sie, dass Sie sich affektiven Argumentationsmustern nähern oder Ihr Ggeenüber auf seinen Ansichten beharrt, sind die Fronten verhärtet. Auch ein Gespräsch auf Augenhöhe durch die geschlossene Tür hat dann keinen Sinn mehr.

Machen Sie Zugeständnisse, aber ziehen Sie sie auch wieder zurück: Gehen Sie davon aus, dass sie wissen, dass Ihr Gegenüber unbelehrbar ist. Wer jetzt noch ungeimpft durchs Leben geht, ist eine Gefahr für sich und seine Umwelt, er setzt auf die Solidarität anderer, verweigert aber selbst das persönliche Risiko einer freiwilligen Impfung, das Sie bereitwillig eingegangen sind, um sich mit einem hochwirksamen Impfstoff wenigstens vor einer schweren Covid-Erkrankung zu schützen. Gehen Sie ruhig konfrontativ auf Ihr Gegenüber zu. Versuchen Sie, ihm seine kruden Thesen auszureden. Aber seien Sie mit Fakten vorsichtig: Gerade Impfgegner, Impfstoffwirkungsleugner und Familienmitgleider aus dem Osten Deutschlands kennen aus ihren Telegram-Gruppen zahlreiche semantische Tricks, um  Ihnen  Verschwörungstheorien schmackhaft zu machen.

Glaube ist mächtiger als Wissen: So wie Sie sich heute nicht mehr von Fakten umstimmen lassen würden, die das Gegenteil dessen zu belegen scheinen, was Sie richtig finden, wird auch ihr Gegner hinter der Tür keinesfalls abschwören und einlenken. Versuchen Sie aber nicht, Ihr Gegenüber zu verstehen oder erfahren zu wollen, woher seine abseitigen Ansichten kommen oder welche brutale Krisenerfahrung ihn oder sie aus der normalen Bahn geworfen hat. Bieten Sie unabhängig davon Vergebung und Hilfe an, wenn der leugnende Familienteil abschwört. Zeigen Sie einen konkreten Ausweg, am besten mit Termin. Es bietet sich an, auf Ostern zu verweisen, ein Familienfest, bis zu dem drei bis vier Impfungen machbar sind. Das regt zum Nachdenken an und hat größeres Potenzial, eine Reflektion des eigenen Denkens zu erzeugen und so zu einer Wiedervereinigung des Familie wenigstens im Verlauf des kommenden Jahres zu führen.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Freiheit der Kunst: Für einen faktenbasierten Humor

Lisa Fitz aktuell in der ARD-Mediathek.

Sie hatte es doch gut. Sie hätte doch bei ihrem Leisten bleiben können. Es ging doch, ja, es war sogar schmerzlos, wie Filme aus besseren Tagen zeigen. Lisa Fitz, ein Urgestein des Kabaretts der alten Bonner Bundesrepublik, nutzte ihr humoristisches Talent damals, um die Menschen lächerlich zu machen, die das Gemeinwesen gefährden. Sehr gut! Die ARD, die Stammsender der Trägerin des Bayrischen Verdienstordens, sah über gewisse Ansichten hinweg, die Fitz privat zu meinen glaubte, wenn sie von ihren Kollegen in der Humorbranche als "systemimmanenten Hofnarren" sprach und sich von der Berichterstattung in den Leitmedien an eine "Weglasspresse" erinnert fühlte.

Eine zweite Chance gegeben

Fitz aber provozierte weiter.  Als habe ihr die Gesellschaft nicht eine zweite Chance gegeben, indem sie ihr weiterhin die gemeinsam finanzierten Fernsehbühnen zur Verfügung stellte, schwurbelte die ehedem verlässliche Spaßkanone bei einem Auftritt im SWR in einer Weise, dass die verantwortliche Redaktion schon vor der Ausstrahlung darüber nachdachte, ob diese staatsfeindliche Nummer über den Sender gehen dürfe. Man entschied sich falsch, wie sich später herausstellte, aus dem einzigen Grund, dass man anderenfalls sogenannte "Zensurvorwürfe" (SWR) befürchtete. Eine absurde Vorstellung, legt doch das deutsche Grundgesetz abschließend fest, dass eine Zensur nicht stattfindet.

Der Punkt aber, um die 70-Jährige streng abzumahnen, war erreicht, als die Frankfurter Rundschau, der Tagesspiegel und nahezu alle anderen angeschlossen Abspielanstalten  ermitteln konnten, dass Fitz' Humor die Basis festen Faktenwissens verlassen habe. Die Behauptung der Humoristin, in der EU gebe es 5.000 Impftote, sei "nachweislich falsch", urteilte die Hauptstadtpresse. Zudem habe die Täterin pharmafeindliche Positionen wiederholt, die zuvor schon beim Fernsehsender "Arte" perpetuiert worden waren. 

Das aber widerspreche den deutschen Satirerichtlinien, die einen strikt faktenbasierten Humor vorschreiben: Was lustig ist, muss vor allem wahr sein, es muss Informationen vermitteln, die nachprüfbar und mit der Bundesregierung abgestimmt sind. So will es das Gesetz.  Spaß machen darf es auch, doch nur, wenn die Tatsachen zutreffen.

