Montag, 19. August 2013

Sternstunden des Sports: Hungerspiele von Moskau

Erneute Sendung wegen: We regret to inform you that we've been under a DDoS attack.

"Ärmchen wie Streichhölzer, Beinchen wie auch Büroklammern gebogen, Oberkörper wie Trichter und riesige Köpfe, aus denen große, hungrige Augen glänzen - nein, diese grauenhaften Bilder von ausgemergelten, unterernährten Menschen, die eine Woche lang über alle Kanäle flimmerten, stammen nicht aus den Hungergebieten Afrikas und sie zeigen auch keine bulimiekranken Topmodels, die immer weiterhungern müssen, damit die Modezaren dieser Welt nicht zuviel Stoff für ihren neuen Kollektionen vernähen müssen.

Was das entsetzte deutsche Fernsehauge sieht, sind Spitzensportlerinnen, die in Moskau auf der Jagd nach Weltmeistertiteln sind. Angeblich ungedopt, aber garantiert ungefrühstückt, sind Leichtathletikstars wie Vivian Cheruiyot, Lidya Chepkurui, Sofia Assefa oder Milcah Chemos Cheywa dort unterwegs, ihre 40 oder 45 Kilogramm Restfleisch in atemberaubenden Zeiten ums Stadionrund zu peitschen. Ungebremst vom größten Teil des einem physischen Körpers, den die meistet ihrer europäischen Konkurrentinnen noch mit sich herumschleppen, pfeilschnellen sie ums Rund, kantige Knochengestalten, beseelt nur vom Appetit auf Gold, ernährt nur von Luft und Sonne.

Kenia und Äthiopien dominieren die längeren Distanzen dieser einzig echten "Hunger Games", bei denen die Kurzstreckenwettbewerbe von Jamaikaner, die technischen Disziplinen von Osteuropäern und das große Feld der Verteidger des olympischen Gedankens von den Mitarbeitern der Bundeswehr-Sportkompanien bestimmt werden. Die Besten der Besten der Besten, die hier knochenklappernd Appetit in 9,11 Minuten drei Kilometer über Hindernisse sausen. Der angebliche Blitz Usain Bolt ist über seine bescheidenen, hindernislosen 100 Meter nicht einmal doppelt so schnell.

Ein Sieg des Geistes über den Körper, der hier schon halb abgeworfen und nur noch dabei ist statt mittendrin. Das limbische System hat ausgespielt in diesen triumphierenden Jammergestalten, die ihre Köperlichkeit ebenso an die zu erfüllende Extremaufgabe angepasst haben wie die wuchtigen Kugelstoßerinnen, die hochaufragenden Hammerwerfer und die aus der Quadratwurzel von Körperbreite und Muskelmasse gebildeten jamaikanischen und amerikanischen Sprinter. Gedopt wurde gestern.

Heute wird gehungert.

Sonntag, 18. August 2013

Der Halbmond über Halle XLV

Ist es schon soweit? Hat der Islam, sechs Wochen vor der Bundestagswahl, die Macht erobert in Mitteldeutschland? Wo sonst fröhliche Penisfiguren oder sämige Wolkenformationen die heimatkundlich engagierte PPQ-Reihe Der Himmel über Halle bestimmt, zeigt sich diesmal wieder der Mond, ein Mahnmal wider die wachsende Macht der Salafisten, wider morgenländisches Brauchtum und abendländische Intoleranz.

Dieser Mond ist für alle da, dieser Mond beleuchtet die kriselnde Region trotz Kulturkürzungen und eingedampfter Forschungshaushalte. Für den Himmel über Halle, eine der touristischen Highlights der wirtschaftlich nicht auf Rosen gebetteten Stadt, ist immer Geld da, und sei es nur, um die Menschen daran zu hindern, dem Sternschnuppenstrom der Perseiden zuzuschauen. 17 Beschwerdeanrufe gingen letzte Nacht beim städtischen Bürgeramt ein, nach der neuen Richtlinie, nach der die Polizei zu Routineeinsätzen nicht mehr ausrücken darf, verzichtete die Einsatzleitung jedoch darauf, Hausbesuche zu machen.

Angelas Fischerhütte: Wenn der Wahlkampf spannend wird

"Wird der Wahlkampf plötzlich spannend", fragt die "Bild" ganz furchtsam, während der "Focus"-Chefredakteur die Antwort schon zu kennen glaubt. Aber nein, soweit ist es noch nicht. Noch hat ein Wahlkampf, bei allem, was dagegen spricht, noch nicht einmal begonnen. Noch ist Sommergähnen, Drohnenjagd, NSA-Geschwindel, Langeweile.

Denn den Startschuss gibt stets die Chefin selbst, Angela Allmächtig, Retterin Europas und Alptraum der deutschen Sozialdemokratie, startete ihren ersten Wahlkampf vor 23 Jahren in Lobbe, einem Örtchen auf Rügen und setzte sich dort in eine halbzerfallene, noch fast volkseigene Fischerhütte. Interessant beleuchtet, scharte sie mehrere kernige Fischersleut´ um sich und demonstrierte intensivst Volksverbundenheit. Mit so großem Erfolg, dass sie 2009 zurückkehrte, in dieselben Gesichter schaute und dieselben Augen ähnlich konsterniert zurückblickten. Merkel wurde wieder gewählt, der einzige Unterschied war: Die Fischerhütte direkt am Strand war von der Dorfjugend halb bemalt worden, die Autos davor waren etwas größer, die Fische im Netz etwas kleiner geworden.

Gern würde Angela Merkel, deren Wahlkreis Rügen ist, auch 2013 wieder von hier aus durchstarten in ihre dritte oder vierte Amtszeit, nur die Älteren wissen ja noch, seit wann diese Frau Kanzlerin ist. Aber ach Gott, die Fischerhütte ist leer, ein Lager für Langnese-Kühlschränke. "Der letzte von uns", erzählt Ex-Fischer Eberhard Heuer, "hat 1998 aufgehört". Schuld ist die EU, denn durch deren Fangquoten, erzählen die kernigen Fischersleut´, habe niemand mehr von der Fischerei leben können. Sämtliche zwei Millionen Fischgaststätten auf Rügen mussten auf Atlantik-Lachs umstellen, der vor dem Braten zwei Tage in Boddenwasser gelaugt wird, damit die Urlaubsgäste nichts merken. Tun sie auch nicht.

Die meisten bemerken nicht einmal den historischen Ort auf dem "Landesschutzdeich", der so viel erzählt über ein Vierteljahrhundert Deutschland.

Samstag, 17. August 2013

Google-Gau erledigt PPQ

Vier Minuten, die die Welt verändern: Nachdem der Suchriese Google letzte Nacht für einen Totalausfall aller seiner Dienste meldete, hakte es mehrere Stunden lang auch beim Völkerverständigungsriesen ppq.so®. Die Auflösung der Standardadresse politplatschquatsch.com funktionierte nicht mehr, weil die verantwortlichen Nameserver nicht mehr wussten, wohin sie Besucher der Domain leiten sollten. Die uns von der Regierung des befreundeten Somalia zur Verfügung gestellte Ersatzadresse ppq.so hingegen konnte durch einen lange zurückliegenden Administratorendenkfehler auch nicht helfen: Sie leitete zwar auftragsgemäß auf die Adresse politplatschquatsch.blogspot.com. Die aber ist seit Jahren in schöner deutscher Tradition gleichgeschaltet mit der vom Google-Zusammenbruch stillgelegten Adresse politplatschquatsch.com. Führte Leser also auch ins virtuelle Nichts.

