Es ist zu blöd, um herzzerreißend zu sein. Der 37-Jährige Ioane Teitiota hat in Neuseeland um Asyl gebeten. Seine Heimat, das Inselreich Kiribati, sei von einer durch den Klimawandel ausgelösten Überflutung bedroht, deswegen könne er keinen trockenen Fuß mehr auf sein Atoll setzen und müsse dringend als Flüchtling anerkannt werden. Teitiota bezieht sich dabei auf den jüngsten Report des Uno-Klimarates, der vor einem weltweiten Anstieg des Pegels der Ozeane um jährlich drei Millimeter warnt. Ungefähr 26 bis 82 Zentimeter - genauer weiß man es nicht - könne der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts steigen, orakeln die Apokalyptiker in ihrem neuesten Pamphlet - ohne zu erwähnen, dass diese Nachricht, träfe sie zu, eher ein Grund zu Beruhigung wäre. Auch andere empirische Befunde stützen nicht unbedingt die These Teitiotas, seine Zukunft liege jenseits Kiribatis. Seit mindestens 2005 wird vor einem Strom von Klimaflüchtlingen gewarnt, doch in den Ländern der angeblichen Gefahrenzonen nimmt die Einwohnerzahl zu. Außerdem wachsen viele der angeblich bedrohten Inseln trotz des Meeresspiegelanstiegs, weil angespülte Sedimente sich einfach nicht an die vorgegebenen Szenarien des Weltuntergangs halten. Spiegel und Co. müssen solche Erkenntnisse natürlich als "überraschende Forschungsergebnisse" deklarieren. Denn normalerweise ist Wissenschaft ja nicht überraschend, sondern dient dazu, das herrschende Weltbild zu bestätigen.
Samstag, 19. Oktober 2013
Freitag, 18. Oktober 2013
Traumdeutung im Broadcast
Seit Jahren schon preist unser kleines Kulturboard PPQ die Musik des isländischen Mini-Kollektivs Sigur Rós als Nonplusultra des Nicht-Rock: Stets steigt die Spannung bis ins Unerträgliche, das Publikum wartet auf den Knall, eine große Entladung, den Zeppelin-Fingerzeig darauf, wo Gott wohnt, was Merkel plant und wie es weitergeht. Dann aber kommt. Nichts. Ein Grundton. Ein Glockengeläut. Ein Ausatmen.
Ab heute Mittag wird ein weiteres Mal zurückgerockt. In den Maida-Vale-Studios der BBC, die gern legendär genannt werden, spielen Jon Thor Birgisson und seine verbliebenen Gespielen bei "6 Music live with Lauren Laverne" eine Live-Show zur Vorbereitung der anstehenden Europa-Tour zum aktuellen Album "Kveikur". Birgisson wird wieder den Kragen hochgestellt haben und mit dem Geigenbogen über die Gitarre kratzen, es wird Licht regnen und Bass schneien. Geräuschkrawall mit Gaspedalgitarren, Kopfgesang und trötende Viola - worum es in den ausufernden Barock-Gemälden der Isländer geht, weiß kein Mensch. Doch die Melodien rauschen dahin, dröhnen in Moll und donnern in Dur. Gleich gehts los.
Ab heute Mittag wird ein weiteres Mal zurückgerockt. In den Maida-Vale-Studios der BBC, die gern legendär genannt werden, spielen Jon Thor Birgisson und seine verbliebenen Gespielen bei "6 Music live with Lauren Laverne" eine Live-Show zur Vorbereitung der anstehenden Europa-Tour zum aktuellen Album "Kveikur". Birgisson wird wieder den Kragen hochgestellt haben und mit dem Geigenbogen über die Gitarre kratzen, es wird Licht regnen und Bass schneien. Geräuschkrawall mit Gaspedalgitarren, Kopfgesang und trötende Viola - worum es in den ausufernden Barock-Gemälden der Isländer geht, weiß kein Mensch. Doch die Melodien rauschen dahin, dröhnen in Moll und donnern in Dur. Gleich gehts los.
Das Gewicht der Welt: Debatten ohne Inhalt
Schwere Köpfe in den Koalitionsverhandlungen, dicke E-Books, die über philosophische Fragen geschrieben werden, immer mehr Emails, immer mehr Server, immer mehr Elektronikschrott überall. Und immer mehr Menschen fragen sich da besorgt: Wird die Erde nicht immer schwerer durch all das elektronische Geschwätz? Geht doch völlig zurecht die Rede von "Internetschwergewichten" (Financial Times)? Droht das eine neue, grässliche Gefahr für die Menschheit, die nämlich, dass die gewichtiger gewordene Erde aus der Bahn gerät?
Wissenschaftler beruhigen. Das Gesamtgewicht des Globus bleibe natürlich, abgesehen von Abweichungen durch gestartete Satelliten und einfallenden Weltraumstaub, gleich. Doch da Computer alle Daten, ob E-Mails, Dokumente, Video-Clips oder Websites, in Einsen und Nullen verarbeiten, wobei „1“ heißt „Strom an“, und „0“ „Strom aus“ ist eine Information doch schwerer als keine Information.
Strom moduliert die Information, das heißt „Bits“ haben eine Masse – wenn auch eine winzig kleine. Umgerechnet, fanden die Forscher heraus, enthält eine durchschnittliche E-Mail rund 50 Kilobyte an Daten. Weil sich in einem Byte acht Bit befinden und 1024 Byte ein Kilobyte ergeben, lässt sich errechnen: Eine typische E-Mail besteht aus 409.600 Bit. Rund die Hälfte der E-Mail-Bits sind Einsen, die andere Hälfte Nullen. Nur für die 204.800 Einsen braucht es Strom zum Speichern. Um sie zu verarbeiten, sind acht Milliarden Elektronen nötig. Elektronen zählen glücklicherweise zu den leichtesten Teilchen, sie sind viel leichter als Blei, Wlan-Kabel oder eine App: Ein Elektron wiegt 0,000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 9 (oder 9 x 10-31) Kilogramm.
Die 50-Kilobyte-E-Mail bringt es demnach auf ein Gewicht von 18-quadrillionstel Kilogramm. Doch bei einem täglichen Internet-Verkehr von geschätzten 40 Petabyte, also 40 x 1015 Byte (eine 4 mit 16 Nullen) ergibt sich Gewicht aller Informationen von 0,7 x 10 hoch 8 Kilogramm. Eingerechnet die Backup-Speicherleistung, die Geheimdienste erbringen, vervielfacht sich das Gewicht je nach Anzahl der beteiligten Staaten.
Der Inhalt des weltweiten Geschwätzes via Internet sowie sämtliche Liebesbriefe, ARD-Wahlanalysen, Ferien-Schnappschüsse, Videos, Musik-Files, Webseiten und Diskussiongruppen wiegen zusammengerechnet dennoch nur knapp mehr als nichts. John Kubiatowicz von der Berkeley Universität schätzt das gesamte Internetgewicht so viel wie eine Erdbeere - 50 Gramm, mehr nicht.
Wissenschaftler beruhigen. Das Gesamtgewicht des Globus bleibe natürlich, abgesehen von Abweichungen durch gestartete Satelliten und einfallenden Weltraumstaub, gleich. Doch da Computer alle Daten, ob E-Mails, Dokumente, Video-Clips oder Websites, in Einsen und Nullen verarbeiten, wobei „1“ heißt „Strom an“, und „0“ „Strom aus“ ist eine Information doch schwerer als keine Information.
Strom moduliert die Information, das heißt „Bits“ haben eine Masse – wenn auch eine winzig kleine. Umgerechnet, fanden die Forscher heraus, enthält eine durchschnittliche E-Mail rund 50 Kilobyte an Daten. Weil sich in einem Byte acht Bit befinden und 1024 Byte ein Kilobyte ergeben, lässt sich errechnen: Eine typische E-Mail besteht aus 409.600 Bit. Rund die Hälfte der E-Mail-Bits sind Einsen, die andere Hälfte Nullen. Nur für die 204.800 Einsen braucht es Strom zum Speichern. Um sie zu verarbeiten, sind acht Milliarden Elektronen nötig. Elektronen zählen glücklicherweise zu den leichtesten Teilchen, sie sind viel leichter als Blei, Wlan-Kabel oder eine App: Ein Elektron wiegt 0,000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 9 (oder 9 x 10-31) Kilogramm.
Die 50-Kilobyte-E-Mail bringt es demnach auf ein Gewicht von 18-quadrillionstel Kilogramm. Doch bei einem täglichen Internet-Verkehr von geschätzten 40 Petabyte, also 40 x 1015 Byte (eine 4 mit 16 Nullen) ergibt sich Gewicht aller Informationen von 0,7 x 10 hoch 8 Kilogramm. Eingerechnet die Backup-Speicherleistung, die Geheimdienste erbringen, vervielfacht sich das Gewicht je nach Anzahl der beteiligten Staaten.
Der Inhalt des weltweiten Geschwätzes via Internet sowie sämtliche Liebesbriefe, ARD-Wahlanalysen, Ferien-Schnappschüsse, Videos, Musik-Files, Webseiten und Diskussiongruppen wiegen zusammengerechnet dennoch nur knapp mehr als nichts. John Kubiatowicz von der Berkeley Universität schätzt das gesamte Internetgewicht so viel wie eine Erdbeere - 50 Gramm, mehr nicht.
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Wie Väterchen Stalin die Welt veränderte
Es ist der Traum nicht nur der großen Diktatoren, die Welt nicht nur zu Lebzeiten zu verändern. Stalin hat es an der notwendigen Entschlossenheit dazu nie gemangelt. Der Russe I.A.Kuganow schätzt, dass zwischen 1917 und 1953 in der UDSSR rund 66 Millionen Menschen getötet wurden, um den Sozialismus aufzubauen. Stalin ließ sie erschießen, zu Tode foltern, verhungert, erfrieren oder arbeiten, bis sie mit der Schippe in der Hand umfielen.
Stalins Verteidiger bestehen darauf, dass die tatsächliche Zahl an Opfern sich nur auf 45 Millionen beläuft.
Nein, in beiden Fällen sind die 22 bis 30 Millionen Toten nicht berücksichtigt, die im 2.Weltkrieg ums Leben kamen.
Stalin schlief gut mit der Last des millionenfachen Mordes auf dem Gewissen. Er mordete für das Gute, es musste sein. Stalin hatte die Geschichte studiert und seine Lehren gezogen. Iwan der Schreckliche, sagte Stalin einmal zu seinem Genossen, dem Regisseur Sergej Eisenstein, sei nicht schrecklich gewesen, jedenfalls nicht schrecklich genug. Er habe Leute hinrichten lassen und anschließend stets lange Zeit damit verbracht, zu bereuen und zu beten. "Er ließ zu, dass Gott ihm in diesen Dingen im Weg stand", sagte Stalin, "er hätte noch viel entschlossener sein müssen".
