Mittwoch, 25. März 2020

Triumph der Prepper: Wer zuletzt lacht

Untergang Coronakrise Prepper leere Regale
Wenn die Regale sich leeren, lacht der Prepper vor Vorfreude auf das Ende.

Was sind sie verlacht worden. In ihrem Hang, sich vorzubereiten, den Ernstfall zu planen, Vorräte anzulegen und bereit zu sein, wenn alles zusammenbricht. Sie hatten Nudeln, Reis und Wasser gehortet, um prepared zu sein, wenn es zum Äußersten kommt. Der Blackout, das Ende der gewohnten Welt. Prepper pflegten den unerschütterlichen Glauben, hinter der sichtbaren Wirklichkeit verbürgen sich geheime Kräfte, dunkle Schattenwelten, allmächtige Herrscher, die das Leben der einfachen Menschen mehr bestimmten als Angela Merkel, die Uno und Donald Trump zusammen.

Treffpunkt Internet


Das Internet war ihr Treffpunkt, hier tauschten sie ihre Codes, hier verabredeten sie ihre gemeingefährlichen Aktivitäten. Nudeln, Reis, Bier und Löschkalk. Löschkalk für die, die es nach dem Ende nicht mehr lange machen würden, wenn die Bilderberger, die Freimaurer und das Haarp-System die Macht übernommen hätten. Kommt der Russe? Kommt der Chinese? Kommt ein Virus? Zwischen Salon-Antisemitismus und Verschwörung des Großkapitals war stets Platz für Fantasie. Die Mondlandung war erfunden, die Anschläge vom September 2001 verantwortete in Wirklichkeit der amerikanische Geheimdienst, der mit einem weltweiten System namens Echelon sämtliche elektronischen Lebensäußerungen aller Menschen jederzeit auffangen, filtern, ordnen und auswerten konnte.

Sicher auf jeden Fall: Eines Tages wären die Supermärkte leer, der Strom fiele aus, es kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn und es wird keine Zeitung mehr geliefert, so dass nicht einmal mehr Notklopapier greifbar ist. Die normalen Menschen würden dann stranden, verzweifelt und überrascht von einer Entwicklung wie die deutsche Regierung, die immer nur bei strahlendem Sonnenschein regiert hatte und nun auf einmal mit einem Ernstfall konfrontiert wäre.

Der weitverbreitete Glaube, dass jeder neue Kanzler von seinem Vorgänger einen atombombensicheren Aktenkoffer mit Papieren übergeben bekommt, in dem alles steht, was die Welt wirklich im Innersten zusammenhält, ist Unsinn. Kein Kanzler weiß etwas, schon gar nicht über Dinge, die man noch nicht wissen kann. Die große Verschwörung der Mächtigen besteht allein darin, dass sie verabredet haben, dass niemals jemand erfahren darf, wie wenig Macht und wie wenig Wissen sie wirklich haben.

Wer vorsorgt, wie zum Feind erklärt


Droht die Lage schwierig zu werden, verbreiten sie Durchhalteparolen. Es gebe keinen Grund zu Beunruhigung. Alles im Griff. Wer jetzt vorsorge, sei eine Feind der Gesellschaft, ein "Hamsterer", der sich am Gemeinwohl vergeht.

Nicht einmal 15 Prozent der Deutschen haben nach einer Untersuchung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz wenigstens für zehn Tage Vorräte daheim gelagert, weitere 20 Prozent könnten sich im Krisenfall etwa drei tage selbst versorgen. 75 Prozent aber brauchen den Supermarkt an der Ecke, den Bäcker, den Fleischer und den Starbucks nebenan spätestens an Tag 4. Sie verhungern sonst. Prepper wissen das, Medien mühen sich dennoch, gegen die Empfehlungen der Behörden anzuschreiben. Wird schon gut gehen. Ist doch immer gutgegangen.

Prepper mussten standhaft bleiben. Die Vorräte umwälzen, den Keller ausbauen, Tarnkleidung bügeln und sich Waffen verschaffen, denn nicht der mit den größten Vorräten überlebt, sondern der, der im Ernstfall an die Vorräte herankommt. Keine leichte Aufgabe, viele Jahre lang. Was wurde da nicht gelästert! Als Spinner mussten sich die Wackeren veräppeln lassen, als gefährliche Idioten, die dem Staat nicht trauen , also Staatsfeinde sind. Verfolgungswahn wurde ihnen attestiert, Weltuntergangsfantasien und ihr Hang, statt in vermögensbildende Lebensversicherungen einzuzahlen, alles in Krügerrand anzulegen, brachte ihnen Kopfschütteln ein. Gold wirft doch nicht mal Zinsen ab!

Leere Supermarktregale


Doch "nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her", hat der US-Schriftsteller Joseph Heller schon vor vielen Jahren festgestellt. Und wie recht er hatte, zeigt sich jetzt, wo der Corona-Virus den Alltag von Millionen durcheinanderswirbelt. Plötzlich sind die Klopapierregale leer, Reis ist aus, der Berg Wasserflaschen-Sixpacks im Supermarkt deutlich niedriger. "Wir kommen kaum hinterher", stöhnt die Verkäuferin, aber immerhin: Noch kommt der Nachschub.

Prepper warten auf den Tag danach, wenn der Abgrund sich auftut und die Normalität verschlingt. Dann,so wissen sie, ist nichts mehr wie vorher - und die Spinner mit dem Aluhut, der nach einer Idee von Julian Huxley, Bruder des berühmten "Schöne neue Welt"-Autors Aldous Huxley, vor außerirdischen Strahlen und Gedankenkontrolle schützen soll, sind auf einmal die Weitsichtigen, Cleveren. Die, die das alles schon immer gewusst haben. Die, die 300 Gläser Marmelade im Keller haben, 200 Kilo Mehl, sechs vollaufgelade Autobbatterien, 500 Liter Diesel, warme Ersatzsocken für 30 Jahre und Atemmasken, dass es für die ganze Nachbarschaft reichen würde.

In Wirklichkeit lachen sie dann zuletzt. Nur dass es niemand hört.

Dienstag, 24. März 2020

Correktiv: Die Fake-News-Könige

Das neue Blockwart-Tool von Correktiv erlaubt es, Falschmeldungen von Profis prüfen zu lassen.

"Gibt es wirklich eine „Pandemie“ des neuen Coronavirus?", fragte das Faktencheck-Team von Correktiv vor ein paar Wochen und kam zu einem klaren Urteil. Von einer „Corona-Pandemie“ zu schreiben, wie das rechte Propagandisten im Internet täten, sei "übertrieben", arbeiteten die Faktenexperten heraus, die auch im Auftrag von Facebook als Wahrheitsprüfer unterwegs sind. Man könne wohl vom „Ausbruch einer Krankheit" sprechen, wie es die amtliche deutsche Seuchenbehörde Robert-Koch-Institut tue, denn „die Anzahl von Personen mit einer bestimmten Infektionskrankheit in einer bestimmten Region und/oder einem bestimmten Zeitraum übersteige die erwartete Anzahl dieser Erkrankungen“.


Das sei auch laut Weltgesundheitsorganisation WHO beim neuen Coronavirus der Fall. Aber mehr nicht! Das Robert-Koch-Institut schätze die Möglichkeit einer Ausbreitung in Deutschland als gering ein, allenfalls "einzelne Fälle" (RKI) könnten auftreten können. Einen gebe es schon, in Bayern, so Correktiv, das sich mit dieser Darstellungsweise genau an die Leitlinie der Bundesregierung hielt.

Die war seinerzeit mit der rechten Gefahr beschäftigt, mit Anschlägen auf die Demokratie in Thüringen und der Verabschiedung umfassender neuer Steuererhöhungsgesetze. Der Gesundheitsminister hatte zudem alle Hände voll zu tun, um seine Anwartschaft auf eine spätere Kanzlerschaft zu sichern. Für Warnungen von Rechtspopulisten war dadurch ebenso wenig Zeit wie für die von Experten. Die öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien taten ein übriges, die Lage ruhig und die Menschen gelassen zu halten: Die "Dauererregung" wegen Corona sei "eher nicht angemessen", funkte das ARD-Faktenmagazin "Monitor" ins Land. Im Prinzip könne man aber schon absehen, dass die Gefährlichkeit des Virus deutlich geringer sei als ursprünglich angenommen, ließ das Magazin einen angesehenen Tropenmediziner erzählen.

Ein tödlicher Irrtum, mittlerweile für ein halbes hundert Menschen im Land. Aber kein Grund, nicht weiterhin nach einer Wahrheit zu suchen, die in den eigenen Kram passt. Für Correktiv ist nicht das Virus ein Problem, nicht das Versagen  der Staatsführung im Vorfeld und der rasend schnelle Abbau von Grundrechten im Versuch,  frühere Versäumnisse verspätet durch hektischen Aktionismus wiedergutzumachen. Sondern eine angebliche Fake-News-Seuche, die für Correktiv  eine Art neuerliche große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu werden verspricht.

Wenn nur genug Stoff reinkommt, der sich als "Falschmeldungen zu dem Coronavirus SARS-CoV-2" darstellen lässt, "damit Menschen keinen falschen Versprechungen oder Handlungsanweisungen folgen" (Correktiv). Um das sicherzustellen, hat Correktiv "ein Meldesystem eingerichtet, damit ihr uns verdächtige Nachrichten, Videos oder Bilder melden könnt".

Und das Tool zur Aufdeckung von Desinformationen kommt hervorragend an: So wurden binnen weniger Minuten nach Freischaltung der neuen Mitmachfunktion zur Enttarnung von Falschmeldern und Verwirrern Hinweise auf die "Tagesschau" gegeben, die behauptet hatte, Mundschutzmasken seien wirkungslos, ein Mediziner wurde überführt, der die Corona-Tests als Ursache verstärkter Sterblichkeit ausgemacht hatte, Gesundheitsminister Jens Spahns legendärer Satz „Wir sind gut vorbereitet!“ wurde gemeldet, die Aufforderung der ZDF-heuteshow, nicht auf Corona-Panikmache anzuspringen, das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundesregierung mit ihrem Hinweis, es würden nicht bald "massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens" angekündigt werden, und Peter Altmaiers Versprechen, kein einziger Arbeitsplatz gehe wegen Corona verloren.