Hilfe kam glücklicherweise umgehend - die mit dem Internet auf Du und Du lebende Anmerkung griff dankenswerterweise beherzt ein, bemühte komplexe Analysesysteme und lieferte kenntnisreiche Fernwartungtipps. Pünktlich zum Ende der Trauerstunde um die erneute Niederlage des in dieser Spielzeit mit großer Verlässlichkeit auftretenden Halleschen FC liefen die Kritikgeneratoren wieder an, der erneute Angriff der Zylonen war abgeschlagen, die Welt drehte sich weiter. Willkommen zurück!

Gericht zeigen: Suppenkaspers Speisekarte


Müssen griechischer Salat und serbischer Bohneneintopf der politischen Korrektheit wegen umbenannt werden? Griechen und Serben in Hannover haben deutsche Suppenköche um einen neuen Namen, wie etwa „Salat“ oder „Bohnentopf“, gebeten. Die Hersteller berufen sich auf die 100-jährige Gewohnheit, gegen die das Feinschmeckerboard PPQ jedoch bereits seit Jahren mit der bürgerschaftlich engagierten Serie "Gericht zeigen" ankämpft.

Ein Verein von Griechen und Serben in Hannover hat die Hersteller von Fertiggerichten aufgefordert, diese wegen des diskriminierenden Begriffs umzubenennen. Die Hersteller verweisen auf die mehr als 100-jährige Tradition der Saucen und sehen in dem Namen keinen Rassismus. Dennoch wollen sie den Einwand nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Noch unklar ist für sie, ob es sich um den Protest Einzelner oder eine breite Unzufriedenheit handelt. „Spiegel-Salat“ oder „MDR-Suppe“ (oben) schlägt die Anwältin des Vereins zu Ehren der emsigen Verbreiter des Vorschlages als Alternative vor.

„Ich hoffe, dass die Konzerne ein Einsehen haben und sagen, die Leute haben recht und nennen ihre Produkte anders“, sagte der Vorsitzende des „Serben- und Griechen-Forums“ in Hannover, Lavic Gresic. Er fühle sich diskriminiert und beschimpft, wenn von Serben im Zusammenhang mit Suppe die Rede sei oder sich ein Karnevalsverein Zigeunerinsel nenne, um sich selbst zu diskriminieren. Neun Geschwister und weitere Familienmitglieder von ihm seien als Partisanen von den Deutschen ermordet worden. Außerdem habe die serbische Bohnensuppe keine kulinarischen Wurzeln auf dem Balkan, sondern eher in Thüringen. Als beispielhaft nannte er die erfolgte Umbenennung eines diskriminierenden "Balkan-Puddings" in "Roma-Pudding".

„Ich denke nicht, dass die Hersteller sich des Vorwurfs aussetzen wollen, rassistisch oder diskriminierend zu sein“, sagte auch Anwältin Hannah Raulmann, die den Vorstoß begleitet, auch den griechischen Salat umzubenennen. Es handele sich vorerst um ein höfliches, außergerichtliches Schreiben. „Das Wort „griechischer Salat“ ist unumstritten diskriminierend, es klingt, als sei der Salat aus Griechen gemacht“, meint sie.



Der Verband der Hersteller landestypischer Lebensmittel in Bonn erklärte, dass man dankbar für die Hinweise mitten im Sommerloch sei. Nach einem ähnlichen Protest vor einem halben Jahr habe man den ähnlich aufgeregten Zentralrat der Sinti und Roma und weitere Organisationen um eine Einschätzung gebeten, ob „Zigeuner-Soße“ noch gehe, aber keine Antwort erhalten habe. „Für uns war es wichtig herauszufinden, ob das alle so sehen oder nur ein Einzelner“, sagte Verbandsgeschäftsführer Markus Weck. Die entsprechende Umfrage unter allen ehemaligen Zigeunern laufe noch.

Auch der Lebensmittelkonzern Anylever verweist darauf, dass es leider immer noch häufiger Produkte gebe, die nach Gegenden oder Volksgruppen benannt seien, erklärte ein Sprecher. So habe es vereinzelte Kritik an dem in Österreich vermarkteten Eskimo-Eis gegeben, weil der Begriff von den Polarbewohnern auch als Schimpfwort gesehen wird. Kaum ein Eskimo kaufe das Eis, doch nach einem Dialog sei es bei dem Namen geblieben. Umbenannt worden sei hingegen der Fertigdöner Dürüm, der viele Kunden an die schreckliche Mordserie der NSU und die nachfolgenden Nachstellungen der Polizei gegenüber den Familien der Opfer erinnert habe. Mittlerweile werde kein Fertigdöner mehr in Supermärkten angeboten.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnte inzwischen allerdings vor einer dogmatischen Sprachregelung und rief zu einem kritischen, reflektierten Sprachgebrauch auf. Bei Begriffen wie Zigeunersauce oder Zigeunerschnitzel sei es unsinnig, den Begriff „Zigeuner“ durch die Eigenbezeichnung „Sinti und Roma“ zu ersetzen. Sinti seien keine Roma, Roma keine Sinti, beide keine Ungarn und diese keine Serben. Korrekt müsste es folglich Thüringer heißen. Einziger sorgenfreier Bereich sei derzeit die Spreewälder Gurke, trotz des aktenkundigen Massenmordes durch Albrecht den Bären. Hier, so Experten, müsse man sich um Diskriminierung keine Sorben machen.

Gericht zeigen, die Serie:
Burger für Bankster
Negers Kuss
Köche statt Brei
Essen auf Tätern
Mit langem Löffel

Die Hungerspiele von Moskau

Ärmchen wie Streichhölzer, Beinchen wie auch Büroklammern gebogen, Oberkörper wie Trichter und riesige Köpfe, aus denen große, hungrige Augen glänzen - nein, diese grauenhaften Bilder von ausgemergelten, unterernährten Menschen stammen nicht aus den Hungergebieten Afrikas und sie zeigen auch keine bulimiekranken Topmodels, die immer weiterhungern müssen, damit die Modezaren dieser Welt nicht zuviel Stoff für ihren neuen Kollektionen vernähen müssen.

Was das entsetzte deutsche Fernsehauge sieht, sind Spitzensportlerinnen, die in Moskau auf der Jagd nach Weltmeistertiteln sind. Angeblich ungedopt, aber garantiert ungefrühstückt, sind Leichtathletikstars wie Vivian Cheruiyot, Lidya Chepkurui, Sofia Assefa oder Milcah Chemos Cheywa dort unterwegs, ihre 40 oder 45 Kilogramm Restfleisch in atemberaubenden Zeiten ums Stadionrund zu peitschen. Ungebremst vom größten Teil des einem physischen Körpers, den die meistet ihrer europäischen Konkurrentinnen noch mit sich herumschleppen, pfeilschnellen sie ums Rund, kantige Knochengestalten, beseelt nur vom Appetit auf Gold, ernährt nur von Luft und Sonne.

Kenia und Äthiopien dominieren die längeren Distanzen dieser einzig echten "Hunger Games", bei denen die Kurzstreckenwettbewerbe von Jamaikaner, die technischen Disziplinen von Osteuropäern und das große Feld der Verteidger des olympischen Gedankens von den Mitarbeitern der Bundeswehr-Sportkompanien bestimmt werden. Die Besten der Besten der Besten, die hier knochenklappernd Appetit in 9,11 Minuten drei Kilometer über Hindernisse sausen. Der angebliche Blitz Usain Bolt ist über seine bescheidenen, hindernislosen 100 Meter nicht einmal doppelt so schnell.