Stalin war es, er drückte tiefe Furchen in die Geschichte, Furchen, die bis heute zu sehen sind. Dank seines Wirkens hat die russische Förderation heute rund 150 Millionen Einwohner, halb so viele Einwohner wie die USA, die niemals einen Stalin hatten. Ohne die vom Stalinismus angerichteten Verheerungen, unter Zugrundelegung normaler demographischer Entwicklungen, würde auch die Einwohnerzahl Russlands bei 300 Millionen liegen. 60 Jahre nach seinem Tod ist Stalin noch da. Ein Mann, der die Welt wirklich verändert hat.
Stalins Verteidiger bestehen darauf, dass die tatsächliche Zahl an Opfern sich nur auf 45 Millionen beläuft.
Nein, in beiden Fällen sind die 22 bis 30 Millionen Toten nicht berücksichtigt, die im 2.Weltkrieg ums Leben kamen.
Stalin schlief gut mit der Last des millionenfachen Mordes auf dem Gewissen. Er mordete für das Gute, es musste sein. Stalin hatte die Geschichte studiert und seine Lehren gezogen. Iwan der Schreckliche, sagte Stalin einmal zu seinem Genossen, dem Regisseur Sergej Eisenstein, sei nicht schrecklich gewesen, jedenfalls nicht schrecklich genug. Er habe Leute hinrichten lassen und anschließend stets lange Zeit damit verbracht, zu bereuen und zu beten. "Er ließ zu, dass Gott ihm in diesen Dingen im Weg stand", sagte Stalin, "er hätte noch viel entschlossener sein müssen".
Stalin war es, er drückte tiefe Furchen in die Geschichte, Furchen, die bis heute zu sehen sind. Dank seines Wirkens hat die russische Förderation heute rund 150 Millionen Einwohner, halb so viele Einwohner wie die USA, die niemals einen Stalin hatten. Ohne die vom Stalinismus angerichteten Verheerungen, unter Zugrundelegung normaler demographischer Entwicklungen, würde auch die Einwohnerzahl Russlands bei 300 Millionen liegen. 60 Jahre nach seinem Tod ist Stalin noch da. Ein Mann, der die Welt wirklich verändert hat.
Nach Protesten gegen Bestattung: SS-Priebke muss weiterleben
Nach der wegen massiver Proteste abgebrochenen Totenmesse für den verstorbenen NS-Verbrecher Erich Priebke im italienischen Albano Laziale und der Weigerung mehrere Länder und Städte, den ehemaligen SS-Offizier auf ihren Friedhöfen bestatten zu lassen, droht jetzt eine Wiederbelebung des gebürtigen Henningsdorfers, der es im 2. Weltkrieg bis zum Rang eines SS-Hauptsturmführers gebracht hatte. Momentan steht der Sarg mit den unsterblichen Überresten des nach Kriegsende im Franziskanerkloster Bozen untergetauchten Mittäters bei einer Geiselerschießung in den Ardeatinischen Höhlen herrenlos auf dem römischen Militärflughafen von Pratica di Mare herum. Immer wieder kommt es vor den Toren des Airports zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, die gegen die Beisetzung Priebkes protestierten, und Anhängern des Toten, die auf dessen vermeintlichem Recht bestehen, unter die Erde gebracht werden zu dürfen.
Nach tagelangem Streit, bei dem mehrere Demonstranten verletzt worden waren, haben auch die umstrittenen Piusbrüder, die dem im Alter von 100 Jahren gestorbenen NS-Kriegsverbrecher zuerst noch eine Trauerfeier ermöglicht hatten, dem Untoten nun wegen Spruchbändern mit der Aufschrift „Henker Priebke“ offenbar die Solidarität aufgekündigt.
Seit Priebkes Tod haben sein Geburtsort Hennigsdorf in Brandenburg, Bariloche in Argentinien, wo er bis 1994 unter seinem richtigen Namen unbehelligt gewohnt hatte, und Rom, wo er seinen Lebensabend im Gefängnis und im Hausarrest verbrachte, eine Bestattung abgelehnt. Wegen der Querelen um Bischofsresidenzen, Fuhrparkt und Vermögensüberwachung war die Kirche nicht dazu gekommen, auf eine nächstenliebe Lösung hinzumoderieren.
Sollte eine Wiederbelebung Priebkes nicht gelingen, rechnen Beobachter mit der sogenannten Diktatorenlösung: Der Leichnam Priebkes würde dann entweder in einen „beschwerten Sack“ mit einschlägigen Motiven (oben) gesteckt und bei Neumond ins Wasser des Arabischen Meeres verklappt oder unter der Schweinebrücke in Magdeburg verbrannt und anschließend unter anhaltenden Dementi auf einem ausländischen Kaminsims zwischengelagert.
Nach tagelangem Streit, bei dem mehrere Demonstranten verletzt worden waren, haben auch die umstrittenen Piusbrüder, die dem im Alter von 100 Jahren gestorbenen NS-Kriegsverbrecher zuerst noch eine Trauerfeier ermöglicht hatten, dem Untoten nun wegen Spruchbändern mit der Aufschrift „Henker Priebke“ offenbar die Solidarität aufgekündigt.
Seit Priebkes Tod haben sein Geburtsort Hennigsdorf in Brandenburg, Bariloche in Argentinien, wo er bis 1994 unter seinem richtigen Namen unbehelligt gewohnt hatte, und Rom, wo er seinen Lebensabend im Gefängnis und im Hausarrest verbrachte, eine Bestattung abgelehnt. Wegen der Querelen um Bischofsresidenzen, Fuhrparkt und Vermögensüberwachung war die Kirche nicht dazu gekommen, auf eine nächstenliebe Lösung hinzumoderieren.
Sollte eine Wiederbelebung Priebkes nicht gelingen, rechnen Beobachter mit der sogenannten Diktatorenlösung: Der Leichnam Priebkes würde dann entweder in einen „beschwerten Sack“ mit einschlägigen Motiven (oben) gesteckt und bei Neumond ins Wasser des Arabischen Meeres verklappt oder unter der Schweinebrücke in Magdeburg verbrannt und anschließend unter anhaltenden Dementi auf einem ausländischen Kaminsims zwischengelagert.
Mittwoch, 16. Oktober 2013
Banken - eine kurze Geschichte ihrer Schuld
Von all den „Blutsaugern“, die Farmer und Arbeiter schröpften, galten die Banken als die schlimmsten. Banken im Allgemeinen und die Second Bank der Vereinigten Staaten im besonderen wurden zum tragenden Symbol der kapitalistischen Entwicklung in den 30er Jahren und zum Hauptsündenbock für die diagnostizierten Missstände.
"Ein Teil des Kapitals für die industrielle Revolution Amerikas kam von Staats- und Kommunalregierungen, die Straßen, Kanäle und Schulen finanzierten, ein weiterer von ausländischen Investoren, die sich von der rasch wachsenden amerikanischen Wirtschaft höhere Renditen versprachen, als sie zu Hause erzielen konnten", schreibt James M. McPherson in seinem grandiosen Buch "Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges", "und wieder ein Teil stammt aus einbehaltenen Gewinnen amerikanischer Firmen."
Daneben aber entwickelten sich staatlich konzessionierte Banken zu einer wachsenden Kapitalquelle. Zwischen 1820 und 1840 verdreifachte sich deren Zahl, während ihre Aktiva sich im selben Zeitraum verfünffachten. Zwischen 1849 und 1860 verdoppelten sich Zahl und Aktiva der Banken dann abermals.
Banken, so hieß es bald, verursachten die „künstliche Ungleichheit des Wohlstandes, Massenarmut und Kriminalität, den Niedergang der allgemeinen Moral und viele andere Mißstände in der Gesellschaft“, wie es James Roger Sharp in seinem Buch "The New Nation in Crisis" ausdrückte. Die Tätigkeit der Geldhäuser, eben noch Vorbedingung für die wirtschaftliche Entwicklung der Nation, war zum ersten mal als Krisenauslöser, ja, als Ursache der Krise benannt worden.
Eine schöne Tradition seitdem. Immer wenn politisches Handeln an den Punkt gelangt, an dem die vermeintlich Regierenden sich eingestehen müssen, das ihr "Regieren" eher ein Reagieren auf wirtschaftliche Gegebenheiten ist, entdecken sie die überragende Verantwortung der Banken für den wirtschaftlichen Niedergang. Einfache Rechnung: Der Aufschwung entspringt aus dem verantwortlichen, weitsichtigen Wirken der Politik. Die Krise aber aus dem eigensüchtigen, verantwortungslosen Handeln von Bankern, in Momenten der gesellschaftlichen Aufwallung auch "Manager" oder "Spekulanten" genannt.
Ein durchsichtiges Manöver angesichts dessen, was McPherson schreibt. Ein stets funktionierendes Manöver jedoch, angesichts dessen, was die Masse treibt.
"Ein Teil des Kapitals für die industrielle Revolution Amerikas kam von Staats- und Kommunalregierungen, die Straßen, Kanäle und Schulen finanzierten, ein weiterer von ausländischen Investoren, die sich von der rasch wachsenden amerikanischen Wirtschaft höhere Renditen versprachen, als sie zu Hause erzielen konnten", schreibt James M. McPherson in seinem grandiosen Buch "Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges", "und wieder ein Teil stammt aus einbehaltenen Gewinnen amerikanischer Firmen."
Daneben aber entwickelten sich staatlich konzessionierte Banken zu einer wachsenden Kapitalquelle. Zwischen 1820 und 1840 verdreifachte sich deren Zahl, während ihre Aktiva sich im selben Zeitraum verfünffachten. Zwischen 1849 und 1860 verdoppelten sich Zahl und Aktiva der Banken dann abermals.
Banken, so hieß es bald, verursachten die „künstliche Ungleichheit des Wohlstandes, Massenarmut und Kriminalität, den Niedergang der allgemeinen Moral und viele andere Mißstände in der Gesellschaft“, wie es James Roger Sharp in seinem Buch "The New Nation in Crisis" ausdrückte. Die Tätigkeit der Geldhäuser, eben noch Vorbedingung für die wirtschaftliche Entwicklung der Nation, war zum ersten mal als Krisenauslöser, ja, als Ursache der Krise benannt worden.