Eine stolze Bilanz, die zeigt, dass die Menschen in der Krise bereit sind, mitzuarbeiten, wenn es um das Gemeinwesen und die Abwehr gefährlicher Falschmeldungen rund um den "Corona-Hype" (ZDF) geht. Schwere Zeiten für fragwürdige Figuren wie den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der Covid-19 als "nicht so ansteckend wie befürchtet" bezeichnet und "offen eingestanden" (Lauterbach) jhatte, dass die Bundesregierung "keine Fehler" im Umgang mit dem Erreger gemacht habe.

Jetzt heißt es Warten. Denn obwohl das Wahrheitsportal für "Recherchen für die Gesellschaft und mit der Gesellschaft" (Correktiv über Correktiv) nun sicher mit Hochdruck an der Prüfung der von freiwilligen Blockwarten anzeigten Falschnachrichten arbeitet, findet sich auf der Faktencheck-Seite bisher kein Hinweis auf einen Faktencheck eines über das Blockwart-Tool eingereichten Falles.

Corona-Spache: Ferientrip in die Apokalypse

Supertram Crisis what crisis
Mit dem Kunstwort "Corona-Ferien" gelang der Bundesworthülsenfabrik ein wirklichkeitsprägender Begriff, der aufgrund der veränderten Krisenlage nun aber hinderlich bei der Durchsetzung der Maßnahmen der Bundesregierung ist.

Sprache definiert Wirklichkeit, und die Bundesworthülsenfabrik (BWHF) designt Sprache für den politischen Gebrauch durch die Klasse der Entscheidungsträger in einem Land, das aufgrund seiner Geschichte sprachbelastet ist wie kein zweites. Seit 50 Jahren sind die Hülsendreher aus Berlin immer dort, das politische Geschehen tobt, wo geframt werden muss, vertuscht, verharmlost oder verschärfte, wo aus der Sprache die materielle Gewalt wächst, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen (Karl Marx), und wo es gilt, dem gemeinen Mann auf der Straße ein X für ein U vorzumachen.

Apokalypse in Zeitlupe


Auch in der Corona-Krise, eine Art zeitlupenhafte Apokalypse des Alltags, kam den Sprachtechnologen aus der BWHF von Anfang an eine entscheidende Rolle zu. Über Wochen hatte die Bundesregierung sich in Absprache mit den Parteiformationen der demokratischen Opposition bemüht, die aus China anschwappende Gefahr kleinzureden. Einerseits galt es, die Bevölkerung ruhig zu halten: Niemand wollte auf den Straßen Menschen sehen, die versuchen, sich mit Gesichtsmasken vor einer Tröpfcheninfektion schützen.

Zwar wäre das gesundheitlich zweifellos nützlich gewesen. Doch gesellschaftlich, so hatte das Kanzleramt beschlossen, sei der mutmaßliche Schaden höher einzuschätzen: Maskenmenschen senden ein beunruhigendes Alarmsignal aus, es bestand die Befürchtung, die Bürgerinnen und Bürger könnten den Ernst der Lage zu früh erkennen und an der Verlässlichkeit des Krisenmanagements der Großen Koalition zweifeln.

Panik und Beunruhigung hätten sich ausgebreitet, die offenen Grenzen wären ebenso infrage gestellt worden wie der Umstand, dass Deutschland offenbar nicht einmal über einen ausreichenden Vorrat an Billigmasken für alle Bürger verfügt. Das Risiko einer Spaltung der Gesellschaft in die, die eine Maske besitzen, und die, die keine haben ergattern können, was gewaltig - also wurden Experten in Marsch gesetzt, die entgegen jeder menschlichen Logik und aller Erfahrungen in anderen Ländern behaupteten, Gesichtsmasken nützen nicht nur nichts, sondern sie seien sogar gefährlich.

Kampagne gegen Bevorratung


Aus ähnlichen Beweggründen heraus startete eine Kampagne gegen die von der Bundesregierung selbst seit Jahrzehnten propagierte Bevorratung aller Haushalte mit einem Zehn-Tage-Vorrat an Lebensmitteln. Als "Hamstern" verleumdet, wurden die, die für sich und ihre Familien Ernstfallvorsorge betrieben, zu Volksschädlingen erklärt, deren Tun erst die Krise auslöse.

Die Rolle der Bundesworthülsenfabrik, die offiziell nie in die Regierungsarbeit während der Frühphase der Corona-Krise involviert war, bestand zwar auch in Sprachberatung etwa beim Kampf gegen "Hamsterer" - so wurde der aus der Zeit nach den beiden Weltkriegen stammende verunglimpfende Begriff aus dem Tierreich von einer vierköpfigen BWHF-Brigade aus dem hauseigenen Verbalarchiv geborgen und in einer Nachtschicht unter Quarantäne für den erneuten regierungsamtlichen Gebrauch aufgehübscht.

Geniestreich "Corona-Ferien"


Der wichtigste Beitrag der Worthülsendreher aber war zweifellos die Erfindung des Begriffes "Corona-Ferien", der passgenau beschwor, was die Bundesregierung in der Frühphase der Menschheitskrise zu propagieren versuchte: Corona ist nicht so schlimm, wir machen uns jetzt alle ein paar schöne Tage, geht raus, genießt die frische Luft, entschleunigt und überlasst den Rest uns.

Der Weltuntergang als langsames Wegdimmen der zivilisatorischen Errungenschaften des Abendlandes mit umfassenden Urlaubsverboten, Konsumverboten und Unterhaltungsverboten wurde mit Hilfe des von der Bundesworthülsenfabrik im Stile früherer Entwicklungen wie "Rettungspaket“, „Konjunkturspritze“, „Abwrackprämie“ und „Schuldenbremse“ designten Wortes zu einem fröhlichen Versprechen auf anstrengungslose Zeiten.

Ein Geniestreich, der erst mit einer gewissen Verzögerung seine wirklichkeitsprägende Kraft zeigte. Als in Berlin die nächste Stufe der Kriseneskalation eingeleitet werden musste, weil das laissez-faire der tatenlosen Monate seit Jahresbeginn wider Erwarten der Bundesregierung keinerlei Erfolg gezeitigt hatte, war der Gedanke von den Corona-Ferien bereits so fest im Volk verwurzelt, dass der Ernst der Lage kaum eine Chance hatte, Menschen zu verantwortungsvollem Handeln zu verleiten. Wenn man keine Masken braucht, nicht Hamstern muss und Corona-Ferien hat, was soll dann falsch laufen mit dem Leben?

Man sei sich der Spätwirkungen des auf Wunsch der Bundesregierung kreiirten Begriffes sehr wohl bewusst, hieß es dazu inoffiziell aus der BWHF-Chefetage, aber der einstellungsprägende Erfolg des von zwei Nachwuchshülsendrehern entworfenen zusammengesetzten Substantives habe die Verantwortlichen im Hause selbst überrascht. Es sei jetzt Wille und Wunsch der Bundesregierung ebenso wie der BWHF als untergeordneter Behörde, schnell mit einer neuen Wortprägung gegenzuhalten.

BWHF-Chef Rainald Schawidow erklärte gegenüber PPQ, ohne zitiert werden zu wollen, dass "alle da draußen sich schon freuen dürfen, denn wir haben eine ganze Reihe brandneuer Krisenvokabeln in der Mache, die den bisherigen Kurs der Verharmlosung nicht nur beenden, sondern wie ein Konterbier auf alle wirken werden, die immer noch glauben, sie könnten auf Kosten der Gemeinheit einfach Krisen-Urlaub machen."

Montag, 23. März 2020

Kontaktsperre: Eine Worthülse aus dem Knastalltag

Die Halbwertszeit der neuverhängten Krisenmaßnahmen der Bundesregierung liegt derzeit bei 48 Stunden, viel mehr Zeit bleibt auch der BWHF meist nicht, neue bemäntelnde Begriffe wie "einheitliche Beschränkung sozialer Kontakte" zu erfinden.

Es sind harte, arbeitsreiche Tage für Rainald Schawidow und seine Experten von der Bundesworthülsenfabrik (BWHF). Das Kollektiv der Phrasendrescher und Worthülsendreher ist hinter den Kulissen der großen Corona-Krise beinahe täglich gefordert, die Bundespolitik mit den nötigsten Begriffen zur Panikabwehr zu versorgen. Waren es anfangs subtile Satzbausteine wie "im Griff", "keine besondere Gefahr" oder "gut vorbereitet", die aus dem Bundeszentrallager für Beschwichtigungen direkt an die Medienfront geliefert wurden, um  Ruhe und Ordnung im Lande zu wahren, ist die Bundesworthülsenfabrik inzwischen zu ihrem Kerngeschäft zurückgekehrt. Die BWHF hat mit der Serienproduktion von zusammengesetzten Substantiven begonnen, die die Lage bemänteln und symbolisches Handeln als entschiedenes Rezept gegen eine Krise erscheinen lassen sollen. Eigentlicher Zweck der hochgefahrenen Produktion ist es, den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken.

Kernstücke der Überzeugungsarbeit


Ein großer Ruck, den die deutschen Leitmedien mit der Kampagne "Wir bleiben zu Hause" begleiten. Kernstück der Überzeugungsarbeit aber sind die in der großen Tradition früherer politischer Signalbegriffe wie "Rettungsschirm", "Energiewende", "Schulden-" und "Mietpreisbremse", "Stromautobahnen" oder "Wachstumspakt" entwickelten neuen Krisenkampfstoffe aus der Verbalwerkstatt. Die hatte in den zurückliegenden Jahren vor allem im Dauerstreit um die lebenswichtige Klimapolitik sprachliche Höhepunkte wie "Heißzeit", "Klimanotstand" und "CO2-Steuer" Volltreffer in Serie geliefert und damit bei der Bundesregierung die Erwartung geweckt, dass sich im Grunde jedes große Problem mit einem Leitbegriff semantisch einhegen und damit so lange auf die lange Bank schieben lässt, bis sich die Gemüter beruhigt haben und die Sache vergessen ist.

Dabei reagiert die BWHF durchaus flexibel auf sich teilweise im Stundentakt verändernde Erfordernisse: Waren eben noch abwertende Vokabeln nötig, um den Kampf gegen volksschädliche Vorsorger zu führen - die BWHF reagierte hier mit einer Reaktivierung des Tiervergleichs "Hamsterer" - stand später die Notwendigkeit, beschreibende Begriffe für die Lage zu finden, die wie das Dauerblau des Krisenblazers der Kanzlerin nonverbal von der Gewissheit erzählen, dass alles halb so schlimm ist. "Corona-Gefahr" (BWHF) löste die von rechtspopulistischen Verunsicherern aus Moskau erfundenen "Corona-Krise", "Corona-Katastrophe" und das denunzierende "Masken-Magel" ab. 