Eine gesamtgesellschaftliche Vereinbarung

Das lernen deutsche Kabarettisten eigentlich schon an der Bundeskabarettfachschule in Meinerich, spätestens aber bei ihrer Einstufung vor der Humorethikkommission und den Vertretern der Meinungsfreiheitsschutzabteilung des Bundesblogampelamtes müssen sie diese gesamtgesellschaftliche Vereinbarung unterschreiben: Falsche Zahlen als Grundlage von Faxen sind verboten, denn ein Kabarettist ist kein Hamburger Bürgermeister oder Bundesgesundheitsminister. Wo die jeweils mit einer kurzen Entschuldigung oder einem Verweis auf eine Pflicht zum Vergeben auf leider Gottes über Monate verbreitete unrichtige Zahlenwerte reagieren können, um Probleme abzuräumen, steht dieser Weg Humorarbeitern nicht offen.

Zu ernsthaft ist das Gewerbe, zu sehr verlassen sich zu viele Menschen auf das, was vorbildhafte Figuren wie Lisa Fitz auf der Bühne zu sagen haben. Wenn dann eine über so viele Jahre so verlässlich funktionierende Mitarbeiterin des Gemeinsinnfunks Corona-Hetze und Verharmlosung treibt, Verschwörungstheorien nährt und krude linke Thesen über vermeintlich allmächtige Reiche wiederkäut, geht das über die Hutschnur sogar eines Senders wie des SWF, der für "gelebte Akzeptanz und Toleranz" steht. Nur wenige Tage nach der Austrdahlung von Fitz' empörendem Auftritt wurde der Clip aus der Mediathek gelöscht, auch bei Youtube verschwand er.

Undankbare  Spaßmacherin

Ein Akt der Fürsorge, denn die Falschangaben der in außerhalb der EU-Wertegemeinschaft in Zürich geborenen früheren Spaßmacherin waren einfach zu krass. Die europäische Medizinagentur EMA selbst berichtete bereits im Sommer von 5.200 möglichen Todesfällen nach Impfungen, bei denen es nicht heißen müsse, dass sie damit im Zusammenhang stünden. Die bisher vorliegenden mehr als 8.000 Verdachtsfälle jedenfalls, die im letzten Jahr zusammenkamen, müssen weiterhin beobachtet, untersucht und genau betrachtet werden, ehe sie als "amtliche" Impffolge weiter untersucht werden können. Auf der siebten Unterseite der Europäischen Datenbank gemeldeter Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen, die rund 1,3 Millionen unerwünschte Impf-Nebenwirkungen aufrechnet, ist bis heute jedenfalls kein einziger Todesfall aufgeführt, es gibt nicht einmal eine entsprechende Spalte.

Zwar ist die Abweichung der Daten hier damit noch deutlicher als bei Fitz' Versuch einer Verharmlosung, doch die EMA kann sich immerhin darauf berufen, dass ihr andere Daten nicht zur Verfügung stehen. selbst die weltgrößte Suchmaschine Google gibt auf die Frage "number of deaths by comirnaty" nur einige wenige dürre - und zudem auf üble Weise rassistisch konnotierte! - Statistiken aus Neuseeland  aus, denen zufolge hier und da auch mal jemand gestorben ist, anderswo aber weniger als erwartet. 60 Todesfälle standen anfangs unter Impfstoffverdacht, nur einer aber konnte erhärtet werden. 

Höchstens 100 Tote

Ein Toter auf vier Millionen Geimpfte, das zeigt, wie sehr sich Lisa Fitz vergaloppiert haben muss, denn für Europa mit seinen 340 Millionen Geimpften deuten diese Zahlen auf eine Anzahl von Impfopfern in der Größenordnung von höchstens 100 Opfern hin.  Es erscheint deshalb nur naheliegend,das der SWR mittlerweile Konsequenzen gezogen und Fitz' irrführenden Wortbeitrag aus dem Internet gelöscht hat.  Zur Erinnerung geblieben ist nur die ehemalige Wohnanschrift https://www.ardmediathek.de/video/spaetschicht/lisa-fitz-vs-jens-spahn/swr, zur Mahnung all denen, die keinen Spaß verstehen beim Lachen.

Planerfüllung beim Boosterwunder: Kreative Mathematik

Kreativ nachschärfen und schon stimmt es wieder.

Wer mit der Wahrheit lügen muss, weil ihm im Überlebenskampf nichts anderes mehr übrig bleibt, darf nicht klein denken und sich auf kosmetische Veränderungen bei Fakten und Gefühlen beschränken. "Fakten schaffen" hat die SPD deshalb bereits im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt versprochen - was nicht passt, wird seitdem passend gemacht. Und was danach immer noch nicht stimmt, lässt sich mit Hilfe solidarischer Medienarbeiter auf das richtige Verständisgleis schieben.

Olaf Scholz ist ein Meister in dieser Disziplin. Und als Kanzler kann der Zehn-Millionen-Mann aus dem Frühjahr  mehr noch als bisher darauf zählen, dass niemand nachrechnen wird, was immer er an kreativen Mathematikübungen öffentlich aufführt. Entsprechend selbstbewusst agiert der Sozialdemokrat seit seinem Amtsantritt: Noch vor dem Amtseid versprach er, dass Deutschland bis Weihnachten 30 Millionen Corona-Impfungen "knacken" (Stern) werde. Angekündigt bei einer Bund-Länder-Runde Ende November, stand das Ziel seitdem wie in Stahl geschmiedet. 30 Millionen Dosen Corona-Impfstoff zu verimpfen. Bis Weihnachten.