Ein Sieg des Geistes über den Körper, der hier schon halb abgeworfen und nur noch dabei ist statt mittendrin. Das limbische System hat ausgespielt in diesen triumphierenden Jammergestalten, die ihre Köperlichkeit ebenso an die zu erfüllende Extremaufgabe angepasst haben wie die wuchtigen Kugelstoßerinnen, die hochaufragenden Hammerwerfer und die aus der Quadratwurzel von Körperbreite und Muskelmasse gebildeten jamaikanischen und amerikanischen Sprinter. Gedopt wurde gestern.
Heute wird gehungert.

Freitag, 16. August 2013

Mutti, wie wird man eigentlich SPD-Energieexperte?

Man muss hart zuschlagen, gezielt treffen und genau wissen, was man tut, wenn man so eine "Energiepreisbremse" implementieren will. Peer Steinbrück, von der deutschen Arbeiterbewegung auserkoren, die Interessen der werktätigen Massen demnächst aus dem Kanzleramt heraus zu vertreten, hat sich deshalb zur Umsetzung seines Planes für sinkende Strompreise einen Experten an Bord geholt. Matthias Machnig ist nicht nur ein guter Sozialdemokrat, sondern auch "Energie-Experte" (Die Welt) - ein Traumjob für viele junge Menschen, die deshalb verständlicherweise in den letzten Tagen verstärkt fragten: "Mutti, wie wird man eigentlich SPD-Energieexperte?"

Nun, das ist nicht schwer. Man macht sein Abitur am Walram-Gymnasium in Menden (Sauerland) und studiert anschließend Soziologie mit den Nebenfächern Geschichte, Anglistik und Erziehungswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach Erreichen des Magister-Abschlusses wird man wissenschaftlicher Referent eines Ausschussvorsitzenden für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag. Anschließend wartet ein Job als Terminplaner der SPD-Bundestagsfraktion, schließlich einer als Leiter des Ministerbüros von Franz Müntefering, damals gerade Chef des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Nachdem Müntefering 1995 Bundesgeschäftsführer der SPD geworden war, folgt man ihm in die SPD-Parteizentrale und übernimmt auch hier die Leitung des persönlichen Büro. Im Nebenjob bleibt noch Zeit, als Leiter des Vorstandssekretariats und Koordinator der SPD-Wahlkampfzentrale „Kampa“ verantwortlich für die erfolgreichen Kampagnen zur Bundestagswahl 1998 und 2002 sowie zur Landtagswahl 2000 in Nordrhein-Westfalen zu zeichnen.

Wenn innerparteilicher Gegenwind aufkommt, wird die Spur gewechselt: man wird nun Kommunikationsberater bei der BBDO Consulting GmbH, die "Marken-, Produkt- und Unternehmensimages im Kundenauftrag berät, entwickelt und pflegt". Nachdem das gelungen ist, bietet sich ein Posten in der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton an, die später berühmt werden wird, weil sie als Dienstleister des US-Geheimdienstes NSA auch Arbeitgeber des Whistleblowers Edward Snowden sein wird.

Man selbst weiß davon nichts, sondern wird selbständiger Unternehmensberater in Düsseldorf, muss aber auch das später in seinem offiziellen Lebenslauf nicht erwähnen. Jetzt ist die Kompetenz da, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zu werden. Hier zeichnet man sich durch nachhaltige Aktionen bei der Einführung von Dieselrußpartikelfiltern aus, indem man einen Abteilungsleiter anweist, ein Gutachten zurückzuhalten, das die Unwirksamkeit der Systeme eines Herstellers belegt, und man macht mit der sogenannten "WM-Ticket-Affäre" um den führenden deutschen Energiekonzernmanager Utz Claassen Schlagzeilen.

Das Gerichtsverfahren wird gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 2.500 Euro eingestellt, aber die Nähe zum Thema Energie, die bleibt. Nun sind Zeit und Kraft und Kompetenz da, und die Fachausbildung und Lebenserfahrung sowieso, um in Thüringen Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie zu werden. Als solcher wiederum, Kinder, das ist doch klar, ist man im Kompetenzteam von Peer Steinbrück dann natürlich automatisch der Energie-Experte.

Freispruch für den Führer

Neue wegweisende Mitteilungen aus dem Demokratiehauptquartier: Im Spott dürfen auch in Deutschland, wo Spott bislang streng verboten war, nationalsozialistische Symbole gezeigt werden. Mit dieser Begründung hat das Amtsgericht Kassel eine Verurteilung des Berliner Künstlerdarstellers Jonathan Meese wegen des Zeigens eines Hitlergrußes abgelehnt. Die Kunstfreiheit, die auch Hohn und Spott einschließe, stehe höher als das Verlangen des Staates, zum Schutz vor einem möglichen 4. oder gar 5. Reich entsprechende Zeichen des untergegangenen 3. nicht mehr gezeigt zu bekommen.

Ein Freispruch für den Führer und ehemaligen Reichskanzler Adolf Hitler, der den von Meese wiederaufgeführten „Deutschen Gruß“ selbst ablehnte und stattdessen meist den sogenannten „Führergruß“ mit nach oben und hinten angewinkeltem Arm ausführte. "Es ist klar, dass der Angeklagte sich nicht mit nationalsozialistischen Symbolen oder Hitler identifiziert, sondern das Ganze eher verspottet", sagte die Vorsitzende Richterin. Damit sei der Hitlergruß in karnevalistischen Zusammenhängen, als Spaß bei Geburtstagsfeiern und als witzig gemeinte Kunstpersiflage erlaubt. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausführende sich als Künstlerer begreife, keine anderes Einkommen etwa aus einer geregelten bürgerlichen Tätigkeit habe und den Gruß im Rahmen einer Performance zeige, urteilte sie weiter. Hierbei müsse die Atmosphäre „aufgeladen mit Kunst" sein.

Erst im November vergangenen Jahres hatte die Münchner Justiz noch energische Maßnahmen gegen einen aus dem Ausland zugezogenen Führerfan unternommen, der den Hitlergruß in einer unkünstlerischen Installation am Bahnhof zitiert hatte. Der Täter war danach allerdings nie mehr erwähnt worden. Auch in Frankfurt, Nürnberg, Gießen und Mönchengladbach war es kurz zuvor zu "Hitlergrüßen" gekommen, die strafrechtlich verfolgt, wegen ihres mangelnden künstlerischen Gehalts medial aber totgeschwiegen wurden.

Anders bei Meese. Hier war die Creme der Creme der leitmedialen Prozessbegleiter seit Wochen angetreten, die Kunstfreiheit zu verteidigen. Kollektiv der Applaus nach dem Urteilsspruch, der ausführt, das es sich hier bei dem ausgestreckten Arm um einen Teil einer Inszenierung und nicht um eine persönliche Äußerung des Künstlers handelte.

Jonathan Meese, einst im Land des Achsenverbündeten Japan geboren, hat nicht gehitlert, er ist Teil der Antihitlerkoalition. In seinem Schlusswort erklärte er, dass er jede Art von Ideologie ablehne und ein glühender Verfechter der Diktatur der Kunst sei. Diese sei das Radikalste, das jemals seit Menschengedenken formuliert wurde, radikaler womöglich noch als die nationalsozialistischen Beschlüsse zu Rassenreinheit und zur Vernichtung des Weltjudentums.