Ein erstes Stück Raumgewinn in der Schlacht um die Deutungsmacht, in der bemäntelnde Begriffe wie "einheitliche Beschränkung sozialer Kontakte" in einem selbst für die hochprofessionellen Worthülsendesigner der BWHF engen Zeitrahmen von zumeist nur 48 Stunden erfunden werden müssen. So lang ist derzeit die Halbwertszeit der neuverhängten Krisenmaßnahmen der Bundesregierung, so viel Zeit bleibt auch nur, die jeweils nächste Verschärfung wenigstens verbal als logisch, unabdingbar und planmäßig erscheinen zu lassen.

Mit "Ausgangssperre" und dem milderen "Ausgangsbeschränkung" ist es Schawidow und seinen Sprachingenieuren zweifellos gelungen, neue Maßnahmen der Bundesregierung zu popularisieren. Dabei legte man vor allem im Rheinland äußersten Wert darauf, ohne das Wort "Ausnahmezustand" auszukommen oder die im vergangenen Jahr breit popularisierte und von zahlreichen Gemeinden genutzte Möglichkeit zu eröffnen, den Notstand auszurufen. Das war zwar in Bayern und im Saarland gut angekommen, wäre aber in anderen, liberaleren Gegenden der Republik wie plumpe Nachahmung erschienen und damit schädlich für den Wahlkampf um die CDU-Spitze gewesen..  Der Rheinländer Armin Laschet, der seine Bürger trotz grassierender Seuche Karneval feiern und wichtige Bundesligaspiele besuchen ließ, verlangte vernehmlich nach anderen sprachlichen Regelungen, die ein fröhlicheres Management des sozialen Todes der Gesellschaft erlauben.


Geniestreich trotz neuer Abstandsregeln


Und wirklich: Mit der Worthülse "Kontaktsperre" gelang es der BWHF tatsächlich, in einer turbulenten Wochenend-Schicht unter erschwerten "Abstandsregeln" (BWHF), einen Begriff zu designen, der die Tarnung weitgehend ausgehebelter Grundrechte mit einem Versprechen freundlicher Strenge verbindet. Dabei mussten die Sinndesigner der BWHF diesmal nicht einmal selbst zur Wortfeile greifen und es war auch nicht notwendig, wie bei "Rettungsschirm" und "Energiewende", "Schuldenbremse", "Wachstumspakt" und "Stromautobahn" mit der Terminus-Heißklebepistole Nomen zu kombinieren.

"Kontaktsperre" fanden Mitarbeiter der BWHF vielmehr im BWHF-Archiv, wo das Substantivum seit Jahren abgelegt und bereits fast vollkommen vergessen war. Laut offizieller Definition war es ursprünglich - mutmaßlich noch im Kaiserreich vom damaligen BWHF-Vorläufer Reichsamt für Worte und Benennungen (RWB - Forschungsbehörde) - für die Verwendung in gesellschaftlichen Randbereichen  entwickelt worden. "Kontaktsperre" stand danach für eine "Unterbindung aller Kontakte bestimmter Häftlinge besonders mit der Außenwelt, solange von solchen Kontakten eine akute Gefahr ausgeht" (Duden) - kurz entschlossen aber verzichtete die Chefetage der BWHF dennoch darauf, Änderungen an dem Nominalkompositum vorzunehmen. 

Der neue Corona-Begriff habe zwar rechtlich keinerlei Grundlage, da die entsprechenden Gesetze erst noch verabschiedet werden müssten. Doch erwecke er den zutreffenden Eindruck, dass er bindend für alle Bürger sei, weil die staatlichen Organe sich entschlossen hätten, ihr Handeln an Erfordernissen auszurichten, statt sich an Gesetze zu halten, hieß es dazu im politischen Berlin. Es gehe jetzt darum, die Bevölkerung auf harte Zeiten einzuschwören, sie zugleich aber nicht zu beunruhigen. Dies werde mit dem Substantivkompositum "auf hervorragende Weise erreicht", lobt ein selbst häufig mit sprachlicher Spurenverwischung befasster Ministerialbeamter. 

Kommando Klorolle: Signal aus dem Supermarkt

Ein Versuch, Normalität zu simulieren: Angela Merkel ließ sich von Fotografen in einem Supermarkt ablichten.

Ihren vorletzten öffentlichen Auftritt vor dem Gang in die am Sonntagabend verkündeten häuslichen Quarantäne hatte die deutsche Kanzlerin in einer Lidl-Hit-Markt-Filiale in Wohnortnähe. Findigen Fotoreportern gelang es dort auf Einladung der Pressestelle des Kanzleramtes, die Regierungschefin in der "größten Bewährungsprobe nach dem Zweiten Weltkrieg" (Merkel) auf privater Einkaufstour zu ertappen. Wie immer im blauen Blazer, schob Angela Merkel einen Einkaufswagen durch die engen Gänge, ungeachtet der mutmaßlichen und statistisch nachweisbaren Belastung mit dem Virus Covid-19 trug sie weder Maske noch Handschuhe.

Die Klorolle als Signal


Auch die Wochenend-Einkäufe der Kanzlerin wirkten wie ein Signal an die Menschen draußen im Lande: Toilettenpapier, ja, denn die mächtigste Frau der Welt ist ein Mensch wie jeder andere. Aber nur eine Rolle, denn das reicht völlig, bis die Regale eines Tages wieder aufgefüllt werden. Und das werden sie werden, denn die Kanzlerin selbst hat es versprochen. Also seht her, die ihr mutlos und verunsichert seid, kauft nur, was ihr braucht. Und wenn es eine Rolle ist, dann eben eine Rolle, selbst wenn ihr die Großverpackung mit acht Rollen dazu aufreißen und dem nächsten Kunden ein lavedes Gebilde mit Loch überlassen müsst.

Bei Wein scheint sich Angela Merkel dessen nicht ganz so sicher zu sein. Drei oder - wie andere Quellen behaupten - gar vier Flaschen hat sie fürs Wochenende eingepackt. Eine beunruhigende Nachricht, so schien es Beobachtern, denn entweder deutete das auf Bevorratung für schlechte Zeiten. Oder auf eine geplante Corona-Party. Oder gar, der schlimmste Fall, darauf, dass Angela Merkel selbst die drei Liter braucht, um bis zum Dienstantritt am Montag zu entspannen.

Nichts davon war am Ende wahr. Vielmehr bereitete Merkel offenbar schon ihren Rückzug in die häusliche Quarantäne vor, ein Schritt, der nötig wurde, weil sie die von Fachleuten zur Vorsorge vor Lungenerkrankungen für jedermann ab 60 empfohlene Pneumokokken-Impfung direkt vor ihrem Fototermin im Supermarkt von einem Arzt hatte vornehmen lassen, der zuvor Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte.


Eine Fahrt im Schlafwagen


Dumm gelaufen, wie eigentlich alles in den vergangenen zwei Monaten. Zwar gelang es, die im Januar im politischen Berlin noch leidenschaftlich diskutierten Themen EU-Einheitsstecker, Superstrompreis und Faschingskostümverbot komplett aus der öffentlichen Debatte zu entfernen. Auch starben die vorgezogene Solisenkung, die Wahlrechtsreform und die Jugendbewegung Fridays for future einen öffentlich kaum noch bemerkten Tod. Doch seit das Virus grassiert, gelang es Merkels Regierung nicht mehr, aus dem Schlafwagen auszusteigen und einen Plan für den Umgang mit der Krise zu entwickeln.

Merkel, eigentlich nie gut im Agieren, im Reagieren aber eine wahre Meisterin, tat diesmal nicht einmal das: Stattdessen  überließ sie Gesundheitsminister Jens Spahn die Bühne - böse Zungen in Berlin behaupteten nach wenigen Tagen schon, das geschehe, um den hoffnungsvollsten Nachwuchswuchsfunktionär der CDU zu desavouieren.

Eine Fernsehansprache und dann noch eine und immer trug sie den blauen Krisenblazer. Nicht immer denselben, aber den gleichen, er ist blau wie die Treue und als Zeichen zu verstehen, dass diese Kanzlerin nicht wanken und nicht weichen wird, bis eines Tages wieder alles ist, wie es immer war. Dann  wird Angela Merkel auch wieder Bodyguards haben, wenn sie einkaufen geht, schließlich ist sie die Person, auf die gerade in Krisenzeiten alles ankommt. Dass sie sich jetzt der Gefahr aussetzen musste, sich an einem Einkaufswagen anzustecken, von einem anderen Kunden angehustet oder - die rechte Gefahr ist immerdar - von einen der 12.000 freilaufenden deutschen Nazikiller angegriffen zu werden, war wegen der überzeugenden Bilder aus  dem Supermarkt sicher richtig.

Nur entfalten sie nun nicht den gewünschten beruhigenden, sondern einen gegenteiligen Effekt: Wenn Angela Merkel wirklich ausfiele, was wird dann? Vizekanzler Olaf Scholz müsste übernehmen, ein Mann, der einst eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz mit dem Argument ablehnte,  das sei neben seinem Hauptjob als Finanzminister nicht auch noch zu schaffen. Schafft er dann nebenbei  Kanzlern? Corona-Krisen-Kapitän? Und wo kauft Scholz sein Klopapier?

Sonntag, 22. März 2020

Das Gute kennt keine Gnade

Seiner Erfahrung nach wurden die schlimmsten Übel auf der Welt nicht durch böse Menschen bewirkt. Von denen gab es in Wahrheit erstaunlich wenige.

Viel gefährlicher waren Leute, die sich im Recht glaubten.

Sie waren ungeheuer zahlreich, und sie kannten keine Gnade.

Juli Zeh, Unterleuten

Markus Söder: Gestatten, Kanzler

Feldchirurg und Deichgraf: Markus Söder ist in der Corona-Krise zum Kanzlerkandidaten der Union geworden.

Man werde sich das Wochenende ganz genau anschauen, hatte die Kanzlerin ihren Adlatus bestellen lassen. Entweder, die Deutschen hören endlich auf die Mahnungen der Regierungschefin, in ihren Hütten, Wohnungen und Häusern zu bleiben. Oder man müsse dann doch härtere Maßnahmen ausrufen.