Bis Weihnachten

Um das Ziel in 24 Tagen zu erreichen, hätte es etwa 1,15 Millionen Impfungen am Tag geben müssen.  Nichts leichter als das, denn einmal in all den Tagen jubelten die Schlagzeilen sogar über 1,5 Millionen Pikse an nur einem Tag. Weniger laut wurden andere Tage gefeiert, an denen die Zahl der verabreichten Dosen nur mit Mühe über 300.000 kletterte. Scholz griff korrigierend ein: In seiner ersten Bundestagsrede war nun nicht mehr von Weihnachten die Rede, sondern davon,  "dass wir alle zusammen in Deutschland 30 Millionen Impfdosen bis Jahresende in die Oberarme kriegen". Zudem legte er fest, dass bei der Abrechnung auch "Impflinge" (DPA) mitgezählt werden würden, die zum Zeitpunkt seines ursprünglichen Impfversprechens bereits geimpft waren.

Das "überraschend ambitionierte Impfziel", wie der Tagesspiegel den um ein Viertel verlängerten Zeitplan lobte, würde der neue Kanzler einfach Zahnärzte und Veterinäre, aber auch Apotheker einspannen. In Deutschland verboten, aber ohne rote Linien möglich, sobald "erst die rechtlichen Vorgaben geändert" sein werden. Sind sie bisher nicht, nicht einmal einen Anlauf dazu hat es gegeben. Dafür aber ein engagierte Neuorientierung der Medienmitarbeitenden: Die sind mittlerweile dazu übergegangen, Scholzens Ziel mit "30 Millionen Impfungen bis Jahresende" neu-korrekt zu umreißen.

Bis Jahresende

Es wird schwer werden. Bei aktuell einer Million Impfungen pro Tag, das ist laut Impfdashboard das "tägliche Mittel der letzten sieben Tage", hat Deutschland in den zurückliegenden 23 Tagen etwa zwei Drittel der anvisierten Zahl an Impfungen tatsächlich geschafft. Für das verbleibende Drittel bleiben noch acht Tage, davon zwei Feiertage und zwei halbe, an denen durchweg wenigstens 1,25 Millionen Spritzen gesetzt werden müssten, um wenigstens das verwässerte Ausweichziel zu erreichen. Selbst Olaf Scholz, dessen Zusage "wenn ich Bundeskanzler bin, dann wird Ostdeutschland endlich wieder ganz oben auf der Tagesordnung der deutschen Politik stehen" heute schon Legend ist, ahnt, dass das schwerer werden könnte als Putin zu einem Winterfeldzug in die Ukraine  zu bewegen.

Freilich, er hat das mit Weihnachten noch vor ein paar Tagen "beteuert" (Spiegel). Aber schon ein paar Türchen später hatte der im politischen Berlin oft als Reichsnachichtendienst verspottete RND ein Einsehen. Zum den 128,6 verabreichten Impfungen am Tag nach Scholzens Versprechen waren da gerade mal 19 Millionen weitere gekommen - weit unter einer Million pro Tag Das "klare Ziel von Bund und Ländern" (RND) muss nun wenigstens über die Zeit, über den Jahresrest und in dasselbe gnädige Vergessen gerettet werden, das schon am Ende von Scholzens erstem großen Impfanlauf stand. 

Bis irgendwann

Das wird schwer, es ist aber möglich, wie der Trend der Berichterstattung zeigt. Kein Nachkarten, kein Herumnörgeln, keine leichtfertigen Zweifel an einem neuen Mann, der gleich mit seinem ersten großen Vorhaben groß scheitert.  Voller Mitgefühl reagiert das ZDF. Die Deutsche Welle lässt Scholz' Corona-General das "Impfziel in Reichweite" sehen und wenn es denn doch nicht klappt, ist das nächste ambitionierte Vorhaben schon klar umrissen: Bis Ende Januar, so hat es Olaf Scholz am Tag der jüngsten "Verschärfungen (DPA) verkündet, der der Tag war, als sein Impfplan bei etwa 17 oder 18 von anvisierten 30 Millionen hängengeblieben war, plane er "weitere 30 Millionen Impfungen" durchführen zu lassen.

Es klang tatsächlich so, als sei Ziel eins ja nun erstmals erreicht, die Dezemberimpfungen bis Weihnachten oder Jahresende sicher im Sack. Und nun geht's frisch und fröhlich weiter mit den nächsten Millionen.

Dienstag, 21. Dezember 2021

Akzentkritik: Anzeige bei der deutschen Sprachpolizei

Neuerlich echauffieren sich deutsche Medien heftig über die flüssigen Englischkenntnisse einer Spitzenpolitiker*Innen.