"Ich bin geschmacklos und habe das Recht dazu", bemerkte Meese, der von einer Regelung im Strafgesetzbuch profitiert, die den Hitlergruß und andere NS-Symbole erlaubt, wenn deren Darstellung "der Kunst dient". Ursprünglich war damit gemeint, dass Hitlergrüße und Hakenkreuze in historischen Filmen und Theaterstücken gezeigt werden dürfen. Nun aber hat das Amtsgericht die Anwendung demokratisiert und einem massenhaften straflosen Gebrauch stattgegeben. Zuletzt war es der damaligen Bundespräsidentinnengattin Bettina Wulff gelungen, mit einer solchen Arm-Installation straffrei davonzukommen. In ihrem Fall hatte sich der auf der Freitreppe des Schlosses Bellevue weltöffentlich gezeigte Hitlergruß als „soziale Geste“ mit keinerlei rechtsradikalem Gehalt herausgestellt.

Das Publikum im Gerichtssaal rast vor Begeisterung, Meese und seine Verteidiger freuten sich sichtlich. Meese setzte eine goldene Sonnenbrille auf und verkündete, dass er nun endlich wieder in Ruhe arbeiten könne. Als nächstes wolle er am kommenden Mittwoch in den lichtabgedichteten Katakomben des ehemaligen KZ Dora mehrere Hitlergrüße vollführen. Dazu werde er einen Bart tragen und goldene Sonnenbrille aus Fliegerschokolade. Die Aktion werde von mehreren mit brauner Butter beschmierten Leica-Kameras aufgezeichnet und später auf Schallfilm veröffentlicht. Eine Lizenzierung der Szene an die Produzenten des nächsten Elsterglanz-Filmes scheint  nicht ausgeschlossen.

Donnerstag, 15. August 2013

Gorch Fick: Nun auch noch Rechtsrock

Oioioioioi, geht es eigentlich noch schlimmer? Erst machte das Bundessegelschiff "Gorch Fick" mit nie gekannten Kommiss-Schweinereien auf sich aufmerksam, dann musste der Kapitän gehen, dann hörte man monatelang gar nicht mehr - und nun kommt der NDR, und hat in den Tonspuren alter Liveaufnahmen von Bord des Seelenverkäufers deutlich vernehmbare Musik der fastfaschistischen Band "Kategorie C" entdeckt. Die Combo wird im Verfassungsschutzbericht des Landesamts für Verfassungsschutz Bremen unter der Rubrik „sonstige gewaltbereite Rechtsextremisten“ eingeordnet, hat allerdings vom selben Amt im selben Bericht auch das Todesurteil für jeden wahrlich staatsfeindlichen Neonazi mitgeteilt bekommen: Die Band sei trotz ihrer Bemühungen „nicht verfassungswidrig“, die die rohe Gewalt ihr wichtiger sei als der Aufbau eines vierten oder fünften Reiches.

Die knallharten Rechercheure des NDR-Magazins "Panorama", die das Gesamtwerk von Kategorie C im Volontariat auswendig gelernt haben, waren dennoch alarmiert. Nicht verfassungswidrige Musik auf einem Schiff, das nicht einmal auf dem Boden des Grundgesetzes steht, sondern zumindest versucht, die Weltmeere zu befahren!

Höchste Gefahr im Matrosenanzug! Es sei auch nach forensischer Auswertung der Aufnahmen "unklar, ob die Matrosen gewusst hätten, welche Art von Musik gespielt" wurde, während die "Mannschaft mit der Müllentsorgung" beschäftigt gewesen sei. Perfide, dass die Naziprollrocker nicht singen, was sie meinen: "Ihre Gesinnung deutet die Band nur an, verfassungsfeindliche Symbole sucht man vergebens." Aber! Seit der frühere DDR-Grenztruppenoffizier Holger Hövelmann zum 25. Jahrestag von Erich Mielkes Punkverbot Rechtsrock als "Einstiegsdroge in die Neonazi-Szene" ausgemacht und Härte gegen Rechtsrock befohlen hat, schützt Unkenntnis vor Strafe nicht und Taubheit nicht vor Infiltration.

Der "Gorch Fuck" droht nun "neuer Ärger", womöglich muss das Traditionsschiff erneut auf Reede, um eine umfassende Grundreinigung der Schwingungen durchzuführen. "Der Wahnsinn nimmt weiter seinen Lauf", dröhnt es auf der Werft dazu.

Sinnbremse für Wahlplakate

"Was der Bauer nicht kennt, fress ich nicht", sagt das vielleicht schönste grüne Wahlplakat des Jahrgangs 2013 – und fragt: „Und du?“ Ja, eine Frage aufs Gewissen: Isst Jürgen Trittin nur, was der Bauer kennt? Welcher Bauer? Und wie hält es Claudia Roth damit? „Dieses DIN A1-Poster eignet sich hervorragend als Dekoration für Wahlkampfstände, Gärten und Küchen“, mahnt der grüne Kampa-Shop. Aber Antworten hat er keine.

Damit liegt die stadtbeleuchtungsbasierte Werbeoffensive der Umweltpartei auf einer Linie mit der der politischen Konkurrenz, die sich gleichfalls entschieden hat, eine Sinnbremse für Wahlplakate einzuführen. Waren Wahlplakate früher Aushängeschilder für plumpe Parolen – „Mehr Gerechtigkeit“, „Blut statt Sozialismus“, „Reichtum für alle“ – so avancieren sie inzwischen zu öffentlichen Rätselaushängen. Rätselkönige sind bisher die Grünen, denen politische Botschaften wie „Hello Kita – und Du?“ und „Ich werde Energieriese – und Du?“ eingefallen sind.

Letzteres Plakat, wie 40 Prozent aller Motive der ehemaligen Pädophilen-Partei mit dem Bild einer zuckersüßen Minderjährigen verziert, meint wohl, dass das abgebildete Mädchen vorhat, später mal ganz, ganz viel Energie zu verbrauchen. Womöglich Sonnenenergie oder solche aus Windkraft oder gar die geheimnisvolle "neue Energie", die Spitzenkandidat Jürgen Trittin nach einem anderen Plakatmotiv zu bringen verspricht? Man weiß es nicht und auch der um Aufklärung gebetene Mitarbeiter in der Grünen-Zentrale kann es nicht sagen. Es gehe um die Energiewende, die jetzt richtig gemacht werden müsse, vermutet er.

Aha. Und der Bauer? Muss man den kennen, um zu wissen, was er kennt, damit man das essen kann? Der Grüne lacht. Das Plakat sei „mehr symbolisch“ gemeint. Wie das von dem alten Mann, der sagt "Mit Essen spekulier´ ich nicht"? Nein, das sei nun wieder ganz ernst: „Mit Essen spielt man nicht: Das gilt auch für Erwachsene“, zitiert der Experte aus der grünen Wahlkampfbibel.

Eine neue Unübersichtlichkeit zeigt sich hier. Der Wähler muss nicht nur lesen, was die Parteien sagen, er muss auch erkennen, wie sie es meinen. Keine einfache Sache, wie das Plakatmotiv "Eure Schulden will ich nicht" zeigt. Schulden seien keine guten Geschenke, erläutern die Grünen. Darum wollen sie eine „Schuldenbremse für Banken“, für die auch gleich ein zweites Plakatmotiv wirbt: Ein Mann steht vorn, eine Parkbank im Hintergrund. Die Aufschrift beschildert ihn als „Mensch vor Bank“.

