Freitag, 21. Oktober 2016

Schmaltalk bei PPQ: Hart, aber hässlich

Mia Maria Sandwegen gibt einen offenherzigen Einblick in den Waffenschrank der PPQ-Moderatorentruppe. Ihr Gesicht möchte die 23-Jährige lieber nicht zeigen - aus Angst davor, im richtigen Leben von Hetzern angegriffen zu werden.
Mia Marie Sandwegen (Foto oben) räumt mit ihrem Team die Kommentar-Spalten von PPQ auf. Trolle, Hetzer und Spammer bekommen es mit ihr zu tun. Seit zwei Jahren läuft das Projekt Rückeroberung der eigenen Seite, erzählt sie im Video-Interview. Der stressige Job sei allerdings "nichts für zart besaitete Menschen". Oft müsse man durchgreifen, die eigene Macht als Moderator ausspielen, Leute löschen, sperren und anzeigen. Sandwegen, die Politwissenschaften in Münster und Gesprächsdesign in Flensburg studiert hat, kommt das entgegen. "Ich bin eher ein dominanter Mensch", gesteht sie, "auch im Privaten bin ich ungern devot."

Die junge Frau hat mit der Moderatorenaufgabe bei PPQ ihren Traumjob gefunden. "Wir müssen die Seite sauberhalten für Leute, die sich einfach nur unterhalten lassen wollen, die scherzen wollen und keine Lust auf harte politische Auseinandersetzungen haben", sagt sie. Einen Leser hätten sie und ihr Team auch schon angezeigt, weil der penetrant und permanent abweichende Meinungen in groben Worten verbreitet habe. "Der war einfach mit seinem Klarnamen über Google zu finden", staunt die begeisterte Reitsportlerin heute noch. Eine kleine Polizeieinheit habe den Mann, einen alkoholsüchtigen Arbeitslosen aus dem sächsischen Riesa, wenige Stunden nach der Anzeige abgeholt. "Jetzt sitzt er seine Strafe ab."

Momente, in denen Mia Marie Sandwegen mit ihrem Beruf im Reinen ist, den sie für eine Berufung hält. "Man muss auch durchgreifen, rücksichtslos, auch mal Leute wegen ihrer schlechten Rechtschreibkenntnisse mobben, ihnen mit Anzeige drohen", gibt sie einen kleinen Einblick in den Waffenschrank der Moderatorentruppe. Das klinge hart, sei aber nötig. "Einfach nur, damit sich nicht Menschen mit schlechter Laune bei uns austoben, und Meckerer sich sammeln, denen nichts gut genug ist."

Als "Head of Social media" bei PPQ lerne man schnell, zwischen Menschen zu unterscheiden, die Fragen haben und den gegebenen Antworten zu glauben bereit sind. "Und den Typen, die immer weiter bohren, nur in der Hoffnung, Behörden oder gar unsere Bundesregierung bei einem Widerspruch zu ertappen." Die PPQ-Police, der Sandwegen beim heruntermoderieren hochkochender Diskussionen folgt, ist dabei klar: Jede Meinung ist erlaubt, so lange sie nicht im Gegensatz zur mehrheitlich von allen Deutschen geteilten Politik der großen Koalition steht.

"Hart, aber hässlich", so fasst Sandwegen eine Strategie zusammen, die nicht zuletzt dank der nimmermüden Anstrengungen der Tochter eines freikirchlichen Künstlerpaares aufgeht. "Man spricht viel über Trolle und Hetzer bei Kollegen von anderen Seiten", beschreibt Sandwegen, "aber bei uns gibt es mittlerweile fast nur noch Leute, die Schmaltalk treiben wollen, also relativ harmlose Gespräche führen über Dinge, die nicht wirklich von Belang sind."

Das war nicht immer so. "Am Anfang hatten wir viele Trolle, Hetzer und Spammer gehabt", erinnert sich die Hobby-Judokain. Das seien Leute gewesen, "die grundlos geschimpft haben, die haben negative Energie verbreitet, obwohl es ihnen persönlich und wirtschaftlich oft gut ging." Sandwegen überlegte mit ihrem Team, was dagegen getan werden könnte. "Wir wollten diesen Menschen nicht das Feld überlassen", sagt sie, "wir wollten die Oberhoheit zurückerobern!"

Gute Stimmung, klassische Unterhaltung, was Buntes fürs Herz und nicht immer diese lärmende Kritik, die ursprünglichen Ziele von PPQ sollten wieder in den Mittelpunkt rücken.

"Kein Platz für den Pöbel, kein Fußbreit dem Pack, das war unsere Devise", erzählt Mia Maria Sandwegen, die derzeit mit einem Hund in einer kleinen Zweiraum-Wohnung im Bergischen Land lebt. Das sei eine verdammt harte Zeit mit verdammt viel Arbeit gewesen. "Bei uns ist das so, dass wir klassische Räumkommandos haben, die nur nebenbei mal selber was schreiben, keine Inhalte, aber Content." Der werde gebraucht, um die für den Betrieb der Seite notwendigen Klicks zu generieren.

Nicht jeder habe die Qualifikation für diese auch emotional fordernde Tätigkeit. "Man muss multitasken können, gern auch mal zwei, drei Themen bearbeiten", schildert Sandwegen, in deren Kopf der große Plan zur Moderation bei PPQ entstand, nachdem sie einen der Gründer bei einem Treffen von Internetgründern auf Neufundland kennengelernt hatte. "Wir haben seitdem verschiedene Eskalationsstufen für unsere Nutzer", sagt sie, "wenn die trollen oder uns Sachen schreiben, die uns nicht gefallen, dann sperren wir ihn auch mal."

Dabei gehe es zuweilen nicht nur um den Einzelnen, sondern um die Signalwirkung für das ganze Internet. "Das ist unsere Strategie, die Leute einzuschüchtern, um Platz für die zu schaffen, die nur mit uns scherzen wollen, die uns zustimmen, die gleicher Meinung sind wie wir."

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Zitate zur Zeit: Gerechtigkeit braucht Vermögenssteuerung


Wir brauchen eine Vermögenssteuerung.

Gesine Lötzsch, Die Linke, am 20. Oktober 2016 im Bundestag

Mehr Zitate zur Zeit

Phänomen Horrorclown: Erste Sichtung im TV

In den USA treiben sie bereits seit August ihr Unwesen und vor kurzem kam es auch zu Vorfällen in Großbritannien und Schweden. Jetzt ist offenbar erstmals in Deutschland ein Grusel-Clown aufgetaucht. Augenzeugen berichten, dass die unheimliche Gestalt ohne Vorwarnung in einem ARD-Fernsehstudio aufgetaucht sei. In einer Sendung der Talkmasterin Anne Will saß die Schreckensfigur wie selbstverständlich ganz rechts außen, sie beteiligte sich sogar mit etlichen kruden Thesen an der Diskussion zum Thema….

Zuschauer erschraken bei der für viele wirklich alptraumhaften Begegnung. Der Terror-Clown hatte sich eine Perücke aus dünnem Grauhaar aufgesetzt, er trug eine Brille mit Gläsern aus Sektflaschenböden und steckte in einem bewusst auf seriös getrimmten einreihigen Anzug mit blutroter Krawatte. Aus blutunterlaufenen Augen blickte er oft einfach nur starr in die Kamera, aufgeblasen fleischige Lippen glänzten feucht im Scheinwerferlicht, berichtet der „Kölner Express“. Der Unbekannte unter der Maske, die als solche im schummrigen Studiolicht kaum zu erkennen gewesen sein soll, hantierte gekonnt mit populistischen Parolen. Er soll außerdem ein Messer bei sich getragen haben.

Glücklicherweise kam es nicht, wie bei einem ähnlichen Vorfall in Schweden, zu Handgreiflichkeiten, stattdessen entfernte sich der mysteriöse Clown nach der After-Show-Party aus dem Gebäude und entkam in unbekannte Richtung. Doch auch wenn es sich bei den meisten Sichtungen von Horrorclowns in Deutschland lediglich um gruselige Scherze handeln – die Angst der Menschen vor den vermeintlichen Witzfiguren ist real und tritt erstaunlich häufig auf. Steigert sie sich zur Panik, gibt es dafür sogar einen Fachbegriff: Coulrophobie.

Die scheint mit den ersten Sichtungen im staatlichen Fernsehen nun auch in Deutschland angekommen zu sein. Vor etwa drei Monaten wurden die ersten Gruselgestalten mit Clownsmaske oder -schminke im US-Bundesstaat South Carolina gesichtet. Mittlerweile schicken sich die Clowns an, zum weltweiten Phänomen zu werden: In den USA und Großbritannien wird fast jede Nacht irgendwo ein Clown gesichtet, in Deutschland auch, nur fehlt es hier bislang noch an alarmierenden Medienberichten zu der weltweiten Clownsseuche.

Mit dem ersten Fernsehauftritt eines Mannes mit Clownsmaske könnte sich das endlich ändern. Das Innenministerium hat sich mittlerweile zu den Vorfällen geäußert und die Bevölkerung vor möglichen Nachahmern gewarnt.