Ihre ersten Auftritte waren aller Ehren wert. Auf ihrer Tour de Introduction quer durch Europa gab Deutschlands neue Außenministerin Annalena Baerbock "in rotem Kleid und schwarzen Stiefeln eine gute Figur" ab, wie das SPD-nahe Pressebüro RND zufrieden notierte. Die Welt lag ihr schon beinahe zu Füßen wie sie dem Eiffeltum, doch schon auf der zweiten Station in Brüssel dann fanden die Feinde der früheren grünen Kanzlerkandidatin erste Gründe, die 40-Jährige mit "Häme" (Spiegel) zu überschütten. Das "vermeintlich schlechte Englisch" der Noch-Parteivorsitzenden sorgte für Spott. Und für erneute Zweifel am Lebenslauf der "Frau für alle Fälle" (Spiegel): Wer ein Jahr in Großbritannien studiert habe, der oettingere doch nicht wie Sarrazin und der spreche auch nicht wie Ostdeutsche Englisch singen.

"I am Annalena Baerbock from Börlin"

Ganz vor dabei bei der Akzentkritik natürlich das Sprachenmagazin aus Hamburg, das mit der Zeile "I am Annalena Baerbock from Börlin" gnadenlos in der Wunde bohrte. Auf ihrer Rundreise habe Baerbock ihr "Thesen auf Englisch verbreitet - mit starkem Akzent", hieß es im Text, der pikiert anmerkte, dass es der Außenministerin offensichtlich auch nichts ausmache, dass ihre kruden Thesen in der fremden Sprache noch kruder klängen.  

Den Aufruf des früheren Nachrichtensenders n-tv, das Baerbock-Bashing endlich zu beenden. mochte sich der "Spiegel" jedenfalls nur zum Teil anschließen. Baerpock stehe als Politikerin "für weit mehr als schlechtes Englisch und die gepflegte sprachliche Provokation" hieß es nur knapp und kaum verhohlen: Für eine Frau sei ihr Englisch doch ganz gut, so gut zumindest, dass sich die massiven Angriffe, die frühere blamable Auftritte deutscher Englischsprecher provoziert hatten, an dieser Stelle verbieten.

Für die Neue im Außenamt mussten sich andere in die Bresche werfen. Der Münchner Merkur  verwies auf das Lob englischer Muttersprachler für den couragierten Auftritt, die Süddeutsche Zeitung hörte allenfalls ein paar "falsche Reibelaute" und der "Tagesspiegel" verwies darauf, dass viele Deutsche  noch immer keine türkischen Namen aussprechen könnten, nun aber "über den Akzent unserer neuen Außenministerin spotteten".  

Die deutsche Sprachpolizei

Die deutsche Sprachpolizei (Berliner Zeitung), die den früheren Berliner Senator Thilo Sarrazin ebenso wie den damaligen EU-Kommissar Günther Oettinger  seinerzeit mit einem feinen Sinn für jeden  Zwischenton abgeurteilt hatte, macht Pause. "Sarrazins Englisch knarzt und rattert wie ein kaputter Käfer im schottischen Hochland, hatte die "Welt" vor zehn Jahren die "phonetische Tortur" zusammengefasst, die ein Englisch sprechender 66-Jähriger für Deutschlands Ansehen im Ausland bedeutet. 

Deutschland lacht (sich) ab: Thilo spricht englisch", freute sich das später still verstorbene SZ-Jugendmagazin "Jetzt". Günther Oettinger spreche ja sogar noch schlechter Englisch als Guido Westerwelle, urteilte der "Spiegel", dessen Maßstäbe über die "Fremdsprachen-Künste" (Spiegel) von Politikern unverrückbar stehen. So lange sie aus Baden-Württemberg kommen.

Oettinger is stammeling English, hieß es, "on se one händ", zitierte die Süddeutsche Zeitung phonetisch. Deutsche Politiker und ihr Englisch! Auch Hubert Aiwanger,  Erwin Huber und eeben jener Guido Westerwelle sorgten nach einem RND-Bericht bei ZDF-Moderator Jan Böhmermann für einen "Superlachflash" und zwang dessen muttersprachlernden Kollegen Joko Winterscheidt dazu, "sich lachend eine Träne aus dem Augenwinkel" zu wischen.

Sie sprach im Wahlkampf noch flüssig Englisch

Das immerhin blieb Annalena Baebock erspart, denn die "Brückenbauerin" (DW) spricht natürlich fließend Englisch, fast sogar fließender als Deutsch, eine Sprache, die ihr immer wieder hörbare Probleme bereitet.  Dass "die Kunst der geschliffenen Rede ihr nicht zu eigen ist", bemerkte die FAZ bereits nach Vorlage ihres inzwischen zurückgezogenen Buches, das nach der früheren SZ-Beilage "Hetzt" hieß.Als Dysphionikerin spricht sie naturgemäß schneller als andere, sie verschluckt Silben, bildet Worte spontan neu, spricht von Uropa oder der Oiru oder rutscht auf rassistischen Narrativen aus.

Ihr Englisch sei, angesichts der nur wenigen Monate, die sie beim Studium im Vaterland der englischen Muttersprache verbracht habe, deutlich besser zu verstehen als ihr Deutsch, an dem sie etwa 39 Jahre länger habe üben können, urteilt die Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech, eine langjährige Beobachterin der Sprechbemühungen der Außenministerin. 