Wie aber kann die Verschuldung von Parkbänken wirksam gestoppt werden? Hilft es, zuversichtlich zu sagen "Meine Mudda wird Chef", wie es ein weiteres grünes Plakatmotiv ausdrückt – wo es doch korrekt durchgegendert „Chefin“ heißen müsste? Woran der Stempel "Innen" aus dem Wahlkampfshop, der „geschlechtergerechte Sprache zum Selbermachen“ verspricht, gar keinen Zweifel lässt.

Die Grünen sind selbst nicht so sicher, wie ihr Plakat "Black Hawk Down" verrät. Hier wird gefordert „Fehlgeschlagene Investitionen stoppen“. Ein rundum ehrenwertes Vorhaben, das allerdings nun, wo die Plakate gekauft und aufgehängt sind, kaum noch zu verwirklichen ist.

Mittwoch, 14. August 2013

Auf der Flucht vor dem ZDF


Nichts los in der Welt, kein Fukushima in Sicht, kein Irakkrieg und selbst die Bundestagswahl ist schon gelaufen. Doch wo kein echtes Leid und kein Original-Sarrazin, da findet der deutsche Gutbürger doch wenigstens immer noch etwas Kleines, zartes, für das er sich per Petition in die Bresche werfen kann. Diesmal soll es ein Verbot der ZDF-Sendereihe "Auf der Flucht" sein, weil „die nur so vollgepackt ist mit rassistischen und kolonialistischen Klischees“.

Die feministisch engagierte Soziologin Nadia Shehadeh hatte auf ihrem Blog erst einen kreischwütenden Text dazu veröffentlicht, dass „das ZDF die Lebenssituation von Asylsuchenden in Deutschland als Inspiration für eine fragwürdige und politisch zweifelhafte Sendung“ nutzt. Später wurde daraus wie immer eine Petition voller Rechtschreib- und Kommafehler: „ Es ist nicht hinnehmbar, das ein öffentlich rechtlicher Sender , für den wir alle- ob wir wollen oder nicht- GEZ-Gebühren bezahlen müssen, aus dem realen Leid, aus der realen Not Asylsuchender Menschen solch eine rassistische Sendung produziert und sich traut auszustrahlen.“

Ausgestattet mit dem Sendungsbewusstsein ehrlicher Überzeugung fordert die Slutwalkerin Nadezda Krasniqi ultimativ „die sofortige Einstellung der Sendung, eine Entschuldigung, ein öffentliches Statement , sowie die Einnahmen aus der Sendung, an Organisationen zu Spenden, die aktiv gegen Rassismus und für die Rechte von Asylsuchenden Menschen eintreten !“

Dafür gibt es viel Applaus, etwa von Pascal Schien, der im Fernsehexperiment „eine unverschämtheit“ sieht, „strukturelle Gewalt finanziell so zu reproduzieren und auszubeuten“. Wenn der Faschismus nicht ohnehin schon dabei wäre, die ganze Macht in Deutschland zu ergreifen, hätte er wohl jetzt die Gelegenheit: „Damit sehe ich nur eine Quelle für die Verstärkung von rassistischen und kolonialen Gedankengut in einem ohnehin schon latent rassistischen Land.“

Alle sind einig, alle haben sich die Sendung offenbar begierig angeschaut, um ihre eigenen Vorurteile bestätigt zu bekommen. Simone Ney sieht hier eindeutig den Versuch, „eurozentristische, exotisierende Bedürfnisse“ zu befriedigen und „unterreflektierten Prominenten ein Forum zu bieten, um rassistische Diskurse zu reproduzieren“.

Die Sprache verrät die Gewalt, verrät den bürokratisch ausgebildeten Fernhelfer. Alinka Seth reichte der Werbetrailer, „und dabei ist mir schon schlecht geworden“, verrät sie. Klare Kante: „Das ZDF müsste wegen Körperverletzung angezeigt werden, da solche Sendungen psychosomatische Krankheiten erzeugen“.

Nobelpreiskrieg am Affenfelsen

Wenn das mal kein klares Signal des Weltfriedensnobelpreis-Kontinents an den Rest der Menschheit ist. Großbritannien schickt Kriegsschiffe Richtung Gibraltar, um seine Interessen dort gegen den aggressiv auftretenden EU-Bruderstaat Spanien zu verteidigen - es sind natürlich vorerst nur liebevolle Manöver, die das Empire an der Küste seines Überseegebiets vor der spanischen Küste abhält. Die Drohung aber ist unübersehbar: Europaminister David Lidington schrieb in der Zeitung „The Sun“, Großbritannien und Spanien schätzten einander zwar seit der Vernichtung der spanischen Armada im Jahre 1588 durch die englische Flotte unter Charles Howard. Dies bedeute aber nicht, "dass wir ein Auge zudrücken, wenn die Menschen in Gibraltar bedroht oder unter Druck gesetzt werden". Spanische Medien zeigten sich eingeschüchtert vom britischen Plan, die HMS Westminster Gibraltar anlaufen zu lassen.

Großbritannien und Spanien streiten seit Jahrhunderten um die britische Enklave. Spanien wirft Gibraltar vor, in dortigen Gewässern Betonblöcke mit Metallstacheln versenkt zu haben, um ein künstliches Riff zu schaffen. Dieses behindere die Arbeit spanischer Fischer. Die spanischen Behörden reagierten mit verstärkten Kontrollen an der Grenze, die für stundenlange Verzögerungen bei der Abfertigung sorgten. Gibraltar gehört seit dem Jahr 1713 zu Großbritannien, der EU-Partner Spanien aber erkennt die britische Herrschaft über den Felsen nicht an. 1704, 1727 und zwischen 1779 und 1783 versuchten spanische Truppen, die Rückgabe des 6,8 Quadratkilometer großen Territoriums durch Belagerungen zu erzwingen, vom 9. Juni 1969 bis zum 4. Februar 1985 erfolgte die vorerst letzte Blockade.

Kritiker widersprechen der spanischen Behauptung, es handele sich bei dem Felsen um iberisches Gebiet. Vielmehr sei die Urbevölkerung neandertalisch gewesen, später folgten Goten und muslimische Araber, die dem Gebiet auch seinen Namen gaben: Dschebel Tarik, der „Berg des Tarik“ nach Tāriq ibn Ziyād, einem maurischen Feldherrn. Erst 1309 gelang es Ferdinand IV., das Gebiet für Spanien zu besetzen, 1333 allerdings waren die Mauren zurück. Dem ab 1492 wieder materialisierten spanischen Anspruch trat 1704 der gebürtige Darmstädter Prinz Georg von Hessen-Darmstadt entgegen, indem er Gibraltar eroberte. Im politischen Berlin werden derzeit Unterlagen gesichtet, um eventuelle deutsche Ansprüche auf den Felsen in den kommenden Verhandlungen und Gefechten vertreten zu können.

Dienstag, 13. August 2013

In der Silentdisco der Demokratie

Das ist eben der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie! Ist die Kritik an der Einführung alternativloser Entscheidungen, nicht ausreichend gedeckten Maßnahmen und einem ademokratischen Entscheidungsklüngel nur lang und laut genug, reagiert der Rechtsstaat sofort und entschieden: In Potsdam, das kurz vor einem dynastischen Herrschaftswechsel steht, mit der Wiedereinführung der vielen Älteren noch in Erinnerung gebliebenen Demokratie für einige Tage.