Eine schöne Tradition seitdem. Immer wenn politisches Handeln an den Punkt gelangt, an dem die vermeintlich Regierenden sich eingestehen müssen, das ihr "Regieren" eher ein Reagieren auf wirtschaftliche Gegebenheiten ist, entdecken sie die überragende Verantwortung der Banken für den wirtschaftlichen Niedergang. Einfache Rechnung: Der Aufschwung entspringt aus dem verantwortlichen, weitsichtigen Wirken der Politik. Die Krise aber aus dem eigensüchtigen, verantwortungslosen Handeln von Bankern, in Momenten der gesellschaftlichen Aufwallung auch "Manager" oder "Spekulanten" genannt.
Ein durchsichtiges Manöver angesichts dessen, was McPherson schreibt. Ein stets funktionierendes Manöver jedoch, angesichts dessen, was die Masse treibt.
Geburtstagsparty für das Groß-Gemetzel
Drei oder vier Tage, die die Welt veränderten. Vor 200 Jahren traten bei Leipzig Preußen, Russland, Österreich und Schweden gegen Franzosen, Hessen und Holländer an - die Schlacht mit mehr als 100.000 Toten wurde zur blutigsten des 19. Jahrhunderts. Ihre Dimension, auf heutige Verhältnisse übertragen, zeigte eine Stadt, umgeben von mehr als einer Million Toten. Das ist mehr als der Kampf um Stalingrad an Leben kostete, mehr als die Schlacht um Moskau an Opfern forderte, mehr als der Sturm auf Berlin am Ende des II. Weltkrieges beide Seiten an Menschenleben gekostet hat.
In Leipzig wurde damals die Welt verändert. Der Wendepunkt der napoleonischen Kriege führte zum Ende der Bipolarität des Kontinent, auf dem mit Rußland und Frankreich nur noch zwei bedeutende Mächte agiert hatten. Die Völkerschlacht, aus der Preußen, Russen und Österreicher gestärkt hervorgingen, legte die Basis für die deutschen Eroberungssehnsüchte ein Jahrhundert später, sie machte aus der Führungsmacht Frankreich ein Land, das noch 200 Jahre später nur im Verbund mit anderen führen kann und sie verschob Rußland und Spanien endgültig an die Peripherie des Kontinents.
Das muss gefeiert werden! Leipzig hat ein großes Programm entworfen, das Begegnung der Religionen, Festakte und Ausstellungen mit historischen Biwaks in Originaluniformen und fetzig nachgestellten Schlachten zu Fuß und Pferd kombiniert. "Politische Begegnungen im Herzen Europas" (leipzig.de), die rund um den Jahrestag der Schlacht zu einem stimmungsvollen Spektakel mit Volksfestcharakter werden. Mehr als 6.000 Darsteller in Uniformen der napoleonischen Ära lassen am kommenden Sonntag die tödlichen Ereignisse der Oktobertage des Jahres 1813 "lebendig werden", wirbt Leipzig für seine Geburtstagsparty für das Groß-Gemetzel. Der MDR feiert mit: Temperamentvolle Live-Berichterstattung begleitet die Rückkehr des Massakers nach Markkleeberg, Liebertwolkwitz und weiteren Orten.
Und übernächstes Jahr dann zum 70. Wiegenfest: Die Schlacht um Berlin erleben - Geschichte live im Gebührenfunk.
In Leipzig wurde damals die Welt verändert. Der Wendepunkt der napoleonischen Kriege führte zum Ende der Bipolarität des Kontinent, auf dem mit Rußland und Frankreich nur noch zwei bedeutende Mächte agiert hatten. Die Völkerschlacht, aus der Preußen, Russen und Österreicher gestärkt hervorgingen, legte die Basis für die deutschen Eroberungssehnsüchte ein Jahrhundert später, sie machte aus der Führungsmacht Frankreich ein Land, das noch 200 Jahre später nur im Verbund mit anderen führen kann und sie verschob Rußland und Spanien endgültig an die Peripherie des Kontinents.
Das muss gefeiert werden! Leipzig hat ein großes Programm entworfen, das Begegnung der Religionen, Festakte und Ausstellungen mit historischen Biwaks in Originaluniformen und fetzig nachgestellten Schlachten zu Fuß und Pferd kombiniert. "Politische Begegnungen im Herzen Europas" (leipzig.de), die rund um den Jahrestag der Schlacht zu einem stimmungsvollen Spektakel mit Volksfestcharakter werden. Mehr als 6.000 Darsteller in Uniformen der napoleonischen Ära lassen am kommenden Sonntag die tödlichen Ereignisse der Oktobertage des Jahres 1813 "lebendig werden", wirbt Leipzig für seine Geburtstagsparty für das Groß-Gemetzel. Der MDR feiert mit: Temperamentvolle Live-Berichterstattung begleitet die Rückkehr des Massakers nach Markkleeberg, Liebertwolkwitz und weiteren Orten.
Und übernächstes Jahr dann zum 70. Wiegenfest: Die Schlacht um Berlin erleben - Geschichte live im Gebührenfunk.
Dienstag, 15. Oktober 2013
Gesänge fremder Völkerschaften: Der Klangschnupperer
Kleiner, einsamer Romantiker, verloren in einer Welt der Globalisierung, die Sängern mit Wanderklampfe, Gepäcksack und Schnabelschuh als Bühne Kneipen zuweist, in denen nicht einmal mehr geraucht werden darf. Thos Henley hat sich dennoch entschlossen, als fahrender Troubadour um die Welt zu ziehen, die Strinlocke verwegen im Gesicht, die Stimme irgendwo oberhalb von Klaus Nomi. Seit er England verlassen hat, tingelt er so rum, jeden Abend eine andere Stadt, jeden Abend ein Auftritt mit den Songs seines ersten Albums "In Hearing Taste".
"Aufgewachsen bin ich mit Genesis, David Bowie und Pink Floyd. Und dann hab ich irgendwann erkannt, dass die Beatles die einzige Band sind, die man wirklich hören muss, und ich bin der Popmusik verfallen. Ich wollte Paul McCartney sein. Paul ist mein Mann. Absolut", sagt er, der seine ersten Schritte als Solokünstler im kriselnden Griechenland ging und nun in Dresden lebt. Ein Mann, ein Bekenntnis zum ganzen Europa: "Ich liebe Europa. Ich finde so viel Romantik in Europas Geschichte, auch heute noch. Romantik bedeutet für mich, dass man ein Land durchquert, über eine Grenze geht, und plötzlich in einem anderen Land ist."
Widerstand gegen die Vereinheitlichungstsrategie der EU-Kommission, die den Romantik-Barden zu einem Fall für die ethnologische PPQ-Reihe Gesänge fremder Völkerschaften macht. Henley verkörpert den Gedanken der bleibenden Unterschiedlichkeit, die Idee von Liedern über das Alleinsein. Klein und dünn mit großen Augen ist der 25-Jährige der Gegenentwurf zum zwangsinternationalisierten Einkaufszentrum-Pop der Bruno Mars, David Guetta und Lady Gaga. Über die Maßen liebenswert, der Kerl.
Mehr Gesänge in der völkerkundlichen PPQ-Reihe:
Choreas Kinder singen deutsch
Die Einsamen allein
fremder Völkerschaften:
Mahdi im Elektroladen
Blasen in Oasen
Pogo in Polen
Hiphop in Halle
Tennessee auf Tschechisch
Singende Singles
Zehn Euro ohne Titten
"Aufgewachsen bin ich mit Genesis, David Bowie und Pink Floyd. Und dann hab ich irgendwann erkannt, dass die Beatles die einzige Band sind, die man wirklich hören muss, und ich bin der Popmusik verfallen. Ich wollte Paul McCartney sein. Paul ist mein Mann. Absolut", sagt er, der seine ersten Schritte als Solokünstler im kriselnden Griechenland ging und nun in Dresden lebt. Ein Mann, ein Bekenntnis zum ganzen Europa: "Ich liebe Europa. Ich finde so viel Romantik in Europas Geschichte, auch heute noch. Romantik bedeutet für mich, dass man ein Land durchquert, über eine Grenze geht, und plötzlich in einem anderen Land ist."
Widerstand gegen die Vereinheitlichungstsrategie der EU-Kommission, die den Romantik-Barden zu einem Fall für die ethnologische PPQ-Reihe Gesänge fremder Völkerschaften macht. Henley verkörpert den Gedanken der bleibenden Unterschiedlichkeit, die Idee von Liedern über das Alleinsein. Klein und dünn mit großen Augen ist der 25-Jährige der Gegenentwurf zum zwangsinternationalisierten Einkaufszentrum-Pop der Bruno Mars, David Guetta und Lady Gaga. Über die Maßen liebenswert, der Kerl.
Mehr Gesänge in der völkerkundlichen PPQ-Reihe:
Choreas Kinder singen deutsch
Die Einsamen allein
fremder Völkerschaften:
Mahdi im Elektroladen
Blasen in Oasen
Pogo in Polen
Hiphop in Halle
Tennessee auf Tschechisch
Singende Singles
Zehn Euro ohne Titten
Transgender-Sportler für Olympia
Mit den anstehenden Olympischen Spielen von Rio de Janeiro beginnt die strikte Geschlechtertrennung in der olympischen Bewegung zu fallen. Erstmals dürfen Transgender-Sportler, die sich nicht mit dem aus ihren Sexualorganen bestimmten Geschlecht identifizieren können, je nach ihrer bevorzugten Geschlechtsidentität an Wettkämpfen teilnehmen oder Toiletten und Ruheräume aufsuchen. Sportler, die nach ihren äußerlichen Geschlechtsmerkmalen Männer sind, sich aber als Frauen fühlen, dürfen also etwa beim Frauen-Sprint, in den weiblichen Rad- oder Mannschaftswettbewerben antreten.
Allgemein gilt, dass in allen sportlichen Aktivitäten, die bisher nach Geschlechtern getrennt durchgeführt wurden, dies für TG-Sportler nicht mehr gilt. Weltweit sind 600,2 Millionen Sportlerinnen, Sportler und SportlerInnen und deren Trainer von der Neuregelung betroffen.
"This bill would require that a pupil be permitted to participate in sex-segregated sports programs and activities, including athletic teams and competitions, and use facilities consistent with his or her gender identity, irrespective of the gender listed on the pupil’s records", begründete das Internationale Olympische Komitee die Reform, die noch vor der Torlinientechnik in der deutschen Bundesliga eingeführt wird. Bulgarische Kugelstoßerinnen seien traditionell mannlich, auch südafrikanische Sprinterinnen und kenianische Langstreckler hätten häufig kein bestimmtes Geschlecht. Mit der von den Reformern durchgesetzten Maßnahme soll das Hänseln und Demütigen von TG-Sportlern gemindert werden, die sich damit in den Wettbewerben wohler fühlen und damit auch bessere Leitungen bringen können sollen.