Die Gründe für das Auftauchen der Gruselclowns sind unklar. Hartnäckig hält sich das Gericht, dass es sich dabei um eine außer Kontrolle geratene Werbeaktion der SPD für eine Weiterverwendung des scheidenden Europaparlamentspräsidenten Martin Schulz. In der Kampagne geht es um eine Gruppe von Politikern, die nimmermüd im Straßenkampf gegen Europafeinde, Populisten, Russen, Hetzer, Kritiker, Zweifler, Hasser und Pöbler stehen und sich in der Freizeit etwas Entspannung gönnen, indem sie sich als Clowns verkleiden, um die Atmosphäre zu entspannen.

Bleibt die Hoffnung, dass es sich bei der ersten offiziellen deutschen Clownsichtung um einen bedauerlichen Einzelfall handelt. „Diese Entwicklung ist einfach noch zu neu für uns“, sagte ein Polizeisprecher dem „Kölner Express“, „wir können den Menschen daher auch noch keine genauen Ratschläge geben, wie sie sich beim Aufeinandertreffen mit einem Clown verhalten sollen“. Fortlaufen? Zuschlagen? Festnehmen?

Auch die Polizei ist sich noch nicht sicher. Vorerst fahndet sie nach dem Unbekannten aus der ARD. Erste befragte Augenzeugen gaben an, dass der Täter etwa 180 bis 185 Zentimeter groß gewesen sein, rheinischen Dialekt, aber auch gelassen Französisch und Europäisch gesprochen habe und seine Clownsmaske mit der auffallenden roten Nase auch nach der Sendung weiter getragen haben soll.


Mittwoch, 19. Oktober 2016

PPQ bei Wikipedia: Das gibt es in keinem Russenfilm

Der Russe, das ist seit dem Auftauchen von Wladimir Putin wieder grundböser Unmensch, der mit Cyberattacken, Bombenangriffen auf friedliebende Krankenhäuser und propagandistische Hetze gegen demokratische Institutionen im Westen versucht, den grausamen Kommunismus Stalins, Trotzkis und Maos wiederzuerrichten. Europäische Grenzen, die - abgesehen von Serbien, Zypern, dem Baltikum, Rumänien, Georgien und Deutschland - seit dem Ende des II. Weltkrieges unverändert sind, werden verschoben, im UN-Sicherheitsrat wird gegen die Mehrheit gestimmt, man turtelt mit der Türkei und unterstützt Baschal Al-Assad in Syrien. Obszön. Obskur. Unglaublich.

Und doch Russenart, wie PPQ bereits vor Jahren in einem Lehrstück darlegte. Danach stammt die zu DDR-Zeiten gebräuchliche Formulierung "das gibt es in keinem Russenfilm" keineswegs aus dem Munitionsgurt eines Filmkritikers, sondern wurde vielmehr im wirklichen Leben angewendet. Nämlich genau dann, wenn die Realität ein Maß an offenkundiger Inszenierung aufwies, das sie für den Besitzer von Resthirn völlig unglaubwürdig machte.

Mit dem Ende des Kalten Krieges verschwand die Formulierung aus dem Sprachgebrauch, weil es nun keinerlei Anlass mehr gab, behördliche Angaben anzuzweifeln. Niemand log, niemand betrog, es gab keine allmächtige Stasi mehr und keinen Grund, Macht nicht transparent auszuüben.

Die Formulierung "das gibt es in keinem Russenfilm" wurde so zusehends selbst rätselhaft. Kaum eine Quelle verweist noch auf Ursprung und Bedeutung, kaum ein älterer Mensch vermag es noch, nachwachsenden Generationen den mittlerweile komplett sinnentleerten Begriff zu erklären. So musste das Internetlexikon Wikipedia auf PPQ zurückgreifen, um zu verdeutlichen, was das Sprichwort einst sagen wollte. Die amtliche Definition lautet demnach, dass der Spruch eine Handlung erläutert, die "wie in einem „Spiegel“-Artikel um der propagandistischen Wirkung willen derart haarsträubend ist, dass sie an Geschehnisse in eben jenen komplett absurden Russenfilmen erinnert".

Danke an Die Anmerkung für den Hinweis.

Hohe Geburtenrate: Wie man mit der Wahrheit lügt

Unter den zwei Möglichkeiten, unschöne Realitäten bekannt zu machen, ist die des Lügens mit der Wahrheit die elegantere. Statt Dinge zu erfinden, zu schwindeln und reinen Quatsch zu erzählen, wird bei dieser, in der Weltgeschichte erfolgreich von Meistern wie Goebbels, Stalin und Karl-Eduard von Schnitzler benutzen Methode darauf vertraut, dass ein Stück erzählte Wahrheit glaubwürdiger ist als ein frei erfundenes Märchen. Selbst wenn das Stückchen Wahrheit in Wirklichkeit so klein ist, dass es falschere Informationen vermittelt als eine reine, frisch gezapfte Lüge.

Ein Beispiel bieten die alljährlichen Feiern zur "höchsten Geburtenrate", bei denen sich Statistisches Bundesamt und unabhängige Medien vom Staatssender ZDF über sterbende Holzmedien wie den "Tagesspiegel" bis hin zur linken Stimme aus München einig darüber sind, dass "deutsche Frauen mehr Kinder bekommen" (Tagesspiegel), "in Deutschland mehr Kinder geboren werden " (SZ) und die "Geburtenrate weiter ansteigt" (Spiegel).

Wir werden immer mehr

War es letztens noch der Wert von 1990, der übertroffen wurde, ist es jetzt schon der von
1982. Von wegen, Deutschland schafft sich ab! Von wegen, in tausend Jahren ist alles vorbei! Ein Aufbruch findet statt! Vor allem Deutsche mit ausländischem Pass sorgen dafür, dass in Deutschland "das vierte Mal in Folge mehr Kinder kommen zur Welt als im Vorjahr", wie die SZ analysiert.

"Zum ersten Mal seit 30 Jahren ist im vergangenen Jahr in Deutschland die sogenannte Geburtenziffer wieder auf den Wert von 1,5 je Frau gestiegen", versichert der "Spiegel" allen Zweiflern und . Ähnlich hoch sei sie zuletzt 1982 mit 1,51 gewesen, habe das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erklärt.

Eine klare Botschaft der Bundesregierung. Wir werden immer mehr! Deutschland wächst! Und wie!

Wer jetzt den Eindruck hat, dass in Deutschland wieder so viele Kinder geboren werden wie anno 1982, der hat allerdings nicht richtig hingeschaut. Sowohl der "Spiegel" als auch die Staatssender als auch alle anderen 500 Organe der vierten Gewalt sprechen übereinstimmend von "Geburtenrate" und "Geburtenziffer" - zwei Kennzahlen, die sich ausschließlich auf die Anzahl der geborenen Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter beziehen.

Nicht auf die Gesamtzahl der zur Welt gekommenen Babys.

Das aber wäre die Zahl, auf die es ankommt. Und die wird genau deshalb in keinem einzigen von hunderten Artikel erwähnt.

Die frei erfundene "Trendwende"

Zu schnell wäre der offenbar erwünschte Eindruck einer "Trendwende" (Statistisches Bundesamt) beim Aussterben verflogen, schaute man sich die absoluten Zahlen der Geburten an.

737.000 waren es nach Angaben der Statistiker im vergangenen Jahr. 1982 dagegen, angeblich das Jahr, in dem in Deutschland nach Medienangaben zuletzt "so viele" Kinder geboren wurden, waren es noch 866.000 gewesen. Und 1990 sogar mehr als 905.000.

Ein Rückgang um stolze 15  beziehungsweise sogar um mehr als 20 Prozent. Der dennoch selbstbewusst und im Jubelchor als "Anstieg auf den höchsten Wert seit 30 Jahren" (Süddeutsche) verkauft wird.

Ein Stück Wahrheit, das falscher ist als jede Lüge sein könnte.


Dienstag, 18. Oktober 2016

Supervollmond: Eine Medienerfindung setzt sich durch

Aufschwung für ein Naturphänomen, das hundertprozentig mediengemacht und von kompletten Laien ausgedacht. Der "Supervollmond" existierte bis vor fünf Jahren weder als Begriff noch als Naturschauspiel, kommt aber seit seiner Ersterwähnung im Jahr 2011 immer öfter vor.

Anfangs noch Supermond genannt, gilt der inzwischen in "Supervollmond" umbenannte Mond abwechselnd als "alles überstrahlender Pfannkuchen" oder Ursache für ein "Strahlen um die ganze Welt" (FAZ), als "Himmelsspektakel" oder als Auslöser für "Deutschland sucht den Supermond" (Spiegel). Alle berichten, von Jahr zu Jahr mehr, stets anfallsartig im Frühherbst, wenn der Mond sein sogenanntes Perigäum, also den Punkt der größten Erdnähe erreicht.

Eine Mondlüge eigener Art, die eben trotzdem wieder eine neue Schlagzeilenlawine zum Thema Supermond verursachte (Google Timeline oben). Die niedrigere Entfernung des Mondes von der Erde, die angeblich Auslöser für das "Supervollmond"-Phänomen ist, kann das menschliche Auge in Wirklichkeit nämlich gar nicht wahrnehmen: Sind es normalerweise bis zu 406.600 Kilometer vom Auge bis zum Mond, ist der Erdbegleiter im Supervollmondmoment immer noch 358.475 Kilometer - oder, nach anderen Angaben - 367.600 Kilometer entfernt.