Unter dem Motto: "Treffsicher wählen – Demokratie zum Anfassen" steht Potsdam vom 16. bis 18. August ganz im Zeichen jener "Tage der Demokratie", die noch einmal zeigen sollen, wie das früher war, als noch mehr als die Hälfte der Bürger zur Wahl ging. Der Landtagspräsident des Landes Brandenburg, Gunter Fritsch, hat für dieses Projekt die Schirmherrschaft übernommen. Er verspricht denen, die kommen wollen, „viele spannende Workshops, die euch Gelegenheit geben Demokratie hautnah zu erleben“ – das werde für viele Teilnehmer wohl die erste Gelegenheit sein, „Demokratie von einer ganz neuen Seite kennenzulernen“.

Nebenbei soll das Mitwirken und Mitregieren aber selbstverständlich nicht zur Last werden, deshalb sind auch Spaß, Sport und Musik organisiert worden. Vor Ort sind  das übliche Improvisationstheater, ein Konzert wird angesagte Jugendbands vorführen und um die Nachbarn nicht zu stören und langsam wieder vom demokratischen Wir zum individualistischen Ich rüberzurutschen, tanzen abends alle bei einer „Silentdisco“ genannten Kopfhörerparty.

Weitere Informationen zu den besonderen Tagen in Potsdam gibt es unter Tage der Demokratie.

Den Sozialismus in seinem Lauf

Sommerloch und Mauerbaujubiläum – und also Zeit für einen aktuellen Diktaturenvergleich. In der „Welt“, ehemals Zentralorgan für Gänsefüßchen, unternimmt Cora Stephan den ehrgeizigen Versuch, Angela Merkels Erfolge beim Aufbau des Sozialismus in ganz Deutschland zu wichten und zu werten. „Werden wir also von der SED regiert?“, fragt sie und ist „Angela Merkel eine Schläferin, der es gelungen ist, mithilfe einer Untergrundarmee ehemaliger Stasi-Leute und mit dem verschwundenen SED-Bimbes im Kreuz die Bundesrepublik Deutschland in eine DDR light zu verwandeln“?

Natürlich nicht, auch wenn es so aussieht. Schließlich sei nicht die BRD, sondern die DDR angeschlossen worden. Dass das kapitalistische Westdeutschland unter Führung der Ost-Kanzlerin aus Hamburg in Richtung Sozialismus, "mit menschlichem Antlitz" marschiere, ist Zufall, nicht Ergebnis eines Planes von Erich Mielke, Erich Honecker und Oskar Lafontaine.

In Merkels Regierungsstil immerhin findet Stephan „einiges an alter DDR“. Ihr Spruch von der Alternativlosigkeit habe etwas ausgesprochen Totalitäres, ihre Unterstützung "wissenschaftlicher" Eliten, die Demokratie störend finden, wenn es um die wirklich großen Dinge der Menschheit gehe, erinnere an "die Partei hat immer recht".

Vorwerfen aber kann man es der Kanzlerin so wenig wie ihr Faible für den Kampf mal gegen "Klimawandel", mal gegen Eurokrise, mal für die "Energiewende". Dies sei das Erbe der Arbeiterbewegung, die sich stets als Stellvertreterin der Gattung auf Erden gefühlt habe.

Merkel spielt dieselbe Rolle, eine Vorkämpferin für das Wahre, Gute und Schöne, vor allem aber für das Richtige, von dem es aus ihrer Sicht immer nur eins gibt. „Demokratiedefizit der EU?“, fragt Cora Stephan - egal – Hauptsache, wir bringen das große Werk voran.

So war es damals in der DDR, die Demokratie nur kannte, wo sie nicht störte – bei Rundfunkhitparaden und in der Kleingartensparte. Merkels Masche aber kommt an bei den Menschen in Ost und West, die es gern haben, wenn jemand für sie entscheidet, ohne sie weiter mit Fakten zu behelligen. Im Westen Deutschlands sind die alten sozialistischen Errungenschaften längst die höchsten Werte überhaupt: Nicht Freiheit, sondern Gleichheit und Gerechtigkeit sollen sein. Und Planwirtschaft ist prima, solange sie dem Guten dient.

Erich Honecker wäre entzückt von diesem modernen, quasi chinesischen Staatssozialismus, der auf tausenden Stadtwerken und großen Staatfirmen wie VW, der Telekom oder der Bahn gründet. Inzwischen sind die größten deutschen Banken staatlich wie die Trinkwasser- und Abwasserversorgung, wie die Bewirtschaftung der Autobahnen, der größten Wohnungsbestände im Osten oder die erfolgreichste Brauerei. „Die Lehre von Klassenkampf und Umverteilung braucht hierzulande schon lange keine Einflussagenten mehr“, folgert Stephan, „die haben ihren Job weit vor Angela Merkels langem Marsch an die Macht erledigt.“

Es habe keine Angela Merkel gebraucht, um Intellektuelle von den Vorzügen der DDR beziehungsweise eines ähnlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu überzeugen. Noch 1989 erklärten sie sich massenhaft gegen eine Wiedervereinigung, man hatte sich ja so an die DDR als das "bessere Deutschland" gewöhnt. Heute bauen sie Ganztageskindergärten und Vollzeitschulen auch im Westen auf, das Bildungswesen wird vereinheitlicht, die Nachrichtenlenkung liegt in ein paar vertrauenwürdigen Händen und Deutschland ist unter allen kapitalistischen Länder das, das am besten durch die Krise gekommen ist. „Hätte Angela Merkel einen Auftrag der untergegangenen SED zu erfüllen gehabt, wäre sie gewiss des höchsten DDR-Ordens gewiss: Soll erfüllt“, schreibt Stephan, „Aber das brauchte sie gar nicht. Sie hatte und sie hat jede Menge willige Vollstrecker.“

Montag, 12. August 2013

Oprah: Der Skandal im Rassismusskandal

Eine Milliardärin, der in einer Schweizer Boutique der Kauf einer Handtasche verweigert wird, weil sie wegen ihrer Hautfarbe für nicht reich genug erachtet wird, den Kaufpreis zu zahlen - Talkshow-Gigantin Oprah Winfrey beklagte sich in den letzten Tagen lauthals über eine "rassistische Abfuhr in einer Schweizer Edelboutique" (Focus). Das gute Stück im Wert von rund 28 000 Euro blieb im Regal, die Fernsehqueen zog beleidigt ab - und sorgt nun für einen Skandal im Skandal. Denn die Tasche, die sie hatte kaufen wollen, bestand aus Krokoleder - und Winfrey inszeniert sich gern als entschlossene Tierschützerin.

Das muss nun auch die selbsternannte Tierrechtsbewegung Peta entdecken, die Winfrey 2008 noch zur "Tierschützerin des Jahres" gewählt hatte. Winfrey lebe vegetarische Ernährung vor und engagiere sich gegen das Tragen von Pelzen, hieß es damals. Noch hat sich Peta nicht zur Causa Winfrey-Krokotasche geäußert. Doch genaugenommen kann die prominente Unterstützerin sich gegen das Tragen von Krokodilledertaschen, das bislang noch nicht vollständig verboten ist, künftig nur noch wegen des engagierten Einschreitens der Verkäuferin der Edelboutique "Trois Pommes" einsetzen.