Kritiker lehnten die neue Vereinheitlichung ab. Vor allem wurde angeführt, dass damit die Privatsphäre von Sportlerinnen verletzt würde, die nicht mit Sportlern, die biologisch männlich sind bzw. aussehen, Duschräume und Umziehbereiche teilen wollen. Diese Konservativen haben Angst, dass vor allem Jungen beschließen könnten, plötzlich mal ein Mädchen zu sein. Es drohe eine neue Dominanz des Männlichen vor allem in den Lauf-, Schwimm- und Springwettbewerben. Es herrsche große Angst vor Sexualität, der man Tür und Tor öffnet, wenn die Geschlechtsidentität ins Schwimmen gerät2, kommentierten das die Verteidiger der Lösung. Diese Angst sei aber unbegründet.
Wenn lange etablierten Grenzen und Dichotomien, die für Geschlechterordnung sorgten und von Religionen und Traditionen, aber auch von Justiz und Medizin als Störung der Geschlechtsidentität sanktioniert wurden, eingerissen werden, führe dies sicher zu Verstörungen. Allerdings sei eine ähnliche Regel bereits in einigen Schuldistrikten wie Los Angeles oder San Franciso in Kraft, ohne dass es größere Probleme gegeben habe. "Vermutlich ist die jüngere Generation hier schon toleranter als die konservativen Alten, die durch solche Veränderungen beunruhigt werden und das Chaos fürchten, wenn Mann nicht mehr Mann und Frau nicht mehr Frau ist", heißt es bei Experten.
Ungelöst ist bislang noch die Geschlechtsordnung, wenn es um Toiletten geht. Bei Bau der Wettkampfstätten war das dritte geschlecht noch nicht vorgesehen, so gibt es nur Toiletten für Männer und für Frauen, neutral sind manchmal die Toiletten für Behinderte. TG-Sportler lehnen es jedoch ab, sich aufgrund ihrer Sonderbegabung als "behindert" auszugeben und diese Toiletten aufzusuchen. Hier will das Internationale Olympische Komitee noch nachregulieren.
Allgemein gilt, dass in allen sportlichen Aktivitäten, die bisher nach Geschlechtern getrennt durchgeführt wurden, dies für TG-Sportler nicht mehr gilt. Weltweit sind 600,2 Millionen Sportlerinnen, Sportler und SportlerInnen und deren Trainer von der Neuregelung betroffen.
"This bill would require that a pupil be permitted to participate in sex-segregated sports programs and activities, including athletic teams and competitions, and use facilities consistent with his or her gender identity, irrespective of the gender listed on the pupil’s records", begründete das Internationale Olympische Komitee die Reform, die noch vor der Torlinientechnik in der deutschen Bundesliga eingeführt wird. Bulgarische Kugelstoßerinnen seien traditionell mannlich, auch südafrikanische Sprinterinnen und kenianische Langstreckler hätten häufig kein bestimmtes Geschlecht. Mit der von den Reformern durchgesetzten Maßnahme soll das Hänseln und Demütigen von TG-Sportlern gemindert werden, die sich damit in den Wettbewerben wohler fühlen und damit auch bessere Leitungen bringen können sollen.
Kritiker lehnten die neue Vereinheitlichung ab. Vor allem wurde angeführt, dass damit die Privatsphäre von Sportlerinnen verletzt würde, die nicht mit Sportlern, die biologisch männlich sind bzw. aussehen, Duschräume und Umziehbereiche teilen wollen. Diese Konservativen haben Angst, dass vor allem Jungen beschließen könnten, plötzlich mal ein Mädchen zu sein. Es drohe eine neue Dominanz des Männlichen vor allem in den Lauf-, Schwimm- und Springwettbewerben. Es herrsche große Angst vor Sexualität, der man Tür und Tor öffnet, wenn die Geschlechtsidentität ins Schwimmen gerät2, kommentierten das die Verteidiger der Lösung. Diese Angst sei aber unbegründet.
Wenn lange etablierten Grenzen und Dichotomien, die für Geschlechterordnung sorgten und von Religionen und Traditionen, aber auch von Justiz und Medizin als Störung der Geschlechtsidentität sanktioniert wurden, eingerissen werden, führe dies sicher zu Verstörungen. Allerdings sei eine ähnliche Regel bereits in einigen Schuldistrikten wie Los Angeles oder San Franciso in Kraft, ohne dass es größere Probleme gegeben habe. "Vermutlich ist die jüngere Generation hier schon toleranter als die konservativen Alten, die durch solche Veränderungen beunruhigt werden und das Chaos fürchten, wenn Mann nicht mehr Mann und Frau nicht mehr Frau ist", heißt es bei Experten.
Ungelöst ist bislang noch die Geschlechtsordnung, wenn es um Toiletten geht. Bei Bau der Wettkampfstätten war das dritte geschlecht noch nicht vorgesehen, so gibt es nur Toiletten für Männer und für Frauen, neutral sind manchmal die Toiletten für Behinderte. TG-Sportler lehnen es jedoch ab, sich aufgrund ihrer Sonderbegabung als "behindert" auszugeben und diese Toiletten aufzusuchen. Hier will das Internationale Olympische Komitee noch nachregulieren.
Montag, 14. Oktober 2013
Der Führer als Klimaforscher
"Man mag die Durchschnittstemperatur unter Zuhilfenahme eines Mittels einer großen Reihe von Jahren errechnen, aber man muss dann doch auch dazu vermerken, es kann auch mal ein Jahr kommen, in dem die Temperaturschwankungen weitaus größer sind, als das errechnete Mittel annehmen lässt."
Erste Ergebnisse frühkindlicher Förderung
Der Untergang des Abendlandes, lange nur ein Spruch aus einer philosophischen Werbeagentur, er kommt nun doch langsam in die Gänge. In Deutschland etwa sind derzeit nach neuen Zahlen 7,5 Millionen Erwachsene Analphabeten. Das entspricht einer Quote von 14,5 Prozent. Erklärt also überhaupt nicht, warum das Bundesministerium für Bildung und Forschung zuletzt mit Plakaten voller Schrift dafür warb, Lesen und Schreiben zu lernen.
Allerdings ist Deutschland nicht allein. Nach Angaben der OECD-Studie liegt die Zahl der Analphabeten in zwei von drei Industriestaaten höher als 15 Prozent. Erstaunlich ist das nicht, zeigt sich doch hier die führende Rolle der Dummheit bei der Ausbildung von Lese- und Schreibfähigkeiten.
Erstaunlich aber wird es, vergleicht man die Zahlen mit denen, die 1850 in den amerikanischen Neuengland-Staaten erreicht wurden. Über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung konnten dort vor 162 Jahren Lesen und Schreiben. Die übrigen Gebiete im Norden waren nicht sehr viel schlechter und selbst die agrarisch geprägten Südstaaten, in denen Kinder meist nur drei Monate im Jahr zur Schule gingen, hatten nur eine Analphabetenrate, die mit 20 Prozent nicht einmal ein Viertel höher lag als heute in Deutschland.
Was ist seitdem passiert? Sind das die Ergebnisse von frühkindlicher Förderung, Milliardenausgaben für Bildung und fortschreitender Inklusion? Zwar glaubt der lesekundige Hellmuth Karasek fest daran, dass "die Digitalisierung nicht etwa zu mehr Analphabetismus geführt hat, wie das schon beim Fernsehen befürchtet wurde, sondern im Gegenteil: Du musst die Schrift und die Sprache beherrschen, um damit umgehen zu können". Doch die Zahlen widersprechen ihm. Trotz vervielfachter Anstrengungen und Aufwendungen des Staates, um einen größeren Teil des zur Verfügung stehenden Arbeitskräftereservoirs für komplexere Arbeitsaufgaben tauglich zu machen, scheitert inzwischen jeder sechste Erwachsene an der Aufgabe, verstehend zu lesen.
Allerdings ist Deutschland nicht allein. Nach Angaben der OECD-Studie liegt die Zahl der Analphabeten in zwei von drei Industriestaaten höher als 15 Prozent. Erstaunlich ist das nicht, zeigt sich doch hier die führende Rolle der Dummheit bei der Ausbildung von Lese- und Schreibfähigkeiten.
Erstaunlich aber wird es, vergleicht man die Zahlen mit denen, die 1850 in den amerikanischen Neuengland-Staaten erreicht wurden. Über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung konnten dort vor 162 Jahren Lesen und Schreiben. Die übrigen Gebiete im Norden waren nicht sehr viel schlechter und selbst die agrarisch geprägten Südstaaten, in denen Kinder meist nur drei Monate im Jahr zur Schule gingen, hatten nur eine Analphabetenrate, die mit 20 Prozent nicht einmal ein Viertel höher lag als heute in Deutschland.
Was ist seitdem passiert? Sind das die Ergebnisse von frühkindlicher Förderung, Milliardenausgaben für Bildung und fortschreitender Inklusion? Zwar glaubt der lesekundige Hellmuth Karasek fest daran, dass "die Digitalisierung nicht etwa zu mehr Analphabetismus geführt hat, wie das schon beim Fernsehen befürchtet wurde, sondern im Gegenteil: Du musst die Schrift und die Sprache beherrschen, um damit umgehen zu können". Doch die Zahlen widersprechen ihm. Trotz vervielfachter Anstrengungen und Aufwendungen des Staates, um einen größeren Teil des zur Verfügung stehenden Arbeitskräftereservoirs für komplexere Arbeitsaufgaben tauglich zu machen, scheitert inzwischen jeder sechste Erwachsene an der Aufgabe, verstehend zu lesen.
Sonntag, 13. Oktober 2013
Gesänge fremder Völkerschaften: Im Schatten der sterbenden Staatstheater
Echter Underground tut sich schwer mit Veröffentlichungen. Mit einer EP in 14 Jahren ist die Band Return To Peeze, gegründet direkt an der Straße der Gewalt, somit ein Aushängeschild des untersten Untergrunds: Die Musik des Quartetts ist voller großer Gesten, die Zahl der veröffentlichten Studioalben liegt bei null.
So wird es schwer mit dem Ruhm, auch wenn die Songs der Band in der Tradition der frühen U2 die ganz große Pose suchen. Die drei Bandmitglieder, die sich Kretze, Rappsen, Nose und Pademmer nennen, verweigern trotzig den Brückenschlag zum Mainstream. Was an Melodien da ist, machen sie gern kaputt, was an Harmonie ausbaufähig wäre, zerstört eine gezielte Unachtsamkeit an Gitarre, Bass oder Schlagzeug.
Im Zuge des allgemeinen Kulturabbaus, den eine große Koalition im kleinen Magdeburg mit Energie vorantreibt, wachsen die kleinen Pflänzchen des Pop, die im Osten noch sprießen, im Schatten der sterbenden Staatstheater. Gäbe es nicht gelegentlich bizarre Casting-Veranstaltungen wie Stefan Raabs Regressionsabend "Song Contest", spielten Bands wie Return To Peeze ihre Musik unter vollkommenem Ausschluss der Medien-Öffentlichkeit.