Obwohl die Spitze der SPD, seit Ausbruch der Corona-Krise ebenso ins Unsichtbare verschwunden wie Grüne, AfD, Linke und FDP, im virtuellen Nichts des Internet hinhaltenden Widerstand angekündigt hatte: Es sei überhaupt nicht nötig, Ausgangssperren zu verhängen, verkündete Parteichefin Saskia Esken. "Als freiheitliche Gesellschaft brauchen wir keine Ausgangssperre. Die meisten Menschen verhalten sich vernünftig, verantwortungsvoll und solidarisch."

Ignorierte SPD


Die Logik sagt, dass freiheitliche Gesellschaften dann natürlich auch keine Strafgesetze benötigen, weil sich die Mehrheit ihrer Mitglieder niemals strafbar macht. Aber über die Einwände der deutschen Sozialdemokratie geht schon nicht einmal mehr jemand hinweg. Sie werden einfach ignoriert. Das ist bei denen der Kanzlerin noch anders: Sie spielen insofern noch eine Rolle, als sie stets die Stelle markieren, an der sich der Besenwagen im Rennen um die angemessene Tagesreaktion auf die größte Menschheitskrise seit 75 Jahren gerade befindet.

Markus Söder, der bayrische Ministerpräsident, weiß zum Beispiel stets, wo der Wagen steht: Sieben Tagen hinter Italien, vielleicht auch nur noch fünf. Acht Jahre nach der alarmierenden Pandemiestudie des Robert-Koch-Institutes von 2012 und zwei Monate nach dem Shutdown im chinesischen Wuhan scheint die Angst der Kanzlerin vor einem Volksaufstand, wie sie ihn als junge Frau in der DDR erlebt hat, immer noch größer als vor einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung durch Millionen Infizierte und zehntausende Tote.

Der Bocksgesang der Pandemie


Zögerlich laviert die gebürtige Hamburgerin durch den anschwellenden Bocksgesang der Pandemie, so zögerlich, dass ausländische Regierungschefs wie der Österreicher Sebastian Kurz es zuletzt dabei beließen, notwendige Absprachen über  Grenzschließungen gleich nur mit den Ministerpräsidenten der betroffenen deutschen Bundesländer zu treffen. Ein Affront, den Merkel passieren ließ.

Söder, im Rennen um die Merkelnachfolge im Kanzleramt betont früh ausgeschieden, lässt dagegen Taten sprechen. Als der 53-Jährige 48 Stunden vor der von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Entscheidung über Ausgangssperren vor die Kameras trat, um eben solche Ausgangssperren für sein Bundesland zu verkünden, war das nicht nur ein notwendiger Schritt für Bayern, das nach Nordrhein-Westfalen inzwischen die meisten Corona-Fälle zählt. Sondern auch ein Bewerbungsschreiben: Der "deutsche Kurz" (Bild), den eine deutsche Boulevardzeitung seit Monaten verzweifelt sucht, hier steht er.

Obwohl auch Markus Söder in den vergangenen Wochen vieles zu spät erkannt und falsch gehandhabt hat, scheint er nun entschlossen, von hier an alles zu tun, um die unausweichlichen Schäden zu minimieren, die die Seuche anrichten wird. Söder gibt den Deichgrafen, den Krisengeneral und Feldchirurgen mit den blutigen Ärmeln, der antritt, das Allerschlimmste abzuwenden, auch wenn es wehtut.

Der Wiederaufbaukanzler


Eine Rolle, die in jeder großen Schlacht einer ausfüllen muss, wie spätestens seit Bill Pullmans famosem Auftritt als US-Präsident Thomas J. Whitmore in Roland Emmerichs Weltuntergangsepos "Independence Day" jeder Politiker weiß. Dass Markus Söder nicht weiterdenkt als bis ans Ende der Corona-Krise, steht deshalb kaum zu vermuten. Vielmehr sieht der Franke die Notlage auch in der Union, die kaum noch Chancen hat, im von der Chefetage ausgekungelten Bewerberfeld um den Parteivorsitz einen Kandidaten zu finden, der als Wiederaufbaukanzler taugt.

Friedrich Merz kann am Kampf um die beste Figur in der Krise nicht teilnehmen, weil er erst keinen Posten hatte, um Tatkraft und Weitblick unter Beweis zu stellen. Dann infizierte er sich auch noch mit dem Virus. Armin Laschet dagegen führt NRW als Ministerpräsident zielgerichtet zu italienischen Verhältnissen. Und Jens Spahn war in den entscheidenden Wochen, in denen Deutschland sich auf die Ankunft der Seuche hätte vorbereiten müssen, so sehr mit seiner Bewerbung um den Parteivorsitz nach Laschet beschäftigt, dass er kaum Zeit erübrigen konnte, als Gesundheitsminister tätig zu werden.

Wenn alles vorüber ist, und wann auch immer, der Tag wird, kommen, werden alle diese Männer vielleicht noch CDU-Chef werden können. Doch Kanzler? Spielt Markus Söder die Karten, die er sich in den letzten Tagen selbst ausgegeben hat, klug aus, kann es nur einen geben, der gegen Robert Habeck oder Annalena Baerbock antritt, um anschließend mit den beiden zu regieren.

Zeitvertreib im Lockdown: Einmal Glück haben


Casinospiele über das Internet werden gerade in Zeiten des Corona-Lockdown immer beliebter und  besser angenommen. Dies hat gleich mehrere Gründe, denn zum einen gibt es eine größere Auswahl an verschiedenen Spielen, zum anderen macht es die verbesserte Darstellung möglich, die Spiele über das Internet zu genießen. Ein wesentlicher Aspekt liegt im Spiel von klassischen Casinospielen, die auch in der Schweiz mithilfe eines Live-Croupiers oder Live-Dealers durchgeführt werden und das Spiel an sich sehr viel persönlicher gestalten kann.

Im gesamten europäischen Raum existieren Live-Casinos, bei denen das Spiel von Live-Croupiers und Live-Dealern geleitet und moderiert werden. Der maßgebliche Vorteil liegt darin, dass sich die Spieler die realistische Atmosphäre, die auch ein einem echten Casino herrschen würde, nach Hause holen können. Außerdem ist es für sie möglich, den direkten Kontakt zu den moderierenden Live-Croupiers und den Mitspielern zu pflegen, die Kommunikation über das Internet durchzuführen und immer wieder eine aufregende Atmosphäre zu schaffen.


Live Casino – die klassischen Casinospiele von Zuhause aus genießen


Für Fans  echter Casinos gibt es jetzt auch die Möglichkeit, die Spiele direkt über das Internet zu genießen. Dabei existieren die mondäne, spannende Casino-Atmosphäre durch den Einsatz eines Live-Croupiers, der oft auch als Live-Dealer bezeichnet wird, mit dem sogar ein Live-Chat und damit ein hohes Maß an Unterhaltung auch online - allen voran über hochwertige Systeme der Audio-Kommunikation - möglich ist. Die weitaus beliebtesten Casinospiele mit Live-Croupier sind die klassischen Tischspiele, relevante Casinos sind in den meisten Fällen geprüft und werden beim Einhalten der hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards zertifiziert.

Die Regeln des Onlineglückspiels haben sich innerhalb der letzten Jahre massiv verändert. Für die Schweiz bedeutet dies, dass die Liebhaber des Live-Casinos auch Angebote nutzen können, die von privaten Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Untersuchungen zufolge haben sich Live-Casinos auf die Schweizer Spieler eingeschossen, selbst wenn private Nutzer das Angebot zur Verfügung stellen. Um über das Internet die optimal geeigneten Live-Casino-Seiten der Schweiz genauer unter die Lupe zu nehmen, ist es notwendig, das Angebot und das Live- Casino selbst auf die maßgeblichen Kriterien im Detail zu testen und anschließend eine genaue Einschätzung der angebotenen Qualität der Dienstleistungen vornehmen.


In einem Live-Casino der Schweiz spielen


Wer sich als Schweizer Bürger entschieden hat, bei einem Schweizer Live Casino zu spielen, das konkret auf die Vorteile für die Schweizer zugeschnitten sind. Dabei sollten all die folgenden Gründe in Betracht gezogen werden:

1. Hervorragende Boni für Spieler mit Schweizer Nationalität
2. Währungsänderungen von Euros zu Schweizer Franken und umgekehrt
3. Sicheres Spiel um Echtgeld und Einsatz zuverlässiger Zahlungsmöglichkeiten
4. Exklusiver Service, der direkt auf die Schweizer zugeschnitten sind

Spieler, die zum ersten Mal Live-Casino spielen, sollten die Qualität des Spieleangebotes prüfen und genau festlegen, welche Kriterien als relevant erachtet werden und welches Live-Casino am besten für die Schweizer Anforderungen passt, die allgemeingültig sowie streng und eindeutig definiert sind.

Auch in der Schweiz werden Internetcasinos dank des Live-Casinos immer beliebter. Hinter dem Live-Casino versteckt sich das Spiel von klassischen Casinospielen, wie Roulette, Poker, Bakkarat oder Blackjack, die über Live-Dealer und Live-Croupiers über das Internet gespielt werden. So können die typischen Casinospiele über das Internet gespielt werden, wobei es beim Spiel nicht nur um Spaß und zusätzliche Spannung über das Internet geht, sondern das Ganze in einer täuschend echten realitätsnahen Atmosphäre stattfindet. An dieser Stelle geht es jedoch auch darum, auf das hohe Suchtpotential von Spielen von Internetspielen aufmerksam zu machen.

Samstag, 21. März 2020

Wir-us: Der erste Thriller zur Corona-Krise

Die Ausgabe für den US-Markt und die deutsche Originalausgabe (Paperback): Wallenberg hat den Thriller zur Krise geschrieben.
Härter als King, tödlicher als Bowle, grässlicher als "Die 100" und blutiger als "The Walking Dead" - mit dem ersten Thriller zur Corona-Tragödie hat ausgerechnet ein Deutscher einen Bestseller geliefert, der aus einem chinesischen Virus, Staatsversagen, dem Wolfsgeist des Menschen und dem Zusammenbruch der in Deutschland ohnehin nie gut beleumdeten Finanzmärkte packende Unterhaltung für lange Quarantänetage macht.


Fabian Wallenberg ist bei PPQ seit Jahren der Mann, der sich aufopfernd und so manche Nacht schlaflos um die Bestückung der beliebten Serie "Zitate zur Zeit" kümmert. Ein dienstbarer Geist im Weinberg der Spätaufklärung, aber, wie er selbst nicht müde wird zu betonen, ein Mann ohne die Fortune der Gabe, dass ihm Buchstaben zufliegen, Worte und Sätze, aus denen er ein von der Gesellschaft meistenteils verachtetes Brotgewerbe hätte machen können. Wallenberg hat das immer bedauert, aber nicht darob getrauert.