Echelon: Das Prism des Internet-Pleistozän

"Bessere Verschlüsselungssysteme für das Internet sollen die EU und ihre Bürger künftig vor ausländischer Spionage schützen", hieß es schon in der Vergangenheit einmal. 13 Jahre ist es her und in einer Debatte des EU-Parlaments verurteilten damals EU-Industriekommissar Erkki Liikanen und der EU-Ratspräsident, Portugals Innenminister Fernando Gomes, jegliche Verletzung der Privatsphäre und Wettbewerbsverzerrungen von Seiten der USA und des von ihnen geleiteten Abhörnetzwerkes Echelon. Europa war total überrascht von der Nachricht, dass US-Geheimdienste die elektronische Kommunikation auf dem alten Kontinent ausspähten. Ein Jahr zuvor hatte Fach-Kommissar Liikanen auf Anfrage des EU-Parlamentes noch gesagt, dass er "weder bestätigen noch dementieren" könne, dass es das Spionagesystem Echelon tatsächlich gebe. Möglich sei auch, dass die überall in Europa sichtbaren Abhörkugeln große Pilze seien, die nur noch nicht gepflückt wurden.

Nachrichtendienstliche Angelegenheiten fielensowieso nicht in den Kompetenzbereich der Europäischen Kommission, drohte die damals noch junge und vitale EU. Sie kündigte aber keine konkreten Schritte gegen die USA oder Großbritannien an, das dem Echelon-System angehört. Man wolle sich dort nicht unbeliebt machen. Ex-CIA-Direktor James Woolsey hatte Anfang des Monats zugegeben, dass die USA die europäische Wirtschaft ausspioniert hätten - um herauszufinden, ob sie UN- oder US-Sanktionen gegenüber Drittländern einhalte.

Gomes sagte: "Der Rat kann nicht akzeptieren, dass ein Spionagesystem besteht, das die Grundrechte verletzt" - ein Satz, den der kommende SPD-Außenminister Sigmar Gabriel in diesen Tagen immer wieder gern zitiert. Damals wie heute konnte das Abhören von Telefonaten und das Ausspionieren elektronischer Post "nur in Ausnahmefällen erlaubt sein". Liikanen, einst im Aufsichtsrat der staatlichen finnischen Telekommunikationsgesellschaft Televa, wechselte anschließend auf die Seite aller anderen europäischen Politiker, die beschlossen hatten, nie etwas gewusst oder geahnt zu haben, und wurde Präsident der finnischen Zentralbank.

Seine Kritik wirkte nach. Die Regierung in London machte geltend, dass ihre Geheimdienste innerhalb des britischen Rechtsrahmens arbeiteten und dass dieser Rechtsrahmen mit der Europäischen Konvention der Menschenrechte vereinbar sei. Das müsse auch nicht geprüft werden. Wurde es auch nicht. Das US-Außenministerium hob in einem Schreiben an die Partner in Europa hervor, dass der US-Geheimdienst keine Wirtschaftsspionage betrieben, sondern nur nach allem anderen geguckt habe. Zur Sicherheit sei das notwendig.

Der Verdacht, dass Verbandelung von Geheimdiensten und Hightech-Unternehmen in den USA noch weiter gehe, war damit nicht ausgeräumt, er wurde nur nicht mehr öffentlich diskutiert. Dabei hielt die amerikanische Regierung an ihrem Konzept fest, über verschiedene Behörden die Hightech-Entwicklung zu subventionieren, wie sie es schon beim Aufbau des Internet getan hatte. Kritiker glauben bis heute, dass Facebook und Google direkte Töchter des Geheimdienstes NSA sind. Noch werden sie in den Leitmedien verlacht, allerdings sind dort lange Zeit auch Menschen verlacht worden, die an die Existenz eines weltumspannenden Ausspähsystems wie Echelon oder Prism geglaubt hatten.

Sigint: Großer Schock in Washington

Sonntag, 11. August 2013

Kampf den deutschen Scheißzuständen

Die SPD, die SPD, immer wieder die SPD. Erst hat sie sich genau wie die KPD einer Zusammenarbeit gegen den Faschismus verweigert, und jetzt tut sie so, als gebe es was zu feiern. Da haben die Hellroten aber nicht mit dem Widerstand aus der wahren Arbeiterklasse des virtuellen Prekariats gerechnet. Hier, wo der Kampf mit der Tastatur nie aufhört, formiert sich breiter Protest gegen die anstehende 150-Jahr-Feier der deutschen Sozialdemokratie. Denn die steht letztlich für "Antikommunismus und schleichendne Neoliberalismus", eine "Vertreterin der Interessen des militärisch industriellen Komplexes", die "deutsches Großmachstrebe"in der "Innen- und Außenpolitik auslebt".

Der Sieg des Binnen-I über Verständlichkeit und Inhalt ist hier selbstverständlich, den hier schreiben die Linken der Linken der Linken Klartest. " Heute werden in Deutschland Hartz4 Empfänger*innen drangsaliert und diskriminiert, Menschen bis in den Tod zwangsgeräumt und Rassismus als Bestandteil deutscher Migrationspolitik bedient", heißt es in Abwandlung eines älteren Textes des fantastischen Arbeiterportals Bluthilde. Parallel dazu müssten Menschen in Südeuropa unter dem von der SPD mitgeschwungenen Knüppel deutscher Austeritätspolitik leiden - "alles sind direkte Ergebnisse von SPD Politik". Daher verwundere es auch nicht, "dass die SPD die nationale Karte zieht und mit einem Deutschlandfest versucht Nation und Kapital weiterhin zu stützen".

Sie hätten es doch "Revolutionärer August" nennen können oder "Die Party wo die Kommas fehlen". Dann ja, vielleicht, hätte die echte linke Gnade walten lassen. So aber ruft es aus den Weitend es Netzes "Kampf den deutschen Scheißzuständen" und "Unsere Wahl Antirassismus!" Es könne nur gelten, "Graswurzelarbeit zu leisten, jenseits von Staat und Nation die Steine selbst in die Hand zu nehmen, eine andere Gesellschaft aufzubauen und den Weg der Emanzipation und des Fortschritts zu gehen". Deswegen werde nicht nur weiterhin der Widerstand des Refugee Protests unterstützt, "ohne dabei zu vergessen Nazis, Rechtpopulist*innen und andere Rassist*innen aller Coleur konsequent und vielfältig zu bekämpfen". Sondern auch aufgerufen, "den Wahlkampf antirassistisch zu begleiten und das Deutschlandfest der SPD am 17.8 in Berlin zu stören". Vielleicht mit den Steinen, die man ja ohnehin schon selbst in der Hand hat, um eine andere Gesellschaft aufzubauen.

Fahrplan in die Unfreiheit

Wo läuft das eigentlich alles hin? Was sind die großen Linie, abseits dessen, was lustig ist? Zeitpunkt.ch hatte schon vor Jahren einen Fahrplan entworfen, welche "vier Sargnägel der Demokratie" eingeschlagen werden müssen, um die unguten Auswirkungen von zuviel Bürgerrechten und bürgerlichen Freiheiten einzuhegen. Im Rückblick ein Dokument, dessen Hellsichtigkeit zu begeistern weiß:

1. Man baut zuerst die technischen Mittel der Überwachung und die Überwachungsinfrastruktur aus. Allgegenwärtige Kameras, Email-Datensammlungen, Zugriff aufs Internet, Ausweise mit Fingerabdruck und Mikrochip, usw. Dabei hält sich die Staatsmacht aber bei der konkreten Anwendung noch zurück. Die Menschenrechte werden nicht grob verletzt. Das bloße Vorhandensein dieser „Werkzeuge“ übt jedoch einen leisen Terror auf die Bevölkerung aus. Man weiß nie, wer schon was über einen wissen kann. Man vermeidet unvorsichtige Äußerungen in Wort und Schrift.