Es scheint die Aktiven nicht zu stören, sie orgeln ihre wuchtigen Songmonumente vor vier gleichgültigen Zufallszuhörern mit derselben Emphase wie vor tausend begeisterten Fans. Ein Album soll irgendwann erscheinen. Sie arbeiten jetzt seit drei Jahren daran.
So wird es schwer mit dem Ruhm, auch wenn die Songs der Band in der Tradition der frühen U2 die ganz große Pose suchen. Die drei Bandmitglieder, die sich Kretze, Rappsen, Nose und Pademmer nennen, verweigern trotzig den Brückenschlag zum Mainstream. Was an Melodien da ist, machen sie gern kaputt, was an Harmonie ausbaufähig wäre, zerstört eine gezielte Unachtsamkeit an Gitarre, Bass oder Schlagzeug.
Im Zuge des allgemeinen Kulturabbaus, den eine große Koalition im kleinen Magdeburg mit Energie vorantreibt, wachsen die kleinen Pflänzchen des Pop, die im Osten noch sprießen, im Schatten der sterbenden Staatstheater. Gäbe es nicht gelegentlich bizarre Casting-Veranstaltungen wie Stefan Raabs Regressionsabend "Song Contest", spielten Bands wie Return To Peeze ihre Musik unter vollkommenem Ausschluss der Medien-Öffentlichkeit.
Es scheint die Aktiven nicht zu stören, sie orgeln ihre wuchtigen Songmonumente vor vier gleichgültigen Zufallszuhörern mit derselben Emphase wie vor tausend begeisterten Fans. Ein Album soll irgendwann erscheinen. Sie arbeiten jetzt seit drei Jahren daran.
Doku Deutschland: Kleinkrieg am Scheibenschlitz
Was ich hier draußen jeden Tag erlebe, ist Krieg, richtiger Krieg. Da geht es um Profit, um Gewinn, darum, beim Chef besser dazustehen. Du drehst Dich um, und schon hat Dir einer die Arbeit kaputtgemacht. Nicht weil er denkt, dass er dadurch selbst einen besseren Schnitt macht. Das ist es nicht. es geht nur darum, dem anderen, den Konkurrenten, alles zu versauen.
Als ich anfing, war das alles noch anders. Damals hatten wir noch polnische Auftraggeber, auch aus der Ukraine kamen Leute, die etwas vom Geschäft verstanden und anständig bezahlt haben. Es ging darum, die Leute bei der Hand zu nehmen und sie mit der Nase auf ihre Chancen zu stubsen, ganz vorsichtig. Du, mein Lieber, dein altes Auto, das ist doch noch richtig was wert! Wir hatten diese bunten Visitenkarten, anständig Zahlen drauf, unwiderstehliche Angebote. Das lief. Bin ich einen halben Tag über so einen Riesenparkplatz an einem Einkaufszentrum getigert, riefen danach bestimmt drei, vier Leute bei Pawel an, das war damals mein Chef.
Pawel ist nach Hannover weiter, als die Polen den Import von älteren Autos verboten haben. Es wurde ihm alles zu umständlich, kann ich auch verstehen. Jedes aufgekaufte Auto musste vor der Grenze mühsam auseinandergebaut werden, dann ging es als Ersatzteillieferung rüber, und hinter der Grenze wurde es wieder zusammengesetzt. Das frisst natürlich an den Renditen.
Ich habe ja mal BWL studiert, Ökonomie hieß das damals noch, SozÖk um genauer zu sein. Ich weiß, wovon ich rede. In Hannover hat Pawel einen Platz aufgemacht, da kauft er auf und vertickt an die Schwarzafrikaner. Die bringen die Karren nach Hamburg und dann gehts per Schiff nach Senegal, Elfenbeiküste, Obervolta. Da ist noch Geld zu machen, mehr jedenfalls als auf unserer Seite hier. Hie rfressen sich alle gegenseitig die Haare vom Kopf: Stecke ich meine Karten auf seinem Großparkplatz eine Runde rum überall rein, bin ich heute noch nicht ganz durch, da hat einer meiner sogenannten Kollegen schon die Hälfte wieder rausgezogen, auf die Erde geschmissen und seine eigenen platziert.
Es ist manchmal zum Verzweifeln. Morgens ziehe ich mit 1000 oder 2000 Kärtchen los, habe ich die ausgeteilt, bringt das aller Erfahrung nach vier bis sechs Anrufe von Leuten, die ihre alten Autos loswerden wollen. Nun rechnen Sie ruhig mal mit: Klemmt mir einer die Hälfte der Karten, rufen auch nur noch halb so viel Leute an. Dann fällt meine Provsion so dünn aus, dass ich nur die Pauschale habe. 40 Euro am Tag. Ich bitte Sie!
Als BWLer kann ich Ihnen das alles erklären. Die Arbeit ist leicht, man braucht ja nichts weiter als ein gutes Auge für Autos, die nicht mehr ganz neu sind. Und dann flinke Füße, um schnell rumzukommen. Das würden viele gern machen, auch wenn das Verteilen bei Regen und Kälte manchmal kein reiner Spaß ist. das sehen die Neuen natürlich nicht, wenn sie anfangen. Die sehen nur das schnelle Geld, leicht gemacht.
Als Aufkäufer findest du also immer Typen, die als Zettelstecker gehen wollen, auch für viel weniger Geld als wir früher bekommen haben. Die Aufkaufplätze in unserer Ecke gehören ja inzwischen alle Kurden und Schwarzafrikanern, die Polen und Ukrainer sind weg, kaum einer arbeitet noch im Ostexport. Damit ist eine ganz neue Mentalität in die Szene gekommen - ich habe schon von Kollegen gehört, die sind angegriffen worden, weil sie angeblich im "Revier" irgendeines Ali gesteckt haben.
Dass ich nicht lache. Revier. Wir sind ein freies Land, sage ich immer, da respektiert man auch die Zettel der anderen. Zumindest war das früher so. Heute, das muss ich zugeben, zerre ich auch aus dem Scheibenschlitz, was irgendwelche anderen da reingestopft haben. Tut mir leid, ich kann mir den Luxus der Toleranz nicht mehr leisten. Es geht ums Überleben, jeden Tag. Und nun muss ich wieder los.
Mehr Doku, mehr Deutschland:
In Beifallsstürmen
In der Markttransspaernz-Zentrale
Copy and Waste
Der vierte Mann der NSU
Mein Leben als Escort
Ich, der Umweltbotschafter
Grass endlich geehrt
Beim letzten deutschen Autofahrer
Bekenntnisse eines Blitzkriegers
Wahrheit ist flexibel
Ein Land aus Pfand
Sorgen auf der Sonnenbank
Rock an der Rütlischule
Schwimmen mit Sirenen
Hausbuchführer im Widerstand
Ich dagegen bin dafür
Der Marcellator der Herzen
Die Stimme des Bauchtrainers
Am Tresen verhaftet
Als ich anfing, war das alles noch anders. Damals hatten wir noch polnische Auftraggeber, auch aus der Ukraine kamen Leute, die etwas vom Geschäft verstanden und anständig bezahlt haben. Es ging darum, die Leute bei der Hand zu nehmen und sie mit der Nase auf ihre Chancen zu stubsen, ganz vorsichtig. Du, mein Lieber, dein altes Auto, das ist doch noch richtig was wert! Wir hatten diese bunten Visitenkarten, anständig Zahlen drauf, unwiderstehliche Angebote. Das lief. Bin ich einen halben Tag über so einen Riesenparkplatz an einem Einkaufszentrum getigert, riefen danach bestimmt drei, vier Leute bei Pawel an, das war damals mein Chef.
Pawel ist nach Hannover weiter, als die Polen den Import von älteren Autos verboten haben. Es wurde ihm alles zu umständlich, kann ich auch verstehen. Jedes aufgekaufte Auto musste vor der Grenze mühsam auseinandergebaut werden, dann ging es als Ersatzteillieferung rüber, und hinter der Grenze wurde es wieder zusammengesetzt. Das frisst natürlich an den Renditen.
Ich habe ja mal BWL studiert, Ökonomie hieß das damals noch, SozÖk um genauer zu sein. Ich weiß, wovon ich rede. In Hannover hat Pawel einen Platz aufgemacht, da kauft er auf und vertickt an die Schwarzafrikaner. Die bringen die Karren nach Hamburg und dann gehts per Schiff nach Senegal, Elfenbeiküste, Obervolta. Da ist noch Geld zu machen, mehr jedenfalls als auf unserer Seite hier. Hie rfressen sich alle gegenseitig die Haare vom Kopf: Stecke ich meine Karten auf seinem Großparkplatz eine Runde rum überall rein, bin ich heute noch nicht ganz durch, da hat einer meiner sogenannten Kollegen schon die Hälfte wieder rausgezogen, auf die Erde geschmissen und seine eigenen platziert.
Es ist manchmal zum Verzweifeln. Morgens ziehe ich mit 1000 oder 2000 Kärtchen los, habe ich die ausgeteilt, bringt das aller Erfahrung nach vier bis sechs Anrufe von Leuten, die ihre alten Autos loswerden wollen. Nun rechnen Sie ruhig mal mit: Klemmt mir einer die Hälfte der Karten, rufen auch nur noch halb so viel Leute an. Dann fällt meine Provsion so dünn aus, dass ich nur die Pauschale habe. 40 Euro am Tag. Ich bitte Sie!
Als BWLer kann ich Ihnen das alles erklären. Die Arbeit ist leicht, man braucht ja nichts weiter als ein gutes Auge für Autos, die nicht mehr ganz neu sind. Und dann flinke Füße, um schnell rumzukommen. Das würden viele gern machen, auch wenn das Verteilen bei Regen und Kälte manchmal kein reiner Spaß ist. das sehen die Neuen natürlich nicht, wenn sie anfangen. Die sehen nur das schnelle Geld, leicht gemacht.
Als Aufkäufer findest du also immer Typen, die als Zettelstecker gehen wollen, auch für viel weniger Geld als wir früher bekommen haben. Die Aufkaufplätze in unserer Ecke gehören ja inzwischen alle Kurden und Schwarzafrikanern, die Polen und Ukrainer sind weg, kaum einer arbeitet noch im Ostexport. Damit ist eine ganz neue Mentalität in die Szene gekommen - ich habe schon von Kollegen gehört, die sind angegriffen worden, weil sie angeblich im "Revier" irgendeines Ali gesteckt haben.