Ein Unterschied, der für das bloße menschliche Auge nicht wahrzunehmen ist - ebensowenig, wie das Auge von Medienarbeitern jemals den "Minimond" erblickt oder gar darüber berichtet hat. Den gibt es als Kehrseite des Riesenmondes ebenfalls einmal aller dreizehn Monate, wenn der Mond sich in seinem Apogäum am weitesten von der Erde entfernt hat.

Die Entfernung dabei wird immer größer: Insgesamt gesehen entfernt sich der Mond nämlich ganz allmählich von der Erde - um durchschnittlich 3,8 Zentimeter pro Jahr.

Der Minimond wird also - ebenso wie der "Supervollmond" - immer kleiner.


Bundespräsident: Eine Anschlussverwendung für Martin Schulz

Martin Schulz hat in Berlin auf großer Bühne seine überaus spannende Biografie vorgestellt. Spaßbadbauer, Bürgermeister, Alkoholliebhaber, Hinterzimmermauschler, fast drei Jahrzehnte Miterbauer des modernen Europa, Mahner, Wächter, Parlamentspräsident. Doch bei der Veranstaltung gab es nur ein Thema: Wird er der nächste SPD-Kanzlerkandidat? Wann bekommt er den Friedensnobelpreis? Noch ein Bundesverdienstkreuz? Oder ehrt ihn seine Partei für jahrezehntelangen unermüdlichen Einsatz doch mit dem Posten des Bundespräsidenten?

Martin Schulz sind diese Fragen keineswegs unangenehm. Geradezu gebauchpinselt wirkt der Mann mit der Brille und der Halbglatze in diesen Tagen, die für ihn auch ein Comeback bedeuten. Eben noch war Schulz, der nimmermüde Mahner und Warner, geradezu abgeschafft gewesen. Mit dem Bedeutungsverlust eines Europa, das sich als unfähig erwiesen hat, auch nur einfachste Probleme zu lösen, schwand auch die Bedeutung des SPD-Mannes, der Europa vom Fundament her mit aufgebaut hatte.

Schulz, nach der krachend verlorenen Europa-Wahl von 2014 durch eine Kungelrunde im Hinterzimmer mit dem Präsentationsjob des europäischen Parlamentpräsidenten abgefunden, drohte das Aus. Laut Absprache mit den anderen Parteien der großen Koalition der demokratischen Volksparteien in Brüssel muss der Sozialdemokrat seinen Posten im Januar aufgeben, weil die Aufgabe dann absprachegemäß einem Konservativen zufallen soll. Martin Schulz stürzte ins Nichts, er wäre plötzlich einfacher Parlamentarier, nahezu ohne auskömmliches Tagesgeld, ohne Talkshow-Abo, ohne Titel und Würden.

Dagegen kämpft der Würselener nun unter anderem mit einem neuen Buch über sich selbst ("Ich, der Martin", Habsack-Verlag, 29,99 Euro) und einer auf ihn selbst zugeschnittenen Plakatkampagne (oben). Im Büro des deutschen Börsenvereins, einen Steinwurf vom Bundestag entfernt und noch etwas weiter vom Kanzleramt, drängen sich die Neugierigen, Kamerateams, befreundete Journalisten. Schulz will heute seine Pläne für die Zukunft vorstellen - nicht nur bei den wenigen verbliebenen Sozialdemokraten in der Republik wird wild spekuliert, was aus ihm werden könnte. Auch bei befreundeten Medien kreisen die Gerüchte: Kanzlerkandidat? Ehrenvorsitzender? Gazprom-Berater?

Diese Fragen liegen während der Buchvorstellung in der Luft. Aber die Zuhörer müssen sich gedulden, denn Schulz will sich bitten lassen und nicht um ein neues, möglichst hohes Amt betteln. Zuerst einmal liest er sieben Kapitel. Wie er mal Fußballer war. Wie er ein bad baute. Wie mit dem Alkohol brach. Kanzlerkandidat etwa, das ist herauszuhören, wäre nichts für ihn. Man könne dabei nur verlieren, tuschelt es im Saal: Verlöre Schulz die Wahl, wäre er schon ab Oktober 2017 wieder auf der Suche nach einem möglichst lukrativen Job mit hoher Öffentlichkeitswirkung. Und gewönne er, müsste er zum ersten Mal im Leben Verantwortung übernehmen.

Eine Aussicht, die dem Mann, der früher hatte Profifußballer werden wollen und auch das gekonnt hätte, schlaflose Nächte bereiten dürfte.

Da trifft es sich gut, dass sowohl SPD als auch CDU sich mit Grünen, Linken und der FDP noch nicht auf einen neuen Bundespräsidenten haben einigen können.

Steinmeier gilt als zu außenpolitisch, Kässmann hat abgesagt, Beckerbauer ist seit der Steueraffäre verbrannt. Martin Schulz hingegen wäre bereit, er ist zwar kein Muslim und auch keine Frau, gilt aber dennoch als präsidiabel und könnte einen guten Präsidenten neuen Typs abgeben, einen, der mahnt, sich verbal einmischt und unentwegt etwas von anderen fordert. Das Gehalt würde auch passen, eine Präsidentengattin ohne jedes Vorleben brächte Schulz mit - bisher gelang es dem Hobbysänger sogar, den Namen seiner Gattin komplett aus den Medien herauszuhalten.


Montag, 17. Oktober 2016

Pegida: Wie aus blankem Hass Regierungshandeln wurde

Ausgerechnet 19 Forderungen sollten es sein, wohl um sich vom üblichen 10-Punkte-Plan abzuwenden. Vor nunmehr zwei Jahren legte die verfassungs- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung ein Pamplet vor, das eben diese 19 Punkte enthielt – zum Teil bizarr, zum Teil offen menschenfeindlich, zum Teil gut getarnt, immer aber rundheraus ablehnenswert.


Die Bilanz der fremdenfeindlichen Bewegung aber zeigt, dass Justizminister Heiko Maas recht hat, wenn er warnt, dass es keine Ausreden mehr gibt, den rechten Rattenfängern hinterherzulaufen. Vieles, was die Unmenschen mit Geblöke, Gebrüll und entmenschtem Geschrei an Hass forderten, hat die Politik inzwischen umgesetzt. Pegida-Hass ist Regierungspolitik geworden, wie jetzt eine detaillierte wissenschaftliche Untersuchung des für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale zeigt.


Unter Leitung des Medienwissenschaftlers Hans Achtelbuscher analysierte ein Team von Experten über zwei Jahre hinweg, wie die Forderungsliste der sächsischen Organisation "harter Nazis" (de Maiziere) nahezu völlig unbemerkt von den Medien zum Regierungsprogramm geworden ist.


1.) „Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!“


Diese Forderung wurde von Angela Merkel ursprünglich in einem nächtlichen Alleingang umgesetzt, als die Kanzlerin die Grenzen für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge öffnen ließ.


2. „Pegida ist für die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!“


Mit im Bundestag in mittlerweile zwei Stufen beschlossenen Verschärfung des Asylrechts sind die Regierungsparteien auch dieser Forderung vollinhaltlich nachgekommen.


3. „Pegida ist für dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen.“


Ein Anliegen, das alle Parteien teilen. Seit der „Zustrom“ (Andrea Nahles) durch eine Schließung der Balkanroute durch Deutschland verpflichtete Partnerländer nachgelassen hat, gehen die Länder konsequent an die Umsetzung.


4. „Pegida ist für einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedstaaten verteilt)“


Eine Forderung, die Angela Merkel mehrfach in alle europäischen Partnerländer getragen hat. Auf dem Papier ist sie seit Monaten realisiert, in der Praxis sträuben sich die europäischen Partner weiter, deutsche Politik zu machen. Mit dem Ausbau der Grenzschutzagentur Frontex zur gemeinsamen europäischen Grenztruppe hat Merkel ein Pegida-Ziel jedoch bereits erreicht.


5. „Pegida ist für eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca. 200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)“


Wurde mit dem verschärften neuen Asylrecht umgesetzt, in dessen Folge tausende neuer Mitarbeiter in Heimen, Schulen und Kindergärten eingestellt werden konnten. Auch das zentrale Amt für die Flüchtlingsverwaltung schuf tausende neuer Stellen. Gut für den Arbeitsmarkt, da alles Geld, was hier ausgegeben wird, niemanden weggenommen werden muss, weil es im Land erarbeitet wurde.


6. „Pegida ist für ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, für eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!“


2000 bis 3000 neue Stellen hat die Bundesregierung dem BAMF zugestanden, langsam arbeitet die neue Mammutbehörde, wie immer geleitet von Frank-Jürgen Weise entstandene Rückstände auf.

7. „Pegida ist für die Aufstockung der Mittel für die Polizei und gegen den Stellenabbau bei selbiger!“


Alle Bundesländer haben sich dieser Forderung nach dem Silvesterschock angeschlossen, überall ist die Aufstockung der Sicherheitsbehörden bereits mit Hochdruck in Arbeit.

8. „Pegida ist für die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!“


Hier hat die Kanzlerin selbst gerade erst wieder ein Machtwort gesprochen. Man müsse schneller und konsequenter abschieben, forderte sie ganz im Sinne von Pegida.


9. "Pegida ist für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!"


Keine Frage, hier hat der Bundestag Nägel mit Köpfen gemacht: Inzwischen können straffällige Asylbewerber wie von Pegida gefordert schneller als bisher abgeschoben werden. Dass es bald auch geschieht, dafür steht Angela Merkel.