Baerbocks Deutsch sei geprägt von Betonungen mit völliger Beliebigkeit, einer Sprachmelodie, bei der jedes Satzende unabhängig von seiner Bedeutung nach tonal oben strebe, und einem Flickenteppich aus einzelnen Phonemen, die wie bei hochentwickelten Sprachassistentin pi mal Daumen zusammengeführt werden. "All das war bei ihrem ersten Englsichvortrag nicht zu bemerken", lobt die Expertin.

Corona-Hetze: Ein neuer Kampfbegriff im Viruswaffenschrank

Premiere feierte die neue Worthülse beim sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer.


Sie jammern, sie schreien, sie fordern Sonderrechte, sie gerieren sich als Opfer, schimpfen auf die Regierung, die Länderparlamente, das Bundesverfassungsgericht, die EU, die Epidemiologen und die Medien. Doch bis vor einigen Tagen war es der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin dennoch nicht gelungen, eine treffende Bezeichnung für all die Angehörigen einer kleinen, vom Hass auf die staatlichen Pandemiemaßnahmen zerfressenen Gruppe zu finden, die als "winzige Minderheit von enthemmten Extremisten versucht, unserer gesamten Gesellschaft ihren Willen aufzuzwingen", wie Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Begrüßungsrede an das Volk gesagt hat.  

Freiheitsgeschrei und Friedensprovokation

Mal als "Querdenker", mal als Zweifler, mal als Impfverweigerer, Schwurbler, Covidioten oder Impfzauderer, mal aber auch als unbelehrbare Sachsen, unsolidarische Ostler oder Telegram-Terroristen wurden die beschrieben, die sich der gesamtgesellschaftlichen Solidarität verweigern, "Freiheit", "Frieden" und "keine Diktatur" oder "Wir sind die rote Linie" krakeelen und so versuchen, gewaltsam einen Keil in den Riss zu treiben, der die Gesellschaft spaltet. Die Schwierikeit für die BWHF von Anfang an: Das Finden ausreichender Gemeinsamkeiten zwischen Eso-Nazis, verführten gutbürgerlichen Handwerkersmeistern, veganen Pädagogen, Studienratsgatinnen und überzeugten Hitleristen. "So lange wir auf der menschlichen Seite gesucht haben", berichtet BWHF-Chef Rainald Schawidow aus dem Prozess der Sinnwortsuche, "kamen wir nicht voran."

Erst eine Idee der neuen Bundesregierung brachte neuen Schwung in den Begriffsbetrieb. "Unser Auftrag wurde dahingehend konkretisiert, dass es nicht mehr darum geht, eine Worthülse zur persönlichen Bezichtigung dieser Spaziergänger, illegalen Zusammenrottern und Protestanten zu finden." Vielmehr habe das Ziel des federführenden Innenministeriums nun darin bestanden, das von den betreffenden Personenkreisen verübte Meinungsdelikt in eine verbale Klammer zu fassen. 

Puzzlespiel mit gutem Ende

Ein Durchbruch. "Wer ohne Anmeldung und Erlaubnis marschiert und sich dabei auf vermeintliche Garantien des Grundgesetzes beruft, so dachten wir, der provoziert doch mit Absicht." Der Rest sei dann nur noch ein Puzzlespiel gewesen, "in dem wir traditionell recht gut sind", so Schawidow, dem der Stolz auf den erst in der vergangenen Woche in die Redaktionen ausgelieferten neuen Kampfbegriff "Corona-Hetze" deutlich anzumerken ist.  "Als der rausging, war er noch warm vom Wortschweißgerät", gesteht der erfahrene Hülsenschmied.

Die "Corona-Hetze" ging vom Transport sofort in die Schlacht gegen Telegram, die Regierungschefs und -chefinnen der Länder und der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) befürworten bereits vier Stunden später erstmals schärfere Maßnahmen nicht mehr nur gegen die üblichen "Verschwörungstheorien im Netz", sondern auch gegen "zunehmende Coronahetze". Rainald Schawidow nickt zufrieden.

Das kam hier bei uns im Haus natürlich hervoroagend an." Es helfe, wenn Institutionen wie die Ministerpräsidentenkonferenz, der neue Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) oder auch der sächsische Ministerprsident Michael Kreschmer neue Verbalmunition umgehend zum Einsatz brächten. "Das zeigt uns doch auch, welche Wertschätzung man unserer gewiss nicht immer einfachen Arbeit entgegenbringt." 

Einhegung der Leugnerszene

Gerade im Rahmen der Pandemiebekämpfung  und der Einhegung der Szene der sogenannten Querdenker sei auch die BWHF entschlossen, mit Einfallsreichtum und sprachlicher Kreativität gegen die Täter vorzugehen. Mit dem bewährten Mittel des zusammengesetzten Substantivs, das schon bei  "Rettungsschirm" und "Energiewende", "Schuldenbremse" und "Wachstumspakt", aber auch bei "Stromautobahn" und  "Benzinpreisbremse" eingesetzt worden war, könne es gelingen,  den Corona-Gegnern der Corona in den sozialen Netzwerken, aber auch in den legalen Medien Paroli zu bieten. 