Dass ich nicht lache. Revier. Wir sind ein freies Land, sage ich immer, da respektiert man auch die Zettel der anderen. Zumindest war das früher so. Heute, das muss ich zugeben, zerre ich auch aus dem Scheibenschlitz, was irgendwelche anderen da reingestopft haben. Tut mir leid, ich kann mir den Luxus der Toleranz nicht mehr leisten. Es geht ums Überleben, jeden Tag. Und nun muss ich wieder los.
Mehr Doku, mehr Deutschland:
In Beifallsstürmen
In der Markttransspaernz-Zentrale
Copy and Waste
Der vierte Mann der NSU
Mein Leben als Escort
Ich, der Umweltbotschafter
Grass endlich geehrt
Beim letzten deutschen Autofahrer
Bekenntnisse eines Blitzkriegers
Wahrheit ist flexibel
Ein Land aus Pfand
Sorgen auf der Sonnenbank
Rock an der Rütlischule
Schwimmen mit Sirenen
Hausbuchführer im Widerstand
Ich dagegen bin dafür
Der Marcellator der Herzen
Die Stimme des Bauchtrainers
Am Tresen verhaftet
Samstag, 12. Oktober 2013
Schnecken am Hang
"Du kannst die Fenster offen lassen", heißt es in "Mutatio", einem Oldie der Cottbusser Bigband Sandow, geschrieben in einer Zeit, als Boris und Akardi Strugazki noch lebten, allenthalben aber nicht verstanden werden durften. "Die zweite Invasion der Marsianer" hatten sie früh beschrieben und theoretisch in ihren Auswirkungen ergründet, die erste Invasion des Westens aber erwarteten auch die beiden Leningrader nicht. Klar war, dass die grundsätzliche Mühsal des menschlichen Lebens ebenso systemunabhängig ist wie der Versuch zum Scheitern verurteilt, einen tieferen Sinn im Tappern durch die Zone zu erkennen, als die der Regisseur Andrej Tarkowski den Platz bekannt gemacht hatte, den die Brüder in ihrem Buch "Picknick am Wegesrand" beschrieben hatten.
Der Mensch, eine "Schnecke am Hang", geboren, um durch "Schleusen ohne Wasser" in den "Raum aller Dinge" zu treiben, wie Sandow-Dichter Kai-Uwe Kohlschmidt die Landschaften beschrieb, die die Strugatzkis jenseits dessen fanden, was als wirkliche Welt im Fernsehen läuft. Die Strugatzkis, so meinten ihre Leser oft, wussten im Grunde genommen meist nicht, was sie schrieben und warum, es war an ihrem Publikum, die verrätselten, verschrobenen, langatmigen Erörterungen aufzulösen. Die Sandow-Version von "Mutatio" verhält sich so gesehen zur anlässlich des 22. Todestages von Boris Strugatzki oben reanimierten Coverversion von Allfarbe wie der "Stalker"-Film zum Buch "Picknick am Wegesreand". Schlagartig wird klar, was gemeint ist.
Der Mensch, eine "Schnecke am Hang", geboren, um durch "Schleusen ohne Wasser" in den "Raum aller Dinge" zu treiben, wie Sandow-Dichter Kai-Uwe Kohlschmidt die Landschaften beschrieb, die die Strugatzkis jenseits dessen fanden, was als wirkliche Welt im Fernsehen läuft. Die Strugatzkis, so meinten ihre Leser oft, wussten im Grunde genommen meist nicht, was sie schrieben und warum, es war an ihrem Publikum, die verrätselten, verschrobenen, langatmigen Erörterungen aufzulösen. Die Sandow-Version von "Mutatio" verhält sich so gesehen zur anlässlich des 22. Todestages von Boris Strugatzki oben reanimierten Coverversion von Allfarbe wie der "Stalker"-Film zum Buch "Picknick am Wegesreand". Schlagartig wird klar, was gemeint ist.
Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln
Der Start eines neuen großen Webportals, von dem Insider seit Monaten wispern, sollte in diesen bewegten Tagen starten, nun aber muss er ausfallen. Die Geschichte dieses Scheiterns aber ist ein Lehrstück, eine Geschichte, die davon erzählt, wie ein überreguliertes, von Amtsgerichten regiertes und in Paragrafen eingepferchtes Land unternehmerische Initiative und gesellschaftliche Innovation ausbremst und erstickt. Dabei war die Idee so simpel: Eine Datenbank sollte, ganz im Sinne des vielbeschworenen Socialweb 2.0, von ihren Nutzern gefüllt werden - nicht mit schnöden Waren wie bei Ebay und nicht mit komischen Kommmentaren wie bei facebook.com.
Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.
Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.
Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, ist blockiert. Von einem Düsseldorfer Privatmann, der sie nicht nutzt. Damit werden echte Initiative von unten ausgebremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist ja noch frei.
Noch mehr Innovative Geschäftsideen, die wir auch gern gehabt hätten
Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.
Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.
Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, ist blockiert. Von einem Düsseldorfer Privatmann, der sie nicht nutzt. Damit werden echte Initiative von unten ausgebremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist ja noch frei.
Noch mehr Innovative Geschäftsideen, die wir auch gern gehabt hätten
Freitag, 11. Oktober 2013
Das Komma-Lager ist leer
„Leben lassen kann man nicht hängen“ ist ein Klassiker, in dem ein Federstrich über Leben und Tod entscheidet. Bei „Leben lassen, kann man nicht hängen“, geht alles glücklich aus. Bei „Leben lassen kann man nicht, hängen“ ist in Bälde ein Sarg zu bestellen. Das Komma als lebenserhaltende Maßnahme oder als Mordgehilfe. Wo steht es richtig, wo darf es nicht fehlen? Nun, diese Frage stellt sich kaum noch, seit die Kommata wie zuvor schon der Verbindungsbindestrich von einer Kamarilla aus Halbhirnen und studierten Legasthenikern mit einer Nichtachtung gestraft wird, die an ein Kuba-Embargo grenzt.
Eine ganze Gesellschaft macht mit. „Lesen was blöd macht“ empfiehlt die „Apotheken Umschau“, die dem zunehmenden Renditezwang im Mediengeschäft konsequenterweise auch den verbindenen Strich im Namen geopfert hat. „Wir kriegen nur wofür wir kämpfen“, krawalliert eine offenkundig rechtschreibschwache autonome Linke. Ist es ein Offenbarungseid? „Wir kriegen nur, wofür wir kämpfen“? Oder eine abgeschnittene Frage: „Wir kriegen, nur wofür wir kämpfen“ sollen ist uns noch nicht klar?
Der Bertelsmann-Club, ein großartiges Unternehmen, das viele Jahre tolle Geschäfte damit machte, seine Bücher nicht an jedermann zu verkaufen, legt nach. Im Zuge der eigenen Pleite, die spät, aber angesichts des Geschäftsmodelles zumindest für Außenstehende nicht ganz unerwartet kam, plakatierte die hochintellektuelle Buchhandelstruppe den Satz "Zugreifen solang der Vorrat reicht". Entweder, das Komma-Lager war schon leer. Oder die gerissenen Geschäftsleute dachten einfach: “Was soll’s, wer bei uns kauft ist eh´ so dämlich, der merkt das ohnehin nicht.”
Eine ganze Gesellschaft macht mit. „Lesen was blöd macht“ empfiehlt die „Apotheken Umschau“, die dem zunehmenden Renditezwang im Mediengeschäft konsequenterweise auch den verbindenen Strich im Namen geopfert hat. „Wir kriegen nur wofür wir kämpfen“, krawalliert eine offenkundig rechtschreibschwache autonome Linke. Ist es ein Offenbarungseid? „Wir kriegen nur, wofür wir kämpfen“? Oder eine abgeschnittene Frage: „Wir kriegen, nur wofür wir kämpfen“ sollen ist uns noch nicht klar?
Der Bertelsmann-Club, ein großartiges Unternehmen, das viele Jahre tolle Geschäfte damit machte, seine Bücher nicht an jedermann zu verkaufen, legt nach. Im Zuge der eigenen Pleite, die spät, aber angesichts des Geschäftsmodelles zumindest für Außenstehende nicht ganz unerwartet kam, plakatierte die hochintellektuelle Buchhandelstruppe den Satz "Zugreifen solang der Vorrat reicht". Entweder, das Komma-Lager war schon leer. Oder die gerissenen Geschäftsleute dachten einfach: “Was soll’s, wer bei uns kauft ist eh´ so dämlich, der merkt das ohnehin nicht.”
Die Kybernetiker: Merkel und die Macht
Kybernetik, das war einst eine Zauberwissenschaft, die versprach, die Welt regelbar zu machen. Im Osten eben noch als Pseudo-Wissenschaft verhöhnt, nahm der Siegeszug der neuen Wissenssparte, die der US-Mathematiker Norbert Wiener im 2. Weltkrieg begründet hatte, im Reich des Kommunismus erst richtig Fahrt auf. Die DDR gründete ein Zentralinstitut für Kybernetik, die Sowjetunion schickte sich an, kybernetische Geräte ins All zu schicken. Was eigentlich der Kommunikation und Steuerung in maschinellen oder elektronischen Systemen dienen sollte, wurde zur Gesellschaftswissenschaft: Nicht mehr nur sollten Staudämme gegen Hochwasser und elektrische Alarmtüren gegen Brände helfen, sondern Kindergeld gegen Kindermangel, höhere Prämien gegen niedrige Leistungen und höhere Ziele gegen nachlassende Anstrengungen beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft.
»Systemtheoretische Betrachtungen zur Optimierung des Regierens. Studie zur Regierungsstruktur im kybernetischen System der Gesellschaft«, nannte Manfred von Ardenne ein Dokument, in dem er Grundzüge einer neuen Art des Regierens darlegte. Der Staat wird zum Instrument der Regierung, die ihn nutzt, um Weichen so zu stellen, dass Bürger nur in die richtige Richtung fahren können. Regieren als gesellschaftliches Experiment, der Kabinettssaal ein Leitstand mit tausenden von Regelkreisen. Zur Bekämpfung von Büchsenleergut erhöht man das Dosenpfand. Zur Erzielung erwünschter Nachwuchszahlen werden „156 familienwirksame Leistungen“ (dpa) beschlossen. Den Umstieg in die Ökogesellschaft erleichtern Verbote, die Geisteshaltung dahinter verrät der in der Politik längst übliche Sprachgebrauch vom „Nachjustieren“ und „Regeln“.