"Jeder hat sein Päckchen zu tragen", sagt er, dessen Hochbegabung im Bereich Getriebekunde früh entdeckt wurde. Er sei durch diesen Makel in seiner Talentausstattung glücklicherweise stets gezwungen gewesen, einem ernsthaften Beruf nachzugehen. "Sonst würde ich heute vielleicht", schmunzelt er immer, wenn er darauf angesprochen wird, "wie andere Geschwätzgelehrte bangen, was aus mir wird, wenn das Licht der Zivilisation wegen Corona wirklich verlischt."

Ob es passiert, ist noch unklar. Doch dass Fabian Wallenberg sich gründlich verrechnet hat, was seine eigene Rolle im großen Endspiel der Erdbevölkerung betrifft, dass lässt sich heute schon sicher vorhersagen. Denn ausgerechnet Wallenberg, der von sich selbst sagt, das längste Stück Prosa, was er je geschrieben habe, sei eine Karte aus dem Ferienlager an seine Oma mit dem Text "Essen schmeckt, Kinderdisko war ätzend, schickt bitte mehr Taschengeld", hat jetzt den ersten Thriller zum Virenfall vorgelegt.

"Wir-us", in der parallel veröffentlichten US-Ausgabe beziehungsreich "Vir-US" genannt, fasst zusammen, was wir bisher über die große Virus-Krise wissen und was nicht. Im Buch, das sich an klassischen Weltuntergangsthriller wie "The Stand" Oder "Passage" orientiert, stößt eine wagemutige junge Wissenschaftlerin aus Wurzen bei Experimenten mit lebenden Fledermäusen aus der Sächsischen Schweiz mitten in einer sogenannten Poofe auf Spuren von augenscheinlich zu allem entschlossenen Ökokriegern.

Mira Özak ist erst 27, ein Sohn deutsch-kurdischer Korsen aus Zypern, der als Frau fühlt, aber mit einer Frau aus Peru zusammenlebt, die für das Robert-Koch-Instiutut (RKI) arbeitet. Er ist prüft die gefundenen Beweise für eine Virusverschwörung im Labor des Ardenne-Institutes in Dresden, wo ihr ehemaliger Studienfreund Kevin Gerber als Computertechniker arbeitet. Kaum liegen die Ergebnisse der Quantenanalyse vor, stürmt ein Kommando Maskierter die Wissenschaftsburg auf dem Weißen Hirsch. Es gibt Tote, Mira und Kevin können mit Fahrrädern fliehen, ahnen aber nun, dass sie auf eine große Sache gestoßen sind.

Niemand im politische Berlin, wohin beide auf der Ladefläche eines Elektro-Truck geflohen sind, will ihnen helfen oder auch nur glauben. Auch beim RKI ist der Pförtner skeptisch, doch weil Deutschlands beste Forscher hier schon Verdacht gegen eine laufende Grippewelle geschöpft haben, die mit hoher Sterblichkeit einhergeht, werden beide schließlich angehört. Die Beweise überzeugen, doch der Gesundheitsminister verweigert eine Warnung der Bevölkerung.

Nun kommt es, wie es kommen muss. Langsam, aber stetig schneller breitet sich die Todesseuche, in Wallenbergs Buch "Hetzhusten" genannt, überall aus. Menschen sterben, die Behördenkämpfen einen verzweifelten Kampf, ein Impfstoff steht in Aussicht, doch die Produktionsfirma in der ländlichen Altmark wird zwei Tage nach den ersten Gerüchten über Heilungschancen und Impfungen für Prominente von einem aufgepeitschten Mob gestürmt. Mira Özak und Kevin Gerber wissen an dieser Stelle schon, dass die Ökokrieger-Vereinigung "Die wahre Welt" (DWW) hinter dem aufgeschnittenen Zaun und den zerstörten Laboren steht, doch es fehlt ihnen an Beweisen.

Der Niedergang, den Fabian Wallenberg schildert, geht ans Herz. Wie die Trinkwasserversorgung zusammenbricht, erst gelegentlich, dann für immer. Wie der Strom ausgeht, weil die Elektrowerker im Koma liegen. Wie der düne Firniß der Zuvilisation in aller Eile abblättert, während die eben noch unerreichbar scheinenden Klimaziele plötzlich mühelos erreicht werden, weil die Industrie zusammengebrochen ist.

Als Özak und Gerber endlich nach einer langen Odyssee nach Brüssel im Europol-Kommissar Harry Musak einen Experten finden, der ihnen zuhört, werden dubiose E-Mails auf seinem Computer gefunden. Selbst unter Verdacht wird Musak eins klar: Im Kampf für das Ziel, die Zukunft der Menschheit zu retten, geht DWW über Leichen. Musak stirbt beim Versuch, die Flucht der beiden deutschen Wissenschaftler zu decken, als ein Kommandotrupp von DWW einmal mehr punktgenau auftaucht, um die beiden einzigen Menschen zu erledigen, die zwischen der Gegenwart und der Seuche stehen, die Artensterben, Landversiegelung und Klimatod verhindern soll.

Wallenberg hat sein Buch im Stil einer klassischen Dystopie ebenso raffiniert wie gnadenlos gebaut. Atemberaubend seine Schilderung eines Europas im Dunkeln, bemerkenswert seine detailreichen Beschreibungen des Überlebenskampfes, den Menschen überall zu bestehen haben, als Einzelne, Familien oder in kleinen, oft spontan gebildeten Gruppen. Der Untergang dauert hier satte 486 Seiten, viel soll nicht verraten werden, aber abgesehen von einem Häuflein Naturimmuner, die sich vor den regierungsamtlichen Fängereinheiten, die nach immunem Blutplasma jagen, in den Tälern des Erzgebirges in Sicherheit gebracht haben, leben nach zwölf Wochen nur noch einige kleine Einheiten der Bundeswehr, Reste der Verwaltung und marodierende Gruppen von Regierungsbeamten, die die Crisis im Tiefbunker der Bundesregierung in der Eifel überstanden haben.

Viele Probleme, die es bis dahin gab, sind nun gelöst. Weder Bonpflicht noch europäischer Grenzschutz, weder die Thüringer Regierungsbildung noch die offene Frage der nächsten Kanzlerkandidatur der Union spielen im zweiten Teil des Buches eine Rolle. Stattdessen nagen die Herausforderungen eines Lebens nach dem Ende der Welt an den Überlebenden um Mira und Kevin, die vor ihrer größten Herausforderung stehe: Eine Zivilisation neu aufbauen, die von den immer noch agierenden Aktivisten von DWW weiterhin bedroht wird.

Wiederwahl in Gefahr: Verspielt Angela Merkel ihr Erbe?

schwarz weiß Comic
Profitierte lange von ihrer beruhigenden Wirkung auf die Wähler: Angela Merkel hat in der Corona-Krise ihren vielleicht letzten großen Auftritt.

Die Zahlen der ersten Umfragen geben ihr Recht. Kaum hatte Angela Merkel verkündet, dass geplant sei, dass alle mitmachen müssen beim "Halten an Regeln", bis eine Durchseuchungsrate von 60 bis 70 Prozent in Deutschland eine Herdenimmunität hergestellt habe, stieg die Zustimmung der Bürger zur Union zum ersten Mal seit Monaten wieder an. "Wir sind in einer Situation, die außergewöhnlich ist", sagte Merkel selbst, ehe sie die Schuldenbremse aufhob, die Grenzen schloss und die EU aus allen Entscheidungsketten eliminierte.

Ein kalter Verrat an den europäischen Idealen, durch den Angela Merkel kurzerhand komplett mit allem brach, was die Frau aus Hamburg 16 Jahre lang zur beliebtesten Politiker Europas und zur mächtigsten Frau der Welt gemacht hatte. Doch es ging um die Macht. Und die ist stets wichtiger als alles, denn ohne sie ist alles nichts.

Was wird aus den Vereinigten Staaten von Europa?


Dennoch sitzt die Enttäuschung tief in einem Land, das in der Illusion lebte, Moral können Realitäten aushebeln. Binnen weniger Tagen ist das Deutschland, das als Klimavorreiter für viele Fans der EU der leuchtende Kernstaat der möglichen künftigen Vereinigten Staaten von Europa war, zurückgeworfen worden auf das Niveau der 60er oder 90er Jahre. Flüchtlinge werden ausgesperrt, Grenzen sind geschlossen, der unfassbare Tabubruch von Thüringen wird nicht mehr diskutiert und die Union, offensichtlich überfordert von einer Situation, die nicht die Teilnahme an internationalen Konferenzen erfordert, sondern ein entschlossenes Handeln in der realen Welt, hat die Suche nach einem Nachfolger für Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer eingestellt.

So wie AKK an der Spitze der Partei weitermacht, so wird auch Angela Merkel weitermachen müssen. 2021 ist Bundestagswahl, ein Urnengang, der nach derzeitigen Planungen auch stattfinden soll. Zumindest medial scheint es im Augenblick noch, als versammele sich die Bevölkerung hinter der letzten Volkspartei. Lobeshymnen wie in alter Zeit erntete die Kanzlerin für ihre laue, maue und dem Ernst der Lage nicht annähernd angemessene "Es ist ernst"-Rede. So gehe Führung, jubelte die Fankurve. Deutschland vertraue der bewährten Führung Merkels, die das Land mit sicherer Hand schon durch die Finanzkrise, die Klimakrise und die Flüchtlingskrise laviert habe. 

Die sichere Hand der Kanzlerin


Doch wird diese Zustimmung halten? Und hält Merkel durch?

Die norddeutsche Protestantin ist keine Frau, die ihre Stellung verlässt, nur weil draußen die Kanonen donnern. "Wir leben in einer Zeit, wo der Primat der Wissenschaft gilt", hat Armin Laschet seiner Kanzlerin wissenschaftliche Rückendeckung gegeben. Niemand hätte anders entscheiden. Alles war richtig, zur richtigen Zeit, in der richtigen Abstufung. Die Bundesliga weiterspielen zu lassen, Schulen und Kindergärten nach der Rückkehr Tausender aus den Seuuchenferien in Südtirol geöffnet zu halten, den Menschen Fitnessstudios, Kneipen, Bars, Diskos und Kinos nicht wegzunehmen, das war alternativlos. Bis plötzlich klar wurde, dass eine Durchseuchung mit 1,5 Millionen Toten Merkel wahrscheinlich die Wiederwahl kosten würde.