10. "Pegida ist für den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!"


Noch ist nicht Konsens, wie der Widerstand aussehen soll, doch führende CDU- und SPD-Politiker haben sich bereits mit Pegidas Forderungen solidarisiert. Gegen Sexismus Marke Trump, Machokultur und Mackertum sind allerdings alle demokratischen Parteien bis hin zur Linken.


11. "Pegida ist für eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!"


Für ein solches Zuwanderungsgesetz ist auch die SPD, unterstützt wird sie von Grünen und Linken. Um sich von Pegida abzugrenzen, soll das Ganze allerdings Einwanderungsgesetz genannt werden. Eine Idee, gegen die sich die Union nur noch symbolisch sträubt.


12. "Pegida ist für sexuelle Selbstbestimmung!"


Hier besteht Konsens bis in die extrem linke Ecke der Linken, zu Feministen und in #Aufschrei-Kreise. Nein heißt nein!


13. "Pegida ist für die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!"


Konsens über alle Parteigrenzen hinweg, allerdings gilt auch hier: SPD und CDU sprechen lieber von „Leitkultur“, nennen sie zudem „europäisch“ und nicht „abendländisch“.


14. "Pegida ist für die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!"


Ein ganz empfindlicher Punkt, denn dafür ist sind Grüne, Linke und SPD in Oppositionszeiten auch gewesen. Heute nicht mehr bzw. nur, wenn sie aussuchen könnten, wann worüber und mit welchem Ergebnis abgestimmt wird. Hier wird sich Pegida die Zähne ausbeißen. Über diesen Graben zwischen Demokraten und Hassern wird nie eine Brücke führen.


15. "Pegida ist gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z. B. PKK".


Genau so handelt die Regierung in ihrer praktischen Politik. Kein Gewehr und keine Handgranate ging bisher an direkt an die verbotene PKK, alle Waffenlieferungen wurde an die kurdischen Peshmergamilizen geliefert, die keine direkte Tochter der PKK sind, sondern Tochter deren Schwesterpartei DPK. Die Bundesrepublik bleibt sauber, Russland ist schuld.


16."Pegida ist gegen das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter uns."


Dagegen sind alle, deshalb gibt es keine offiziellen Zulassungsverfahren, alle Sharia-Gerichte amtieren ehrenamtlich, gegen die Sharia-Polizei wurde sogar ermittelt.


17. "Pegida ist gegen dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming“, auch oft „Genderisierung“ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!"


Sowohl in der CDU als auch in der SPD freunden sich mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf reaktionäre Parteikreise mit dem ewiggestrigens Geschwätz der Hasser*innen von Pegida an.


18. "Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!"


Obwohl ohne Komma gefordert, trifft auch diese Forderung auf weitgehende Zustimmung aller Parteien. Die Union hat einen Schwur auf das Grundgesetz sowohl für engagierte Projekte gegen rechts zwingend vorgesehen. SPD-regierte Länder verlangen bei feierlichen Einbürgerungsstunden Gelöbnisse auf Deutschland von Neubürgern.


19. "Pegida ist gegen Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!"


Auch ohne religiösen Hintergrund haben Hassprediger in Deutschland mittlerweile kaum noch eine Chance, ihre Hetze ungestraft zu verbreiten, weil Justizminister Heiko Maas (SPD)den Kampf gegen den Hass zur obersten Regierungsaufgabe gemacht hat. Um hier Boden gut zu machen, forderte die Union zuletzt die Einführung einer neuen Meinungssteuer – mit Bußgeldern soll belegt werden, wer sich in sozialen Netzwerken abweichend, irritierend oder krude äußert.

Zwei Jahre Pegida: Der Sieg der Wutbürger

Von Anfang an wurde dagegen demonstriert, sanktioniert, wurden Aussteigerprogramme verhängt, demokratiergefährdende Hintergründe schonungslos enthüllt und Sozialdemokraten versuchten es wahlweise mit Druck und warmen Umarmungen.

Oft schon totgesagt, ist Pegida immer noch da. Montags nörgeln sich die Wutbürger durch Dresden, inzwischen wieder weitgehend unbeachtet von den Medien. Die Welt ist nicht untergegangen, "Hetze" und "Hass" (dpa) haben Deutschland nicht in den Abgrund gestürzt, die "Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses" (Kölner Stadtanzeiger) haben es nur geschafft, eine Politik, die die große Koalition noch vor einem Jahr lauthals ablehnte, zu einer Politik zu machen, die alles rechts vom äußersten linken Rand für alternativlos hält.

Pegida hat gesiegt, auf ganzer Linie, von der Grenzsicherung bis zur Obergrenze, von schnelleren Abschiebungen bis zur Abkehr von einer "europäischen Lösung" der Flüchtlingskrise.

Der regelmäßige Protest der vermeintlich besseren Bürger, die gegen den Rassismus, die Regierungskritik und die Rußlandfreundlichkeit der Pegida-Demonstranten auf die Straße gingen, ist völlig eingeschlafen oder auf Häufchen Linksextremer zusammengeschmolzen, nicht nur in Sachsen, sondern bundesweit. Wo anfangs noch jeder Pfarrer eine Chance sah, sich und seinen Aberglauben durch Stromabschalten oder Friedensgebet ins Gespräch zu bringen, versammelten sich im vergangenen halben Jahr nirgendwo mehr selbsternannte Gegendemonstranten. Pegida ist zu einem allgemein akzeptierten Phänomen geworden, geschrumpft zwar, weil die regierungskritische Botschaft inzwischen auch im Kanzleramt angekommen ist. Doch immer noch größer als der Protest gegen den Protest, der vor allem von fleißigen Medienarbeitern am Leben gehalten wird.

Draußen im Land hat sich die Uhr weitergedreht. Tabus sind gefallen, Bund und Länder machen längst Pegida-Politik.

Der zur Tarnung dieses Umstandes mit Regierungsmillionen geförderte Kampf gegen den Hass ist unterdessen ein größeres Problem für die Demokratie als die von ein paar tausend besorgten Bürgern öffentlich ausgestellte Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“, vor „Bootstouristen“, „Kulturbereicherern“ und „Scheinasylanten“ - Begriffe, die eine politische Grundsatzdiskussion zuspitzen sollen, unterdessen sämtlichst als "Hass" gelten.

Deutschland hat sich vor allem in dieser Hinsicht verändert. Wenn Pegida-Teilnehmer rufen „Wir sind das Volk“, dann ist das ihr gutes Recht - ebenso wie jeder andere Bürger sich für das Volk halten kann. Wenn die politische Klasse meint, dies sei nicht das Volk, dann darf sie aus dieser Einsicht heraus handeln und sich bei den nächsten Wahlen bestätigen lassen, dass sie richtig lag. Wenn andere Teile des Volkes der Ansicht sind, andere teile des Volkes seien - im Unterschied zum eigenen Teil - nicht das Volk, dann ist auch das erlaubt. Auch die heute als "friedlich" bezeichneten Demonstranten der End-DDR-Zeit waren nie eine Mehrheit der Bürger, auch sie wollten „Widerstand“ leisten gegen eine Staatsspitze, die nicht mehr als Vertretung der eigenen Interessen wahrgenommen wurde. Und gegen eine „Lügenpresse“, die dem Umstand, dass dieses Gefühl einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkkerung umtrieb, mit Ignoranz begegnete.

Trotz des nachgelassenen medialen Interesses an der Pegida-Bewegung, der es angesichts einer weitgehend auf Pegida-Kurs geschwenkten Bundesregierung nicht mehr gelingt, starke Medienreize durch vermeintlich harte Forderungen zu setzen, finden die Spaziergänge in Dresden weiter statt. selbstorganisiert, selbstverständlich. Zu Gegendemonstrationen hingegen musste anlässlich des 2. Jahrestages der Demos das Dresdner Rathaus aufrufen. Gemeinsam mit linksradikalen Gruppen wie „Nope“ und „Kaltland-Reisen“ soll gegen die Demonstrationsfreiheit für die demonstriert werden, die „Totalitarismus, Hass und jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ auf die Straße bringen.


Sonntag, 16. Oktober 2016

Bundestagswahl: Nominiert die SPD Schulz oder Merkel?

n-tv sieht die Chancen von Angela Merkel schwinden, als SPD-Kanzlerkandidatin antreten zu dürfen.
Die Stimmungslage in der Partei ist gespalten, die Emotionen kochen hoch, die Entscheidung steht auf Messers Schneide. Wer wird nach der überraschenden Absage von Til Schweiger SPD-Kanzlerkandidat? Wer führt die Partei der Bebel, Luxemburg, Brandt, Schmidt, Oppermann, Edathy und Schröder zurück ins Bundeskanzleramt?

Selten war die Partei so schwach, so gespalten, so von einem erlahmten Kampfeswillen geprägt. Seit der ehemalige Volksschullehrer Sigmar Gabriel die Führung der deutschen Sozialdemokratie übernahm, sackten nicht nur die Umfragewerte, sondern auch das Selbstbewusstsein der Partei in den Keller. Sozialdemokraten treiben nicht mehr, sind sind getrieben, meist von der Angst vor dem Machtverlust.