2. Man nimmt positive Ziele zum Vorwand, um Bürgerrechte partiell einzuschränken. Die Seuchengefahr erfordert Verbotszonen und Impfpflicht. Der Kampf gegen Kinderpornografie erfordert die Kontrolle des Internets. Um der Gesundheit der Bürger willen werden ausgedehnte Rauch- und Alkoholverbote erlassen, usw.

3. Man probiert Menschenrechtsverletzungen zunächst bei unbeliebten Randgruppen aus, bei denen die Wachsamkeit der kritischen Zivilgesellschaft verssagt. Asylbewerber werden in Baracken gesperrt. Sozialhilfeempfänger müssen unbezahlte Zwangsarbeiten verrichten. Roma werden verschleppt usw. Die meisten schweigen dazu, denn sie sind ja keine Asylbewerber, Sozialhilfeempfänger oder Roma. Wenn die Gesellschaft den Repressionsorganen diese Verstöße aber durchgehen lässt, können Linke und Bürgerliche die nächsten sein.
„Versuchskaninchen“ bei der Aufweichung der Bürgerrechte sind auch Fußball-Hooligans. Sie sind laut und oft rücksichtslos und gewalttätig.

4. Nichts vermag diktatorische Tendenzen eines Staates wirksamer zu beschleunigen als Terror und Terrorbedrohungen. Die Nato-Staaten tun jedenfalls alles, damit der Terror wächst und gedeiht. Die Demütigung der islamischen Welt erfüllt dabei die doppelte Funktion, daheim ein erwünschtes Feindbild zu schaffen und dem Terror Nahrung zu geben. Das kann dem Staat im zweiten Schritt dazu dienen, die Bürgerrechte der eigenen Bevölkerung einzuschränken.

Samstag, 10. August 2013

HFC: So wird das nichts

Zehn Minuten gut, dann ein Abwehrfehler, dann das 0:1, dann 35 Minuten zum vergessen, dann Halbzeit, dann ein Comeback, mit dem kaum jemand im Stadion noch gerechnet hat. Schließlich der verdiente Ausgleich, dann weiter straffes Spiel nach vorn, Torchancen im halben Dutzend, der Ligaspitzenreiter längst froh, dass er hier noch das Remis hält. Und kurz vor Schluss eben doch wieder das Gewohnte: Ein Foul, das keines ist, wird vom Schiedsrichter, der nie ins Spiel gefunden hat, gepfiffen. Die neuformierte Abwehr des Halleschen FC ist wieder nicht im Bilde. Der Ball läuft einmal quer an allen vorbei. Kommt wieder rein. Und liegt im Netz.

Im Schnelldurchlauf ist das schon die ganze Geschichte des zweiten Heimspiels der zweiten Drittliga-Saison der Männer von Trainer Sven Köhler, der die Begegnung in seiner Coachingzone nachtanzte. Erst aufgeregt, dann ratlos, nach dem 1:1 schließlich erstmals in dieser Spielzeit sitzend. Und nach dem erneuten Rückstand mit dem Kinn in die Hand gestützt stehend k.o. Hinter ihm schaut Co-Trainer Dieter Strozniak genauso. Und auch Manager Ralph Kühne stellt die Pose mit gesenktem Blick nach.

Es sind Muster zu erkennen, schon am zweiten Spieltag. Zwar ist der Hallesche FC dieser Begegnung gegen den Tabellenführer Wehen-Wiesbaden ist nicht zu verwechseln mit dem des desaströsen Auftritts in Erfurt, der 0:3 verloren ging. es ist eher der HFC vom Auftaktspiel gegen RB Leipzig, der den Favoriten anfangs unter Druck setzt. Dann aber doch wieder in die Falle läuft: Die erste Torchance der Gäste folgt auf einem Freistoß aus dem Halbfeld. Marcel Franke, eigentlich gekauft, um die Abwehr stabil zu halten, sie aber nach vorn handlungsschneller zu machen, klärt nicht zur Ecke, sondern baut ein Kerze. Vunguidica staubt ab, fertig.

Franke, der hier seinen zweiten großen Bock schießt und damit mit Innenverteidigerkollege Adli Lachheb gleichzieht, ist am Boden zerstört. Die Mannschaft mit ihm. Erstmal geht jetzt gar nicht mehr - der alte Gedanke aus der Vorsaison, dass eigentlich jedes Spiel bei einem Rückstand verloren ist, wenn man selbst keine Tore schießt, scheint auch bei den neuen Spielern nur allzu präsent. Zudem muss Andy Gogia, insgeheim von vielen Fans für einen potentiellen Retter gehalten, verletzungsbedingt gehen. Tony Schmidt kommt.

Trotzdem geht es nach der Halbzeitpause ganz anders weiter. Die eben noch totgeglaubte Mannschaft reißt sich am Riemen, bestürmt das Tor des Favoriten. Vor allem Toni Lindenhahn macht ein hervorragendes Spiel, immer anspielbereit, immer dribbelstark, kaum vom Ball zu trennen und mit all der Übersicht, die dem ganz allein vorn stehenden Pierre Merkel auch beim dritten Punktspiel im HFC-Dress fehlt. So muss es Tony Schmidt richten, der nicht auf dem Platz stände, hätte Gogia in der ersten Hälfte nicht wutentbrannt seinen Schuh ausgezogen und den Platz zornbebend verlassen. In der 48. Minute dribbelt sich Schmidt links durch, er wird gefoult, bekommt den Strafstoß. Und Sören Betram verwandelt sicher.

Jetzt spielt hier nur noch der Gastgeber, teilweise sogar traumhaft. Ziebig und Schmidt reißen die Abwehr von links auf, Lindenhahn stürmt einmal mit solcher Dynamik nach vorn, dass ihn drei Leute nicht halten können. Doch statt weiterzugehen und den Abschluss zu suchen, versucht er ein Abspiel. Das danebengeht.

Wie so oft. Pierre Merkel, dem in der zweiten Hälfte immerhin ein straffer Fernschuss und eine souveräne Balleroberung an der gegnerischen Eckfahne gelingt, könnte das Spiel allein entscheiden. Wäre er in der Lage, den Ball anzunehmen, mit dem Ball zu laufen, ihn zu köpfen oder im richtigen Moment auf einen besser postierten Nebenspieler abzulegen. Doch auch heute bleibt der Ex-Braunschweiger der Beweis schuldig, dass er ein besserer Stürmer als seine Vorgänger Andis Shala, Michael Preuß oder Nils Pichinot ist.

So wird das nichts, nicht heute und nicht nächste Woche. Die Chancen sind da, die Tore fehlen und draußen auf der Bank fehlt längst der Glaube, mit dem vorhandenen Kader Änderungen bewirken zu können. Einmal mehr schöpft Sven Köhler sein Auswechselkontingent nicht aus, einmal mehr zeigt er damit seine eigenen Zweifel am vorhandenen Spielermaterial. Das Üble daran: Alle können es sehen. Das Gute daran: Noch sind bis zum Ende des Transferfensters drei Wochen Zeit, nachzurüsten.

Offizieller Spielbericht

Wer hat es gesagt?

"Die deutschen Geheimdienste orientieren sich ein Stück stärker an den Gesetzen."