Alles-im-Griff-Spahn


Aus der Krise, die fest "im Griff" (Jens Spahn) war, ist binnen weniger Tage die Entdeckung geworden, dass man sich in der "größten Krise der letzten 70 Jahre" (Laschet) befindet. Was aber bedeutet das für die Wahlchancen der Kanzlerin, die kurz davor steht einen neuen Amtsrekord für deutsche Regierungschefs aufzustellen? Verspielt Angela Merkel ihre sicher geglaubte Wiederwahl, obwohl kein Volk in der Stunde der Not gern seine Führungsfiguren wechselt? Kann die Union die Solidarisierung des Volkes mit der letzten Volkspartei nutzen?  Profitieren letztlich doch wieder die im Moment kriselnden Populisten von links und rechts mit ihren platten Parolen und ihrer Sehnsucht nach radikalen Maßnahmen?

Es sind entscheidende Wochen, nicht nur für Deutschland, dass nach einer vollen Durchseuchung nicht mehr dasselbe Land wäre wie zuvor. Sondern auch für Angela Merkel, die mitten im Endspiel um ihr Erbe steht.

Geht alles gut und die zu spät, halbherzig und teilweise immer noch nicht getroffenen Maßnahmen der Regierung helfen wider Erwarten gegen die Kraft der exponentiellen Mathematik, macht sich die 65-Jährige unsterblich.

Geht es schief, erlebt die Union im Herbst 2021 trotz kaum vorhandener Konkurrenz ein Debakel, das sie auf lange Zeit ihren angestammten Platz im Kanzleramt kosten wird.

Freitag, 20. März 2020

Todesahnung: Die Faszination der Endzeit

Im ersten Teil von Kings "The Stand" hat er seinen großen Auftritt: Der Irre, der ständig ruft "Bringt eure Toten raus!"

Wie die Welt ein Kinofilm, dann liefe dort gerade einer dieser Weltuntergangsthriller. Durchgeknallte Ökokrieger setzen ein Todesvirus frei, das die Wirtschaft zum Absturz bringt und damit das Klima rettet. Ein paar tausend Opfer sind nicht zu viel für die Rettung der Erde, der Menschheit und all der Natur, die noch da ist - der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht als Zeuge. "12 Monkeys" ging so ähnlich, auch andere Schriftsteller lieferten große Werke ab, in denen die kleine Menschheit auf diese oder jene Weise vor die Hunde ging.


Der Tod ein Meister aus dem Biolabor


Besonders beliebt ist immer das Virus. Es verwandelte Charlton Heston in den "Omega-Mann" und in "Passage" rottete es 99 Prozent aller Erdbewohner aus. Während die deutsche Politik versucht, wenigstens den Eindruck zu erwecken, man habe die Lage im Griff, liegen in den Buchhandlungen stapelweise Fake News, die einen Vorgeschmack auf das geben, was droht, wenn die Menschheit wirklich mit einer Pandemie konfrontiert wird, wie sie das Coronavirus bisher nicht ist.

Tod, Tod und noch mehr Tod, das fasziniert die Leser. Dennoch beließen es Schriftstellern in den meisten Fällen dabei, nur mehr oder weniger große Anteile der Menschheit auszurotten. Sie blieben damit nahe an der Realität, in der selbst die Pest und das Grippevirus von 1918 nur wenig mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Länder ermordete, in denen sie grassierten. Oft wurde als Mittel zum Zweck auch der - früher besonders gefürchtete - Atomkrieg benutzt, so etwa in "Postman" und Mad Max, zwei aus heutiger Sicht fast schon kuschelig wirkenden Endzeit-Fantasien.

In der Post-Panik-Welt


Die es aber ernst meinten, schafften es, die zuweilen, die Post-Panik-Welt in ihren Büchern so zu zeigen, wie sie sich derzeit darstellt. Im Fernsehen die Virus-Zahlen als feste Rubrik, auf der Bühne Politiker, die Durchhalteparolen verbreiten. Hamsterkäufe Verzweifelter. Der brutale Zynismus derer, die wissen, dass im Ernstfall nicht der überlebt, der gehamstert hat, sondern der, der stärker ist als der Hamsterer. Und bei allen immer noch Hoffnung, der Kelch möge noch einmal vorübergehen.

Wenige Autoren haben angesichts der Aufgabe, die Fastnochnormalwelt in Würde hinüberzuführen in ein Land, das leer ist wie Sachsen-Anhalt, aber bevölkert von einer Handvoll unglücklicher Immuner, nicht versagt und Zombie-Horden aufgerufen. Die es taten, ließen ihr Virus eine selbstgefällige Welt überrollen, die Zivilisation zerstören und die Überlebenden wieder dort anfangen, wo alles immer anfängt: Mit kleinen Waffen und kleinen Kriegen.

Schon 1949 ließ George R. Stewart in seinem Buch "Leben ohne Ende" eine rätselhafte Viruspest weltweit 99 Prozent der Menschen dahinraffen. Die Ordnung bricht zusammen, es gibt keine Regierungen, keine Kommunikation, keine Infrastruktur mehr. Die Zivilisation ist am Ende und wer die "Supermasern", wie sie im Buch heißen, übererlebt, weiß nicht, ob er darüber glücklich sein soll.

 Leben ohne Ende


 Zwei Wochen dauert die ganze Sache in diesem ersten Roman, der darauf ein neues Virus, "unterstützt durch Flugreisen", "fast gleichzeitig in jedem Zentrum der Zivilisation auftreten" lässt und vorhersagt, dass es "allen Quarantäneversuchen entkommen kann". Stewarts Held Ish hält durch, er findet Nahrung, Treibstoff und einen Hund namens Princess, der ihn begleitet, während er durchs Land wandert.

So ähnlich ist es bei "The Stand" von Stephen King, das 1978 den "Blue Virus" erfand, eine militärisch entwickelte Supergrippe, den die Menschen im Buch "Captain Trips" nennen. Zumindest so lange sie noch leben. Danach sind alle tot und King erzählt ein Kammerspiel, denn die Grippe hat 99,4 Prozent alles menschlichen Lebens ausgelöscht. King hat Corona vorhergeahnt: Auch Captain Tripps äußert sich in ersten Symptomen, die sich wie eine Erkältung anfühlen. Doch dann stirbt jeder, der sie bekommt, innerhalb weniger Tage.

Captain Tripps zu Besuch


King nutzt die Fähigkeit, um das Ende detailliert zu beschreiben. In Höchstform erzählt er, wie sich das Virus von Mensch zu Mensch verbreitet, eine Gemeinschaft erobert, einen Staat, die ganze Welt. Auch bei King sieht der Pandemieplan der US-Regierung vor, alle Meldungen zu unterdrücken, die der offiziellen Geschichte widersprechen, dass das alles gar nicht so schlimm ist.

Auch in Emily St. John Mandels Buch "Das Licht der letzten Tage" mordet eine Pandemie hat fast die gesamte Menschheit dahingerafft, doch selbst zwanzig Jahre danach geben die Überlebenden nicht auf. Obwohl Tod und Verfall ihre ständigen Begleiter sind, zieht eine Gruppe Übriggebliebener als Fahrende Symphonie durchs Lands auf der Suche nach einem Rest Früher in einem Heute, in dem sich die wenigen Überlebenden der großen Grippe allmählich mit dem Gedanken abfinden, dass es ein Zurück in die Zivilisation des Davor nicht geben wird.

Doch danach ist immer davor.

Und vielleicht ist das eigentlich Berauschende am Gedanken, dass alles nur ein Ende hat, der, dass es nicht so ist.

Corona dignidad: Die Gesundbeter



Der öffentlich-rechtliche Sender "Funk" wusste von Anfang an, dass Corona aus dem Propagandalabor der Rechtspopulisten stammte und keinesfalls ernstgenommen werden durfte.

War nicht gerade noch vor allem die Frage zu lösen, ob der Sozialismus im nächsten Anlauf endlich richtig funktionieren würde? Ob Friedrich Laschet, Jens Merz oder Armin Spahn Deutschland in die nächste Ära goldenen Lichts führen würde? Und ob der Abstand zwischen neuen Windkraftanlagen künftig bundesweit 1000 Meter betragen oder besser jedes einzelne Bundesland festlegen soll, dass er 1000 Meter beträgt?


Die Kuh in Thüringen wenigstens war vom Eis, nachdem alle Demokraten sich zusammengetan und dem Faschismus Paroli geboten hatten. Dann kam das Virus aus dem Osten wie einst die Finanzkrise aus dem Westen kam, Deutschlands Spitzenpolitik zeigte sich überzeugt, dass die Insel seligen von einem kleinen Krankheitserreger niemals erschüttern werden könne. Und als der Boden dann doch wackelte, griff man sofort zum Alleräußersten: Die Besucherkuppel im Reichstag wurde gesperrt. Und dann sprach auch noch die Kanzlerin, die bis dato eigentlich kaum etwas von sich hatte hören lassen.


Zwei einmalige Maßnahmen


Gleich zwei bisher einmalige Maßnahmen, die zeigen, wie ernst die Lage nun auch im politischen Berlin gesehen wird. Auch Deutschland müsse einen Mittelweg finden zwischen „alles tun“ und „nichts machen“, analysiert die "Welt", lässt dabei aber außer Betracht, dass man auch einfach nur das Falsche tun kann und das dann auch noch zum verkehrten Zeitpunkt. Lieber zu spät als gleich, dann aber so heftig wie möglich, statt mit kühler Vernunft.

Klug hat man dem Virus die Brutzeit gewährt, die es brauchte, vom punktuellen Ereignis zur Gesamtschadenkatastrophe aufrücken zu können. Sie hatten einen Plan, sogar einen Pandemieplan. Aber als es soweit war, erinnerte sich niemand, dass es ihn gab. Und die, die glaubten, wider besseren Regierungswissens mahnen zu müssen, wurden als Panikmacher beschmimpft, hässliche Hamsterer, die von einer deutschen Bundesregierung erwarteten, sie möge Schutzkleidung und Schutzmasken vorhalten! Als hätte der Gesundheitsminister in der entscheidenden Phase nicht Wichtigeres zu tun gehabt: Er musste schließlich für den Vize-Vorsitz der CDU kandidieren! Und da sind zahlreiche Absprachen zu treffen, Allianzen zu schmieden und  die Zustimmung der Kanzlerin war auch noch einzuholen.