Dessen nächste Stufe steht für den kommenden Herbst an, wenn die schwankenden Gestalten der im Lande weitgehend unbekannten Parteiführung gezwungen sind, sich für oder gegen Zuwanderung, für oder gegen Ceta und TTIP, für oder gegen einen neuen Krieg mit Russland und für oder gegen höhere Staatsausgaben auszusprechen. Wer soll es machen? Fragende Blicke aus den Abgeordnetenreihen gehen inzwischen nicht mehr nach Hannover, wo Parteichef Gabriel ein zusehends desperates Regime führt. Und auch nicht nach Berlin, wo Angela Merkel mit populistischen Maßnahmen nach dem Pegida-Forderungskatalog um ihre Beliebtheit kämpft.

Sondern nach Brüssel, wo mit Martin Schulz eine nach einem Vierteljahrhundert in der Europa-Politik ebenso verbrauchte Figur sitzt, die Sozialdemokraten dennoch als letzte Hoffnung für frischen Wind gilt, weil sie bei vielen Medien eine rätselhafte Beliebtheit genießt.

Der Nachrichtensender n-tv, für gewöhnlich gut unterrichtet über die internen Blähungen des Parteiapparates, spekuliert nun bereits darüber, ob nicht Schulz, seit Menschengedenken ein Mann von morgen, statt Angela Merkel für die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 ziehen könnte. 

 "Um gut abzuschneiden, braucht die SPD einen aussichtsreichen Kanzlerkandidaten", analysiert der Sender, "den Zahlen zufolge sollte dieser nicht Sigmar Gabriel heißen." Auch Angela Merkel habe kaum noch Aussichten auf eine Nominierung durch die SPD-Parteibasis. Denn der EU-Parlamentspräsident, der parteiintern für diesen Posten zurzeit heiß gehandelt werde, habe "deutlich bessere Chancen, sozialdemokratische Stimmen zu holen als Bundeskanzlerin Angela Merkel", heißt es weiter.

Zwar reicht es auch bei dem Brüsseler Bürokraten, der derzeit dringend einen neuen Job braucht, weil seine Amtszeit als Parlamentspräsident ausläuft, nicht zur Mehrheit. Aber kosmetisch gesehen wäre seine Niederlage für die SPD leichter zu verkraften. Zahlen aus dem neuen Stern-RTL-Wahltrend zeigen: Träte Gabriel an, würden sich nur 18 Prozent der Deutschen für ihn entscheiden. Schulz schneidet in der Kanzlerfrage besser ab, er würde immerhin  29 Prozent der Stimmen holen. Nominiert die SPD Angela Merkel, schaffte sie zwar 45 Prozent und würde die SPD damit erstmals seit Gerhard Schröäder wieder ins Kanzleramt führen.

Doch tut sich die Partei das an? Eine Christdemokratin zu nominieren, auch wenn diese im Herzen sozialdemokratischer denkt und regiert als seinerzeit Gerhard Schröder?

Nein, glaubt n-tv-Analytiker Christian Rothenberg. Schulz habe bessere Chancen auf eine Nominierung als Merkel, weil die Traditionsparte SPD immer noch Wert auf äußerliche Gruppenzugehörigkeit, gemeinsamen Glauben und westdeutsche Herkunft lege.

Für eine stolze Partei wie die SPD mache es einen wichtigen Unterschied, ob sie wenigstens so getan habe, als strebe sie nach der Macht oder ob sie bedingungslos die eigene Kanzlerin unterstütze.

Sigmar Gabriel hat das schon signalisiert. Er sieht seine Partei trotz Umfrageergebnissen um die 20 Prozent in der komfortablen Lage, dass  Sozialdemokraten mehreren Personen für geeignet halten würden. Er selbst? Schulz? Oder doch Merkel? "Ich bin jedenfalls ganz entspannt", sagte er, als er kürzlich darauf angesprochen wurde. In der SPD wird auch eine Urwahl ins Spiel gebracht. Bei mehr als einem Bewerber könne man über den Kanzlerkandidaten abstimmen, heißt es. Der müsse nach den Regeln nicht Parteimitglied sein.

Samstag, 15. Oktober 2016

HFC: Ein Sieg mit Musik


Irgendwo hier soll Euphorie sein, hat das Präsidium des Halleschen FC festgelegt. Könnte, müsste, sollte, denn vor dem Spiel gegen den alten Oberliga-Rivalen Zwickau sind es wirklich nur vier Punkte bis zu Platz zwei in der Tabelle. Andererseits: Der Hallesche FC geht diese erste volle Saison unter Neutrainer Rico Schmitt in einem seltsam schwankenden Gang an. Dem gloriosen Auftakt gegen Erfurt folgten niederschmetternde Spiele gegen Frankfurt und Hansa Rostock. Zwar reichte es zumeist irgendwie doch zu einem Unentschieden, zumindest daheim. Doch einen potentiellen Aufsteiger haben die rund 7000 Stammzuschauer im ehemaligen Kurt-Wabbel-Stadion bisher noch nicht gesehen.

Die Euphorie ist denn auch eher Behauptung als Fakt, zumal das Spiel gegen die Sachsen mit einer Schweigeminute für den unter unklaren Umständen umgekommenen FCM-Fan Hannes beginnt, an dem - "Mörder"-Rufer aus dem Zwickauer Block wissen schon mehr - HFC-Ultras beteiligt gewesen sein könnten. Zehn Minuten schweigt die hallesche Kurve, die mitgereisten FSV-Fans erweisen dem Toten ihren respekt, indem sie die Situation nutzen, ihre eigenen Lieder zu schmettern. Unten auf dem Rasen wirken die Männer von Rico Schmitt, als sei ihnen die Situation unangenehm. Fünf Minuten passiert beim Favoriten nach vorn nicht. Der Aufsteiger hingegen spielt selbstbewusst, was er kann. Und hat in der 6. Minute eine Riesenchance. Zum Glück für die Hallenser, die noch gar nicht richtig mitmachen, schießt Christoph Göbel freistehend am Tor vorbei.

Im Gegenzug zeigt der wachgerüttelte HFC nun allerdings, dass er die drei Punkte zu Hause behalten will. Erst verzieht Baumgärtel knapp. Dann trifft Pintol nur den Pfosten.

Eigentlich spielt jetzt auch nur noch der HFC, von hinten heraus dirigiert durch den enorm präsenten Royal-Dominique Fenell. Zwickau kommt zu gefährlichen Kontern, hält das 0:0 aber nur, weil Halle rechtslastig spielt und sich immer wieder zwingen lässt, in enge Räume hineinzulaufen. Während Aydemir und Baumgärtel auf der linken Seite sich manchmal minutenlang auch einfach auf den Rasen setzen könnten, weil kein Ball in Richtung kommt.

Eine Halbzeit zum Vergessen, die dem HFC 70 Prozent Ballbesitz, aber kein Tor bringt.

Mit dem Anpfiff zur zweiten scheint es erst so weiterzugehen. Doch in der 50.Minute zahlen sich die größere individuelle Klasse und die bessere Technik der Spieler in Rot-Weiß aus. Auf links zieht Baumgärtel an, seine Flanke erreicht Ajani. Und der köpft endlich zum längst verdienten 1:0.

Der Jubel der 7016 Zuschauer schmeckt im Abgang schwer nach Erleichterung, aber Feinschmecker sind hier ohnehin keine. Halle bleibt jetzt dran, Aydemir versucht es mit einem weiten Schlenzer von links, der Ball segelt aber knapp drüber. Dann wieder ein Foul im zentralen Mittelfeld, wieder ohne Gelbstrafe, diesmal aber wenigstens mit einem Freistoß. Baumgärtel läuft an, Brinkies im FSV-Tor bleibt bewegungslos stehen. 2:0.


Zwickau ist jetzt erledigt. Nichts geht mehr nach vorn. Und hinten fällt alles auseinander. Der HFC legt sich die Westsachsen jetzt geruhsam zurecht. Aydemir könnte den Sack zumachen, dann ist es Pfeffer, der abzieht. Auch Ajani versucht es noch einmal, wird aber - nach Ansicht der Tribüne - im Strafraum unfair gelegt.

Es gibt keinen Elfmeter, und trotzdem das 3:0. Nach einer Ecke bekommen die Schwarzen den Ball nicht weg. Fennell hat ihn, zieht ab. Und schießt in seinem sechsten Spiel im HFC-Trikot seinen dritten Treffer, der zugleich das 3-0 und die endgültige Spielentscheidung ist.

Glauben alle im Stadion, inklusive der inzwischen auf drei Positionen gewechselten HFC-Elf. Die spielt nun Jeder-will-mal mit dem eingewechselten Florian Brügmann als vorderstem Stürmer. Und der Stadionregie, die schaumbremsenden Deutschrock von Silly einlegt: "Kampflos" singt die Band quälend lange. Und kampflos will nun auch der HFC durch den Tag kommen.

Die Ordnung, die allein das Ergebnis gegen demoralisierte Zwickauer ins Ziel schaukeln könnte, fehlt plötzlich. Und ebenso plötzlich steht es nur noch 3:1. Vier Hallenser bekommen zentral vor dem eigenen Strafraum gegen Zugriff auf zwei Zwickauer. Einer davon steht ganz allein und der heißt Ronny König. Kurz abgezogen, Bredlow chancenlos.