Menschen leben in unterschiedlichen Kulturen und sprechen die verschiedensten Sprachen", sagt Schawidow, "in Sachsen beispielsweise Sächsisch." Deren Strukturen präge in ungeahntem Ausmaß die Art und Weise, wie sie die Welt wahrnähmen. Mit gesetzlich angemessenen Formulierungen sei es möglich, verbindliche Sprachregelungen zu schaffen, so dass Polizei und Staatsanwaltschaft konsequenter gegen Verstöße vorgehen könnten, auch um staatsfeindliche Aktionen wie die in Mode gekommenen gewaltbereiten Spaziergänge zu verhindern. 

Ein Kracher für das nächste Kapitel

Für die nächste Stufe im Corona-Kampf sieht sich die Bundesworthülsenfabrik jedenfalls auch schon gewappnet. "Wir haben dafür bereits den Begriff des Corona-Verbrechers geprägt", schaut Rainald Schawidow optimistisch nach vorn. Noch sei diese Worthülse unter Verschluss. Aber das werde sicherlich "der Kracher im neuen Jahr", ist er sicher.

Montag, 20. Dezember 2021

Außer Kontrolle: Feindliche Aktionen im Keime erstickt

Wie bei Fridays for Future demonstrierten auch in der DDR nur wenige Uneinsichtige gegen die notwendigen Maßnahmen.

Sie marschierten, spazierten, verlachten Verbote, Maßnahmen und selbst die rechtsstaatlich vom höchsten Gericht abgesegneten Anweisungen der Regierung zur Eindämmung der Ausschreitungen. Im Herbst 1989 erfasste die demokratische Revolution die gesamte DDR. Ein Aufstand, der nicht nur in Leipzig und Berlin stattfand, wie es heute viele Geschichtsbücher schildern. Sondern vor allem in vielen kleinen, weitgehend unbekannten Städten und Städtchen. Von Neuruppin und Forst, von Arnstadt bis Plauen, Salzwedel und Prenzlau - obwohl die Behörden klare Anweisungen erteilt hatten, dass unangemeldete Demonstrationen nicht erlaubt sind, gingen überall irregeleitete Menschen gegen den Staat und für ihre Interessen auf die Straße.

Abfall der Wähler vom Glauben

Ausgerechnet das unantastbare Recht auf Versammlungsfreiheit, das die Regierung ihnen verwehren wollte, wurde zum Katalysator der Ereignisse, wie der Mitteldeutsche Rundfunk jetzt in einer Aufarbeitung der historischen Ereignisse analysiert. Im März hatte noch eine so deutliche Mehrheit der DDR-Bürger*innen den sogenannten Kandidaten der Nationalen Front bei den Kommunalwahlen ihre Stimme gegeben, dass Untersuchungen im Auftrag der Bundesregierung im Nachhinein zum Ergebnis kamen, dass die herrschende SED nur etwa zehn Prozent Ja-Stimmen hinzufälschen musste. 

Im Oktober aber  war die jahrzehntelange Pro-SED-Stimmung im Kippen begriffen: Tausende, dann Zehntausende und schließlich Hunderttausende friedliche Demonstranten forderten Versammlungsfreiheit ein - "ein Recht, dass der Staat seinen Bürgern jahrzehntelang vorenthalten hatte", wie die bundeseigene Internetseite demokratie-statt-diktatur.de mit Blick auf die aktuelle Welle der illegalen und rechtswidrigen Spaziergänge im Land ausführt.

Die Geschichte mahnt. Das schnelle Ende der SED-Herrschaft begann mit gewaltbereiten Aufmärschen von Menschen in Forst, einem Städtchen an der polnischen Grenze, wo sich eine Handvoll junger Leute versammelte, um mit Transparenten und Kerzen, aber ohne Maske Gesicht zu zeigen gegen staatliche Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung unerlässlich waren. 

Auch in Neuruppin überschritten Demonstranten bewusst rote Linien: Mehrere Hundert Querdenker störten den friedlichen Ablauf der Volksfeste zum Republikgeburtstag. Demo-Züge ohne Erlaubnis provozierten die Notwendigkeit eines Eingreifens der Sicherheitskräfte. "Es bestand Übereinstimmung, dass diese feindlichen Aktionen im Keime erstickt werden müssen", hat Staats- und Parteichef Erich Honecker den die Sichtweise im Berliner Krisenstab später beschrieben.

Kleine, extremistische Minderheit

Die "immer unübersichtlicher werdende Lage" (FR) verdankte sich jedoch immer noch einer "kleinen, extremistischen Minderheit", die "sich von unserer Demokratie abgewandt" hatte, wie es offiziell in Berlin hieß. Nur um die Verhältnisse klarzustellen: Es demonstrieren viele Menschen gegen die DDR-Führung und ihre Eindämmungsmaßnahmen, ja, das ist wahr. "Aber im Vergleich dazu ist der Anteil derer, die die Maßnahmen akzeptieren, wesentlich größer", rechnet der MDR genau nach (Grafik oben). 

Der Umsturz, der sich noch längst nicht andeutet, beginnt in Thüringen, einer bis heute schwer regierbaren Region, mit der illegalen Aktion eines verantwortungslosen 25-jährigen Polizistensohnes, der außer Kontrolle gerät. Der junge Mann, obschon vom Staat aufgezogen, ausgebildet, umsorgt und genährt, schreibt auf einer unregistrierten Schreibmaschine einen Aufruf, sich auf dem Markt in Arnstadt zusammenzurotten und damit gegen die Zustände im Land zu protestieren. Die Zusammenrottung ist widerrechtlich, niemand findet sich bereit, als Anmelder zu fungieren. 