Vollversagen im entscheidenden Moment


Anzunehmen ist nach der bisherigen Performance eines Kabinetts auf Urlaub von der Wirklichkeit, dass genau das Gegenteil dessen gelingen wird., was sie sich vorgenommen haben. Die Seuche wird größer werden als in Italien, vielleicht sogar größer als in China. Deutschland ist wieder wer, Nummer 1, ganz oben in der Viren-Hitparade.


An Nibelungentreue herrscht kein Mangel.
Begleitet von Medien, die die Weltkatastrophe erst als rechte Verschwörungstheorie brandmarkten (Video oben), um sie später dann als alleiniges  Problem der Fußball-Bundesliga zu vermarkten, fielen die Verantwortungsträger in die Falle der eigenen Rückkopplungsschleife: Ihre treuen Berichterstatter zitierten sie mit Parolen wie der, dass "rund vier von fünf Infizierten nur leichte bis gar keine Symptome" hätten, also gar kein Grund zur Beunruhigung bestehe. Paar Ginsengtropfen, dann wird das wieder. Immerhin hat die Kanzlerin nach ihrem Befinden eine ganz hervorragende "Jetzt-sind-Sie-dran-liebe-Bürger"-Rede gehalten. Das stählt die Moral, wie seit Tagen eigentlich jede Fernsehsendung in ARD und ZDF.

Die nächste Stufe werden Ratgebersendungen sein, in denen mutige Moderatoren mit Freiwilligen Masken basteln.  Auch Home-grow-Desinfektionsmittel wird angerührt werden, aus dem Benzin aus dem Tank des Autos, das nicht mehr fahren darf vielleicht.  Und wir kochen Seife aus der Haut des Hundes, der dem Klima immer schon geschadet hat und nun sowieso nicht mehr Gassigehen soll.

Keiner wird sterben, das ist doch klar


An den Glücklichen gehe die Krankheit „mehr oder weniger vorbei“, betonte Jens Spahn, sie bildeten dadurch eine Immunität, die die Ausbreitung verlangsame. „Das ist gut so.“ Aufatmen in der Protokollabteilung. Kuh vom Eis, Bedrohung besiegt. Später bei der Zeitungslektüre schluckten die Zitatspender die selbsterfundenen Beruhigungspillen, dankbar, dass nicht wirklich Schlimmes passiert war.

Gesundbeten aber hilft nur, so lange niemand ernsthaft krank wird. Als das Kratzen im Hals der Nation zu einem trockenen Husten  geworden war, der kaum noch zu überhören ist, gelang es schnell nicht mehr, vom katastrophalen Charakter des Geschehens abzulenken. Momente nur schien das Schicksal eines Bundesligaspieltages entscheidend für das weitere Schicksal des Landes zu sein, Stunden vermochte die Frage abzulenken, was im Falle von Schulschließungen mit den vielen Kindern werden solle, die nun allein zu Haus ausharren müssten.

Selbst die emotional diskutierte Schicksalsfrage der Terminierung der anstehenden Abiturprüfungen und eine breite Kampagne gegen volksschädliche Hamsterer, die dreist für den Ernstfall vorsorgen, vermochte nicht länger zu verbergen, was die Bundeskanzlerin schließlich ein Ereignis, "außergewöhnlicher als die Bankenkrise" zu nennen beliebte, um mit dieser entschlossenen Volte aus der Nachhut der Verharmloser an die Spitze der Bewältiger zu springen. Sie war's nicht. Schrapps war's!

Er hat den Hut verloren. Nicht sie. So dreist das Manöver scheint, so gut gelingt es. Denn die Magazine, die das Virus anfangs als willkommenen Verbündeten im Kampf gegen die chinesische Führung begrüßt hatten, werden nun den Teufel tun und sich daran erinnern. Wie es ist, ist es nun auch wieder gut, alle machen alles richtig, immer, und wenn es zu spät ist, dann wenigstens im richtigen Moment. "Wir haben viel mehr Angst vor der AfD als vor dem Virus", lässt der "Spiegel" eine Rentnerin sagen. Hinter allem anderen stecken wie immer "der Kreml und rechte Populisten", die jetzt Fehlinformationen streuen.

Doch sie werden Deutschland nicht in die Knie zwingen. Schon bereitet Olaf Scholz das zwölftzigste Zwölftausend-Milliarden-Rettungspaket für die Infizierten vor, die Wirtschaft wird immer stärker und die Belüftungskapazitäten der Intensivstationen werden erst verdoppelt und dann verdreifacht.

Falls Sie eigene Beobachtungen oder Informationen zu Vorgängen im Zusammenhang mit der Corona-Krise, der Lage in Krankenhäusern, bei Behörden, in Firmen, Ämtern oder irgendwo sonst haben, von denen die Welt wissen sollte, schreiben Sie uns: Mail an PPQ

Donnerstag, 19. März 2020

Schöner sterben mit Corona: Wenn kein Lachen im Halse steckenbleibt



Satire muss alles dürfen müssen, sie kann beleidigen, religiöse Gefühle verletzen und Minderheiten verschaukeln, sie darf - zumindest vorerst noch - sogar in die Irre führen und sie schafft das, wenn Satirekonsumenten einen Moment lang nachdenken müssen, ob das,was sie da gerade lesen, hören oder sehen, wirklich wahr oder ausgedachter Quatsch ist. Wenn das Lachen im Halse steckenbleibt, ist der Zweck der Übung erreicht. Satire muss nicht lustig sein, nur treffend.

Was Satire niemals darf, ist allerdings in den geltenden bundesweiten Satirerichtlinien genauso festgezurrt und unabänderlich: Satire darf nicht unlustig sein, sie darf nicht eindimensional grausam Boshaftigkeit predigen oder dazu dienen, Menschen wegen ihres Geschlechtes, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Heimat und Herkunft, ihrer Glaubens, ihrer religiösen oder politischen Anschauungen, ihrer Haarfarbe, ihres Alters, ihrer Körpergröße oder der Form ihrer Nase oder Zehen herabzuwürdigen, ihnen Übles zu wünschen oder gar den Tod anheimzustellen.

Beim Jugendfernsehen Elf99 "Funk", einem Internetsender, mit dem das öffentlich-rechtlich Rundfunksystem in Deutschland die Zahl seiner Sender zur Sicherung der sogenannten Grundversorgung erfolgreich auf nunmehr 102 erhöhen konnte, arbeitet das "Bohemian Browser Ballett nichtsdestotrotz daran, den Satirebegriff der Deutschen krisengerecht auszuweiten. Im aufwendig gemachten Film "Corona rettet die Welt" bewirbt sich das Redaktionskollektiv um die Liebe aller Altenheimbewohner, ja, überhaupt aller Menschen über 55: Sie, im Grunde genommen die Hauptfinanzierungsquelle der halbjugendlichen Gebührenfunker, mögen doch bitte recht schnell sterben an der Seuche, denn das entlaste das Klima und rette damit Welt für nachkommende Generationen.

Der Zwei-Minuten-Film ist nachfragetechnisch gesehen ein Kracher, verglichen mit den meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit bei Youtube verklappten Funk-Filmen. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer fand die mit vielen Effekten und mehreren Darstellern inszenierte Betrachtung zur  klimaeugenischen Kraft von Convid-19, die von den Machern selbst als "bittere Ironie" bezeichnet wird. Eine Kunstform, die ankommt, denn trotz der menschenverachtenden Todeswünsche, die der Film äußert, fanden sich mehr als 10.000 besinnungslose Funk-Fans irgendwo da draußen in denn heruntergefahrenen und eingefrorenen Seuchen-Landschaften, die den von keiner normalmenschlichen Regung angekränkelten Machern ein "Gefällt mir" hinterließen.

Ein Land am Rande des Nervenzusammenbruchs, das sich staatsnahe Sender leistet, in denen amoralisch versteinerte Jungfunker ihren Hass auf alles, was anders ist, älter oder kranker, brutalstmöglich ausleben können. Und ein Publikum finden, das ihnen dafür auch noch applaudiert.

Wenn Angela Merkel nach Ansicht ihrer eingeschworenen Gemeinde auch gerade eine Ruckrede gehalten hat, die "emotional, empathisch und mit großer Kraft" (Die Zeit) zu einer gemeinsamen Kraftanstregung zur Bewältigung einer "Herausforderung", wie es "seit dem Zweiten Weltkrieg keine gab" (Merkel), lässt die Satire des Bohemian Browser Balletts ebenso wie andere gefeierte Hassbotschaften vermeintlich aufgeklärter und moralisch erhabener Absender vermuten, dass es anders kommen wird.

Ansteckparty Deutschland: Das große deutsche Maskenmärchen

In anderen Staaten nützen Masken mehr als keine Masken, der deutsche Sonderweg aber lautet Maskenvermeidung, sonst fällt noch auf, dass der Staat bei Vorsorge vollkommen versagt hat.

Sie sind nicht im Ansatz perfekt, nicht einmal die ganz teuren. Andererseits schaffen Gesichtsmasken keine neuen Gefahren: Je nach Bauart hindern sie zwischen 30 und 85 Prozent der feuchten Anteile in der menschlichen Atemluft daran, ungehindert nach außen zu gelangen. Trägt das gegenüber ebenfalls eine Maske, hindert die wieder zwischen 30 und 80 Prozent der Restmenge daran, ungehindert zu den Schleimhäuten des Empfängers durchzudringen.

Zusammengerechnet minimiert eine simple Atemschutzmaske die Übertragungswahrscheinlichkeit eines Tröpfchens aus der Atemluft eines Menschen zu einem anderen Menschen also um bis zu 90 Prozent. Dazu kommt eine Minimierung der Gefahr, dass sich Menschen unbewusst mit den eigenen nicht desinfizierten Händen ins Gesicht greifen. Masken, das besagen Studien, schützen stets besser als keine Masken. Selbst simpelste selbstgebastelte Masken aus T-Shirts oder Bettbezügen filtern noch über 50 Prozent. Angesichts der Kosten von ein paar Eurocent pro Maske (Friedenspreis) und ein paar Euro derzeit unter globalem Nachfrageüberhang liegt die Entscheidung für oder gegen eine Maske klar auf der Hand.

Bloß keine Maske tragen!


Die Bundesregierung sah das genauso. Und versuchte vom ersten Tag der heraufziehenden Corona-Krise alles, um die Bürgerinnen und Bürger davon abzuhalten, sich Masken zu besorgen und sie zu tragen. Obwohl früher mit der Krise konfrontierte Staaten wie China und Südkorea als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung auf eine allgemeine Maskenpflicht setzten, empfahl das bundeseigene Robert-Koch-Institut das Tragen von Masken ausschließlich in medizinischen Bereichen, in denen Infektionen nachgewiesen oder nachweisbar sein könnten. 