Und der Glaube daran, dass das nur ein Schönheitsfleck ist, langt auch die verbleibenden fünf Minuten nicht, das Ergebnis zu halten. Jetzt ist es Ersatzkapitän Kleineheistmann, der die Tür öffnet. 87. Minute, Foul im Strafraum, Elfmeter für Zwickau. Fabian Bredlow zappelt, hüpft. Und hält. Der Ball aber springt wild am Fünfmeterraum herum, ein Zwickauer hat ihn. Den sich Kleineheistmann sofort mit angewinkeltem Knie vornimmt. Pfiff. zweiter Elfmeter. Vielleicht ein Weltrekord: Zwei Elfmeter in einer Spielminute vom selben Spieler verursacht.

Diesmal schießt Göbel und er trifft, das sichere 3:0 wird zum denkbar knappen 3:2 und selbst das wackelt noch bedenklich. Aber dann ist Schluss, endlich. Der HFC klettert fünf Plätze in der Tabelle nach oben. es sind nur noch drei Punkte bis Platz 2.


Wie es zur DDR kommen konnte

"Früher habe ich mich einmal darüber gewundert, daß sich 17 Millionen Deutsche 28 Jahre lang hinter Stacheldraht und Selbstschußanlagen gefangen halten ließen. In den vergangenen 26 Jahren, seit dem "Mauerfall", habe ich viel dazugelernt.

Man kann Menschen ihre Währung nehmen; sie wehren sich nicht. Man kann ihnen jahrzehntelang einen "Solidaritätszuschlag" abnehmen; sie wehren sich nicht.

Man kann Familien verunmöglichen, von einem Gehalt zu leben, sie zwingen, ihre intimsten Geheimnisse zu digitalisieren, man kann ihnen das Rauchen verbieten und ihnen wieder und wieder den Schornsteinfeger in ihr Haus schicken, man kann ihnen bunte Aufkleber für "Umweltzonen" aufnötigen, ihnen Geschichten vom Klimawandel erzählen, sie für Florian Silbereisen und "Monitor" zur Kasse bitten, sie zwingen, Müll zu trennen und Dosenpfand zu zahlen, sie 'stubsen', E10 zu tanken."

Carlos A. Gebauer

#NichtEgal: Sie nennen es Journalismus

Sich nie gemein zu machen mit den Dingen, über die man berichtet, nicht einmal dann, wenn sie grundgut sind, das war das Credo der Generation Hanns-Joachim Friedrichs, die mitangesehen hatte, wie schnell und gründlich sich die Vorstellung von "grundgut" zu ändern pflegt, wenn sich die Verhältnisse ändern. Und sie haben sich schon wieder: Zwei Jahrzehnte nach dem Tod von Friedrichs und zwei Jahre nach dem von Peter-Scholl Latour ist der Grundsatz nicht nur vergessen, sondern er ist von den Leitmedien als falsch erkannt worden. Unabhängigkeit, die Ware, die Journalismus verkauft, wird inzwischen meistbietend verhökert.

Die ehemals renommierte "Zeit" der Gräfin Dönhoff und die Altkanzlers Schmidt macht keinen Hehl daraus, dass ihre publizistischen Leistungen für jeden günstig zu haben sind. So hat die "Zeit"-Tochterfirma "Tempus Corporate" - spezialisiert auf "hochwertige Dienstleistungen in den Bereichen Corporate Media, Beratung und Veranstaltungen" - jetzt für die der Einhegung der Meinungsfreiheit auf einen übersichtlichen Korridor des Erlaubten dienende „#NichtEgal“-Initiative, die von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Google-Videoplattform Youtube finanziert wird. Man habe "die Storytelling-Formate" für die Kampagne konzipiert", preist die "Zeit" selbst an. Mit einer "redaktionellen Microsite" habe man "den Themenschwerpunkt der Initiative journalistisch umgesetzt", heißt es da wirklich und ernsthaft.

Sie fertigen Gebrauchsware, die von der in Sachen Zensur erfahrenen Google-Tochter Youtube und der als Propagandaarm des Innenministeriums gegründeten ehemaligen Bundeszentrale für Heimatdienst bezahlt wird. Und nennen es "Journalismus".

„Informieren, begeistern, kontern – das ist unser journalistischer Dreiklang für dieses wichtige gesellschaftliche Thema", beschreibt die "Zeit", in welchem Maß die Sitten wirklich verfallen sind. Das hier präsentiert "Angebot für die User" mit "vielfältigen Geschichten rund um das Thema Toleranz und Respekt für ein friedliches Miteinander“ (Chris Höfner, Leiterin Digitale Medien), ist ein einziger Werbefilm, glaubwürdig wie ein McDonalds-Clip, die neue VW-Kampagne oder das Wahlplakat einer politischen Partei.

Im Auftrag von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, die "Schirmherrin" der #NichtEgal-Bewegung ist, will die "Zeit" nach eigenen Angaben "positive Stimmen im Netz verstärken und zeigen, dass Hass im Netz #NichtEgal ist". Dafür bekommt sie Geld, dafür opfert sie ihre Glaubwürdigkeit, indem sie mit Staat und Großkonzernen ins Bett steigt.

Und damit erntet sie einen sehr überschaubarem Erfolg: Bei Twitter kommt die Kampagne trotz des gewaltigen finanziellen Aufwandes, der staatlichen und medialen Unterstützung und der prominenten Zuarbeiter bis heute nicht einmal auf 650 Follower.

Der Kunde erkennt offenbar, wenn er es ist, der verkauft wird. Und sei es auch nur für dumm.

Freitag, 14. Oktober 2016

Klassenkampf: Pittiplatsch der Böse

Am Anfang stand die Opposition gegen die anmaßenden Forderungen des staatlichen Fernsehsender MDR einsam und allein an der Aus-Linie. Einige Dresdner Fanclubs, engagierte Freiheitskämpfer und notorische Verfechter der alten Idee des Volkseigentums prangerten den Versuch des MDR an, es den Dynamo-Fanclubs zu verbieten, in ihrer Kurve eine Fahne mit dem lieben, guten Gesicht des DDR-Fernseh-Kobolds Pittiplatsch aufzuziehen.

Der MDR hatte sich die Markenrechte an der Figur gesichert, ein Eigentum, dass er auch gegen Zitate und auch gegen die Benutzung durch seine eigenen Zuschauer zu schützen gedenkt. Oder besser gedachte. Denn inzwischen hat der Kampf um die Kultfigur die Leitmedien erreicht. "MDR will bösen Pittiplatsch im Fanblock verbieten", schreibt die "Welt", "It's a Pitti!", ätzt das Fachmagazin 11Freunde.

Angeblich geht es nicht um Markenrechte. Sondern um Pittis bösen Blick. „Während die übrigen ,Sandmännchen‘-Figuren wenigstens originalgetreu verwendet werden, wurde Pittiplatsch teilweise so abgewandelt, dass das Gesicht nun böse und angriffslustig erscheint“, heißt es beim MDR, der vor Jahren bereits einen von PPQ initiierten Einsatz von Pittiplatsch gegen rechts mit Hilfe einer Abmahnung unterbunden hatte. Pitti, der schwarze Zwerg, der Kobold, der eigentlich ein frühes Symbol für die Weltöffnung der DDR war, wird von Ewiggestrigen benutzt, um ein statisches Gesellschaftsbild zu etablieren. Ein Gesichtsausdruck nur wird ihm zugestanden. Ein Gefühl. Ein kindlich blödes Lachen.

Dabei ist Pittiplatsch nach Stefan Schwarz' "Soziologie des DDR-Abendgrußes" mutmaßlich ein Flüchtling, ein Bantu aus dem Niger oder dem Kongo, dessen Name sich vom suahelischen Wort „Pitia“ wie „Vorbeikommen“ ableitet. Pitti war einst gekommen, um "Jahre vorm westdeutschen Gastarbeitermitfühl-Hit „Griechischer Wein“ die Migrantenproblematik im ostdeutschen Fernsehen zur Sprache" zu bringen, so Schwarz. Ein Thema, das der MDR aus den Fußballstadien heraushalten will.

Doch eine Online-Petition kämpft nun gegen die Willkür der Enteigner aus dem Funkhauspalast in Leipzig.

PPQ empfiehlt ausdrücklich die Unterzeichnung dieser freundlichen Bitte an die Obrigkeit, weil diese Petition genau den Humor der Redaktion trifft.

(T-Shirt oben im Weihnachtsgeschäft erhältlich im PPQ-Shop)

Foto-Forensik: Fuß in weißer Socke

Fünfzehn Jahre tot im Wald und plötzlich findet sich da DNA. Nicht irgendwelche, sondern die des zumindest virtuell verurteilten Terroristen Uwe Böhnhardt, dessen auf das Opfer übertragene Genmaterial damit einen neuen Haltbarkeitsrekord aufgestellt hat. Falls es nicht doch wieder Wattestäbchen waren, die polizeiliches Rätselraten auslösen und die mediale Phantasie befeuern.

Die scheint hingegen komplett gelähmt, wo es um den Verdacht geht, die als Helden von Leipzig gefeierten Mitglieder der syrischen ad-hoc-Bürgerwehr, die den gesuchten mutmaßlichen Terroristen Dschabr Al-Bakr überwältigt und an die Polizei übergeben hatten, könnten selbst Mitwisser oder gar Mittäter ihres vermeintlichen Gefangenen gewesen sein. Diesen Verdacht hatte Al-Bakr Medienberichten zufolge kurz vor seinem plötzlichen Tod in der Zelle geäußert.