Es geht stets darum, etwas Erwünschtes zu erzielen und Unerwünschtes zu unterdrücken. Kybernetische Schaltkaskaden klacken, Angela Merkel, von Hause aus Physikerin und aufgewachsen in den Jahrzehnten der Euphorie über das vermeintlich regelbar gewordene menschliche Zusammenleben, ist - egal, in welcher politischen Koalition - die passende Kanzlerin für Zeiten, in denen ein mechanistisches Gesellschaftsbild aus der Aschetonne der Geschichte aufersteht. Die Krisenfolgen werden "abgefedert", Bankenpleiten abgewendet, es findet sich ein Regelknopf für die Arbeitslosigkeit und ein Regelrad für die Vorsorge für einbrechende Absatzzahlen der Autohersteller. Zinsen können sein, wo sie sollen, denn der Preis des Geldes scheint ebenso dimmbar wie es einst ein jedes hydraulisches System war.
Der Preis dafür liegt auf der Hand. Längst ist die Gesellschaft viel zu komplex, den einfachen Ja/Nein-Befehlen ihrer Führer zu folgen. Längst steht jeder Wirkung einer neuen Drehung an Kinderzuschüssen, Sozialbeilagen oder Dämmvorschriften eine Gegenwirkung entgegen, die das ursprünglich Gewollte konterkariert. Subventioniert man Ökostrom, wird das Abzapfen der Subventionen zum Massenphänomen. Lobt man Betreuungsgeld aus, wird ohne Geld nicht mehr betreut. Erhöht man die Tabaksteuer fortlaufend, sinken die Tabaksteuereinnahmen durch private Importe.
Das kybernetische System Gesellschaft ist selbst für hochmoderne Rechenanlagen zu kompliziert. Es ist unmöglich, alle Ausweichbewegungen mitzudenken, alle Umgehungstatbestände zu vermeiden - und dennoch pflegt die Politik den Gedanken an den regelbaren Verbraucher, den lenkbaren Wähler, den Bürger, der funktioniert wie ein Automat.
Die Ohnmacht der Allmächtigen
»Systemtheoretische Betrachtungen zur Optimierung des Regierens. Studie zur Regierungsstruktur im kybernetischen System der Gesellschaft«, nannte Manfred von Ardenne ein Dokument, in dem er Grundzüge einer neuen Art des Regierens darlegte. Der Staat wird zum Instrument der Regierung, die ihn nutzt, um Weichen so zu stellen, dass Bürger nur in die richtige Richtung fahren können. Regieren als gesellschaftliches Experiment, der Kabinettssaal ein Leitstand mit tausenden von Regelkreisen. Zur Bekämpfung von Büchsenleergut erhöht man das Dosenpfand. Zur Erzielung erwünschter Nachwuchszahlen werden „156 familienwirksame Leistungen“ (dpa) beschlossen. Den Umstieg in die Ökogesellschaft erleichtern Verbote, die Geisteshaltung dahinter verrät der in der Politik längst übliche Sprachgebrauch vom „Nachjustieren“ und „Regeln“.
Es geht stets darum, etwas Erwünschtes zu erzielen und Unerwünschtes zu unterdrücken. Kybernetische Schaltkaskaden klacken, Angela Merkel, von Hause aus Physikerin und aufgewachsen in den Jahrzehnten der Euphorie über das vermeintlich regelbar gewordene menschliche Zusammenleben, ist - egal, in welcher politischen Koalition - die passende Kanzlerin für Zeiten, in denen ein mechanistisches Gesellschaftsbild aus der Aschetonne der Geschichte aufersteht. Die Krisenfolgen werden "abgefedert", Bankenpleiten abgewendet, es findet sich ein Regelknopf für die Arbeitslosigkeit und ein Regelrad für die Vorsorge für einbrechende Absatzzahlen der Autohersteller. Zinsen können sein, wo sie sollen, denn der Preis des Geldes scheint ebenso dimmbar wie es einst ein jedes hydraulisches System war.
Der Preis dafür liegt auf der Hand. Längst ist die Gesellschaft viel zu komplex, den einfachen Ja/Nein-Befehlen ihrer Führer zu folgen. Längst steht jeder Wirkung einer neuen Drehung an Kinderzuschüssen, Sozialbeilagen oder Dämmvorschriften eine Gegenwirkung entgegen, die das ursprünglich Gewollte konterkariert. Subventioniert man Ökostrom, wird das Abzapfen der Subventionen zum Massenphänomen. Lobt man Betreuungsgeld aus, wird ohne Geld nicht mehr betreut. Erhöht man die Tabaksteuer fortlaufend, sinken die Tabaksteuereinnahmen durch private Importe.
Das kybernetische System Gesellschaft ist selbst für hochmoderne Rechenanlagen zu kompliziert. Es ist unmöglich, alle Ausweichbewegungen mitzudenken, alle Umgehungstatbestände zu vermeiden - und dennoch pflegt die Politik den Gedanken an den regelbaren Verbraucher, den lenkbaren Wähler, den Bürger, der funktioniert wie ein Automat.
Die Ohnmacht der Allmächtigen
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Selbststeller nach vorn
Sehr geehrtes Mitglied,
In Anbetracht der Verstopfung unseres Netzes, das die Abschaffung aller ungebrauchten Gmail-Konten bewirken wird, wird unser Dienst gezwungen, Ihr Konto zu schließen.
Um jede Unannehmlichkeit zu vermeiden, bitten wir Sie, uns die nachstehenden Informationen zu liefern.
Sie müssen das Formular genau ausfüllen. Andernfalls werden wir uns in der verpflichtung sehen, Ihr konto ohne Bedauern innerhalb von 48 Studen, aus der Gründen der Sicherheit zu schliessen.
Bestätigung lhrer ldentität und überprüfen sie lhre Gmail-Account :
* Vorname:..............................................................................
* Name:....................................................................................
* Adresse-Gmail:....................................................................
* Kennwort:...............................................................................
* Antwort auf die geheime Frage:..........................................
* Beschäftigung:........................................................................
* N° Telefon und zellular:.........................................................
* Land und Stadt:.......................................................................
* Alter:..........................................................................................
Nachdem es auf den Fragebogen geantwortet hat, und nach Prüfung durch unsere Dienste, Wird Ihr Gmail-Konto normalerweise weiterfunktionieren. Jede Ablehnung der Zusammenarbeit wird die systematische Abschaffung Ihres Gmail-Kontos bewirken.
Für all diese Unannehmlichkeiten entschuldigen.
Aufrichtig
Das Team Gmail® © 2013 Copyright © Gmail. Alle Rechte Vorbehalten
In Anbetracht der Verstopfung unseres Netzes, das die Abschaffung aller ungebrauchten Gmail-Konten bewirken wird, wird unser Dienst gezwungen, Ihr Konto zu schließen.
Um jede Unannehmlichkeit zu vermeiden, bitten wir Sie, uns die nachstehenden Informationen zu liefern.
Sie müssen das Formular genau ausfüllen. Andernfalls werden wir uns in der verpflichtung sehen, Ihr konto ohne Bedauern innerhalb von 48 Studen, aus der Gründen der Sicherheit zu schliessen.
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Nachdem es auf den Fragebogen geantwortet hat, und nach Prüfung durch unsere Dienste, Wird Ihr Gmail-Konto normalerweise weiterfunktionieren. Jede Ablehnung der Zusammenarbeit wird die systematische Abschaffung Ihres Gmail-Kontos bewirken.
Für all diese Unannehmlichkeiten entschuldigen.
Aufrichtig
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Slawische Ur-Bevölkerung fordert Trilliarden
Der Verband der Slawen in Brandenburg (VdSiB) will seine Reparationsforderungen für Schäden durch den Bau des Willy-Brandt-Großflughafens bei Schönefeld erneuern. Der Schritt, den ein Sprecher des VdSiB jetzt bei einer Pressekonferenz in Buckow ankündigte, dürfte ein Test für die Beziehungen zwischen alteingesessenen Ur-Brandenburgern und zugezogenen Neu-Berlinern sein, die das politische und wirtschaftliche Leben in der Region zunehmend prägen.
Die Forderungen des Slawenverbandes sind nicht neu. Sie gründen auf Besitzständen in der Zeit vor der Eroberung des Landstrichs durch Heinrich I. im Jahr 928. Den hatten die vereinigten Heveller-Stämme mit dem Lutzienaufstand im Jahr 983 noch einmal zurückgeschlagen, worauf sich der VdSiB heute noch beruft. Doch weil der Lutizenbund im 11. Jahrhundert zerfiel und der Hevellerfürst Pribislaw enge Verbindungen zum deutschen Adel pflegte, gibt es wenige Anzeichen dafür, dass die Vertreter der slawischen Restinteressen diesmal mit ihrer Durchsetzung erfolgreich sein könnte.
Frühere Versuche, sowohl von Verbänden als auch von Einzelpersonen, haben zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen geführt. Einige davon sind noch immer vor internationalen Gerichten anhängig. Bislang fand sich allerdings keine Instanz bereit, die ab 1120 von Albrecht dem Bären betriebene völkerrechtswidrige expansionistische Ostexpansionspolitik der Askanier zu verurteilen und den Nachkommen der Opfer Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Durch den missglückten Flughafenbau brach die Frage der Entschädigungszahlungen wieder auf. Vor allem Verbände von Nachkommen der seinerzeit von den vorrückenden Deutschen massenhaft ermordeten und vertriebenen Slawen versuchen, aus dem verbreiteten Ärger über die deutschen Baupläne Kapital zu schlagen.
Berlin wird in Kreisen den Erben der Heveller für den Misserfolg des Baus verantwortlich gemacht, der zu enormen Einkommenseinbußen, zu Lärmbelastung und einer endlosen Prozesslawine Prozent geführt hat.
„Die meisten Rechtsexperten glauben allerdings nicht, dass die VdSiB große Chancen hat, ihre Forderungen durchzusetzen", sagt Theodor Colonus, emeritierter Professor für internationale Beziehungen an der Athener Universität und Spezialist für späte Reparationen. "Auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen sehr viel Zeit verstrichen ist und dass Deutschland zu den aktivsten Gebern bei den europäischen Strukturfonds gehört." Aus dem Länderfinanzausgleich kassiere auch das heutige Brandenburg, das dieselbe Landfläche benutzt wie einst das Reich des Hevellerfürsten Pribislaw.
VdSiB-Chef Rene Hasting hat seinen Verbandsmitgleidern das Versprechen gegeben, die Forderung nach Reparationen gegen Deutschland nicht aufzugeben. "Wir machen weiter Druck, mit allen erforderlichen Maßnahmen", sagte er in Buckow. Er forderte "die Schaffung von Gerechtigkeit und Wahrheit im Hinblick auf das Leiden der slawischen Bevölkerung während der nun annähernd 1000 Jahre andauernden Jahre der Besetzung, eine harte Zeit, in der die Menschen litten, hungerten und ausgeplündert wurden wie in keinem anderen Land".