Kantonisten, Zweifler und Quertreiber

Und doch: Aus den anonym verteilten paar Dutzend Zetteln, die der 25-Jährige über staatlich nicht ausreichend kontrollierte Wege in Umlauf bringt, wird eine Lawine. Andere Hetzer, unsichere Kantonisten, Zweifler und Quertreiber vervielfältigen den Aufruf und reichen ihn weiter. Zwei Schüler müssen kurzzeitig von der Stasi verhaftet werden, weil sie die Flugblätter verteilen. In der SED-Zentrale wird ein umfassendes Schreibmaschinenverbot diskutiert. Die zuständigen Organe sind überall in Alarmbereitschaft. Es gilt, die von Nazis unterwanderten Demonstrationen, bei denen Rechtsextreme Hass und Hetze auf den Arbeiter- und Bauernstaat schüren, vor der "völligen Enthemmung" zu bewahren - etwa davor, dass Demonstranten ohne Erlaubnis Rücktritte von gewählten Repräsentanten von Staat und Regierung forderten.

Versteckt hinter einer gefährlichen Anonymität ermutigte die sichtlich gereizte Reaktion der Volksvertreter immer mehr Menschen dazu, die gerade in einer akuten Krisensituation gebotene staatsbürgerliche Disziplin zu vergessen. In Hamburg, Düsseldorf, Rostock, Dresden, Chemnitz, Neuruppin, Forst und Arnstadt versammeln sich Menschen zu Protestkundgebungen. 

Nazi-Vergleiche ohne Tiefenwirkung

Besonders entsetzlich: Nicht einmal die allgegenwärtigen Nazi-Vergleiche scheinen einen abgebrühten, für demokratische Aktivitäten verlorenen Teil der Wohnbevölkerung davon abzuschrecken, sich der vernünftigen und wesentlich größeren Mehrheit deren anzuschließen, die die Regeln akzeptieren, sich härtere Maßnahmen wünschen und bereit sind, selbst mitzuhelfen bei der Beruhigung der Lage. Je häufiger die Medien die demonstrierenden Menschen als Faschisten, aus dem Ausland gesteuerte Unruhestifter und vom Westfernsehen verhetzte Clique von uneinsichtigen Volksfeinden bezeichneten, desto mehr Bürgerinnen und Bürger schienen sich diese Beschimpfungen wie Orden anstecken zu wollen.

Die Vernunft der Massen, sie konnte so auf Dauer nicht gegen den Ansturm der Uneinsichtigkeit helfen. Neun Wochen nach der ersten großen Demonstration musste die DDR-Führung einsehen, dass sich Grenzen nicht schließen lassen, solange die EU nicht zustimmt.  Schon ein Jahr später war der deutsche Teilstaat Geschichte, im Fallen in die Knie gezwungen vom Mantel der Geschichte, den sich der aus bis heute unbekannten Quellen entlohnte damalige Bundeskanzler Helmut Kohl kurzentschlossen übergeworfen hatte. Mit ihn kam die Geschichte wieder ins Gleis zurück.

Vierte-Welle-Weihnachten: Wohin nur mit den Ungeboosterten

Die Maßnahmen erlauben und erfordern strikte Abgrenzung von unsicheren Weihnachtsgästen.
B
eschwerlich soll das Leben der Ungeboosterte sein, ausgegrenzt und alleingelassen vom gesunden Teil der Gesellschaft sollten sie im besten Falle eines Tages auf Knien gekrochen kommen und um eine dritte Dosis von irgendwas betteln. Wer nicht solidarisch ist, der verdient keine Solidarität, das war auch die christliche Botschaft, die hätte ankommen und auch den verstockten Rest der Verweigerer in Sachsen doch noch zur Spritze führen müssen.
 

Boosterzauderer müssen draußen bleiben

 
Doch es kam anders. Statt Einsicht zu zeigen, bildeten die Nutzer illegaler Telegram-Kanäle nun auch Netzwerke im echten Leben. Boosterzauderer schützen und stützen sich gegenseitig, sie verweigern sich der beschlossenen Ausschließung aus dem gesellschaftlichen Leben, indem sie sich in ein eigenes Paralleluniversum zurückziehen. Ungeboostert, aber selbstbewusst. Man sei doch zweimal geimpft, heißt es oft. Dabei rollt die Omikron-Welle an, ein düsteres Ungeheuer, von dem selbst der Gesundheitsminister nur wieder sagen kann, dass es noch schlimmer wird als alles, was bisher war. Wie schlimm genau, werden erst Historiker herausfinden, denn welchen Anteil die neue Variante in Deutschland hat, wie schnell er wächst und wohin vielleicht noch, das ist nicht bekannt, weil die deutschen Behörden beschlossen haben, Virusproben generell nicht genetisch auf Spuren von Omikron zu untersuchen. 
 