Seitdem nichts mehr davon. Außer dem in Blogs und Foren geäußerten Verdacht, die Person, die Al-Bakr auf dem oben abgebildeten Foto festhält, könnte eine Frau sein, sind alle Spekulationen verstummt. Dabei ist der Eindruck falsch: Der Unterarm der Person, die Al-Bakr hält, ist behaart wie der eines Mannes. Der Fuß in der weißen Socke ist eindeutig der eines Mannes. Auch der Daumen ist offensichtlich männlich. Der Gürtel mit den hübschen Ringen, der einen anderen Anschein erwecken könnte, ist nur eine Modesünde, wie sie in Nordafrika nicht selten selbstbewusst getragen wird.

Das Foto an sich ist forensisch gesehen eine Fundgrube. Der festhaltende Mann nämlich drosselt den gefesselten Terroristen unter Einbeziehung des Kieferknochens - also gar nicht. Al-Bakrs Hände sind zudem am Unterarm gefesselt - also gar nicht, weil der Gefesselte so eigentlich genug Spielraum hätte, sich zu befreien.

Dasselbe gilt für seine Füße, die mit einem Elektrokabel zusammengebunden sind. So ein Kabel taugt nicht zu diesem Zweck, wenn der Gefangene nicht mitspielt. Tut Al-Bakr das? Oder ist er, wie sein duldender, unbeteiligter Gesichtsausdruck andeutet, durch Gewalt - Blut auf den Lippen - so eingeschüchtert, dass er es nicht mehr wagt, Widerstand zu leisten? Dazu würde passen, dass Al-Bakr die Augen in einem Moment geschlossen hält, in dem jeder instinktiv versuchen würde, zu sehen, was um ihn herum passiert.

Für Dschabr Al-Bakr ungewöhnlich, denn der unauffällige junge Mann hatte bis dahin Unerhörtes vollbracht, wie die zeitleiste seiner Aktivitäten zeigt. Nicht nur, dass er es schon nach vier Wochen in deutschland geschafft hatte, eine Duldung für drei Jahre zu erhalten. Nein, er hatte auch eine Wohnung und große Pläne. Al-Bakr machte Urlaub in der Türkei und er besuchte dabei wohl auch seine Familie in Syrien. Zwei bis drei Reisen in den Süden gönnte er sich, zum Teil monatelange.

Im Herbst 2016 dann kehrte plötzlich eine andere Person zurück: Ein Islamist, ein Attentäter, ein Selbstmordmörder, der Bekannten erzählt, er bekomme viel geld, wenn er einen Koffer auf einem deutschen Bahnhof platziere.

Al-Bakr weiß Ende September noch nicht, wie Sprengstoff geht, deshalb sucht er nach Angaben des verfassungsschutzpräsidenten "ab Anfang Oktober" im Internet nach Bombenbauplänen. Auf Syrisch. Eine andere Sprache spricht er nach späteren Erkenntnissen der sächsischen Justiz nicht. Zwischen 1. und 5. Oktober gelingt es ihm dennoch, im arabischsprachigen Internet fündig zu werden: Al-Bakr hat nun Herstellungsrezepte und eine Bauanleitung für eine Sprengstoffweste hat er auch.

Nun geht alles noch schneller. Schon am 7. Oktober hat der fleißige junge Mann alle nötigen Zutaten eingekauft und 1,5 kilogramm APEX auch schon fertig angerührt. Leider ist er dem Verfassungsschutz aufgefallen, weil der in Eilenburg ein Handy ortet, "das auf einen Phantasienamen zugelassen ist" (Maaßen). Auch Al-Bakr wohnte in Eilenburg. Deshalb warnt der Geheimdienst den generalbundesanwalt, der sich allerdings weigert, den Fall zu übernehmen.

Die sächsischen Behörden müssen aushilfsweise ran. Sie rücken mit 700 Beamten an, unter deren Augen Dschabr al-Bakr im Morgengrauen des 8. 10. mit "fehlender Körperspannung und schlurfendem Gang" (Personenbeschreibung) davonspaziert. Weil die Sonderensatzkommandos "35 Kilo Sonderausrüstung" (Innenministerium) tragen, können sie ihm nicht folgen. Al-Bakr lässt allerdings seinen Sprengstoff zurück.

Er fährt nach Eilenburg und kratzt an seiner alten Wohnungtür. Er fährt nach Leipzig weiter. Und sucht unter syrischen Flüchtlingskollegen Obdach per syrischer Flüchtlingscommunity im Internet. Nach 48 Stunden auf der Flucht wird am 10.10. von seinen Gastgebern in Leipzig zusammengeschlagen und mit Elektrokabeln gefesselt. Die Polizei kommt nach mehrfacher Aufforderung und holt ihn ab.

Am 11.10. bezichtigt Al-Bakr seine Häscher, eigentlich seine Terrorhelfer gewesen zu sein. Am 12.10 stirbt er unter dauernder Beobachtung im Gefängnis.

An der Leiche wird in einigen Jahren DNA von Uwe Böhnhardt gefunden werden.

Politik, das große Spiel

Politik stellt einen wichtigen Teil des Alltags dar. Ganz gleich, ob man direkt involviert ist oder nicht - mit aktuellen politischen Geschehnissen kommt man immer wieder in Berührung. Politik entscheidet darüber, wie wir reisen, wie viel etwas kostet und welchen Zugang zu Dienstleistungen und Angeboten wir haben. Außerdem werden derzeitige politische Entwicklungen in Fernsehserien, Filmen oder Liedern aufgegriffen.

Videospiele haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Früher wurden simple Geschichten erzählt, heute sehen wir legendäre Abenteuer. Sowohl Technologien als auch Inhalte werden immer komplexer. Mittlerweile ist auch Politik zu einem wichtigen Element in Videospielen geworden.

Hier sind einige Beispiele: Papers, Please: A Dystopian Document Thriller ist ein Strategiespiel, in dem der Spieler die Grenze des imaginären Landes Arstotzka bewachen muss. Man muss die Dokumente aller Menschen überprüfen, die einreisen wollen und gefährlichen Personen den Eintritt verweigern. Da man nur eine begrenzte Zeit hat, muss man schnell arbeiten, alle Informationen auswerten und aufpassen, trotz des Drucks keinen Fehler zu machen. Auch das finanzielle Budget des Charakters und seiner Familie muss man im Blick behalten.

Politik Simulator 3: Masters of the World bietet dem Spieler die Möglichkeit, als Staatsoberhaupt zu agieren und das Land zu regieren. Man muss sich mit Wirtschaft, Umwelt, Transport, Kultur, Handel, Krieg, Spionage und vielem mehr auseinandersetzen. Man kann sich mit anderen Ländern zusammenschließen und Verträge mit Verbündeten und Feinden aushandeln. Im Spiel gibt es vielfältige Optionen, wodurch man einen guten Einblick in das Leben eines Politikers bekommt - mit allen Herausforderungen und Problemen.

In der Zukunft werden Videospiele wahrscheinlich immer mehr von Politik beeinflusst werden. Derzeit spiegeln sie lediglich das wahre Leben wider. Aber viele Menschen, die sich schon als Kinder für Videospiele interessiert haben, sind mittlerweile erwachsen und haben großes Interesse an Politik. Daher werden auch immer mehr Spiele entwickelt, die Menschen auf unterschiedlichen Ebenen ansprechen.

Dies bedeutet, dass wir in der Zukunft vielleicht Spiele mit komplexen Handlungen von Telltale spielen, Online-Slots im Lucky Nugget Casino, ein Open-World-Spiel von Ubisoft und vieles mehr. Diese Spiele könnten eine realistische Darstellung aktueller politischer Gegebenheiten sein oder auch eine sorgenfreie, humorvolle Perspektive bieten. Ganz sicher ist jedenfalls, dass sich politische Spiele immer weiterentwickeln und bald viele verschiedene Genres abdecken werden.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Die letzten Pfeiler brechen: Winter ohne Zahnlücke

Der Mann mit der Zahnlücke jetzt ohne: Justin Sullivan von New Model Army wartet auf den Winter.
Die Welt ändert sich, steter Wandel zeugt davon. Grenzen gehen auf, große Männer fallen. Banken scheitern, die die Menschen für die Herren der Erde hielten. Bundespräsidenten müssen zurücktreten, Päpste gehen in den Ruhestand, Kämpfer für die Meinungsfreiheit fordern schärfere Gesetze gegen die freie Meinungsäußerung.

Gut, wenn es mittendrin Dinge gibt, die immer gleich bleiben. Das Wetter in Deutschland, das wie zu Zeiten der wendischen Besiedlung noch immer zu warm oder zu kalt ist. Oder die Politik, die nie das tut, was sie soll, sondern immer das, was sie nicht tun können sollte. Und Justin Sullivan, den Sänger und Kopf der englischen Rockband New Model Army, der dem glattgebügelten Zeitgeist seit fast vier Jahrzehnten mit einer klaffenden Lücke inmitten seiner Frontzähne ins Gesicht lacht.



Eine Lücke, die der inzwischen 60-Jährige nicht wie sein Kollege Shane MacGowan aus Zahnarztangst zur Schau stellt, sondern aus ideologischen Gründen: Chancen auf Ruhm in den USA habe seine Band nur, wenn er sich das Gebiss reparieren lasse, hatte ihm seine US-Plattenfirma wissen lassen.