Hasting machte weder Angaben dazu, welche Summen seine Verband fordern werde, noch vor welchem Gericht oder auf welcher rechtlichen Grundlage die Klage erhoben werden solle. Es werde auf ein Gutachten der Rechtsberater gewartet, sagte er. Medien spekulierten inzwischen über eine Schadenssumme von bis zu 5.398.949.970.832.938.500.096 Milliarden Euro. Diese ergebe sich aus einer anfänglichen Forderung von 50.000 Euro, die etwa rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung der seinerzeit eroberten Gebiete abzüglich der Hälfte der damals vorliegenden öffentlichen Verschuldung plus der Baukosten von vier seinerzeit zerstörten Knüppelburgen (Foto oben) entspricht. Über 1000 Jahre zu vier Prozent verzinst, ergebe sich dieser Betrag von rund 5,3 Trilliarden.
Rund zwei Drittel der Forderungen beziehen sich demnach auf Schäden, die dem Land bei der Besetzung entstanden sein sollen, ein Drittel auf einen Zwangskredit, den die neuen Herrscher Pribislaws Nachfolger Jaxa von Köpenick abpressten. Regierungsvertreter in Berlin wollten sich zu dem Bericht nicht äußern, der jetzt von Rechtsberatern begutachtet wird. Deutschland hatte bisher immer argumentiert, das Thema sei abgeschlossen, die Forderungen verjährt. Auch am Mittwoch hieß es aus Berlin, es gebe nichts zu diskutieren. "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die Frage der Reparationen abschließend geklärt ist", sagte ein Regierungsvertreter.
Trotzdem gab es weitere Einzelfälle, in denen Entschädigungen gefordert wurden. Einige der Fälle haben es bis vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag geschafft. VdSiB-Chef Rene Hasting ist optimistisch. Man gehe "natürlich mit einer Maximalforderung in das Verfahren". Sei aber jederzeit für ein Vergleichsangebot offen. "Unseren Ahnen ist bitter Unrecht getan worden", sagt Hasting, "und das muss gutgemacht werden".
Die Forderungen des Slawenverbandes sind nicht neu. Sie gründen auf Besitzständen in der Zeit vor der Eroberung des Landstrichs durch Heinrich I. im Jahr 928. Den hatten die vereinigten Heveller-Stämme mit dem Lutzienaufstand im Jahr 983 noch einmal zurückgeschlagen, worauf sich der VdSiB heute noch beruft. Doch weil der Lutizenbund im 11. Jahrhundert zerfiel und der Hevellerfürst Pribislaw enge Verbindungen zum deutschen Adel pflegte, gibt es wenige Anzeichen dafür, dass die Vertreter der slawischen Restinteressen diesmal mit ihrer Durchsetzung erfolgreich sein könnte.
Frühere Versuche, sowohl von Verbänden als auch von Einzelpersonen, haben zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen geführt. Einige davon sind noch immer vor internationalen Gerichten anhängig. Bislang fand sich allerdings keine Instanz bereit, die ab 1120 von Albrecht dem Bären betriebene völkerrechtswidrige expansionistische Ostexpansionspolitik der Askanier zu verurteilen und den Nachkommen der Opfer Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Durch den missglückten Flughafenbau brach die Frage der Entschädigungszahlungen wieder auf. Vor allem Verbände von Nachkommen der seinerzeit von den vorrückenden Deutschen massenhaft ermordeten und vertriebenen Slawen versuchen, aus dem verbreiteten Ärger über die deutschen Baupläne Kapital zu schlagen.
Berlin wird in Kreisen den Erben der Heveller für den Misserfolg des Baus verantwortlich gemacht, der zu enormen Einkommenseinbußen, zu Lärmbelastung und einer endlosen Prozesslawine Prozent geführt hat.
„Die meisten Rechtsexperten glauben allerdings nicht, dass die VdSiB große Chancen hat, ihre Forderungen durchzusetzen", sagt Theodor Colonus, emeritierter Professor für internationale Beziehungen an der Athener Universität und Spezialist für späte Reparationen. "Auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen sehr viel Zeit verstrichen ist und dass Deutschland zu den aktivsten Gebern bei den europäischen Strukturfonds gehört." Aus dem Länderfinanzausgleich kassiere auch das heutige Brandenburg, das dieselbe Landfläche benutzt wie einst das Reich des Hevellerfürsten Pribislaw.
VdSiB-Chef Rene Hasting hat seinen Verbandsmitgleidern das Versprechen gegeben, die Forderung nach Reparationen gegen Deutschland nicht aufzugeben. "Wir machen weiter Druck, mit allen erforderlichen Maßnahmen", sagte er in Buckow. Er forderte "die Schaffung von Gerechtigkeit und Wahrheit im Hinblick auf das Leiden der slawischen Bevölkerung während der nun annähernd 1000 Jahre andauernden Jahre der Besetzung, eine harte Zeit, in der die Menschen litten, hungerten und ausgeplündert wurden wie in keinem anderen Land".
Hasting machte weder Angaben dazu, welche Summen seine Verband fordern werde, noch vor welchem Gericht oder auf welcher rechtlichen Grundlage die Klage erhoben werden solle. Es werde auf ein Gutachten der Rechtsberater gewartet, sagte er. Medien spekulierten inzwischen über eine Schadenssumme von bis zu 5.398.949.970.832.938.500.096 Milliarden Euro. Diese ergebe sich aus einer anfänglichen Forderung von 50.000 Euro, die etwa rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung der seinerzeit eroberten Gebiete abzüglich der Hälfte der damals vorliegenden öffentlichen Verschuldung plus der Baukosten von vier seinerzeit zerstörten Knüppelburgen (Foto oben) entspricht. Über 1000 Jahre zu vier Prozent verzinst, ergebe sich dieser Betrag von rund 5,3 Trilliarden.
Rund zwei Drittel der Forderungen beziehen sich demnach auf Schäden, die dem Land bei der Besetzung entstanden sein sollen, ein Drittel auf einen Zwangskredit, den die neuen Herrscher Pribislaws Nachfolger Jaxa von Köpenick abpressten. Regierungsvertreter in Berlin wollten sich zu dem Bericht nicht äußern, der jetzt von Rechtsberatern begutachtet wird. Deutschland hatte bisher immer argumentiert, das Thema sei abgeschlossen, die Forderungen verjährt. Auch am Mittwoch hieß es aus Berlin, es gebe nichts zu diskutieren. "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die Frage der Reparationen abschließend geklärt ist", sagte ein Regierungsvertreter.
Trotzdem gab es weitere Einzelfälle, in denen Entschädigungen gefordert wurden. Einige der Fälle haben es bis vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag geschafft. VdSiB-Chef Rene Hasting ist optimistisch. Man gehe "natürlich mit einer Maximalforderung in das Verfahren". Sei aber jederzeit für ein Vergleichsangebot offen. "Unseren Ahnen ist bitter Unrecht getan worden", sagt Hasting, "und das muss gutgemacht werden".
Mittwoch, 9. Oktober 2013
Abriss-Exkursionen: In der Kaderschmiede der Reichsbahn
Der Namensgeber ein Minister für Arbeit, ausgebildeter Schlosser in einer Maschinenfabrik, Soldat im Ersten Weltkrieg, vorbildlich auch hier und zuletzt Unteroffizier. Dann die Rückkehr ins Berufsleben aus Ausgebeuteter: Roman Chwalek, geboren auf dem Gebiet des heutigen Polen, arbeitet er als Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Oppeln.
Dass sie später eine Betriebsschule der Reichsbahn nach ihm benennen werden, verdankt der Mann, der auch im Zivilleben gern Bahner-Uniform trug, seiner Tätigkeit als kommunistischer Reichstagsabgeordneter. Chwalek ging nach Hitlers Amtsübernahme ins Gefängnis, nach seiner Freilassung arbeitete er wieder als Schlosser, diesmal in Berlin. Nach dem Sieg der guten Sache, der er sein Leben verschrieben hatte, wurde er dann Minister. Nach seinem Tod erinnerte der Name der Betriebsberufsschule der Reichsbahn in Halle an sein Werk.
Eine Erinnerung, die inzwischen unter bröckelndem Putz, vergessenen Hosen und leeren Flaschen verschütt zu gehen droht. Das Gebäude der ehemaligen BBS steht - genau wie das nahegelegende Reichsbahnausbesserungswerk - seit mehr als zehn Jahren leer, hier wohnen Obdachlose, hier feiern Jugendliche wilde Partys.
Wissensvermittlung auf Alkoholniveau: Zu dicht steht das imposante Gebäude an der Stadtautobahn, als dass es sich lukrativ vermarkten ließe, zu sehr macht sich die allgemeine Entvölkerung der Region bemerkbar, als dass eine Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum oder einem Umbau zum Hotel bestanden hätte.
Bleibt der langsame, leise Verfall, wie er im Osten Deutschlands guter Brauch geworden ist. Noch halten die Fenster, noch ist das Dach dicht und die gewaltigen Treppenhäuser sind trocken. Doch es ist eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Und dann ändert es sich für immer.
Mehr mitteldeutsche Abrissexkursionen hier, und noch mehr hier, hier, hier und hier.
Dass sie später eine Betriebsschule der Reichsbahn nach ihm benennen werden, verdankt der Mann, der auch im Zivilleben gern Bahner-Uniform trug, seiner Tätigkeit als kommunistischer Reichstagsabgeordneter. Chwalek ging nach Hitlers Amtsübernahme ins Gefängnis, nach seiner Freilassung arbeitete er wieder als Schlosser, diesmal in Berlin. Nach dem Sieg der guten Sache, der er sein Leben verschrieben hatte, wurde er dann Minister. Nach seinem Tod erinnerte der Name der Betriebsberufsschule der Reichsbahn in Halle an sein Werk.
Eine Erinnerung, die inzwischen unter bröckelndem Putz, vergessenen Hosen und leeren Flaschen verschütt zu gehen droht. Das Gebäude der ehemaligen BBS steht - genau wie das nahegelegende Reichsbahnausbesserungswerk - seit mehr als zehn Jahren leer, hier wohnen Obdachlose, hier feiern Jugendliche wilde Partys.
Wissensvermittlung auf Alkoholniveau: Zu dicht steht das imposante Gebäude an der Stadtautobahn, als dass es sich lukrativ vermarkten ließe, zu sehr macht sich die allgemeine Entvölkerung der Region bemerkbar, als dass eine Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum oder einem Umbau zum Hotel bestanden hätte.
Bleibt der langsame, leise Verfall, wie er im Osten Deutschlands guter Brauch geworden ist. Noch halten die Fenster, noch ist das Dach dicht und die gewaltigen Treppenhäuser sind trocken. Doch es ist eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Und dann ändert es sich für immer.
Mehr mitteldeutsche Abrissexkursionen hier, und noch mehr hier, hier, hier und hier.
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