Was man nicht weiß, macht die Öffentlichkeit am besten heiß. Wer die notwendige Sequenzierung von Corona-Fällen vermeidet, bekommt, was er haben will: Ungewissheit, mit der sich trefflich drohen lässt. Während Dänemark ein Fünftel der positiven Corona-Proben auf Omikron scannt, belässt es Deutschland bei 1,3 Prozent, sequenziert wird, wenn ein Anfangsverdacht besteht.Das reicht doch allemal, um in den Abenddanachrichten erschreckende Meldungen vom Anstieg anderswo zu verkünden. 
 

Blind in die nächste Welle

 
Team Vorsicht, jener berühmte Stoßtrupp der Zero-Covid-Strategie, agiert mit verbundenen Augen. Und ernsten Warnungen. Auch zu Weihnachten müssen die Außengrenzen geschützt bleiben, wenn schon zwei Impfungen nicht schützen. Stehen sie auf einmal stehen  sie vor der Tür, der Onkel aus Sachsen, die Tante aus Thüringen, Kinder mit Enkeln, die vor Jahren im bayrischen Exil zur Welt kommen mussten, ungeboostert allesamt vermutlich, heißt es Tür zu.. Welten treffen aufeinander, die sichere Inzidenzsenke begibt sich in Gefahr, das solidarische Milieu wird konfrontiert mit ungeboosterten Familienmitgliedern, mit Anhängseln von Söhnen und Töchtern, deren Impfstatus unklar ist, und mit Besuchern, die zwar blass aussehen wie doppelt Geboosterte, aber der Impfausweis könnte auch ein gefälschter sein.

Denn die Blässe, sie könnte auch von den Monaten in häuslicher Isolation herrühren. Zum Glück machen die neuen Corona-Regeln ein Weihnachtsfest mit ungeboosterten Familienmitgliedern quasi von Amts wegen unmöglich. Niemand ist gezwungen, seine Familie selbst auszuladen, es reicht ein Verweis auf die geltenden Beschlüsse von Bund und Ländern, die rechtzeitig vor dem großen Familienfest klargestellt haben: Ein Zusammensein von Ungeimpften ist allenfalls zulässig, wenn maximal zwei Personen aus einem anderen Haushalt dazukommen. Zum Zeitpunkt der Beschlussfassung gingen Bund und Länder noch davon aus, dass doppelt Geimpfte sicher sind - im Licht der neuen Omikron-Variante aber ist es niemand unterhalb der ersten Boosterstufe. 

Kontaktbeschränkungen für die Festtagsplanung

Automatisch greifen die Kontaktbeschränkungen, die sowohl für den öffentlichen als auch privaten Raum gelten, nun weiter und tiefer in die Familienverbände. Doch sie erleichtern auch die Festtagsplanung: Sobald auch nur eine Person, die älter als 13 Jahre ist, in einer Familie nicht geboostert wurde, ist ein Weihnachtsfest in größerer Runde unmöglich. Das Vierte-Welle-Weihnachten verlangt Rechenarbeit vor der Einladung: Drei Geschwister, alle verheiratet sind und jeweils mit Kindern gesegnet, können ihre Eltern nur gemeinsam besuchen, wenn alle, die gemeinsam Weihnachten feiern wollen, ihren Booster bekommen haben. Ist nur eine Person über 13 Jahre nicht zum dritten Mal lebensrettend gepikst, muss das Familiengericht entscheiden: Alle zusammen? Dann aber ohne den Boosterzauderer? Oder jeder für sich allein, im Einklang mit den aktuellen Maßnahmen?

Was macht das mit Familien, fragen die einen besorgt. Was macht das Virus, trifft es auf ganze Vulnerablenversammlungen, in die sich ein ungeboosterter Gefahrenherd eingeschlichen hat, sagen die anderen. Die umfassenden Corona-Schutzverordnungen entscheiden hier klar: Erlaubt ist eine Ansteckungskette, in der sich jeweils zwei Familienmitglieder aus einem Haushalt mit der Familie des oder der Ungeboosterten treffen. Das kann an einem Tag erfolgen, oder aber verteilt über die Feiertage. So haben am Ende auch alle alle gesehen und gemeinsam gefeiert. Nicht aber gleichzeitig!

Schuld sind die Säumigen

Schuld sind die Säumigen, die Verweigerer und Corona-Verbrecher, die nicht den Staat und seine Schutzbemühungen infrage, sondern sich selbst die Frage stellen müssen, ob sie es nicht selbst provoziert haben. Ein Weihnachten in Eigenverantwortung kann nicht Sinn der Festtage sein, denn nicht im ÖPNV, in den Fabriken, den Büros, auf den Fußballplätzen oder in Behörden, Schulen, Parlamenten, Kneipen, Theatern und Universitäten finden sich die hot spots der Virenverbreitung. Sondern im sogenannten privaten Bereich, in den der Staat  nur mit Mühe hineinkontrollieren kann. 

Weihnachten feiern trotz hoher Corona-Risiken bei Kindern und Großeltern wird möglich sein, doch Familienmitglieder, die sich aus Überzeugung nicht boostern lassen, weil sie vielleicht sogar Anhänger von Verschwörungsmythen sind, bleiben diesmal außen vor. Das tut weh. Aber vielleicht ist es ihnen ja eine Lehre für das nächste Jahr.