Für Sullivan folgte eine Lebensentscheidung daraus: Nie und niemals werde er sich die Zahnlücke sanieren lassen, beschloss er.

Doch die Welt ändert sich. Und auch die letzten Pfeiler dessen, was über Jahrzehnte unverrückbar schien, kommen ins Rutschen. Neulich noch, als er vor die Kamera trat, um ein Video für das neue, überaus grandiose Album „Winter“ zu drehen, trug Justin Sullivan die Zahnlücke stolz wie ein GI seine Fahne. Trotzig und schwarz wie die Nacht leuchtete sie in die Kamera, ein Ausweis der Unbeugsamkeit. Sullivan, ein Skeptiker und Mahner der angehmen Art, beschwört das "Winter is coming" aus einer populären Fernsehserie als eigene Prognose. "I fear the age of consequence and I wish that it was over / bring me the snowfall, bring me the cold wind, bring me the winter."

Es wird kalt und die alten Gewissheiten schwinden. Selbst die, die unverrückbar scheinen: Als New Model Army jetzt auf Tour zum neuen Album gingen, waren nicht nur die Lieder neu. Justin Sullivan ließ auch einen neuen Zahn in die Welt blitzen.

Ein Schock wie der Mauerfall, der erste grüne Minister, die Entscheidung für den Bail-out-Griechenlands und die Ankündigung der EZB, künftig Null-Zins-Geld verteilen zu wollen. Die Welt ist nicht mehr dieselbe

Nichts ist nun mehr noch, wie es immer war. Und wird es nie mehr werden.

Terror-Desaster: Tod in Dunkeldeutschland

Es war der erfolgreichste Anti-Terroreinsatz der jüngeren Geschichte, nur noch vergleichbar mit der Ergreifung der Mitglieder des NSU in einem Zwickauer Wohnmobil. Doch er endet im Desaster. Dschabr Al-Bakr, der Mann, der in dieser Woche Anschläge auf zum Teil noch im Bau befindliche Berliner Flughäfen geplant hatte, ist tot. Der 22-jährige Flüchtling aus Syrien ist tot.

Wieder ein toter Flüchtling. Wieder Ostdeutschland. Geschwächt durch einen Hungerstreik und wegen akuter Suizidgefahr unter ständiger Beobachtung, soll sich der von drei Landsleuten gefasste und an die Polizei übergebene mutmaßliche IS-Terrorist in seiner Haftzelle in Leipzig erhängt haben.

Kurz zuvor hatte er seine Häscher noch als Mitwisser seiner geplanten Anschlagserie beschuldigt haben - wie alles in diesem Fall drang auch diese Information brühwarm aus dem Ermittlungsapparat nach draußen. Stunden später die Schocknachricht: 48 Stunden in Haft kosten den Verdächtigen das Leben.

Das politische Deutschland ist fassungslos. „Wie konnte das geschehen?“, fragte der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter. Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs schrieb: „Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre.“ Erst Pegida, dann das! Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen kommentierte, er sei „sprachlos“ und sage das deutlich. Auch der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner fragte: „Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?“ Dass sich jemand in seiner Zelle erhänge, sei naheliegend. Aber tot aufgefunden werden? Nur in Dunkeldeutschland.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, hat folgerichtig Erklärungen zum Tod jungen Mannes gefordert. „Ich erwarte, dass es morgen bessere Erklärungen zum Tod von Al-Bakr gibt als das Abtauchen aller Zuständigen heute“, schrieb Lemke, die aus Dessau stammt, wo vor elf Jahren der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh in einer Gefängniszelle verbrannt war. Für den rätselhaften Vorgang gibt es auch heute noch keine Erklärungen, linke Aktivisten vermuten Mord.

Al-Bakr war war im vergangenen Jahr als syrisches Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland gekommen, hatte seitdem mehrfach Reisen in die Türkei angetreten und auch - mutmaßlich über die Balkanroute - in seine syrische Heimat besucht. Nach seiner Rückkehr hatte er dann nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ab "Anfang Oktober 2016 im Internet nach Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffvorrichtungen und Ausrüstungsgegenständen für den sogenannten "Dschihad" gesucht".

Al-Bakr war damit auf einem guten Weg, den Weltrekord in der Disziplin "Terroranschlag mit der kürzesten Vorbereitungszeit" zu brechen: Schon drei bis vier Tage nach dem Beginn seiner Suche nach "Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffvorrichtungen und Ausrüstungsgegenständen für den Dschihad verfügte er über mindestens 1,5 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid, kurz auch TATP genannt, der nach einem deutschen Patent von 1895 aus Haushaltsreinigern zusammengemischt werden kann. TATP gilt wegen seiner Instabilität als praktisch nicht nutzbar.



Mittwoch, 12. Oktober 2016

Zitate zur Zeit: Maazlos

"Nach zwanzig Jahren ähneln die Krisensymptome des ,real existierenden Kapitalismus' denen des ,real existierenden Sozialismus' auf erschreckende Weise. Es ist vor allem die Unfähigkeit, Ursachen einer krisenhaften Fehlentwicklung zu erkennen und dementsprechend umzusteuern.

Der Sozialismus ist gescheitert, weil die Menschen mehr haben wollten, als zur Verfügung stand. Der Kapitalismus scheitert, weil die Menschen mehr konsumieren und in Anspruch nehmen, als sie verdient haben."


Hans-Joachim Maaz würde das Verhalten der Kanzlerin als vollkommen irrational bezeichnen

Helden des Alltags in einem Land im Anti-Terrorkampf

Hand aufs Herz, welcher Deutsche hätte das getan? Einen Landsmann, einen Menschen vom selben Blut, von derselben Erziehung, vom selben Stamm, mit denselben Genen vielleicht sogar, an die Polizei verraten? Nur weil derjenige als Terrorist gesucht wird, weil er sich gerade darauf vorbereitet, einen verheerenden Bombenanschlag auf den letzten noch einigermaßen betriebsbereiten Berliner Flughafen vorzubereiten? Nur weil der Verdächtige "mit Hochdruck an der Herstellung einer Sprengstoffweste" (Spiegel) arbeitet? Nur weil er eventuell Kontakte zum Islamischen Staat hatte? Und nur weil man zu dritt und damit in der Überzahl und damit im Grunde auf der absolut sicheren Seite ist?

Deutschlands Geschichte zeigt, dass Deutsche hier zögerlich sind. Die RAF konnte sich Jahrzehnte im Untergrund halten, weil Menschen vom gleichen Stamm und Menschen vom gleichen Glauben halfen, wo sie konnten. Sie beherbergten die Mitglieder der Mordkommandos nicht nur eine Nacht, wie die drei mutigen Syrer, sondern immer wieder. Ein "Spiegel"-Chefredakteur pflegte innige Kontakte zur Führungsebene der selbsternannten Roten Armee, deren Aussteiger später von staatswegen auf der anderen Seite der Mauer in die proletarische Gesellschaft integriert wurden.

Dasselbe Jahre später beim NSU: Kein Gesinnungsgenosse, ja, nicht einmal die staatlichen Helfer und Unterstützer von MAD und Verfassungsschutz kamen auf die Idee, ihre Schützlinge ans Messer der verzweifelt nach Juwelendieben suchenden Polizei zu liefern.

Deutsches Erbe, immer gemeinsam bis in den Untergang. Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant! Bis heute würde, quartierte sich bei ihm ein steckbrieflich gesuchter Terrorist ein, kaum ein Inländer muff oder meff sagen, schon gar nicht zu den Behörden. Selbst drei Gastgeber, körperlich überlegen und mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite, trauten sich keinesfalls, den Verdächtigen zu überwältigen, ihn mit Elektrokabeln zu verschnüren und die Polizei zu rufen. Böte er gar noch ein wenig Kleingeld für seine Rettung, würden die Herzen weich.

Syrer sehen das ganz anders. Für sie ist es ganz selbstverständlich, dort zu handeln, wo der
Rechtsstaat versagt. Bemerkt der deutsche Geheimdienst, dass da jemand in Chemnitz "im Internet nach Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffvorrichtungen und Ausrüstungsgegenständen für den sogenannten "Dschihad" gesucht" hat (Tagesschau), dann schlägt er Alarm, denn der deutsche Geheimdienst überprüft fortwährend alle Menschen, die von Deutschland aus solche Anleitungen anklicken.

Klingelt dieser Alarm dann auch bei den deutschen Syrern, zögern die im Gegensatz zu den echten Deutschen nicht: Wird einer der ihren polizeilich gesucht, wie jetzt Dschaber al-Bakr aus Chemnitz, dann locken sie ihn erst gewieft in ihre Wohnung, bewirten ihn vermeintlich freundlich mit leckerem Lamm - und strecken ihn dann, wenn er eingelullt ist, so gründlich nieder, dass die deutsche Polizei das verschürte Terror-Paket nur noch abholen kommen muss.

Freiheitsberaubung? Selbstjustiz? Eine syrische Bürgerwehr, die das Recht in die eigene Hand nimmt?

Nein, es sindHelden des Alltags in einem Land im Anti-Terrorkampf, Helden, denen nur schoflige Politiker aus Sachsen nicht Dank sagen.

Alle anderen wissen: Sicherheit gibt es nur dank Syrern. Das muss belohnt werden, Gesetz hin oder her.