Die offizielle Begründung klingt so windelweich, dass sie wie ihr eigenes Dementi wirkt: Es gebe "keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert", teilten die Experten mit. 

Übersetzt wohl am besten mit: Trägt eine infizierte Person die Maske, könnte es die Evidenz geben, deshalb reden wir von denen mal nicht, zumal viele Infizierte von ihrer eigenen Infektion ja offenbar zum Teil Tage nichts mitbekommen. Und auf deren Seite, bei den Nicht-Infizierten, könnte es eine Evidenz geben, zumal der Aufwand, eine Maske zu tragen, äußerst gering ist. Aber diese Information ist gehalten, Teile der Bevölkerung zu beunruhigen. Deshalb sagen wir mal: Ausreichend hinreichend ist die Evidenz nicht, sonst rennen noch alle los und es drohen Maskenaufstände.

Der Gesundheitsminister selbst propagierte den Maskenverzicht als angeblich rationale Entscheidung: "Masken bringen nichts", sagte er und er warnte die Menschen sogar davor, sich selbst irgendwelche Schutzausrüstung zuzulegen.

Wahnsinn mit Methode 


Ein Wahnsinn, aber einer mit Methode. Wichtiger als die Verhinderung weiterer Ansteckungen war der Bundesregierung offenbar die Verhinderung gesellschaftlicher Unruhen, die für den Fall befürchtet wurden, dass öffentlich wird, dass es keinerlei Vorräte an Masken für den Pandemiefall gibt. So hat Deutschland zwar knappe zehn Kilo Lebensmittel pro Kopf der Bevölkerung für den Notfall eingelagert, aber keine Schutzmasken, nicht einmal der einfachsten Art. Die ließen sich zwar aus Küchenpapier, aus Lappen oder Tüchern behelfsmäßig so herstellen, dass sie immer noch mehr schützten, als gar kein Schmier- und Tröpfchenschutz im Gesicht. Allem Anschein nach aber galt das Bestreben der Politik nicht dem möglichst hohen Schutz der Bürger, sondern primär der Verhinderung beunruhigender Bilder von Menschen, die mit Masken durch die Städte laufen.

Das gleicht den Ereignissen von 2015, als die Grenzen nicht unbedingt nur aus humanitären Gründen nicht geschlossen wurden, sondern weil die Bundeskanzlerin unschöne Filmaufnahmen von Auseinandersetzungen zwischen Grenzschützern und verzweifelten Flüchtlingen zu verhindern trachtete. Statt Masken zu empfehlen oder wie andere Länder vorzuschreiben, beschloss die Bundesregierung anfangs, Ratschläge wie "zwei Meter Abstand", "in die Ellenbeuge husten" und "Händewaschen" zu geben, die allesamt in Kombination mit einer Maskenpflicht in der Öffentlichkeit um ein Vielfaches wirksamer gewesen wären. Und schließlich, als das Händewaschen die Verbreitung des Virus nicht stoppte, lieber das gesamte Alltagsleben lahmzulegen - ohne für weiterhin notwendige Besuche in Supermärkten, Apotheken oder beim Bäcker eine Maskenpflicht anzuweisen. 

Die Toten zahlen fürs Prinzip


Zu zahlen ist für diese medial von Politiker, Medien und selbsternannten "Faktencheckern" verteidigte Entscheidung, deren einziger positiver Effekt tatsächlich die Garantie ist, den heruntergefahrenen Alltag normal aussehen zu lassen, vermutlich ein hoher Preis. Da sich das Virus durch Tröpfcheninfektion verbreitet, macht es ihm jede Art der Bedeckung der Schleimhäute schwerer, zu einem neuen Wirt vorzudringen. Selbst selbstgebaute Hilfmasken wären dabei nützlicher als sie Schaden anrichten könnten, selbst eine Sportbrille oder ein Winterhandschuh wäre als ergänzende Schutzmaßnahme besser als keine. Da aber die Bundesregierung nicht mehr hinter ihre ursprüngliche Linie des "Masken nützen nichts" zurück kann, muss es nun bei der Ablehnung dieser naheliegenden, bewährten und preiswerten Schutzmaßnahme bleiben,  schließlich hat sich die Berliner Politik mit widersprüchlichen Anweisungen und Behauptungen zuletzt schon zur Genüge bemüht, das in der Krise unabdingbare Vertrauen der Bürger abzubauen.

Wer es verloren hat, findet hier Hinweise zum Selbstbau von Schutzmasken.


Der deutsche Sonderweg: Warum nur keine Maskenpflicht?

Mittwoch, 18. März 2020

Die wahre Seuche: Krisenstab gegen Fake News-Gefahr

Eine typische Fake News der verbotenen Art: Weder bedeuten geschlossene Grenzen noch leere Regale, dass man sich in der DDR befindet, man kommt sich allenfalls so vor.
Als ein Mitglied der französischen Regierung davor warnte, Ibuprofen zu benutzen, um gegen das Corona-Virus anzukämpfen, kam er daheim straflos damit durch. In Deutschland widersprachen ihm immerhin führende ARD-Nachrichtensprecher: Fake News lautete hier das Urteil über die besonders von Rechtspopulisten gern verbreitete Information. Der Franzose ist genetisch anders gebaut, bei ihm verschärft die Zugabe von Ibuprofen die Virusfolgen. Der Deutsche hingegen kann das beliebte Ibu bedenkenlos schlucken, denn es er ist anders gebaut, ihm hilft das Medikament, gesund zu werden.




Gefährliches Ibuprofen ist ungefährlich


Woher aber soll wer wissen, was gerade richtig ist? Eben noch wies die Bundesregierung selbst die üble Propaganda rechter Hetzer zurück, die behauptet hatten, es gebe Planungen, das öffentliche Leben in Deutschland nahezu einzufrieren. Dann wurde es eingefroren.

Auch im Kampf gegen Hamsterer, ganz, ganz miese Gesellen, die gesellschaftsfeindlich versuchen, sich selbst mit Lebensmitteln, Batterien und Kloappier zu bevorraten, grassierten viele verunsichernde Fake News, denen sich Minister, Ministerinnen und die angeschlossenen Funkhäuser entschieden entgegenstellte. Keine Versorgungsengpässe! Alles gut, alles sicher und jedermann ein Hundsfott, der mehr als zwei Flaschen Cola und ein Päckchen Käse zu Hause hortet.

Bis zu dem Tag, an dem das ARD-Morgenmagazin plötzlich Tipps gab, wie man sich richtig bevorratet. Und die eigentlich schon weitestgehend aus der Öffentlichkeit verschwundene EU-Chefin Ursula von der Leyen für Verunsicherung sorgte, als sie vor den Schwierigkeiten warnte, die der Handel bekommen könne, um seine Lager mit bestimmten Produkten zu füllen.

Die Fake News von gestern werden jeweils spätestens übermorgen Realität. Und was gerade noch in großer Einheitlichkeit als felsenfeste Wahrheit verkündet wurde, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Märchen aus tausendundeiner Seuchennacht, das umso weniger oft richtiggestellt wird, umso weiter es ungeprüft verbreitet wurde.

Trumps Kaufangebot aus dem Medienmärchenland


Im Fall der Biotech-Firma Curevac hat der "Triebtäter Trump" (Berliner Zeitung) die Behauptung, dass er die deutsche Firma habe kaufen wollen, ebenso dementiert wie das die Firma selbst getan hat. Eine entsprechende Offerte aus den USA sei ein Gerücht ohne Substanz, hat Firmenchef Franz-Werner Haas inzwischen erklärt. Doch wo die Geschichte doch so schön ist und so viel Tatkraft der Bundesregierung unter Beweis stellt, darf sie weiterlaufen, bis Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Streit offiziell für beendet erklärt, den es nie gegeben hat.

Solche Fake News verwirren die Menschen, zumindest soweit sie mit einander widersprechenden Informationen konfrontiert werden. Boris Pistorius, im Rennen um einen SPD-Chefsessel unterlegen, aber immer noch in Sorge um das Land und die Menschen, hat deshalb jetzt ein Verbot von Falschnachrichten und Halbwahrheiten in der Coronakrise gefordert. "Fake News zur Versorgungslage sind brandgefährlich", sagte der Sozialdemokrat dem Fake-News-Fachmagazin "Der Spiegel", ohne Ursula von der Leyens Warnungen vor möglichen Versorgungsengpässen ausdrücklich zu nennen. Solche Falschnachrichten könnten "Panik, Hamsterkäufe und Konflikte auslösen und seien daher auf das Schärfste zu verurteilen, kritisierte der Sozialdemokrat die CDU-Politikerin.

Strafe auch für den SWR und einen SPD-Politiker


Helfen sollen dagegen Bußgelder und Strafandrohungen, weil nur ein härteres Vorgehen gegen deren Verbreitung von Gerüchten für Meinungshygiene sorgen könne. Nach dem Vorbild der Aktion gegen Miesmacher und Kritikaster von 1934 könnten das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten beziehungsweise das Strafgesetzbuch so angepasst werden, dass es künftig verboten ist, "öffentlich unwahre Behauptungen die Versorgungslage der Bevölkerung, die medizinische Versorgung oder Ursache, Ansteckungswege, Diagnose und Therapie von Covid-19 zu verbreiten", so Pistorius.

Dem SPD-Mann steht das Gemeinwohl über allem. Mit einer neuen Gerüchtegesetzgebung riskiert er nämlich selbst harte Strafen, denn auf seiner Facebook-Seite verbreitet er bis heute selbst die unwahre Behauptung, der Bund würde keine baldige massive Einschränkung des öffentlichen Lebens in Deutschland planen.

Strafverfolgung muss demnächst auch der öffentlich-rechtliche SWR fürchten, der die Warnung vor Ibuprofen wie andere große Leitmedien fälschlicherweise als Fake News  bezeichnet und damit eventuell sogar Leben gefährdet hatte. Inzwischen hat die Weltgesundheitsorganisation WHO auf die durch deutsche Medien grassierenden  Falschbehauptungen reagiert und klargestellt, dass Ibuprofen tatsächlich unter Verdacht steht, bei Corona-Patienten zu inneren Blutungen zu führen.

Mit der neuen Fake-News-Gesetzeslage hätte der Staat hier endlich ein Handwerkszeug zur Verfügung, um Verantwortliche für unwahre Behauptungen hart zu bestrafen.